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Sex mit dem Ex?

1. KAPITEL

Lungert Ihr Exmann in der Gegend herum und gibt Ihnen zu verstehen, dass er sich wieder mit Ihnen versöhnen möchte? Glaubt er, er könnte sich wieder bei Ihnen einschmeicheln? Lassen Sie sich nicht hereinlegen! Und wiederholen Sie – Männer ändern sich nicht.

Der Scheidungsratgeber für die moderne Frau

Ivy Madison war von Natur aus nicht gewalttätig, aber als die „Überraschung“, von der sie in den letzten drei Monaten ständig gehört hatte, gemächlich aus der Limousine stieg, spielte sie in Gedanken damit, ihre Cousine Deirdre zu ermorden.

Das konnte doch nicht wahr sein!

Blake, Deirdres Verlobter, hatte seinen Trauzeugen vom Flughafen abgeholt. Es konnte unmöglich sein, dass dieser wie ein Staatsgeheimnis gehandelte Trauzeuge, den Ivy –Deirdre zufolge – lieben würde, ausgerechnet Dillon Marshall war. Deirdre würde doch sicher nicht von ihr erwarten, an einer Hochzeit teilzunehmen und noch dazu vor der Zeremonie eine ganze Woche in der mexikanischen Villa zusammen mit dem größten Fehler ihres Lebens zu verbringen.

Oder etwa doch?

Vielleicht war die Überraschung ja, dass der Trauzeuge nur wie Dillon aussah. Das musste es sein. Sie würden herzhaft darüber lachen, dann würde Ivy sich entspannen und die ersten richtigen Ferien seit der Herausgabe ihres Buches genießen.

Es musste einer dieser eigenartigen Zufälle sein.

Der Mann, der unmöglich ihr steinreicher Exmann sein konnte, nahm seine Sonnenbrille ab und enthüllte ein vertrautes Paar herausfordernder stahlblauer Schlafzimmeraugen. Früher hatte ein Blick aus diesen Augen genügt, dass Ivys Knie weich wurden und ihr Verstand aussetzte.

Fast wäre ihr ein herzhafter Fluch herausgerutscht, aber sie hielt sich mühsam zurück, während in ihr die widerstreitendsten Gefühle tobten.

Sie wandte sich vom Fenster ab und drehte sich zu ihrer Cousine um. Auf deren Erklärung war sie sehr gespannt, wenn sie auch insgeheim immer noch hoffte, dass Deirdre ihr versichern würde, der Mann in der Auffahrt wäre natürlich nicht der, für den sie ihn hielt.

Deirdre lächelte schuldbewusst und brachte ein schwaches „Überraschung!“, heraus.

Ivys Herz schien einen Schlag auszusetzen und ihre Knie fühlten sich zittrig an. Sie fühlte, wie Übelkeit in ihr hochstieg. Das konnte nicht wirklich passieren. Schließlich hatte sie einen sehr guten Grund gehabt, warum sie Dillon in den letzten zehn Jahren aus dem Weg gegangen war.

Ihr war ein wenig schwindlig, und sie ließ sich langsam auf das Sofa sinken. Dann sah sie wieder aus dem Fenster. Die Männer holten gerade Dillons Gepäck aus der Limousine. Bald würden sie ins Haus kommen.

Deirdre setzte sich auf das andere Ende des Sofas, weit genug entfernt, um vor eventuellen Übergriffen geschützt zu sein. „Ich weiß, du willst mich jetzt wahrscheinlich umbringen, aber ich kann es dir erklären.“

Oh ja, Deirdre würde auf jeden Fall sterben müssen, und es würde ein langsamer schmerzhafter Tod sein. „Was hast du getan, Deirdre?“

„Ich habe wirklich eine sehr gute Erklärung.“

So gut konnte keine Erklärung sein. Ivy wusste, was sie zu tun hatte. Sie musste ihre Sachen packen, sich aus dem Hinterausgang schleichen und den nächsten Flug nach Texas nehmen. In Gedanken machte sie eine Liste ihrer Habseligkeiten und versuchte sich auszurechnen, wie lange sie brauchen würde, um sie in ihrem Koffer zu verstauen.

Ach, zum Teufel mit ihren Sachen. Zu Hause hatte sie mehr als genug. Sie brauchte eigentlich nur ihren Laptop und ihre Handtasche. In zwei Minuten könnte sie schon aus dem Haus sein. Dillon würde gar nicht merken, dass sie hier gewesen war. Es sei denn …

„Das war doch auch für ihn eine Überraschung, oder?“, fragte sie Deirdre mit angehaltenem Atem.

Deirdre biss sich auf die Unterlippe und wich ihrem Blick aus. Ivy spürte, wie ihr wieder übel wurde. „Deirdre, sag mir bitte, dass er nicht weiß, dass ich hier bin.“

Deirdre wurde blass.

„Deirdre! Sag was!“

„Er weiß es.“

Na, das wurde ja immer schöner. Das hieß, dass Flucht ausgeschlossen war. Auf keinen Fall durfte Dillon merken, dass er sie verscheucht hatte. Aber das besonders Unfaire war, dass er Zeit gehabt hatte, sich auf ihre Begegnung vorzubereiten. Er würde nur das Richtige sagen und tun. Andererseits musste sie zugeben, dass Dillon nicht zu den Leuten gehörte, die Zeit brauchten, um sich auf irgendetwas vorzubereiten.

Gott, sie saß wirklich in der Klemme.

In diesem Moment wurde die Haustür geöffnet, und Ivys Herz schlug schneller. Deirdre sprang auf und lief den Neuankömmlingen entgegen, um sie zu begrüßen. Ivy blieb allein zurück.

Verräterin.

Sie war einfach nicht bereit für diese Begegnung. Wenn man sie nicht dazu zwingen würde, würde sie wahrscheinlich nie bereit sein, Dillon wiederzusehen. Es gab zu viel böses Blut zwischen ihnen, zu viel Kummer.

Aus dem anderen Zimmer hörte sie Stimmen, die sich begeistert und erfreut anhörten. Darunter erkannte sie eindeutig Dillons sonoren Bariton. Das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Sie bekam kaum noch Luft. Was auch geschah, sie konnte diesem Mann unmöglich in diesem Zustand gegen-übertreten.

Mit zittrigen Beinen stand sie auf und sah aus dem Fenster der davonfahrenden Limousine nach. Sie hörte, wie die anderen davon sprachen, das Gepäck ins Schlafzimmer zu bringen. Als sie die Treppe hinaufgingen, wurden ihre Stimmen leiser. Ivy schloss die Augen und hielt den Atem an, bis ihr schwindlig wurde. Insgeheim betete sie, dass Deirdre Dillon zu seinem Zimmer führte. So würde sie die unvermeidliche Begegnung wenigstens ein bisschen hinausschieben können.

Sie brauchte etwas mehr Zeit. Zehn oder fünfzehn Minuten – allerdings wäre eine Woche besser gewesen.

Mehrere Sekunden lang herrschte völlige Stille. Ivy spürte, wie ihr Herz sich allmählich zu beruhigen begann.

Plötzlich erfüllte sie ein vertrautes Gefühl, etwas Warmes, Beunruhigendes. Ohne sich umdrehen zu müssen, wusste sie ohne jeden Zweifel, dass Dillon den Raum betreten hatte. Sie spürte seine Gegenwart, seinen Blick auf ihrem Rücken, als hätte sie einen sechsten Sinn, wenn es um ihn ging. Sie bekam eine Gänsehaut und straffte unwillkürlich die Schultern. Jetzt war es also so weit.

Ivy nahm jeden Funken Mut zusammen, den sie aufbringen konnte, setzte eine, wie sie hoffte, gleichgültige Miene auf und drehte sich um, um sich ihrer Vergangenheit zu stellen, von der sie bis heute geglaubt hatte, sie würde sie nie wiedersehen müssen – den Mann, der vor Kurzem als einer der begehrtesten Junggesellen des Landes bezeichnet worden war.

Er lehnte am Türrahmen, die Arme vor der Brust verschränkt. Seine Arme waren muskulös, aber nicht zu sehr, seine Brust kräftig, ohne übertrieben zu wirken. Alles an ihm hatte genau die richtigen Proportionen. Ivy dachte daran, wie oft eben diese Arme sie umschlungen hatten, wie oft sie den Kopf an diese breite Brust gelehnt und den Duft seines Rasierwassers eingeatmet hatte. Die Erinnerung daran drohte ihr den Atem zu nehmen.

Mit seiner Jeans, dem weißen T-Shirt und den Cowboystiefeln sah der milliardenschwere Öltycoon genauso aus wie damals auf dem College. Aber jetzt strahlte er eine natürliche Autorität aus, das Wissen um seine Bedeutung war so sehr ein Teil von ihm, dass es ganz selbstverständlich für ihn war. Er war eindeutig ein Mann, der genau wusste, was er wollte, und keine Angst hatte, es auch zu bekommen. Wer sich ihm in den Weg stellte, würde es am Ende bedauern.

Sein Blick glitt langsam von ihren pink lackierten Zehennägeln immer höher. Er zeigte keine Verlegenheit und keine Zurückhaltung, als hätte er jedes Recht der Welt, sie mit den Augen auszuziehen.

Ivy verschränkte die Hände hinter dem Rücken, damit er nicht sah, wie sie zitterten. Was war nur los mit ihr? Sie war nicht mehr das naive wohlbehütete Mädchen, das sich von einem aufregenden jungen Rebellen beeindrucken ließ. Sie war eine starke selbstbewusste Frau, die den Scheidungsratgeber für die moderne Frau geschrieben hatte. Sie stand auf der Bestsellerliste der „New York Times“, Himmel noch mal. Sie würde doch wohl mit Dillon Marshall fertig werden.

Hoffte sie jedenfalls.

Sein Blick glitt über sie und verweilte schließlich auf ihren Brüsten, als wollte er sie liebkosen. Ivy spürte, wie die Spitzen kribbelten. Der Wunsch, die Arme zu verschränken, war fast unerträglich, aber sie wollte ihm nicht den Gefallen tun und Schwäche zeigen. Diese Begutachtung war doch nur Teil eines Spielchens, das er mit ihr spielte.

Sie kniff die Augen zusammen und hob leicht das Kinn an, als wollte sie ihn warnen, sich nicht mit ihr anzulegen. Als er ihr ins Gesicht sah, und ihre Blicke sich trafen, verzog er den Mund zu einem nur allzu vertrauten frechen Grinsen.

Er schüttelte den Kopf und sagte anerkennend: „Süße, du siehst wirklich zum Anbeißen aus.“

Wenn Blicke töten könnten, würde Dillon im nächsten Moment an Petrus’ Himmelstor klopfen. Die hellbraunen Augen seiner Exfrau schienen ihn aufspießen zu wollen. Was ihn an einen ganz bestimmten Tag in der Vergangenheit erinnerte. An dem Tag vor zehn Jahren, als sie ihn verließ, hatte Ivy ihn genauso angesehen.

An die Einzelheiten jenes Tages konnte er sich noch immer nur verschwommen erinnern. Nach einer durchzechten Nacht mit seinen Kumpeln war er morgens um sieben sturzbetrunken ins Haus getorkelt. Das dritte Mal in der Woche, dabei war es erst Mittwoch gewesen. Dillon hatte versucht, sie ins Bett zu locken, um ihr zu zeigen, wie leid es ihm tat – früher hatte es schließlich auch funktioniert, verdammt – und sie hatte ihm eine leere Bierflasche an den Kopf geworfen. Zu seinem Glück war ihre Treffsicherheit genauso schlecht gewesen wie ihre Laune.

Wie gut sie aussah, groß und schlank und mit verführerischen Kurven. Sie besaß die Art von Schönheit, die ein Mann nicht sofort erkannte, die ihn dann aber nicht mehr losließ und für immer zum Sklaven machte.

Wie schade, dass sie eine solche Nervensäge war.

Er legte noch mehr Charme in sein Lächeln und wusste, dass es sie bis aufs Blut reizen musste. Aber genau das war der Grund für seine Reise hierher. Er hatte die Absicht, sie leiden zu sehen. „Was denn, kein Kuss?“

Und wie erwartet, erschien eine winzige Falte zwischen ihren Augenbrauen. Sie hatte alles schon immer zu ernst genommen. Früher hatte er ihr Selbstvertrauen und ihre Entschlossenheit bewundert. Ivy wusste genau, was sie wollte, und hatte keine Angst, auch dafür zu kämpfen. Schade nur, dass sie nie gelernt hatte, auch ein wenig Spaß im Leben zu haben. Er hatte sein Bestes getan, es ihr beizubringen, aber was hatte es ihm am Ende eingebracht?

Nur eine Menge Kummer.

Was für eine Befriedigung es ihm verschaffen würde, endlich ihren Widerstand zu brechen.

„Du siehst gar nicht glücklich aus, mich zu sehen“, sagte er spöttisch.

Sie kniff die Augen zusammen, als glaubte sie, sie bräuchte sich nur ein bisschen zu konzentrieren und er würde sich in Luft auflösen.

„Alles klar, du denkst immer noch, dass ich ein … wie hast du es noch in deinem kleinen Büchlein formuliert?“ Er kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Sinngemäß, ein egoistischer, sturer Schwachkopf, oder?“

Sie hob herausfordernd das Kinn. „Ich habe kein einziges Mal deinen Namen erwähnt in meinem kleinen Büchlein, also kannst du gar nicht wissen, auf wen ich mich bezog.“

Sie hatte vielleicht nicht seinen Namen genannt, aber es war nur zu offensichtlich gewesen. Für ihn auf jeden Fall, aber auch für seine Familie und seine Freunde, genauso wie für Millionen von Frauen, die in den Buchläden Schlange standen, um an den neuesten Ratgeber zu kommen, der überall in Rekordzeit zum Bestseller geworden war.

Fast jede negative kleine Geschichte und Anekdote, die sie im Buch erwähnte, hatte Ivy direkt ihrer gemeinsamen Ehe entnommen. Die Folgen waren für ihn verheerend gewesen. Die Art von Frauen, mit denen er normalerweise ausging, hatten keine Zeit mehr für ihn, und die Frauen, die er vielleicht hätte haben können, würde er nicht einmal seinem schlimmsten Feind an den Hals wünschen.

„Außerdem benutzte ich die Begriffe egozentrisch und Dickkopf“, fügte sie hinzu. „Von Schwachkopf war nie die Rede, obwohl du es verdient hättest, so genannt zu werden.“

Mit einer theatralischen Geste legte er sich die linke Hand auf die Brust. „Mein Liebling, du brichst mir das Herz.“

„Das Süßholzraspeln kannst du dir sparen. Ich glaube nicht, dass du glücklicher darüber bist als ich, eine ganze Woche hier mit mir zusammengepfercht zu sein.“

Es sah ihr so ähnlich, alles Unwichtige beiseitezuschieben und gleich zum Punkt zu kommen. Aber wie üblich irrte sie sich mal wieder. Er hätte gar nicht glücklicher sein können.

„Deirdre und Blake zuliebe werde ich versuchen, das Beste daraus zu machen“, sagte sie in ihrem herrischen Ton. „Ich erwarte von dir dasselbe.“

Darauf würde er wetten. Glaubte sie etwa, sie würden genau dort weitermachen, wo sie aufgehört hatten? Dass er springen würde, sobald sie einen Befehl aussprach? Hatte sie vergessen, dass er nicht mehr auf Befehle reagierte?

„Und wie meinst du, sollten wir das tun?“, fragte er mit honigsüßer Stimme, da er genau wusste, dass sie das auf die Palme brachte.

„Ich finde, wir sollten uns, so gut es geht, aus dem Weg gehen. Ich werde dich nicht stören, und du störst mich nicht. Nach dieser Woche brauchen wir uns nie wiederzusehen.“

Der letzte Teil klang zu gut, um wahr zu sein. Aber es war sogar noch besser. Er hatte nach einem Weg gesucht, sie zu ärgern, sie so unglücklich zu machen wie nur möglich, und sie hatte ihm gerade einen sozusagen auf dem silbernen Tablett serviert. Das Schlimmste, was er einem Kontrollfreak wie Ivy antun konnte, war natürlich, ihr diese Kontrolle zu entreißen.

Er unterdrückte den Impuls, zu lächeln und tat so, als würde er über ihre Forderung nachdenken. Dann nickte er feierlich. „Klingt mir wie ein sehr guter Vorschlag.“

Sie betrachtete ihn misstrauisch. „Also ist es okay?“

„Sicher.“ Es klang wirklich wie ein guter Vorschlag. Was ja nicht bedeutete, dass er sich daran halten musste.

Sie ahnte ja nicht, was seine Familie durchgemacht hatte, als ihr Buch erschienen war. Man konnte es ruhig kindisch und unreif nennen, aber Dillon fand, dass er absolut im Recht war, wenn er ein wenig Rache nehmen wollte.

Wenn Ivy sich wirklich wünschte, dass er Abstand zu ihr hielt, dann würde es ihm ein besonderes Vergnügen sein, in der nächsten Woche ständig an ihr zu kleben, als wären sie siamesische Zwillinge.

2. KAPITEL

Sie fühlen sich hilflos, hoffnungslos? Wehren Sie sich, und übernehmen Sie die Kontrolle! Zeigen Sie dem Mann, wer der Boss ist.

Der Scheidungsratgeber für die moderne Frau

Ivy saß auf dem süßen kleinen Balkon ihres Schlafzimmers und las den Roman, den sie im Flugzeug angefangen hatte. Die Sonne fühlte sich warm auf ihrer Haut an, und die feuchte salzige Meeresbrise spielte mit ihrem Haar.

Wo könnte man sich besser entspannen, die Füße hochlegen und an nichts Unangenehmes denken? Und trotzdem war sie so nervös, dass sie denselben Absatz etwa ein halbes Dutzend Mal gelesen hatte und immer noch nicht wusste, was darin stand.

Sie legte das Buch zur Seite und rieb sich die schmerzenden Schläfen. Eigentlich hätte das hier eine Art Urlaub für sie werden müssen. Es hätte ihr Freude machen müssen.

Die Tür zu ihrem Schlafzimmer wurde geöffnet und Ivys Cousine kam herein. „Bist du da?“

Ivy sah auf ihre Armbanduhr. Deirdre hatte eine ganze Stunde gebraucht, um genug Mut zusammenzunehmen und Ivy gegenüberzutreten.

„Ich bin hier draußen“, rief sie.

Ein paar Sekunden später kam Deirdre zu ihr heraus auf den Balkon. „Bist du böse auf mich?“

Böse? Das drückte nicht einmal ansatzweise aus, was Ivy empfand. Sie fühlte sich verletzt und verraten und gedemütigt. Deirdre war eigentlich ihre beste Freundin, die Schwester, die sie nie gehabt hatte. Und jetzt stellte sie Ivy eine solche Falle? Wie hatte sie ihr so etwas verheimlichen kön-nen?

Ivy drehte sich zu ihr um. Deirdre sah aus wie die Personifizierung des schlechten Gewissens. Wochenlang war sie mit den Nerven am Ende gewesen, weil sie sicher war, Blakes Eltern würden ihn überzeugen, dass er als Spross einer reichen einflussreichen Familie eine bessere Frau finden könnte als Deirdre, die weder schön noch reich war.

Ivy hatte gerade heute Morgen einige Tafeln Schokolade und eine halb leere Schachtel Pralinen in Deirdres Zimmer gefunden und konfisziert. Wenn ihre Cousine nämlich nicht aufpasste, würde sie nicht mehr in ihr zehntausend Dollar teures Designer-Hochzeitskleid passen. Zu allem Überfluss zeigte sich Deirdres Nervosität auch in einem Ausschlag am Kinn, der sie verständlicherweise noch nervöser machte.

All das entschuldigte jedoch nicht ihren Verrat.

„Wie konntest du mir das antun?“

„Es tut mir so leid. Aber ich wusste, du wärst nicht gekommen, wenn ich es dir gesagt hätte. Und ohne dich als Brautjungfer wäre alles unerträglich für mich.“

Deirdre gehörte zu den Frauen, die schon anfingen, ihre Hochzeit zu planen, wenn sie kaum sprechen können. Als sie zwölf war, hatte sie bereits einen deckenhohen Stapel Hochzeitsmagazine angehäuft. Und nach einigen missglückten Versuchen hatte sie schließlich doch ihren Traumprinzen gefunden. Ivy hatte das Gefühl, dass Deirdre dies als ihre allerletzte Chance ansah und dass, wenn nicht alles genau so verlief, wie sie es geplant hatte, sie den Rest ihres Lebens allein und kinderlos verbringen und als alte Jungfer sterben würde.

„Ich habe dir gesagt, dass der Trauzeuge ein alter Freund vom College ist, und du wusstest, dass er und Blake zusammen zur Schule gingen.“

Ivy wusste, dass sie sich in Harvard eine Wohnung geteilt hatten, bis Dillon hinausgeworfen worden war, aber sie hatte nicht gewusst, dass die beiden Männer so eng befreundet waren. Ivys und Dillons Hochzeit in Las Vegas war so plötzlich passiert, dass keine Zeit für einen Trauzeugen oder eine Brautjungfer gewesen war. Oder für eine Hochzeitstorte oder gar ein Hochzeitskleid.

Es war eher eine Trotzreaktion gewesen, als ihre Eltern versucht hatten, sich in ihre Beziehung einzumischen. Und das Einzige, was sie wirklich damit bewiesen hatten, war, dass Liebe nicht nur blind macht, sondern auch völlig dumm.

Die traurige Wahrheit war, dass sie und Dillon sich kaum gekannt hatten, als sie heirateten. Erst am nächsten Tag, als es bereits zu spät war, hatte Ivy ihren Fehler erkannt.

„Ich weiß, du wirst es wahrscheinlich nicht glauben“, sagte Deirdre, „aber Dillon hat sich geändert.“

„Du hast recht. Ich glaube es nicht.“ Männer wie Dillon änderten sich nie.

„Vielleicht ist es Zeit für dich …“ Deirdre hielt inne und biss sich auf die Unterlippe.

„Zeit für mich, was zu tun?“

Sie zuckte die Achseln. „Nun ja, dass du darüber hinwegkommst.“

„Über was hinwegkomme?“

„Ich meine, vielleicht wird es Zeit, dass du ihm vergibst.“

Ihm vergeben? Machte Deirdre Witze? Hatte die Aufregung vor der Hochzeit ihr den Verstand benebelt? Hatte sie vergessen, was Dillon ihr angetan hatte?

Welche Frau kam darüber hinweg, dass man ihr das Herz in eine Million Stücke zerbrach? Wie sollte sie vergessen, dass sie ein Stipendium verloren hatte, aus dem College geworfen worden war und man ihren Ruf ruiniert hatte? Und wie sollte sie jemandem verzeihen, der keinen Hauch von Reue zeigte und einfach lächelnd dabei zusah, wie ihre Welt zusammenbrach? Dabei hatte er geschworen, sie zu lieben und zu ehren, bis dass der Tod sie schied. „Was Dillon mir angetan hat, ist unverzeihlich, und das weißt du.“

Deirdre setzte sich auf einen Stuhl neben Ivy. „Ich ertrage es nur nicht, dass du so unglücklich bist.“

Ihre Worte trafen Ivy wie ein Schlag. „Wovon redest du da? Mein Buch wird mir förmlich aus den Händen gerissen, meine Privatpraxis floriert. Warum in aller Welt sollte ich unglücklich sein?“

„Du bist doch die Psychologin. Sag du es mir.“

Ivy hatte alles, was sie sich je erträumt hatte – eine gut laufende Karriere und ein beeindruckendes Aktienpaket, also persönliche und finanzielle Unabhängigkeit. Sie war nicht unglücklich, sondern im Gegenteil wahnsinnig glücklich. „Zu deiner Information, ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben.“

„Wann hattest du das letzte Mal eine ernsthafte Beziehung? Wann hast du das letzte Mal mit einem Mann geschlafen? Wann hattest du überhaupt mal ein Date in letzter Zeit?“

„Ich brauche keinen Mann, um mich gut zu fühlen.“ Ihre Worte kamen automatisch aus ihrem Mund. Es war ihr Mantra und der Basisgedanke ihres Buchs.

„Vielleicht nicht, aber es macht Spaß, sie um sich zu haben.“

Aber sie waren die Mühe nicht wert. Ivy hatte ihre Karriere und ihre Freunde, und das reichte ihr. Wenigstens vorübergehend. „Die Falle, in die du mich hier gelockt hast, bringt mich in eine entsetzliche Lage. Bei all den Leuten, die zur Hochzeit geladen sind, wird es sich herumsprechen, dass ich das Wochenende mit meinem Ex in Mexiko verbracht habe. Du weißt, wie rücksichtslos die Presse sein kann. Wenn sie nun das Gerücht verbreiten, dass wir wieder zusammen sind? Was, glaubst du, wird das für Folgen für meinen Ruf haben?“

„Ich gebe ja zu, dass ich nicht so weit gedacht habe.“ Deirdres Unterlippe zitterte, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Ich wollte nur helfen. Wenn du abreisen willst, kann ich das verstehen.“

Ivy seufzte. So wütend sie auch auf ihre Cousine war, sie wusste, dass sie nur ihr Bestes wollte. Deirdre war der gutmütigste Mensch auf der Welt. Wenn sie sagte, dass sie nur hatte helfen wollen, dann stimmte das auch, und sie hatte es aus Liebe und Sorge um ihre Cousine getan.

Ivy drückte Deirdres Hand. „Ich gehe nirgendwohin. Es ist die wichtigste Woche deines Lebens, und ich möchte sie um nichts auf der Welt verpassen.“

Jetzt konnte Deirdre sich nicht länger zurückhalten, und die Tränen liefen ihr über die Wangen. „Danke.“

„Außerdem habe ich mit Dillon gesprochen, und wir sind zu einer Art Übereinkunft gekommen. Ich gehe ihm aus dem Weg, und er mir.“ Sie drückte wieder Deirdres Hand, um sie zu beruhigen, und zwang sich zu einem Lächeln. „Wie schlimm kann es schon werden?“

Sehr schlimm, erkannte Ivy etwa fünfzehn Minuten später, nachdem Deirdre gegangen war, um nach dem Abendessen zu schauen. Wirklich sehr, sehr schlimm.

Ivy hatte wieder dieses seltsame Gefühl von vorhin, als sie Dillons Anwesenheit gespürt hatte. Jetzt sah sie auf und entdeckte ihn auf seinem Balkon am entgegengesetzten Ende des Hauses. Er sah ihr direkt in die Augen, und es schien, als hätte er die ganze Zeit geduldig abgewartet, bis Ivy ihn bemerkte.

„Hi!“, rief er und winkte ihr zu. Er sah aufs Meer hinaus und atmete tief ein, wobei seine breite Brust sich noch mehr weitete. „Fantastische Aussicht, was?“

Oh ja, musste sie insgeheim zugeben, während ihr Blick wie gegen ihren Willen über Dillons Körper glitt. Und schon spürte sie es, das erregte Herzklopfen, das sie immer überkam, wenn Dillon in ihrer Nähe war.

Nein. Sie senkte den Blick hastig wieder auf ihr Buch. Sieh ihn nicht an. Ermutige ihn nicht auch noch. Vielleicht begreift er ja den Wink mit dem Zaunpfahl und lässt dich allein.

Aber er tat nichts dergleichen. „Was machst du gerade?“

„Lesen“, antwortete sie leicht gereizt, weil das eigentlich offensichtlich sein musste. Vielleicht würde es ja reichen, wenn ihre Antworten kurz und knapp blieben. Dann würde er sie vielleicht in Ruhe lassen, wie er es immerhin versprochen hatte.

Sie hatte sich zu viel erhofft.

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