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Ruhrpott-Dschungel

Ruhrpott Dschungel

von Jo Ziegler

Ein Ruhrpott-Krimi

Novelle

© dieser Digitalausgabe by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

DIE INFO-SEITE RUND UM DIE PRODUKTE DES VERLAGES FINDEN SIE UNTER:

www.editionbaerenklau.de

© 2014 der Novelle  by JO ZIEGLER

© Covervignette 2014 by Steve Mayer unter Verwendung eines Spritzlackbildes

von Herrn Hans-Bernd Gossel aus dem Jahre 1987 (Spritzlack auf Holz 120 x 120 cm)

mit freundlicher Genehmigung von Frau Anneliese Gossel.

(Hinweis: H.B. Gossel gestaltete die Buntglasfenster der Andreas-Kirche in Frankfurt a.M.)

Auf gar keinen Fall springen!“

Natürlich nicht! Denn dann würde meine Tüte platzen.“

Deine Lümmeltüte?“

Meine Million- Euro- dicke Drogentüte.“

Gib mir fünfzehn Minuten, dann ist die Aktion gelaufen.“

Zehn Minuten, Meier Zwo, wir sehen uns!“

Bin schon weg!“

Na, also! Geht doch!“

Horst Sokolowski lässt die Puppen tanzen, denn nur noch wenige Monate trennen ihn von seiner vorzeitigen Pensionierung als Polizei-Hauptkommissar.

Doch der urbane Großstadt-Dschungel schläft nie.

Noch weniger die anschwellende SCHWARZE WOLKE von krächzenden Raben über den Cross Roads!

Ein blanker Fingerknochen auf seinem Gartengrillrost setzt im Morgengrauen des dreizehnten August seine spontanen Ermittlungen in Gang.

Ein Ruhrpott-Krimi der etwas „anderen“ Art. Vom Autor der schrägen Ruhr-Pott-Trilogie!

I WINTER

Spät kam ich an, durchstreifte aber noch die nächtlichen Straßen der nördlichen CROSS-ROADS und sah hier Gestalten, die ich nicht schildern will.

Hier bleiben?

Entschieden wird morgen bei der Zwangsversteigerung eines teilweise bebauten gewerblichen Grundstücks, eines Eckgrundstücks an der zweitschäbigsten Ausfallstraße der Stadt.

Der anberaumte Gerichtstermin im Amtsgericht ist Teil des Programms SOZIALE STADT, wobei allerdings meiner Meinung nach die schönen Worte die harte Wahrheit im Essener Norden Lügen strafen.

Das Prozedere einer Zwangsversteigerung ist mir aus vorausgegangenen Terminen dieser öffentlichen Sitzungen bekannt, deren Choreographie und deren Dos and Don’ts ich verinnerlicht habe.

Mit der Klinke in der Hand betrete ich als Erster den Sitzungssaal und belege meinen ausgetüftelten strategisch wichtigen Platz und dann, ja dann füllt sich der Raum mit nur zwei Krawattenträgern, einer halbseidenen nombrösen Mischpoke mit dem Odeur von ganz unten sowie mit einigen gedrungenen unrasierten Gestalten mit Schmuddel- Taint und schwarzem Haupthaar oder Glatze.

Na, klar! Sowohl die Balkan- als auch die Libanonfraktion will mitmischen bei einem Objekt, welches bestens geeignet scheint für einen Rotlichtclub, eine Spielhalle oder für einen Hotelbau mit Zimmern wie Karnickelställe für Nebulosos oder für eine Containerladung illegal geschleuster Flüchtli vor deren Weitertransport und Verteilung und, Mitgefühl ja – aber nicht mit den abkassierenden Hintermännern. Eine aktuelle Grafik in einem Wochenmagazin habe noch vor Augen, wobei in diesem Jahr eine Schätzung bei 175 000 Menschen liegt. Mein Freund Klaus-Dieter bei der Bundespolizei sieht die Zahl als kein überraschend aufgetretenes Novum. Das Problem sei schon länger bekannt, doch da hat man sich ein Ei drauf gepellt. Da die Verteilung sich nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel richtet, der sich an Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl orientiert, wird Nordrhein-Westfalen das größte Kontingent bewältigen müssen.

Bei diesen Gedanken öffne ich ein wenig den Blouson meines extra zwecks optischer Deregulation ausgewählten Camping-Smokings, einem Leckerding für Möchtegerngangster, Schwuchteln oder ausgemachte Duschbeutel, und schiebe nur den linken Ärmel hoch, um das protzige Bling-Bling eines Prolex-Imitates freizulegen. In der zerknitterten Plastikeinkaufstüte zwischen meinen Oberschenkeln betaste ich meinen Personalausweis, den als Sicherheitsleistung notwendigen frühestens drei Tage vor dem Versteigerungstermin ausgestellten Bundesbank bestätigten Scheck und das amtliche daumendicke Gutachten des Versteigerungsobjektes.

Kurz zusammengefasst: Es handelt sich um eine teilbebaute Liegenschaft als Eckgrundstück mit 100 Metern Länge an Hauptstraße und 50 Metern Breite an Nebenstraße. Eingefasst von einem zwei Meter zwanzig hohen dunkelgrünen Doppelstabmattenzaun mit zweigeteiltem Torsystem.

Der Abriss der aufstehenden Halle einer ehemaligen Autoreparaturwerkstatt (14.000 EUR), die Entfernung und Entsorgung eines Altöl-Bodentanks (10.000 EUR) sowie der Bodenaushub von20 cm Tiefe einer kontaminierten Fläche von 2.000 Quadratmetern mit Abtransport und fachgerechter Entsorgung (8.000 EUR) gemäß vorgegebener zertifizierter Fachfirma ist obligatorisch.

Für eine Neubebauung sieht der städtische Bebauungsplan eine gewerbliche Nutzung nur in eingeschossiger Bauweise ohne Unterkellerung vor. Zum Nachbarhaus der Nebenstraße ist ein Bauwich von 10 Metern und zur Hauptstraße hin ist ein Bauwich von 20 Metern einzuhalten.

Die Dachneigung von 15 Grad ist vorgeschrieben bei insgesamt zu begrünenden Dachflächen dieses Standortes mit seinen versiegelten Flächen.

Kurz überschlagen, dürften bei geringstem Gebot von 120.000 EUR noch einmal die gleiche Summe für die Bebauung anfallen, wobei weitere entstehende Kosten und Nebenkosten derzeit nur vage zu beziffern sind - also, wer im Saal könnte Interesse an einem Engagement mit rund einer Viertelmillion Euro für Flachbauten haben?

Kein Gebot! Also niemand! Was mir jetzt den Weg frei macht, mich kurz vor dem nächsten Sitzungstermin mit dem Vertreter der Gläubigerbank auszutauschen, um sodann mit dem niedrigsten Gebot vielleicht den Zuschlag zu bekommen.

II FRÜHLING

„Ha-Hallo Klaus“, doppelt es zur Mittagszeit aus meinem Handy. „Ma-Mach dich mal auf den Weg, ich hab‘ hier was für dich.“

„Geht klar, Manni.“

Wie war das? Hielt mich nicht bei meinem letzten Besuch im Sekretariat des Instituts für Rechtsmedizin in der Uni-Klinik die flotte Sekretärin Ilona mit Erfrischungsstäbchen im Orange-Zitronen-Mix so lange bei Laune, bis ich endlich zu Manni vorgelassen wurde? Angeblich, weil sein vorgesetzter Weißkittel was zu kacken hatte. Ilona Krone, ihr Name - richtig! Nach dem Genuss dieses Süßzeugs überfiel mich eine leichte Übelkeit und Süßholz-Raspeln ging gar nicht mehr.

Also kaufe ich jetzt auf meinem Weg durch den Stadtteil Holsterhausenflugs eine Schachtel Schnapspralinen, diejenigen im rosa Knistermäntelchen, in der Hoffnung, die Anspielung möge sich als kontaktfördernd erweisen – doch leider weit gefehlt! Ilona ist ausgeflogen und an ihrer Stelle fungiert ein bildhübscher junger Mann mit perlmuttfarben lackierten Fingernägeln, mit einem schmelzenden Timbre in der Stimme und mit einem Augenaufschlag unter langen Wimpern, der mir die Haare auf den Unterarmen aufrichten. Ah, Mon Dieu! Der perfekteste Mann seines Alters - fehlt nur noch, dass Dorian auf seiner Nahkampfspange prangt! Mon Chérie verschwindet diskret in der Plastikeinkaufstüte und ich fasse blitzschnell den Entschluss, auf meinem Rückweg durch den angrenzenden Grugapark zu schlendern, illegal die Enten zu füttern, um mich sodann an ihren Pirouetten zu delektieren. Beim nächsten Lidschlag werde ich bei Dr. Manfred Holper in der Forensik angekündigt – und der Spuk ist vorbei!

Wie oft bin ich hier schon durch die Gänge gelaufen, und jedes Mal bewirkt der Geruch der Forensik einen Faustschlag in die Magengrube. Manni ist Teil dieses Geruches auch dann noch, wenn wir uns an Samstagen der warmen Jahreszeit zum gemeinsamen Schrauben in der Doppelgarage seines Hauses treffen. Es ist zwar nicht sein eigenes Haus, aber sein Zuhause nach Heirat seiner Frau, die kurz danach als Erbin von ihrer Mutter benannt wurde mit der Auflage ihres Wohnrechtes im Anbau bis zu ihrem Tode, desgleichen ihre ältere unverheiratete Tochter in der Mansarde darüber betreffend.

Manni konnte sich ganz auf seine Arbeit und auf den zu zeugenden Nachwuchs konzentrieren, mal abgesehen von der geforderten groben Instandhaltung eines riesigen hauseigenen Bauerngartens mit zwei angrenzenden Streuobstwiesen. Vermutlich für die ferne Zukunft ein gutes Polster, da als zunehmend begehrtes Bauland am Rande von Essen Steele-Horst gelegen.

Mannis Frau bekam eine Tochter nach der anderen, seine Schwiegermutter wirbelte im Haupthaus und vorzugsweise im Erdgeschoss in einer Großküche, seine Schwägerin avancierte beim Finanzamt und hatte Haare auf den Zähnen - na, ja, und da war ich mit technischem Verstand und manuellem Geschick, um ihm bei einer Autoreparatur der ...

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