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Selbstversorgung

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Vorwort

Schön, dass Sie mein Buch aufschlagen! Falls Sie jetzt aber den ultimativen Ratgeber erwarten, der Ihnen erklärt, wie man jedes nur erdenkliche Gemüse im Garten kultiviert, muss ich Sie enttäuschen. Dann greifen Sie lieber zum Titel nebenan. Ich kann Ihnen in den folgenden vierundzwanzig Kapiteln jedenfalls weder mit Geheimwissen noch mit Patentrezepten dienen. Und ich werde Ihnen auch nicht Schritt für Schritt erklären, wie Sie mit maximalem Erfolg Melonen, Tomaten oder Porree anbauen. Stattdessen erzähle ich Ihnen von meinen eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen als Selbstversorger. Meine Geschichten, Erlebnisse und Tipps für Sie erheben dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und es ist gut möglich, dass andere Autoren genau das Gegenteil behaupten.

Dafür sind meine Worte aber keine graue Theorie, sondern basieren auf echten Erfahrungen, die ich über viele Jahre hinweg in meinem Garten gesammelt habe. Was ich Ihnen berichte, ist sozusagen ein »Best-of« meiner Erfolge als Selbstversorger, vor allem aber auch meiner Misserfolge und gescheiterten Experimente, aus denen ich gelernt habe und die ich Ihnen nicht verheimlichen möchte. Denn ohne mein häufiges Scheitern wäre ich nicht zu dem geworden, was ich heute bin: Auf meine Art und mit meinen Methoden produziere ich jedes Jahr eine Kalorienmenge, mit der ich theoretisch meine vierköpfige Familie ernähren kann. Theoretisch? Damit meine ich, dass ich unsere Selbstversorgung so weit in die Tat umgesetzt habe, wie das im 21. Jahrhundert eben möglich und zudem sinnvoll ist. Denn das moderne Leben hat mehr zu bieten als nur drei warme Mahlzeiten am Tag. Und auf viele Dinge, die es früher nicht gab, will ich auch als Selbstversorger nicht verzichten. Sie etwa? Sehen Sie, dann liegen Sie mit diesem Buch sogar goldrichtig.

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KAPITEL 1

VON NULL AUF GARTEN

Welcher Gartentyp sind Sie?

Schwuppdiwupp, schon sprießt das Gemüse im Garten? Wäre ja schön. Doch ganz so einfach ist das leider nicht. Und jeder hat ja auch so seine persönlichen Ansprüche und Vorstellungen. Der eine möchte sich unbedingt vegan ernähren, der andere will nie wieder einen Fuß in einen Supermarkt setzen, arbeitet aber in Vollzeit und leidet zudem unter einer Schneckenphobie. Wir sehen uns mal an, was für ein Gartentyp Sie sind – und was Ihre Träume sonst noch beflügeln oder vielleicht auch eintrüben könnte.

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Das muss ich Ihnen noch vorab erzählen

Ob auch ich zum Einkaufen gehe? Aber klar doch, zumindest manchmal. Im Einkaufskorb landet aber nur das, was ich nicht selbst erzeugen kann, also vornehmlich Milch- und Getreideprodukte. Im Winter kaufen wir auch mal eine Gurke oder ein paar Tomaten und manchmal ein wenig Obst aus fernen Ländern. Schweinefleisch besorgen wir uns nur in Maßen, denn auch dafür habe ich eine Alternative gefunden, und natürlich Speck – ein Grundnahrungsmittel hier bei uns in der Gegend. Alles andere kann ich heute problemlos im eigenen Garten anbauen und produzieren.

Ohne Kinder würde ich in Sachen Selbstversorgung übrigens noch viel weitergehen. Ich selbst bin nicht wählerisch mit dem, was ich esse. Ich kann auch wochenlang von Kartoffeln leben. Da die Kinder, so sind sie nun mal, gerne auch Nudeln oder Reis essen, mache ich natürlich Zugeständnisse.

Schnell, schnell geht leider nicht

Wie verwandelt man ein neu angelegtes Grundstück schnell in einen guten und vor allem ertragreichen Garten? Solche Fragen erreichen mich oft. Meine Antwort lautet immer: Kompost, Gründüngung und vor allem Zeit. Das ist wie mit dem englischen Rasen, den ein arabischer Scheich anlegen wollte. Kennen Sie den Witz? Der Scheich hatte alle Ratschläge seines englischen Schlossgärtners berücksichtigt, doch es will ihm nicht gelingen: Sein Rasen ist nicht einmal annähernd so ansehnlich wie der vor Schloss Windsor. In seiner Verzweiflung fragt er nochmals bei seinem Gärtner nach und der antwortet: »Aber sicher funktionieren meine Ratschläge. Sie müssen sie nur für die nächsten hundert Jahre befolgen!«

So verhält es sich auch mit einem Gemüsegarten. Regelmäßige Pflege und Zeit führen zum Erfolg. Ausschließlich. Da helfen auch nicht noch so ausgeklügelte Pülverchen und Mittelchen aus den Laboren der Industrie, und da helfen auch keine Stoßgebete. Sie brauchen vielleicht keine hundert Jahre, aber mit zehn müssen Sie schon rechnen.

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»BLAUE UND ROTE KARTOFFELN GIBT ES WIRKLICH!«

Manche halten sie aber für genmanipulierten Zauber, weil sie diese Sorten nie kennenlernen durften – und Kartoffeln im Supermarkt in der Regel ja auch immer gleich aussehen.

WELCHER GÄRTNERTYP SIND SIE?

Menschen, die Hobbygärtner oder sogar Selbstversorger werden wollen, könnten kaum unterschiedlicher sein. Der eine legt Wert auf vegane Ernährung, der andere versinkt in Depressionen, wenn mittags kein Stück Fleisch auf dem Teller liegt. Dem einen reichen die gängigen Gemüsesorten wie Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Weißkohl und vielleicht noch ein paar Kräuter. Der andere ist neugierig und versucht sich an Kulturen, die in Vergessenheit geraten sind, etwa Pastinaken, Steckrüben, Linsen oder auch Erdnüsse. Für mich macht gerade diese Neugier, das Unbekannte, den Reiz des Gärtnerns aus. Ein Garten kann jedem das bieten, was ihn glücklich macht.

Während der eine aus seiner Kindheit noch einige Grundkenntnisse mitbringt, vielleicht weil Eltern oder Großeltern selbst noch einen Garten hatten, ist gärtnerisches Grundwissen beim anderen Fehlanzeige. Ich selbst erlebe es immer wieder, dass Menschen mit einer Roten Bete nichts anzufangen wissen, weil sie dieses Gemüse einfach nie kennengelernt haben. Der eine hat die Möglichkeit, bei Nachbarn, Oma, Opa oder Onkel Jürgen nachzufragen, wenn Probleme auftauchen, der andere hat diese Option eben nicht und muss auf andere Quellen zurückgreifen.

Die Natur gibt den Takt vor

Bei der Herangehensweise spielt aber auch eine Rolle, wo man lebt und wie sich die Natur verändert: Ich kann mich an Jahre erinnern, in denen mein Garten kaum abgetrocknet ist, so viel hat es hier im Rheinland geschüttet – nur Matsch, Schlamm und dicke Lehmklumpen an den Stiefeln. An vernünftige Gartenarbeit war nicht zu denken. Dementsprechend bescheiden waren damals meine Erfolge. In den letzten Jahren hingegen hat sich das Klima radikal verändert. Die Sommermonate waren gnadenlos trocken, sodass ich mit dem Gießen kaum hinterherkam.