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Sehnsucht nach Erdbeeren- zwischen Chaos und Leidenschaft

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages, des Herausgebers und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Alle in diesem Buch aufgeführten Namen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen oder tatsächlichen Begebenheiten sind rein zufällig.

Mein Buch ist keine Anklage, auch keine Suche nach Entschuldigungen. Viel mehr verstehe ich es als die einmalige Chance, mich wieder auf den Weg zu machen.

Dem lieben Gott, Paula, meiner Familie und Freunden möchte ich mit diesem Buch Danke sagen.

Ein besonderer Dank gilt Fabian und den Mitstreitern in den Selbsthilfegruppen.

Vor meiner Mutter, Oma Anna und Opa Johann verneige ich mich in Ehrfurcht

Prolog

Sie war gerad' fünfundzwanzig Jahr' die Welt stand still, als ich sie sah vor vor mir lag mein ganzes Leben.

Sie sah mich an mit einem Blick, ich bring' die Jugend dir zurück- du stehst nie mehr allein im Regen.

Ich dachte, dass mein Leben neu beginnt, ein Stern den Himmel mir auf Erden bringt- was war geschehen?

Ich verspürte einen Schock, als ich sie sah, in ihrem super engen Rock so vor mir stehen.

Sie war gerade fünfundzwanzig Jahr'.

Ob sie wohl Engel oder Teufel war?

Das kann nur der Wind mir sagen.

Die Erde fing zu brennen an, sie zog mich fest in ihren Bann- wir wurden vom Gefühl getragen.

Ihr Erdbeermund er war so süß, in ihren Augen lag das Paradies.

Wir konnten fliegen.

Der Sturm im Blut wuchs zum Orkan. Am See war unsere Landebahn- wo unsere Träume heut' noch liegen.

1. Kapitel

Am Horizont vorbei in die Ewigkeit

Zu den besonderen Highlights im Veranstaltungskalender unserer Stadt zählen zweifellos die Neuwieder Markttage. Die Sonne hat es an diesem Sonntagnachmittag im Oktober schwer, sich gegen die Wolken durchzusetzen. Die vermindernde Kraft des Licht und Wärme spendenden Planeten ergänzt sich mit den herbstlichen Angeboten aus der Region. Beides deutet unweigerlich darauf hin, dass die dritte Jahreszeit begonnen hat. Gedankenverloren schlendere ich an den unzähligen in ihrer Vielfalt teilweise sehr unterschiedlichen Ständen entlang. Vorbei am Heerlanger der Ehrengarde schaue ich mich auf dem Handwerkermarkt ein wenig um, dann gehe ich schnurstracks in Richtung Weindorf. Aus der Entfernung locken bereits frischer Zwiebelkuchen und Federweißer. Zum Glück kann ich hier zumindest einen Stehplatz an einem bäuerlichen Hüttenstand ergattern und beim Blick in die Menge für mein leibliches Wohl sorgen. Die laute Stimme eines Marktschreiers dringt an mein Ohr. Den neugierigen Blicken der vielen Menschen um mich herum folgend sehe ich, wie er einen Spankorb mit Äpfeln hochhält und dabei in die Menge ruft: „Leute, wollt Ihr goldgelbe Äpfel?“ Keiner scheint zu reagieren. Ungetrübt dieser Tatsache stellt er den Korb wieder bei Seite, nimmt eine Handvoll Bananen in beide Hände, hält sie noch höher als vorhin die Äpfel und schreit jetzt noch lauter „Wollt Ihr gut gewachsene Bananen?“ Als auch jetzt niemand auf sein Angebot reagiert, legt er die Bananen bei Seite, dabei schaut er jetzt allerdings etwas verzweifelt.

Mit grimmigen Blicken holt er nach und nach ein paar Apfelsinen aus einer Holzkiste, wirft sie einfach in die Menge- eine trifft mich voll am Kopf. So darf ich die Markttage nicht nur erleben, sondern auch hautnah spüren. Aus einem Akt der Verzweiflung heraus, den sein verzerrtes Gesicht und das Krächzen in seiner mit letzter Kraft angespannten Stimme deutlich erkennen lässt, schreit er die Frage heraus: „Was wollt Ihr dann?“ So erwartungsvoll er auch mit Nachdruck versucht das Interesse der Besucher zu wecken- ja teilweise sogar flehend um den Kauf seiner Waren zu betteln scheint- es gelingt ihm nicht, zumindest eine Antwort auf seine Frage zu bekommen. „Was wollt Ihr denn?“ Da ist sie wieder, seine Frage, die mich plötzlich doch animiert so laut ich kann meine persönliche Antwort heraus zu schreien: „Strawberries will ich! Ganz frische, wunderschöne rote strawberries!“ Der Marktschreier vermittelt zunächst den Eindruck, als wäre er jetzt völlig erschöpft. Seine Handbewegungen signalisieren ein Zusammenpacken der Waren und lassen einen sofortigen Rückzug vermuten. Überraschend überlegt er es sich anders. Beherzt springt er von seinem erhöhten Verkaufsstand hinunter, geht auf mich zu, stellt sich neben mich und klopft mir auf die Schulter. Dabei antwortet er grinsend auf mein Verlangen nach strawberries: „Hey, wo kommst Du her Mann, hast Du bis heute etwa auf dem Mond gelebt? Es ist Oktober! Die Zeit für frische Erdbeeren ist doch längst vorbei.“. Ohne ein Wort zu sagen senke ich meinen Blick, wende mich von dem Mann ab und lasse mich im Besucherstrom zwischen Marktbuden und Verkaufsständen durch die Straßen schieben. Völlig im Unklaren darüber, wo ich jetzt eigentlich hin will, nehme ich nach einer Weile den Duft von herzhaftem Essen wahr. Wie selbstverständlich stehe ich vor der Imbisstheke des Biergartens am Rhein und verlange nach einer Bratwurst. Auf dem Weg durch den Schlosspark fallen mir Worte meiner Großeltern ein. Rosen blühen nicht in unserem Garten“ hatte Oma immer gesagt, wenn ich Dinge vermisste, die ich nicht haben konnte Ja und Opa hat mich immer getröstet, wenn die Erdbeerzeit vorbei war. „Die süßen und roten Früchte kannst Du nur eine bestimmte Zeit lang genießen- wie so Vieles im Leben“ hat er dann gesagt. Ein lautes Rattern unterbricht meine Lethargie- ein Personenzug rollt über die Brücke in Irlich. „Ob er wohl nach Oberhausen fährt?“ denke ich. Hier ist der Schlosspark zu Ende. Ein paar Treppen führen zu einer spitzförmigen Plattform hinunter zum Rhein. Im Hintergrund vermittelt mir ein von den Farben des Herbstes bunt geschmückter Schlossgarten das Gefühl endloser Harmonie. Meine Nase signalisiert mir den angenehmen Duft von frisch gefallenem Herbstlaub- mit berauschten Sinnen stehe ich an der Stelle an der die Wied in den Rhein mündet. Wie schon so oft schaue ich auf das fließende Wasser des breiten Flusses und versuche Antworten auf Fragen nach dem Sinn des Lebens zu finden. Die Überzeugung, das Wasser die Kraft hat mich und mein verpfuschtes Leben einfach so aufzunehmen und wegzutragen, hat heute ein besonders starkes Gewicht. So gehe ich einfach weiter geradeaus und spüre wie das kalte Wasser meinen Körper umspült…

„Komisch“, denke ich, als sich meine Augen öffnen. „Wo ist denn das Wasser plötzlich hin?“ Im gleichen Augenblick schnelle ich hoch, mein Körper vibriert, er vermittelt mir das Gefühl, als wäre ich auf einem elektrischen Stuhl fest gebunden, dabei sitze ich doch nur im Bett. Mein Kopf fühlt sich an, als sei er mit Blei gefüllt. So sehr ich auch versuche wach zu bleiben und aufzustehen, drückt es mich zurück ins Kissen. Der Versuch die Augen offen zu halten erweist sich als zwecklos, das Reich der Träume holt den Taucher zurück und lässt ihn die Tiefen seiner Seele am Grunde des Rheins erkunden.

„Wusstest Du Alfi, dass eine Erdbeere gerade mal zehn Kalorien hat?“ „Na dann sind Erdbeeren doch perfekt“ beantworte ich die Frage der jungen, süßen Frau im durchsichtigen, hauchdünnen roten Seidenkleid. Wie immer zieht sie mich magisch an. Meine Blicke ruhen auf ihrem hübschen, zarten Gesicht, ein ohrenbetäubendes Knistern liegt in der Luft. Genussvoll beißt sie kleine Stücke der herrlich roten Frucht ab. „Was darf ich mich glücklich schätzen solch' einen wahrhaft traumhaften Engel an meiner Seite zu haben.“ Während ich die Worte leise ausspreche streichle ich ihr liebevoll durch das Haar, sie trägt einen Haarschmuck aus schwarzen Federn. „So unattraktiv bist Du auch nicht Alfi. Dein Problem ist das starke Übergewicht. Daran kannst nur Du selbst etwas ändern.“ Jetzt bloß nicht die wundervolle Atmosphäre mit deinen Selbstzweifeln zu Nichte machen“ denke ich. Oft fühle ich mich einer jungen Frau wie ihr gegenüber gar nicht würdig, da ich viel älter als sie bin, zu wenig Haare auf dem Kopf habe und viel zu viele Kilos mit mir rum trage. Solche Gedanken führen schnell zur Resignation- jetzt möglichst die gute Atmosphäre retten…

„Du hast Recht Liebling, in Zukunft esse ich mehr Erdbeeren anstatt Schokolade.“ Ich versuche mich wieder auf die prickelnde Erotik zu konzentrieren, die so langsam mein Blut in Wallung bringt, als ich das rote Kleid auf den Teppichboden fallen sehe. Vorsichtig verteile ich ein paar Erdbeeren auf ihrem Körper, den ich gerne mit dem eines Rubensengels vergleiche. Eine Erdbeere lege ich in ihren Mund. Angeregt von der Sinnlichkeit, die mittlerweile den Ton angibt, deren Zauber wundersame Gefühle bewirkt, beginne ich die Erdbeere vorsichtig abzubeißen. Von ihren rhythmischen Bewegungen inspiriert, tasten sich meine Lippen immer weiter nach unten, ich verwöhne sie bis zur letzten Erdbeere.

In die wundervoll entzückten Töne erotischer Begeisterung, der bezaubernden Musik im Hintergrund, die jedes Eis zum Schmelzen bringen, gesellt sich plötzlich das grelle Schrillen eines Weckers.

„Nein, das darf doch jetzt nicht wahr sein!“ Der grelle Ton wird lauter- der Wecker bleibt hartnäckig. Nervös fuchtele ich mit der linken Hand, taste in das leere Bett neben mir. Mit der rechten Hand versetze ich dem unholden Quälgeist einen Hieb. „Der wird wohl als Wecker nicht mehr dienen.“ Jetzt fällt es mir wieder ein, heute Morgen wollte ich den Grundstein legen, mich mit mir und meinem Leben auseinanderzusetzen. Also nichts wie raus aus dem Bett. Ab ins Bad, frühstücken und dann mit dem Schreiben meines Buches beginnen.

„Paula- wie schön wär' es für mich, zu wissen, dass es da oben auf unserem Erdbeerplaneten möglich ist, mein Buch zu lesen- birgt es doch so viele Erinnerungen an Dich und an unsere gemeinsame Zeit. Hättest Du es geschrieben wäre manches sicherlich etwas anders dargestellt. Irgendwie seltsam das es auf der ersten CD, die Du mir damals geschenkt hast bereits um den Abschied geht, der uns irgendwann in einem anderen Leben erspart bleibt. Wer weiß, vielleicht erleben wir einen zweiten Venustransit, wenn ich nachkomme und wir uns auf dem bitter süßen Planeten wiedersehen. Stell Dir vor, etwa vor hundert Jahren sind wir uns in einem früheren Leben schon einmal begegnet, so wäre es immerhin möglich das wir uns nach hundert Jahren im nächsten Leben wieder treffen, Du auch dann wieder die strahlende Sonne sein wirst, die ich mit ungeschützten Augen zu tief anschaue.

Lass mich unseren gemeinsamen Jahren zwischen bedingungsloser Hingabe, abgelöst von gegenseitiger absoluter Gleichgültigkeit mit diesem Buch ein Denkmal setzen.

Schon möglich, das Dich meine Sucht nach endlosem Lieben und Geliebt zu werden erdrückt hat. Vieles habe ich wohl falsch eingeschätzt, ohne darüber nachzudenken, ob meine Wünsche nur der eigenen Fantasie entsprechen oder auch dem Wesen meiner Partnerin. Heute denke ich darüber nach, wie einsam Du manchmal neben mir gewesen sein musst, während ich der Realität entflohen bin und mich an meine Illusion geklammert habe. Es gibt allerdings auch Momente, in denen all meine Gedanken an früher zu dem Ergebnis führen, alle entscheidenden Ereignisse um uns herum seien von einer unsichtbaren Macht einfach fremd bestimmt gewesen. Sei mir nicht böse, wenn ich im Zusammenhang mit uns einen Diamanten erwähne, den ich im Dunkel meines Lebens gefunden habe und er so einzigartig, wundervoll glitzert und mich so inspiriert, dass er manchmal noch in meinen Träumen lebt. Dann wird mein Bett zu einem riesigen Feld voller Klatschmohn in dem wir beide liegen. Die Schlafzimmerdecke verfärbt sich zu dem blauen Himmel, an dem wir gemeinsam die Schäfchenwolken zählen. Es ist genau der gleiche Himmel, den ich nachts um Rat frage, wenn ich hier auf der Erde keine Antwort mehr finde. Klar, dass ich Deinen jugendlichen Charme- manchmal abgelöst von innerer Zerrissenheit- niemals vergessen kann. Wenn ich abends in meine leere Wohnung komme, vermisse ich den Blick einer ebenso zärtlichen wie intelligenten Frau, die sich mit mir auf den gemeinsamen Abend freut. Mein Leben wird niemals ausreichen, auch nur einen der Augenblicke zu vergessen, der uns nach Aufregung und seelischem Stress an rauschenden Bächen, auf sonnigen Wiesen oder in unserer gemütlichen Hütte im Wald die notwendige Ruhe zurück gegeben hat. Was haben wir nicht alles auf uns genommen, um uns ein Paradies fernab unserer chaotischen Welt zu erschaffen. Hier durften wir erfahren, dass der Himmel, die Sonne, die Luft und die Liebe zu den schönsten Dingen des Lebens gehören. Du konntest so viel ausstrahlen, wenn Du meine Hand genommen, sie fest an dein Herz gedrückt und dabei zu den Sternen hinauf geschaut hast. Immer wieder erlebe ich in Gedanken, wie Du dich sorglos und frei im Tanz zu der Musik von Whitney Housten bewegst Du bist barfuß, drehst dich im Kreis und streckst Deine Arme nach mir aus. Dabei vermittelst Du so verdammt viel Lebensfreude! Es tut mir so leid, dass ich die stumme Traurigkeit, die eines Tages plötzlich aus Deinen Augen blickte nicht ernst genug genommen habe. Ich habe es wohl nie richtig bemerkt, das wir Beide zwar immer noch auf dem gleichen Kissen schlafen, aber unsere Träume immer weiter auseinander gehen. Mein Opa hat früher einmal gesagt, dass verschlossene Türen den, der hinaus will dazu veranlassen, durch das Fenster zu steigen. Heute ist mir die Bedeutung dieser Aussagen bewusster als jemals zuvor. Egal ob Fenster oder Tür, Du hast auf alle Fälle frischen Wind in mein Leben und in das meiner Töchter gebracht. Dafür danke ich Dir und wünsche Dir von Herzen ein Leben, fernab von allen Vorurteilen, Ängsten und Sorgen. Allerdings lasse ich keinen Zweifel daran, dass Du für immer einen festen Platz in meinem Herzen hast. Bei dem Klang Deiner Stimme im Ohr fällt es mir spontan ein, dass ich niemals wieder einer Frau begegnen werde, die so wundervoll strawberry sagen kann. Lehn' Dich zurück Paula. Sei ganz entspannt, steig mit mir ein in die Sams- tag/Sonntag- Achterbahn, die Gedanken und Gefühle im Bruchteil von Sekunden auf schwindelnde Höhen treibt, aber im nächsten Augenblick auch genauso schnell wieder hinunter in ein tief trauriges Tal fährt.“

2. Kapitel

Hell wie die Sonne und doch ein kleiner Stern in dunkler Nacht?

Heute Morgen habe ich nichts gegessen, dafür war ich noch zu sehr mit den süßen roten Erdbeeren beschäftigt. Nach der morgendlichen Dusche und einen guten Kaffee zur Stärkung nehme ich Papier und Bleistift in die Hand. Meine Aufzeichnungen beginnen mit den Aktivitäten im Selbsthilfebereich, entstanden aus der eigenen Erkenntnis, das krank sein nicht gleichzeitig bedeutet, sich selbst und allen anderen Menschen auf der Welt nur noch im Wege zu stehen. Das ehrenamtliche Engagement soll später sogar der Schlüssel zu einer verantwortungsvollen Aufgabe für mich werden…

Traurige Grundstimmung mit Zukunftsängsten, eine Aussage in den teils ambulanten, teils stationären Therapieberichten. Seit 1989 läuft in meinem Leben ein schleichender Prozess, der zunächst ganz unauffällig, später spürbarer und mittlerweile deutlich meine Motivation und Belastbarkeit einschränkt. Im Zusammenhang mit extremen Lebensereignissen haben sich meine Verstimmungen zu einer Behandlungsbedürftigen Depression entwickelt. Aus dem unterschiedlichsten Anlässenmanchmal auch ohne erkennbaren Grund- macht sich ein Gefühl der Leere breit. In meinem Bauch klafft eine schmerzende Wunde, die gleichzeitig ein großes Hungergefühl auslöst. Mit dem zwingenden Bedürfnis, das große Loch in meinem Bauch zu stopfen, verfalle ich in regelrechte Essanfälle, gegen die ich machtlos bin. Die tägliche Dosis Antidepressiva hilft mir morgens aus dem Bett raus zu kommen und die Zweifel an meinem Dasein auf ein lebensnotwendiges Maß zu begrenzen.

Im Frühjahr 1998 sitze ich wieder einmal völlig aufgelöst in der Therapiepraxis. Klaus bestärkt mich seit meinem ersten Klinikaufenthalt oft darin, trotz aussichtsloser Hilflosigkeit nicht aufzugeben. Mit hängenden Schultern, gesenktem Kopf und einem völlig leeren Blick zum Boden schildere ich dem erfahrenen Diplompsychologen den Verlust meines Arbeitsplatzes bei dem großen Lebensmittelkonzern in Koblenz. Die körperliche Arbeit, der enorme Leistungsdruck, als auch die Probleme in der Familie haben die Grenze meiner seelischen Belastbarkeit längst überschritten. Bereits lange vor der Kündigung durch den Arbeitgeber komme ich abends total kaputt nach Hause, freue mich darüber, so viel geleistet zu haben und verdränge den gesundheitlichen Abstieg ganz einfach. Klaus sieht die Resignation, verbunden mit der Erkenntnis, als Ernährer der Familie versagt zu haben. Zu Hause sind zwei sechs und vierjährige Kinder und die arbeitsunfähige Hausfrau und Mutter auf mich angewiesen, die gemeinsam mit mir überleben wollen. Der fachlich orientierte Mann appelliert in seiner menschlich wirksamen Art an voran gegangene Gespräche. Er erinnert an meine Idee den bereits erlernten Umgang mit der Krankheit weiterzugeben. Vielleicht stärkt es mein Selbstbewusstsein, Gleichgesinnte zu finden, um sich über gleiche oder ähnliche Schicksale auszutauschen.

Ein bisschen zuversichtlicher geworden, erzähle ich, wie mich seit der ersten Therapie entsprechende Literatur fasziniert, die Krisen gleichzeitig als Chancen beschreibt. Einige lebenspraktische Grundsätze aus den mit Spannung gelesenen Büchern sind auf der Festplatte in meinem Kopf gespeichert. Gerade fällt mir ein, dass Hilfe auch die Motivation zur Selbsthilfe beinhalten kann.

Marianne und Egon sind seit vielen Jahren gute Freunde unserer Familie. Sie besuchen uns wöchentlich zu Hause oder wir treffen uns in der Stadt in einem Café. Hier habe ich Marianne bereits 1992 kennen gelernt, als ich auf der Suche nach einer Gruppe zum gegenseitigen Gesprächsaustausch gewesen bin, wenige Monate bevor ich Carina getroffen habe. Egon überlegt nicht lange, als ich ihm frage, ob wir uns freitags, wenn sich Marianne mit ihren Kegelschwestern trifft, mit dem Aufbau einer Selbsthilfegruppe beschäftigen sollen. Egon kenne ich seit Januar 1996, er war bei der Geburtstagsfete eines Arbeitskollegen mit dabei. Hier lernen sich auch Marianne und Egon kennen, deren Ehepartner beide sehr früh verstorben sind und sie das Schicksal teilen, alleine keinen Sinn mehr im Leben zu sehen. Egon ist ein umgänglicher Mann, er kommt sehr freundlich rüber, hat gute Umgangsformen. So laden Carina und ich ihn eine Woche später zur Kindstaufe unserer Tochter Amelie ein. Hier begegnen sich Marianne und Egon wieder. Sie finden sich auf Anhieb sympathisch, verabreden gemeinsame Unternehmungen, tauschen untereinander ihre Sorgen aus und wachsen in vielen Wochen und Monaten als Partner zusammen. Egon und ich ergänzen uns in unserem ehrenamtlichen Engagement hervorragend. Bringt er doch viele Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen aus seiner beruflichen Zeit als Kranken- und Altenpfleger mit. Sich selbstlos für andere Menschen einzusetzen ist ihm nicht fremd- zum Beispiel ist er auch viele Jahre als Fahrer eines Krankenwagens unterwegs gewesen. „Seht Ihr, das ist so ein Ergebnis unserer Vorbereitungen für die neue Gruppe“. Stolz zeigen wir Marianne und Carina den Flyer, den wir in mühsamer Kleinarbeit entworfen haben. Menschen in Lebenskrisen sind eingeladen sich zu einem wöchentlichen Erfahrungsaustausch zu treffen. Mit dem Hinweis auf das Ziel, sich gegenseitig Mut zu machen, versprechen wir auch eine angenehme Atmosphäre in einer vertrauten Runde.

Ein paar Tage sind Egon und ich unterwegs, verteilen die Faltblätter an Kliniken, Arztpraxen, Ämter und soziale Dienste. In der Geschäftsstelle eines großen Sozialverbandes gelingt es uns im Gespräch mit dem Geschäftsführer, einen geeigneten Raum für die Gruppentreffen zu organisieren. Wir sind von der Resonanz auf unser Selbsthilfeangebot überwältigt. Viele Menschen nutzen die Gelegenheit, sich in der Gruppe mitzuteilen, Erfahrungen auszutauschen und weitere Treffen auch für private Unternehmungen zu vereinbaren. Professionelle Helfer aus Fachdiensten, wie zum Beispiel der psychosoziale Dienst beim Gesundheitsamt in Neuwied, aber auch ambulante oder stationäre Einrichtungen schenken uns ihre Aufmerksamkeit. Sie sprechen von unserer Selbsthilfegruppe als eine gute Ergänzung zu ihrer fachlichen Behandlung und Beratung. Das positive Ansehen unseres ehrenamtlichen Engagements treibt uns zu weiteren Ideen. Der inzwischen gegründete Interessenkreis für Menschen in Lebenskrisen bietet einmal im Monat einen Informationsabend für Angehörige und Interessierte an. Ein weiterer engagierter Mann signalisiert sein Interesse an aktiver ehrenamtlicher Mitarbeit. Peter. Er ist gelernter Koch und aus psychischen Gründen früh berentet. Unzählige Arbeitsstunden in Küchen renommierter Hotels, unzählige in ihrer Art völlig unterschiedliche Anforderungen im Dauerstress erzeugten für ihn ein oft unerträgliches Arbeitsklima. Peter bemerkte nach mehreren Zusammenbrüchen erst, dass er aufgeben muss. Mit der Umsetzung seiner Idee, sozusagen als Alternative zu den Gesprächsrunden einen monatlichen Treff zum gemeinsamen Kochen ins Leben zu rufen, bringt Peter frischen Wind in die Szene. Der Zusammenhalt unter Teilnehmern unterschiedlicher Selbsthilfegruppen wächst, da viele Menschen es begrüßen, sich außerhalb ihrer Zielrichtung und Betroffenheit in einem breiten Forum abzulenken. Mit Erika finden wir eine weitere Freundin die unseren Ausbau der Selbsthilfebewegung aktiv mitgestaltet. Mittlerweile entsenden wir aus unserer Gruppe Teilnehmer in öffentliche Arbeitsgremien aus den Bereichen Gesundheit und Selbsthilfe. Der Spruch „Wer etwas für andere tut, tut auch etwas für sich selbst" bestätigt sich für die inzwischen vielen Mitstreiter. Wir erleben eine deutliche Verbesserung unseres Selbstwertgefühls.

In Modellen der Teilhabe wird die bisher wenig beachtete Bedeutung transparent, wie viel Sinn es macht, Betroffene in öffentliche Arbeitsprozesse mit einzubeziehen. Nach einer Wahl in der Familienbildungsstätte in Neuwied darf ich im Psychiatriebeirat des Landkreises Neuwied die Interessen von Gleichgesinnten vertreten. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Fördervereins gemeindenahe Psychiatrie und mit Unterstützung des Angehörigenvertreters gelingt es uns mit dem Klinikum in Waldbreitbach ein Krisentelefon zu installieren. Menschen, die sich in einer psychischen Notlage befinden haben die Möglichkeit, außerhalb der Ansprechzeiten etablierter Fachdienste am Telefon Zuspruch und fachlichen Rat zu erhalten. Je nach Ausmaß der momentanen individuellen Situation kann unbürokratisch und schnell eine stationäre Krisenintervention empfohlen werden. Peter und Egon leisten zusätzlich viel Hilfe und Unterstützung als Fahrer. Manchmal können wir von den Sozialverbänden ein Fahrzeug ausleihen, oft stellen sie aber ihre eigenen Autos zur Verfügung. Wir fahren quer durch Rheinland-Pfalz, nehmen an Selbsthilfeveranstaltungen teil, holen uns Anregungen bei Vertretern bereits bestehender Selbsthilfeinitiativen und schmieden Pläne für gemeinsame Projekte. Der Vorsitzende des Vereins Gemeindenahe Psychiatrie im Landkreis Neuwied bietet uns an, gemeinsam Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Auch er ist ein Mann, der aus gesundheitlichen Gründen früh seinen Beruf aufgeben musste und mit fachlicher Unterstützung ehrenamtlich viel leisten kann. So münden seine monatelangen Vorbereitungen in der Gründung dieses Vereines, der sich speziell den Belangen psychisch kranker Menschen widmet. Er hilft Betroffen dabei Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen und bietet ihnen Möglichkeiten ihre Ressourcen in Arbeitskreisen zur Vorbereitung von Psychiatrie Seminaren mitzuwirken. Hier geht es um Aufklärung, die sowohl von den psychisch Erkrankten selbst, ihren Angehörigen und entsprechenden Fachleuten zu unterschiedlichen Themen für Veranstaltungen dargestellt werden. So sind viele Teilnehmer aus Selbsthilfegruppen gleichzeitig auch Mitglied im Verein. Erika und Peter vertreten unsere Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen in Lebenskrisen im Vorstand, dem auch der Psychiatriekoordinator des Landkreises Neuwied angehört. Der Vorsitzende nimmt an unterschiedlichen Arbeitskreisen teil und ist Mitglied im Förderverein gemeindenahe Psychiatrie in Rheinland Pfalz. „Nanu- heute ist doch Freitag, wo bleibt unser Egon heute?“ Alle Teilnehmer wundern sich darüber, dass der Egon heute ohne Rückmeldung einfach nicht zum Gruppentreffen gekommen ist. Später am Abend erfahre ich von Marianne, dass es Egon nicht mehr gibt. Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod macht alle betroffen. Bei mir mischt sich unter die Trauer eine unbändige Wut. „Leider trifft es die Menschen, die sich selbstlos einsetzen, keine Bitte ablehnen, einfach immer da sind, wenn sie gebraucht werden“ denke ich. Mit weichen Knien komme ich aus der Kapelle des Friedhofes, die Worte des Pfarrers noch deutlich im Ohr gehe ich gebeugt hinter den vielen Menschen her, die alle gekommen sind, um sich von Egon zu verabschieden. Auf dem Weg zu Egons letzter Ruhestätte hält Carina fest meine Hand. Sie ist selbst sehr traurig aber trotzdem gelingt es ihr, mir die Kraft zu geben, all das hier zu überstehen. Enttäuscht schaue ich auf die vier dunkel gekleideten Männer, die den doch so lebenslustigen Freund in einer schwarzen Kiste zu Grabe tragen. Insgesamt ein rabenschwarzer Tag, ich denke an das Lied von Ludwig Hirsch.

So werde ich an Egons Grab von unverständlichen Blicken heimgesucht, als ich laut den Refrain dieses durch Mark und Bein gehenden Liedtextes singe. Marianne ist überhaupt nicht ansprechbar, sie wird von ihrem Sohn begleitet und gestützt. Für einen Moment sieht es tatsächlich so aus, als wollte sie nicht nur die Blumen auf Egons Sarg werfen, sondern selbst mit ins Grab springen. Der Pfarrer versucht sie zu beruhigen. Er findet tröstende Worte, die auch mich innerlich etwas zu Ruhe kommen lassen. Bei der anschließenden Kaffeetafel denken Erika, Peter, Carina und ich zwischen all den Erzählungen aus unserer gemeinsamen Zeit mit Egon zwischendurch über die Worte des Pfarrers nach, die trotz aller Trauer und Schmerz einen anderen Aspekt in die düstere Atmosphäre bringen. Von einer Last, die der Mann sehr lange getragen hat und jetzt abwerfen darf ist die Rede. Der Seelsorger erwähnt wie wunderbar es sein kann einschlafen zu dürfen, wenn man einfach nicht mehr kann und müde ist. Mir persönlich hilft die Sichtweise, dass es durchaus wichtig- sowohl für Egon, als auch für mich selbst- ist, ihm die notwendige Ruhe zu gönnen. In den Herzen derer, die ihn wertschätzen, lebt er ganz sicher weiter.

Klaus schaut heute etwas kritisch, als ich ihm von seltener gewordenen Essanfällen berichte „Ganz sicher haben mich die vielseitigen ehrenamtlichen Funktionen von meiner unerfüllten Sehnsucht abgelenkt“, stelle ich zufrieden fest. „Es ist auffällig, dass ich Sie nur von dem Erfolg und den gesellschaftlichen Anerkennungen im Rahmen Ihrer Selbsthilfetätigkeiten reden höre. Haben Sie noch ein Privatleben?“ Als Mensch, der sein Fach versteht, erwähnt er meine Neigung mich bis zur Selbstaufgabe zu engagieren. „Wie wirken sich diese veränderten Situationen auf Ihre Familie aus“, fragt er mich. Mit verhaltener Stimme erkläre ich, die Beziehung zu meiner Frau sei bereits seit einiger Zeit in unaufhaltsamer Schieflage. Die linksseitige Cerebralparese, die ihr seit der Geburt einen hundertprozentigen Behinderungsgrad bescheinigt, ist vorher nie Thema in unserer Ehe gewesen. Im Zusammenhang mit den bei mir häufiger gewordenen depressiven Phasen und aufgrund ihrer eigenen Erkrankung ist es meiner Frau nicht möglich, meine psychischen Einschränkungen zu akzeptieren und damit umzugehen. In letzter Zeit macht Carina auf mich den Eindruck, als hätten sich ihre Motorik und ihre Fähigkeiten, Zusammenhänge richtig zu erkennen und angemessen zu reagieren, stark verschlimmert. Klaus macht darauf aufmerksam, welchen Preis ich bereits mit dem Zusammenbruch am Arbeitsplatz bezahlt habe. Er betont, wie wichtig es für mich ist, Prioritäten zu setzen, an meine beiden Töchter zu denken, meine Frau eventuell zu einer ärztlichen Kontrolle zu begleiten und mir selbst eine Auszeit zu gönnen. Die Therapiestunde ist fast zu Ende, schnell erzähle ich Klaus noch von der Aktion einer Tageszeitung, die über Menschen berichtet, die es geschafft haben, sich durch eigene Initiative selbst einen Arbeitsplatz zu schaffen. Beim Lesen dieses Zeitungsberichtes bin ich auf die Idee gekommen, mein Ehrenamt vielleicht irgendwie in ein festes Beschäftigungsverhältnis münden zu lassen. Mit dem Vorschlag, erst einmal auszuspannen, ein paar Tage mit der Familie zu verbringen und mir danach ein Konzept auszudenken, vereinbaren wir einen neuen Termin.

Die gut gemeinten Ratschläge meines Therapeuten sind für mich Anlass genug, ein paar Tage von den ehrenamtlichen Aufgaben auszuspannen. Mila und Amelie haben zum Glück gerade Ferien. Sie genießen es, nach langer Zeit wieder mal mit Mama und Papa unterwegs zu sein, abends Mensch ärgere Dich nicht zu spielen, zusammen einen Film anzusehen oder in einem Buch zu lesen. Carina beantwortet mein Bestreben, für sie und unsere Kinder wieder mehr da zu sein, mit derselben Gleichgültigkeit, wie den Versuch wieder zärtlich miteinander zu werden. Sicher hat meine Frau auch längst gespürt, einen Mann zu haben, der im Umgang mit ihr irgendwie anders geworden ist. Es macht unsere Ehe nicht gerade glücklicher, dass ich bei den vielen ehrenamtlichen Terminen Frauen begegne, die mich als einen angenehmen, interessanten, sprachgewandten Mann mit guten Umgangsformen bezeichnen. In mir entsteht ein innerer Zwiespalt. Soll ich Carina ehrlich fragen, ob wir unser nebeneinander her leben nicht doch beenden sollen? Danach lähmt mich der Gedanke. „Sie wird niemals zustimmen, Mila und Amelie weiterhin bei mir aufwachsen zu lassen.“ Meine Nervosität nimmt zu, das schmerzliche Gefühl, ein Feuer hätte ein Loch in meinen Bauch gebrannt, steigert sich ins Unermessliche. Wie vor schlimmen Verfolgern auf der Flucht laufe ich in die Küche. Die brennende Wunde muss versorgt werden. Im Bruchteil von Sekunden öffne ich hastig die Kühlschranktür, greife nach meiner Hauptdroge, breche ein großes Stück Fleischwurst ab, lasse mir kaum Zeit die Pelle zu entfernen und schlinge es gierig in mich hinein. Gerade will ich die Kühlschranktür schließen, da fällt mir im Seitenfach eine Tafel Schokolade in die Augen. Was ich nach kurzer Zeit wahrnehme ist das auf dem Küchenboden liegende Papier, meine Schokoladen verschmierten Hände und das Völlegefühl im Magen. Um ganz sicher zu sein, dass niemand etwas mitbekommen hat, schaue ich in alle Zimmer. Ich erhalte die Bestätigung, dass Carina und die Kinder noch in der Stadt sind.

Die Essanfälle haben stets das gleiche Muster. Nach den Fressorgien bin ich erst einmal innerlich ruhig. Nach kurzer Zeit macht mir der volle Magen zu schaffen, dann melden sich die Selbstzweifel. Die Warum- Fragen lassen keine Antwort erkennen, meist ist die Frage, warum das Leben so verdammt unfair ist dies der Auslöser für eine neue Fressattacke. Die Vorwürfe, dem Teufelskreis auch dieses Mal nicht entrinnen zu können münden in eine anhaltende depressive Ausweglosigkeit. In psychotherapeutischen Behandlungen versichere ich nicht selten, beim nächsten Mal einfach den Schmerz auszuhalten und andere Verhaltensweisen als Alternativen zu wählen. Es würde meinem Körper gut tun, wenn ich den inneren Schweinehund mal besiege. Es wäre ein gutes Beispiel dafür am eigenen Leib zu erfahren, was man als „Psychohygiene“ bezeichnet.

Mein Bestreben, selbständig die momentane Arbeitslosigkeit zu beenden zähle ich seit längerer Zeit zu der unerfüllten Sehnsucht im Rahmen nach Anerkennung in einem wieder versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Das selbsthilfefreundliche Klima und der bekannte Stellenwert von Selbsthilfe im Landkreis Neuwied bestärken mich darin bei den zuständigen Stellen nach monatelanger Kleinarbeit offene Ohren für meine Idee zu finden. Gemeinsam erarbeiten in einem Modell der Teilhabe Betroffene und Fachleute ein Konzept, das den Bedarf einer Selbsthilfekontaktstelle- speziell für den Landkreis Neuwied sichtbar macht. Teilnehmer aus neunzig Selbsthilfegruppen unterschiedlicher Krankheitsbilder und Problembereiche erteilen Auskunft über ihre Zielsetzung, ihre regelmäßigen Treffen und bringen ihre Wünsche nach einer Informationsund Beratungsstelle, die zu festen Zeiten in der näheren Umgebung gut erreichbar ist zum Ausdruck.

Die Verhandlungen der Sachbearbeiter verschiedener Dienststellen finden Anklang bei der zuständigen Gesundheitsbehörde. Fachleute unterschiedlicher Einrichtungen, Kliniken und der sozialen Dienste bilden ein Gremium, das vierteljährlich die inhaltlichen Aufgaben, die Finanzierungspläne und Entwicklung der Kontaktstelle überwacht. So entsteht die Phoenix Runde. Tatsächlich bin ich im Mai 2000 im Rahmen einer Maßnahme der Agentur für Arbeit unter Trägerschaft eines Sozialverbandes mit dem Aufbau und der Weiterentwicklung der Neuwieder Kontakt und Informationsstelle für Selbsthilfe, in Kurzform Phoenix, beschäftigt. Die Stelle ist zunächst als Vollzeitstelle für zwei Jahre befristet, der Geschäftsführer des Sozialverbandes, der uns die Räume für die Gruppentreffen zur Verfügung stellt ist jetzt mein Vorgesetzter…

Als gelernter Einzelhandelskaufmann gelte ich im sozialen Bereich als Quereinsteiger, eine Mitarbeiterin des psychosozialen Dienstes beim Gesundheitsamt in Neuwied übernimmt die Fachaufsicht. Stolz informiere ich beim Tag der offenen Tür Vertreter vieler Selbsthilfegruppen, interessierte Angehörige, Sozialarbeiter, Betreuer, Therapeuten, im Gesundheitsbereich tätige Kommunalpolitiker und den Psychiatriekoordinator des Landkreises Neuwied über die unterschiedlichen Dienstleistungen der Phoenix, Selbsthilfegruppen zu unterstützen. Die anwesenden Selbsthilfegruppen drücken ihre Freude darüber aus, ihre Wünsche nach einer wohnortnahen Anlaufstelle zu Unterstützung ihrer Anliegen ...

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