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Sally Strass kämpft gegen das Böse

Sally Strass kämpft gegen das Böse

Fred Breinersdorfer

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Sally Strass kämpft gegen das Böse | Gesamtband Sally Strass 1 und 2 | Fred Breinersdorfer

Klappentext:

1. Sally und der tote Lächler

2. Tote verschwinden nicht

3. Rendezvous mit Killern

4. Der geheimnisvolle Brief

5. Margaritas und der Mississippimond

6.1. Alternative 1: Bob ist tot – Die Voodookönigin

6.2. Alternative 2: Bob lebt – Die Voodookönigin

7. Das Geheimnis des Mr. X

8. Knast für Sally?

9. Psychotrip im 38. Stock

10. Sally auf der Flucht

11. Die schlimme Stewardess

12. Die Entführung

13. Mord in der Christnacht

14. Ein Kaiserwalzer für Sally

15. Der melancholische Milliardär

16. ...arschel brennt.

17. Die geheimnisvolle Dicke

18. Sally fällt der Himmel vor die Füße

19. Das Geheimnis der Tagebücher

20. Ein russischer James Bond versagt

21. Tote essen nichts

22. Rendezvous in der Lubjanka

23. Der geheime Geheimcode

24. Todesschreie in Moskau

25. Drei elektrische Stühle

26. Die Ratten des Dr. Mabuse

27. Siebzehn Tage bis Moskau

28. Des Rätsels Lösung

29. Luger, Goethe, Osterei

30. Der Auftrag des Samurai

31. Der blonde Lockvogel

32. Sally in ewiger Finsternis

33. Die Augen des Todes

34. Der höllische Mick und die Blondinen

35. Sallys geheimste Wünsche

36. Überfall im rosa Bad

37. Die Herrscherin der Unterwelt

38. KILLERASSEL

39. NARCOTIC greift an

40. Sallys Finale

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About the Publisher

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Klappentext:

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Sally ist Privatdetektivin, Allwetterjägerin und Mehrzweckwaffe gegen Mörder und Halunken, eine clevere, freche, eins siebzig große, mal rote, mal brünette oder blonde, sprint- und trinkfreudige Mittzwanzigerin, mit einer Vorliebe für Margaritas, die ihr so manche wichtige Information einbrachte.

Sally erzählt Stories, die ihr Leben schreibt; abenteuerlich, geheimnisvoll, lebensbedrohlich und manchmal auch mit ein wenig Humor.

Sie berichtet unter anderem von toten Lächlern, wie ihr der Himmel vor die Füße fällt und auch von ihrer Bekanntschaft mit Dr. Mabuse und seinen Ratten, wie sie in die ewige Finsternis gerät und in die Augen des Todes blickt ...

Immer mit dem Ziel, das Böse zu besiegen und am Ende auch noch zu überleben ...

***

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1. Sally und der tote Lächler

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Als ich ins Zimmer trat, fand ich, dass der Mann einen zufriedenen Eindruck machte. Tierisch zufrieden. Ein mildes Lächeln lag auf seinen Zügen, beleuchtet von der tiefstehenden Septembersonne, die exklusiv für Zimmer 638 des Vier-Jahreszeiten zu scheinen schien. In Schlips, Kragen und Anzug kuschelte er im Komfortdoppelbett, hatte ein putziges Tierchen im Arm, ein Nashorn in Lilapink. Dieser Mann hatte anscheinend keine Probleme, außer dass er tot war.

Das Zimmermädchen stand in der Badtür. Nerven hatte die! Findet einen toten Mann im Bett, kreischt nicht, sondern ruft sofort den Mann fürs Grobe. Mich. Genauer gesagt bin ich gar kein Mann, sondern eine Lady. Das mit dem Groben stimmt allerdings. Mein Fach ist die Sicherheit. Mein Boss ist jeder, der sich eine Frau mit scharfem Geist, scharfen Instinkten, scharfen Krallen und Kurven leisten kann, in diesen Tagen eine Hotelkette. Hotelketten haben immer Angst vor Überfällen und Reinfällen aller Art. Deswegen waren seit drei Wochen mein Büro die Flure und Katakomben des Vier-Jahreszeiten.

„Nicht anrühren“, sagte das Zimmermädchen. Ihr Stimmchen flatterte. Doch Nerven? Ich sah mich um, sie war auf einmal lautlos verschwunden. Okay. Und der Tote? Er lag immer noch auf der Seite und lächelte glücklich wie die unbekannte Tote aus der Seine, deren Antlitz froher die Wohnzimmer in Frankreich zierte.

Ich wog gerade das merkwürdig schwere lilapinke Nashorn in meiner Hand, als die Sonne unterging. Das Zimmer wirkte jetzt bleigrau. Wie ein Schattenriss stand plötzlich Ray Renato in der Tür zum erleuchteten Hotelflur. Ray war der Manager des Vier-Jahreszeiten, einer der seifigsten Männer, die ich kenne. Groß, blondiert wie Nat Finkelstein und seifig. Ich hörte ihn verbindlich nuscheln: „Sally, bitte keine Polizei.“

„Das geht aber nicht anders“, widersprach ich.

„Biiiitte, Sally“, beschwor er mich, „der Ruf unseres Hauses! Wir tun ihn in den Sondermüll.“

„Das geht schon gar nicht.“ In Umweltfragen bin ich rigoros. Ich sagte: „Ich rufe den diskretesten Cop der Stadt.“

Renato grinste säuerlich. „Wer hat eigentlich das Zimmer gebucht?“, hakte ich nach.

Rays Silhouette zog sich zusammen, als hätte er plötzlich Magenschmerzen. „Niemand.“

Ich bohrte weiter: „Wir haben doch die Herren von der obskuren Valentinsgesellschaft im Hause?“

„Ein ganz normales Meeting“, seifte die Silhouette von Ray, „das Hotel kann sich die Gäste nicht aussuchen. Und beim Personal sind, die Herren wegen der Trinkgelder beliebt.“ Ich musste an „Manche mögen’s heiß“ und den Club denken, der am Valentinstag 1922 in Chicago ein Massaker angerichtet hatte.

Doch Ray quengelte: „Bitte keine Polizei, äh, wenn es eine Frage Ihrer Honorierung wäre, Sally, dann glaube ich ...“

Er trat endlich ins Zimmer, Licht flackerte auf. Roys Teddyface lag in Sorgenfalten und der tote Lächler hatte nun tiefe Rillen von der unvorteilhaften Beleuchtung im Gesicht. Ich hasse den Tod, deswegen lasse ich auch seine Produkte in Frieden. Das lilapinke Nashorn im Arm, zog ich mich zurück und stöckelte hinaus, um mit dem Cop Otto Seeler zu telefonieren.

Ehrlich gesagt, so richtig diskret ist keiner von den Cops. Die meisten reden für meinen Geschmack zu viel mit der Staatsanwaltschaft. Aber auf Otto kann man sich einigermaßen verlassen. Wenn man ihn anruft, kommt er sogar innerhalb der ersten vier Stunden – zumindest wenn eine unidentifizierte Leiche gefunden wird.

Dann ging ich in die Bar, um das lilapinke Nashorn auf den Tresen zu setzen und einen Margarita zu trinken. Manche halten es für falsch, dass Frauen in meinem Job Margaritas trinken, aber ich denke, dass frau in der Sicherheitsbranche nur dann eine Achtung genießt, wenn frau auch was verträgt. Und außerdem macht es Sally Strass gelegentlich mal Spaß, einen Kerl unter den Tresen zu saufen.

Mein Opfer war dieses Mal ein Salesman von der Computerfirma mit dem drei-Fruchtsymbol. Der Junge hielt nichts aus. Die Rechner seiner Firma sind auch nicht das, was sie zu sein vorgeben. Enttäuschend. Deswegen war ich fast noch völlig nüchtern, als Otto endlich kam und seine gewienerten Cowboystiefel durch die Drehtür schob und „Buona Sera“ murmelte.

Der Nachtportier grüßte mit einem tiefen Diener, und ich fragte mich, woher ein Nachtportier in einem Weltklassehotel einen Cop in Zivil kennt. Seeler und ich traten zum Aufzug. Aus dem Lautsprecher rieselte der Soundtrack von „The Good, The Bad, The Ugly“. Ich bemerkte, wie Ottos Schultern sich strafften. Etwa dreißig Mann von der Spurensicherung trampelten hinter ihm in die Halle. Ich zog meine Magnetkarte durch und ließ uns mit der verglasten Aufzugskuppel an der Außenseite des Hotels hinauf in den sechsten Stock schweben.

Als ich Zimmer 638 öffnete, schlug mir ein leichter Duft entgegen. Ein Duft, wie er nicht zu einem Toten passt. Ein Hauch, der vorher nicht zu riechen war, eine Spur von „Las Vegas“, Aftershave. Aftershave um 23 Uhr 24 an einem Samstagabend? Otto werkelte sich Gummihandschuhe über die Wurstfinger und suchte nach dem Lichtschalter. Ich sah schon im Flackern der Neonreklamen vom Dach gegenüber, dass der tote Mann verschwunden war. Das Licht flammte auf. Es beleuchtete gelb die makellose Einrichtung eines der vielen Komfortzimmer, wie sie das Vier Jahreszeiten für einen halben Tausender zu Messezeiten pro Nase und Nacht vermietet – nicht mehr und nicht weniger.

Der tote Lächler hatte sich in Luft aufgelöst. Instinktiv presste ich das lilapinke Nashorn an mich. „Höhö, wohl das Zämmer verwächselt“, höhnte Otto, der Cop, von hinten. Ich doch nicht!

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2. Tote verschwinden nicht

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Ich saß bei Meier im Souterrainbüro und fluchte auf den großen Unbekannten: Einer professionellen Schnüfflerin eine Leiche praktisch unter dem knackigen Popo wegzumanipulieren, war ein starkes Stück. Jedenfalls war der tote Lächler wie weggepustet. Kein Stäubchen in dem ganzen großen Hotel, wo er sein irdisches Dasein beschlossen hatte, wies mehr auf ihn hin.

„Darling“ hatte Seeler, der Cop am mutmaßlichen Tatort gehöhnt, bevor er ging: „Där Simpson zahlt Millionen, wenn do soine Frau und den toten Macker noch schnell verschwänden lässt. Höhöhö. Aufärstanden von dän Toten!“

Ich räsonierte über die Borniertheit von Cops, doch Meier, mein schäbiger Jobvermittler, ging nicht darauf ein.

„Das willst du bei einem toten Mann in einem Hotel gefunden haben“, brummelte Meier und beugte sich über das mit wissenschaftlicher Präzision zerlegte lilapinke Nilpferd, „einem Toten, der verschwunden ist? Du säufst zu viel, Sally Strass.“ Herzlos, wie er war, fragte er zynisch nach meinen Leberwerten.

Doch ich konnte ihn beruhigen, ich habe sie seit zwei Jahren nicht mehr nachprüfen lassen. „Und außerdem trinke ich nur Margaritas.“ Weil Meier skeptisch guckte, fügte ich hinzu: „Ich habe keine Halluzinationen.“ Meier hatte jetzt das gewichtige Herz des lilapinken Nashorns freigelegt. Er legte die Hände um den Klumpen. „Fühlt sich warm an, ist irre schwer, bleigraumetallic, dichte Plastikfolie“, diagnostizierte er. „Waffentaugliches Plutonium“, stellte er fest und grinste übers ganze Gesicht, dass man die makellose Perlenreihe seiner Zähne sehen konnte. Ich federte geschmeidig zurück, wie alle Securityleute geschmeidig zurückfedern, wenn sie in die Nähe von waffenfähigem Plutonium kommen.

Meier lachte, dass ihm die Prothese beinahe aus dem Kiefer fiel, schüttelte seine grauen Albert-Einstein-Haare und gackerte: „So wie es hier liegt, ist das Zeug, ungefährlich. Bloß darf man nicht mehr als drei Kilo auf einmal lagern, dann gibt’s ’ne ungemein dreckige Nuklearexplosion.“

„Aber die Strahlung?“, fragte ich und dachte mit Grausen daran, dass durch das Zeug noch ganz andere Werte im Körper einer jungen Frau durcheinandergeraten können als die Leberwerte.

„Ungefährlich, Alphastrahler, durch diesen Plastikpack dringt nichts.“ Meier tätschelte den versiegelten Metallklumpen und setzte seine Lesebrille auf die Nasenspitze. „Bloß einatmen darf man kein Milligramm, so giftig ist das Zeug.“ Instinktiv tastete ich nach dem Spitzentaschentuch aus der Aussteuer meiner Mutter, in das ich normalerweise meine Luger eingewickelt habe.

Respektvoll nahm Meier das tote lilapinke Kuscheltier samt Plutoniuminhalt und versenkte es in einen Plastiksack, den er vorsichtshalber sorgfältig verschweißte. Ich musste spontan an kleine, zugeknöpfte Herren aus Nordkorea oder dicke, wodkaselige Russen denken, und Meier sprach über das Geld, das in dieser Branche in letzter Zeit umgesetzt wird.

„Mensch Meier“, sagte ich, „und wir mittendrin.“

„Alles Klischees aus den Zeitungen“, sprach Meier und rollte die Augen und fuhr bedeutungsschwanger fort: „Dr. Mabuse junior.“ Nun musste ich sphinxhaft lächeln, was, nebenbei bemerkt, Männer besonders an mir mögen. Meiers Wahnvorstellung: Hinter jedem Strafzettel und hinter jeder Großgaunerei steckt Dr. Mabuse junior.

Da flog die Tür zu Meiers unaufgeräumtem Souterrainbüro auf, ein Mann mit einer Barak Obama-Maske vor dem Gesicht und einer Pumpgun in der Hand krächzte: „Gestatten, ’erbert Mabüs’ jünjör ’er mit mein lilarosé Nilfärd!“

Was dieser Mann sagte, klang sehr Französisch. Für mich als Detektivin mit klar geordneten, gesunden Instinkten war ziemlich eindeutig, dass der Typ mit Pumpgun und Barak Obama-Maske uns irgendwie dieses Plutonium-Teil streitig machen wollte. Denn Mabuse wirkte derart unsensibel, dass ich nicht glauben konnte, dass es ihm wirklich um das Kuscheltierchen ging. Da musste mehr dahinter stecken.

Ich riss meine Luger hoch. Die Luger sprach ein gewichtiges Wort. Meine Luger spie Feuer auf die Pumpgun in der Hand des Mannes, der Meier und mich gerade um einen Klumpen waffentaugliches Plutonium erleichtern wollte. Meier fetzte unter den Tisch. Ich sah rote Blitze in der Mündung der Pumpgun aufflackern.

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3. Rendezvous mit Killern

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Dank der Argumente meiner Kanone verhielt sich der Typ wie ein guter Verlierer am Ende eines guten Films, wenn das Recht siegt: Er riss die Arme nach oben und stammelte mit seinem französischen Akzent die Worte „’alt, nischt mehr schießen.“

Meier, mein Arbeitsvermittler, kroch unter dem Tisch hervor, griff sich das eingeschweißte Plutonium und überprüfte routinemäßig den Sitz seiner Zahnprothese. Er war aufgebracht: „Was fällt Ihnen ein, Herr ...“, während ich dem Kerl die Faschingsmaske vom Gesicht riss. „Sieh an, der tote Lächler“, sagte ich mit meiner tiefen, vom Rauchen etwas rauen Stimme. „Erst tot im Hotel liegen und dann wiederauferstehen und sofort gewalttätig werden“, setzte Meier tadelnd hinzu.

Meier suchte seine Brille. Meier sucht immer irgendetwas. Ich trat an den Grinsemann heran und leerte seine Taschen. Das war nicht einfach, denn der Kerl war kitzlig. Mabuse hatte sich einen Pass auf den Namen Olaf Jørgen Hamarsund ausstellen lassen, Hamarsund aus Marseille. Französischer Pass. Im Übrigen war er sauber und verweigerte die Aussage.

Endlich: Meier tauschte seine Lesebrille gegen ein enormes Instrument von Sehhilfe, das er von einem Kumpel, der prima sieht, auf Kassenrechnung bezieht, und starrte den Lächler an, dann lachte Meier wie ein Operettenbuffo und stellte fest: „Dieser Mann ist ein Betrüger. Nie und nimmer ist das Dr. Mabuse junior.“ „Doch“, sagte der Lächler und lächelte.

Ich gebe prinzipiell nichts auf Meiers Rechthaberei. Deswegen machte ich kurzen Prozess, drehte Hamarsund alias Mabuse junior. der Arm auf den Rücken, schob ihn vor mir her die Souterraintreppe hinauf und bugsierte ihn sicherheitshalber in den Kofferraum meines alten Porschecabrios. Der Junge musste sich schon falten. Meier ließ sich mit dem Plutonium im Plastikumschlag neben mich ins Auto plumpsen und faselte vom Irrenhaus, in das der junge Mabuse normalerweise gehört. Ich startete, gab Gas und fuhr Richtung Polizei. Den Bullen kann man zwar nicht trauen, aber man hat die Verantwortung los, wenn ein Protokoll unterschrieben ist.

Ich fuhr zügig, kam auf die Autobahn. Die kalte Luft prasselte uns um die Ohren und mir übers Dekolleté. Ich schließe das Dach aber erst bei null Grad. Einige Minuten später: Mabuse klapperte rhythmisch unter dem Kofferraumdeckel. „Was er uns sagen will?“, brüllte Meier mir ins Ohr und hustete von der Anstrengung. „Ihm ist zu wohl“, brüllte ich zurück. „Nein, das sind Morsezeichen“, schrie der Meister. „Nur ein Trick, er will uns aufs Kreuz legen“, gab ich zu bedenken. „Wie denn, du hast ihn doch durchsucht“, Meier war hartnäckig. Okay, ich bremste den Boliden von 240 runter und suchte einen Parkplatz, öffnete den Kofferraum und sagte etwas Freundliches zu Mabuse, der sich ächzend auseinanderfaltete.

Die Oktobersonne funkelte. Autofahrer ließen ihre Kinder in den Wald pinkeln. Ein Bus frommer Jungwähler-Innen übte in einem Bus unter der Anleitung eines Pastors Stimmzettelausfüllen, bevor sie zu einem Wahllokal gekarrt werden sollten. Keiner kümmerte sich um uns. „D’accord, machen wir ’albe-’albe, meine ’intermänner töten euch sonst“, japste der Lächler.

Mir schien, als würde er den Tag nicht sehr genießen. Meier und ich lehnen grundsätzlich Geschäfte mit Ganoven ab, jedenfalls meistens. „Wenn überhaupt, dann geht’s durch drei“, knurrte Meier. „Wer sind deine Auftraggeber, Lächler?“, fragte ich und schob ihm meine Luger zwischen die Rippen. Erschrocken stieß der Franzose mit dem norwegischen Namen die Hände noch höher in die Luft.

„Doktör Mabüs’, wer sonst?“, sagte Hamarsund. Na, das soll er einer Dame erzählen, die die Hose mit der Beißzange zumacht. Ich lächelte shpinxhaft. „Langsam glaube ich nichts mehr“, sagte ich zu dem Typ.

Meier begann mit den Absätzen seiner Birkenstocksandalen auf den Zehenspitzen des Lächlers herumzutrampeln. Der versuchte auszuweichen. Es sah aus, als tanzten die beiden zwischen welken Blättern Boogie. Meier tat das natürlich nur, um den Lächler zu foltern, er schrie: „Mabuse braucht das Plutonium für die Weltherrschaft, gib’s zu!“ Die Stimmzettelausfüller-Innen blickte irritiert herüber, ihr Pastor stieg auf Zehenspitzen aus dem Bus. Der Lächler stöhnte: „Mabüs’ will nicht die Welt’errschaft.“ Ach du liebe Zeit, da musste Meier aber lachen; wenn Meier an was glaubte, dann daran, dass Mabuse die Weltherrschaft will.

Meier trampelte noch heftiger und verlangte nach Wahrheit. Sein Opfer jaulte: „Mabüs’ ist früstriert. Die Menschen verdienen nicht, von Mabüs’ regiert zu werden, sagt er, deswegen will er uns vergiften. Alle!“, gestand der Lächler. Der Pastor vom Autobus trat zu uns und sagte tadelnd: „Wie undemokratisch. Und das am Wahlsonntag!“

„Er meint’s nicht ernst“, sagte ich zu dem geistlichen Herrn und bohrte meinen Zeigefinger beziehungsreich in die Schläfe. Der Pastor glaubte mir nicht, ließ uns aber in Ruhe und ging wieder zurück zu seinen Schäfchen.

Meier hatte sich inzwischen mehrfach selber auf die Zehen getreten. Er hörte auf, den Lächler zu malträtieren, und fragte: „Wie viel hat er dir für das Plutonium versprochen?“ „Zehn Millionen.“ Alle Achtung. Das liegt weit über meinem Tagessatz, dachte ich und rechnete mir aus, wie viel Margaritas man für so eine Summe trinken kann. „Wir holen uns das Geld von Mabuse, und das Plutonium geben wir einfach bei der Polizei ab“, plante Meier laut. Ich nickte, weil ich gerade festgestellt hatte, dass zehn Millionen Euro genau 1.176.470,5882 Margaritas, das Stück zu 8 Euro 50, ergeben.

Das schnappende Geräusch von mehreren Gewehrverschlüssen zeigte mir aber, dass momentan etwas ganz anderes auf der Tagesordnung stand als Margaritas. Ich ließ die Luger fallen und drehte mich um. Überall aus den Büschen am Parkplatzrand starrten mich Gewehrläufe an. Der Pastor und seine frommen Jungwähler-Innen sahen jetzt interessiert herüber, während sie Sandwichs verdrückten.

„Bitte, Herr Meier, hätten Sie die Güte, mir das lilapinke Nashorn zu reichen – nebst Inhalt“, sagte eine ungemütliche Frauenstimme aus den Büschen.

„Nein“, sagte ich.

Oder doch? Wer ist die unbekannte Fremde? Darf man ihr trauen? Stirbt Meier oder Mabuse? Und wer ist Dr. Mabuse junior wirklich?

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4. Der geheimnisvolle Brief

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Örkhörk“, lachte der Cop, als ich den Diebstahl von einem Kilo waffenfähigen Plutonium zur Anzeige brachte und zugeben musste, dass der tote Lächler, den wir im Hotel gefunden hatten, wiederauferstanden war. Bloß nicht von den Toten. Ich hatte den Cop, weil der Dienst eines Kripobeamten erst um neun Uhr morgens beginnt, an der Pilstheke draußen am Flughafen, gegenüber der Frequent-Traveller-Lounge aufgetrieben. Seeler steht jeden Morgen dort und bekämpft sein Fernweh mit Pils.

„Und jötzt?“, fragte Seeler. „Taucht die Kleinigkeit von einem Kilo waffenfähigem Plutonium auch wieder auf?“ Ich schüttelte meine Mähne und bestellte einen Margarita. „Ich habe mir alle Mühe gegeben, das Zeug zu verteidigen, aber sie waren zu fünft.“ Seeler nickte. Ich sagte: „Freu dich, dass ich euch den jungen Mabuse gratis und franco geliefert habe.“

Dieser Mann mit französischem Pass hatte als Erster versucht, mir das Plutonium abzunehmen. Seeler süffelte an seinem Pils, legte mir kollegial die Hand auf die Hüfte und grinste. „Nur Scheiße, dass das einer von uns ist.“ „Ich rieche euch Bullen wie ’ne Frittenbude auf dreißig Meter“, sagte ich, und, Herrschaften, das ist nicht übertrieben.

„Er hat so ein bezauberndes Lächeln“, fast kam ich ins Schwärmen. „Die Grinse öst nöcht ächt“, sagte Seeler. „Das ’ne Verlötzung aus’m Golfkrieg.“ Er kippte beinahe um vor Lachen. „Wer selbst einen so tierischen Sprachfehler hat, soll ja nicht über andere lästern“, sagte ich philanthropisch. Von da an wurde Seeler kleinlich, redete über Formularkram und förmliche Ermittlungsverfahren und ich kriegte nur mühsam die Kurve zurück zum unfreiwilligen Lächler.

„Der öst von Eurobull, Straßburg. Sucht schon soit zwoi Monaten nöch insgesamt vier Kilo waffenfähigem Plutonium. Hat ein Kilo im Vier Jahreszeiten der Valentinsgesellschaft abgenommen, die äs nach Nordkorea lüfern wollten.“ Seeler schnäuzte sich in ein riesiges rotkariertes betttuchähnliches Teil, sprach nebenbei über die Pollenflugvorhersage, dann starrte er mich mit seinen wässrigen Augen an: „Wönn du nächt dazwäschen gekommen wärst, Sally Straps“, ihm entfloh ein Bäuerchen, was er mit einem leisen „hupsala“ quittierte, „wäre das Kilo Plutonium schon über die gesperrte Autobahn auf dem Weg nach La Hague.“ „Das’n Ding“, stellte ich fest. „Sauf nicht so viel“, riet Seeler und goss den Rest seines Morgenpilses runter.

Ich starrte ihm hinterher, wie er mit seinen gewienerten Cowboystiefeln zum Lift stakte. Es war fünf vor neun. Ein Mädchen wie ich lässt sich nicht sagen, dass es zu viel trinkt, schon gar nicht von einem Alkoholiker. Dann schon eher von einem netten Herrn um die fünfundvierzig, graumeliert, leicht bauchige Statur der Erfolgreichen, gepflegtes Businessdress, anständige Manieren, wozu beispielsweise gehört; eine junge Dame nicht ohne zu fragen zu duzen. Von dieser Sorte sah ich hier einige herumrennen. Aber ich merkte, dass sie leider nur Zahlen im Kopf hatten.

Ein schlechter Tag hatte begonnen. Der Gestank von vergorenem Sauerkraut zog übers Land. Draußen starteten die Jets mit Männern mit Zahlen im Kopf und wühlten sich durch die Wolken. Wäre da nicht der kleine türkische Junge gewesen, der mich gefragt hätte, ob ich Sally Strass bin, ich wäre melancholisch geworden und hätte bei Dr. Mabuse junior. ein Appartement in einer Klinik für Gemütskranke gebucht. Kleine Jungs muntern mich immer auf, weil ich auch mal so einen will, bloß später. Der Türkenjunge hatte einen Briefumschlag dabei und sagte: „I han was für di, Sally“, dann stellte er sich auf die Zehenspitzen und schubste den Brief auf den Tresen. Ich gab ihm fünf Euro und sah ihm hinterher, wie er zur Rolltreppe hüpfte, wie Knirpse auf der ganzen Welt hüpfen.

Das war ein Geschäftsbrief, den ich zugestellt bekommen hatte. Geschäftsbriefe in meiner Branche sind meistens kurz und stammen von einem, der es gut mit dem Empfänger meint. Dieses Schreiben enthielt einen Hinweis auf das Plutonium und die Adresse eines Hotels im French Quarter in New Orleans. Sally begann zu träumen. Mississippidelta, Voodoo, Blues, Baumwollfelder. „Oh Mann“, entfuhr es mir.

„Ja bitte“, sagte ein Mittvierziger, der sich unbemerkt auf Seelers Barhocker gesetzt hatte und einen Kaffee trank. Ich erkannte sofort, dass dieser Mann keine Zahlen im Kopf hatte, sondern Träume. Dann erfuhr ich noch, dass er Künstler war, seinen Flug nach Düsseldorf versäumt hatte und drei verdammt schlechte Ehen hinter sich. Sein Name sagte mir auch irgendetwas. Er hatte Zeit, ich hatte Zeit. Wir sprachen über das Mississippidelta, Jambalaya, Blues und das lausige Bier, das sie auf der Burbonstreet ausschenken. Ich weiß, das ist genau der Typ von Mann, auf den ich immer wieder reinfalle. Und hätte er mir gesagt, dass er kein Mann für eine Nacht ist, sondern umkämpft sein will, ich hätte glatt zu kämpfen begonnen, obwohl ich auch weiß, dass Männer mit diesen Augen und den grauen Strähnchen in den Haaren immer nur den Körper eines Mädchens wollen und nicht ihr Herz und schon gar nicht einem Mädchen niedliche kleine Kerlchen schenken.

Deswegen sagte ich „Tschau Fremder“ und versuchte zu gucken wie Ingrid Bergmann in Casablanca, als ihr Flug aufgerufen wurde. Mein Blick misslang. Das Plutonium rief. Immerhin hatte ich eine Scharte auszuwetzen.

In Meiers Souterrainlabor stellte ich fest, dass der Geschäftsbrief auf Papier in amerikanischem Format und mit einer alten amerikanischen Remington getippt worden war. „Also echt“, nuschelte Meier und schob die Zahnprothese nachdenklich im Mund hin und her. „USA? Zu gefährlich. Da sitzen die Colts locker.“ Das war Meiers Enzyklopädie. Ich musste grinsen. Meier fuhr fort: „Es hat mich einer angerufen, der seinen Namen nicht nennen wollte, der war derselben Meinung.“

Wird Sally den Mississippimond sehen? Bricht dem Künstler aus Düsseldorf das Herz? Oder Sally? Wer schickte den kleinen Jungen mit dem geheimnisvollen Brief?

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5. Margaritas und der Mississippimond

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Ich saß im Patio eines alten Hotels in der Dauphine Street am Rande des French Quarters in New Orleans. Von der Terrasse wehte rabenschwarzer Blues herüber. Eine schwüle Nacht, schwül und feucht, wie ich manchmal träume. Über mir zitterte der Louisianamond, gelb und rund in der heißen Luft. Ich legte meine Gabel neben das halb aufgegessene Jambalaya und schlug meine langen Beine übereinander. Mein Gegenüber studierte den Anblick einer modernen Europäerin in engem Rock und tief ausgeschnittenem Body. Was ihm dabei wohl durch den Kopf ging? Er sah aus wie der junge Frank Sinatra. Klein, Hut, Anzug, Schlips und wahnsinnig polierte schwarze Schuhe und war Captain bei der US-Nuclear-Material-Controll-Authoritiy. Wir stießen an, er mit einem Diät-Coke und ich mit einem Margarita. Ich sah Frankie in seine stählernen blauen Augen, nahm ihm das Diät-Coke aus der Hand, goss es in den Pool und bestellte auch für ihn etwas Richtiges.

„Ma’am“,

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