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SIKO17 Sicherheitskonferenz Krems

Walter Seböck,

Bettina Pospisil,

Nathalie Waldau-Drexler,

Ingeborg Zeller,

Monika Oswald (Hrsg.)

SIKO17

Sicherheitskonferenz Krems

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Inhaltsverzeichnis

I. EINFÜHRUNG

Vorwort

Mag. Johanna Mikl-Leitner

Vorwort

Univ.-Prof. Dr. Gerald Steiner

Vorwort

Ass.-Prof. Dr. Walter Seböck

II. FACHBEITRÄGE

GEMEINSAM.SICHER mit Frauen. Selbstsicherheit - Selbstbehauptung

Dr. Michaela Kardeis

Bürgernahe Polizeiarbeit

Mag. Daniel Srienz, Insp. & David Maximilian Voigt, BA, MSc

Kriminalitätsfurcht und subjektive Sicherheit

Assoz.Univ.-Prof. Dr. Helmut Hirtenlehner & Univ.-Prof. Dr. Christian Grafl

Die Sicherheitspartner –Zivilcourage vs. Polizeispitzel

Dieter Csefan, BA MA

Social Media bei der Polizei

Mag. Andreas Wallner

GEMEINSAM.SICHER für das Sicherheitsmanagement

Michael ZORATTI, MSc

III. SPONSOREN

Täglich grüßt das Murmeltier…

Uwe Rühl

Die Utopie der sicheren Stadt

Richard Benda

Gebäudesicherheit und Digitalisierung

Ing. Walter Michor

Der Sicherheitsmarkt in Österreich in Zahlen

Thomas Forstner

Vorwort

Mag. Johanna Mikl-Leitner

Landeshauptfrau

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Offensive für noch mehr Sicherheit in Niederösterreich

Die Sicherheit ist Teil unseres Lebensgefühls und unseres Selbstverständnisses. Mit maßgeschneiderten und zielsicheren Maßnahmen konnten wir schon in den vergangenen Jahren ausgezeichnete Erfolge erzielen. Ein wichtiger Begleiter und Impulsgeber auf diesem Weg ist die Sicherheitskonferenz in Krems. Ich freue mich als Landeshauptfrau auf und über dieses Treffen und begrüße die TeilnehmerInnen und BesucherInnen aus dem In- und Ausland sehr herzlich.

Als Landeshauptfrau und ehemalige Innenministerin habe ich größtes Interesse, dass die Sicherheit der Bevölkerung jederzeit gewährleistet wird. Dies war bisher vor allem auch wegen der hervorragenden Arbeit unserer ExekutivbeamtInnen möglich, die tagtäglich ihren schwierigen Aufgaben nachgehen und dabei mitunter ihr Leben einsetzen. Die beste Grundlage für eine gute Arbeit sind optimal ausgebildetes Personal und eine entsprechende Infrastruktur.

Die 700 zusätzlichen Posten für die nächsten Jahre in Niederösterreich und die modern ausgestatteten Polizeiinspektionen in allen Regionen sind die beste Garantie dafür, dass die erfolgreiche und hervorragende Arbeit der PolizistInnen auch in Zukunft fortgesetzt werden kann.

In diesem Sinne wünsche ich den TeilnehmerInnen der Sicherheitskonferenz viel Erfolg und gutes Gelingen. Ich darf mit meinem Dank für die vielen vorbildlichen Einsätze und die Aufrechterhaltung der Sicherheit jedem einzelnen Angehörigen der Polizei im Namen des Bundeslandes Niederösterreich für die Zukunft alles Gute wünschen.

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Vorwort

Univ.-Prof. Dr. Gerald Steiner

Dekan der Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung, Donau-Universität Krems

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Sicherheit ist nicht nur ein grundlegendes menschliches Bedürfnis und eine zentrale Aufgabe des Staates, sondern auch eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. Wissenschaftlich gesehen handelt es sich dabei um ein überaus komplexes Feld: Sicherheit als soziale Wirklichkeit ist nicht gegeben, sondern entsteht dynamisch im Zusammenspiel von Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sowie den Medien, die über Diskurse auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen mitprägen. Zudem eröffnen gerade die Digitalisierung sowie technologische Entwicklungen wie autonomes Fahren zwar neue Chancen, erhöhen aber auch die Verwundbarkeit vernetzter Systeme.

Das Zentrum für Infrastrukturelle Sicherheit der Donau-Universität Krems nimmt eine Vordenkerrolle in der Lehre und Forschung für nachhaltiges Sicherheitsmanagement ein und hat sich im deutschsprachigen Raum als Kompetenzzentrum im Sicherheitswesen positioniert. Dabei agiert die Donau-Universität Krems – ganz im Sinne des Projekts „GEMEINSAM.SICHER in Österreich“ – gemeinsam mit namhaften nationalen und internationalen SicherheitspartnerInnen aus der Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, um einen Beitrag zu einem sicheren Österreich zu leisten.

Der wissenschaftliche Austausch und die enge Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind grundlegende Voraussetzungen, um im komplexen Feld der nachhaltigen Sicherheit erfolgreich forschen und lehren zu können. Die Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung der Donau-Universität Krems verfolgt dabei über alle Departments hinweg den Grundsatz der Transdisziplinarität im Sinne eines wechselseitigen Lernprozesses von Wissenschaft und Gesellschaft, um komplexe Systeme besser zu verstehen, Innovationen zu fördern und die gesellschaftliche Wirksamkeit zu erhöhen.

Gerade auch die jährliche Sicherheitskonferenz bietet dabei – neben der Zusammenarbeit in konkreten Forschungsprojekten, wie beispielsweise im Bereich der Krisenkommunikation bei Computer Emergency Response Teams (CERTs) oder der Cybersicherheit künftiger Verkehrssysteme – eine wichtige Plattform des Austauschs. Möglich wird dies auch durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit unseren KooperationspartnerInnen, insbesondere dem Bundesministerium für Inneres sowie dem Kuratorium Sicheres Österreich, sowie mit Partner-Unternehmen. Als Dekan der Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung freut es mich besonders, dass die Inhalte dieser Konferenz mit dem Motto „GEMEINSAM.SICHER mit der Wissenschaft“ nun mit dem vorliegenden E-Book auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gerade beim Thema Sicherheit geht es schließlich auch um Partizipation und Bewusstseinsbildung, um bereits heute die Sicherheitsfragen von morgen mitgestalten zu können und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Vorwort

Ass.-Prof. Dr. Walter Seböck

Leiter des Zentrums für Infrastrukturelle Sicherheit, Donau-Universität Krems

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Das Ziel der Sicherheitskonferenz Krems der Donau-Universität ist es, anhand aktueller Schwerpunkte die Entwicklungen im Sicherheitsbereich darzustellen, neue Konzepte zu präsentieren und gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern Impulse zu setzen. Die Schwerpunktsetzungen beruhen dabei auf den Ergebnissen von Forschungsprojekten und Fachdiskussionen sowie auf den Anforderungen aus dem Lehrbereich und der Diskussion mit Praktikerinnen und Praktikern.

Die Forschung im Sicherheitsbereich ist vielfältiger Natur, die Themen umfassen das gesamte Spektrum des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens, wobei die Komplexität enorm steigt. Globalisierte Arbeits- und Wirtschaftsformen, Terror, Migrationsbewegungen und Digitalisierung verändern das gewohnte Gefüge, schaffen neue Bedingungen und verursachen Unsicherheit.

Das Regulativ, Technologien oder Gesetzeslagen zu adaptieren, würde sich folglich als Problemlösung anbieten, die aber immer nur kurzfristig wirkt. Bei der Betrachtung der aktuellen Sicherheitsprobleme erscheint unmittelbar die Vermutung, dass diese meist technisch bedingt und daher auch rein technisch lösbar wären; dies führt allerdings auf eine rein technische Detailebene. Als Lösungsszenario diverser Probleme ist dieses das einfachste, da es eine rationale Betrachtung unterstützt und ein objektives Ursache-Wirkungsprinzip unterstellt. Damit können die Probleme zwar temporär, nicht aber grundsätzlich gelöst werden. Denn Sicherheit ist subjektiv, muss lebbar sein und Vertrauen herstellen, was nur durch den Dialog gelingt.

GEMEINSAM.SICHER fördert diesen Dialog zwischen allen beteiligten Gruppen und der Polizei mit dem Ziel, „eine Gesellschaft des Hinsehens und des aktiven und verantwortungsvollen Handelns“ zu fördern und damit das Thema Sicherheit positiv zu entwickeln.

Diese Konferenz „GEMEINSAM.SICHER mit der Wissenschaft“ fokussiert den wissenschaftlichen Austausch anhand der Zusammenarbeit in gemeinsamen Forschungsprojekten und Studien. Damit soll über die Schaffung von Bewusstsein ein Beitrag geleistet werden, Vertrauen herzustellen und Österreich sicherer zu machen.

An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei allen Beteiligten an der Sicherheitskonferenz Krems 2017, bei den Autorinnen und Autoren, den Sponsorinnen und Sponsoren und dem Organisationsteam für das Engagement.

GEMEINSAM.SICHER mit Frauen

Selbstsicherheit - Selbstbehauptung

Dr. Michaela Kardeis

Bundesministerium für Inneres

Abstract

Als bei den Silvesterfeierlichkeiten 2015 in Köln zahlreiche Frauen von Gruppen von Männern angetanzt und sexuell belästigt werden, ist die Empörung in der Öffentlichkeit groß. Das Sicherheitsvertrauen der Frauen sinkt rasant. Politik und Sicherheitsbehörden reagieren umgehend – so auch in Österreich.

Die Arbeitsgruppe „GEMEINSAM.SICHER mit Frauen“, die von Bundesminister Mag. Wolfgang Sobotka ins Leben gerufen wird, nimmt sich der Erhebung der Bedürfnislage von Mädchen und Frauen im öffentlichen Raum an. Gemeinsam mit Frauenorganisationen und -institutionen werden von ExpertInnen der Polizei Maßnahmen erarbeitet, die die Selbstsicherheit von Frauen generell stärken und sie befähigen sollen, sich in empfundenen und tatsächlichen Gefahrensituationen selbst behaupten und verteidigen zu können.

1 Hintergrund

Silvester 2015: In Köln werden zahlreiche Frauen von fremden Männern in Gruppen angetanzt, in Intimbereichen berührt und bestohlen. Über 1.000 Strafanzeigen werden erstattet [1]. Ein Phänomen, das in dieser Form neu ist, viele Frauen verunsichert und die Angst schürt, Opfer eines sexuellen Übergriffs zu werden.

Neben den Medien reagieren auch die Politik und die Polizei in Österreich. Exekutivbedienstete werden sensibilisiert und die uniformierte Polizeipräsenz bei Großveranstaltungen verstärkt. Es werden Werteschulungen für Asylwerber durchgeführt und Informationsveranstaltungen für Mädchen und Frauen zum Thema Selbstbehauptung und Selbstschutz verstärkt. Bundesminister Wolfgang Sobotka setzt eine Arbeitsgruppe „GEMEINSAM.SICHER mit Frauen“ ein. Ob die Arbeitsgruppe „GEMEINSAM.SICHER mit -“ oder „GEMEINSAM.SICHER für Frauen“ heißen soll, war ein reger Diskussionsprozess. Man entschied sich für „GEMEINSAM.SICHER mit Frauen“, weil das Mitwirken und der eigene Beitrag ein sehr wichtiger Hebel für mehr Sicherheit und ein höheres Sicherheitsvertrauen von Frauen ist. Wer sich mit seinen Ängsten ernst genommen fühlt und Unterstützungsangebote bekommt, kann sich ihnen stellen und sie bewältigen.

2 Ziel, Strategie und Umsetzung von „GEMEINSAM.SICHER mit Frauen“

Frauen und Mädchen haben durch die Möglichkeit der Verletzung der sexuellen Integrität andere Sicherheitsbedürfnisse als Männer. Worum es dabei genau geht, wo man ansetzen muss, um die objektive Sicherheit für Frauen zu erhöhen und ihr Sicherheitsvertrauen zu stärken und daraus entsprechende Maßnahmen umzusetzen, war Auftrag an die genannte Arbeitsgruppe, die aus VertreterInnen der Landespolizeidirektionen aus allen Bundesländern und ExpertInnen des Bundeskriminalamtes besteht.

Gemeinsam mit Frauenorganisationen und unter Einbindung der ExpertInnen des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen werden Maßnahmen entwickelt und im jeweiligen Zuständigkeitsbereich umgesetzt. Angenommen wird bei der Erarbeitung der Maßnahmen, dass

die Bedürfniserhebung (ernst genommen werden),

die Partizipation an Maßnahmenplanung und Umsetzung,

das Vertrauen in die zuständigen Institutionen und

das Empowerment (Erlangung von notwendigen Fähigkeiten)

zur Stärkung des Sicherheitsvertrauens beitragen.

Ein wichtiger Baustein werden die Ergebnisse einer Befragung sein, bei der die Bedürfnisse und verunsichernde Bereiche und Situationen bei Frauen erhoben werden (siehe auch Kapitel 5.). Daraus werden ab Ende 2017 unter anderem Szenarien für Veranstaltungen für Mädchen und Frauen entwickelt werden. Seit Frühjahr 2017 werden bereits die best practice-Modelle aus den Bundesländern österreichweit umgesetzt. Das Angebot von Informationsveranstaltungen zum Thema „Selbstbehauptung – sicherheitsorientiertes Verhalten“ wurde sowohl für Mädchen und Frauen intensiviert, als auch in den Landespolizeidirektionen selbst für die Mitarbeiterinnen im Verwaltungsdienst durchgeführt.

3 Verhaltenstipps

Die ExpertInnen der Arbeitsgruppe „GEMEINSAM.SICHER mit Frauen“ können aus ihrer Arbeit in der Gewalt- und Sexualdeliktsprävention auf einem guten Fundament an Wissen zum Thema Selbstbehauptung aufbauen. Dieses Wissen soll durch Erkenntnisse über die aktuellen Bedürfnisse von Mädchen und Frauen (siehe erwähnte Befragung) sowie durch konkrete Verhaltenstipps und die Möglichkeit, sie in praxisnahen Situationen selbst ausprobieren zu können, Mädchen und Frauen vermittelt werden.

3.1 Risikominimierung

3.1.1 Sich selbst wahrnehmen

Oft können Gefahren durch vorbeugende Maßnahmen vermieden und das Sicherheitsgefühl erhöht werden. Dazu reicht etwa, sich bewusst zu machen, dass in Situationen, in denen man sich nicht wohl fühlt, Vorsicht und Achtsamkeit stets geboten sind. Frauen sollten in solchen Situationen darüber nachdenken, welche Handlungsmöglichkeiten sie haben und diese auch „durchdenken“ bzw. gedanklich „durchspielen“. Alleine das führt zu mehr Selbstbewusstsein und zu einem selbstsicheren Auftreten. Auf das eigene Bauchgefühl zu achten und Signale wie Unbehagen ernst zu nehmen, sind wichtige Tipps der Kriminalprävention.

3.1.2 Mut aufbringen

Der nächste Schritt ist bereits der Mut,

aufdringlich erscheinende Personen energisch und entschlossen anzusprechen,

die Hilfe von anderen Menschen in der Umgebung einzufordern (Zivilcourage) und

bei Gefahr um Hilfe zu rufen.

Je aufmerksamer jemand sein Umfeld wahrnimmt, umso besser und frühzeitiger kann auf eine mögliche Gefahrensituation reagiert werden.

3.1.3 Selbstsicher auftreten

Ein zentrales Element ist Empowerment, also Stärke zu entwickeln, um selbstsicher auftreten zu können. Selbstsicherheit lässt sich trainieren. Durch einen generell bestimmten Schritt, einen offenen Blick und eine aufrechte Körperhaltung kann einem möglichen Angreifer Stärke und Kraft signalisiert werden.

3.2 Verhalten in Gefahrensituationen

Die körperliche Unversehrtheit ist bei einem gefährlichen Übergriff das Wichtigste. Hat man bereits im Vorhinein ein unsicheres Gefühl, sollte man darauf hören und die Örtlichkeit so schnell wie möglich verlassen. Manchmal reicht es etwa, die Straßenseite zu wechseln.

3.2.1 Die richtige Reaktion

In einer Gefahrensituation reagieren Menschen unterschiedlich. Es ist besonders wichtig der Bevölkerung zu vermitteln, dass jegliche Reaktion des Opfers richtig ist. Keine Gegenwehr zu leisten, aber auch ein alkoholisierter Zustand des Opfers, bedeuten niemals schuldhaftes Verhalten oder Einwilligung.

Gelangt man in eine gefährliche Situation oder kommt es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, die Gegenwehr erfordert, dann muss diese schnell, heftig und ohne Hemmung erfolgen. Das Ziel ist es, den Täter abzuwehren und die erste Möglichkeit zur Flucht zu nutzen. Flucht ist immer ein adäquates Verteidigungsmittel.

3.2.2 Empowerment: Information – Selbstbehauptung – Selbstverteidigung

Die erste Stufe zum Empowerment sind Informationsveranstaltungen der Polizei, in denen Mädchen und Frauen Verhaltenstipps zur Sicherheit im öffentlichen Raum vermittelt werden. Besonders behandelt werden dabei das Ausgehen in Lokale und der Heimweg, die Nutzung von Parkhaus oder Tiefgarage und die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Weitere Themen solcher Veranstaltungen sind

Tipps zur Vermeidung von Risikosituationen,

empfohlene Verhaltensweisen in gefährlichen Situationen,

Stalking und Cybermobbing und

rechtliche Informationen für Opfer. Denn die Unterstützung, Hilfe und Betreuung sind nach einem Übergriff von enormer Bedeutung.

Selbstbehauptung ist eine wichtige Voraussetzung, sich in Gefahrensituationen richtig verhalten zu können. Gemeint ist damit die Fähigkeit, sich der eigenen Grenzen bewusst zu sein und eine Überschreitung der persönlichen Grenze deutlich machen zu können. Selbstbehauptung wird in solchen Kursen an häufig auftretenden, teilweise sogar alltäglich stattfindenden, Konfliktsituationen trainiert und kann im Alltag kontinuierlich weiter eingeübt werden. Selbstbehauptung führt somit zu Selbstsicherheit.

Bei speziellen Selbstverteidigungskursen, die von zahlreichen Vereinen angeboten werden, geht es zum einen um das Erlernen von einfachen, effektiven körperlichen Abwehrtechniken. Zum anderen sind der Erfahrungsaustausch, die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und vor allem die Stärkung von Selbstvertrauen und der Fähigkeit, sich selbst zu behaupten wichtige Aspekte des Empowerment.

4 Subjektives Sicherheitsgefühl versus objektive Sicherheit

Wie ist es nun um das Sicherheitsvertrauen von Frauen in Österreich tatsächlich bestellt? Und in welchem Verhältnis steht dazu die objektive, durch Zahlen belegbare Sicherheit?

Die Sicherheitsbehörden waren seit einiger Zeit mit dem Phänomen konfrontiert, dass sich die objektiv gegebene und die durch Zahlen der Kriminalstatistik belegbare Sicherheit in Österreich (siehe Kapitel 4.1) vom subjektiven Sicherheitsempfinden der Menschen zunehmend zu entkoppeln schienen.

4.1 Objektive Sicherheit

Die Kriminalstatistik [2] im Deliktsbereich rund um die sexuelle Integrität konnte im Fünf-Jahres-Vergleich mit Ausnahme der sexuellen Belästigung (nach einer Verschärfung im Zuge der Strafrechtsreform 2015, die mit Jänner 2016 in Kraft getreten ist1) einen leichten Rückgang verzeichnen.

 

Ein Auszug:

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4.2 Subjektives Sicherheitsgefühl

Mehrere Untersuchungen zum Sicherheitsgefühl der Menschen zeigten entgegen dieser Statistik einen Trend, der mit den objektiven Zahlen nicht im Einklang stand.

Die Kernaussagen einer KIRAS-Studie unter dem Titel „Sicherheitsmonitoring 2016: Sicherheitsgefühl und Sicherheitsbedürfnis“, die vom IFES-Institut im Auftrag des BMVIT durchgeführt wurde [3], lauten:

„die Verunsicherung ist in Österreich sprunghaft angestiegen“

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„die Verunsicherung ist zukunftsorientiert und wirtschaftlich geprägt“

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„der öffentliche Raum wird zunehmend als bedrohlich wahrgenommen“