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Sag Ja zu Lust und Liebe!

1. KAPITEL

„Schnell, Lou, ein umwerfender Typ, auf zwölf Uhr.“

Louisa DiMarcos Finger verharrten auf der Computertastatur, als sie das eindringliche Wispern ihrer Redaktionsassistentin Tracy vernahm.

„Ich muss heute diesen Artikel abliefern, Trace“, murmelte sie. „Und zufälligerweise nehme ich meine Arbeit sehr ernst.“

Louisa hatte schon immer eine professionelle Arbeitseinstellung gehabt. Sie gehörte zu den beliebtesten und respektiertesten Redakteurinnen des „Blush Magazines“. Und nur weil dieser Artikel über die Vor- und Nachteile von Brustvergrößerungen ihr Kopfschmerzen bereitete – was waren überhaupt die Vorteile? – würde sie sich nicht von Tracy ablenken lassen. Auch wenn diese meinte, gerade einen angeblichen Traumtypen entdeckt zu haben.

„Wir reden hier aber von wirklich umwerfend“, schwärmte Tracy. „Den willst du ganz sicher nicht verpassen!“ Louisa starrte weiter auf den Bildschirm und tippte. Ungefähr zwei Sekunden lang. „Also gut!“, stöhnte sie und speicherte den bisherigen Text ab. „Ein kurzer Blick. Aber der sollte sich besser lohnen!“

Sie spähte um den Computer herum, um einen besseren Blick auf das offene Großraumbüro zu haben. Jedoch rechnete sie fest damit, eher enttäuscht zu werden. Tracys Männergeschmack war in der Regel eine Katastrophe. „Also, wo soll der Adonis denn sein?“

„Da drüben.“ Tracy deutete auf das andere Ende des Raums. „Der Typ bei Piers“, flüsterte sie beinahe ehrfürchtig. „Ist er nicht umwerfend?“

Louisa schaute an den anderen Redakteurinnen vorbei, die an diesem letzten Freitag vor Druck der neuen Ausgabe hektisch an ihren Artikeln schrieben, und entdeckte zwei Männer, die mit dem Rücken zu ihnen am Empfangstisch standen.

Louisa blinzelte. Diesmal hatte Tracy nicht nur recht, sie hatte sogar noch untertrieben. Als offizielle Expertin in Sachen Traumtypen konnte nicht mal Louisa einen Makel an dem Mann finden. Aus dieser Entfernung schon mal gar nicht. Er war groß, dunkelhaarig und breitschultrig, und sein dunkelblauer Designeranzug wirkte äußerst elegant. Neben diesem beeindruckenden Fremden wirkte sogar ihr Chefredakteur Piers Parker, der sicherlich einsfünfundachtzig groß war, wie ein Zwerg.

„Na, was sagst du?“, fragte Tracy ungeduldig.

Louisa legte den Kopf leicht schräg, um einen noch besseren Blick zu bekommen. Selbst aus zwanzig Metern Entfernung wirkte der Mann faszinierend. „Nun, von hinten sieht er schon mal nicht schlecht aus“, erwiderte sie leise. „Aber ich muss erst sein Gesicht sehen, ehe ich ein abschließendes Urteil abgeben kann.“

Die Beine leicht gespreizt, schob der Fremde genau in diesem Augenblick die Hände in die Hosentaschen. Die Bewegung sorgte dafür, dass sich der edle Stoff um seinen äußerst knackigen Po spannte. Wenn er sich doch nur für einen Moment umdrehen würde …

Irgendetwas kam Louisa an dem Mann bekannt vor. Es war, als würde eine kurze Erinnerung aufblitzen, die sie jedoch nicht recht fassen konnte, während sie nachdenklich den Kugelschreiber an die Lippen legte und wartete. Na, immerhin war es besser, als sich mit Silikon-Implantaten zu beschäftigen.

„Vielleicht ist er der neue stellvertretende Chefredakteur?“, spekulierte Tracy hoffnungsvoll.

„Das bezweifle ich. Der Anzug, den er trägt, stammt aus der aktuellen Armani-Kollektion, und Piers kriecht ja beinahe vor ihm – das bedeutet, dass dieser Adonis entweder der Geschäftsführung angehört, oder er ist ein Spieler von Arsenal“, flüsterte Louisa zurück.

Bei dem athletischen Körperbau hätte es sie nicht überrascht, wäre der Mann tatsächlich Sportler. Dennoch konnte sie sich nicht vorstellen, dass ein Fußballer derart lässigelegant wirkte. Instinktiv fuhr sie sich mit der Hand durchs Haar. Du liebe Güte, sie hielt doch tatsächlich den Atem an! Es war so lange her, dass sie das Bedürfnis verspürt hatte, ein wenig zu flirten, dass sie das Gefühl schon fast gar nicht mehr kannte. Wann war sie das letzte Mal in Gegenwart eines Mannes so aufgeregt gewesen?

Ein Bild tauchte vor ihrem inneren Auge auf, das sie sofort verdrängte. Nicht daran denken. An jenem Tag musste sie kurzzeitig unzurechnungsfähig gewesen sein, aber immerhin war das jetzt mehr als drei Monate her. Zwölf Wochen, vier Tage und – sie rechnete schnell nach – sechzehn Stunden, um genau zu sein. Luke Devereaux, der attraktive, charmante Lord of Berwick und ein echter Mistkerl noch dazu, besaß nicht länger die Macht, sie wütend zu machen. Doch die lästige Erinnerung nagte an ihrem Unterbewusstsein.

Louisa runzelte die Stirn, als Piers sich umdrehte und direkt auf sie deutete. Wie seltsam. Der Fremde schien der Bewegung in einer Art Zeitlupe zu folgen, und dann blickte sie plötzlich in ein Paar allzu vertraurter grauer Augen, und die lästige Erinnerung entwickelte sich zu einem wahren Stachel in ihrem Fleisch.

Louisa spürte, wie ihre Finger ganz taub wurden, ihr Herz begann zu rasen, und das Blut stieg ihr in die Wangen. Nervosität, Zorn und Übelkeit verbanden sich zu einem schmerzhaften Knoten in ihrem Magen.

Was machte er hier?

Das war kein Adonis. Der Mann, der schnurstracks auf sie zumarschierte, war der Teufel in Menschengestalt.

„Er kommt zu uns rüber“, flüsterte Tracy ganz aufgeregt. „Oh, mein Gott! Ist das nicht Lord Wie-war-noch-sein-Name? Du weißt schon – er stand auf deiner Liste der begehrenswertesten Junggesellen in der Mai-Ausgabe. Vielleicht will er dir danken.“

Wohl kaum, dachte Louisa bitter. Seine Rache hatte er bereits vor drei Monaten vollzogen. Sie bog den Rücken durch und presste die Beine unter dem Tisch fest zusammen.

Wenn er hier war, um ihr noch einmal eins auszuwischen, dann konnte er das vergessen.

Diesmal wusste Louisa, was auf sie zukam. Vor drei Monaten hatte er es ausgenutzt, dass sie von Natur aus sehr vertrauensvoll war, gerne flirtete und sich unglaublich zu ihm hingezogen fühlte. Noch einmal würde ihm das jedoch nicht gelingen. Dieses Mal würde sie zurückschlagen!

Luke Devereaux ging mit langen, weit ausholenden Schritten auf sein Opfer zu. Den Chefredakteur, der neben ihm herhastete, oder die zahlreichen weiblichen Blicke, die sich auf ihn hefteten, bemerkte er kaum. Er konzentrierte sich auf eine ganz spezielle Frau. Dass sie genauso atemberaubend aussah, wie er sie in Erinnerung hatte – glänzendes goldbraunes Haar, das ein engelsgleiches Gesicht umrahmte, ein von einem hautengen Kleid betontes beeindruckendes Dekolleté und dazu ellenlange Beine in kniehohen Stiefeln – verstärkte noch seine Entschlossenheit, cool zu bleiben.

Der äußere Schein konnte trügen. Diese Frau war kein Engel. Was sie gerade tat, war ungefähr das Schlimmste, was eine Frau einem Mann antun konnte.

Also gut, vor drei Monaten waren die Dinge furchtbar aus dem Ruder gelaufen. Einen Großteil der Schuld daran trug er. Der Plan hatte darin bestanden, ihr eine kleine Lektion zu erteilen, sich nicht in die Privatsphäre fremder Menschen einzumischen – er hatte die Situation bestimmt nicht auf die Weise ausnutzen wollen, wie er es dann schließlich getan hatte.

Aber ein nicht geringer Teil der Schuld lag auch bei ihr. Noch nie in seinem Leben war er jemandem begegnet, der derart leichtsinnig und impulsiv war. Außerdem, Himmel Herrgott noch mal, war er doch auch kein Heiliger! Wenn eine Frau so aussah wie sie, so duftete wie sie und sich so anfühlte wie sie, was glaubte sie denn, was er dann tun würde? Er konnte sich nicht vorstellen, dass irgendein Mann unter diesen Umständen anders reagiert hätte. Woher hätte er denn wissen sollen, dass sie nicht so erfahren war, wie sie nach außen wirkte?

Nun, eines war sicher: Er fühlte sich nicht länger schuldig!

Nach seinem kleinen Gespräch mit ihrem gemeinsamen Freund Jack Devlin am Vortag waren all seine Schuldgefühle bezüglich dessen, was zwischen ihnen geschehen war, verpufft und hatten stattdessen einem glühend heißen Zorn Platz gemacht.

Ein unschuldiges Leben war involviert – und er würde alles tun, was nötig war, um es zu beschützen.

Auch wenn er sie vor drei Monaten verletzt oder ihr Unrecht getan haben mochte, in dieser Sache zögerte er keine Sekunde, sie seinem Willen zu unterwerfen. Je schneller sie das akzeptierte, desto besser.

Louisa DiMarco würde schon noch herausfinden, dass Luke Devereaux sich niemals vor einem Kampf drückte.

Was hatte der kürzlich verstorbene Mistkerl Lord Berwick bei ihrer ersten und einzigen Begegnung vor all den Jahren noch zu ihm gesagt? „Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker, Junge.“

Diese Lektion hatte er auf die harte Tour gelernt – damals war er gerade mal sieben Jahre alt gewesen. Verängstigt und ganz allein in einer Welt, die er nicht verstand, hatte er schnell erwachsen werden müssen, um nicht unterzugehen. Es war an der Zeit, dass Miss DiMarco dieselbe Lektion lernte.

Luke erreichte Louisas Schreibtisch, sah das wütende Funkeln in ihren wunderschönen braunen Augen, die sonnengebräunte Haut, auf der eine feine Zornesröte lag, und das Kinn, das sie trotzig vorreckte. Luke stellte sich vor, wie er die Hände in ihrem Haar vergrub und sie bis zur Besinnungslosigkeit küsste.

Um dem Drang zu widerstehen, schob er die Hände in die Taschen. Dieser Frau beizubringen, zu ihrer Verantwortung zu stehen, könnte vergnüglicher werden, als zunächst gedacht. Er malte sich bereits die erste Lektion aus: Louisa dazu zu bringen, ihm das zu sagen, was sie ihm schon vor Wochen hätte erzählen müssen.

„Miss DiMarco, ich möchte gern unter vier Augen mit Ihnen sprechen.“

Louisa ignorierte Tracys hörbares Einatmen und schaute ihrem Peiniger in die Augen. „Entschuldigen Sie bitte, aber wer sind Sie?“, fragte sie, ganz so, als hätte sie keine Ahnung.

„Das ist Luke Devereaux, der neue Lord Berwick“, schaltete Piers sich ein und benahm sich, als handle es sich um den König des Universums. „Erinnerst du dich nicht? Wir haben ihn in der Mai-Ausgabe aufgeführt, als es um Großbritanniens begehrenswerteste Junggesellen ging. Lord Berwick ist der neue Besitzer von …“

Devereaux hob eine Hand und unterbrach Piers’ anbiedernde Litanei. „Devereaux reicht völlig. Ich benutze den Titel nicht“, erklärte er, während sein Blick dem von Louisa standhielt und seine Stimme genauso tief klang wie in ihrer Erinnerung.

Wenn sie daran dachte, dass sie diese Stimme und den stählernen, undurchdringlichen Blick einmal sexy gefunden hatte! Jemand musste ihren Drink an jenem Abend mit Aphrodisiaka versetzt haben. Jetzt klang seine Stimme nicht mehr fesselnd, sondern nur noch distanziert, während seine blaugrauen Augen kalt wirkten.

Das erklärte wohl auch, warum ihr plötzlich mitten im August ein eisiger Schauer über den Rücken lief.

„Ich bin sicher, das ist alles wahnsinnig faszinierend.“ Sie warf die Haare zurück. „Ich fürchte nur, ich bin im Augenblick schrecklich beschäftigt. Außerdem bringen wir jedes Jahr nur einen Artikel zu den begehrenswertesten Junggesellen. Wenn Sie nächstes Jahr immer noch zu haben sind, können Sie ja noch mal vorbeikommen, und dann mache ich ein Interview mit Ihnen.“

Louisa gratulierte sich insgeheim zu dieser impliziten Beleidigung. Natürlich wusste sie ganz genau, wie sehr es ihn erzürnt hatte, auf ihrer Liste zu stehen. Dennoch gönnte er ihr nicht die Befriedigung, auf die sie gehofft hatte. Anstatt verärgert zu wirken, starrte er sie einfach nur an. Ja, er zuckte nicht mal mit der Wimper. Zu ihrer Verwirrung lächelte er sogar kurz, legte die Hände auf ihren Schreibtisch und beugte sich zu ihr hinunter.

„Du möchtest das Ganze in aller Öffentlichkeit diskutieren? Damit habe ich kein Problem“, sagte er so leise, dass nur sie es hören konnte. „Aber ich bin ja auch nicht derjenige, der hier arbeitet.“

Sie hatte keine Ahnung, worum es eigentlich ging, aber sein Gesichtsausdruck ließ darauf schließen, dass die „Diskussion“, von der er sprach, persönlicher Natur war. So sehr es ihr auch widerstrebte klein beizugeben, sie hegte noch weniger Interesse daran, sich vor ihren Kollegen demütigen zu lassen.

„Also gut, Mr. Devereaux“, entgegnete sie laut und schaltete ihren Computer ab. „Sie haben Glück. Ein kurzes Interview kann ich gerade einschieben. Ich könnte auch mit unserer Verlegerin sprechen – vielleicht bringt sie den Artikel in der Ausgabe im nächsten Monat. Sie sind offensichtlich sehr erpicht darauf, Ihr Gesicht auf die Titelseite zu bekommen, sodass alle Debütantinnen sehen, was sie verpassen.“

Er richtete sich wieder auf. Ein Muskel an seiner Wange zuckte heftig. Diesmal glitt die Beleidigung also nicht spurlos an ihm ab.

„Was nicht besonders viel ist“, fügte Louisa noch leise hinzu und wartete auf die Explosion.

Die blieb allerdings aus. Die Anspannung verschwand aus Lukes Gesicht, und er lächelte. „Das ist sehr entgegenkommend von Ihnen, Miss DiMarco“, erwiderte er. „Glauben Sie mir, ich sorge dafür, dass Sie es nicht bereuen.“

Louisa ignorierte die kaum verhohlene Drohung und wandte sich an Tracy, der beinahe die Augen aus dem Kopf fielen. „Ich beende den Artikel später, Trace. Sag Pam, dass ich die Fünf-Uhr-Deadline noch schaffen werde.“

„Sie werden heute Nachmittag nicht zurückkommen“, mischte sich Devereaux hinter ihr ein.

Louisa wirbelte zu ihm herum und wollte ihn bereits korrigieren, da ergriff Piers das Wort. „Mr. Devereaux hat darum gebeten, dass du dir den Rest des Tages freinimmst. Ich habe bereits zugestimmt.“

„Aber ich habe noch einen Artikel fertigzustellen, der um fünf in den Druck gehen muss“, protestierte Louisa verwundert. Normalerweise war Piers absolut unerbittlich, wenn es um Abgabetermine ging.

Er winkte ihren Einwand beiseite. „Pam wird eine zusätzliche Seite mit Werbung einbauen. Dein Artikel kann bis zum nächsten Monat warten. Wenn Mr. Devereaux dich heute braucht, dann müssen wir ihm entgegenkommen.“

Was? Seit wann nahm der Chefredakteur des „Blush Magazines“ von arroganten Aristokraten wie Luke Devereaux Befehle entgegen?

Devereaux, der dem Wortwechsel mit scheinbarer Gleichgültigkeit gefolgt war, nahm nun ihre Tasche vom Schreibtisch. „Gehört die Ihnen?“, fragte er ungeduldig.

„Ja“, antwortete Louisa, die immer noch völlig verwirrt war. Was ging hier vor?

Er nahm sie beim Arm und zog sie vom Stuhl hoch. „Lassen Sie uns gehen“, erklärte er und führte sie mit einer Hand um den Ellbogen aus der Redaktion heraus.

Am liebsten hätte sie sich von ihm losgerissen, doch sie tat es nicht, weil alle sie anstarrten. Und Louisa wäre lieber gestorben, als eine Szene vor ihren Kolleginnen zu verursachen. Insofern blieb ihr nichts anderes übrig, als sich aus dem Büro zerren zu lassen – wie ein ungezogenes Schulkind vom Direktor.

Mit jedem Schritt wurde sie wütender.

Als sie nach draußen auf die Camden High Street traten, kochte Louisa innerlich. Sie entriss Luke ihren Arm. „Wie kannst du es wagen? Für wen hältst du dich eigentlich?“

An einem schicken Sportwagen, der im absoluten Halteverbot vor der Redaktion stand, blieb er stehen. Nachdem er die Tür geöffnet hatte, warf er Louisas Handtasche auf den Rücksitz. „Steig ein.“

„Das werde ich nicht tun.“ Mein Gott, der Mann hatte Nerven! Er behandelte sie, als wäre sie eine seiner Untergebenen. Nun, da hatte er sich aber getäuscht. Piers mochte ja vor ihm katzbuckeln, aber sie würde das ganz bestimmt nicht tun. Entschlossen, sich keinen Zentimeter von der Stelle zu bewegen, verschränkte sie die Arme vor der Brust.

Luke hob eine Augenbraue. „Steig ein, Louisa“, wiederholte er mit tödlicher Ruhe. „Es sei denn, du willst, dass ich dich eigenhändig hineinbefördere.“

„Das würdest du nicht wagen.“

Sie hatte den Satz kaum ausgesprochen, da hob er sie auch schon hoch. Sie konnte gerade noch kurz protestieren und mit der Faust gegen seine Brust trommeln, als er sie wie einen Sack Kartoffeln auf den Beifahrersitz bugsierte. Die Tür wurde zugeschlagen und verriegelt. Natürlich versuchte sie sofort, wieder hinauszuklettern. Doch unglücklicherweise wurden ihre Bewegungen von dem hautengen Bleistiftrock ihres geliebten Designerkleids behindert. Sie hatte den Stoff gerade bis zu den Knien hochgeschoben, da fädelte der Wagen schon in den Verkehr ein, und Louisa wurde in den Sitz zurückgeworfen.

„Schnall dich an, bevor du dich noch verletzt“, befahl er ihr.

„Lass mich raus. Das hier ist Kidnapping!“, kreischte sie schrill, was ihr vermutlich peinlich gewesen wäre, wenn sie nicht unter Schock gestanden hätte.

Eine Hand am Lenkrad, beugte er sich über sie hinweg und holte mit der anderen eine Sonnenbrille aus dem Handschuhfach. „Sei nicht so melodramatisch“, erwiderte er und würdigte sie nicht mal eines Blickes, während er die Sonnenbrille aufsetzte.

„Me-lo-dra…!“, stammelte sie. Niemand außer ihrem Vater hatte sie jemals mit einer solchen Unverschämtheit und Selbstherrlichkeit behandelt. Und selbst das hatte sie bereits als Teenager unterbunden. Ganz sicher würde sie sich jetzt nicht damit abfinden. „Wie kannst du es wagen?“

An einer roten Ampel verlangsamte er und hielt an. Mit einem furchtbar selbstsicheren Lächeln drehte er sich zu ihr um. „Wenn du es unbedingt möchtest, können wir eine weitere Auseinandersetzung haben – die du ohnehin verlierst“, fügte er völlig siegessicher hinzu. „Oder du kannst das tun, was man dir sagt, und dir damit ein wenig deiner teuren Würde bewahren.“

Ehe sie mit einer schlagfertigen Antwort kontern konnte, legte er den ersten Gang ein und fuhr über die Kreuzung. Mist, sie hatte ihre Chance verpasst, einfach aus dem Wagen zu springen! „Schnall dich an“, wiederholte er, als er in eine Seitenstraße einbog und dabei beinahe ein paar Passanten überfuhr. Widerwillig kam sie seiner Aufforderung nach – noch

war sie nicht wütend genug, um sich aus Stolz umbringen zu lassen. Irgendwann würde er halten müssen, und dann würde sie es ihm schon zeigen. Bis dahin würde sie einfach schweigen.

Der Plan funktionierte ungefähr fünf Minuten lang. Nachdem sie Camden verlassen, den Regent’s Park passiert und die Abzweigung nach Bloomsbury genommen hatten, siegte ihre Neugier.

„Wohin fahren wir? Falls es mir erlaubt ist zu fragen.“

Luke ignorierte ihren Spott und antwortete nicht. Stattdessen bog er rechts ab, bremste und parkte vor einem eleganten viktorianischen Gebäude. Er schaltete den Motor ab und drehte sich zu ihr um. Seine Schultern wirkten noch breiter als in ihrer Erinnerung. Eingeschüchtert musste sie sich zusammenreißen, um nicht vor ihm zurückzuweichen.

„Wir sind da. Der Termin ist allerdings erst in …“, er schaute auf seine Uhr, „… zehn Minuten.“ Er verkündete dies in einem Tonfall, als würde das allein alles erklären.

Louisa spähte an ihm vorbei und schaute auf das Straßenschild. „Und was machen wir in der Harley Street?“

An dem Haus, vor dem er geparkt hatte, hing ein dekoratives Messingschild mit den Namen zweier Ärzte. Kein Wunder. In der Harley Street befanden sich die teuersten Privatpraxen von ganz London. Warum hatte er sie hierher gebracht?

Er nahm die Sonnenbrille ab und warf sie auf den Rücksitz. „Beantworte mir eine Frage“, sagte er mit nur mühsam beherrschter Stimme. „Hättest du es mir jemals gesagt?“

„Hätte ich dir was jemals gesagt?“ Warum schaute er sie so an, als hätte sie die Kronjuwelen gestohlen und er sie auf frischer Tat ertappt?

Sein Blick senkte sich auf ihren Bauch. Instinktiv verschränkte sie die Arme.

Seine grauen Augen wirkten kälter als jemals zuvor.

„Dass du ein Kind von mir bekommst. Was sonst?“

2. KAPITEL

„Dass ich was von dir bekomme?“ Hatte sie richtig gehört? „Bist du verrückt geworden?“

Louisa griff hektisch nach dem Türgriff, fest entschlossen, sofort zu gehen, ehe sie zu spät feststellen musste, mit einem Wahnsinnigen im Auto zu sitzen.

Luke packte jedoch blitzschnell ihr Handgelenk und hielt sie fest. „Jetzt spiel nicht die Unschuldige. Ich weiß von deiner Schwangerschaft. Ich weiß auch von deinen Stimmungsschwankungen, dem angeblichen Magen-Darm-Virus, der dich vor ein paar Wochen ans Bett gefesselt hat, und der Tatsache, dass du schon seit Wochen keine Periode mehr hattest.“ Sein Blick senkte sich auf ihre Brüste. „Und es gibt noch ein paar andere Dinge, die ich mit eigenen Augen sehen kann.“

Sie entriss ihm ihre Hand. „Was hast du getan? Mein Badezimmer untersucht?“

„Jack hat es mir gesagt.“

„Jack Devlin hat dir gesagt, dass ich schwanger sei?“, rief sie laut und fassungslos. In diesem Moment war ihr völlig egal, ob die ganze Harley Street sie hören konnte.

Der Name des Ehemanns ihrer besten Freundin Mel war der Tropfen auf dem heißen Stein. Sie hatte ganz vergessen, dass Jack und Luke Devereaux Freunde waren. So hatte sie ihn ja überhaupt erst kennengelernt – bei einer Dinnerparty in Mels Haus. Und jetzt hatte Jack also behauptet, dass sie schwanger wäre. Wenn sie Jack das nächste Mal sah, würde sie ihn umbringen!

„Nicht direkt“, gab Luke ungeduldig zu. „Wir haben über Mels Schwangerschaft gesprochen, und da erwähnte er dich. Scheinbar glaubt Mel, dass du schwanger bist, es aber aus irgendeinem Grund geheim hältst.“

Okay, jetzt musste sie Mel auch noch umbringen. „Bitte sag mir, dass du Jack nichts von uns erzählt hast.“

Sie hatte sich so gedemütigt gefühlt, dass sie niemandem davon erzählt hatte. Nicht einmal Mel, vor der sie normalerweise keinerlei Geheimnisse hatte.

Aber wie sollte man auch seiner besten Freundin erklären, dass man schon beim ersten Date mit einem Mann geschlafen hatte, dass man dabei herausgefunden hatte, wie unglaublich Sex tatsächlich sein konnte, und noch für ganze zehn Minuten danach geglaubt hatte, den Mann fürs Leben gefunden zu haben – nur um gleich darauf auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. Dass Mr. Right in Wirklichkeit ein wahrer Mistkerl war, der sie nur verführt hatte, um sich für einen Artikel zu rächen, den sie über ihn geschrieben hatte und den er nicht mochte!

Das Wort ‚demütigend‘ beschrieb diese Erfahrung nicht einmal annähernd.

„Ich habe nicht mit Jack über uns geredet“, fauchte er. „Ich hatte ein viel größeres Interesse daran, was er über dich zu berichten wusste.“ Luke starrte sie an, als besitze er ein selbstverständliches Recht, wütend zu sein.

Plötzlich konnte sie ihn und dieses ganze verrückte Chaos nicht mehr ertragen. Sie wollte einfach nur noch fort von ihm. „Ich bin nicht schwanger. Außerdem habe ich genug von dieser absurden Unterhaltung. Ich fahre jetzt zurück zu meiner Arbeit.“ Louisa drehte sich von ihm weg und wollte aussteigen, doch er hielt sie erneut fest. „Lass mich los!“

„Wann hattest du deine letzte Periode?“

„Darauf gebe ich dir keine Antwort.“

Sie versuchte sich von ihm loszureißen, doch er verstärkte nur den Griff.

„Du gehst nirgendwohin, ehe ich es sage“, erklärte er bestimmt.

Louisa starrte ihn ungläubig an. Das war doch lächerlich. Worüber stritten sie hier eigentlich?

Erschöpft legte sie den Kopf gegen den Sitz und schloss die Augen, um die strahlend helle Augustsonne auszublenden. Sie versuchte sich daran zu erinnern, wann sie ihre letzte Periode gehabt hatte. Also gut, vielleicht war es eine Weile her. Das hatte nichts zu bedeuten, weil ihr Zyklus schon immer sehr unregelmäßig gewesen war. Außerdem hatte sie definitiv eine gehabt seit ihrer gemeinsamen Nacht. Und sie hatte einen Schwangerschaftstest gemacht. Sie war ja nicht dumm!

„Ich habe einen Schwangerschaftstest gemacht. Nur für den Fall. Er war negativ“, sagte sie tonlos. Überraschenderweise wirkte Luke daraufhin jedoch nicht reumütig, sondern verengte nur die Augen.

„Wann hast du ihn gemacht?“

„Ich weiß nicht. Ein paar Tage später.“

„Und hast du dir die Mühe gemacht, den Beipackzettel ganz durchzulesen?“

„Ich habe genug gelesen, um zu wissen, dass der Test negativ war“, entgegnete sie fest, obwohl sich eine schuldbewusste Röte auf ihre Wangen schlich. Okay, sie hatte nicht das ganze Kleingedruckte gelesen – aber wer tat das schon?

„Das dachte ich mir“, erwiderte er.

Empörung erfasste sie, und sie richtete sich in ihrem Sitz auf. „Hör auf, mit mir zu reden, als wäre ich ein dummes Kind. Ich habe den Test gemacht. Er war negativ. Außerdem hatte ich seit jener Nacht eine Periode, insofern ist diese ganze Unterhaltung vollkommen überflüssig.“ Auch wenn ihre Periode nur eine leichte gewesen war, hatte es doch gereicht, um sie zu beruhigen.

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