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Schwarzer Engel: Romantic Thriller

Ann Murdoch

Schwarzer Engel: Romantic Thriller

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Schwarzer Engel

von Ann Murdoch

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Teil 1

„Ach, du lieber Himmel, Großvater, Lass mich das doch machen. Du sollst doch nicht auf die Leiter steigen“, schalt Sabrina liebevoll. Sie nahm Alistair Ferguson die Bücher aus der Hand, die dieser in das oberste Regal der kleinen, aber gut etablierten Buchhandlung in Soho zurücklegen wollte. Er führte dieses Geschäft schon seit mehr als vierzig Jahren und hatte es immer wieder verstanden, einen festen Kundenstamm aufzubauen und auch zu halten. Außerdem galt er als Experte für alte Schriften und wurde immer wieder für Expertisen herangezogen, wenn es um Versteigerungen ging. Als Kryptologe besaß er den denkbar besten Ruf. Selbst die Polizei hatte schon auf sein Wissen zurückgegriffen, wodurch unter anderem ein groß angelegter Betrug aufgeklärt werden konnte.

Seit einiger Zeit arbeitete Sabrina ebenfalls hier. Sie war die Tochter des einzigen Sohnes, den Alistair hatte. Frederic und seine Frau Mary waren bei einem Eisenbahnunglück ums Leben gekommen, und Alistair hatte das Mädchen zu sich genommen, um es aufzuziehen. Aus dem schüchternen kleinen Kind von damals war eine selbstbewusste junge Frau geworden, die nach ihrem Studium der alten englischen Geschichte, Schriftkunde und Philologie darauf verzichtete, irgendwo in einem Museum oder einer Forschungseinrichtung eine gut bezahlte Stellung anzunehmen. Stattdessen übernahm sie mehr und mehr das Geschäft ihres Großvaters, der alles daransetzte, seiner Enkelin all das Wissen zu vermitteln, was er in vielen Jahren angesammelt hatte. Obwohl er es schätzte, dass Sabrina stets in seiner Nähe war, hätte er es doch lieber gesehen, wenn sie ihre Fähigkeiten voll ausgenutzt hätte. Museen und staatliche Büchereien waren immer froh über Experten, die ihr Handwerk verstanden. Er war mittlerweile weit über siebzig Jahre alt, aber noch immer rüstig und voll von Plänen für eine Erweiterung des Geschäfts.

Doch Sabrina machte sich schon öfter Sorgen, denn ihr entging es nicht, dass der alte Mann sich ab und zu an sein Herz fasste, aber jeden Gedanken an einen Arztbesuch von sich schob.

Zwischen den beiden herrschte ein liebevolles Verhältnis, und Alistair war sicher, dass Sabrina in seinem Sinne weitermachen würde.

Die altmodische Türglocke läutete, und ein Paar mittleren Alters kam herein. Sabrina wollte sich um die beiden kümmern, doch ihr Großvater winkte ab. Er kannte die zwei und wusste, dass hier ganz spezielle Wünsche zu erfüllen waren. Also stieg sie nun die Leiter hinauf, um die schweren Bücher wieder an ihren Platz zu räumen. Versonnen blätterte sie darin, machte dann eine ungeschickte Handbewegung, und einer der wertvollen Bände fiel herunter.

„Hoppla, sind sie immer so stürmisch?", fragte eine freundliche warme Stimme von unten. Ein Mann hatte das Buch aufgefangen und blickte nun bewundernd an der schlanken Gestalt empor.

„Ach Gott, habe ich Sie etwa mit dem Buch verletzt? Tut mir leid, entschuldigen Sie bitte.“ Sie stieg von der Leiter, nahm ihm das Buch aus der Hand und untersuchte es auf Schäden. Erst danach wandte sie sich dem neuen Kunden zu. Was sie sah, ließ ihr Herz für einen Augenblick höher schlagen. Doch sie rief sich selbst zur Ordnung. Seit wann achtete sie denn darauf, ob ein Mann hochgewachsen, schlank und gutaussehend war? Mit dunkelblauen Augen, die ganze Geschichten erzählen konnten, einem schmal geschnittenen Mund und Grübchen in den Wangen? Und dann diese Stimme! Nein, sie hatte bislang kein Interesse an Männern gezeigt, warum sollte sich das ändern?

Sabrina zwang sich dazu, wieder geschäftsmäßig zu werden. „Vielen Dank für Ihre Hilfe. Aber wie kann ich Ihnen helfen? Oder mögen Sie einfach nur ein bisschen stöbern?“

Er strahlte sie an. „Es ist sehr freundlich, dass man sich bei Ihnen erst einmal umsehend darf, bevor man etwas kauft. Aber ich habe in der Tat ein sehr spezielles Anliegen und bin mir gar nicht sicher, ob ich hier überhaupt richtig bin.“

„Dann sollten Sie mir vielleicht erst einmal erklären, um was es geht, und dann werden wir sehen, ob mein Großvater oder ich helfen können.“

„Ich habe von einem alten Freund eine Empfehlung, Mr. Ferguson aufzusuchen. Sie sprechen von Ihrem Großvater, demnach sind Sie Miss Ferguson?“ Seine Augen funkelten vergnügt, und er streckte ihr die Hand entgegen. „Mein Name ist Gideon Dunnett. Ich bin Ingenieur für Minenbau und habe vor kurzem das Erbe meines Onkels angetreten, Lord Pennington. In seinem Nachlass fand ich etwas merkwürdiges, was mir nicht nur Kopfzerbrechen bereitet, sondern vielleicht äußerst wichtig sein könnte.“

Er holte aus der Innentasche seines Jacketts einen Umschlag hervor.

„Dieses Manuskript hat mich ein wenig verwirrt, weil es sich auf etwas bezieht, was mit zum Besitz gehört. Aber ich verstehe da einiges nicht so recht.“ Er brach ein wenig hilflos ab.

Sabrina lachte kurz auf. „Das klingt bis jetzt nicht sehr einleuchtend, Mr. Dunnett. Darf ich mal sehen?“ Ihre blauen Augen leuchteten, und er fühlte sich seltsam berührt. Ihm waren schon viele schöne Frauen begegnet, doch Sabrina war nicht nur bildhübsch, sie strahlte auch eine besondere Anmut aus und besaß das gewisse Etwas, das eine Frau von anderen abhob. Sie nahm das handgeschriebene Manuskript, das aus mehreren Blättern bestand, und stutzte.

„Aber das sind ja uralte Aufzeichnungen. Und die tragen Sie einfach so herum?“

Er zuckte die Schultern. „Ich kann nicht sagen, ob dieses Manuskript wirklich wertvoll ist. Aber ich bin eher über das erschrocken, was ich dort entziffern konnte, auch wenn es nicht viel ist. Ich muss gestehen, ich habe so meine Schwierigkeiten mit der Handschrift und der damaligen Schreibweise. Doch ich fürchte fast, es hat etwas mit dem ziemlich plötzlichen Tod meines Onkels zu tun.“

„Halt, Moment, langsam, das ist mir zu hoch“, unterbrach Sabrina, die sehr genau spürte, dass der Mann von einer inneren Erregung erfüllt war, die ihr mehr als ungewöhnlich erschien. „Mr. Dunnett, verzeihen Sie, aber ich glaube, mein Großvater ist doch wohl der richtige Ansprechpartner für Sie.“

„Ja, das fürchte ich auch fast.“ Er griff sich an den Kopf, und ein verlegenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Sie müssen mich ja für völlig überdreht halten. Tut mir leid, aber ich bin selbst noch ganz verwirrt.“

„Ist schon in Ordnung.“ Sabrina blickte zu Alistair Ferguson gegenüber, der gerade die beiden Kunden fertig bedient hatte. „Kommen Sie, Großvater kann diesen Text vermutlich sogar fließend übersetzen, während ich noch ein wenig länger brauche. - Großvater, bitte, hast du einen Augenblick Zeit?“

Alistair trat näher, seine wachen intelligenten Augen huschten zwischen den beiden hin und her, als würde er mehr sehen. Er streckte die Hand aus, um den Kunden zu begrüßen.

„Mr. Dunnett, wenn ich mich nicht irre? Patrick hat mir schon erzählt, dass sie mich wahrscheinlich aufsuchen werden, weil sie ein handgeschriebenes Manuskript übersetzt haben möchten?“

„Ich fürchte mittlerweile, es ist mehr als nur das“, sagte Gideon mutig.

Noch einmal musterte Alistair den Mann. Sabrina wusste, dass ihr Großvater eine Art sechsten Sinn besaß, mit dem er Menschen auf Anhieb richtig einschätzen konnte. Er schien auch dieses Mal zu einem Ergebnis gekommen zu sein, denn er warf einen Blick zur Uhr und schaute dann seine Enkelin an.

„Es ist schon später Vormittag. Wollen wir abschließen und unseren Gast zum Essen einladen? Dann können wir uns in aller Ruhe um sein Problem kümmern.“

Sie stellte keine weiteren Fragen, war im Gegenteil sogar erfreut, dass sie auf diese Weise die Gelegenheit bekam, sich noch etwas länger mit diesem sympathischen Mann zu unterhalten.

„Eine gute Idee, es ist heute ohnehin nicht viel los“, stimmte sie zu und amüsierte sich ein wenig über die Verblüffung von Gideon. „Kommen Sie, Mr. Dunnett, hier nebenan gibt es ein kleines Restaurant, in dem man hervorragend essen kann. Es gehört einem alten Freund meines Großvaters. Dort sind wir auch ungestört, und Sie können Ihre ganze Geschichte in aller Ruhe erzählen.“

Sabrina verschloss die Tür sorgfältig, Alistair schaltete die Alarmanlage ein und zog Gideon am Arm mit sich.

„Kommen Sie, es sind nur ein paar Schritte.“

Keine fünf Minuten später saßen die drei in einem gemütlichen Restaurant, das von außen sehr unscheinbar wirkte. Alistair hatte dem Wirt mit einer Handbewegung die Bestellung aufgegeben, und nun sah er Dunnett auffordernd an.

„Mein Freund Patrick kannte Ihren Onkel recht gut und hat mir erzählt, dass der Tod sehr plötzlich eingetreten ist. Mein Beileid, Mr. Dunnett. Aber ich muss gestehen, dass Patrick die Umstände etwas merkwürdig fand, auch deswegen, weil Ihr Onkel vorher seltsame Andeutungen gemacht hat. Es wäre also sicher hilfreich, wenn Sie mir nicht nur das Manuskript geben, sondern möglichst auch alles erzählen, was Ihnen bekannt ist.“

Gideons Gesicht hatte seine Empfindungen widergespiegelt, und nun war er vollends verblüfft.

„Sie reden wie ein Polizist, Mr. Ferguson. Dabei bin ich nur hergekommen, um Ihnen dieses Manuskript vorzulegen.“

Alistair nickte ernst. „Richtig. Aber dieses Schriftstück ist eines von dreien, in denen es um mysteriöse Vorgänge geht, die alle mit den Steinskulpturen zu tun haben, die im Park von Pennington Castle stehen. Oder habe ich da unrecht?“

„Sie sind bemerkenswert gut informiert.“ In der Stimme von Gideon war ein wenig Misstrauen zu hören.

„Diese Schriftstücke sind in Fachkreisen gut bekannt - das heißt, zwei von ihnen. Das dritte galt lange als verschollen, bis ich vor einigen Jahren von seinem Vorhandensein erfuhr. Leider konnte ich es bis heute nicht in Augenschein nehmen Ich gehe nun davon aus, dass Sie es gerade bei sich tragen. Ein guter Schriftsachverständiger ist meist auch eine Art Detektiv.“

Nun verstand Gideon schon etwas mehr. Er legte den Umschlag mit dem wertvollen Papier auf den Tisch.

„Dann will ich versuchen, alles nacheinander zu erzählen, auch wenn das nicht viel ist. Ich bin Ingenieur und habe bis vor zwei Wochen noch an einer Mine in Australien gearbeitet. Dann erhielt ich überraschend einen Brief von meinem Onkel Jason, in dem er mich bat, so rasch wie möglich nach England zurückzukehren. Er fürchtete sich vor etwas, wollte jedoch im Brief nichts darüber schreiben. Ich konnte meine Arbeit nicht von heute auf morgen liegen lassen und kehrte erst eine Woche später zurück. Da lag mein Onkel bereits auf dem Totenbett und hatte mir nur einen weiteren Brief hinterlassen.“

„Haben Sie den auch dabei? Kann ich ihn mal sehen?", fragte Alistair sachlich.

„Ja, natürlich, ich trage ihn tatsächlich bei mir.“ Er zog ein einfaches Blatt Papier hervor und reichte es dem anderen Mann, der halblaut vorlas, so dass auch Sabrina informiert war.

„Mein lieber Gideon, ich bedaure sehr, dass du nicht mehr rechtzeitig eingetroffen bist. So bleibt mir nur, dich auf diesem Wege zu warnen. Unsere Vorfahren haben sich einst mit Mächten eingelassen, die niemand wirklich beherrschen kann. Bis heute ist es niemandem aus unserer Familie gelungen, das Böse, das heraufbeschworen wurde, zu bannen. Mir bleiben nur noch wenige Stunden, dann werde ich tot sein. Der Fluch der Schwarzen Engel hat auch mich eingeholt. Du musst den Schwarzen Stein mit Leben füllen, nur dann kann der Fluch gebrochen werden. Du brauchst das Wissen aus dem hinterlegten Manuskript, jemanden, der dir uneigennützig hilft, und alles Glück, das es auf der Welt gibt. Du bist der letzte unserer Familie, es liegt allein an dir, den Fluch zu brechen. Du magst diese Zeilen etwas seltsam finden, aber ich wage nicht, mehr zu schreiben. So leid es mir tut, du musst alles allein herausfinden. Aber du kannst dir Hilfe holen. Frage Patrick, er wird mehr wissen. Und als letztes ein guter Rat von einem Mann, der dich mehr als alles in der Welt schätzt - zögere nicht, so schnell wie möglich eine Familie zu gründen. Du brauchst Nachkommen, die dann hoffentlich keine Angst mehr haben müssen. Ich wünsche mir so sehr, dass es dir gelingen möge, den Fluch für alle Zeiten aufzuheben. Auch wenn ich es dir nie gesagt habe, ich liebe dich wie einen eigenen Sohn. Behalte mich in guter Erinnerung, dein Onkel Jason.“

Alistair runzelte die Stirn. „Das klingt in der Tat ein wenig konfus. Aber nun gut, erzählen Sie weiter.“

Gideon wartete ab, bis die Bestellung auf dem Tisch stand. Ein einfaches Nudelgericht mit einer Sauce, die köstlich duftete.

„Ja, da gibt es nicht mehr viel zu erzählen. Ich kam praktisch in dem Moment an, da mein Onkel in der Familiengruft bestattet wurde, und gleich nach der Zeremonie nahm mich der Notar beiseite und eröffnete mir, dass ich der einzige Erbe bin. Er gab mir zusätzlich einen Umschlag, in dem sich dieses Manuskript befand und ermahnte mich, den letzten Willen meines Onkels zu erfüllen. Nun, genau das habe ich in der Tat vor, und das nicht nur, weil ein ansehnliches Vermögen damit verbunden ist. Ich schätzte meinen Onkel sehr, und weil diese ganzen Umstände doch sehr mysteriös sind, will ich mehr darüber herausfinden. Dazu benötige ich aber zuerst eine Übersetzung dieser alten Schrift. Und selbst dann weiß ich noch nicht recht, was zu tun ist. Sie scheinen entschieden mehr darüber zu wissen, Sir.“

„Wer oder was ist der Schwarze Engel?", platzte Sabrina heraus.

„Eine Statue aus schwarzem Marmor. Wunderbar lebensecht gearbeitet, ein Meisterwerk der Bildhauerkunst. Übrigens gibt es noch zwei weitere dieser Art, die jedoch im Verfall begriffen sind. Mehr weiß ich auch nicht darüber. Ich hoffe, dass in diesem Manuskript noch etwas dazu zu finden ist.“ Abrupt hob er den Kopf und schaute Alistair fragend an. „Ihren Andeutungen nach, die genauso mysteriös sind wie das Manuskript, könnten Sie selbst schon mehr darüber erzählen als ich.“

Ferguson machte noch immer keine Anstalten den Text zu lesen und zu übersetzen. Stattdessen fixierte er Gideon.

„Sind Sie bereit das Erbe anzunehmen, Mr. Dunnett? Mit allen Konsequenzen, die sich möglicherweise daraus ergeben können?“

Der runzelte die Stirn. „Warum habe ich nur das Gefühl, dass Sie wesentlich mehr wissen als Sie sagen, Mr. Ferguson?“

„Nun, weil es vielleicht so ist?", schmunzelte der ältere Mann. „Aber bitte, beantworten Sie zuerst meine Frage. Dann weiß ich, dass ich unsere Zeit nicht vergeude. Und überlegen Sie sich Ihre Antwort gut. Wollen Sie das Erbe unter allen Umständen annehmen?“

Gideon zögerte nicht eine Sekunde lag, er hatte sich offenbar schon vorher Gedanken gemacht.

„Ja, das will ich. Mein Onkel hatte seine Gründe, mir diese Bürde, die es vermutlich sein wird, auf die Schultern zu legen. Ich werde mich nicht weigern. Aber ich habe doch wohl ein Recht Einzelheiten zu erfahren.“

„Bravo, junger Mann. Dann ist es wohl an der Zeit, Ihnen eine fast unglaubliche Geschichte zu erzählen, die mich selbst schon fast mein ganzes Leben begleitet.“

Sabrina hörte fassungslos zu. Was war hier aus der einfachen Anfrage nach einer Übersetzung geworden? Hatte sie wirklich noch bis vor einer guten halben Stunde geglaubt, dass dieser sympathische Gideon Dunnett einen zweiten Blick wert war, so ahnte sie jetzt, dass er und auch sie selbst in eine Sache von gewaltigen Ausmaßen verwickelt waren, von der sie alle bis jetzt nicht einmal einen Bruchteil kannten. Ihr Großvater hütete offenbar seine Geheimnisse recht gut, denn bis jetzt hatte sie nicht einmal geahnt, dass er eine Art Geheimnisträger war. Sie fühlte gespannt wie eine Sehne am Bogen und lauschte aufmerksam, um endlich alles zu erfahren.

Ein Blick in das Gesicht von Gideon bewies ihr, dass es ihm nicht anders erging.

Alistair steckte sich eine Gabel voll Nudeln in den Mund, kaute und trank einen Schluck Wein.

„Das ist das erste Mal, dass ich mit jemandem darüber spreche, der nicht eingeweiht ist. Und wir sind nur noch sechs, die darüber Bescheid wissen. Schade, dass Ihr Onkel sich uns nicht offenbart hat. Wir hätten ihn retten können – naja, vielleicht.“

„Nun spann uns doch nicht länger auf die Folter“, empörte sich Sabrina. Er strich ihr sanft über die Wange.

„Schon gut, mein Kind. Du sollst alles erfahren, und glaube mir, jedes Wort ist wahr. Mr. Dunnett, ich fürchte, Sie haben ein sehr schweres Erbe angetreten.“


*


Alistair nahm noch einen Schluck von dem leichten Tafelwein, tupfte sich den Mund ab und lehnte sich dann zurück.

„Das sechzehnte Jahrhundert war reich an Künstlern, die zu Ehren Gottes und für die Eitelkeit der Mächtigen unschätzbare Kunstwerke erschufen. Leonardo da Vinci war nur einer von ihnen, aber sein Ruf war in der ganzen bekannten Welt weit verbreitet. Längst nicht alle Kunstwerke, die ihm zugeschrieben werden, ob es sich nun um Gemälde, Skulpturen oder Entwürfe für neue Erfindungen handelte, konnte er selbst zu Ende bringen. Es war normal, dass er den Anfang machte, genaue Instruktionen gab, und den Rest seinen Mitarbeitern und Schülern überließ. Selbst Heinrich VIII bestellte bei ihm ein Gemälde und mehrere Skulpturen, die jedoch nie geliefert wurden. Einer seiner Mitarbeiter, ein gewisser Tristan dei Viora, machte allerdings Geschäfte auf eigene Rechnung. Er bot einem englischen Händler drei Skulpturen an, die angeblich komplett aus der Hand des Meisters stammten, von ihm jedoch wegen kleinerer Schönheitsfehler verworfen worden waren. Wie hätte der Händler wissen können, dass Leonardo nicht einmal die Entwürfe für diese Skulpturen gesehen hatte? Der Preis jedenfalls war fast lächerlich zu nennen, und der Händler zögerte nicht lange, ein solches Angebot gab es nicht einmal in dieser Zeit alle Tage.

So wurden die drei Schwarzen Schwestern nach England gebracht, wo der damalige Lord Pennington eine ziemlich hohe Summe für sie bezahlte. Er ließ die drei Skulpturen in seinem Park aufstellen und freute sich daran. Mit den Statuen gelangten auch drei - nun, sagen wir Zertifikate - in den Besitz des Lords, der sich zunächst nicht um diese Papiere kümmerte.

Doch irgendwann las er, was dort geschrieben stand und wusste, dass er sich das Unheil ins Haus geholt hatte. Diese drei Skulpturen erwachen unter bestimmten Umständen zum Leben und richten dabei großes Unheil an.

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