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Schöne Momente

Das griechische Abendessen

Meine Einkaufsliste war lang!

Nun war ich schon im dritten Geschäft und habe noch immer nicht alles gefunden. Die Liste umfasst ungefähr hunderte Zutaten für das morgige Abendessen.

Robert hat seinen Chef mit Ehefrau zu einem griechischen Abendessen eingeladen. Eigentlich hat sich Herr Scherber selbst eingeladen und Robert blieb nichts anderes übrig, als scheinbar erfreut zuzustimmen. Warum hatte er denn auch so begeistert von unserem Urlaub gesprochen und geprahlt, was ich für tolle Rezepte mitgebracht habe?

Ich habe den Chef zwar bei der letzten Weihnachtsfeier kurz kennen gelernt, aber nicht seine Frau. Das kompliziert die Sache natürlich ungemein. Wahrscheinlich war sie so eine eingebildete Zicke, die sich sicher besser vorkam als die Angestellten ihres Mannes.

Also, hier waren die rosa Fischeier für den Tarama-Salat, da die Garnelen und die noch lebenden Krebse in einem Extrabehälter.
Die Lammkottelet waren zart und sorgfältig vom Fleischer zugerichtet, bereit zum Grillen, eingelegt in Olivenöl, mit Origano und Pfefferkörnern mariniert.

Es fehlten noch Melanzani, einige Zucchini und Knoblauch.
Robert meinte zwar, der Knoblauch wird vielleicht zu einem Problem werden, aber ich werde doch nicht meine Rezepte verändern! Außerdem weiß man nie, was anderen Menschen wirklich schmeckt.

Yoghurt, Gurken, Dill und Olivenöl für die Zubereitung des Tsatsiki hatte ich bereits im Kühlschrank.

Zuletzt ließ ich noch die Miesmuscheln einpacken.

Noch am Vorabend begann ich mit der Vorbereitung und machte dann am nächsten Tag weiter. Meine Küche sah wie die Großküche eines Hotels aus. Anna, meine Perle, schimpfte dauernd auf Gäste, die wir nicht wirklich brauchen. Aber ohne sie hätte ich das gar nicht geschafft. Trotz dem griechischen Kochbuch aus der Buchhandlung.

Robert war unbeeindruckt! Er wusste ja nicht, dass unsere seltenen gemeinsamen Mahlzeiten sehr oft von „Francois“ kamen oder vom Meinl am Graben! Denn meist hatte ich Diät und aß nur Salat, oder wir aßen auswärts.

„Oh Schatz, kommst Du zurecht?“ Diesen Satz hörten wir bis zu zehn Mal, während wir in der Küche werkten. Ich glaube das nächste Mal werde ich das große Fleischmesser nach Robert werfen.

Ein letzter ordnender Handgriff noch am schön gedeckten Tisch, ein Zurechtrücken eines Glases und es war soweit

.

Unsere Gäste waren da!

Robert öffnete sofort nach dem Läuten die Türe und begrüßte Herrn Scherber und Frau. Ich stand mit einem strahlenden Lächeln daneben und nahm huldvoll seinen Handkuss entgegen. Seine Frau hatte ein kleines Lächeln im Gesicht. Sie sah schüchtern und nett aus, war sicher nur Tarnung!

Nach einem Aperitif im Wohnzimmer, wo der Chef meines Mannes das Wort hatte und sein schallendes Lachen bis in die Küche zu hören war, bat ich zu Tisch.

Mir fiel auf, dass seine Frau fast nichts sagte und wenn doch, dann wurde sie von ihrem Mann jedes Mal unterbrochen, oder er widersprach ihr. Und immer hatte sie ein kleines Lächeln im Gesicht.

Ich servierte den ersten Gang, meine Vorspeisen, die gekochten Krebse und marinierten Miesmuscheln in Ei-Zitronensauce, gebackene Melanzani und Zucchini mit Knoblauchcreme.
Besonders stolz war ich auf die mit Tomaten und Schafkäse zubereiteten Garnelen.

Frau Scherber begann anfangs sehr zaghaft zuzugreifen, doch es schien ihr zu schmecken.

Sie stammelte eine Entschuldigung als ihr eine der Vorspeisen auf das Tischtuch fiel und sie einen bösen Blick ihres Ehemannes erhielt.

„Ach, kein Problem Frau Scherber, kann man alles waschen!“ Lachte ich gezwungen, um die Situation zu retten, langsam stieg Mitleid mit ihr in mir auf. Ein dankbarer Blick traf mich.

„Doris, ich heiße Doris!“, stammelte sie verlegen.

„Ich heiße Eva“ sagte ich und ergriff ihre Hand.

Herr Scherber unterbrach unsere kleine Unterhaltung mit der Frage:

„Sagen Sie, Knödel haben die Griechen wohl keine?“ Diesen Satz begleitete ein dröhnendes Lachen. In diesem Moment flutschte ihm eine der Garnelen quer über den Tisch. Scheinbar schien ihm dies nicht sonderlich zu stören, denn er angelte danach und legte sie wieder auf den Teller zurück.


Und mit vollem Munde stopfte er sich zwei verschiedene Vorspeisen rein und spülte mit Wein nach.


„Nein, und auch keine Blutwurst und kein Sauerkraut!“, ich war selbst erschrocken über meine laute Stimme. Neben mir registrierte ich ein leises Glucksen, das von Doris kam.

Ich stand auf.

„Darf ich jetzt den Hauptgang servieren?“

Auch Doris stand auf.

„Ich helfe Ihnen“, sagte sie und legte die Serviette auf den Tisch.
Wir gingen in die Küche und als wir die Türe geschlossen hatten, brachen wir beide in ein übermütiges Lachen aus.

„So, jetzt trinken wir einmal einen Sherry, wir Beiden, dann gehen wir wieder rein“.

Ich schenkte ein und wir lächelten uns zu. Der Abend hat eine überraschende, angenehme Wendung genommen.

Wir ließen uns Zeit, arrangierten liebevoll die Lammkottelet auf die Platte, Anna, meine Perle, reichte mir die Schüssel mit dem Salat.

In diesem Moment steckte Robert den Kopf in die Küche.

„Wieso dauert das denn so lange?“ Er sah richtig besorgt und ein wenig verärgert aus.

„Ach, spielen Sie nicht Chef“, lachte Doris, nahm wie selbstverständlich die Platte mit dem Fleisch und wir gingen ins Speisezimmer.

Der Abend verlief dann etwas aufgelockert, woran der Wein nicht ganz unbeteiligt war; dem Chef schmeckte es offenbar, auch ohne Knödel. Es blieb nichts übrig.

Er merkte gar nicht, dass Doris einige Male einen Satz sprechen konnte, ohne von ihm unterbrochen zu werden.

Als sie denn endlich gegangen waren, das Esszimmer im Chaos versank, saßen Robert und ich im Wohnzimmer und tranken in aller Ruhe noch ein Glas Wein.

Robert meinte, sein Chef sei sicher beeindruckt von meiner Kochkunst und ich war überzeugt, eine neue Freundin gefunden zuhaben

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