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Schicksalsherzen: Liebe, heiß wie Feuer

Tori Carrington

Schicksalsherzen: Liebe, heiß wie Feuer

Aus dem Englischen von Xinia Picado Maagh-Katzwinkel

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder

auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich

der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit
lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

1. KAPITEL

Dusty Conrads Vorhaben war ganz einfach.

Zur Feuerwache gehen. Jolie aufsuchen. Sie dazu bringen, die Scheidungspapiere zu unterzeichnen, die sie schon seit zwei Monaten hatte. Mit dem eigenen Leben weitermachen.

Ganz einfach.

Warum aber fuhr er dann durch die engen Straßen von Old Orchard, ohne sich der Feuerwache zu nähern?

Dusty verstärkte den Griff um das Lenkrad seines leuchtend roten Pick-ups und versuchte, die Umgebung in sich aufzunehmen. Er betrachtete die Kürbisse, Hexenfiguren und schwarzen Katzen, mit denen die Häuser an der Main Street geschmückt waren. Erst vor sechs Monaten war er weggegangen. Fast kam es ihm vor wie gestern, nur dass die Stadt heute für Halloween und die entsprechenden Festivitäten am Wochenende vorbereitet war. Vor einem halben Jahr war überall Osterdekoration zu sehen gewesen.

Auf den Straßen von Old Orchard im Staate Ohio herrschte nicht gerade rege Geschäftigkeit. Alles lief gemächlich ab. Als Dusty nach rechts abbog, um zum „Lucas Circle“ zu gelangen, sah er, wie Dana Malone versuchte, ihrem Sohn Josh beizubringen, wie man die Straße richtig überquerte.

Die ganze Stadt war um den „Lucas Circle“ gebaut worden. Hier fanden alle wichtigen Veranstaltungen statt, egal ob Demonstrationen oder Karneval. Das alte Gebäude von „Old Jakes“ war immer noch ein beliebtes Geschäft, obwohl inzwischen auch große Einkaufszentren entstanden waren.

Der Begriff Kleinstadt traf für die wachsende Stadt mit ungefähr fünfundvierzigtausend Einwohnern bald nicht mehr zu. Aber während das moderne Krankenhaus am anderen Ende der Main Street sowie einige Bürogebäude das Stadtbild verändert hatten, sah das Zentrum der Stadt immer noch aus wie vor hundert Jahren. Die majestätischen Bäume, die alte Bibliothek und die Kirche vermittelten den Eindruck einer kleinen Stadt. Die Bewohner fühlten sich dort wohl. Sie gingen gern zu Fuß, kauften in den kleineren Geschäften statt in den Großmärkten ein und hatten immer noch Zeit für ein kurzes Gespräch auf der Straße. Man half auch dem Nachbarn, und alle kannten sich, selbst wenn es nur vom Hörensagen war.

Hier in Old Orchard war Dusty geboren. Hier hatte er seine ersten Schritte gemacht. Und hier hatte er seine ersten sexuellen Erfahrungen gesammelt. Er kannte sich aus.

Nach einer Runde im „Lucas Circle“ fuhr Dusty die Main Street herunter und beschleunigte widerwillig, sodass er sein Ziel nun doch schneller erreichte. Langsam hielt er vor der Feuerwache 2 an und blickte auf das Gebäude. Das renovierte alte Schulgebäude sah so aus wie immer. Die Uhr zeigte noch die gleiche Zeit – 9.15 Uhr, zu der sie am 6. Juni 1982 stehen geblieben war. Damals waren zwei Feuerwehrleute bei einem Brand in der fünf Meilen entfernten Autoteilefabrik umgekommen.

Eigentlich hatte er auch nicht erwartet, Veränderungen vorzufinden. Er selbst hatte sich geändert. So sehr, dass er den Mann kaum noch erkannte, der einen großen Teil seines Lebens in dieser Feuerwache zugebracht hatte.

Zwei der drei Fahrzeughallen standen offen, und eines der Löschfahrzeuge fehlte.

„Mensch, ist das etwa Dusty Conrad?“, erklang eine bekannte Stimme.

Dusty sah seinen alten Freund John Sparks, der ihn fröhlich anlächelte, während er sich die Hände abwischte. Er trug seine Sheriffkleidung, was Dusty zeigte, dass er immer noch gern zur Feuerwache kam. Niemand störte sich daran, da John gerne half.

Hinter John tauchte ein weiterer Mann auf. Fast hätte Dusty geglaubt, seinen Bruder Erick zu sehen. Aber der Mann glich Erick nur, war jedoch viel jünger. Erick würde nie mehr kommen. Und Dusty traf die Schuld daran.

Sparks stellte den Jugendlichen vor. „Das ist Scott Wahl. Du erinnerst dich doch? Etwas kleiner …“

„Scooter.“ Dusty nickte, als er sich an den blonden Teenager erinnerte. Immer, wenn die Feuerwehr Übungen durchführte oder Schulen besuchte, war Scott, alias Scooter, dabei gewesen.

Dusty wurde sich des unbehaglichen Schweigens bewusst und blickte zu John Sparks. Der kleine, drahtige Mann war Ericks bester Freund gewesen. Von der Grundschule bis zur Highschool hatte niemand sie trennen können.

Nur der Tod.

„He Sparks, wie ist es dir so ergangen?“, fragte er. Es fiel ihm schwer, mit der Person zu reden, die seinem Bruder so nahe gewesen war wie er selbst.

Johns Grinsen verblüffte ihn. Ebenso wie sein starker Händedruck, mit dem er ihn fast aus den Arbeitsschuhen hob. „Man sagt, du arbeitest auf einer Baustelle in Toledo.“

„Ja. Den Leuten hier entgeht wohl gar nichts. Wenn du mal niest, ruft man dir aus der Vorstadt ‚Gesundheit‘ zu.“

„Das ist Old Orchard. Kommst du wieder zurück?“, wollte John wissen.

Dustys Magen reagierte auf diese Frage mit einem nervösen Grummeln. Als er weggegangen war, hatte er nicht vorgehabt, zurückzukommen. Aber das konnte John nicht wissen.

„Nein“, erwiderte er, „bloß ein kurzer Besuch.“

Als er gegangen war, hatte er nur mit Jolie gesprochen. Nie hatte er sich gefragt, wie sie seine Abwesenheit begründen würde. Wahrscheinlich hatte sie den anderen gesagt, dass er nach dem Tod des Bruders die Nerven verloren hatte. Sowohl als Feuerwehrmann als auch als Ehemann.

Dass sie gar nichts erklärt haben könnte, hatte er nicht bedacht.

„Ist Jolie da?“, fragte er, so lässig wie möglich.

John schüttelte den Kopf. „Sie ist mit Martinez und Sal unterwegs.“

Dusty war nicht überrascht. Wenn ein Fahrzeug fehlte, dann war Jolie im Dienst. „Hoffentlich nichts Ernstes.“

„Nur, wenn du Geflügelzüchter bist. Einer von Rudy Glicks LKWs ist mit einer vollen Ladung auf der 108 umgestürzt. Du kannst sicher sein, dass Jolie und die Jungs alle Hände voll zu tun haben.“

Beim Klang ihrer Stimmen kamen die anderen Mitglieder aus der Gruppe 1 heraus. Alle grüßten Dusty, mit dem sie schon viele Male Feuer bekämpft hatten.

„Es gibt doch so was wie Strafe des Himmels“, meinte Gary Jones, der Chef. „Seit du weggegangen bist, gab es hier kein vernünftiges Essen mehr.“

Sparks tätschelte Garys Bauch. „Das sieht man aber nicht.“

„Pass auf, oder ich verbanne dich von der Wache“, meinte er grinsend. „Oder ich setze mich jetzt schon zur Ruhe und lasse die Stadt im Stich. Was tätest du dann, Sheriff Sparks?“

„Au.“

Dusty steckte die Hände in die Taschen seiner Jeans. „Wer hat jetzt Küchendienst?“

„Martinez.“

Er grinste schief. „Den habt ihr sicher nicht wegen seines Talentes in der Küche ausgewählt.“

„Nun, seine Fähigkeiten stellen wir nicht infrage, aber die Auswahl des Essens. Aufgebackene Bohnen will man nicht gerade im Magen haben, wenn man zu einem Einsatz gerufen wird.“ Die anderen lachten. „Wir haben versucht, jemand anderen zu finden.“ Jones blaue Augen leuchteten. „Du hättest Jolies Gesicht sehen sollen, als wir ihr vorschlugen, deinen Platz einzunehmen, weil wir dachten, dass sie von dir vielleicht einiges gelernt hätte.“

Dusty kratzte sich am Kinn. „Ihre Reaktion war sicher heftig.“

„Das stimmt. Deine Kleine hat ein stürmisches Temperament.“

Plötzlich merkte Gary, was er gesagt hatte, und verstummte. Alle anderen blickten unbehaglich zu Boden.

Sparks räusperte sich. „Wie lange bleibst du in der Stadt?“

„Ich weiß noch nicht.“

Das Geräusch einer Sirene ertönte, und die übrigen Mitglieder des Teams fuhren vor. Jolie sprang aus dem Wagen, wobei ihre Ausrüstung sie nicht zu behindern schien.

Dusty war völlig sprachlos. Er hatte gar nicht überlegt, wie er sich fühlen würde, wenn er Jolie wieder sähe. Die körperliche Reaktion, die ihre Nähe auslöste und die eindeutig nicht verschwunden war. Selbst in der Schutzkleidung sah sie attraktiv aus. Die helle Morgensonne ließ ihr kastanienbraunes Haar leuchten, und ihre Wangen waren gerötet.

Und jetzt sah sie ihn. Sie riss die blauen Augen weit auf und strahlte vor Glück. Dusty fühlte sich, als hätte er einen Schlag in den Magen bekommen.

Und er hatte das dumme Gefühl, dass bei diesem Besuch nichts einfach sein würde.

Freude durchzuckte Jolie Calbert Conrad, als sie dem Mann ins Gesicht sah, den sie ihr Leben lang geliebt hatte. Wie oft in den vergangenen Monaten hatte sie sich vorgestellt, dass Dusty an der Wache auf sie warten würde. Und heute war er gekommen. Obwohl ihr vor Aufregung ganz heiß wurde, konnte sie nicht sagen, wie sie sich bei seinem Anblick fühlte.

Da er nicht zu ihr nach Hause gekommen war, ließ sein Besuch allerdings nichts Gutes ahnen.

„Habt ihr die wild gewordenen Hühnchen wieder eingefangen?“, fragte der Chef, als Martinez aus dem Wagen kletterte.

„Ein schmutziger Job, aber irgendjemand musste ihn ja erledigen. Man kann jetzt wieder ruhig durch die Stadt gehen.“

„He, da ist Dusty!“ Martinez rannte zu ihm und umarmte ihn. Jolie beneidete ihn, denn sie hätte Dusty auch gern umarmt.

Eigentlich sollte sie nicht den Wunsch haben, Dusty um den Hals zu fallen. Nach fünf Jahren Ehe hatte sie sechs Monate lang nichts von ihm gehört, außer über seinen Anwalt.

„Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, dich zu sehen“, meinte Martinez. „Wo zum Teufel hast du gesteckt? Wie geht’s dir?“

„Gut“, meinte Dusty, ließ aber seinen Blick nicht von Jolie.

Plötzlich schienen Jolies Stiefel bleischwer zu sein, und die Uniform schien plötzlich eine Tonne zu wiegen. Sie fühlte sich, als hätte sie ein starkes Feuer bekämpft und nicht Hühnchen von der Autobahn eingesammelt. Etwas berührte ihren Fuß, und als sie herunterblickte, sah sie die Feuerwehrkatze, die normalerweise gleichgültig wirkte. Jolie verzog das Gesicht, als Spot mit der Schnauze gegen ihr Bein stupste. Sie stolperte, holte ihren Helm aus dem Fahrzeug und zog den Mantel aus. Spot folgte ihr.

„Dusty“, grüßte sie kumpelhaft und versuchte, ihn wie jeden anderen Feuerwehrmann zu betrachten. Sie wollte so tun, als hätte sie nicht jede Nacht geweint und von seiner Rückkehr geträumt.

Als sie sich ihm näherte, spürte sie aber viel zu sehr, dass er nicht einfach ein Feuerwehrmann aus ihrem Team war. Und das hatte mit dem schlichten Goldreif zu tun, den sie noch immer am Ringfinger trug.

Dusty Conrad war ihr Ehemann. Der Mann, der versprochen hatte, sie zu lieben und zu ehren „bis der Tod uns scheidet“. Obwohl sie noch nicht mit dem Pastor gesprochen hatte, war sie sicher, dass zu dem Eheversprechen keinesfalls eine Nachricht mit dem Text Bitte verzeih mir gehörte. Und schon gar nicht ein plötzliches Verschwinden, das selbst den Magier Copperfield beeindruckt hätte.

Jones räusperte sich. „Jolie, hast du schon einen Termin für deine Jahresuntersuchung?“

„Noch nicht.“

„Bis zum Ende des Monats muss die Untersuchung gelaufen sein.“

„Ich weiß.“ Heute Morgen hatte sie noch mit Schrecken an den Arzttermin gedacht, aber der erschien ihr plötzlich nicht mehr so schlimm im Vergleich zu dem Umstand, dass sie nun Dusty gegenübertreten musste.

Jolie reckte das Kinn. Egal, wie gut Dusty aussah, wollte sie nicht zu erkennen geben, wie sehr sie sich nach ihm sehnte, solange sie nicht wusste, warum er da war. Und selbst dann sollte sie ihm vielleicht nicht gestehen, dass sie ihn vermisst hatte.

„Ich mache ein bisschen sauber“, sagte sie laut in die Runde und ging zur Umkleide. Fast wäre sie über Spot gefallen, die im Weg lag. Dabei hatte Jolie einen würdevollen Abgang liefern wollen.

Das war nicht so gelaufen, wie er erwartet hatte.

Dusty warf einen Blick durch die Küchentür und wunderte sich, was Jolie sauber machen wollte. Wahrscheinlich hatte sie sich selbst gemeint. In den fünfundvierzig Minuten, seit sie verschwunden war, hätte sie die Duschen, die Unterkünfte sowie die Löschfahrzeuge sogar mit der Zahnbürste reinigen können.

Er drehte die Hähnchensteaks um und fand Ruhe in seiner gewohnten Rolle als Koch. Allerdings war ihm hier alles zu vertraut. Zu angenehm. Dabei war er extra zur Feuerwache gekommen, um genau dieses Gefühl zu umgehen. Er wollte der Versuchung aus dem Weg gehen, zu Hause wieder in alte Gewohnheiten zu fallen.

Warum fiel es ihm so schwer, nicht hinter Jolie herzugehen? Nicht, um sie auf die Scheidung anzusprechen, sondern um sie zu küssen, ihren Geschmack wieder zu spüren und sich zu versichern, dass das Feuer, das er in ihren Augen entdeckt hatte, nicht schon erloschen war.

Nun versuchte er, seine Muskeln bewusst zu entspannen und sein wieder erwachtes Verlangen unter Kontrolle zu bringen.

Er warf einen Blick hinter sich, wo seine ehemaligen Kollegen immer noch auf den gleichen Plätzen saßen wie früher.

Erneut blickte er zur Tür, in der nun Scott Wahl stand. Dusty schaute weg, weil er nicht ertragen konnte, wie sehr dieser Junge seinem Bruder ähnlich sah. Außerdem wollte er den Stuhl nicht sehen, auf dem Erick niemals mehr sitzen würde.

„Sie waren der Koch?“, wollte Scooter wissen und lehnte sich an den Küchenschrank.

„Ja.“ Dusty testete die Kartoffeln mit der Gabel.

„Ich dachte immer, Kochen sei Frauenarbeit.“

Dusty zog eine Braue hoch.

„Damit will ich nicht sagen, dass Sie weibisch sind“, meinte Scott schnell und richtete sich auf. „Die Jungs haben mir gesagt, dass Sie der beste Koch sind.“

„War“, korrigierte er den Jungen. „Ich war der Beste.“ Zumindest so lange, bis er den Tod seines Bruders verschuldet hatte. „Wie alt bist du, Scooter?“

Der Junge schien glücklich über den Themenwechsel. „Achtzehn.“

Fast hätte Dusty sich an der Pfanne verbrannt. Erick war achtzehn gewesen, als er sich immer an der Feuerwache herumtrieb. Er konnte es nicht abwarten, einundzwanzig zu werden, damit er den Beruf des Feuerwehrmannes erlernen konnte. Bei den Einsätzen war er meist dabei gewesen, entweder mit dem Fahrrad, später dann mit dem Auto.

„Du isst doch, oder?“, fragte er Scott.

„Natürlich esse ich, sonst wäre ich doch tot.“

„Willst du also behaupten, dass du schon achtzehn Jahre alt bist und noch nie eine Mahlzeit zubereitet hast, Scooter?“

„Scott“, verbesserte der Teenager mit roten Ohren. „Jetzt nennt mich jeder Scott.“

„Wirklich?“

Der Junge nickte.

„Gut, Scott. Meine Frage hast du aber noch nicht beantwortet.“

Scott zuckte mit den Schultern. „Ich habe mir schon Sachen gekocht. Makkaroni mit Käse oder Tiefkühlpizza, wenn meine Mutter nicht zu Hause ist. Aber das zählt nicht.“

„Wieso?“

Scott grinste. „Weil niemand außer mir das isst.“

„Ah.“ Dusty wärmte nun das Gemüse auf und hielt die Gabel hin. „Nun, wir sollten da etwas dran ändern.“

Der Junge starrte die Gabel entgeistert an. Dusty lächelte. „Keine Panik. Du bewachst jetzt die Steaks. Wenn sie braun werden, sind sie fertig. Dann nimmst du sie aus der Pfanne und legst sie auf diesen Teller.“

„Mr Conrad, ich …“

„Dusty, mein Junge.“ Er klopfte ihm so fest auf die Schulter, dass Scott fast vornüber fiel. „Ich habe völliges Vertrauen zu dir.“

„Darüber mache ich mir keine Sorgen. Ich meine, ich finde es cool, dass du kochst, aber ich …“

„Wie? Du hast die Feuerwehr noch nie mit Kochen in Verbindung gebracht?“ Dusty schüttelte den Kopf. „Das ist eines der Dinge, die du lernen musst, wenn du ein großer Feuerwehrmann werden möchtest. Jeder Job, ob das Säubern der Wagen, das Überprüfen der Ausrüstung oder das Kochen ist wichtig. Woher sollen die Männer die Energie bekommen, die sie zum Bekämpfen des Feuers benötigen, wenn sie kein gesundes Essen zu sich nehmen?“

Scott wurde so rot wie ein Feuerwehrwagen, und die Männer lächelten.

Als Dusty sich nach Jolie umsehen wollte, kam sie gerade durch die Tür. Augenblicklich war er wieder angespannt.

Diese Reaktion hatte er immer gehabt, wenn er Jolie ansah. Sein Magen verkrampfte sich, es verschlug ihm den Atem, und er hatte das Gefühl, dass er sie sofort küssen musste. Für sein Vorhaben war das überhaupt nicht gut.

„Da ist sie ja!“, rief Jones.

Dusty merkte, dass sie den Augenkontakt mit ihm vermied. Er kam sich fast unsichtbar vor. Natürlich hatte er dieses Verhalten verdient. Wenn ihre unerklärliche emotionale Distanz nicht der Grund für sein Weggehen gewesen wäre.

Eigentlich hätte ihr Treffen nicht so öffentlich sein sollen. Aber selbst wenn er direkt zu ihrem Haus gefahren wäre, hätte man seinen Wagen erkannt, und alle hätten gewusst, dass er bei Jolie war.

Und er hatte einen Grund, warum er zur Feuerwache gekommen war. Er wollte von anderen umgeben sein, wenn er mit ihr redete.

Jolie ging zum Kühlschrank, um Zutaten für den Salat zu holen.

Dusty hörte, wie jemand schluckte. Scooter sah so aus, als würde er sich lieber verkriechen, als auf die Steaks aufzupassen. „Mr Conrad, ich meine Dusty …“

Da Jolie nun war, wo er sie haben wollte, nahm Dusty dem Jungen die Gabel aus der Hand und legte die Steaks eigenhändig auf den Teller. „Sie sind fertig. Dein Gefühl war richtig, Scooter. Traue ihm.“

„Okay.“

Nur zu gern überließ der Teenager Dusty das Kochen und setzte sich zu den anderen. Dusty hätte jetzt eigentlich die Worte vorbringen können, die er die ganze Zeit einstudiert hatte. Leider fielen sie ihm nicht mehr ein. Er warf einen Blick zu Jolie, die mit dem Salat beschäftigt war. Wenn er nicht bald etwas sagte, würde sie vielleicht wieder gehen.

„Hm, Jolie?“ Seine Stimme kam ihm fremd vor.

„Raus mit der Sprache, Dusty.“

Er blinzelte mehrmals, als könnte er nicht glauben, dass sie tatsächlich zu ihm gesprochen hatte. Sie legte das Messer hin und wischte die Hände an einem Tuch ab. „Ich weiß schon, dass mir nicht gefallen wird, was du zu sagen hast, also sprich dich nur aus.“

„Hm …“ Jetzt fühlte er sich selbst wie ein ungeschickter Teenager. Der intensive Blick aus ihren Augen, der nur ihm galt. Die Art, wie sie sich auf die Unterlippe biss. All das machte seine besten Absichten zunichte.

Als ihre Augen größer wurden, spürte er, dass nicht nur er betroffen war. Plötzlich wirkte sie weicher, und er befürchtete schon, dass sie ihm ihr typisches Lächeln schenken würde, ein Lächeln, das ihn völlig außer Gefecht setzen würde.

Bevor er noch weiter über sein Verhalten nachdenken konnte, entfernte er eine Hühnerfeder aus ihrem Haar. „Ein kleines Andenken an deinen Einsatz.“

Ihre Wangen röteten sich, und sie blickte auf seinen Mund. „Du hast deinen Schnurrbart abrasiert.“

„Ja.“

Er blickte auf ihre feuchten Lippen. Wenn sie ihn noch weiter so ansah, wären bald nicht nur die Steaks glühend heiß.

Mit größter Disziplin wandte Dusty den Blick von Jolies Mund. Er stellte den Herd ab. Wie aber sollte er die Flamme in seinem Innern löschen?

Nur raus mit der Sprache.

Als wäre das so einfach.

„Jolie, ich wollte die Scheidungspapiere abholen.“

Jolie fühlte sich, als bräche eine Welt zusammen.

Während sie nicht in der Küche war, hatte sie sich schon überlegt, dass der Grund für Dustys Rückkehr vermutlich kein erfreulicher war. Sie hatte einfach nicht an die Papiere gedacht, die sie vor Monaten in ihre berühmte Schublade gesteckt und danach nicht mehr angesehen hatte.

Das war natürlich dumm, und sie regte sich noch mehr auf. Dabei hatte sie in ihrem Leben immer beweisen wollen, dass sie alles andere als dumm war. Sie hatte sich vieles angeeignet und war immer auf dem Boden der Tatsachen geblieben. Das hatte sie tun müssen, um zu überleben. Es war nicht einfach gewesen, bei einem Großvater aufzuwachsen, der nicht wusste, wie er mit einem sechsjährigen Mädchen umzugehen hatte. Oft genug hatte ihr erzählt, dass er einen Sohn aufgezogen hatte, und das war schon schwer genug gewesen.

So hatte Jolie schon früh gelernt, sich nicht nur um sich, sondern auch um ihn zu kümmern. Immer wieder besänftigte sie die wohlmeinenden, aber neugierigen Nachbarn, die glaubten, dass der alte Mann sich nicht um sie kümmern konnte. Die hätten sie nämlich sonst von der einzigen Familie weggeholt, die ihr noch geblieben war.

Natürlich war sie unendlich glücklich gewesen, als sie dann endlich eigene Entscheidungen fällen konnte. Nichts hatte sie so fasziniert wie das Ungeheuer, das ihr die Eltern geraubt hatte: Feuer.

„Jolie?“

Nun sah sie wieder in Dustys attraktives Gesicht und bemerkte Mitleid in seinem Blick. Sie wollte ihm nicht leidtun. Es war ein demütigendes Gefühl, und sie hasste es.

„Die Papiere sind zu Hause.“

„Verstehe.“

Sie rührte den Salat um. „Hast du gedacht, ich würde sie hier aufbewahren?“

Sein Grinsen erinnerte sie an den Jungen, der sie immer in seine Streiche mit einbezogen hatte. „Überrascht hätte es mich nicht.“

Jolie merkte, dass es in der Küche verdächtig ruhig geworden war. Sie wurde rot. Wie viel von ihrem Gespräch mit Dusty hatten die anderen mitbekommen? Niemandem hatte sie erzählt, dass sie von Dusty gehört hatte, und die Scheidungspapiere hatte sie erst recht nicht erwähnt. Jetzt fanden sie es auf solch eine dumme Art heraus.

Wem machte sie etwas vor? Wahrscheinlich war sie die Letzte in der Stadt, die begriff, dass er nicht mehr zurückkommen würde.

„Okay Jungs, das Essen ist fertig.“

Danach folgten einige Aktivitäten, aber Gespräche gab es kaum. Sie war beim Tischdecken, als Dusty sie am Handgelenk fasste.

„Jolie?“

Sie blickte zu den Männern am Tisch. „Können wir später reden?“

Da erklang der Alarm, und alle fluchten. Drei Mal. Das bedeutete, dass beide Fahrzeuge gebraucht wurden, sodass die Wache fast leer stehen würde.

„Das beste Essen seit sechs Monaten, und ich kann es nicht mal genießen“, schimpfte Gary und steckte sich, was er konnte, in den Mund. Die anderen taten es ihm nach und holten eilig ihre Uniformen.

Fast erleichtert machte Jolie sich auf den Weg.

„Jolie“, wiederholte Dusty eindringlicher.

Sie wandte sich zu ihm und wäre fast das zweite Mal an diesem Tag über Spot gestolpert.

Wieder sah Jolie zu Dusty. Einen Moment lang hatte sie vergessen, wo sie waren, und sie dachte, er würde mit ihr losrennen.

Das war jedoch nicht der Fall, und es würde vermutlich nie mehr geschehen.

Sie steckte die Finger in die Tasche ihrer Jeans. „Hier“, sagte sie und warf ihm den Hausschlüssel zu. „Geh nach Hause, dann sehen wir uns morgen früh um acht, wenn meine Schicht zu Ende ist.“

2. KAPITEL

Jolie betrachtete die Herbstsonne am Horizont. Sie wünschte, die schwachen Strahlen könnten die Kälte vertreiben, die sie verspürte. Die letzte Schicht war sehr anstrengend gewesen, aber daran lag es sicher nicht, dass der Weg nach Hause ihr schwerfiel. Ihr schleppender Gang hatte mehr mit dem Mann zu tun, der dort auf sie wartete. Ihr Mann. Der Mann, der sie und ihre Ehe ohne einen Blick zurück verlassen hatte. Der zurückgekehrt war, aus welchen Gründen auch immer.

Nun fühlte sie sich merkwürdig. So lange war sie jetzt schon daran gewöhnt, auf sich gestellt zu sein. Bei der Arbeit war sie Teil einer Mannschaft, wo es wenig Zeit gab, über ihre Ehe oder ihr Leben nachzudenken.

Wenn sie an Veranstaltungen teilnahm oder einkaufen ging, war sie immer noch dieselbe Person wie früher. Jedenfalls wollte sie jeden davon überzeugen. Und wenn sie von anderen umgeben war, gelang ihr das auch.

Erst nach einer Schicht von vierundzwanzig Stunden oder wenn sie vom Einkaufen oder von einem Essen mit ihrer besten Freundin und Schwägerin Darby zurückkam, bemerkte sie die Lücke in ihrem Leben. Eine Lücke, die entstanden war, als Dusty ihr eröffnet hatte, dass er nicht mehr mit ihr leben konnte.

Scheidungsantrag.

Sie wusste nicht, was sie mehr kränkte. Die Scheidung oder die Tatsache, dass Dusty persönlich dafür sorgen wollte, dass sie zustimmte.

Von der kalten Morgenluft tränten ihre Augen. Zumindest redete sie sich das ein, als sie ihre Tränen unterdrückte und schneller ging.

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