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Salpeterwelten

Gerd Maximovic

Salpeterwelten

Cassiopeiapress Science Fiction/ Edition Bärenklau





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

SALPETERWELTEN

Novelle

Band 5

von Gerd Maximovic

 

 

IN ALTER RECHTSCHREIBUNG

 

© dieser Digitalausgabe by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

SALPETERWELTEN, NOVELLE (Band 5) by Gerd Maximovič 2014

Cover: Steve Mayer

 

Der Umfang dieses Ebook entspricht 48 Taschenbuchseiten.

 

Und tatsächlich, während er Messer und Gabel sinken ließ, hörte er den Frost in der Tiefe krachen. Schneegestöber wälzte sich durch das Zimmer. Novitzki gefror an seinem Tische, als der Fußboden glitzernd von unten nach oben zuwuchs. Die Anrichte war jetzt ganz weiß, und der Truthahn lag gläsern auf der Schüssel.

Als der Kommandant der Bellophorn die Erforschung eines interessanten Planeten befiehlt, deren Minerale viel versprechend erscheinen, weiß er noch nicht um die Rätsel die sich vor ihm und seiner Mannschaft auftürmen werden.

 

Die Edition Bärenklau bietet in mehreren Bänden die Möglichkeit für den eBook-Leser das breite Schaffen des Autors wiederzuentdecken. In seinen Novellen und Erzählungen spannt sich der Bogen von der ausgebeuteten Erde in den nahen Weltraum, bis in die unendlichen Weltraumtiefen.

 

 

Zuerst sah Novitzki Karin nur wie durch einen Schleier. Es war, als wäre eine blau flimmernde Barriere zwischen ihr und ihm errichtet, eine fast unsichtbare Schranke, durch die sie nicht zueinander gelangen konnten. Einmal, als er seine Hände nach ihr ausstreckte, begann das Bollwerk hell zu glühen, und Funken flogen weiß wie Schaumkronen nach draußen und in seinen Käfig.

Dann wieder sah er sich mit ihr an einem Tisch sitzen. Sie speisten. Auf dem Tuch lagen Servietten. Es gab Truthahn. Er war in Feststimmung, und er mußte denken, daß eigentlich nun vor dem Fenster weiße Flocken niederfallen müßten, das vor der Kälte, die draußen herrschte, dicht geschlossen war. Die Kerzen brannten flackernd. Eine war erloschen, und ihr herber Geruch zog wohlig in seine Nase.

Es scheint, daß wir aus den Erinnerungen unserer Kindheit oder Jugend - aus den angenehmen und den erfreulichen Dingen - dann, wenn die Situation uns fordert, zu uns kommen können. Auch der Truthahn schmeckte jetzt eigentlich mehr wie die Kartoffeln, die er so gern in seinem Elternhaus gegessen hatte. Verstohlen betrachtete er ihr Gesicht, und es stach in seinem Herzen, als er ihre Schönheit bemerkte.

An der Wand hing ein Kalender, den er direkt hinter ihrem Körper bemerkte. Wie aus dem Nichts kam ihm der Name des Malers, von dem all die Monatsblätter stammten, in Erinnerung: Caspar David Friedrich. Er bekam aber Angst, als er das Dezemberbild mit seinen treibenden, schroffen Eisschollen, mit seinen wuchtigen, kantigen Schneeabbrüchen und mit seiner weiß und blau glitzernden Landschaft näher studierte.

Ihm war, als ob er mit einem Mal in diese Szene versetzt wäre. Und tatsächlich, während er Messer und Gabel sinken ließ, hörte er den Frost in der Tiefe krachen. Schneegestöber wälzte sich durch das Zimmer. Novitzki gefror an seinem Tische, als der Fußboden glitzernd von unten nach oben zuwuchs. Die Anrichte war jetzt ganz weiß, und der Truthahn lag gläsern auf der Schüssel.

Sie hatte ihn mit einem raschen Blick angesehen. Eine Träne schimmerte in ihrem Augenwinkel.

"Paul“, sagte sie ruhig, „nimm Dich zusammen."

Das Eis begann zu schmelzen. Die Worte hatten ihn irgendwo im Inneren getroffen.

„Karin?" stammelte er fast hilflos und langsam, als hätte er Mühe, ihren Namen zu formulieren.

Sanft kam ihre Stimme: "Ich bin ja bei Dir.“

 

Hinter dem blauen Schleier gingen weiße Schatten. Sie hielten Geräte in den Händen. Einer trat durch den Vorhang und öffnete Novitzkis Augen und ließ einen gelben, freundlichen Lichtstrahl durch die Iris fallen. Er murmelte etwas von einer Färbung. Er wäre noch nicht ganz zufrieden. Die Netzhaut oder etwas Ähnliches schien ihm nicht zu gefallen.

"Sagen Sie einmal ‚Ah‘", brummte er, und Novitzki zeigte seine Zunge.

„Wie lange“, wollte Karin hinter dem Vorhang wissen, „wird er noch brauchen?“

"Schwer zu schätzen", antwortete der Mann im weißen Kittel mit dem langen Gesicht. "Es wird besser. Ich glaube, daß wir ihn durchbringen werden.“

„Wird er wieder so wie früher?"

„Ich denke schon, daß wir ihn völlig entsalzen können."

Salz - als er das sagte, begann Novitzki zu klumpen oder versuchte es, aber das waren nur die Muskeln, die verkrampften. Er schrie auf, als sich seine Sehnen wie Stahl zusammenzogen.

"Ist ja schon gut“, eröffnete der im weißen Kittel und spritzte ein schmerzlösendes Mittel.

Dieses entfernte Novitzkis Ich von seinem Körper - weit hinaus in den Weltraum, unter die silbernen Sterne, zu der Spell-Sonne, am Rande der Galaxis, wo das Leben so ruhig und friedlich, ohne Aufregung und Spannung, ohne Mühe und Qual abläuft, wo die Kristalle blitzen und wo wir unsere Bestimmung wie selbstverständlich finden.

"Er schläft", sagte Karin.

Der Arzt knurrte ein wenig unwirsch, indem er auf das Ungeheuer starrte: "Ja, lassen wir ihn schlafen.“

 

Paul Novitzki hatte von sich immer gedacht, daß er etwas besonderes wäre. Dies ist verständlich, wenn man die Vielfalt der Welt betrachtet, die mannigfachen Einflüsse, das Auf-uns-Einströmen unzähliger Menschen, die uns in einer Großstadt etwa während der Stoßzeit begegnen. Jedes Bewußtsein nährt sich aus dem andern. Wir durchkreuzen gegenseitig unsere Pläne. Hebe ich den anderen, so sinke ich selber. Mein Ich kann also nur bestehen, wenn ich wie die übrigen trample.

So hatte sich denn auch Paul Novitzki jene kleine Nische, in der er sein Ich aufzubewahren pflegte, erhalten. Er sprach selten darüber, und wenn, dann nur zu Leuten, die er nur flüchtig kannte, etwa in Kneipen, zu Leuten also, die ihm beruflich und in anderer Hinsicht nicht gefährlich werden konnten. Er war wie ein Leuchtturm, dessen Licht immer um diese eine Nabe kreiste, und gerade deswegen, weil er so dachte, kam er - etwas - weiter als andere.

Er war erst zu einem der zahlreichen Raum-Leutnants aufgestiegen und schaffte es nach drei Jahren Ausbildung und Schreibtischtätigkeit, das Kommando über ein Forschungsraumschiff, den BELLOROPHON, zu übernehmen. Nacheinander hatte er drei Reisen durchgeführt, die erfolgreich verliefen und die dazu beitrugen, daß die Menschheit ihr Bild von ihrer Stellung im Kosmos zwar nicht besonders, doch in Sekundärfragen erweitern konnte. Was ihn dabei anspornte, war seinen Auftraggebern nicht erheblich; wichtig war nur sein Funktionieren. Es ist ja manchmal erstaunlich, welche psychologischen Faktoren bedeutende Menschen antreiben.

 

Es war, als ob er die Annäherung an Spell VII, einen Planeten in den Außenbezirken der Milchstraße, der die Sonne gleichen Namens umkreiste, ahnen würde. Bevor noch Radukanu, der Kartograf, die Existenz von Himmelskörpern um Spell bestätigte, hatte eine unbestimmte Unruhe Novitzki ergriffen. Erst erfand er vor sich selber Gott weiß welchen Vorwand, daß er sich - wie in seinen Kindertagen - nicht zur Bettruhe begeben mußte, dann aber, endlich eingeschlafen, begann er zu träumen.

M

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