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San Angelo Country Band 63 Kein Gesetz in Elk Town

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SAN ANGELO COUNTRY Band 63 Kein Gesetz in Elk Town

Ein Western von Heinz Squarra












Lincoln Dobbs und seine Söhne regieren mit Faust und Colt in Elk Town. Aus der kleinen Stadt in West-Texas ist eine Banditenstadt geworden. Und die Dobbs-Bande lässt keinen ungeschoren davonkommen, der sich ihr in den Weg stellt. Vor allem Smallrancher und die Kiowas, in deren Jagdgebiet sich diese Stadt befindet, sind vor den schießwütigen Outlaws nicht sicher. Und es heizt die Stimmung auf beiden Seiten zusätzlich auf. Höchste Zeit also, dass die Texas Ranger sich um diese Sache kümmern. Und einer der besten von ihnen bekommt den Auftrag, für Ordnung zu sorgen. Sein Name ist Jess Calhoun.





Jess Calhoun lenkte das Pferd in den Schutz eines überhängenden Felsens, als er die Reiter im Canyon unter sich bemerkte. Er sprang ab und hielt dem Tier die Nüstern zu.

Die letzten Sonnenstrahlen spielten am Felsen über dem Plateau. Der gewaltige Feuerball schien auf den Hängen der Berge zu liegen und wurde langsam in dunkler werdende Röte getaucht. So weit das Auge reichte, stand von Nord bis Süd das flammende Abendrot am Himmel und gaukelte fernen Feuerschein vor.

Aber Jess Calhoun achtete nicht auf das gigantische Naturschauspiel, sondern er beobachtete die rund zehn Reiter im Canyon. Sie strebten nach Osten, dahin, woher er selbst kam.

»Weiße«, murmelte er, verwundert über die große Zahl, die er nur mit der Stadt Elk Town in Zusammenhang bringen konnte.

Die Reiter verschwanden jenseits einer Biegung. Rasch verklang ihr vom Hufschlag untermischtes Gelächter, das bei Jess den Verdacht erweckte, dass sie gehörige Mengen Hochprozentiges in sich geleert haben mussten.

Er wendete das Pferd auf dem Plateau, saß auf und kehrte in den Hohlweg zurück, den er heraufritt. Den Canyon hatte er auch von dort aus unter sich gesehen.

Tatsächlich bemerkte er sie schon drei Minuten später erneut. Noch immer bewegten sich die Pferde beinahe müde vorwärts Eine grüne, dickbauchige Flasche wurde von einem Mann dem jeweils nächsten nach einem kräftigen Schluck zugeworfen.

Jess hielt an der überhängenden Felswand. Sie war ihm in dieser Minute noch näher als bei der ersten Begegnung, und er vermochte sie besser zu erkennen. Unter alten, schweißdurchtränkten Hüten erkannte er stoppelbärtige Gesichter. Ihre abgerissene Kleidung mit dem grauen Staub darauf verriet, dass sie hier irgendwo in der Einsamkeit lebten.

Plötzlich brüllte der Anführer etwas und schlug mit dem Gewehrkolben auf die Hinterhand seines Braunen. Das Tier wieherte erschrocken und streckte sich. Mit wildem Geheul sprengte der Rest der Horde hinterdrein. Sie lachten und feuerten in die Luft.

Das Pferd von Jess Calhoun scheute.

Der letzte Halunke warf die grüne Flasche gegen die Felswand. Sie barst, Scherben spritzten umher und ein Whiskyrest lief über das heiße Gestein und verdunstete.

Die zehn Reiter sprengten aus dem Canyon und einem Gehölz vor den Hügeln entgegen. Davor standen ein paar geduckte Hütten, die karge Maisfelder umgaben.

»Was soll denn das bedeuten?«, murmelte Jess entsetzt. »Vorwärts!« Seine Sporen trafen die Flanken des Pferdes. Er sprengte den Hohlweg weiter hinunter und eine Viertelstunde später aus den Bergen.

Im Westen versank die Sonne gerade über den Gipfeln. Grau wie ein Leichentuch kroch das Dämmerlicht über das Land. Nur noch undeutlich ließ sich der Waldsaum hinter den Feldern erkennen.

Knatternde Gewehre verrieten Jess, dass seine Annahme kein Trugschluss war. Diese zehn Halunken fielen über das kleine Anwesen in der Wildnis her, in dem sie kaum ernstzunehmenden Widerstand zu erwarten hatten.

Er ritt am Rand des Maisfeldes entlang. Doch als er die Farm erreichte, waren zu viele der kostbaren Minuten verstrichen.

Hart stoppte er den Hengst, noch bevor der Schutz des Maisfeldes hinter ihm lag. Er sprang ab, drängte das Pferd zurück und hielt ihm die Nüstern zu.

Die Reiter sprengten gerade mit Gelächter und knatternden Colts wie eine Indianerhorde auf dem Kriegspfad an der Hütte vorbei. Einer warf eine Flasche durch die Luft. Sie traf die Wand und barst auseinander. Glas und eine Flüssigkeit spritzten umher.

Einer der nachfolgenden Schurken hatte eine brennende Fackel in der Hand und schleuderte sie gegen die Wand.

Jess riss den Colt aus der Halfter, vermochte sich aber zu stoppen. Es wäre der helle Wahnsinn und praktisch Selbstmord gewesen, hätte er das sichere Versteck verlassen. So viele Kugeln hatte er nicht in der Trommel, um gegen sie Sieger sein zu können.

Die Flammen folgten den Petroleumspuren über das trockene Holz und fraßen es wie Zunder auf.

Beim Schuppen kehrten die Reiter um und galoppierten schießend zurück. Das letzte Stück des kleinen Fensters ging zu Bruch. Der Reitwind peitschte die Flammen zusätzlich an und jagte sie über das Strohdach hinweg. Feuerbündel fielen in die Hütte.

Als die Reiter abermals umkehrten, lief eine Indianerin aus der Hütte.

Jess hatte irgendwann einmal .davon gehört, dass auf dieser Seite der Brasada ein Weißer mit einer Indianerin eine Farm betreiben sollte. Aber es hatte ihn damals so wenig interessiert, dass er nicht einmal nach dem Namen des Mannes fragte.

Die Frau mochte dreißig Jahre alt sein. Sie trug ein altes Wildlederkleid mit Fransen daran. Zöpfe flatterten um ihren Kopf. Sie wollte fliehen, aber die Halunken ritten schießend über sie hinweg.

Im Feuerschein, Rauch und Staub blieb die verkrümmte Gestalt reglos zurück. Die Reiter sprengten davon.

Jess biss sich in die Lippe, um festzustellen, dass er nicht etwa nur träumte. Nein, er spürte den Schmerz.

Der trommelnde Hufschlag und das Gelächter der trunkenen Horde entfernten sich rasch.

Jess vermochte immer noch nicht zu glauben, was er erlebte und nun als Resultat dieses Terrors sah.

Die Indianerin schien sich zu bewegen. Als Jess das bemerkte, ließ er den Hengst los. Er ging vorwärts, erreichte die Gestalt und sah, dass es nur die Schatten des Feuers waren, die sich zuckend über den Körper bewegten. Er beugte sich hinunter, griff nach dem Arm der leblosen Frau und zog sie herum.

Steif fiel sie auf den Rücken. Das dunkle Gesicht mit den hochstehenden, breiten Wangenknochen sah verzerrt aus. Jess drückte der Toten die Augen zu, richtete sich auf und schaute zu den Bergen im Westen.

Das Dickicht davor hatte die wilde Reiterschar aufgenommen, aber der Hufschlag schallte immer noch in das Knistern des Feuers hinein.

Das Strohdach stürzte ins Innere. Balken brachen. Funken wurden vom heißen Rauch in den Himmel getragen.

Das Pferd schnaubte am Maisfeld und schlug mit einem Huf heftig auf den Boden.

Jess richtete sich auf und schaute wieder dahin, wo die Reiterhorde verschwand. Tatsächlich hielt einer zwischen den Büschen, das Gewehr in der Hand.

Das Feuer tobte zwischen den brennenden Wänden wie in einem Kamin.

Weiter teilten sich die Scrubbüsche, und der abgerissene Halunke näherte sich.

Jess wartete hinter der Leiche, obwohl er sicher noch die Zeit gefunden hätte, am Maisfeld Deckung zu suchen.

Der Reiter lief langsam und hielt rund sechs Yards entfernt an. Sein Gewehr deutete noch auf Jess. Ein Grinsen lag um seinen Mund. In den Augen schien Feuerschein wie in der Hütte zu flammen. »Wer bist du denn?«

»Mein Name ist Jess Calhoun.« Jess beobachtete den ziemlich abgerissenen, stoppelbärtigen Halunken, dessen Gewehr auf ihn zielte, der ihm aber so betrunken erschien, dass er sich leicht eine gute Chance gegen ihn ausrechnete.

»Und du?«, fragte er zurück.

Das Grinsen des Kerls wurde noch breiter. »Custer. Wie ein berühmter General, von dem man sagt, er wäre in zu großen Stiefeln herumgelaufen. Aus Elk Town, mein Freund. Bin so etwas wie die rechte Hand der Dobbs-Sippe.«

»Und wer sind die Dobbs?«

»Dobbs ist der Boss in Elk Town. Und seine Söhne sorgen für Ordnung.«

»Wie praktisch.«

»Was?« Der Kerl verzog das Gesicht.

»Ich meine, es ist doch ungeheuer praktisch, wenn ein Clan alles in der Hand hat. Nur so darf er sicher sein, es auch zu behalten.«

»Kommst dir wohl ziemlich komisch vor, was?«, knurrte der Reiter finster.

»Warum bist du noch mal umgekehrt? Will Dobbs wissen, ob ihr auch wirklich ganze Arbeit geleistet habt?«

Langsam schlich sich das böse Grinsen in das stoppelbärtige, abstoßende Gesicht. »Du scheinst ja ein ganz Schlauer zu sein, Calhoun. Wieso bist du eigentlich hier? Gehörst doch nicht in die Hütte des Squawmans!«

»Ich weiß nicht, wer hierher gehört und wer nicht.« Jess trat um die Tote herum und näherte sich dem Reiter zwei Schritte, »ich war zufällig in der Nähe.«

»Wann?«

»Warum fragst du das?« Jess beobachtete den Kerl und näherte sich ihm noch einen Schritt.

»Vielleicht ist es wichtig für dich.«

Im Feuerschein sah Jess, wie das Grinsen des Halunken bösartiger wurde.

»Sollst du nicht sowieso jeden mundtot machen, den dein Freund Dobbs übersehen haben könnte? Sie schickten dich doch nur zurück, weil sie zu hastig wegritten. Ohne sich zu versichern, ob nicht doch jemand in der Nähe ist, der euch eventuell beobachtete.«

»Wie schlau du bist. Aber um genau zu sein, ich will mich nur versichern, ob es den Strohkopf schon in der Hütte erwischte, oder ob er sich nur nicht herauswagte.«

»Soll im Feuer wirklich noch etwas zu finden sein?« Jess beobachtete jede Bewegung und jeden Blick des Schurken. »Oder wusste Dobbs nur nicht, wie schnell so eine Hütte niederbrennt?«

Der Kerl ließ sich nicht ablenken.

»Nur seine Söhne Slim und Sean. Du weißt nicht sehr viel.«

In diesem Augenblick brachen die brennenden Hüttenwände zusammen. Feuer und Rauch breiteten sich aus. Funken stoben auseinander. Das Pferd scheute. Und der Bandit blickte nun doch einen Moment zur anderen Seite.

Jess nutzte die Chance. Mit zwei Schritten erreichte er das Pferd, stieß den Gewehrlauf zur Seite und riss den Kopf des erschrockenen Tieres nach unten. Der Reiter fluchte. Jess drehte die Faust im Kopfgeschirr herum. Scharf wieherte der Braune und sprang mit der Hinterhand bockend in die Luft. Mit einem Schrei stürzte der Mann aus dem Sattel. Jess hatte das Gewehr in der Hand, schleuderte es zur Seite und stand links des Pferdes, als sich der Bursche aufrappelte. Ein Kinnhaken traf ihn mit solcher Wucht, dass er mit rudernden Armen taumelte, über einen brennenden Balken stolperte und abermals zu Boden ging.

Noch im Liegen zog der Kerl den Revolver, und das noch nicht einmal sehr langsam. Jess ließ sich fallen. Feuer und Rauch stachen aus der Mündung. Die Kugel pfiff über Jess hinweg. Das Pferd floh.

Calhoun rollte sich über den Boden, zog dabei den Colt und spannte den Hammer. Als er abermals auf der Brust lag und der in Pulverrauch gehüllte Schurke erneut auf ihn zielte, feuerte er zurück.

Getroffen brüllte der Stoppelbärtige, verlor die Waffe aus der Faust, und sein Gesicht landete im Sand.

Jess richtete sich auf.

Der Halunke lebte noch. Er rollte stöhnend auf den Rücken und presste die Hand auf die Brust. Blut sickerte zwischen seinen Fingern hervor. Jess blieb über ihm stehen. Der Feuerschein warf seinen Schatten zuckend über die Gestalt.

»Wenn man einen anderen töten will, dann muss man sofort schießen und keine Reden halten.«

»Verdammt noch mal … wer bist du? Der Teufel ...« Dem Banditen fehlte die Kraft, seine Verwünschung bis zum letzten Wort auszusprechen.

Jess ging in die Hocke. »Hab ich wohl vergessen, zu erwähnen. Ich bin Texas Ranger. Was tat euch der Farmer eigentlich, dass ihr so grausame Rache nehmen müsst?«

»Fahr zur Hölle ...« Der Blick in den Augen des Stoppelbärtigen brach. Noch vom Hass erfüllt, floh die Seele aus dem starr werdenden Körper.


*


Es musste bald Mitternacht sein, als Jess die Hütten in der Bergfalte vor sich auftauchen sah. Er zügelte den Hengst und blickte auf die Lichter. Es waren acht Bretterbuden, die man da unten erreichte. Eine davon besaß ein Obergeschoss und sah wie eine hochkant stehende, riesige Kiste aus.

Ein zwielichtiger Ort ist das, dachte Jess . Vermutlich weiß man in der Gegend von San Angelo gar nicht, dass diese Stadt überhaupt existiert.

Er musste unwllkürlich an seinen Onkel Tom Calhoun auf Rancho Bravo denken. Eigentlich hatte er ursprünglich vorgehabt, die Ranch seines Onkels nach langer Zeit endlich wieder einmal zu besuchen. Einige Monate waren schon ins Land gegangen, seit er zum letzten Mal dort gewesen war. Aber dann hatte ihm sein Vater, Colonel Amos Calhoun unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass zuerst der Job erledigt werden musste und alles andere eben später ...

Seine Gedanken brachen ab. Ein Mann mit zwei schweren Colts an den Hüften trat in den Lichtschein einer Sturmlaterne, die man an einem Pfahl am Stadtrand aufgehängt hatte.

»Miller?«

Jess zügelte den Hengst. »Mein Name ist Jess Calhoun.«

Der schwerbewaffnete Wächter trat näher, griff nach dem Zügel und zog den Kopf des Pferdes etwas nach unten, als könnte er den Reiter so besser erkennen. »Was willst du hier, Calhoun?«

»Ist es verboten, in eure Stadt zu reiten?« Jess grinste dünn. »So was gibt es doch in einem Land wohl nicht, in dem alle von Freiheit reden.«

»Lass die blöden Sprüche!« Der Wächter ließ den Zügel los. »Hast du einen Reiter getroffen?«

»Nein, tut mir leid.«

Der Mann trat zur Seite. »Na bitte, wenn du dir Elk Town ansehen willst, dann lass dich nicht daran hindern. Wenn du dir allerdings einbilden solltest, du könntest hier auf eigene Faust was werden, hast du dich in den Finger geschnitten. Es ist dummes Zeug, was mitunter in Elk Town erzählt wird.«

Jess beugte sich etwas nach unten. »Ich verstehe nicht. Ich denke, hier kann man Land kaufen und siedeln?«

»Ja, das kannst du. Aber reich geworden ist nur Dobbs bisher. Wer hier ein paar Dollars verdienen will, muss deswegen für Dobbs arbeiten. Aber der hat schon genug Leute.«

»Ach so ist das.« Jess setzte sich gerade.

»Ja, so, Mister. Besser, du weißt es gleich. Noch kannst du deinen Gaul herumdrehen und verschwinden.«

»Dafür bin ich heute entschieden zu weit geritten.«

Jess tippte an den Rand seines flachen Hutes und trieb den Hengst an. Er ritt an den kümmerlichen Bretterbuden vorbei und erreichte den Saloon, jenes an eine aufgerichtete Kiste erinnernde Gebäude, das unten insgesamt vier Fenster und die Schwingtür aufwies und oben fünf. Und aus allen fiel Lichtschein. Im Saloon sang ein Mädchen mit heiserer Stimme. Rauchschwaden zogen über den Schwingflügeln wie aus einer Esse ins Freie.

Der Gesang brach ab. Männer johlten, klatschten und trampelten mit derben Stiefeln auf die Bretter. Jess sah durch eins der Fenster, wie Geldstücke auf eine kleine Bühne geworfen wurden, auf dem ein weißblondes Mädchen in einem dünnen, schwarzen Flitterkleid stand, auf das silberne Pappsterne genäht waren.

»Weitermachen!«, schrie eine keifende Stimme.

Der Münzregen versiegte.

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