Logo weiterlesen.de
Sarahs Spektrum

„Bringst du mir etwas Schönes mit?“

Vom Hochbett aus sehe ich Jonas dabei zu, wie er nervös durch mein Zimmer tigert, seine Klamotten fein säuberlich faltet und sie vorsichtig in seiner schwarzen Ledertasche verschwinden lässt.

„Etwas Spezielles?“, fragt er, ohne zu mir hochzuschauen. Er ist aufgeregt. Zum ersten Mal muss er die Firma repräsentieren. Sein Chef hält große Stücke auf ihn, gleich werden sie zusammen im Flieger sitzen, und Jonas wird sich auf dieser Messe in Barcelona beweisen müssen.

„Etwas Buntes!“, antworte ich und rolle mich auf den Rücken. „Oder eine Schneekugel!“ Ich merke, dass sich seine Aufregung auf mich überträgt. Ich werde ebenso nervös, fühle seine Krämpfe in meinem Magen, seine wilden Gedanken in meinem Kopf. So ist das, wenn man seit ein paar Jahren zusammen ist. Am liebsten würde ich mitfliegen. Nicht um Händchen zu halten oder Ratschläge zu geben, sondern um von weitem zu beobachten, immer ein paar Schritte hinter ihm zu sein, ohne dass er es weiß.

Für drei Tage waren wir schon lange nicht mehr getrennt. Jonas verbringt mittlerweile fast jede Nacht hier bei mir. Seine Wohnung ist klein und kalt, und seine Nachbarn machen zu jeder Tageszeit Krach, an ungestörten Schlaf ist dort selten zu denken. Irgendwann war es dann selbstverständlich, dass er nach der Arbeit einfach zu mir kam und blieb. Ich hatte bei Rossmann mehrere Zahnbürsten für ihn besorgt, eine davon liebevoll in meinen Putzbecher gestellt und kichernd „love“ mit dem Edding auf den Griff geschrieben. Wir haben in betrunkenem Zustand auch schon darüber gesprochen, ob man sich seine Miete nicht einfach sparen könnte. So theoretisch erst mal. Nüchtern sprechen wir das Thema allerdings nie an.

„Möchtest du auch einen Kaffee?“ Die Schnallen der Ledertasche schnappen zu und Jonas verschwindet in die Küche. Seine geputzten Schuhe klackern auf dem Dielenboden. Er ist wieder „verkleidet“, weißes Hemd und schwarzer Anzug, Business-Outfit.

„Ja, warte. Ich komme.“ Ich klettere die Leitersprossen nach unten, ziehe mir eine Strickjacke über, stelle mich in den Türrahmen und beobachte ihn dabei, wie er die Kaffeemaschine bedient.

Seine nassen Haare fallen ihm vor die Augen. Er benutzt nie einen Fön, weil er sagt, dass das die Haare strohig macht. Ich ziehe ihn manchmal damit auf, unterstelle ihm, dass er eitel ist und auch, dass die Löcher in seinen Jeans von ihm absichtlich reingescheuert werden, damit er verwegen wirkt. Dann tut er beleidigt und wirft Sachen nach mir. Weiche Sachen. Kaffeepads, Waschlappen, Gummibärchen.

„Willst du nicht frühstücken?“ Ich trete in die Küche und öffne den Kühlschrank, aber darin ist nur ein einsamer Joghurt und eine halbe, schon vertrocknete Grapefruit.

„Ich esse eine Kleinigkeit am Flughafen. Vielleicht auch nicht, ich habe eine Scheißangst vor diesem Scheißflug.“ Er kippt Milch in seinen Kaffee und trinkt zwei große Schlucke.

„Ich werde dich vermissen“, sage ich und nehme ihm seine Tasse aus der Hand, um selber davon zu trinken.

„Lügnerin!“ Er nimmt mich in den Arm und drückt einen Kuss auf meine Stirn.

Ich wünschte, ich könnte ihm seine Flugangst nehmen, aber weil das nicht geht, hab ich ihm wenigstens einen Anti-Stressball gekauft, zum Kneten, als Ablenkung. „Es gab die auch in Brustform, aber ich war mir nicht sicher, ob dein Chef so viel Humor hat.“ Er grinst und wirft den Ball in die Luft, fängt ihn wieder auf, knetet eine Weile darauf herum und steckt ihn in seine Jackentasche.

„Danke.“ Wir teilen den Kaffeebecher, trinken abwechselnd, und Jonas zeigt mir seine schwitzenden Hände.

„Wird schon gut gehen. Die wenigsten Flugzeuge stürzen ab. Du weißt doch, das ‚sicherste Verkehrsmittel‘ und so.“ Ich greife seine Hand und wische sie an meiner Strickjacke ab. Er lächelt gequält, stellt die Tasse in die Spüle und lässt Wasser hineinlaufen. Draußen hupt das Taxi. In der offenen Wohnungstür küssen wir uns zum Abschied.

„Ich melde mich, wenn wir gelandet sind.“

„Okay.“

„Wer wünscht sich denn bitte schön Schneekugeln?“ Er wuschelt mir durch die Haare, zwinkert mir zu, greift sich seine Tasche und nimmt dann zwei Stufen auf einmal. Ich warte so lange bis seine Schritte im Treppenhaus verhallen und die Haustür ins Schloss fällt. Dann krieche ich zurück ins Bett, unter die noch warme Bettdecke, die nach uns beiden riecht. Deo, Schweiß, Weichspüler, Sex.

Ich habe Jonas vor vier Jahren kennen gelernt, auf einer Reise nach Spanien. Meine Freundin Anja plante damals eine Fahrt mit ihren Studienkollegen, und weil ich in der Stadt den Novemberblues schon im September bekam, hängte ich mich einfach an die feierwütige Meute, zu der auch Jonas gehörte. Schon damals hatte er regungslos und blass im Flieger gesessen. Die anderen hatten ihn damit aufgezogen, Witze auf seine Kosten gemacht, aber er ließ sich nicht aus der Reserve locken, nippte abwesend an seinem Wein und vermied es tapfer, aus dem Fenster zu sehen.

Wir stiegen in einem Pauschalhotel ab, drei Sterne mit dreckigem Pool, aber sehr gutem Essen. Es gab Nächte am Lagerfeuer und viel Alkohol. Strand, Sonne und Schlendereien durch kleine, süße Städtchen mit Gassen aus Kopfsteinpflaster. Die Gruppe verstand sich gut, es gab keine Diskussionen darüber, wie der Tagesplan auszusehen habe, jeder machte das, worauf er Lust hatte und meistens waren wir uns sowieso darüber einig, dass man sich nicht zu sehr anstrengen wollte. Ich lag stundenlang auf einer Liege und las. Manchmal, wenn ich von meinem Buch hochschaute, fing ich Jonas’ Blick auf, den er im gleichen Moment irritiert senkte.

Ich mochte es zu wissen, dass er mich beobachtete. Das ist sonst nicht so, eigentlich finde ich das unangenehm, aber bei ihm war es anders – er war mir nicht fremd. Das brachte in den Urlaub eine besondere Aufregung. Jeden Morgen wenn ich aufwachte dachte ich zuerst an ihn und freute mich heimlich darüber, am Frühstückstisch neben ihm zu sitzen. Immer öfter suchten wir die Nähe des anderen. Am Strand lagen unsere Handtücher plötzlich nebeneinander, aber wir taten beide so, als wäre es Zufall. Er brachte mir einen Cocktail von der Strandbar mit und entschuldigte sich für das Plastikherz, das an einem Stiel im Getränk steckte.

„Der Barmann sagt, das muss so.“

„Ach ja?“ Ich lächelte vor mich hin, zog den Stiel aus dem Getränk und steckte ihn in den Sand zwischen unsere Handtücher.

Später auf dem Flohmarkt, einen Ort weiter, fragte er mich nach meiner Meinung zu einer Holzperlenkette.

„Für dich?“

Er nickte und legte sie probehalber um seinen Hals, aber ich schüttelte den Kopf.

„Für dich vielleicht?“ Er hielt sie mir hin.

„Nein, das ist doch Touristenabzocke.“ Trotzdem fasste ich danach und berührte dabei Jonas warme Finger.

Hin und wieder saßen wir zusammen auf der Terrasse, spät nachts, wenn die anderen schon ins Bett gegangen waren und schauten zu den Sternen hoch. Ich rauchte eine Zigarette und Jonas knabberte Erdnüsse, die er sich an der Bar besorgt hatte.

„Ich kann nicht besonders gut schlafen, in meinem Zimmer wird von allen Seiten geschnarcht“, erklärte er mir.

„Und ich kann nicht gut schlafen, weil ich zu viel Kaffee intus habe“, erwiderte ich und zeigte auf die Tasse Cappuccino neben mir.

„Du weißt aber schon, dass Kaffee am Abend eher kontraproduktiv ist?“

„Ja, aber ich finde es gibt nichts Besseres als eine Zigarette und Kaffee in einer lauen Sommernacht.“

„Wirklich nichts Besseres?“, fragte er mit einem merkwürdigen Unterton, aber ich beschloss, nicht darauf einzugehen und wechselte das Thema. Wir redeten lange über Religion und die Länder, die wir gerne sehen würden, über hässliche Männermode in Pauschalhotels, über Kreuzfahrtschiffe, Familienfeste, Fitnesscenter und amerikanische Süßigkeiten.

Drei Tage vor der Abreise fragte er mich, ob ich Lust auf eine kleine Wanderung hätte. Ich willigte ein und suchte lange nach dem richtigen Outfit, nicht zu sexy, es musste auch praktisch sein, aber gegen ein enges, tiefer ausgeschnittenes Shirt ließ sich nichts sagen. Die anderen waren verkatert und hatten keine Lust mitzugehen, blieben am Pool liegen und ließen sich gegen das flaue Gefühl im Magen Fencheltee servieren.

Wir fuhren eine halbe Stunde bergauf, mit einem Bus in dem die Klimaanlage nicht funktionierte, was uns Schweißperlen auf die Stirn trieb. Jonas hatte eine Kamera um den Hals hängen, und ich hatte Sandwiches, die ich morgens vom Frühstücksbuffet geklaut hatte, für uns eingepackt. Unsere verschwitzten Arme berührten sich mehrmals, immer wenn der Bus über holpriges Straßenpflaster fuhr. Ich lächelte und beugte mich unauffällig so weit zu ihm herüber, dass ich seinen Geruch aufnehmen konnte. Es war mir schon vorher aufgefallen, dass er gut roch. Am Pool etwa, wenn wir zusammen gegen die anderen Wasserball spielten, oder abends in diesem kleinen Fischrestaurant, wo er neben mir am Tisch saß und ich ihn von meiner Dorade probieren ließ.

Der Bus hielt an einer Stelle weit oben, wo die Straße nicht mehr gepflastert war. Von dort verteilten sich die Wanderer, schauten noch einmal in ihre Karten, stärkten sich mit einem Stück Kuchen oder tranken Energiedrinks und machten sich schließlich auf den Weg.

„Sollen wir nicht losgehen?“, fragte ich und schulterte meinen Rucksack.

„Nein, lieber nicht, lassen wir sie doch vorgehen. Oder hast du Lust hinter diesen in Wanderkluft verkleideten Menschen herzulaufen?“

Ich sah sie mir unauffällig an und erst jetzt fiel mir auf, dass sie wirklich alle verkleidet und ein wenig albern aussahen.

„Hast Recht“, pflichtete ich Jonas bei.

Wir warteten, bis auch das letzte Grüppchen hinter Sträuchern verschwunden war und nahmen dann einen Weg, den keine der Gruppen gewählt hatte. Wir hatten keine Karte dabei und mir war mulmig, ich war kein erfahrener Wanderer. Dieser Tour hatte ich vor allem zugestimmt, weil ich der Meinung war, nach der ganzen Sauferei und dem Rumhängen sollte man seinem Körper noch etwas Gutes tun, so kurz vor der Heimfahrt.

Und vielleicht auch weil ich dachte, die Phase der heimlichen Blicke müsse durch etwas anderes abgelöst werden.

Wir liefen eine ganze Weile schweigend nebeneinander her, immer eine leichte Steigung hinauf, so dass die Atmung nicht zur Ruhe kam. Irgendwann musste ich stehen bleiben, um mich mit Sonnenmilch einzucremen und meinen Strohhut aus dem Rucksack zu holen.

„Süß“, sagte Jonas. Er hob die Kamera vor sein Gesicht und machte ein paar Schnappschüsse von mir.

Die Kamera machte mich verlegen. Ich mag keine Fotos von mir. Selbst wenn sie gelungen sind, zeigen sie mich meistens in einem Licht, das ich mit meinem Bild von mir nicht vereinbaren kann. Entweder sehe ich darauf viel besser aus als in Wirklichkeit oder wesentlich schlechter. Später, als Jonas mir die Bilder zeigte, musste ich zugeben, dass er mich wirklich gut getroffen hat, ein paar Ausnahmebilder, mit denen ich gut leben kann.

Der Weg, den wir gewählt hatten, erwies sich nach nur wenigen Kilometern als unpassierbar. Wir blieben an einer Stelle hängen, an der es auf der einen Seite gefährlich runterging und auf der anderen Seite Bäume und wildes Gestrüpp das Weitergehen verhinderten. Ich holte meine Wasserflasche aus dem Rucksack, trank ein paar große Schlucke und war nicht einmal besonders traurig über diese Pause, sportliche Betätigung war eigentlich noch nie richtig mein Ding gewesen. Fahrradfahren durch die Stadt ist das Einzige, das ich gut aushalten kann, aber bei den ganzen Abgasen, die ich dabei einatme, kann man auch nicht von gesundem Sport sprechen.

Ich hielt Jonas meine Flasche entgegen, er nahm sie und griff dabei mit der anderen Hand nach meinem Arm, hielt kurz inne, um meine Reaktion abzuwarten. Da ich mit einem festen Blick in seine Augen reagierte, sah er sich ermutigt, mich an den nächsten Baum zu drücken und mich dann zu küssen. Die Flasche ließ er dabei zu Boden fallen, und ich hörte, wie sich das Wasser den Weg durch den Flaschenhals nach draußen bahnte. Ein fröhliches Gluckern. Wir schlossen beide nicht die Augen dabei, sondern sahen uns an, was wirklich einen eisernen Willen erfordert, denn die Augen wollen automatisch geschlossen werden, aber wir wollten jede Sekunde von dem hier mitbekommen und uns nicht hinter einem Nebelschleier verstecken, der alles möglicherweise ganz unwirklich gemacht hätte.

Kurz fragte ich mich, ob meine Shirt-Wahl für das hier verantwortlich war (Anja hatte gepfiffen, als sie mich in unserem Zimmer in dem Aufzug vor dem Spiegel stehen sah), aber dann beschloss ich, keine weiteren Gedanken auf solch alberne Spekulationen zu verwenden und legte meine Hand auf seine Erektion. Als hätte er darauf gewartet, griff er nach meinem Shirt und zog es mir hastig über den Kopf, ohne jedoch von meinen Lippen abzulassen. Wir mussten lachen. Ich dachte die ganze Zeit: Das hier ist wie so eine Filmszene. Das, worauf es im ganzen Film immer hinausläuft, wenn es um Liebe und Leidenschaft geht.

„Meinst du wirklich, dass hier niemand vorbeikommt?“, flüsterte ich, während ich seine Hose aufknöpfte. Er schüttelte nur leicht mit dem Kopf und löste den Verschluss von meinen BH. Abgesehen davon, dass dies schon von Natur aus ein aufregender Moment ist, wurde er sehr dadurch angeheizt, dass wir uns draußen befanden, in der Öffentlichkeit quasi, wenn auch in einer sehr intimen. Ich hatte es noch nie irgendwo draußen getan. Der Wind streifte jedes Stück nackter Haut und machte sie für die Berührung besonders empfindlich. Ich spürte seine Hand in meine Unterhose gleiten und an meinem Rücken fühlte ich die Baumrinde, die sich mir in die Haut drückte.

„Warte“, sagte er, ließ einen Moment von mir ab und schaute sich auf dem kleinen Fleck, auf dem wir gestrandet waren, um. Dann sah er mich an und deutete mit dem Kopf auf eine winzige grasbewachsene Stelle zwischen den Büschen. Ich nickte. Bevor ich mich dort niederließ, streifte ich meine Unterhose ab und zog Jonas dann mit mir nach unten. Einen kurzen Moment lang spürte ich noch Steine und Äste, die piekten, aber als er dann in mir war, war auch das vergessen, und der Sex in freier Natur machte mich völlig benommen.

Wir blieben da oben bis zum Sonnenuntergang. Eine Weile lagen wir nackt im Gras rum und ich genoss den lauen Wind, der meine Brüste streifte. Jonas kaute auf einem Grashalm oder pfiff oder streckte die Hand nach meiner Zigarette aus. Er sah mich immer wieder lange an, aber ich konnte den Blickkontakt nicht halten, das kann ich nie, und deshalb zog ich mir wieder meine Unterhose an und das Shirt und malte mit einem Stock Kringel in den Sand. Trotzdem spürte ich weiterhin seinen Blick.

„Weißt du was komisch ist?“, fragte er und zog sich seine Hose über.

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich wusste, dass wir es heute tun würden und auch wieder nicht. Da war die ganze Zeit dieses Gefühl, dieses … ach verdammt, ich kann es dir nicht so richtig beschreiben.“ Er fuhr sich durch die Haare. „Verstehst du, was ich meine?“

Ich schüttelte wieder meinen Kopf und schaffte es, vielleicht für zwei Sekunden, in seine Augen zu sehen und zu lächeln. Am liebsten hätte ich ihm gesagt wie super ich es finde, dass es ihm auch schwer fällt seine Gefühle zu beschreiben. Ich hätte ihm sagen wollen, dass es mir genauso geht, schon immer. Aber dann fand ich nicht so schnell die richtigen Worte und bevor ich in Ruhe darüber nachdenken konnte, rollte sich Jonas zu mir rüber, umklammerte mein Gesicht mit seinen Händen und küsste mich lange. Kurz bevor wir aufbrechen wollten und eigentlich schon alles zusammengepackt hatten, streifte er mir noch einmal die Hose von den Beinen und fuhr mit seinen Fingern an meinen Beinen ganz langsam nach oben. Ich war es, die meine Unterhose zur Seite schob und mit flacher Atmung darauf wartete von ihm berührt zu werden. Er ließ mich gemütlich hinsetzen, zog mir die Unterhose aus und machte es mir noch mit der Hand, während ich mit gespreizten Beinen auf das Tal runterschaute, mir auf die Lippen biss, tief ein- und ausatmete und einen großen Vogel dabei beobachtete, wie er über unseren Köpfen kreiste.

Auf dem Rückweg hielten wir uns an den Händen, hatten gerötete Wangen von Sex und Sonne und frischer Luft und überlegten, wie wir für die letzten zwei Nächte einen Zimmertausch arrangieren könnten.

In meinem Bauch fängt es an zu kribbeln, diese Erinnerung macht mich jedes Mal aufs Neue heiß, und ich bedauere, dass Jonas schon auf dem Weg zum Flughafen ist. Ich schiebe meine Hand unter die Decke und in meine Unterhose. Sofort schäme ich mich. Ich habe da so ein dämliches Bild im Kopf, dass meine toten Verwandten vom Himmel auf mich runtersehen, wenn ich es mir selbst mache, und dass sie alle entsetzt sind. Keine Ahnung wie das in meinen Kopf gekommen ist, ich glaube ja nicht einmal an den Himmel. Ich schließe die Augen, vergrabe den Kopf im weichen Kissen (vielleicht erkennen die Familienmitglieder mich dann nicht), und denke ganz fest an Jonas Hand zwischen meinen Beinen. Ich komme, wie immer, sehr schnell und bleibe noch solange im Bett liegen, bis meine Atmung wieder normal ist.

Dann gehe ich duschen und mache mich anschließend für die Arbeit fertig. Jeden Tag stehe ich vor dem Spiegel und versuche, mich selbst dazu zu überreden, etwas Schickes anzuziehen, wenigstens einen Rock, lande aber jedes Mal wieder bei Jeans und einem Shirt, zu besonderen Anlässen höchstens eine Bluse. Das ist einfach am bequemsten und macht am wenigsten Aufwand. Trotzdem, meine Haare könnten auch mal wieder einen Friseurbesuch vertragen. Meine Kollegin Ellie sagt, wenn ich mir ein bisschen mehr Mühe geben würde, könnte ich haufenweise Männer abschleppen. Das will ich ja gar nicht. Ellie sagt auch, dass ich ein Problem mit meiner Weiblichkeit habe. Vielleicht, keine Ahnung.

Ich finde mich im Grunde ganz okay, allerdings habe ich oft das Gefühl nicht dazuzugehören, wenn es um diese Dinge, die Ellie so wichtig sind, geht. Flirten, Schlagfertigkeiten austauschen, Männer aufreizen und dann wieder fallen lassen. Solche Dinge interessieren mich nicht. Und wenn jemand mit mir flirtet, fällt mir das meistens erst hinterher auf, und ich sitze dann etwas ratlos zu Hause rum und überlege, wie ich es nächstes Mal besser machen könnte.

Ellie hat auf jeden Fall kein Problem mit ihrer Weiblichkeit. Sie ist immer tipptopp gestyled, für ein Büro sogar einen Tick zu sexy. Sie baggert auch ständig Typen an, was ich irgendwie gut finde, weil sie nicht dieses doofe „Der Typ muss mich erobern“-Spiel spielt, sondern sich holt was sie haben will. Zwar entsteht nie etwas von langer Dauer, aber ich glaube sie hat ihren Spaß. Sonst würde sie es sicher anders machen.

Ich könnte ja heute Abend versuchen, mir ein wenig Mühe mit meinem Äußeren zu geben. Meine Freundin Anja feiert ihren Geburtstag, in einem Lesbenclub – weil sie gerade die Nase voll hat von Männern und endlich mal unverkrampft tanzen will. Darauf freue ich mich schon, ich war noch nie in so einem Laden, obwohl das natürlich nichts Besonderes ist, ist auch bloß eine Disco. Ich gehe einfach nicht so oft aus, dieses Partyding liegt mir nicht, ich kriege Platzangst bei so vielen Menschen auf so engem Raum. Und Smalltalk fiel mir schon immer schwer. Es ist laut und man kann sich kaum verständigen, jeder redet mit fremden Menschen über unwichtiges Zeug – irgendwie Zeitverschwendung. Bei den meisten Partys drücke ich mich immer in den Ecken rum, nippe lustlos an meinem Getränk und tue so, als würde die Inneneinrichtung mich furchtbar interessieren. Am liebsten würde ich ein Buch lesen, bis ich gehen kann, das reduziert meine Umwelt auf ein erträgliches Maß. Aber Anjas Geburtstag ist etwas Besonderes und eine Ausnahme wert. Wir haben darüber geredet. Anja weiß von meinem „Problem“. Aber sie fordert mich immer wieder heraus.

„Weißt du, die anderen Leute wissen auch nicht immer so genau, was sie da eigentlich reden oder tun, sie behaupten es aber einfach“, erklärt sie mir jedes Mal aufs Neue.

„Und genau das kann ich nicht.“

„Aber du kannst es versuchen!“

„Und wozu?“

„Weil es manchmal lustig ist.“

„Ich weiß nicht …“, zögere ich dann.

„Du weißt es nicht, weil du es nicht probierst.“

Und damit hat sie natürlich Recht, deshalb habe ich versprochen, auf diese Party mitzukommen.

Ich schlüpfe in meine Adidas, werfe einen letzten paranoiden Blick auf den Herd (er ist aus) und verlasse die Wohnung.

Vielleicht ist es ja gar nicht schlecht, dass Jonas für ein paar Tage weg ist. In letzter Zeit sind wir uns öfter auf die Nerven gegangen. So kleine Dinge, die einen plötzlich anfangen zu stören: Wenn Jonas zum Beispiel auf seiner Computertastatur klappert, weil er wieder zum Runterkommen ein Spiel spielt. Dieses Klappergeräusch macht mich dann ganz wahnsinnig, ich kann mich auf nichts anderes mehr konzentrieren und seufze dann, was mich auch schon wieder ankotzt.

Ich will nicht seufzen, das ist etwas, was alte Ehepaare machen, wenn sie sich nicht mehr richtig leiden können. Ich will nie in die Verlegenheit kommen, Jonas nicht mehr leiden zu können. Also verlasse ich dann einfach das Zimmer und beschäftige mich in der Küche oder gehe baden. Aber auch das ist nur eine Zwischenlösung, Jonas kann stundenlang spielen. Es gibt bestimmt auch Dinge die ihn an mir nerven, ich habe nicht gefragt, ich hoffe er sagt das mal von selbst. Aber ich sage ja auch nichts.

Wenn wir eine größere Wohnung hätten, könnte jeder einen Platz für sich finden und all die nervigen Dinge im stillen Kämmerlein erledigen. Ich würde Jonas bitten, sein Frühstücksei in der Kammer zu essen. Ich ertrage es schwer, Menschen dabei zuzusehen, wie sie Eier essen. Das ist natürlich völlig daneben, deshalb sage ich dazu auch nichts. Manchmal gibt es da auch dieses merkwürdige Schweigen zwischen uns, ich habe dann das Gefühl, dass wir beide angestrengt nach einem Thema suchen, über das wir sprechen könnten.

Wenn man sich jeden Tag sieht, hat man wahrscheinlich das meiste schon gesagt.

Das war früher anders. Da konnten wir bis zum Morgengrauen auf meinem kümmerlichen Balkon sitzen und über alles Mögliche reden. Wir sponnen uns die Welt zurecht, stürzten Systeme, interpretierten Songs die wir mögen, überlegten, wie unser Leben verlaufen wäre wenn wir uns nicht getroffen hätten und erzählten uns Geschichten von unseren Großeltern.

Jetzt wissen wir das schon alles, und es ist manchmal mühsam, ein neues Thema zu finden. Hin und wieder gibt es auch gutes Schweigen, wo nur Blicke reichen und ein leises Lächeln. Wenn wir gemeinsam kochen und unsere Arme sich berühren, wenn der eine an dem anderen vorbeiläuft, um die Zwiebeln aus dem Regal zu holen. Wenn mir vom Zwiebelsaft die Tränen kommen, hält Jonas schon das Taschentuch bereit in das ich unanständig laut schnäuze, und er verzieht dann seinen Mund.

Wir haben keine Krise, so weit will ich nicht gehen. Es sind immer mal wieder Kleinigkeiten, die eine Beziehung auf die Probe stellen, wir haben schon Schlimmeres überstanden, aber deshalb ist es gut, dass Jonas jetzt für ein paar Tage weg ist und ich in meiner Wohnung für mich sein kann.

In letzter Zeit ertappte ich mich öfter dabei, darüber nachzudenken, was ich tun würde, wenn Jonas nicht mehr da wäre. Nicht mehr da wäre, weil er zum Beispiel tragischerweise von einem Bus überfahren wurde. Ich frage mich dann wie lange es wohl dauert, über den Tod eines Menschen hinwegzukommen, den man geliebt hat. Ich liebe Jonas und will natürlich nicht, dass ihm etwas passiert, aber die Möglichkeit eines anderen Lebens kribbelt manchmal in meinem Bauch. Dafür schäme ich mich, und obwohl ich mit meiner Freundin Anja über so ungefähr alles rede, das kann ich ihr dann doch nicht erzählen.

***

Noch bevor ich den Mantel ablegen kann, zieht mich Ellie am Arm aus unserem Büro und drückt mich in den Fahrstuhl, der uns aufs Dach bringt, für eine Zigarette.

„Hast du den neuen Praktikanten schon gesehen?“ Sie hält mir ihre Schachtel entgegen und ich ziehe eine Zigarette raus, obwohl ich bei der Arbeit eigentlich nicht rauche.

„Ich schätze ihn auf dreiundzwanzig!“ Sie ist ganz aus dem Häuschen. „Ist natürlich ein wenig jung, aber ich glaube, der ist eigentlich schon reifer. Macht nebenbei Musik, irgendwas Elektronisches, ich habe schon einen Flyer für sein nächstes Konzert. Und bevor er zu uns gekommen ist, hat er eine halbe Weltreise gemacht. Ist sogar mal in der Wüste in Arizona oder Utah oder so verloren gegangen für ein paar Tage, konnte aber kurz vor dem Verdursten gerettet werden, wahrscheinlich sogar von echten Indianern, da konnte er sich aber nicht mehr so genau dran erinnern.“

„Warte mal …“, unterbreche ich sie. „Warum nochmal glaubst du, dass er schon reifer ist? Weil er Musik macht oder weil er durch die Wüste geirrt ist?“

„Weil er Lebenserfahrung hat!“, protestiert sie.

„Ach so!“ Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

„Ja, ja, schon klar. Du wieder!“ Sie winkt ab. „Du bist halt vergeben und deshalb überheblich.“

„So ein Quatsch.“ Ich schnippe meine Zigarette über den Rand des Dachs und sehe hinterher, bis sie am Boden landet und verglüht.

„Ich wünsche dir natürlich alles Gute mit dem Praktikanten!“

„Siehst du! Schon wieder überheblich!“

„Nein!“ Ich raufe mir die Haare.

Wir fahren mit dem Fahrstuhl wieder runter, und ich halte Ausschau nach einem neuen 23-jährigen, der „schon viel reifer“ wirkt.

„Er hat jetzt Pause“, sagt Ellie, lässt sich in ihren Sessel plumpsen und öffnet ihr Facebookprofil auf dem Mac.

Ich setze mich ihr gegenüber und rufe meine Arbeitsmails auf. Bis morgen muss ich zwei kleine Logos entwerfen. Eins für einen Frauenverein, der sich für benachteiligte Mädchen einsetzt, und das andere für einen Schlittschuhverleih. Ich hole meinen großen Malblock aus der Schublade und fange an zu kritzeln. Ellie ist immer noch „lost in facebook“ und kommentiert Fotos oder Statusmeldungen oder was auch immer mit leisen Seufzern. Ich schaue auf die Uhr und rechne nach, ob Jonas schon in Barcelona gelandet ist. Jetzt muss ich doch schon wieder an ihn denken und frage mich, ob er genauso erleichtert ist über eine Pause von mir, wie ich es umgekehrt bin. Vielleicht sind das Dinge, über die wir uns doch mal unterhalten könnten, mit dem Versprechen, nicht beleidigt zu sein?

Wenn überhaupt, werde ich es zur Sprache bringen müssen.

Und vielleicht gibt es ja eine Statistik, nach wie vielen Jahren einer Beziehung welches Maß an Langeweile erlaubt ist.

***

Erst nach der Mittagspause komme ich endlich in den Genuss, den neuen Praktikanten zu sehen, wenn auch nur von weitem. Er steht mit unserem Chef in der Teeküche, und die beiden unterhalten sich angeregt.

„Ich verstehe schon“, sage ich zu Ellie.

„Was?“ Sie sieht mich mit Stirnfalten an.

„Warum du den gut findest!“

„Ach?“ Sie kommt zu mir rüber, um denselben Blickwinkel zu haben. „Ja. Ich glaube der ist cool. Ich werde mir das erst mal eine Weile anschauen.“

„Gute Idee“, pflichte ich ihr bei. Ellie sagt immer, sie hätte später auch gerne so eine Beziehung wie ich und Jonas, und dass sie es nicht erwarten könne, bis wir beide endlich heiraten. Ich versuche ihr jedes Mal klarzumachen, dass wir niemals heiraten werden, dass ich nichts vom Heiraten halte, und dann zeigt sie mir einen Vogel und sagt „Ja, ja, warte mal ab, wenn der dir einen Antrag macht, dann kriegst du auch ‚heiße Tränen in deine kühlen Augen‘!“

Was natürlich Quatsch ist. Jonas weiß um meine Heiratsallergie – dass mir immer die Luft wegbleibt wenn Leute erzählen sie würden demnächst heiraten. Als würde sich etwas Schweres auf meinen Brustkorb legen. Alle anderen freuen sich immer, gratulieren, kreischen, heulen, können es kaum erwarten, Gäste bei der Hochzeit zu sein. Aber ich stehle mich unauffällig davon, in der Hoffnung, dass sie mich vergessen. Und wenn sie es nicht tun, rede ich mich raus, meist kurzfristig mit Angina oder Magen-Darm.

Jonas lächelt darüber, würde aber nie auf die Idee kommen, mich überreden zu wollen, auf so ein Fest zu gehen. Zwei Mal war er alleine da. Einmal hat er sich meiner Angina angeschlossen.

Ellie findet, Heiraten sei ein einschneidender Punkt im Leben, eine wichtige Entwicklungsstufe, ein Bekenntnis. Deshalb schickt sie mir also trotzdem unermüdlich Links mit außergewöhnlichen Brautkleidern oder Hochzeitslocations. Ich habe aufgehört, mit ihr darüber zu diskutieren.

„Du wirst die Erste sein, die es erfährt!“, sage ich dann mit aufgesetztem Grinsen, und sie schüttelt wieder den Kopf über mich.

***

Nach der Arbeit eile ich nach Hause, um mir ein schnelles Abendessen zu machen, einen Rote-Linsen-Salat, damit ich heute Abend nicht nach dem ersten Glas aus den Latschen kippe. Ich angle mir vom Wäscheständer meine schwarze Lieblingsjeans und hole ein übergroßes weißes Top aus dem Schrank, das ich bisher nur einmal getragen habe. Dazu hänge ich mir eine silberne Kette um den Hals und schminke die Lippen knallrot. Zum Schluss schlüpfe ich in schwarze, schon ziemlich abgetragene Stiefeletten und sehe mir im Spiegel mein verkleidetes Ich an. Es fühlt sich fremd an.

„Wozu hast du diese ganzen Lippenstifte, wenn du sie eh nie benutzt?“, hatte Jonas neulich gefragt und dann mein Spiegel mit dunkelroten Blitzen, die durch Herzen schlagen, verziert. Er mag mein ungeschminktes Ich, auch meine zerzausten Haare, wenn ich morgens aufwache. Als ich eine Zeit lang mürrisch durch die Wohnung getigert bin, weil die Arbeit mir schlechte Laune machte, und drei Tage lang weder meine Schlafanzughose auszog noch meine Haare kämmte, nahm mich Jonas in den Arm und sagte: „Ich brauche keinen ständig lächelnden Partner.“

Dafür liebte ich ihn gleich ein großes Stück mehr. Es hilft mir, wenn er solche Sachen sagt. Damit kann ich etwas anfangen, es ist konkret, ein einfacher Satz mit einer einfachen Message. Ich brauche dafür nicht seinen Gesichtsausdruck zu deuten und nach versteckten Gefühlen Ausschau zu halten. So ein Satz ist für mich Gold wert. Und Jonas weiß das, deshalb gibt er sich oft Mühe, die Dinge für mich ganz klar zu formulieren.

***

Ich verlasse die Wohnung und schlendere durch die Stadt, konzentriere mich auf die Geräusche, die meine Absätze auf dem Bordstein machen. Klack, klack, klack. Hunderte von Feierwütigen kommen mir entgegen. Aufgebretzelt, aufgekratzt, alkoholisiert. Heute Nacht macht mir das nichts aus. Ich lächele sogar eine Gruppe von Leuten an, die laut lachend neben mir an der Ampel stehen. Ein Typ zwinkert mir zu, was mir schmeichelt, trotzdem schaffe ich es nicht, Augenkontakt zu halten. Ich habe immer Angst, zu langer Augenkontakt könnte etwas Verbindliches bekommen, aus dem ich mich dann blöd rausreden muss. Ich laufe sofort los, als die Ampel auf Grün schaltet, halte den Kopf gesenkt und schaue auch nicht mehr zurück.

Das Candy ist nicht so runtergekommen, wie ich befürchtet hatte. Die Bilder im Internet waren irreführend. Es ist ein flacher Bau, eine Art Bungalow, grau und unattraktiv von außen, innen aber geschmackvoll eingerichtet. Fünfziger Jahre. Nierentische, Cocktailsessel und Wandlämpchen, die ein geheimnisvolles, warmes Licht verbreiten. Es gibt mehrere kleine Nischen, die wohl für den Rückzug in die Intimität gedacht sind. Die Tanzfläche ist mit dunklem Parkett ausgelegt. Im hinteren Teil des Raumes gibt es eine kleine Bar, auf die ich zusteuere.

Ich bin zu früh, kann jedenfalls Anja und ihre Frauenclique nirgends entdecken. Ich traue mich nicht, mich zu offensichtlich umzusehen, will nicht gleich auffallen, also setze ich mich auf einen der gepolsterten Barhocker und bestelle für den Anfang einen Whiskey. Die Barfrau stellt das Glas vor mich, schenkt mir ansonsten aber keine Beachtung. Keine Ahnung, ob ich irgendwas falsch gemacht habe, weshalb sie so unfreundlich zu mir ist. Aber vielleicht ist sie auch nicht speziell zu mir unfreundlich, sondern zu allen. Das hat mir Anja mal als guten Rat mitgegeben: „Nimm auf keinen Fall alles persönlich!“ Ich nicke ihr als Dankeschön zu, wie ich das gelernt habe, und reibe mir einen Moment über die Schläfen, um aufkeimende Kopfschmerzen zu vertreiben, die passen jetzt nicht in mein Abendkonzept. Diese Kopfschmerzen bekomme ich immer, wenn ich in solchen Situationen bin, die ganze Zeit damit beschäftigt, die ungewohnte Umgebung zu scannen, über die Reaktionen der anderen Leute nachzudenken. Aus Angst etwas falsch zu machen oder etwas Offensichtliches nicht zu bemerken, bin ich total angespannt. Schon als Kind hat es mich total angestrengt, in fremder Umgebung zu sein, egal wo. Mein Kopf begann dann zu schmerzen, oder mir wurde schlecht, so dass ich nicht mehr zur Schule gehen konnte und meine Mutter mich zu einem Arzt bringen musste.

Aus den Augenwinkeln bemerke ich zwei Frauen, die sich auf die Hocker neben mich setzen.

Okay, da sind all diese Bilder in meinem Kopf, die ich von lesbischen Frauen habe: Die Kampflesben mit maskulinem Körperbau und Kurzhaarfrisuren. Die kleinen süßen, die aussehen wie siebzehnjährige Jungs mit blasser Haut und Hosenträgern, und dann noch die überaus attraktiven, großen Frauen, mit langem glänzendem Haar, tollen Brüsten und sinnlichen Lippen.

Ich habe The L-Word gesehen. Natürlich. Und war ganz schrecklich in Shane verknallt gewesen.

Ich schaue kurz und scheu rüber zu den beiden Frauen neben mir, so kurz, dass ich nicht mal richtig ihre Gesichter erkennen kann. War das gerade ein Lächeln? Vorsichtshalber, und um nicht unhöflich zu wirken, lächele ich den Tresen an. Wenn sie wollen, können sie es als Lächeln nehmen, das ihnen gilt.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Sarahs Spektrum" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen