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Schicksalsschläge

1. KAPITEL

„Du weißt, wie lange ich versucht habe, Frau van Norden nachzuweisen, dass sie mich abhängig gemacht hat!“ Charlotte hatte Julius gerade ausführlich von ihrem Besuch bei dem Neurologen und Psychiater Doktor Drescher erzählt.

Und Julius betrachtete sie mit wachsendem Unbehagen. „Aber dieser Arzt ist doch an seine Schweigepflicht gebunden“, wandte er ein.

„Er ist die einzige Spur, die ich habe!“, hielt Charlotte dagegen. „Der muss ich nachgehen!“

„Du versprichst dir zu viel davon.“ Julius glaubte nicht, dass Doktor Drescher zwei seiner Patientinnen gegeneinander ausspielen würde.

„Du glaubst mir immer noch nicht, dass diese Hexe es auf mich abgesehen hat!“ Wütend funkelte Charlotte ihn an.

„Naja … Ich traue ihr doch auch einiges zu …“ Julius fühlte sich gar nicht wohl in seiner Haut. „Aber es könnte auch zig andere Gründe geben, warum sie bei einem Neurologen war. Wieso lässt du es nicht einfach gut sein?“

„Weil Frau van Norden es auch nicht gut sein lassen wird!“, konterte Charlotte. „Sie will mich unter allen Umständen loswerden.“ Sie beschloss, Doktor Drescher zu erzählen, wie Doris versucht hatte, sie umzubringen. „Wenn er nur einen Funken Gewissen hat, wird er mich unterstützen.“

Sie meldete sich telefonisch bei dem Neurologen.

„Frau van Norden ist sehr geschickt“, erklärte sie. „Sie wird alle Register ziehen, um weiterhin Morphalin zu bekommen.“

„Das sind schwere Anschuldigungen, Frau Saalfeld“, entgegnete der Arzt.

„Es ist die Wahrheit, Herr Drescher!“, insistierte sie verzweifelt. „Diese Frau trachtet mir nach dem Leben! Bitte, glauben Sie mir! Sie sind der Einzige, der mir helfen kann.“

Er schluckte und bat sie dann, am Nachmittag zu ihm in die Praxis zu kommen.

Was Charlotte nicht ahnte, war, dass er gerade jetzt mit Doris an der Pferdekoppel stand – die beiden hatten sich getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

„Das liebe Lottchen scheint Ihnen voll und ganz zu vertrauen“, stellte Doris böse lächelnd fest. „Nun ist sie reif für Stufe zwei: Treiben wir sie in den Wahnsinn!“

„Was Sie mit der Frau vorhaben, geht mich nichts an!“, setzte sich Doktor Drescher zur Wehr. „So weit wollte ich in diese Geschichte nie verwickelt werden.“

„Zu spät, mein Lieber“, höhnte Doris. „Sie wollen mich doch nicht dazu zwingen, dem Finanzamt anonym einen Tipp zu geben? Darüber wäre ihre verwöhnte junge Frau sicher gar nicht glücklich. Wer weiß, wie lange sie dann noch bei Ihnen bleibt?“

„Sie drohen mir?“, fragte er scharf.

„Ich will nur verhindern, dass Sie Ihre Ehe an die Wand fahren“, behauptete sie katzenfreundlich. „Also – Sie wissen, was Sie zu tun haben.“

Kira lag auf dem Sofa und atmete flach. Martin und sie hatten gerade die Wohnung verlassen wollen, um nach Hamburg zu fliegen – aber ein heftiger Schmerzanfall hatte sie zusammenbrechen lassen. Inzwischen ging es ihr jedoch schon wieder besser. Sie wollte auch nicht, dass Martin ihre Gynäkologin anrief. Stattdessen versuchte sie, sich aufzurappeln, damit sie das Flugzeug noch erwischten. Natürlich hinderte Martin sie daran. Kira würde heute nirgendwohin fliegen.

„Übelkeit, Krämpfe, Unwohlsein …“, zählte sie auf. „Das ist alles normal, wenn man schwanger ist.“

„Du bist gerade zusammengebrochen!“, widersprach er energisch.

„Aber die Schmerzen sind jetzt wieder weg“, erklärte sie.

„Trotzdem solltest du das bei deiner Ärztin abchecken lassen“, meinte er. „Ich könnte mir nie verzeihen, wenn irgendwas ist mit dem Baby und wir zu spät reagiert haben.“

Seufzend griff Kira zum Telefon, um noch heute einen Termin in der Praxis auszumachen. „Wie soll das erst werden, wenn es auf der Welt ist?“, fragte sie schmunzelnd. „Müssen wir dann wegen jedes aufgeschlagenen Knies in die Notaufnahme fahren?“

„Notfalls auch das.“ Er lächelte sie liebevoll an.

„Flieg du wenigstens nach Hamburg“, bat sie nun.

„Kommt überhaupt nicht infrage!“, protestierte Martin.

„Ich bin schon groß.“ Sie grinste. „Und außerdem wäre es doch schade, wenn uns eine tolle Wohnung durch die Lappen gehen würde.“ Sie versprach, zu ihrer Frauenärztin zu gehen und abklären zu lassen, dass mit dem Baby alles in Ordnung war. „Und du kümmerst dich um unser neues Nest. Deal?“

Widerwillig stimmte er zu.

André ging es immer noch nicht gut. Und inzwischen wies er es nicht mehr völlig von sich, dass seine Schmerzen eine psychische Ursache haben könnten. Seit Nicolas Tod fühlte er sich einsam. Und dass sein Mitbewohner Michael demnächst mit Marlene nach Italien gehen würde, machte es auch nicht besser.

„Vielleicht verschwinden deine Schmerzen von allein, wenn du dich mal wieder mit einer Frau triffst“, schlug Michael dem unglücklichen Chefkoch vor. „Einfach so. Ohne sie mit Nicola zu vergleichen.“

„Ich kenne aber weit und breit keine Frau, die mich auch nur im Ansatz interessieren würde“, winkte André ab.

„Du musst offen sein“, mahnte sein Freund. „Und auch bereit, es zuzulassen.“

André zuckte nur die Schultern. Trotzdem ließ er sich von Michael dazu überreden, sich einige Partnerbörsen im Internet anzusehen. Und tatsächlich meldete er sich bei einem Internetforum an und stellte sein Profil hinein. Vielleicht würde sich ja wirklich eine Frau bei ihm melden.

Und nicht nur André versuchte sein Glück im Internet. Auch Frau Zwick hatte beschlossen, sich dort auf die Suche nach einem neuen Partner zu machen – nachdem ihr Mann, Alois Pachmeyer, sie verlassen hatte. Und sie erzählte Hildegard davon, die es wiederum ihrem Mann berichtete.

„Man legt sich in diesen Partnerbörsen ein Profil zu, das dann mit denen der anderen verglichen wird“, erklärte sie. „Wenn alles passt, hat man seinen Traumpartner. Ohne sich vorher überhaupt gesehen zu haben!“ Was sie davon hielt, war Hildegard deutlich anzuhören. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass man sich über das Internet verlieben, geschweige denn die große Liebe finden könnte.

Alfons sah das ganz ähnlich. „Im ganzen World Wide Web kann es keine Frau geben, die besser zu mir passt als du“, sagte er liebevoll lächelnd.

Die Sonnbichlers waren im Moment so entspannt wie lange nicht mehr. Durch den Coup mit dem inszenierten „Spuk“ hatten sie all ihre Schulden bezahlen und ihr Haus behalten können. Eine schwere Last war von ihren Schultern gewichen.

Nachmittags wartete Charlotte im Flur vor Doktor Dreschers Behandlungszimmer. Da ging auf einmal die Tür auf, und Doris’ empörte Stimme drang an Charlottes Ohren.

„Ich höre mir diesen Unsinn nicht länger an, Doktor Drescher!“, keifte sie. „Ich kenne Frau Saalfelds absurde Verschwörungstheorien zur Genüge! Anscheinend ist Ihnen entgangen, wie krank diese Frau ist!“ Da stand Doris auch schon vor Charlottes Stuhl und funkelte sie an. „Das wird ein Nachspiel haben, meine Liebe!“ Bevor Charlotte etwas erwidern konnte, rauschte sie hinaus.

„Sie haben mit ihr über mich gesprochen?“ Charlotte war außer sich, als sie bei Doktor Drescher im Behandlungszimmer erschien. „Jetzt ist sie gewarnt! Dass Sie mir derart in den Rücken fallen …“

„Sie haben sich am Telefon vorhin sehr verzweifelt angehört“, sagte der Arzt. „Ich sah mich gezwungen zu handeln.“

„Aber doch nicht so!“, rief Charlotte.

„Ich will Ihnen helfen, Frau Saalfeld.“ Eindringlich sah er ihr in die Augen. „Und um mir ein umfassendes Bild zu verschaffen, musste ich mir auch Frau van Nordens Version der Geschichte anhören.“

Es gelang ihm, Charlotte ein wenig zu beruhigen. „Und wem glauben Sie nun?“, fragte sie. „Ihr oder mir?“

„Einen Moment …“ Der Arzt wandte sich dem Medizinschrank zu und ging suchend einige Präparate durch.

„Weswegen war Frau van Norden eigentlich bei Ihnen in Behandlung?“, fragte sie.

„Das darf ich Ihnen nicht sagen.“ Doktor Drescher schien das, was er suchte, nicht zu finden. „Ich bin gleich wieder da.“ Damit ging er hinaus. Der Medikamentenschrank blieb offen.

Irritiert blickte Charlotte ihm nach.

Kurz darauf kam er zurück. „Jetzt habe ich das Richtige für Sie.“ Er gab ihr ein Arzneimittel. „Ein rein pflanzliches Beruhigungsmittel. Nehmen Sie zehn Tropfen davon!“

„Mir geht es gut!“, ereiferte sich Charlotte sofort. „Was wird hier überhaupt gespielt?“

Kira hatte sich gerade ihre Jacke angezogen. Sie wollte zu ihrer Gynäkologin und telefonierte mit Martin, der eben in Hamburg gelandet war. Doch kaum hatte sie aufgelegt, durchzuckte sie wieder ein so stechender Schmerz, dass sie auf die Knie sank und aufschrie. Sie krümmte sich und konnte nicht mehr aufstehen. Ihr Handy lag noch auf dem Tisch, sie konnte es nicht erreichen. In ihrer Verzweiflung hämmerte sie mit beiden Fäusten auf den Fußboden.

Xaver war zu Hause und hörte den Lärm von oben. Sofort lief er aus der Wohnung und die Treppe hinauf.

„Hallo?“, rief er und klopfte an die Tür.

„Ich bin hier!“, hörte er Kiras entkräftete Stimme. „Hilfe!“

Er zögerte keine Sekunde. Hektisch fingerte er eine Scheckkarte aus seinem Portemonnaie und öffnete die Wohnungstür damit.

Kira wand sich vor Schmerzen noch immer auf dem Boden.

Xaver alarmierte Michael. Und als der in die Wohnung kam, um Kira zu untersuchen, waren die Schmerzen wieder weg. Was der Arzt allerdings nicht als gutes Zeichen betrachtete.

„Das spricht für einen akuten Blinddarmdurchbruch“, meinte er. „Sie müssen schnellstmöglich operiert werden.“

„Aber ich bin schwanger!“, sagte Kira entsetzt.

„Eine Blinddarmoperation ist auch bei Schwangeren ein Routine­eingriff“, erklärte er ihr. Kira wollte Martin anrufen, doch dafür war keine Zeit. „Sie müssen jetzt sofort ins Krankenhaus“, meinte Michael nachdrücklich. „Es besteht die Gefahr einer Blutvergiftung.“

Xaver nahm Kiras Hand. „Alles wird gut“, sagte er. „Ich bleibe bei dir. Mach dir keine Sorgen.“

Kaum war Kira im Krankenhaus, wurde sie auch schon für die Operation vorbereitet.

Xaver wartete auf dem Krankenhausflur. Er hatte inzwischen Herrn König Bescheid gegeben, und natürlich erschien Kiras Onkel sofort in der Klinik.

„In letzter Zeit hatte Kira häufiger Schmerzen“, meinte Julius, der Xaver sehr dankbar war dafür, dass er Kira gefunden hatte. „Sie dachte, das sei wegen der Schwangerschaft. Wer konnte denn ahnen, dass es der Blinddarm ist?“ Besorgt fuhr er sich durch die Haare.

„Hauptsache, dem Baby passiert nichts“, sagte Xaver.

„Wo steckt eigentlich Martin Windgassen?“, erkundigte sich Julius jetzt.

„Tja, der feine Herr ist wie geplant nach Hamburg geflogen. Zur Wohnungsbesichtigung.“ Xavers Miene wurde grimmig. „Er hätte Kira in ihrem Zustand niemals alleinlassen dürfen! So viel zum Thema Verantwortungsbewusstsein!“

„Jetzt seien Sie nicht ungerecht“, mahnte Julius. „Er hat ja nicht wissen können, was passiert.“

„An seiner Stelle hätte ich Kira trotzdem keine Sekunde aus den Augen gelassen“, knurrte Xaver. Er hatte sich nicht mal die Mühe gemacht, Martin zu informieren.

Das übernahm jetzt Julius. Und natürlich reagierte Martin schockiert, als er hörte, dass Kira wegen eines Blinddarmdurchbruchs operiert werden musste. Er würde versuchen, seinen Rückflug umzubuchen. Falls das nicht klappte, würde er in den nächsten Zug steigen, um so schnell wie möglich wieder bei Kira zu sein.

Doris war eben erst Werner ins Wohnzimmer gefolgt – und nun kam auch Charlotte. Doris nutzte die Gunst des Augenblicks.

„Wenn du wüsstest, was sich deine Exfrau jetzt wieder geleistet hat …“, begann sie und warf Charlotte einen provozierenden Blick zu. „Wie wäre es, wenn Sie Werner das erzählen?“

„Das können Sie sicher besser“, entgegnete Charlotte souverän und wollte in ihr Zimmer gehen.

Doch Doris stellte sich ihr in den Weg. „Wie kommen Sie dazu, Doktor Drescher gegenüber zu behaupten, ich hätte Sie vom Morphalin abhängig gemacht und wolle Sie umbringen?“ Frau van Norden bebte vor gespielter Empörung. „Das ist Rufmord!“

Perplex verzog Werner das Gesicht.

„Wenn es nicht stimmt – warum regen Sie sich dann so auf?“, erwiderte Charlotte kämpferisch.

„Ich werde einen Anwalt einschalten“, drohte Doris.

„Tun Sie das!“, ätzte Charlotte.

„Wer ist Doktor Drescher?“, meldete Werner sich nun zu Wort.

„Ein renommierter Neurologe und Psychiater, bei dem deine Frau in Behandlung war – oder ist!“ Damit schob Charlotte Doris beiseite und verschwand.

„Du gehst zu einem Psychiater?“ Davon wusste der Senior gar nichts.

„Seit wann interessierst du dich für mein Seelenheil?“, fauchte Doris.

Dass Charlotte nach ihrer Erkrankung eine Psychotherapie machte, war Werner bekannt. „Aber dass du auch in Behandlung bist …“

Doris genoss es, jetzt die Gelegenheit zu haben, ihm ein schlechtes Gewissen machen zu können. „Wegen deines ständigen Techtel­mechtels mit deiner Exfrau war ich nervlich vollkommen zerrüttet“, erklärte sie also. „Ich wollte nicht noch einen Selbstmordversuch riskieren …“ Werner schluckte. „Doktor Drescher hat mir geholfen“, legte sie nach. „Ohne ihn säße ich heute nicht mehr hier.“

„Warum hast du nicht mit mir darüber gesprochen?“ Er war sichtlich betroffen.

„Im Gegensatz zu deiner Exfrau gehe ich mit meinen Problemen nicht gerne hausieren“, sagte sie.

„Ich bin dein Mann, Doris!“ Tröstend nahm er sie in den Arm. „Ich bin immer für dich da. Bitte vergiss das nicht!“

Sie verkniff sich ein triumphierendes Lächeln. Alles lief nach Plan!

Charlotte wollte kurze Zeit später von Konstantin wissen, was es mit der Behandlung seiner Mutter bei Doktor Drescher auf sich hatte. Natürlich wusste auch Konstantin nichts davon. Und er wunderte sich, dass Doris einen Neurologen und Psychiater konsultierte.

Es war spät am Abend, als Kira nach der Operation wieder wach wurde. Xaver saß an ihrem Bett und bemerkte das Flattern ihrer Augenlider.

„Da bist du ja wieder, Schneewittchen …“, sagte er liebevoll.

„Was ist mit meinem Baby?“, flüsterte sie.

„Alles okay.“ Mutter und Kind hatten den Eingriff gut überstanden.

Kira seufzte erleichtert. „Ich hätte auf Martin hören und sofort zum Arzt gehen sollen.“

Xaver schluckte. Er gab Martin noch immer die Schuld an der ganzen Situation. „Jetzt mach dich nicht verrückt“, bat er. „Es ist ja noch mal gut gegangen.“

Sie tastete nach seiner Hand. „Ohne dich wäre es das nicht. Danke, Xaver. Für alles …“ Sie ließ seine Hand wieder los. „Weiß Martin Bescheid?“

Er bejahte verhalten. „Spätestens morgen früh wird er hier sein.“ Und bis dahin würde nichts und niemand Xaver von Kiras Bett wegbringen.

Am nächsten Morgen konnte Julius bereits mit seiner Nichte telefonieren – Kira hatte sich in der Nacht recht gut von der Operation erholt. Und Xaver hatte die ganze Zeit an ihrem Bett gewacht.

Natürlich war Charlotte froh, zu hören, dass mit Julius’ Nichte alles in Ordnung war. Aber ihre Gedanken kreisten weiterhin um Frau van Norden.

„Dass sie mich vor Werner derart angegangen ist und sogar gedroht hat, mich wegen Rufmords zu verklagen …“ Dabei war Charlotte sich sicher, dass sich Doris bei Doktor Drescher das Morphalin besorgt hatte. „Meinst du, sie könnte mit ihm unter einer Decke stecken?“

Julius runzelte die Stirn. Doris hatte Charlotte den Arzt ja nicht einmal empfohlen. „Und es kann doch sein, dass die van Norden tatsächlich psychische Probleme hat. Unter dem ganzen Hin und Her mit deinem Exmann hat sie schon ziemlich gelitten.“

„Möglich“, räumte Charlotte ein. Da klingelte ihr Handy – es war Doktor Drescher.

„Guten Tag, Frau Saalfeld, es ist mir unangenehm, aber in meiner Praxis ist gestern Morphalin gestohlen worden“, sagte der Arzt am anderen Ende der Leitung. „Und bevor ich die Polizei einschalte, möchte ich dem Dieb die Gelegenheit geben, das Fläschchen zurückzugeben.“

Charlotte stutzte. „Verdächtigen Sie etwa mich, das Morphalin gestohlen zu haben?!“, empörte sie sich dann.

„Sie waren gestern kurz allein im Sprechzimmer“, entgegnete der Arzt. „Vielleicht haben Sie die Gunst der Stunde genutzt …“

„Ich verbitte mir solche Unterstellungen!“, herrschte Charlotte ihn an. „Ich benötige diese Tropfen nicht mehr! Auf Wiederhören!“ Damit legte sie auf. Aufgebracht sah sie nun Julius an. „Dieses Miststück! Natürlich! Diese Hexe hat das Morphalin gestohlen!“ Immerhin war Doris gestern ja auch in Doktor Dreschers Praxis gewesen.

„Das ist tatsächlich ein merkwürdiger Zufall“, gab Julius zu, der das Telefonat mit angehört hatte. „Wenn sie jetzt sogar so weit geht, das Zeug zu stehlen … Wir sollten sie im Auge behalten.“

Charlotte warf ihm einen dankbaren Blick zu – endlich schien er ihr zu glauben. „Ich muss aufpassen“, stellte sie dann fest. „Noch besser als ohnehin schon.“

„Wie geht es ihr?“ Martin eilte ins Krankenzimmer. Xaver saß dort immer noch am Bett der schlafenden Kira.

„Den Umständen entsprechend“, erwiderte er leise. „Schön, dass du auch schon da bist!“

Getroffen sah Martin ihn an. Aber er wollte vor Kira keinen Streit anfangen. „Wir reden draußen.“ Doch als er Xaver am Arm packte und mit sich fortziehen wollte, schlug Kira die Augen auf.

„Martin …“, hauchte sie.

Sofort war er bei ihr. „Was machst du nur für Sachen?“ Er küsste sie voller Liebe. „Ich bin so froh, dass es dir gut geht!“

Xaver zog sich zurück. Die beiden so innig miteinander zu sehen, hielt er noch immer kaum aus.

„Ich hätte dich nie allein lassen dürfen“, warf Martin sich vor, als er sich auf den Stuhl neben Kiras Bett setzte.

„Wer konnte schon ahnen, dass ich seit Wochen einen entzündeten Blinddarm mit mir rumschleppe?“, winkte Kira ab. „Und zum Glück war Xaver ja da.“ Martin war das schlechte Gewissen deutlich anzusehen. „Du hast dir nichts vorzuwerfen! Ich wollte doch, dass du nach Hamburg fliegst.“

2. KAPITEL

Marlene kam heute Morgen aus München zurück. Und die Schmuckmesse dort war ein kompletter Reinfall gewesen! Kein einziger Verkäufer hatte sich für ihren Schmuck interessiert, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass ihre Mutter nichts damit zu tun hatte. Hatte Natascha etwa recht gehabt damit, dass es ohne ihren Glanz nichts werden könnte mit Marlenes Kollektion? Und wenn Marlene Konstantin erzählte, dass die Messe ein Flop gewesen war, würde Natascha auch davon erfahren. Dieser Gedanke war Marlene äußerst unangenehm. Auf keinen Fall durfte sie sich jetzt unterkriegen lassen. Ihre Kollektion war gut, das wusste sie. Und der Erfolg würde auch noch kommen.

Sie wollte gerade einen kleinen Spaziergang machen, da kam Konstantin auf sie zugejoggt.

„Hey, Frau Stardesignerin!“, rief er ihr fröhlich entgegen. „Da bist du ja wieder! Und? Erzähl schon, wie war es?“ Sie zögerte. „Julia und ich haben dir sämtliche Daumen und Krallen gedrückt“, scherzte er. Marlene musste lächeln – sein Charme überwältigte sie noch immer. Und er nahm dieses Lächeln als eine positive Antwort. „Ich wusste es! Deine Kollektion hat alle umgehauen!“ Begeistert nahm er sie in den Arm und wirbelte sie herum. „Das muss gefeiert werden!“

„Lieb von dir, aber …“

Er ließ sie gar nicht zu Wort kommen. „Du brauchst deine Mutter nicht als Zugpferd! Deine Kollektionen sprechen für sich!“

Marlene wollte das Missverständnis klarstellen, aber da klingelte Konstantins Handy. Er wurde dringend an der Bar gebraucht.

„Ich muss jetzt leider los“, erklärte er. „Bis später, meine Schmuck-Königin!“

Michael baute seine geknickte Verlobte wieder auf.

„In Italien werden sie deinen Schmuck lieben“, meinte er. „Ich habe Debbie doch ein Armband von dir geschenkt – und sie wird immer wieder danach gefragt, woher sie es hat.“

Marlene schmiegte sich an ihn und rang sich ein Lächeln ab. „Dann wird es wirklich Zeit, dass wir endlich nach Florenz ziehen“, seufzte sie.

Konstantin hingegen berichtete Natascha von Marlenes angeblichem Erfolg in München.

„Ihre Kollektion ist gut angekommen“, sagte er. „Und das ganz ohne den Glanz deines Namens.“

Natascha glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. Sie war fest davon ausgegangen, dass Marlenes erster Messeauftritt schief­gehen würde.

Doris begegnete Charlotte heute voll geheuchelter Freundlichkeit. Sie entschuldigte sich sogar bei ihr.

„Es war dumm von mir, Ihnen mit einer Anzeige zu drohen“, behauptete sie gespielt zerknirscht. „Ich hatte einen schlechten Tag, die Situation hier ist für mich manchmal nicht einfach.“

Natürlich glaubte Charlotte ihr kein Wort. „Ich verstehe Ihr Problem nicht“, sagte sie dennoch. „Sie sind mit Werner verheiratet, und ich liebe Julius.“

„Ich habe einfach überreagiert“, meinte Doris nun. „Sie wissen doch, dass ich Ihnen nichts Böses will. Dass der Zufall Sie zu Doktor Drescher geführt hat, ist ein Glück. Er ist ein ausgezeichneter Arzt und hat mir – als es mir wegen Werner so schlecht ging – das Leben gerettet.“ Ihr Blick fiel auf zwei Gläser Orangensaft, die noch auf dem Tisch standen. Werner hatte seines beim Frühstück verschmäht. „Möchten Sie vielleicht einen Saft?“, fragte sie und schob eines der Gläser in Charlottes Rich­tung.

Charlotte wusste nicht, was sie davon halten sollte. Während Doris einen Anruf auf dem Handy entgegennahm, vertauschte sie blitzschnell die beiden Gläser. Dass Doris sie im Spiegel beobachtete, merkte sie nicht. Sie wollte nur sichergehen, dass Frau van Norden ihr nicht schon wieder Morphalin verabreichte.

Nachdem Doris ihr Telefonat beendet hatte, griff sie wie selbstverständlich nach dem Glas Orangesaft, das Charlotte ihr hingestellt hatte. Und Charlotte trank den Saft aus dem anderen Glas. Doris kam jetzt wieder auf Doktor Drescher zu sprechen.

„Durch meine Therapie bei ihm konnte ich nachempfinden, was Sie in Ihrer Ehe mit Werner durchgemacht haben“, säuselte sie.

„Wie gesagt – ich bin jetzt mit Julius sehr glücklich.“ Charlotte betrachtete Doris aufmerksam. Würden sich Anzeichen einstellen, die bewiesen, dass in dem Saft Morphalin gewesen war?

Doris hielt nun den Zeitpunkt für gekommen, eine kleine Show abzuziehen. Übermütig warf sie ein paar Kissen vom Sofa durch den Raum. „Und ich mit Werner!“, rief sie überdreht. „Mit meinem wilden Hengst!“ Lasziv schwang sie die Hüften und stieg dann auf das Sofa, um zu tanzen.

„Geht es Ihnen gut?“ Charlotte gab sich besorgt – obwohl sie innerlich triumphierte. Jetzt hatte sie Frau van Norden überführt!

„Gut?“, wiederholte Doris und kicherte. „Hervorragend!“ Sie tanzte immer wilder.

Außer Atem erschien Charlotte an der Rezeption, wo sich Alfons und Julius gerade unterhielten.

„Stellt euch vor, ich habe Doris van Norden auf frischer Tat ertappt und überführt!“, sprudelte sie heraus. „Sie hat wieder versucht, mir heimlich Morphalin zu geben!“ Sie hatte auch schon Michael angerufen, damit er Doris untersuchte. „Ich habe sie nämlich ausgetrickst. Sie hat das Morphalin selbst getrunken!“

Gemeinsam mit Michael und Julius machte sich Charlotte wieder auf den Weg in die Wohnung.

„Ich bin schon gespannt auf die entfesselte Doris van Norden!“ Julius grinste.

Doch als die drei das Wohnzimmer betraten, saß Doris auf dem Sofa und las Zeitung. Die Kissen waren wieder an ihrem Platz.

„Was ist das denn für ein Aufgebot?“, fragte sie nüchtern. „Habe ich irgendwas verpasst?“

„Sie tanzen gar nicht mehr?“, erwiderte Charlotte hilflos.

„Wie kommen Sie darauf, dass ich tanze?“ Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Doris sie an.

Charlotte hatte sich bis auf die Knochen blamiert. Einmal mehr war sie Doris ins Netz gegangen. „Sie hat auf dem Sofa getanzt.“ Überfordert sah Charlotte zu Michael und Julius. „Ihr müsst mir glauben!“

„Sie entschuldigen, wenn ich nicht mehr folgen kann“, sagte Doris.

„Anscheinend war es ein Irrtum.“ Julius wirkte beklommen.

„Mir ist klar, wie das alles aussieht.“ Charlotte ließ den Kopf hängen. „Aber bitte – ihr müsst mir glauben.“

„Meine Güte, ist das traurig.“ Damit verließ Doris die Wohnung.

Und Michael und Julius tauschten einen äußerst besorgten Blick.

„Ich habe mir das nicht eingebildet!“ Charlotte war noch immer ganz außer sich, als sie später mit Julius durch den Park spazierte. „Frau van Norden ist regelrecht ausgeflippt.“

„Dann muss es eine andere Erklärung geben“, erwiderte er diplomatisch. „Aber vielleicht solltest du das Thema Morphalin endlich abschließen und nach vorne blicken.“

„Das würde ich ja gerne!“, rief Charlotte verzweifelt. „Aber sie lässt es nicht zu!“ Es konnte doch kein Zufall sein, dass ausgerechnet jetzt ein Morphalin-Fläschchen aus Doktor Dreschers Praxis verschwunden war.

„Ich habe das Gefühl, dass dich das alles zu sehr belastet“, sagte er vorsichtig.

Charlotte schnaubte. „Diese Frau hätte mich im Wald erfrieren lassen. Und jetzt versucht sie, mich in den Wahnsinn zu treiben. Das ist die einzige Erklärung.“ Langsam hatte sie Angst, Doris van Norden nicht gewachsen zu sein.

Kira war wieder eingeschlafen, und Martin ließ sie kurz allein. Im Krankenhauspark traf er auf Xaver, der eine Tasche in der Hand hielt.

„Ich habe Kira ein paar Sachen aus der Wohnung geholt“, erklärte er. „Gestern ging ja alles so schnell. Und man konnte ja nicht wissen, wann du wieder auf der Bildfläche erscheinst.“

„Wie bist du gestern überhaupt in unsere Wohnung gekommen?“, fragte Martin grimmig.

„Mit meiner Scheckkarte“, gab Xaver zur Antwort. „Ich habe die Tür schon öfter so geknackt. Habe ja schließlich lange genug dort gewohnt.“

Die beiden maßen einander mit Blicken.

„Ich bin dir dankbar, dass du im richtigen Moment da warst“, sagte Martin schließlich. „Aber – lass sie in Ruhe!“

„Du weißt es doch gar nicht zu schätzen, was du an Kira hast!“, hielt Xaver ihm nun vor. „Du wusstest, dass sie Schmerzen hat, und bist trotzdem einfach abgedüst! Ist dir eigentlich klar, dass sie fast gestorben wäre? Deinetwegen? Weil du sie alleingelassen hast?“

Kurz darauf war Xaver wieder bei Kira. Er hatte ihr nicht nur Sachen von zu Hause, sondern auch Schokolade und einen kleinen Schutzengel-Anhänger für die Kette mitgebracht.

„Ich hatte das Gefühl, du kannst ihn gut brauchen“, erklärte er lächelnd. „Für dich – und für das Baby. Falls ich mal nicht rechtzeitig da bin …“

Intensiv sah sie ihm in die Augen. „Dass du mir gestern das Leben gerettet hast – dafür bin ich dir ewig dankbar“, sagte sie schließlich.

„Ich will immer für dich da sein, wenn du mich brauchst.“ Wehmut lag jetzt in seiner Stimme. „Aber wenn du jetzt wirklich nach Hamburg ziehst …“

„Xaver …“ Bittend schüttelte sie den Kopf.

Doch er war zu aufgewühlt, um sich jetzt noch bremsen zu können. „Seit ich dich das erste Mal gesehen haben, du bist für mich …“

„Erst mal bin ich ja noch ein bisschen hier“, fiel sie ihm ins Wort und wechselte dann schnell das Thema. „Könntest du mir vielleicht einen Gefallen tun und dich um die Orchideen im Gewächshaus kümmern?“

Er verbarg seine Enttäuschung. Und versprach natürlich, nach den Blumen zu sehen.

Marlene hatte beschlossen, mit ihrem Schmuck in die Offensive zu gehen. Und so fragte sie Herrn Saalfeld, ob sie im Blauen Salon in ein paar Tagen ihre neue Kollektion ausstellen dürfe. Grundsätzlich hatte Werner gar nichts dagegen. Bloß war der Blaue Salon bereits reserviert.

„Emma, die Frau von Charlottes Neffen Felix, kommt und präsentiert hier ihre neue Kollektion“, erklärte er bedauernd. „Sagt Ihnen das Label ‚Princess Dirndl‘ etwas?“

Traurig zuckte Marlene die Achseln. „Dann werde ich mit meinem Schmuck wohl noch etwas warten müssen“, seufzte sie.

„Tut mir leid“, entgegnete der Senior. „Aber danach finden wir schon eine Nische für Sie.“

Natascha hatte inzwischen ihre Kontakte spielen lassen. Und herausgefunden, dass die Messe in München für ihre Tochter alles andere als gut gelaufen war: Alle waren enttäuscht gewesen, dass Natascha nicht mehr das Gesicht der Kollektion war.

„Die Leute sind reihenweise wieder gegangen, kein Mensch hat sich für Marlenes Klimbim interessiert“, berichtete sie dem verblüfften Konstantin triumphierend. „Ein totaler Flop.“

„Aber sie sagte doch, es sei super gelaufen?“

„Tja, alles gelogen.“ Natascha schnaubte abfällig. „Von wegen, es geht auch ohne meinen Ruf und Namen!“ Sie wirkte so schadenfroh, dass Konstantin nur den Kopf schütteln konnte.

„Wünscht sich eine Mutter nicht Erfolg für ihre Tochter?“, fragte er.

„Wenn sie mich so eiskalt fallen lässt …“, meinte Natascha achselzuckend.

„Du hast sie und ihren Schmuck beleidigt!“, hielt er ihr vor. Sie reagierte nicht darauf. „Tu mir einen Gefallen und reib es ihr nicht auch noch unter die Nase, ja?“, bat er. „Marlene hat bestimmt schon genug an diesem Misserfolg zu knabbern. Da musst du nicht noch nachtreten.“

Aber Natascha genoss es, ihre Tochter ein wenig zu piesacken. Sie kam zu Marlene in den Laden und gab sich vollkommen arglos. Marlene war gerade dabei abzuschließen – sie wollte Kira im Krankenhaus besuchen.

„Müsstest du nicht ohne Ende Aufträge bearbeiten?“, säuselte Natascha. „Nach deinem großen Erfolg auf der Messe?“

„Hat Konstantin dir das erzählt?“, erwiderte Marlene verhalten.

„Ich freue mich so für dich!“, heuchelte ihre Mutter. „Ich hätte nicht gedacht, dass es ohne mich so einfach sein würde. Respekt! Aber deine Kollektion spricht eben für sich.“

Marlene hatte Mühe, sich nichts anmerken zu lassen. „Ich muss dann.“

Unzufrieden blickte Natascha ihrer Tochter nach. Sie hatte so auf die Genugtuung gehofft, aus Marlenes Mund zu hören, was für ein Reinfall die Messe in München gewesen war.

André war tatsächlich von einer Frau angeschrieben worden, die in der Internet-Partnerbörse auf sein Profil gestoßen war und sich für ihn interessierte. Und er hätte nicht gedacht, dass es ihm solchen Spaß machen würde, per E-Mail mit der Unbekannten zu flirten, die sich „Loreley“ nannte. Sie wirkte sympathisch und unzickig – und André fand sie einfach hinreißend. Wie gut, dass er sich auf die Partnersuche im Internet eingelassen hatte!

Bei Nils hingegen lief es in Liebesdingen nicht so, wie er sich das gewünscht hätte. So lange waren Sabrina und er umeinander herumgeschlichen. Und irgendwann waren sie wirklich miteinander im Bett gelandet. Er hätte es nicht zugegeben, aber er war inzwischen ernsthaft verliebt in seine Mitbewohnerin. Doch Sabrina wollte nur eine Affäre. Er warf ihr Bindungsangst vor. Wofür Sabrina natürlich nur Hohn und Spott übrighatte.

Xaver stand in Pagenuniform im Gewächshaus und kümmerte sich um die Orchideen – Kira hatte ihn ja schließlich darum ge­beten.

Martin sah ihn von Weitem und betrat gereizt das Gewächshaus. „Meines Wissens gehört das Blumengießen nicht zu den Aufgaben eines Pagen“, giftete er.

„Korrekt, das mache ich auch freiwillig“, gab Xaver zurück.

„Meinst du, nur weil du dich um Kiras Orchideen kümmerst …“

Xaver fiel Martin wütend ins Wort. „Sie hat mich darum gebeten. Und ich bin eben für sie da, wenn sie mich braucht.“

Martin wollte etwas erwidern, doch da klingelte sein Handy. Die Privatschule aus Hamburg meldete sich – es klappte nun doch nicht mit seiner Anstellung als Religionslehrer. Aus finanziellen Gründen war die Stelle gestrichen worden.

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