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Saphire für die Braut des Scheichs

1. KAPITEL

„Beug dich etwas weiter vor … ja, genau so!“

Kaliq presste die Lippen zusammen und widerstand dem Drang, den Mann mit der beginnenden Glatze hinter der Kamera k. o. zu schlagen. Dass er sich so beherrschen musste, wunderte ihn selbst, denn eigentlich hatte er mit diesem Anblick gerechnet.

Er stand unbeobachtet ein wenig abseits und folgte dem lüsternen Blick des Fotografen. Ja, er erkannte sie gleich wieder, und sofort flammte Verlangen in ihm auf. Sie war wirklich die Versuchung in Person.

Vor einem künstlichen Feuer lag sie in lasziver Pose ausgestreckt und machte einen Schmollmund. Das glitzernde goldene Teil, das sie trug und das in seiner Heimat Qwasir höchstens als Moskitonetz durchgegangen wäre, bedeckte nur notdürftig ihre vollen Brüste und endete weit oberhalb der Knie. Noch nie hatte er etwas gesehen, das seinen geheimsten Fantasien gleichzeitig so nahe kam und so fern war.

Während die heißen Studioscheinwerfer auf ihre gebräunte Haut und ihre rotbraunen Locken hinabbrannten, hätte er angesichts der Ironie der Situation beinah laut gelacht. Was hatte sie noch gesagt? Dass sie die Freiheit brauchte, ihr Leben – anders als er – nicht im Rampenlicht zu verbringen. Was für eine Doppelmoral, dachte er, als er das Logo auf dem überdimensionalen Parfümflakon betrachtete. Dieser war eigentlich das wichtigste Requisit bei dem Fotoshooting, doch das ganze Interesse konzentrierte sich auf die junge Frau.

Auf seiner Reise zur Pariser Botschaft von Qwasir im vergangenen Monat hatte er zum ersten Mal einen flüchtigen Blick auf ein Werbeplakat mit dem verlockenden Bild einer Frau erhascht, die ihm so vertraut und fremd zugleich erschien. Dann waren jene so unschuldig wirkenden Augen und rosigen Lippen überall aufgetaucht, und die Nachforschungen seines engsten Beraters hatten seine Vermutungen bestätigt. Es handelte sich tatsächlich um Tamara Weston. Noch nie zuvor war er so wütend gewesen.

Allerdings hätte er sich das denken können. Schon vor sieben Jahren bei ihrem Besuch in seinem Land war sie für ihr Alter ungewöhnlich temperamentvoll und forsch gewesen. Die Unschuld, die sie ausstrahlte, hatte sie ebenso unwiderstehlich gemacht wie ihre Schönheit. Verächtlich verzog Kaliq den Mund. Was mochte sie veranlasst haben, dies hier gegen all das zu tauschen, was er ihr angeboten hatte? War die Vorstellung, ihren Körper nur einem Mann zu schenken, nicht aufregend genug gewesen? Oder hatte sie doch das Rampenlicht gesucht?

Egal, sagte er sich, während er sich lässig an den Türrahmen lehnte. Er konnte die Zeit nicht zurückdrehen, aber diesmal würde er Tamara keine Wahl lassen.

Während Henry eine weitere Anweisung gab und dabei anzüglich lächelte, ließ Tamara ihre Gedanken schweifen. Was würde er wohl für ein Gesicht machen, wenn sie sich noch weiter vorbeugte?

Ignoriere ihn einfach, sagte sie sich dann, denn sie wusste selbst nicht, warum sie sich sein Verhalten an diesem Tag so zu Herzen nahm. Jeder Job hatte seine Schattenseiten. In den letzten Jahren hatte sie mehr Aufträge angenommen, als sie zählen konnte, und da sie glücklicherweise nur selten mit ihm zusammenarbeitete, musste sie sich eingestehen, dass das Modeln doch mehr schöne Seiten hatte, als sie sich je hätte träumen lassen. Allerdings wäre sie vorher auch nie auf die Idee gekommen, es zu ihrem Beruf zu machen. Obwohl sie einen Meter achtzig maß und den schlanken Körperbau und die ebenmäßigen Züge von ihrer Mutter geerbt hatte, hatte sie sich immer nur allenfalls für durchschnittlich gehalten. Und nachdem man die Scheidung ihrer Eltern in den Medien derart breit getreten hatte, hatte sie auch nie den Wunsch verspürt, einen Beruf zu ergreifen, mit dem man im Rampenlicht stand. Als ihre Kommilitonin Lisa sie allerdings bat, in ihrer ersten selbst entworfenen Kollektion zu posieren, sagte sie ihr zuliebe zu. Nachdem Lisa damit den großen Durchbruch geschafft hatte, kam dann der Kosmetikriese Jezebel auf sie zu und bot ihr an, das neue Gesicht für ihre Marke zu werden.

Zuerst zögerte Tamara, doch die Gage war so verlockend, dass sie es wenigstens ausprobieren wollte, denn so konnte sie mehr Zeit mit Mike verbringen. Zu ihrem Erstaunen fand sie schnell heraus, dass mehr zu der Tätigkeit gehörte, als für einige Stunden am Tag lasziv in die Kamera zu blicken. Die Gefühle herüberzubringen, die der beworbene Gegenstand vermittelte, war ein knallharter Job, der sie oft an ihre Grenzen brachte – eine Herausforderung nicht zuletzt deswegen, weil ihr keine Zeit blieb, darüber nachzudenken, wer sie wirklich war. Auch wenn die Pressevertreter ein lästiges Übel darstellten, genoss sie es, durch die Welt zu jetten und ständig neue Menschen kennenzulernen. Nach den vielen Gelegenheitsjobs schien sie nun tatsächlich im Begriff, ihren Platz im Leben zu finden, ein Gefühl, das sie schon seit Jahren nicht mehr verspürt hatte, nicht mehr seit … sie vor langer Zeit an einem ganz anderen Ort gewesen war.

Und seit sie das neue Gesicht von Jezebel Fragrance verkörperte, wurde sie von allen großen Agenturen und in der Presse als Topmodel gehandelt und konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Erst am Vortag hatte Henrys Assistentin ihr mitgeteilt, dass sie in der kommenden Woche in den Mittleren Osten reisen würde.

Heute war sie jedoch ungewöhnlich nervös, seit sie das Studio betreten hatte. Plötzlich schien es ihr, als müsste sie nicht nur ihren Körper, sondern auch ihre Seele entblößen, und sie konnte dieses Gefühl nicht ergründen. Henry verhielt sich nicht anders als sonst, und auch ihr Kleid zeigte nicht mehr Haut als die vorherigen Modelle. Lag es womöglich an den zusätzlichen Kameras, die sein Assistent und er diesmal benutzten? Unbehaglich bewegte Tamara die Beine, während sie sich auf die vielen Leute und die Ausrüstung zu konzentrieren versuchte, die sie normalerweise ausblendete. Die zahlreichen Objektive brachten sie nicht aus der Fassung. Dennoch hatte sie das ungute Gefühl, dass sie beobachtet wurde, und ihr Instinkt riet ihr, die Flucht zu ergreifen, bevor es zu spät war.

Wahrscheinlich bin ich heute nur mit dem falschen Fuß aufgestanden, versuchte sie sich dann zu beruhigen, während sie Henrys Anweisung folgte und den Kopf nach links bewegte, damit ihr das dichte dunkle Haar über die Schulter fiel. In dem Moment nahm sie allerdings etwas oder vielmehr jemanden aus dem Augenwinkel wahr – eine große Gestalt, die etwas abseits und im Schatten stand.

Prompt setzte ihr Herz einen Schlag aus, um gleich umso wilder zu pochen. Sei nicht albern, deine Fantasie geht mit dir durch, ermahnte sie sich. Leider konnte sie sein Gesicht nicht ausmachen, ohne ihre Position zu verändern. Aber es konnte nicht sein. Er würde niemals hier auftauchen. Wahrscheinlich handelte es sich nur um einen neuen potenziellen Kunden von Henry, denn seit die Verkaufszahlen von Jezebel hochgeschnellt waren, bekam dieser laufend neue Anfragen. Trotzdem gelang es ihr nicht, das beunruhigende Gefühl zu verdrängen.

„Einfach super, dieser erwartungsvolle Gesichtsausdruck, Tamara. Bleib so!“

Tamara hörte jedoch nicht zu, denn sie hatte schon den Kopf gewandt. Und in dem Moment stockte ihr der Atem, als hätte ihr jemand einen Schlag versetzt.

Sie hätte dieses Profil überall wiedererkannt. Die schroffen aristokratischen Züge. Seine dunklen Haare, die stolze Haltung und seinen großen muskulösen Körper. Genau deswegen wusste sie, dass er es sein musste. Es gab viele hochgewachsene athletische Männer, aber niemand stand so da und strahlte ein solches Selbstvertrauen aus. Sobald Kaliq Al-Zahir A’zam, Kronprinz von Qwasir, einen Raum betrat, veränderte sich die Atmosphäre, und alle Blicke richteten sich auf ihn.

Tamara schluckte und schloss ungläubig die Augen, während sie sich am liebsten unsichtbar gemacht hätte. Hitzewellen durchfluteten ihren Körper, und sie fühlte sich fast nackt unter seinem durchdringenden Blick.

Was, in aller Welt, machte er hier? War er womöglich finanziell an Jezebel Cosmetics beteiligt? Es war eine der erfolgreichsten neuen Marken auf dem Markt, aber seit wann musste ein sagenhaft reicher Scheich sich an irgendwelchen Firmen beteiligen, um über zusätzliche Einkunftsquellen zu verfügen? Schließlich erwarb Kaliq nur zum Zeitvertreib edle Rennpferde, wie andere Leute sich im Kino Popcorn kauften. Ja, sie hätte darüber lachen können, wenn ihr Herz nicht so gerast und er sie nicht derart in seinen Bann geschlagen hätte.

Sicher war er nach all den Jahren nicht gekommen, um sie daran zu erinnern, was sie versäumte, denn er hatte deutlich gemacht, dass er sie niemals wiedersehen wollte. Also musste es eine logische Erklärung geben.

„Na gut, Tamara. Der Anblick deines Profils, wenn du fröstelst, beflügelt zwar die Fantasie, aber es passt nicht ganz zum Feuer. Lass uns für heute Schluss machen.“

Ausnahmsweise einmal war Tamara dankbar dafür, Henrys Stimme zu hören, und trotz ihrer Neugier überwog der Drang wegzulaufen. Wenn sie schnell war, konnte sie sich in den Ankleideraum flüchten und das Studio durch die Hintertür verlassen. Lieber wollte sie den Grund für seine Anwesenheit nie erfahren, als Kaliq gegenüberzutreten. Noch nie in ihrem Leben hatte sie etwas derart bereut wie jene gemeinsame Zeit mit ihm, und dass es sie all die Jahre verfolgt hatte, war schlimm genug für sie.

Doch er war schneller als sie und erwartete sie bereits im Ankleideraum.

„Kaliq!“

Sie wusste selbst nicht, warum es sie überraschte. Falls er mit ihr reden wollte, würde er sich durch nichts davon abbringen lassen. Lässig die Beine übereinandergeschlagen, saß er auf dem Stuhl in der Mitte des Raumes.

Tamara traute sich nicht, ihm in die Augen zu blicken. Nun, da sie ihm zum ersten Mal außerhalb seines Landes begegnete, wurde ihr erst richtig bewusst, wie exotisch er mit seinem dunklen Teint und dem dichten schwarzen, leicht welligen Haar wirkte. Nachdem sie ihn bisher nur in traditioneller arabischer Kleidung gesehen hatte, schien der perfekt sitzende, offenbar maßgeschneiderte Anzug seine ungezähmte Seite noch hervorzuheben.

Sie blieb an der Tür stehen und kämpfte mit den widersprüchlichen Gefühlen, die sie überwältigten. Einerseits empfand sie Hass, weil er der einzige Mann war, den sie je zu lieben geglaubt hatte, und er nun einfach hier auftauchte, als sie gerade anfing zu vergessen. Anderseits fühlte sie sich, als wäre sie gerade aus einem tiefen Schlaf erwacht und würde den Frühling begrüßen. Erst nach einer Weile wurde ihr bewusst, dass sie gegen die Etikette von Qwasir verstoßen hatte, indem sie ihn mit seinem Vornamen angesprochen und sich nicht vor ihm verneigt hatte. Anders als sie störte es ihn aber offenbar, wie sein tadelnder Blick vermuten ließ.

„Ich hatte eigentlich keine Gäste erwartet“, erklärte sie, als die Spannung immer unerträglicher wurde, und blickte sich demonstrativ in dem Raum um, wo überall Kleidungsstücke und Make-up-Utensilien verstreut lagen.

„Tu nicht so, als wärst du deswegen so entsetzt.“ Er betrachtete den großen Blumenstrauß auf dem Ankleidetisch, den sie vor dem Fotoshooting schnell in eine Vase gestellt hatte. „Es kommt sicher öfter vor, dass du irgendwelche Bewunderer in deinem Ankleideraum antriffst, oder?“

Tamara spürte, wie sie errötete. Die Blumen stammten von Mike, doch sie hätte sich denken können, dass alle Models in Kaliqs Augen einen zweifelhaften Lebenswandel führten.

„Nein, ich …“, begann sie, aber er fiel ihr ins Wort. „Jetzt brauchst du nicht mehr die Unschuldige zu spielen, Tamara.“ „Hat dir eigentlich nie jemand beigebracht, dass man andere ausreden lassen soll?“ Verblüfft sah er sie an, als hätte ihn noch nie jemand zurechtgewiesen.

„Ich wollte sagen, dass die meisten Leute das Schild mit der Aufschrift Privat an der Tür respektieren.“

„Die Privatsphäre ist ein Luxus, den ich nicht kenne.“ Nun kniff er die Augen zusammen. „Berufsrisiko, wie mir mal gesagt wurde.“

Sie zuckte zusammen, als sie ihre Worte wiedererkannte, auch wenn sie sich insgeheim darüber freute, dass er sich noch daran erinnerte. Andererseits hatte er gerade bewiesen, wie wenig er sich nach wie vor um die Bedürfnisse anderer scherte.

Unwillkürlich verspannte sie sich. „Und trotzdem hast du immer großen Wert auf Anstand gelegt, wenn ich mich richtig entsinne.“

„Und ich meine mich zu erinnern, wie du gesagt hast, du könntest nie ein Leben im Licht der Öffentlichkeit führen. Trotzdem bist du jetzt berühmt. Komisch, wie sich die Dinge ändern, nicht?“ Gespielt irritiert blickte er sie an. „Oder irre ich mich?“

Nein, er täuschte sich nie, und das wusste Tamara. Amüsiert lehnte Kaliq sich zurück und wartete auf ihre Antwort.

Ich gehe ihr also noch immer unter die Haut, dachte er, denn sie war schon in dem Moment errötete, als sie hereingekommen war und ihn hier angetroffen hatte – und sogleich die Flucht hatte ergreifen wollen.

Aber sie würde ihm nicht entkommen, und wenn sie noch so unschuldig tat. Die Grenze, die er damals ganz bewusst nicht überschritten hatte, existierte nicht mehr. Und obwohl er wusste, dass Tamara bereits mit anderen Männern geschlafen hatte, ließ allein ihr Anblick ungezügeltes Verlangen in ihm aufflammen.

„Sag mir, warum du hier bist, Kaliq.“ Tamara knöpfte ihre weiche kastanienbraune Jacke bis oben zu, um Kaliq zu verstehen zu geben, dass er gehen sollte. Falls er den Hinweis verstand, ließ er es sich allerdings nicht anmerken, denn er presste die Lippen zusammen.

Sicher hatte er die weite Reise nicht auf sich genommen, nur um sie an ihre Worte von damals zu erinnern. Ja, sie hatte ihm gesagt, dass sie niemals mit dem öffentlichen Interesse zurechtkommen würde, das er als Kronprinz genoss, doch sie hätte alles vorgeschoben, was ein Körnchen Wahrheit enthielt, damit er nicht merkte, wie tief er sie verletzt hatte. Aber er hatte ihr ohnehin kaum zugehört. In dem Moment, als sie den Kopf schüttelte, hatte seine Miene nur noch Hass verraten.

„Geduld ist eine Tugend, Tamara. Selbst du wirst dich darin noch üben können, oder?“

Unbändiger Zorn stieg in ihr auf. „Es ist besser, Tugenden zu verlieren, als sich Charakterfehler anzueignen, Kaliq … Königliche Hoheit.“ Wie zum Spott deutete sie eine Verbeugung an. „Damals hast du wenigstens so getan, als würdest du alle gleichermaßen respektieren, aber offenbar sind es nur die, die nach deiner Pfeife tanzen.“

Seine dunklen Augen funkelten. „Umso besser, dass du deinen Verstoß gegen die Regeln wiedergutmachen kannst.“

Tamara spürte, wie sich ihr ganzer Körper verspannte. Er war doch nicht etwa gekommen, um …?

Kaliq schwieg mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der es gewohnt war, dass andere an seinen Lippen hingen. „Ich bin hier, um dich zu engagieren“, verkündete er dann.

„Wie bitte?“

„Tu nicht so überrascht, Tamara. Das ist doch dein Job, oder? Du erscheinst, egal wo und wie du dafür bezahlt wirst.“

Zum ersten Mal seit Jahren war sie auf etwas stolz gewesen, und nun bewirkten seine Worte, dass sie sich dafür schämte.

„Damit wäre deine Frage, was ich hier mache, beantwortet“, fuhr er ungerührt fort.

„Wovon redest du eigentlich?“

„Du sollst für mich modeln.“

„Und was soll ich vorführen?“

„Die A’zam-Saphire.“

2. KAPITEL

Ungläubig blickte Tamara Kaliq an, der mit unbewegter Miene dasaß, und zwang sich weiterzuatmen.

Für jeden anderen hätte es vermutlich geklungen, als hätte sie gerade den lukrativsten Auftrag ihrer steilen Karriere an Land gezogen, denn es war eine Ehre, die königlichen Juwelen von Qwasir vorzuführen, die ältesten und kostbarsten Saphire der Welt. Ihr war jedoch klar, dass Kaliq sich nur an ihr rächen wollte, weil diese traditionsgemäß von der Braut des Kronprinzen getragen wurden. Und das hätte sie sein können.

So verlockend das Angebot also auch scheinen mochte, sie würde auf keinen Fall zusagen. Sie wollte es ihm gerade mitteilen, als hinter ihr die Tür aufgerissen wurde.

„Prinz A’zam, entschuldigen Sie bitte, Königliche Hoheit – ich wusste nicht, dass Sie schon da sind!“ Henry kam hereingestürmt und deutete dabei eine Verbeugung an. „Meine Assistentin hat mich gerade informiert … Sonst hätte ich Ihnen natürlich einen Wagen zum Hotel geschickt. Wenn ich Ihnen etwas zu trinken holen darf …“

Tamara wurde nervös. Henry hatte ihn erwartet? Steckte er etwa mit ihm unter einer Decke?

„Das macht nichts“, stieß Kaliq hervor. „Wie Sie sehen, hat Miss Weston mir dieselbe Vertrautheit gewährt, die sie anscheinend allen zugesteht.“ Als er sich dann ihr zuwandte, lag ein verächtlicher Zug um seine sinnlichen Lippen. „Du solltest das Privat-Schild durch ein passenderes ersetzen – vielleicht Unbeschränkter Zugang?“

Der Fotograf lächelte anzüglich und zeigte dabei seine gelblichen Zähne. „Ja, ich arbeite gern mit Tamara, weil sie nicht so unnahbar ist wie die meisten anderen Models heutzutage, wenn Sie wissen, was ich meine.“ Nachdem er Kaliq vertraulich zugezwinkert hatte, nickte er ihr zu, als hätte er ihr gerade ein großes Kompliment gemacht.

„Durchaus“, erwiderte Kaliq in einem Tonfall, der ihr einen Schauer über den Rücken jagte. „Ich glaube, sie wollte gerade ihrer Begeisterung darüber Ausdruck verleihen, dass ich ihr nächster Auftraggeber bin.“ Erwartungsvoll blickte er sie an, doch bevor sie etwas entgegnen konnte, mischte Henry sich ein.

„Wer könnte es ihr verdenken? Schließlich bekommt sie eine enorme Publicity, wenn sie die königlichen Juwelen vorführt.“

Sein schmieriges Lächeln weckte noch stärker als vorher in ihr den Wunsch, ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Kaliq hatte sich also an Henry gewandt, um an sie heranzukommen. Nun begriff sie … Das hier war der Auftrag im Mittleren Osten, den Emma beiläufig erwähnt und auf den sie sich schon gefreut hatte?

„Was ich sagen wollte …“, begann Tamara lauter als beabsichtigt, woraufhin beide Männer sie ansahen. „Ich fühle mich zwar sehr geehrt, Königliche Hoheit, aber ich möchte Ihr Angebot nicht annehmen.“ Ganz bewusst siezte sie Kaliq, um auf Distanz zu gehen.

Wie immer, wenn er wütend war, wurde Henry rot, was sie unter anderen Umständen amüsiert hätte. Ohne die spannungsgeladene Atmosphäre zu bemerken, da er offenbar nicht ahnte, dass sie Kaliq von früher kannte, drehte er sich zu ihr um und betrachtete sie wie ein trotziges Kind.

„Du hast einen Vertrag mit Jezebel, und da Seine Königliche Hoheit dich offiziell gebucht hat, spielt es keine Rolle, ob du willst oder nicht.“ Er blickte Kaliq Beifall heischend an, doch dieser reagierte nicht.

„Jeder hat eine Wahl“, erklärte sie leise und sah diesen dabei an. „Wenn jemand glaubt, man wäre ihm etwas schuldig, muss man dem nicht unbedingt entsprechen.“

Zum ersten Mal verriet der Ausdruck in seinen Augen so etwas wie eine Gefühlsregung. Wahrscheinlich fühlt er sich in seinem Stolz verletzt, dachte Tamara.

Drohend machte Henry nun einen Schritt auf sie zu. „Wenn du dich weigerst, kannst du deinen Vertrag mit Jezebel vergessen.“

Daraufhin stand Kaliq auf und stellte sich zwischen sie, woraufhin Henry zurückwich. „Danke … Henry, nicht wahr? Sicher ist Miss Weston nur etwas nervös, weil es sich um einen so wichtigen Auftrag handelt und sie mit der Etikette nicht vertraut ist. Wenn Sie uns bitte allein lassen würden, kann ich sie beruhigen.“

Frustriert beobachtete Tamara, wie Henry widerstrebend den Raum verließ. Da die Aussicht auf eine hohe Provision für ihn noch reizvoller war als der Anblick einer schönen Frau, würde er vor der Tür stehen bleiben und lauschen. Doch es interessierte sie nicht, denn es drehte sich nicht um ihn.

Hier ging es wie schon viel zu oft in ihrem Leben um Kaliq. Als sie sich demonstrativ abwandte, stieß sie prompt gegen ihn, denn er musste unbemerkt einen Schritt auf sie zu gemacht haben. Erschrocken zuckte sie zusammen und spürte, wie ihr heiß wurde, sobald sein männlicher Duft ihr in die Nase stieg – eine verführerische Mischung aus Sandelholz und Ambra. Sie straffte sich. Nein, sie würde sich nicht von ihrem Entschluss abbringen lassen, auch wenn sein Sex-Appeal so überwältigend war.

„Du bist es vielleicht gewohnt, deinen Willen immer durchzusetzen und dir jeden Wunsch zu erfüllen, aber mich bekommst du nicht, Kaliq.“

So hatte sie es eigentlich nicht formulieren wollen. Nervös wich sie zurück, während ihr das Blut in den Kopf stieg. Natürlich wollte er sie nicht. Schon damals hatte er sich nur mit ihr geschmückt.

„Komm, Tamara, tu nicht so, als wäre es nicht genau das, was du dir wünschst.“ Seine Augen funkelten verächtlich.

„Das Ereignis wird weltweit im Fernsehen ausgestrahlt, und es werden Würdenträger, Mitglieder verschiedener Königsfamilien und Vertreter der gesellschaftlichen Elite aus aller Welt anwesend sein.“

„Ich habe einen Vertrag mit Henry, nicht mit dir.“

Ärgerlich presste er die Lippen zusammen. „Stimmt. Du hast anscheinend nicht nur deine Moralvorstellungen, sondern auch deinen gesunden Menschenverstand abgelegt.“

„Und trotzdem machst du mit ihm gemeinsame Sache. Ich frage mich, ob ihr beide wirklich so verschieden seid.“

„Was denkst du denn?“ Überheblich blickte er sie an. „Ich zahle dir für diesen Auftrag dasselbe, was du von ihm im Jahr bekommst. Lehnst du ab, verlierst du alles.“

Natürlich wusste sie, wie reich er war, doch ihr war auch klar, dass mehr dahinterstecken musste. Offenbar hatte er alles genau geplant und Henry dafür benutzt. Tatsächlich besaßen die beiden keine Gemeinsamkeiten, und obwohl sie sich nicht erpressen lassen wollte, hätte sie das Angebot am liebsten angenommen. Mike und sie könnten das Geld gut gebrauchen. Außerdem war es eine einmalige Gelegenheit und ihrer Karriere nur förderlich. Vor allem aber hatte sie sich in diesen letzten zehn Minuten so lebendig gefühlt wie schon seit Jahren nicht mehr, wie sie sich widerstrebend eingestehen musste.

Tamara wandte sich ab und begann, die Sachen auf dem Stuhl neben sich zusammenzufalten, um sich irgendwie zu beschäftigen. Kaliq anzusehen erschien ihr viel zu gefährlich. Der Anblick seiner glatten, tief gebräunten Haut und seiner schmalen und doch kräftigen Hände erinnerte sie daran, wie er sie damals gehalten hatte. Wie würde es ihr ergehen, wenn sie zum zweiten Mal aus seiner Welt in ihr Leben zurückkehrte? Ihm lag offenbar nur daran, ihr wehzutun.

„Du kennst meine Antwort. Sicher wirst du jemand anders finden.“

„Ich will aber keine andere Frau.“

Fast hätte sie den Rock, den sie gerade vom Stuhl genommen hatte, fallen lassen. Sie riss sich zusammen, damit ihre Fantasie nicht mit ihr durchging, doch er sprach weiter.

„Meinem Vater geht es nicht gut.“ Seine Stimme klang ungewohnt gequält, als Kaliq auf und ab zu gehen begann. „Die Zeitungen berichten über seinen bevorstehenden Tod, und die Stimmung in meinem Land ist angespannt. Ich möchte mein Volk ablenken, indem ich den ältesten und kostbarsten Schatz von Qwasir bei einer königlichen Gala zeige.“ Nun schlug er wieder einen zynischen Tonfall an. „Und wer würde sich besser dafür eignen als das Model, das gerade von der Presse gefeiert wird und außerdem die Tochter des ehemaligen englischen Botschafters in meinem Land ist? Ich sehe die Schlagzeilen schon vor mir.“

Mitgefühl wallte in ihr auf, doch sie unterdrückte es sofort und atmete tief durch. Natürlich hatte sie in den Zeitungen von König Rashids schlechtem Gesundheitszustand gelesen, und sie konnte gut nachvollziehen, warum die Stimmung im Land angespannt war. Der Kronprinz musste

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