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SM - BLUTIG SERVIERT Light Version

Aaron Winter jun.

SM - BLUTIG SERVIERT Light Version

Ein erotischer Kriminalroman





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Titel

Aaron Winter jun.

SM – BLUTIG SERVIERT

 

Light Version

 

Ein erotischer Kriminalroman

Version 1.02

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Vervielfältigung und Veröffentlichung ohne die Genehmigung des Autors sind nicht gestattet.

Ab 16 Jahre

Absolut alle Personen, dazu die Handlung in diesem Roman, sind frei erfunden. Ähnlichkeiten sind somit nur zufällig und keinesfalls beabsichtigt.

Das Titelbild ist eine Gemeinschaftsproduktion von einem Bleistift und dem Wunderwerk PC. Sollte es tatsächlich irgendwo einen Menschen mit diesem Gesicht geben, dann herzlichen Glückwunsch. Nur hat jenes Wesen dann nichts mit dem Inhalt dieses Buches zu tun.

  1. 302 Taschenbuchseiten bei 31 Zeilen

66.615 Wörter

Belletristik: Kriminalliteratur, Erotik

Genre: Krimi, Erotik, Homoerotik, (SM)

© 2014 by Aaron Winter jun.

   Illustration by Aaron Winter jun.

Klappentext

Ein Mord im Rotlichtmilieu der Großstadt. Ungewöhnlich und brutal.

Die örtliche BDSM-Szene, die sich so gern bedeckt hält, ist aufgeschreckt. Ein Rachemord? Warum und von wem?

Es ist nicht der erste in der jüngeren Vergangenheit. Aber einer, der aufhorchen lässt.

Und kaum hat sich die Szene wieder ein wenig beruhigt, da fließt schon wieder Blut.

Der Täter: Klappe - Die Erste

„Los, sag Danke, du Strolch!“, brüllte der bullige Mann.

Seine Gesichtszüge waren regelrecht verzerrt vor Wut und Geilheit. Obwohl er schon breitbeinig vor dem Hilflosen stand, musste er sich dennoch ein wenig herabbeugen. Denn er war groß. Größer als der Durchschnitt. Etwas über 1,90, ja, das mochte in etwa hinkommen.

„Du sollst dich bedanken, du Schofel!“, schrie der Große erneut und spritzte dem Gefesselten dabei seinen Speichel ins Gesicht.

Klatsch machte es. Und noch einmal. Weit holte der Mann mit dem Rohrstock aus. Es sollte wehtun! Sehr weh sogar! Umso größer der Schmerz, umso größer seine Lust. Und die hatte sich in allen Fasern seines Körpers breitgemacht, schon mehr als eine Stunde lang.

Die Lust beherrschte ihn, die Lust trieb ihn. Kaum noch, dass er sich zu bremsen vermochte. Seine Männlichkeit war schon seit Stunden geschwollen. Allein durch seine Fantasie, bevor er zur eigentlichen Tat schritt.

Das Fleisch war mittlerweile so steif, dass es schon wehtat. Immer wieder rieb er sein bestes Stück an dem jungen Fleisch. Keuchend und mit verdrehten Augen. Warm war sie, die rosige Haut. Und samtig. An einigen Stellen von seinem Ausfluss verklebt.

Sein Körper war schon lange schweißgebadet und der drängende Druck in seinem Unterleib wollte nicht aufhören. Das Opfer machte ihn reinweg verrückt. Sie alle taten das. Bis es zu Ende ging. Aber nach einem Ende gab es immer wieder einen neuen Anfang.

Das Klirren der Ketten! Die Qual des Fleisches! Die Angst in fremden Augen, das Zittern in der Stimme. Selbst wenn der Mann keinen Orgasmus hatte, so war er doch ständig erregt.

„Komm, schleck mich ab, du süße Sau!“, befahl der Mann.

Sanft fuhr seine Hand über eine der Striemen auf dem Rücken des Sklaven entlang. Die Haut war aufgeplatzt. Blut und ein wenig Wundflüssigkeit quollen hervor.

Ärgerlich, das würde eine unschöne Narbe geben. Eine ziemlich große sogar. Der Mann musste grinsen. Allerdings machte es doppelt soviel Spaß, noch einmal auf dieselbe Stelle zu schlagen. Gerade dann, wenn die Wunde anfing zu heilen. Präzision war da gefragt. Und Disziplin. Nicht viele waren dazu in der Lage. Nun ja, er aber schon. Jahrelange Übung machten es möglich.

Noch einmal strichen seine groben Finger über die lange Wunde und sammelten das Blut auf. Gierig fuhr seine Zunge heraus und kostete genüsslich den Saft des fremden Körpers. Oh, wie herrlich!

Der geschundene Körper, der fest in den Ketten vor ihm hing, wand sich ein wenig und wimmerte. Sollte er nur! Der Bursche konnte ohnehin nichts tun. Er konnte nichts verhindern. Oder ändern.

Du gehörst ganz und gar mir, dachte der Mann stolz. Du bist mein Sklave und gut abgerichtet.

Seit nunmehr sieben Wochen. Wochen voller Glück und Erregung! Erneut spürte der Mann die Schmerzen in seiner Mitte, wenn er zurückdachte. Aber noch durfte er nicht kommen. Um so länger er den Zeitpunkt der Erleichterung hinausschob, um so größer war sein Höhepunkt. Es war eine Kunst, die nicht jeder beherrschte. Und die man sich immer wieder neu erarbeiten musste.

Langsam fasste Mann nach der Stellkette und ließ sein ganz privates Lustobjekt herab.

„Hör auf zu wimmern, du alte Sau!“ stieß der Mann grinsend hervor. „Sei doch ehrlich, dir gefällt es! Ich kenne solche wie dich! Ihr tut so, als würdet ihr vor Schmerzen fast umkommen. Aber eigentlich platzt ihr vor Geilheit! Ich kenne euch alle! Ich weiß, was ihr denkt! Ich weiß, was ihr fühlt! Ihr wollt den Schmerz. Ihr braucht ihn. Er törnt euch an! Wimmern heißt nichts anderes wie: Mehr, mehr! Ihr seid doch alle gleich! Geboren, um uns zu dienen! Zu etwas anderem ist euer Fleisch doch nicht gut!“

Brutal griff der Mann in die langen Haare des Opfers und riss den Kopf nach hinten. Das Wimmern verstärkte sich. Tränen liefen die schmutzigen Wangen herab und hinterließen eine Spur. In all den Wochen hatte der Sklave sich nur selten waschen dürfen. Und lag oftmals über Tage hinweg in seinem eigenen Kot.

Sein Herr wollte es so. Das reizvolle Fleisch war weniger wert als ein Tier. Durch seinen Willen eingesperrt. Das Recht des Stärkeren. Zu seiner Lust geboren und zum baldigen Sterben verdammt.

Ja, frisches Fleisch musste her! Eine Woche mochte es der Jüngling vielleicht noch machen. Danach wäre der Körper so kaputt, dass der ihm keine Befriedigung mehr verschaffen konnte.

Aber dies sollte kein Problem sein. Da, wo sein Spielzeug herkam, dort gab es noch mehr von seiner Sorte. Jung, hübsch und von Hormonen nur so berauscht.

Überall vor den Toren der Großstadt gab es Discos. Und in der Stadt selbst so viele mehr. Treffpunkt der Heranwachsenden, die ein Abenteuer suchten. Die von Lust getrieben nicht mehr klar denken konnten. Alkohol und Drogen taten ihr Übriges. Es gab Mädchen und Freier. Lärm und bunte Lichter. Sogar elf- und zwölfjährige hatte der Mann dort schon entdecken können. Nichts für ihn. Diese Körper besaßen keine Ausdauer, zerbrachen zu schnell. Manche Wirte nahmen es wohl nicht so genau.

Es war einfach. Immer! Es waren die Betrunkenen, die er suchte. Die Einsamen und Gemobbten. Die Enttäuschten und Ausgegrenzten. Jene, denen man einen Korb gegeben hatte. Oder die, welche sich betranken, um ihren Mut zu finden.

Dann suchten sie Trost. Ein Ohr, dass zuhörte. Und anschließend brachte sie der gute Onkel nach Hause.

Nur, dass sie dort niemals ankamen. Manche schliefen schon während der Fahrt ein und bemerkten erst spät, wie ihnen geschah. Anderen war es egal. Oder sie freuten sich auf ein unverhofftes Abenteuer. Einige wenige bereuten sehr schnell ihren Entschluss, zu ihm ins Auto gestiegen zu sein. Entsetzen machte sich dann auf ihren Gesichtern breit. Oh, wie er das liebte!

Alles in allem hatte sich seine Beute nie groß gewehrt. Dafür war er zu groß. Schultern so breit! Oberarme, so dick! Kraft so viel! Jahrelanges Fitnessstudio machte sich eben bezahlt. Dazu kam eine ewig verzerrte Wut in seinem Gesicht, war er doch unglaublich hässlich.

Nicht dass er ansonsten auch nur halbwegs ansehnlich gewesen wäre. Keiner würde nüchtern zu ihm in den Wagen steigen! Aber wütend jagte er Angst ein. Und sein starrer stechender Blick erst! Lange vor dem Spiegel geübt und mehrfach erprobt!

Er war ein Dom, durch und durch.

Nur gab es nicht das Geringste, womit er sich je den Respekt anderer Menschen erarbeitet hätte. Weder durch Taten, noch durch Intelligenz. Nur diesen Schein. Billiges Theater, auf das allerdings überraschend viele Menschen hereinfielen.

„Na los, du geile Sau, schleck mich ab!“, schrie der Mann erneut und stieß seinen Schaft in den Mund des Jungen.

Der wusste, was zu tun war und saugte sofort. Jede Menge blauer Flecken im Gesicht sprachen Bände für seinen Lehrplan. Speichel floss aus den Mundwinkeln, aber der große Mann würde heute großzügig sein und über diese Sauerei, die ihn abtörnte, mal hinwegsehen. Bestrafen konnte er seinen Slaven immer noch. Vielleicht heute Nacht, wenn er wieder mal nicht schlafen konnte.

„Na, na, stell dich nicht so an!“, brüllte der Dom und gab seinem Jungen eine saftige Ohrfeige.

Das Spielzeug hatte sich verschluckt und röchelte schwer. Eigentlich ein Unding, war sein bestes Stück doch gerade mal etwas über elf Zentimeter lang. Und dies auch nur, wenn er gut maß.

Der große Mann schnaufte böse. Nur äußerst ungern wurde er daran erinnert. Ein furchtbarer Makel in seinen Augen. Auch wenn der Rest der Welt dies ein wenig anders sah.

Ein Dom musste in allem außergewöhnlich sein! So seine Philosophie. Bei seinem Liebling hatte sich die Natur allerdings einen Scherz erlaubt. Schon einmal hatte sich ein Sub darüber lustig gemacht. Bis er zuschlug. Hart und lange. Die Leiche hatte dann einer der Rotlichtbosse für fünftausend Glocken beiseitegeschafft. Ein Sonderpreis. Für gute Kunden, gewissermaßen.

Allerdings hatte der Kerl sich danach ebenfalls noch über seinen Kleinen lustig gemacht! Obwohl doch jeder wusste, dass der Boss sein eigenes Anhängsel hatte vergrößern lassen. Aber da sagte er lieber nichts. Und die Hände steckte er brav in die Hosentaschen.

„Was ist denn?“, knurrte der Mann unwillig.

Ein Kratzen, gefolgt von einem fordernden Jaulen, riss ihn aus seiner Erregung. Doch dann huschte ein sanftes Lächeln über sein verzerrtes Gesicht. Schnell zog er seinen Schniepel aus dem feuchten Schlund und streifte sich den Cockring ab.

„Ist ja schon gut, mein Liebling“, schnurrte der Mann.

Und zog seine menschliche Lustpuppe mit den Ketten wieder stramm nach oben, sodass der Sklave gerade mal mit seinen Zehenspitzen den Boden berührte. Ein Stöhnen entrang sich der wunden Kehle. Gut so, der Dom liebte all diese verschiedenen Töne der Schmerzen.

Doch dies war jetzt unwichtig. Sein Liebling, ein kleiner sabbernder Boxer, verlangte nach Aufmerksamkeit. Es war seine Zeit. Jeden Tag, Jahr um Jahr, ging es in diesem Moment hinaus auf die große Rasenfläche. Um zu schnuppern, zu keuchen, zu wackeln. Und um ungelenk das Bein zu heben.

„Warte hier, du Mistsau! Ich bin für heute noch nicht fertig mit dir. Ein paar Schreie hast du doch bestimmt noch für mich übrig! Stimmst?“, schurrte der Mann.

Und gab seinem persönlichen Fleisch noch eine saftige Ohrfeige. Mitten rein. Dorthin, wo schon blau angelaufenen, was ehemals ausgesprochen hübsch gewesen.

Dann wandte er sich ab und öffnete die schwere Schiebetür aus Metall. Herein brauste ein Wirbelwind auf vier Pfoten und versuchte nach dem Bein des Leidenden zu schnappen. Der wand sich verschreckt in den Ketten, denn der Köter war stolz auf seine Zähne und schnappte gerne zu.

Doch zu seinem Glück wurde der Vierbeiner abgelenkt. Ein paar Blutstropfen waren schuld. Von den Schlägen auf den Rücken, von all den offenen Wunden stammten sie. Überall hatten sie sich verteilt und bedeckten als unregelmäßiges Muster den Boden.

Der Hund verdrehte ein wenig die Augen und folgte seiner Natur. Zuerst schnüffeln, dann lecken! Blut, ach wie herrlich! Frisches noch dazu. Sein Herrchen verwöhnte ihn doch immer wieder.

Der Täter: Klappe - Die Zweite

Schnaufend schob der Dom die große Verandatür auf. Sie klemmte. Wieder einmal. Da musste wohl ein Fachmann kommen. Mist, verdammter! Der Mann mochte es gar nicht, wenn Fremde über sein weitläufiges Grundstück liefen. Eine ausländische Putzfrau bildete da die Ausnahme. Und auch nur, weil er Sauberkeit so liebte. Selbst für Reinlichkeit zu sorgen allerdings so unsäglich hasste.

Einmal pro Wochentag kam die Frau in der Früh. Sie schwatzte nicht, sondern tat widerspruchslos ihre Arbeit. Ohne zu schnüffeln und das verbotene Kellergeschoss zu betreten. Und so durfte sie bleiben. Aber keiner sonst.

Langsam schlenderte der Mann über den belassenen Naturrasen und setzte sich ächzend auf die weiße Bank. Sie war ganz und gar aus Schmiedeeisen und stand schon seit der Zeit seiner inzwischen verstorbenen Mutter unter den drei Birken. Hochgewachsen waren die schlanken Bäume und umrahmten seinen Lieblingsplatz.

Der Hund schnüffelte und zerrte. Der Mann gab ihm ein wenig mehr Leine. Dies hier war zwar ein abgeschlossenes Grundstück, aber Leine musste sein. Er hatte keine Lust, seinem streunenden Liebling hinterherzujagen, wenn dieser wieder mal einen Rappel kriegte. Schon gar nicht, wenn gleichzeitig andere Freuden lockten.

Der Hund schnüffelte und scharrte. Mit einem Mal knurrte er und stürzte davon. Bis ihn die Leine stoppte. Der Mann spürte es unsanft im Handgelenk.

„Verfluchter Köter! Lass das Viehzeug in Ruhe!“, keifte er verärgert und rief seinen Liebling zurück.

Einmal. Beim zweiten Mal mit einem kräftigen Ruck an der Leine. Sein Schoßkind winselte. Aber es gehorchte. Zitternd kam der Vierbeiner zu seinem Herrchen zurück. Und legte sich friedlich schnaufend auf seine Füße. Der Mann grinste zufrieden. So musste es sein! Und als Belohnung fuhr sanft die große Hand über das borstige Fell.

Einen Moment der Einkehr gönnte sich der Mann noch. Dann stand er ächzend wieder auf und schlurfte zurück. An der offenen Verandatür blieb er stehen. Sein Liebling mit ihm, allerdings knurrend und den Stummelschwanz in die Höhe gestreckt.

„Ja, ja, die Tür! Ist ja schon gut! Morgen werde ich mich darum kümmern. Vielleicht auch erst übermorgen. Versprochen!“ schniefte er, bückte sich und leinte den Hund ab.

Sofort stürzte sein Liebling los. Einmal rutschte der Hund noch lustig auf dem glatten Parkett aus, bevor er in die Küche verschwand. Es schepperte, gefolgt von einem Winseln.

Musst du aber einen Hunger haben, dachte der Mann grinsend.

Mit Mühe schob er die defekte Terrassentür wieder zu und klemmte sich dabei den Finger. Er quiekte ein wenig und eine Träne erklomm sein Auge.

Toll, ganz toll! Aber er wusste schon, was da helfen würde. Ein frohes Lächeln eroberte sein kantiges Gesicht und die Lust kehrte mit Macht zurück. Geschwind zog er, noch im Gehen, seine grauen Bürohosen aus. Die mussten sein, denn mit seinen knappen SM-Lederhosen Gassi gehen, das ging gar nicht.

Und schon durchquerte er den weitläufigen Wohnraum, hin zu dem Flur, von dem aus die Treppe nach unten führte. Von seinem Liebling hörte er nichts mehr. Der ließ es sich wohl schmecken.

Noch bevor er die letzten Stufen hinter sich gelassen hatte, schwoll die Beule in seiner Hose wieder an. Und spätestens, als er die schlaffe Silhouette seines Gespielen in den Ketten sah, war er wieder auf Betriebstemperatur. Was für herrliche Schatten doch dieses schummrige Rotlicht warf! Schatten in furchtsamen Augen und die der Ketten an der Wand!

Gierig ging der Mann vor dem Gefesselten auf die Knie. Er streckte seinen Arm durch dessen leicht gespreizte Schenkel hindurch und stieß seinen verletzten Finger trocken durch die Enge des Spielkameraden. Ein kurzes Quieken brachte sein Blut in Wallung und sein eigenes Fleisch zum Zucken.

Genussvoll schob der Mann seine Nase in das dichte Schamhaar. Ach, wie herrlich! Noch so weich und flaumig. Es roch nach Schweiß, Urin und Männlichkeit. Lecker!

Sein Unterleib um seine Mitte herum verspannte sich immer mehr. Schon ging die Zunge wie von selbst auf Wanderschaft. Sie suchte all die Leckereien, die ihn um den Verstand brachten. Schnell wurden sie gefunden, denn nichts konnte entfliehen. Japsend hinterließ er eine feuchte Spur. Von oben bis unten. Und wieder zurück. Bis der Mund etwas Besonderes fand und schmatzend in sich aufnahm.

Schade, dass der Begehrte nicht wie erhofft reagierte. Nicht ein einziges Mal, seitdem er hier war, hatte der Bursche gezeigt, dass er Spaß hatte. Selbst all sein Können, garniert mit reichlich Schlägen, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Zu schade! Schade um all die Spiele, die er nicht hatte spielen können.

Was war das? Ein Geräusch? Etwas Fremdes?

Verdammt, die Tür! Wie hatte er die nur vergessen können! Wenn dem Köter der Blutgeruch zu Kopfe stieg, dann drehte die Töle vollständig durch. War der Hund etwa schon hier unten?

Unwillig spuckte der Mann das saftige Fleisch wieder aus und zog den Finger aus dem fremden Körper. Da wurde es dunkel. Schlagartig und ohne Vorwarnung.

Mist, verdammter! Das auch noch! Schon lange hatte der Mann dies kommen sehen. Eine 25-W-Glühlampe war einfach zu wenig hier unten. Wenn die ausstieg, musste man durch den ganzen dunklen Keller hindurch. Das würde Schrammen geben! Und Beulen auch!

Verärgert drehte sich der Mann um und richtete sich langsam auf. Da hörte er etwas knacken. Und noch einmal. Ein ekliges Geräusch, zusammen mit einem gefühlten Sirren, als wenn irgendetwas riss. Mehrfach. Dann kam der Schmerz. Und was für einer! Dem Mann blieb die Luft weg. Gerade wollte er sich restlos aufrichten, da brach sein eines Bein unter ihm weg. Als wäre es gar nicht mehr da! Schwer stürzte er auf die Seite und prellte sich die Hüfte. Erst dann durchbrach sein Schrei die Stille. Und sein Gefangener über ihm stimmte mit ein.

Fremde Hände spürte der Mann. Sie berührten ihn. Suchten etwas. Und fanden schließlich seine Handgelenke.

Es machte Schnapp! Handschellen! Seine eigenen? Es rasselte an den Ketten. Sein Lustobjekt löste sich und stürzte neben ihm zu Boden.

Anschließend wurden seine Arme gepackt und eingehakt. Ein erneutes Rasseln und ein schmerzhafter Zug nach oben. Die Ketten rissen ihn halbhoch, sodass sein Gewicht nunmehr auf dem verletzten Bein lag. Der Schmerz raubte ihm den Verstand. Er konnte sich nicht wehren. Und gegen was wusste er ohnehin nicht. Und so schrie er und schrie. Bis ihm ein Knebel in den Mund geschoben wurde. Ein ekliges Ding, aus der reichhaltigen Auswahl seiner eigenen SM-Utensilien. Zu seinen Füßen wimmerte der Gefolterte. Er hörte es. Sehen konnte er nach wie vor nicht.

„Wie heißt du?“, fragte eine warme mitfühlende Stimme.

Keine Antwort. Nur ein Wimmern.

„Sag mir deinen Namen. Nun komm schon, er kann dir nichts mehr tun. Nie wieder.“

Das Wimmern verstärkte sich.

„Ich weiß, ich weiß. Aber es ist vorbei. Glaub mir. Du bist frei“, tönte die Stimme ruhig und mitfühlend. „Du kannst mit mir gehen. Ich werde dich wieder zu einem Menschen machen. Oder ich bringe dich gleich zu deinen Eltern. Ganz, wie du willst. Aber jetzt sag mir deinen Namen.“

Der Geschundene zuckte und wand sich. Ein Keuchen löste das Wimmern ab.

„Ich verstehe. Das Stück Scheiße hat dich gebrochen. Also muss ich es wohl auf seine Art versuchen. Deinen Namen, sofort!“

Den letzten Satz schrie die Stimme. Sofort verstummte das Keuchen und das entführte Opfer richtete sich ein wenig auf. Ganz so, wie es dem bulligen Mann gefallen hätte.

„Sven“, flüsterte eine dünne Stimme. „Bitte tue mir nichts. Ich will auch ganz artig sein. Bist du jetzt mein neuer Herr?“

„Haija! Sven also, wie nett. Freut mich, dich kennenzulernen. Dein Herr? Nun ja, eigentlich nicht. Hm, vielleicht“, brummte die Stimme unwillig. „Lass uns darüber später reden! Jetzt haben wir noch etwas zu tun! Es wird dir gefallen, Sven, glaub mir. Es wird dich ein wenig heilen. Hier, komm, fass zu! Haija! Aber sei vorsichtig. Es ist scharf. Hier, spürst du das? Es ist ein Griff. Komm, ich helfe dir. Ich führe deine Hand. Hier, ja genau, hier ist es richtig.“

Ein fremder Wille zwang die schlanke Hand des Jünglings, die ein Jagdmesser umklammert hielt, durch die Dunkelheit. Hin zu den Gliedmaßen des bulligen Mannes, der sich grunzend in den Ketten wand. Hoch und höher. Ganz langsam schabte die scharfe Klinge auf der Haut entlang.

„Jetzt, stich zu. Jetzt!“ befahl die Stimme.

Und die Hand des Jungen hob sich. Und stach zu. Dorthin, wo die Stimme es befahl. Ohne zu sehen, wonach. Es war weich und roch eigenartig. Ein Körper wand sich unter den Stichen. Das Grunzen wurde zu einem Quieken.

„Haija! Gut gemacht!“, lobte die Stimme sanft. „Und jetzt gib mir deine Hand. Ich führe dich. Ja, genau so. Jetzt schneide! Es ist einfach. Es geht schnell. Ja, gut gemacht. Habe ich dir zu viel versprochen?“

Das ehemalige Opfer zitterte. Der Dom in den Ketten tobte. Blut spritzte aus dem Körper des Mannes und voll über den Jungen, der Sven hieß. Das Zittern des jungen Körpers, der nichts sah und nichts begriff, verstärkte sich.

„Ist ja gut“, beruhigte ihn die sanfte Stimme. „Es ist gleich überstanden. Wir haben es gleich geschafft. Gib mir jetzt das Ding, was du in der Hand hast. Ja, gut. Das andere, das weiche aus deiner Linken, bitte auch noch. Warte jetzt ein wenig. Keine Angst, ich bereite es schon für dich vor.“

Die Ketten rasselten. Ein Körper schlug hin und her. Blut spritzte immer noch. Ein Klopfen in der Nähe ertönte.

„Haija! So, alles bereit. Hier, nimm dies. Ja, genau. Das ist ein Hammerstiel. Was ein Hammer ist, weißt du ja wohl, oder? Nun gib mir deine andere Hand und halte dies gut fest. Spürst du das Weiche? Mit dem Nagel darin? Den musst du jetzt einschlagen. Sei vorsichtig. Du wirst nichts sehen. Fang ganz einfach mit kleinen Schlägen an. Du musst den Punkt erfühlen. Wegen den Fingern, du verstehst? Und kümmer dich nicht um das Ding unter dir, wenn es sich bewegt. Schlag einfach weiter. Wenn etwas daneben geht, auch nicht schlimm. Ich versuch dir zu helfen. Ich halte ihn fest. Bereit? Na dann los!“

Der Hammer traf den Nagel. Dann Svens Finger. Ein Schrei, aber er machte weiter. Leichte und vorsichtige Schläge. Sie erfüllten ihren Zweck. Manchmal ging noch einer in der Dunkelheit daneben und traf eine Hand oder einen Kopf. Doch dann war es geschafft. Der Körper in den Ketten regte sich nicht mehr.

Die Ermittlungen: Klappe - Die Erste

„Mir ist langweilig!“ maulte Sören.

Demonstrativ lehnte er sich in seinem Drehstuhl zurück, legte seine Beine auf den Tisch und verschob mit ihnen die zahlreichen Utensilien. Beide Arme hinter dem Kopf, lehnte er diesen zurück. Und schaukelte. Vor und zurück, vor und zurück. Die Augen zur Seite gerollt, beobachtete er durch das große Fenster hindurch die lärmenden Piepmätze auf ihrer Brautschau.

„Ich kann doch auch nichts dafür!“, antwortete Andreas Vogel. „Die Arbeit muss eben gemacht werden.“

Etwas genervt musterte er sein Gegenüber. Sören Kaiser war in dieser Sonderermittlungseinheit sein Partner. Und gleichzeitig sein Freund. Wenn auch ein anstrengender.

Es war immer das Gleiche. Wurde die Ermittlungsarbeit langweilig oder zur Routine, dann tickte Sören aus. Nun ja, daran hatte Andreas sich gewöhnt. Sollte er doch, kein Problem! Nur dass er immer alle gleich damit anstecken musste!

„Ich wollte, ich wäre ein Spatz!“, träumte Sören weiter. „Den ganzen Tag flattern, betteln, trällern und poppen.“

„Ja, klar. Vor allem poppen!“, schmunzelte Andreas. „Dann würde es bald keine Spatzen mehr geben.“

„Du nun wieder! Hin und wieder treibe ich es auch mit Frauen. Mit besonderen Frauen. Allerdings ist manchmal auch ein Langweiler dabei! Du erinnerst dich, oder?“

Oh ja, und wie! Nach einer feuchtfröhlichen Grillparty unter Kollegen hatte sein Partner es schließlich doch geschafft, ihn abzuschleppen. Wochen der Vorbereitung hatte Sören dafür investiert. Und dann schlussendlich bekommen, was er wollte. Andreas, den großen Frauenversteher in seinem Bett!

Um es klar zu sagen, es war nicht schlecht. Sörens Fantasie unter der Bettdecke hatte ziemlich schnell sämtliche Hemmungen bei ihm weggespült. Fünfzehn Minuten Formel eins. Es war toll. Überraschenderweise sogar mit einem Mann.

Das hieß aber nicht, dass eine Wiederholung für ihn in Betracht käme. Oder er es mit irgendeinem anderen treiben wollte. Allerdings bekam er auch keine moralischen Weinkrämpfe deswegen. Aber diese ewigen Seitenhiebe seitdem nervten! Sein Partner ließ es sich nicht nehmen, ihn fast jeden Tag damit aufzuziehen. Oh, Mann!

„Willst du mich schon wieder anmachen?“

„Ha, ha. Das hättest du wohl gern!“

Was sollte denn das nun schon wieder heißen? Sicher, Sören hatte nie wieder einen Versuch gestartet. War er etwa nicht zufrieden mit ihm? War Langweiler ernst gemeint? Na, das wäre ja wohl das Letzte! Allerdings war Sören danach auch nicht in Freudentränen ausgebrochen. Hm.

Er hatte mal mit Sörens Lieblingsstricher vom Bahnhof gequatscht. Einfach so, hatte sich ergeben. Und der meinte, Sex mit Sören bedeutet in der Regel das Zehnfache von fünfzehn Minuten. War er etwa nicht gut im Bett? All die Frauen behaupteten doch etwas anderes! Oder wollten die nur höflich sein? Hm.

„Hör mal, deine Anspielung ...“, grummelte Andreas.

„Reg dich ab, Alter. Ich meine doch nicht dich, du Karnickel.“

Ratlose Blicke aus braunen Augen. Dazu ein kleiner Schock. War da doch etwas?

„So vergesslich? Deine neue Flamme Eva saugt dir wohl das Gehirn heraus? Na, Alter, denk nach. Und ausnahmsweise mal scharf.“

Sören kicherte und schwang sich sportlich aus dem Drehstuhl. Zweideutigkeiten, er liebte sie. Langsam schlenderte er zu einem der Schreibtische hinüber, der zusammen mit einem anderen verwaist hinter einer halbhohen Trennwand vor sich hinträumte. Schon hatte er die unterste Schublade aufgezogen und kramte darin herum.

„Pass bloß auf, dass Nathalie dich nicht erwischt!“, stöhnte Andreas. „Sonst gibt es wieder Stress! Und jedes Mal, wenn ihr euch zofft, dann bekomme ich auch etwas ab. Aah, warte. Jetzt verstehe ich. Ein Wink mit dem Zaunpfahl? Du meinst Nat? Halt bloß deine Klappe! Letztes Mal hast du dich vor Eva auch schon fast verplappert!“

Nat, eine freundschaftliche Abkürzung für Nathalie Brock. Eine gemeinsame Kollegin, die ebenfalls zu dieser Sondereinheit gehörte. Allerdings zurzeit ohne Partner. Privat und dienstlich.

Sie alle hatten schon wilde Partys hinter sich. Und genauso wilde Bettgeschichten. Nur zu einem Dreier hatte es bis heute nicht gereicht. Vorwürfe und schamhafte Blicke gab es nie, nur Vergnügen. Und die Arbeit litt ebenfalls nicht darunter. Kam ja auch selten genug vor.

Kichernd stieß Sören die Schublade mit dem Fuß wieder zu. Und steckte irgendwas in seine Tasche. Er hatte wohl gefunden, was er gesucht hatte.

„Komm, lass uns abhauen!“, forderte er. „Ein bisschen Außendienst. Schau nach draußen, Andilein. Ein traumhaftes Wetter!“

„Wir müssen das fertigmachen“, stöhnte Andreas. „Der Alte killt uns! Der will doch mit dieser Geschichte vor dem Polizeipräsidenten prahlen.“

Andreas war hier in dieser Gruppe der Korrekte. Bis ins Kleinste gepflegt und immer im Markenanzug. Mit Weste, Krawatte und gestärktem Hemd. Natürlich schlohweiß. Dazu bessere Schuhe und reichlich Parfüm. Nur die 1,83, die breiten Schultern und der kurze schwarze Stoppelschnitt erinnerten an den ehemaligen Fallschirmjäger. Was Fernsehserien doch für einen Schaden anrichten können!

Sören war das genaue Gegenteil zu Andreas. Der trug nämlich die Nachwirkungen seiner zerstörten Kindheit offen zur Schau. Andreas wusste nicht viel. Nur, dass sein Partner in der Jugend wohl nicht allzu viel Spaß hatte.

Sören war fast zehn Zentimeter kleiner und von ganz normaler Statur. Gut durchtrainiert, gewiss. Aber nicht breit oder schmal, nicht kurz noch lang. Und durch und durch ein Chaot. Dreiundzwanzig Jahre alt. Ziemlich jung für diese Einheit. Böse Zungen behaupteten, er habe einen unbekannten Gönner. Und sehr böse Zungen kleideten den Verdacht in Worte, dass der smarte Bengel sich nach oben schlafe. Die Erfahrungen und die Ausdauer hierzu solle er wohl allemal mitbringen. So wurde behauptet.

Andreas war es egal. Er mochte diesen Rotzlöffel. Sören nervte zwar, aber ohne ihn konnte er auch nicht. Außerdem war der Bengel ein ausgesprochen genialer Bulle.

Halblange dunkelblonde Haare, die Ohren bedeckt, ziemlich struppig. Dazu eine Stupsnase mit frechen Sommersprossen, große Augen und volle Lippen. Trug meistens enge Lederhosen oder verwaschene Jeans. Dazu Netzhemden, darüber ewig offene Oberhemden, nichts in die Hosen gestopft. Markenturnschuhe und immer ein und dieselbe schwarze Lederjacke.

Sah schon nicht schlecht aus, sein Partner. Ganz und gar nicht. Nur leider wusste der dies auch.

Sören war nicht arrogant oder egoistisch, nein, wirklich nicht. Aber er setzte sein Aussehen als Waffe ein. Um jeden ins Bett zu kriegen, der ihm vor das Visier seiner Flinte lief. Und das waren nicht wenige! Männer und Frauen. Neidische Geister meinten auch so einige andere Sachen. Na ja.

Aber meistens waren es Kerle, darunter auch seine Informanten. Unter ihnen gab es nur einen, der fast so etwas wie ein fester Freund war. Ein strohblonder Junge aus Weißrussland. Einer der wenigen Elitestricher, die sich im Bahnhofsrevier herumtrieben. Meistens jedenfalls, wenn der Superstricher nicht gerade über Sören herfiel.

Chaotisch war auch Sörens Ermittlungstätigkeit. Er ging nach Gefühl, fast immer. Und das machte Andreas wahnsinnig. Denn er war genau das Gegenteil. Immer korrekt. Nur die Fakten zählten!

Ein Klingeln ertönte und die Fahrstuhltür öffnete sich. Nathalie! Na endlich. Wo mochte sie gewesen sein? Unpünktlichkeit war doch nicht ihr Ding. Eigentlich war sie es doch, die allen zeigte, wo es langging.

Sören stützte sich an der Trennwand ab und öffnet den Mund. Was war das? Ein kleines süßes Hündchen! Allerliebst! Sören fielen fast die Augen heraus. Und genauso viele Fragen verquirlten sich in seinem Kopf.

Das Hündchen war ja so was von blond! Schulterlanges Haar, mit Seitenscheitel, glatt, ohne Stufe. Eine Harry-Potter-Brille auf der Nase und wohl noch nicht mal 1,70 groß. Schmollmund, Kindernase, länglicher Schädel. Und erst die Augen! Grau, nicht hell, nicht dunkel. Mit jeder Menge schwarzer Punkte und Linien durchsetzt. Wahrlich, blinkende Edelsteine.

Ohne es so richtig zu wollen, sprang Sören auf. Er war ja so was von weg! Mit nur ein paar Schritten war er den beiden entgegengeschlittert, umarmte den Kleinen ohne Hemmungen und wuselte ihm durchs Haar.

„Ich hoffe, du hast ihn nicht festgenommen? Und wenn doch, dann wohl für mich!“, japste er Nathalie an.

„Nein, nicht festgenommen! Aber nimm trotzdem die Finger weg!“, keifte seine Kollegin.

„Och, ist der süß! Wo hast du den her? Ein Geschenk für mich? Oder ein Zeuge?“

„Nicht doch, weder noch. So lass ihn doch endlich los! Diesen hier versaust du mir nicht! Diesen nicht!“, schimpfte Nathalie und wurde regelrecht rabiat.

Mit beiden Fäusten trommelte sie auf Sörens Hände herum, die sich wie ein Klammergriff um den schmalen Körper gelegt hatten. Und Letzterer wurde so richtig durchgeschüttelt, sodass die Haare von links nach rechts und wieder zurückflogen. Und dann und wann traf den Spacko auch Nathalies Faust. Und die war nicht von Pappe! Nämlich dann, wenn Sören gerade seine Hand einfach in Sicherheit brachte, indem er den gefangenen Körper wegdrehte.

„Nun sag schon, wem gehört der Bursche? Ist das dein neuer Lover? Oder dein Sohn? Kann ich ihn haben? Bitte! Bitte, bitte.“

Im Hintergrund ertönte lautes Gelächter. Ein kurzer Blick genügte, um zu sehen, wie Andreas vor Lachen fast vom Stuhl fiel.

„Jetzt reicht es aber wirklich! Du bist das letzte Kind! Und du da hinten lach nicht so viel! Du solltest mir lieber gegen diesen Verrückten helfen!“, krähte Nathalie und hatte Erfolg.

Noch immer grinsend stemmte Andreas sich hoch und mit vereinten Kräften schafften sie es schließlich, den Burschen aus Sörens Umklammerung zu lösen. Letzterer zog einen Schmollmund, setzte seinen speziellen Hundeblick auf und fing an zu greinen.

„Ach, hör schon auf! Das glaubt doch ohnehin niemand! Jedes Mal ist es das Gleiche mit dir“, schnatterte Nathalie.

Es sollte wohl grimmig klingen. Aber die lustigen Fünkchen in ihren Augen verrieten sie.

Schnaufend zupfte sie sich die Jacke wieder zurecht, die bei der Rangelei ein wenig aus der Form geraten war. Während des Dienstes war ein Hosenanzug angesagt. Ungeliebt, aber praktisch. War der Dienst beendet, wurde er sofort gegen ein schmuckes Kleid getauscht. Meistens ein kostbares Dirndl. Und gleich in der engen Besenkammer nebenan, die noch zu ihrem Großraumbüro gehörte.

„Darf ich vorstellen? Peter Riebe. Unser neuer Mitarbeiter und mein Partner. So, und nun macht Platz!“, erklärte Nathalie, schob ihren neuen Partner einfach vor sich her und die anderen beiden Verdutzten zur Seite.

„Ernsthaft? Ohne Scheiß?“

Sören fand als Erster seine Stimme wieder.

„Ist der nicht noch ein bisschen jung?“, klinkte sich nun auch Andreas ein.

„Tja, sieht so aus. Er wurde mir einfach so aufs Auge gedrückt. Jetzt müssen wir wohl mit ihm klarkommen“, sagte Nathalie und schmiss ihre Tasche auf den Schreibtisch.

Andreas und Sören machten große Augen. Und Peter schluckte, mehrfach.

„Das glaub ich jetzt wohl einfach nicht. Hat die Polizei etwa solche Probleme, dass wir schon Vorschulkinder nehmen?“, stöhnte Andreas.

„Was ist passiert?“, wollte Sören wissen. „Du lässt dir doch sonst nicht die Butter vom Brot nehmen?“

„Hab ich auch nicht“, schnaufte Nathalie.

Sie setzte sich hin, drehte den Stuhl und starrte die beiden mit großen Augen an. Ach, war das herrlich! Sie wusste ganz genau, dass es die beiden verrückt machen würde. Man musste die großen Kinder nur zappeln lassen, dann gab es Spaß. Das machte Nathalie immer, wenn sie etwas gute Laune gebrauchen konnte.

„Ihr beide habt aber echt den Verstand von Fliegen. Ratet mal, warum ich zu spät komme. Na, was denkt ihr? Der Balder und ich hatten uns in der Personalabteilung getroffen. Vorstellungsgespräche und so weiter, ihr versteht schon. Und dass hier, was ihr vor euch seht, ist das Einzige, was übrig blieb. Das Einzige, was mit Klasse zu haben war.“

Toll! Den beiden fiel fast die Kinnlade herunter. Während der schmächtige Bursche, der wie ein Häuflein Unglück in der Gegend herumstand, gar nicht mehr aus dem Schlucken herauskam.

„Atmen! Ihr müsst atmen! Nicht, dass ihr mir hier noch umfallt. Aber keine Angst. An dem Kleinen ist mehr dran, als man auf den ersten Blick sieht. Ich habe ihn ausgiebig getestet.“

„Aha. Deine allbekannte Tretmühle also! Und er hat wirklich bestanden?“, schniefte Andreas.

„Oh ja, sogar mehr als das“, schmunzelte Nathalie. „Das Bürschchen ist clever. Geistig bringt das Kerlchen mehr auf die Reihe, als ihr beide zusammen in einem Jahr.“

Sören und Andreas schnaubten nun empört. Nathalie lachte. Das Kerlchen bekam einen Hustenanfall.

„Nein, nein. Nur keine Angst. Aber ernsthaft. Wenn mich nicht alles täuscht, dann kann der Bursche einer der besten Profiler werden, der mir jemals untergekommen ist.“

„So, so! Wirklich?“, staunte Sören und himmelte Peter mit seinem Hundeblick von unten her an.

Der wurde rot, ziemlich schnell sogar.

„Und was ist, wenn er mal irgendeinen festnehmen soll?“, klinkte sich Andreas ein. „Schaut ihn euch doch an! Die harten Jungs spielen doch Tennis mit ihm.“

„Für den Fall bin ich ja da“, plusterte Nathalie ihre Backen auf. „Die ersten zehn nehme ich.“

„Und wenn es elf sind?“, ließ Andreas nicht locker.

„Elf, hm? Naja, um den Elften könnt ihr euch beide dann kümmern. Hört zu, ihr Nullen. Ich weiß auch, dass er nicht ganz das Gelbe vom Ei ist. Aber der Balder will eben mal was Neues versuchen. Also werden wir bei besonderen Einsätzen in Zukunft zusammenarbeiten.“

„So, so. Zusammenarbeiten also. Und wer gibt die Gangart vor? Ich schätze mal du, oder? Da habt ihr beide, der Balder und du, euch ja wieder was Feines ausgedacht“, höhnte Andreas.

Sören stand auf und trat vor Peter, der außer einem Röcheln noch nichts zur Unterhaltung beigetragen hatte. Behutsam schob er ihm die Brille nach oben.

„Nein, schaut euch das an! Was für schöne lange Augenbrauen. Und die Wimpern erst!“

Und ehe der Neue sich versah, küsste Sören ihn auf die Lider, links und rechts.

„Gib dir keine Mühe“, feixte Nathalie. „Der Junge hat überhaupt keinen Bock auf Sex! Außerdem ist er so was von hetero! Keine Chancen für dich! Nichts, hörst du, nichts wirst du in das Bübchen reinstecken! Oh, wie mich das freut! Da hat das Sexmonster keine Chance! Endlich mal.“

„Stimmt das, Süßer? Bist du nicht zu haben? Hab ich nicht die geringste Chance?“, strahlte Sören den Neuen an.

„Ich. Äh. Aber. Ich. Vielleicht. Ach, ich weiß auch nicht“, stotterte der Gefragte und fing leicht an zu zittern.

Sören lachte aus vollem Halse, als er in Nathalies verdutztes Gesicht sah.

„Ich habe genug gehört“, tönte er, packte Andreas am Ärmel und zog ihn bestimmt zum Treppenaufgang. „Wir haben noch was zu erledigen. Wartet nicht auf uns.“

„Haben wir?“, flüsterte sein Partner.

„Klar doch, vertrau mir“, flötete Sören und zog noch ein wenig kräftiger.

Andreas seufzte. Er wusste, er hatte keine Chance. Solange er noch saß und sich an seinem Stuhl klammern konnte, schon. Aber hatte ihn sein Partner erst mal am Haken, dann wurde sein Wille ganz klein. So war es schon immer. Und so wurde er schon in so manchen Mist mit hineingezogen.

Ein letzter verzweifelter Blick zeigte ihm eine Nathalie, welche die Stirn runzelte. Und einen jungen Burschen, der immer noch verlegen in der Gegend herumstand, sich die beschlagene Brille putzte und mittlerweile einen Kopf wie eine Tomate hatte.

Die Ermittlungen: Klappe - Die Zweite

„Was ist los? Was hast du vor?“, wollte Andreas von seinem Partner wissen.

Der ihn immer noch nicht losgelassen hatte und nun weiter mit schnellem Schritt hinter sich herzerrte. Durch das Treppenhaus bis nach unten. Rein in den Eingangsbereich und gleich wieder raus. Mittlerweile waren sie schon auf dem großen Behördenparkplatz, als sich Sören endlich bequemte, ihn loszulassen.

„Wir machen eine Pause!“, lautete die Antwort, während er mit seinem Körper zwischen die ganzen Dienstwagen hindurchtänzelte. „Das haben wir uns verdient! Monatelange Observierung. Tag und Nacht und absolut langweilig. Klar, der Fisch war nicht klein. Aber von dem ganzen Rumsitzen hat sich jeder Muskel in meinem Körper verabschiedet. Absolut jeder, das kannst du glauben! Und jetzt auch noch der ganze Papierkram? Mensch, Alter, da werde ich doch hundertprozentig impotent!“

„Ich weiß nicht“, zierte sich Andreas. „Während der Arbeitszeit? Das gibt doch bestimmt wieder Ärger. Und ich hänge wieder mal mittendrin!“

„Ach, komm schon, Andischatz! Hab dich nicht so“, säuselte Sören. „Keiner wird es erfahren. Ich halte dicht! Ich habe auch keinem erzählt, was für ein Pfund du im Bett bist! Wir recherchieren einfach ein bisschen. Ein bisschen Nachdenken über den letzten Fall. Ermittlungsarbeit eben. Wer will uns das Gegenteil beweisen? Ist doch nicht das erste Mal.“

„Na ja, hast ja recht. Glaubst du etwa, mir macht es Spaß, Berichte zu schreiben? Aber es muss nun mal gemacht werden. Das weißt du ... Hey, wo willst du denn hin?“

Verdutzt blieb Andreas vor ihrem Dienstwagen stehen. Es war ein alter klappriger und kleiner blauer Ford, gar nicht zu übersehen.

„Ich will ein bisschen Spaß haben“, schmunzelte Sören und eilte weiter. „Glaubst du, diese Gurke verschafft mir Spaß?“

„Diese Gurke hat uns noch nie im Stich gelassen!“, schnaufte Andreas, während er seinem Partner hinterher lief und sich ebenfalls durch die Fahrzeuge schlängelte.

Innerlich seufzte er laut. Er wusste ja, dass Sören meinte, dass ihr Chef Erich Balder ihm nur eins auswischen wollte. Er glaubte nämlich fest daran, dass ihn der Alte nicht unbedingt liebte. Die blaue Schüssel war bekanntermaßen das älteste und reparaturbedürftigste Fahrzeug, was sich in der Polizeiflotte auftreiben ließ. Das kleine Auto röchelte und stotterte. Es jammerte und quälte sich. Dennoch mochte Andreas das kleine Ding wie ein Familienmitglied.

Aber vielleicht hatte Sören ja recht. Allzu oft gerieten er und Balder aneinander. Der Alte versuchte seinen Partner wohl zu erziehen. Zu lenken und zu leiten. Warum auch immer. Und weil dies eben ganz und gar nicht einfach war, bekam Sören bei jeder Gelegenheit einen saftigen Zusammenschiss. Gefühlte zehnmal so oft wie jeder andere.

„Ich habe uns etwas Besseres organisiert“, trällerte Sören derweil unbeschwert weiter. „Komm schon, da vorne ist das Teil. Beeil dich gefälligst! Oder muss ich erst eine Domina hinter dir herjagen?“

„Mann! Ist ja schon gut! Warum hast du es denn so eilig? Hast du Angst, dass dir deine Berichte hinterherlaufen und dich in Ketten legen?“

„Wirst schon sehen“, schmunzelte Sören. „Und jetzt, Augen zu! Augen zu, hab ich gesagt! Mach endlich die Klappen dicht, bevor ich austicke!“

Andreas gehorchte. Eine Autotür klappte. Dann wurde er am Kragen gepackt, heruntergedrückt und irgendwo reingeschoben. Erneutes Türenklappen. Ein Motor startete und heulte auf.

„Oh Gott“, stöhnte Andreas, als er die Augen wieder öffnete.

Da quietschten auch schon die Bremsen und er wurde in den Sitz gedrückt. Das Auto, ein schwarzer 5-BMW, machte einen Satz und schoss aus der Parklücke. Andreas sah winkende Hände und so manchen erhobenen Mittelfinger.

„Eh, Kaiser, willst du mich nicht lieber mitnehmen, als diese Schlaftablette?“, brüllte ein Polizist, der gerade seinen Streifenwagen abschloss.

Sören warf ihm eine Kusshand zu und gab dann so richtig Gas. Einmal, nein zweimal, drehte sich der Wagen um sich selbst. Weißer Rauch hüllte ihn ein und es stank nach Gummi.

„Oh Gott“, krächzte Andreas und noch einmal: „Oh Gott.“

Gerade noch konnte er sehen, wie einige Fenster im oberen Teil des Gebäudes aufgerissen wurden, als sie auch schon durch die bewachte Parkplatzeinfahrt zischten. Der Wachhabende war clever, denn er hatte die Schranke vorsorglich schon geöffnet. Ein erhobener Daumen und ein neidisches Grinsen folgten ihnen, als sie auf die Hauptstraße einbogen und kurz darauf die nächste Abfahrt zur Autobahn nahmen.

„Du machst Sachen!“, japste Andreas, während er sich sicherheitshalber am Armaturenbrett abstützte.

Bei Sörens Fahrstil keine dumme Idee. Denn der war nicht ohne. Ein Grund, warum er im blauen Ford meistens Fahrverbot hatte.

„Du, sag mal, ich kenne doch diese Schüssel!&

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