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Rückkehr nach Tyringham Park

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Prolog
  7. Erster Teil
  8. 1
  9. 2
  10. 3
  11. 4
  12. 5
  13. 6
  14. 7
  15. 8
  16. 9
  17. 10
  18. 11
  19. 12
  20. 13
  21. 14
  22. 15
  23. 16
  24. 17
  25. 18
  26. 19
  27. 20
  28. 21
  29. 22
  30. 23
  31. 24
  32. 25
  1. Zweiter Teil
  2. 26
  3. 27
  4. 28
  5. 29
  6. 30
  7. 31
  8. 32
  9. 33
  10. 34
  11. 35
  12. 36
  13. 37
  14. 38
  15. 39
  16. 40
  17. 41
  18. 42
  19. 43
  20. 44
  21. 45
  22. 46
  23. 47
  24. 48
  25. 49
  26. 50
  27. 51
  28. 52
  29. 53
  30. 54
  31. 55
  32. 56
  1. Dritter Teil
  2. 57
  3. 58
  4. 59
  5. 60
  6. 61
  7. 62
  8. 63
  9. 64
  10. 65
  11. 66
  12. 67
  13. 68
  14. 69
  15. 70
  16. 71
  17. 72
  18. 73
  19. 74
  1. Dank

Über die Autorin

Rosemary McLoughlin ist gebürtige Australierin, lebt nun aber schon seit mehr als vierzig Jahren in Irland. Sie ist nicht nur passionierte Malerin, sondern auch eine talentierte Autorin: Ihr Debütroman DIE FRAUEN VON TYRINGHAM PARK wurde in gleich zwei Kategorien für den IRISH BOOK AWARD nominiert und stand wochenlang auf den irischen Bestsellerlisten. Derzeit schreibt sie an ihrem nächsten Roman.

Prolog

Ich hätte dir dorthin folgen sollen, mein Liebling.

Victoria, ich bin’s. Charlotte. Deine große Schwester.

Ist es zu spät?

Wirst du kommen und mit mir sprechen?

Ich spüre deine Gegenwart, Victoria …

Danke, dass du so schnell gekommen bist. Du ahnst nicht, wie viel es mir bedeutet, dass du hier bist. Ich fürchtete, du würdest dich mit Abscheu abwenden, sobald du meine Stimme hörst. Es tut mir leid, dass ich dich ganz allein auf diese lange kalte Reise geschickt habe. Ich wünschte, ich hätte damals den Mut gehabt, mit dir zu gehen …

Ich habe gerade diese grässliche Schwester Dixon getötet. Das weißt du wahrscheinlich schon, da du auf der anderen Seite bist. Ich musste sie zum Schweigen bringen. Sie drohte, allen zu erzählen, was ich dir angetan habe, sodass mir Mary Anne weggenommen worden wäre.

Ich stieß sie mit Absicht über das Geländer vor dem Kinderzimmer. Ich könnte sagen, ihr Sturz sei ein Unfall gewesen. Ich könnte sagen, als ich dich ins Wasser stieß, sei das ebenfalls ein Unfall gewesen. Wer könnte mir widersprechen, da es doch keine Zeugen gab? Miss East und Manus würden wegen Dixon für mich lügen, das weiß ich. Sie würden schwören, dass ich nicht in der Nähe von Dixon war, als sie hinunterfiel. Habe ich das Recht, die beiden zu bitten, für mich einen Meineid zu begehen? Wohl kaum, da ich sie nie besuchen ging, und jetzt konnte ich den zweien nicht mal in die Augen schauen.

Auf Wiedersehen, Mary Anne. Du hast mir so viel Freude bereitet, dass ich es dir nur vergelten kann, indem ich dich verlasse. Deine Tante Iseult wird sich wundervoll um dich kümmern, bis dein Papa zurückkehrt, dann wird er Niamh heiraten, die gut und lieb zu dir sein wird, und du wirst dich nicht mal mehr daran erinnern, dass es mich überhaupt gegeben hat, während ich die ganze Zeit, ohne dass du es weißt, auf dich aufpassen und dich vor Schaden bewahren werde.

Auf Wiedersehen, Lochlann. Danke für das Glück, das du mir auf Kosten deines eigenen Glücks geschenkt hast. Bei der Aussicht, dich freizugeben, werde ich beinahe fröhlich.

Unsere Mutter kann auf meine guten Wünsche verzichten. Sie hat mich nie gemocht. Ich werfe ihr nicht vor, dass sie dich und Harcourt vorzog – sie hatte ihre Gründe, von denen ich dir erzählen werde, wenn wir uns sehen –, aber sie musste es nicht so offensichtlich tun. Sie wird froh sein, wenn ich weg bin, und meinen, sie könnte Mary Anne in ihre Finger kriegen. Ich würde gerne ihr Gesicht sehen, wenn sie mein Testament liest.

Kannst du mich von dort sehen, wo du bist, Victoria? Ich gehe zum Dark Waterhole. Es ist schwierig, genau festzustellen, wo ich bin. Ich werde erst sicher sein, dass ich am Hole bin, wenn ich den Absatz hinter mir lasse. Ich kann meine Füße nicht spüren, und das Wasser ist nicht besonders klar. Ich sehe dem Inhalieren des Wassers nicht freudig entgegen. Wie lange wird es dauern, bis ich aufhöre, nach Luft zu ringen? Werde ich sofort oder später zu Boden sinken oder an die Oberfläche kommen?

Wirst du beim lieben Gott ein Wort einlegen, damit ich nicht bei Dixon an jenem anderen Ort ende, wo ich hingehöre? Die Bitte eines kleinen Kindes wird er erhören.

Bald werde ich genau wissen, was du durchgemacht hast …

Deine Puppe steckt sicher in der Tasche unter meinem Arm. Ich werde darauf achten, dass ich sie nicht verliere.

Es ist Zeit. Atme aus.

Leite mich, Victoria, und strecke, wenn alles vorbei ist, die Hand aus, um mich einzufangen, damit ich nicht direkt an dir vorbeifliege. Ich möchte nicht im Weltall herumirren und für alle Ewigkeit nach dir suchen, ohne jede Hoffnung, dich in der Menge zu finden.

Bist du bereit?

Erster Teil

Mary Anne
Irland

1

Tyringham Park, Irland, 1943

Zu dem Zeitpunkt, da Manus sie im Dark Waterhole erreichte, schien Charlotte ohne Leben zu sein. Er hatte nach ihr gesucht, um ihr mitzuteilen, dass er wegen des Mordes, den sie soeben begangen hatte, zu lügen beabsichtigte. Er war bereit zu schwören, dass der tödliche Sturz der Kinderschwester ein Unfall und Charlotte währenddessen nicht in der Nähe des Kinderflügels gewesen war.

Als er die Gestalt erblickte, die flussaufwärts durchs Wasser strebte, konnte er nicht ausmachen, um wen es sich handelte, doch als er sich darauf konzentrierte, erkannte er mit einem Mal, dass es Charlotte war, die da bis zur Brust im Wasser stand, zu ihm zurückschaute und sich dann zielstrebig auf das tiefe Dark Waterhole zubewegte. Sie wandte das Gesicht von seinem entsetzten Blick ab, ging weiter und war nach wenigen Sekunden nicht mehr zu sehen.

Er rannte zum Ufer, warf Schuhe und Jackett ab, stieg ins Wasser, tauchte viele Male nach unten, fand sie schließlich in der Tiefe, zog sie an die Oberfläche und schleppte sie zu einem einsamen Abschnitt am Ufer, wo er sie ins Gras legte.

Sie atmete nicht.

Seine ausdauernden Versuche, sie wiederzubeleben, waren vergebens.

Nachdem er sich vergewissert hatte, dass niemand in der Nähe war, hob er sie vom Ufer hoch und trug sie durch die Doppeltüren des Stalls, über den Hof und in sein Büro, wo er sie auf den Holzboden legte. Dann ging er zurück und schloss die Doppeltüren, indem er sie mit einem Querriegel an der Innenseite sicherte, damit niemand hereinkommen konnte.

Der achtjährige Toby Prendergast, der Enkel des Gärtners von Tyringham Park, drückte die Eichentür auf und sah, auf den Natursteinen am Fuße der drei Treppen liegend, etwas Großes, das am Tag zuvor, als er sich hereingeschlichen hatte, um den verlassenen Kinderflügel zu erkunden, noch nicht da gewesen war. Über dem Gegenstand lag eine rote Decke, und da war etwas Rotes, das wie Blut aussah und sich überall auf dem Boden ausbreitete, weshalb er vermutete, dass der Haufen ein Leichnam sein musste. Er hatte keine Angst, denn er hatte schon viele tote Fische, Katzen und Hunde in seinem kurzen Leben gesehen und sogar drei tote Fischer, unten an den Kais von Cobh, und nie den Drang verspürt, sich bei solch einem Anblick abzuwenden. In Wahrheit fand er es interessant und betrachtete die Toten lange, vor allem die Fischer, wobei er sich fragte, wie sie sich, unmittelbar bevor sie starben, gefühlt haben mochten und ob sie erwartet hatten, dass sie in letzter Minute vor dem Ertrinken gerettet würden.

Er hob die Decke an und sah, dass all das Blut aus dem Hinterkopf einer Frau kam. Ihr Gesicht sah friedlich aus. Ihre Haut war cremefarben, und ihre Augen standen offen.

Verschiedene Dinge lagen auf dem Boden verstreut. Ein wenig ausländisches Geld. Ein Reisepass. Er konnte den Namen Elizabeth Dixon neben der Fotografie auf einem Innenblatt des Ausweises lesen. Eine umgedrehte, offene Handtasche. Jede Menge Papiere. Ein Lederbeutel, der fünf hübsche Sachen enthielt. Er nahm eine davon heraus, ein Bündel klare Glasperlen, und hielt es hoch ins Licht, um es besser betrachten zu können. Jede Perle ließ ein Stückchen Wand gegenüber vom Fenster in Regenbogenfarben aufleuchten. Er würde die Perlen behalten. Die tote Dame würde sie nicht mehr brauchen, und seiner Mutter würden sie gefallen. Das dazu passende Armband wäre hübsch für seine neue Babyschwester, wenn sie groß genug war, es zu tragen. Die Perlen und die Ohrringe aus blauem Glas waren auch schön, doch er benötigte nur zwei Geschenke, deshalb steckte er den blauen Schmuck wieder in den Beutel und stopfte sich nur die farblosen Steine in seine Hosentasche.

Oben entdeckte er, dass der Gobelin-Kissenbezug und die rothaarige Puppe, die er am Tag zuvor gefunden hatte und nun holen wollte, fehlten. Auch egal, sagte er sich, ein Ausdruck, den seine Mutter häufig benutzte. Die Perlen wären wirklich gute Geschenke, auch ohne etwas anderes dabei. Er hoffte, dass der Geist von Miss Victoria, der in dem Flügel spukte, die Puppe gefunden hatte. Sie hatte ihn vielleicht von einem geheimen Platz aus beobachtet, wie er auf die Puppe stieß, und hatte gewartet, bis er ging, um sie für sich zu beanspruchen, und spielte nun genau in diesem Augenblick mit ihr. Genauso musste es gewesen sein. Ihm gefiel der Gedanke, dass sie durch ihn von der Existenz der Puppe erfahren hatte.

Nachdem er mit seiner leeren Leinentasche zum ummauerten Garten zurücklief, erwähnte er die Leiche gegenüber seinem Großvater Reg nicht, denn er wusste, er würde Schwierigkeiten bekommen, weil er in den Kinderflügel gegangen war, obwohl es ihm ausdrücklich untersagt worden war, sich dem Ort zu nähern. Er wollte nicht, dass seiner Mutter Schlechtes berichtet wurde. Ihr war daran gelegen, dass er eines Tages bei seinem Großvater auf Tyringham Park arbeiten würde, denn ein Fischer, wie sein Vater, würde er nie werden. Wenn er auch nur einen Fuß auf ein Fischerboot setzte, hatte er eine allergische Reaktion, sein Gesicht schwoll an, und er musste sich übergeben. Sein Vater meinte, die Allergie könnte sich auswachsen und er am Ende sogar den Geruch von Fisch mögen, aber Toby hoffte stark, dass das nicht der Fall sein würde.

Manus kehrte an die Stelle zurück, wo Charlotte lag, und starrte auf die Frau hinab, wobei ihm wieder einfiel, wie sie als Kind gewesen war. Sie war in die adlige Familie Blackshaw geboren worden, dazu bestimmt, ein privilegiertes Leben auf Tyringham Park zu führen, und da lag sie nun ausgestreckt im Alter von nur vierunddreißig Jahren tot zu seinen Füßen. Was konnte sie dazu getrieben haben, Dixon zu töten? Was hatte sie dazu getrieben, sich zu ertränken? Sie hatte ihn die Allee herunterkommen sehen, dessen war er sicher, hatte jedoch entschlossen ihren Weg zum Dark Waterhole fortgesetzt und war dort untergegangen. Sie musste sofort Wasser eingeatmet haben, da sie nicht wieder an die Oberfläche kam, nicht einmal für ein paar Sekunden.

Er konnte sich nicht denken, was der Anlass für eine derart extreme Tat hätte sein können. Er hatte sie als gutherziges und fügsames Kind in Erinnerung, und Dixon war eine freundliche und fürsorgliche Kinderschwester gewesen. Der Hass, den er in Charlottes Gesicht gesehen hatte, als sie Dixon ins Leere stieß, war ihm unerklärlich.

Als er sie noch länger betrachtete, begann er die Angelegenheit klarer zu sehen. Zwei Tote auf demselben Anwesen an ein und demselben Tag? Wie das erklären, ohne Charlottes guten Namen in Misskredit zu bringen? Um zwei derart ungewöhnliche Ereignisse zu vertuschen, verlangte es nach ungewöhnlichen Maßnahmen.

Er wusste, es war an ihm, eine Lösung zu finden, und langsam begann eine Idee in seinem Kopf Gestalt anzunehmen. Mithilfe von Lily East, einer Frau, die für ihre Vertrauenswürdigkeit bekannt war und bereits gesagt hatte, sie würde im Notfall lügen, um den guten Ruf ihrer innig geliebten Charlotte zu retten, bestand eine gute Aussicht auf Erfolg. So waren seine Gedanken.

Vor Kälte zitternd, nahm er trockene Kleidung aus dem Schrank und zog sie an, während er unablässig darüber nachdachte, was er zum Doktor und zur Polizei sagen würde, wenn er sie schließlich verständigen müsste.

Wie es vermeiden, die Wahrheit zu erzählen?

Sich den guten Ruf eines vertrauenswürdigen Menschen zunutze machen, damit alle ein komplexes Lügenmärchen schluckten, beide Tatorte so verändern, dass sie zu seiner erfundenen Geschichte passten, und dafür sorgen, dass Lily ihn deckte. So würde er es machen.

Er streifte Charlotte die Schuhe ab, trocknete sie mit einem Handtuch ab und stellte sie dicht an den dickbäuchigen Ofen, aber auch nicht zu dicht, damit sie nicht angesengt wurden. Er trocknete die Außenseite der Tasche, kippte ihren Inhalt aus, versteckte eine Strickjacke, ein Kopftuch, Handschuhe und etwas, das in einen Gobelin-Kissenbezug gewickelt war, in einem Schrank, trocknete die Tasche innen, stellte sie an den Ofen, trocknete die kleinen Dinge – Münzen, Geldscheine, Ticket, Puderdose – und steckte sie wieder in die Tasche. All dies, damit es so aussah, als wären die Schuhe und die Tasche nicht im Wasser gewesen, als habe Charlotte sich ihrer entledigt, bevor sie hineinsprang.

Nun zur Vervollständigung seines Plans. Er und Lily hatten als einzige Zeugen gesehen, wie Charlotte Dixon über das Geländer stieß, sodass diese unten auf den Natursteinfliesen den Tod fand. Niemand sonst würde dies jemals herausfinden, wenn sie beide, er und Lily, ihr Wissen für sich behielten und nicht ins Wanken gerieten.

Manus füllte die Schubkarre mit Pferdemist, legte zwei Handtücher und eine Pferdeplane darüber und schob die Karre in Richtung Kinderflügel, wobei er hoffte, dabei unbeobachtet zu bleiben.

Es war wohlbekannt unter den Dienstboten, die auf dem Anwesen arbeiteten, dass Manus die unsichtbare Linie zwischen dem Stall und dem Herrenhaus nicht überschritt, wenn es nicht von äußerster Wichtigkeit war, und hier schob er nun eine Schubkarre hinten am Haus entlang. Und sieht dabei obendrein sehr besorgt aus, dachte Reg.

»Irgendetwas ist hier los«, flüsterte Reg Toby zu, der erst zehn Minuten zuvor vom Betrachten einer Leiche zurückgekommen war.

Soweit Reg zurückdenken konnte, hatte Manus diese Linie nur einmal sonst überschritten, und das war vor sechsundzwanzig Jahren gewesen, als die kleine Miss Victoria vermisst wurde und Manus wie ein Verrückter zum Haus hochgeritten war, um die Nachricht zu überbringen und alle aufzufordern, sich auf die Suche nach dem Kind zu machen. Selbst wenn das Schieben einer Schubkarre für jeden, der mit den Sitten auf The Park nicht vertraut war, unschuldig ausgesehen hätte, so nahm Reg doch an, dass Manus einen schwerwiegenden Grund haben musste, die Regel zu brechen.

»Alles in Ordnung bei dir, Manus?«, rief Reg zu ihm hinüber und trat aus dem Eingang, in dem er gestanden hatte, in den ummauerten Garten. »Irgendwas los?«

Manus zuckte sichtlich beim Klang der Stimme zusammen.

»Nein, alles bestens, danke, Reg!«, rief er zurück und setzte hinzu: »Bringe nur ein bisschen Pferdemist für Lilys Garten.«

Pferdemist für Lilys Garten? Das glaub ich keine Minute lang, dachte Reg. Das hat er sich gerade erst ausgedacht.

Lily East holte sich regelmäßig selbst etwas Mist aus dem Stall, denn so hatte sie eine Ausrede, mit jedem, der ihr unterwegs begegnete, zu plaudern, vor allem mit Reg, da sie sich beide für Pflanzen begeisterten. Abgesehen von dieser Überlegung war die Ladung verdächtig groß für einen so kleinen Garten wie den von Lily.

Manus hat eindeutig irgendetwas vor, dachte Reg. Und warum liegt eine Pferdeplane über dem Mist?

Manus setzte die Schubkarre nicht auf dem Boden ab, sondern blieb mit den Griffen in den Händen stehen, um deutlich zu machen, dass er nicht vorhatte, sich auf ein Gespräch einzulassen.

»Komm rüber, Toby, damit du Manus kennenlernst, den berühmtesten Pferdekenner auf der ganzen Insel Irland. Manus, das ist Toby, der Sohn meiner Daisy. Du erinnerst dich an Daisy, nicht wahr?«

»Natürlich. Eine lebhafte junge Frau, hatte aber Angst vor Pferden, sodass ich von ihr nicht allzu viel zu sehen bekam.«

»Nun, dieser Bursche hier hat vor nichts Angst. Oder, Toby? Er ist zu seinem ersten Besuch von Cobh hochgefahren, um bei mir auszuhelfen.« Reg zwinkerte Manus zu. »Daisy hat gerade ein kleines Mädchen auf die Welt gebracht, deshalb ist Toby gekommen, um mir zu helfen – um von all dem Wirbel wegzukommen. Er hat sich schon mit seinem Namen eingeschrieben, um bei mir zu arbeiten, wenn er groß ist, nicht, Toby?«

»So wie du aussiehst, sollte das nicht mehr lange hin sein. So ein feiner großer Bursche, wie du einer bist.« Manus ließ einen Griff los, um dem Jungen die Hand zu schütteln, setzte die Schubkarre aber immer noch nicht auf dem Boden ab. »Du hast schon Ähnlichkeit mit deiner Mutter, jetzt, wo ich dich so anschaue. Sehen wir mal nach, was ich hier für dich und deine kleine Schwester habe.« Manus steckte seine Hand in die Hosentasche und zog mehrere Münzen heraus, die er Toby gab. »Du musst deinen Großvater überreden, dich nach unten zu bringen, damit du dich im Stall umschauen kannst, wenn alle zurückkommen, Toby. Wer weiß, am Ende arbeitest du mal dort, anstatt in den Gärten.«

»Das ist ein freundliches Angebot, Manus. Sag ›Danke schön‹, Toby.«

»Danke schön«, sagte Toby, der fand, dass Reiten eindeutig aufregender wäre als zu gärtnern. Er steckte die Münzen in die Hosentasche und hörte, wie sie gegen die Glasperlen klimperten, die sich auch dort befanden. Er dachte an die Freude, die seine Mutter empfinden würde, wenn er ihr all diese Schätze zeigte. Er hoffte, die beiden Männer hatten das klimpernde Geräusch nicht gehört, zumal Reg weitersprach, während Manus dastand, als sei er zum Abmarsch bereit, und noch immer die Schubkarre in den Händen hielt. Toby wollte nicht gefragt werden, was er da bereits in seiner Tasche hatte. Oftmals konnte er sich nicht schnell genug Geschichten ausdenken, um keine Schwierigkeiten zu bekommen, und gerade jetzt hatte er keine Ausrede zur Hand, und ihm wollte auch keine einfallen.

»Komm, Toby, wir lassen Manus seine Arbeit machen«, sagte Reg endlich.

Manus ging bereits weiter. »Viel Glück, Toby. War schön, dich kennenzulernen. Bis dann, Reg.«

Die beiden sahen zu, wie Manus die Karre über den Weg schob und dann um die Ecke bog.

»Da ist eindeutig irgendwas im Busch«, wiederholte Reg, »aber das geht mich nichts an. Steck deine Nase nicht in anderer Leute Angelegenheiten, sag ich immer, und du kriegst auch keine Schwierigkeiten, kleiner Toby. Wenn du außerdem meine zwei Regeln befolgst, natürlich.«

Jungs sind eben Jungs, und gegen die Natur kommt man nicht an, glaubte Reg. Doch wenn man Jungs an der langen Leine laufen ließ, musste man dafür sorgen, dass diese nicht so lang war, dass sie sich mit ihr strangulierten. Freiheit war schließlich nicht gleichbedeutend mit einem Freibrief, und deshalb hatte er Toby zwei einfache Regeln vorgegeben, die dieser zu befolgen hatte, solange er unter seiner Obhut stand.

Eine Minute später schlüpfte Toby aus dem ummauerten Garten, während sein Großvater beschäftigt war, und ging in die Richtung, die Manus eingeschlagen hatte.

Verflucht noch eins!, dachte Manus. Was für ein Pech. Er hatte nicht damit gerechnet, jemandem zu begegnen. Da die Familie Blackshaw, alle Stallburschen und ein Haufen Dienstboten augenblicklich in Killarney bei den Rennen waren und einige Bedienstete ihren jährlichen Urlaub nahmen, der zufällig mit der Abwesenheit der anderen zusammenfiel, hatte er gedacht, er könnte Dixons Leichnam bewegen, ohne dabei beobachtet zu werden. Er hätte es besser wissen müssen. Bei einem Haus von der Größe einer Burg und einem Grundstück mit den Ausmaßen eines Kirchspiels war es schier nicht zu vermeiden, dass immer irgendwo jemand aus dem Fenster sah oder über eine Hecke spähte.

Er hatte vorgehabt, den Pferdemist auszukippen, Dixons Leiche in die Schubkarre zu legen und sie, unter der Pferdeplane verborgen, hinunter in sein Büro zu bringen, um sie neben dem Leichnam von Charlotte abzulegen. Jetzt, nachdem Toby und Reg ihn entdeckt hatten, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Leiche noch eine Weile da zu lassen, wo sie war, und den richtigen Augenblick abzuwarten, um seinen Plan zu Ende zu bringen. Er hatte keine große Angst, dass jemand zufällig über sie stolpern würde, denn der Kinderflügel war seit fünfundzwanzig Jahren geschlossen, und angeblich spukte es dort. Die meisten Dienstboten hätten ihn nicht betreten, selbst wenn man sie dafür bezahlt hätte. Den Leichnam von dort ins Freie zu bringen war der wirklich riskante Moment. Falls Tobys intelligente Augen und sein wacher Gesichtsausdruck nicht trogen, käme niemand mit irgendeiner Heimlichkeit durch, solange der Junge in der Nähe war.

Manus stellte die Schubkarre neben Lilys vorn am Tor ab und beließ den Mist wie die Pferdeplane noch an Ort und Stelle. Er sah, dass Lily ihm vom vorderen Fenster aus zuwinkte. Er hatte gedacht, sie wäre noch im Kinderflügel und würde Dixons Leiche bewachen.

»Ist es dir gelungen, Charlotte zu finden?«, fragte sie sofort, als sie ihm die Tür öffnete.

»Ja.«

»Gott sei’s gedankt. Wo ist sie?«

»Beim Stall. Setzen wir uns kurz hin, ich werde dir alles über sie erzählen.«

»Wie du siehst, habe ich meinen Posten im Kinderflügel verlassen – gleich nachdem du gegangen warst«, sagte sie, als sie ihn zu den zwei Sesseln beidseits des Kamins führte. »Es sind zu viele Erinnerungen in diesem Flügel. Ich hob ihre Tasche auf, um mir ihren Inhalt anzusehen und herauszufinden, ob sie irgendwelche nahen Verwandten hat, doch ich dachte, ich hörte sie reden, und ließ vor Angst die Tasche wieder fallen – ihre Sachen kullerten überallhin, und ich machte mich so schnell, wie meine alten Beine mich tragen wollten, auf den Rückweg hierher, ohne auch nur ein Stück aufzuheben. Es tut mir leid, ich hätte nicht weggehen sollen.«

»Das ist jetzt auch egal.« Er beugte sich zu ihr hinüber und umschloss ihre alten knotigen Finger mit seinen starken sonnengebräunten Händen, bevor er sagte: »Ich fürchte, ich habe eine sehr schlimme Nachricht für dich.«

2

Toby ließ sich nicht blicken, bis er Manus in das Haus der alten Frau gehen sah. Sobald sich die Tür hinter den beiden schloss, schlüpfte er in den Kinderflügel und bezog auf dem Treppenabsatz im dritten Stock Posten. Von dort schaute er auf die rote Decke hinab, die den Leichnam im Erdgeschoss bedeckte. Er fragte sich, ob Manus auftauchen und die Tote in der Schubkarre wegbringen würde oder ob der Körper blieb, wo er war, um dort zu verwesen. Wie lange es wohl dauern würde, bis die Maden kämen?

Während er wartete, überlegte er, was sein Großvater mit ihm machen würde, falls er herausfand, dass Toby die erste und wichtigste Verhaltensregel missachtet hatte. Ihn nicht zurück nach Hause schicken, hoffte er. Er wollte den ganzen Sommer auf The Park verbringen, um nicht dem Geschnatter seiner Mutter über das langweilige neue Baby lauschen zu müssen.

»Geh nicht in die Nähe des Kinderflügels, das stört den Geist, der dort haust«, hatte Reg am Tag zuvor zu ihm gesagt. »Das ist die erste Regel, an die du dich halten musst, während du bei mir bist.«

»Ein echter Geist?«

»Natürlich ist er echt. Sonst würde ich dich nicht warnen.«

»Was für eine Art von Geist ist das denn?«

»Der Geist eines kleinen Mädchens. Miss Victoria verschwand vor sechsundzwanzig Jahren, als sie noch keine drei Jahre alt war. Es war ein schrecklicher Tag, und ich werde ihn nie vergessen. Verschwand vom Angesicht der Erde, einfach so.«

»Spielt sie den Jungs Streiche?«

»Nicht, wenn sie tun, was man ihnen sagt. Es wird dich freuen zu hören, dass du frei wie ein Vogel bist, während du hier bei mir lebst – abgesehen von meinen zwei Regeln. Den Geist nicht zu stören ist die wichtigste.«

»Hast du ihn gesehen, Opa?«

»Nein, aber ich habe von denen gehört, die ihn des Nachts gesehen haben, wie er aus den Fenstern im dritten Stock schaute. Ich bin vernünftig genug, mich von dem Ort fernzuhalten, und du tust das auch, oder du wirst mich kennenlernen. Das ist Regel Nummer eins. Die zweite und einzig weitere Regel lautet: Es ist dir nicht erlaubt, mit Master William zu sprechen, wenn er von den Rennen zurückkommt.«

»Warum darf ich das nicht?«

»Weil Master William eines Tages, wenn er groß ist, The Park erben und dein Herr sein wird, wenn du hierher zum Arbeiten kommst. Folglich musst du ihm ein bisschen Respekt bezeugen, selbst wenn er jünger ist als du. Ist das klar?«

»Ja, Opa.«

»Gut. Also von diesen zwei einfachen Regeln abgesehen kannst du dich den ganzen Sommer über draußen aufhalten und tun, was du willst. Ich werde dir nicht auf Schritt und Tritt im Genick sitzen. Los, komm und gib mir die Hand darauf.«

Toby erinnerte sich daran, was der Großvater beim letzten Besuch in Cobh zu seiner Mutter gesagt hatte. Sie hatten nicht gemerkt, dass er lauschte. Das merkten sie nie.

»Du kannst einen Jungen in diesem Alter nicht im Haus einsperren«, hatte sein Großvater gesagt. »So etwas wie ein schlechtes Kind gibt es nicht, sag ich immer – nur ein gelangweiltes. Ich mach ihm eine Schleuder, dann kann er nach draußen und ein paar Elstern schießen, und ich bring ihm bei, wie man Kaninchen mit der Falle fängt. Sind von Natur aus Jäger, die Jungs. Das Leben in der Stadt engt sie ein. Überlass ihn mir, und mach dir keine Sorgen. Wir werden uns gut verstehen.«

»Ich hoffe es«, hatte seine Mutter geantwortet, sich aber nicht so angehört, als hätte die Zuversicht ihres Vaters sie überzeugt.

Manus sagte so sanft wie möglich, dass für Trauer keine Zeit sei, wenn sie Charlottes guten Namen retten wollten. Er hoffte, Lily würde sich einverstanden erklären, noch mehr Lügen zu erzählen als die, auf die sie sich bereits verständigt hatten.

»Da musst du doch nicht fragen. Du weißt, ich würde für Charlotte alles tun. Ich verspreche dir, ich werde nicht einknicken. Tu, was du jetzt tun musst, und erzähl mir später, was ich sagen soll.«

»Ich warte hier noch ein wenig, nur für den Fall, dass Regs Enkel sich draußen herumtreibt. Er hat sich für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr für die Schubkarre interessiert und könnte mir gefolgt sein. Kann es mir nicht erlauben, ihm zu begegnen. Ich warte hier so lange, bis er Langeweile bekommt und verschwindet. Hast du ihn schon kennengelernt? Ein kluges Köpfchen. So wie der aussieht, lässt er sich nichts vormachen.«

Zwanzig Minuten verstrichen, bis Manus, der aus Lilys Vorderfenster hinaussah und niemanden entdecken konnte, es für ausreichend sicher befand, mit seinem Plan fortzufahren. Reg musste Toby eine Beschäftigung gegeben haben. Alles war still, bis auf Lilys gedämpftes Weinen im Hintergrund.

Manus verließ das Cottage und kippte den Pferdemist neben Lilys Garten aus der Schubkarre. Er legte die Pferdeplane wieder hinein und machte sich dann auf den Weg zum Kinderflügel, ohne unterwegs jemandem zu begegnen. Er betrat das Gebäude, verriegelte die Eichentür hinter sich und fühlte sich einstweilen vor Beobachtung sicher.

Er legte die Pferdeplane und die zwei Handtücher auf den Boden und sprach ein Gebet, wobei er sich bei Schwester Dixon für das, was er gleich tun würde, entschuldigte.

Infolge der Unebenheit des Bodens hatte sich das Blut aus der Wunde der toten Frau rund um ihren Kopf ausgebreitet und war dann hinter ihr weitergeflossen, sodass ihre Kleider frei von Flecken waren.

Er hob ihren Körper hoch. Als sich ihr Kopf von den Fliesen löste, entstand ein Sauggeräusch. Aus der Wunde floss frisches Blut durch ihr glanzloses Haar. Er legte die Frau in die Schubkarre, beugte ihre Beine und deckte sie mit der Pferdeplane so zu, dass diese den Körper ganz verbarg. Mithilfe der Handtücher und der roten Decke wischte er das trocknende Blut von den Natursteinfliesen, dann stopfte er die feuchten Tücher und die Decke unter die Plane, die er so zurechtrückte, dass sich der Körper darunter nicht abzeichnete.

Er hob drei Gegenstände auf, die auf dem Boden verstreut lagen, und schob sie in Dixons Handtasche, die er im Schrank unter der Treppe versteckte. Ihren Hut legte er in die Karre neben sie. Als Letztes kratzte er in einer Ecke eine Hand voll Staub zusammen und verstreute ihn über die Fläche, die er gerade gesäubert hatte, sodass sich diese, einmal getrocknet, nicht vom Rest des Bodens abheben würde.

Er ging nach draußen, um sich zu vergewissern, dass niemand in der Nähe war. Konnte er den Flügel verlassen, ohne dass ihn jemand sah, war er sicher, dass er auch den Rest des Weges gefahrlos schaffen würde, wenn er eine andere Route wählte. Im Bewusstsein des Grundsatzes, dass man eher mit etwas durchkam, wenn man dabei nicht den Erwartungen entsprach, schob er die Schubkarre auf dem Weg zurück zum Stall über den Kies vor dem Haus – ein undenkbares Verhalten, wenn die Familie Blackshaw sich hier aufgehalten hätte – und nicht hinten herum, wo die Dienstboten, vor allem Reg, ihn vermutlich eher sehen würden.

»Ei, ich dachte, das könntest du sein, so wie es sich angehört hat«, sagte Reg und reckte den Kopf hinter einem Myrtenstrauch hervor. Er stand von der Stelle auf, an der er die Rabatte unter einem Vorderfenster des Hauses von Unkraut befreit hatte, und kam näher.

»Wollte Lily den Pferdemist nicht?«, fragte er und deutete auf die Karre. »Du kannst ihn hier abladen, wenn du willst. Kann ich immer gebrauchen.«

»Nein. Ja, ja, sie hat sich darüber gefreut. Das ist Humus. Fairer Tausch. Kompost. Lilys bester. Sonniger Fleck an der Mauer. Ein paar Pflanzen.« Manus hielt sich an einem Griff fest, während er sich mit der freien Hand mit einem Taschentuch das Gesicht abwischte.

»Du musst nur fragen, und ich kann dir so viel Humus besorgen, wie du willst, jederzeit. Hab dich nie für einen Mann mit grünem Daumen gehalten.«

»Das wird sich erst noch zeigen.«

Reg hob seinen Spaten auf, stellte ihn auf den Kies und stützte sich darauf. »Ich hab vergessen, dich zu fragen. Hattest du schon Gewinner?«

Manus hielt sich an den Karrengriffen fest. »Nicht, dass ich wüsste. Ich hab die Ergebnisse gestern Abend im Radio verpasst.«

»Ich auch«, sagte Reg. »Ich hab ein Paar Shilling auf Sieg oder Platz von Bourbon Prince gesetzt, nachdem du gesagt hast, er sei eine sichere Sache.«

Toby tauchte neben Reg auf. Wo kommt der denn plötzlich her?, fragte sich Manus, der ihn nicht hatte kommen sehen.

»Du kannst sicher sein, dass ich das nicht gesagt habe, Reg. So etwas wie eine sichere Sache gibt es nicht.« Er tat, als wolle er weitergehen.

»Wie geht es Lily?«

»Ist in guter Verfassung«, sagte Manus und hielt aus Höflichkeit inne.

Toby schaute mit zur Seite geneigtem Kopf ein paar Sekunden lang intensiv auf die Pferdeplane, bevor er wieder Manus ansah.

»Vielleicht könnte ich später kurz rübergehen und sie fragen, ob sie für ihren Garten Hilfe braucht«, sagte Reg. »Ich könnte für sie den Pferdemist untergraben.«

»Ich würde heute nicht hingehen. Ihr Rheuma hat sich gemeldet, und sie hat eine schlechte Nacht hinter sich. Als ich ging, wollte sie sich gerade hinlegen. Sie ist auch nicht mehr so jung wie früher.«

»Du siehst selbst ein bisschen blass aus, Manus. Hoffe, du brütest nichts aus. Mit feuchten Haaren herumzulaufen kann dir nicht guttun.«

Manus hob eine Hand, um seine Haare zu befühlen, die nun beinahe trocken waren. »Standen hoch, deshalb hab ich sie nass gemacht. Ich fühl mich gut, aber ich muss los.« Er konnte es nicht ertragen, noch eine Sekunde länger stehen zu bleiben. Unfähig, sich einen Grund auszudenken, warum er es eilig haben könnte, sagte er nur: »Bis dann, Reg. Bis dann, Toby«, und hoffte, dass sich seine Worte nicht allzu abrupt anhörten.

Die beiden grüßten zurück und standen da, um zu beobachten, wie er Richtung Ställe ging.

Auf dem Rest des Weges blieb Manus aufmerksam, bemerkte aber nichts Besorgniserregenderes als flackernde Schatten in den Bäumen am Wegesrand.

Es war eine Erleichterung, durch die Doppeltüren zu gehen und sie hinter sich zu schließen. Das Geräusch des Riegels, als er an der Innenseite der Türen einrastete, war so befriedigend, dass Manus’ Herzschlag sich sofort beruhigte. Der nervenaufreibendste Teil war geschafft. Von jetzt an würde er bei der Ausführung seines Plans nicht mehr unterbrochen werden.

Er war versucht, Dixons Leiche in die Pferdetränke auf dem Hof zu tauchen, befürchtete aber, dass sich das Wasser darin rot verfärben würde, wenn das geronnene Blut in ihrem Haar und das frische Blut aus ihrer Wunde sich darin auflösten. Es war einfacher, sie auf den Boden zu legen und mit Wasser aus dem Eimer nass zu machen. Er bemühte sich, so respektvoll wie unter den Umständen möglich vorzugehen, und betete währenddessen die ganze Zeit über für ihre Seele.

Hätte er kurz aufgeblickt, hätte er Tobys Kopf über das Dach der Stallburschenunterkunft spitzen sehen, von dem aus man den Hof überblicken konnte.

Manus hob Dixons Leiche vom Boden hoch und trug sie in sein Büro, wo er sie neben den Leichnam von Charlotte legte.

Dann holte er die Handtücher und die Decke, die voller Blut waren, und stopfte sie in die Mitte des Ofens, legte zwei Holzscheite darauf und schloss die Tür rasch, damit sich der Blutgeruch nicht im Raum ausbreiten konnte. Er hoffte, der Rauch aus dem Kamin würde hoch hinaufsteigen und sich in den oberen Luftschichten schnell auflösen.

Danach ging er hinaus ins Freie und stellte Charlottes fast trockene Schuhe und ihre Tasche irgendwo am Flussufer ab und kickte einen Klumpen Erde ins Wasser, bevor er aufsattelte, um nach Ballybrian zu reiten und einen zweifachen Unfall bei seinem Freund Inspector Declan Doyle zu melden, der gar nicht daran denken würde, den Wahrheitsgehalt der Geschichte anzuzweifeln, die er zu hören bekam.

Toby wartete, bis er Manus die Brücke überqueren sah, bevor er an einem Regenrohr in den Hof hinunterrutschte und zu Manus’ Büro hinüberging. Die Tür war abgesperrt. Er schaute durchs Fenster und sah die Leiche der Frau aus dem Kinderflügel auf dem Boden liegen und daneben eine zweite Leiche. Es war die einer jüngeren Frau, die etwa genauso alt wie seine Mutter war. Wo kam diese Leiche her?

Er würde in der Nähe warten und schauen, ob er es herausfinden konnte.

Inspector Declan Doyle befragte niemanden außer Manus. Der kleine Toby schob sich heran, um während der Vernehmung neben dem Polizisten zu stehen, blickte bewundernd zu diesem auf und beobachtete, was er in sein Notizbuch schrieb. Toby besaß jene Art von Präsenz, die nach einer Weile niemand mehr bemerkt, denn er konnte lange Zeit fast reglos stehen bleiben und harmlos dreinschauen. Der Inspector schob ihn zwei Mal mit dem Fuß weg, doch Toby schlich sich jedes Mal nach ein paar Minuten wieder an ihn heran, und danach schien niemand mehr von ihm Notiz zu nehmen.

Manus erklärte, was geschehen sein musste, und tat es auf eine Art, dass Declan sagte, der ganze Fall sei eindeutig, wie jeder sehen könne. Manus meinte, er habe die beiden Frauen an der Uferkante stehen gesehen, wo Gerüchten zufolge Charlottes Schwester, die kleine Victoria Blackshaw, vor sechsundzwanzig Jahren verschwunden sein könnte. Sie sahen aus, als ob sie beten würden, deshalb ließ Manus sie in Ruhe und ging zurück in den Hof, um sie nicht zu stören. Der Rest war eine logische Rekonstruktion dessen, was geschehen sein musste.

Tobys Gesicht glühte vor Interesse, doch das fiel keinem der Männer auf, denn beide konzentrierten sich auf die Geschichte, und Declan schrieb in sein Notizbuch.

Die Erde hatte unter Dixons Gewicht nachgegeben – »Siehst du den fehlenden Klumpen?« –, und sie war ins Wasser gefallen, führte Manus aus. Angeblich nahm er an, dass sie diejenige war, die hineinfiel, denn sie trug noch ihre Schuhe. Charlotte, die wusste, dass ihre alte Kinderschwester nach ihren Erlebnissen im Waisenhaus einen Horror vor Wasser hatte – wo die Aufseherinnen ihr zur Strafe den Kopf in der Badewanne unter Wasser gedrückt hatten –, hatte sich die Schuhe ausgezogen – »Siehst du sie dort?« – und war ihr nachgesprungen, um sie zu retten. Dann musste Charlotte von der panischen Dixon nach unten gezogen worden sein. Er hatte die beiden Leichen dann später unten am Wehr gefunden. Dixon hatte sich dort den Kopf angeschlagen. Ihr Arm hatte noch um Charlottes Hals gelegen, wodurch sie ironischerweise den Kopf ihres früheren Schützlings vor Schaden bewahrte. Er hatte um Hilfe gerufen, bevor er sie beide wiederzubeleben versuchte, aber es war niemand in der Nähe, der ihn gehört hätte. Er hatte sich dann zuerst um Charlotte gekümmert, doch wie sich herausstellte, war es für beide zu spät.

Zwischen dem Moment, als er sie betend am Ufer gesehen hatte, und dem Zeitpunkt, als er wieder nach draußen ging, um sie zu fragen, ob sie auf eine Tasse Tee in sein Büro kommen wollten, war ziemlich viel Zeit verstrichen. Manus erzählte Declan die letzten Details, während er die Schuhe und die Tasche aufhob und sie, um sicherzugehen, dass Declan sie bemerken würde, mit hineinnahm und neben Charlotte auf dem nassen Boden des Büros abstellte. Dort saugten sie noch mehr Wasser auf, was ihre Feuchte zu kaschieren half.

»Sie kommt mir bekannt vor«, sagte Declan und betrachtete Dixons Gesicht.

»Das sollte sie auch. Du hast sie verhört, als die kleine Victoria verschwand, und es wurde gemunkelt, du hättest Gefallen an ihr gefunden.«

»Ah, so war es auch. Ich erinnere mich gut, jetzt, da du es erwähnst. Sie ging bald danach weg, aus welchem Grund auch immer. Was für ein Jammer, sie in diesem Zustand wiederzusehen, und was für ein Jammer, dass ihr Kopf vom Wehr verletzt wurde. Sie war damals eine gut aussehende junge Frau.« Er studierte ihr Gesicht lange, beobachtet von Toby, bevor er wieder in sein Notizbuch schrieb.

Manus blieb dicht bei ihm und ebenso beim Arzt, nachdem dieser eingetroffen war, und erzählte seine Geschichte ein weiteres Mal voller Überzeugung. Keiner der beiden Männer hatte einen Grund, ihm nicht zu glauben.

Als der Polizist und der Arzt gegangen waren und ein Rettungswagen die Leichen mitgenommen hatte, saß Manus allein in seinem Büro. Das Gefühl der Klarheit, das er in den letzten paar Stunden gehabt hatte, verschwand aus seinem Kopf, und er wunderte sich, wie er darauf gekommen war, das zu tun, was er getan hatte, und wie er es geschafft hatte – wie er sich getraut hatte, für die Behörden einen falschen Tatort anzulegen. Er hatte den Lauf der Gerechtigkeit verkehrt, und es tat ihm nicht leid. In Wirklichkeit war er stolz darauf, dass er dazu imstande gewesen war.

Jetzt musste er noch dafür sorgen, dass die Lügen für immer geglaubt wurden, vor allem von Charlottes Ehemann und später von dem kleinen Mädchen, wenn es alt genug war, um Fragen nach seiner Mutter zu stellen.

Lily musste all ihre Kraft zusammennehmen, um Dixons Handtasche aus dem Kinderflügel zu holen, da Manus sich mit solch einem femininen Gegenstand nicht blicken lassen konnte. Sie holte die Tasche unter der Treppe hervor, hängte sie sich über den Arm, als wäre es ihre eigene, und brachte sie in ihr Cottage, wo sie in der Intimität ihrer Küche ungestört den Inhalt durchgehen konnte. Sie suchte die Briefe, die Dixon erwähnt hatte, als sie in ihr Haus gekommen war. Die Briefe, die Unterstellungen enthielten, Charlotte habe ihre kleine Schwester Victoria absichtlich in den Fluss gestoßen und ertränkt. Lily wollte nicht, dass derartige Informationen der Polizei in die Hände fielen, die dann das zweifache Ertrinken am Nachmittag in einem anderen Licht sehen könnte. Und schon gar nicht wollte sie, dass Manus herausfand, dass die Charlotte, auf die er so große Stücke hielt, als sie ein Kind war, diejenige war, die für den Tod der kleinen Victoria, die er geliebt hatte, verantwortlich war.

Da waren keine Briefe. Charlotte musste sie alle an sich genommen haben, bevor sie davongerannt war. Bitte, lieber Gott, mach, dass sie sie zerrissen hat, bevor sie in den Fluss ging, oder dass sie sie wenigstens mit sich genommen hat. Lass die Briefe davonschwimmen, sodass die Tinte im Wasser zerfließt und sie unlesbar sind, wenn irgendjemand sie zufällig findet. Manus hatte sie mit keinem Wort erwähnt, was ein gutes Zeichen war.

Sie griff zu Dixons Reisepass und blätterte ihn durch, wobei ihr die australischen Stempel und Dixons erst jüngst erfolgte Einreise nach Irland auffielen. Hinten war Raum freigehalten für den Namen des nächsten Angehörigen, der in einem Notfall benachrichtigt werden sollte. Der Eintrag lautete: Keine Verwandten. Niemanden benachrichtigen, was bestätigte, dass sich Dixon, wie sie Lily auch gesagt hatte, als ganz allein auf der Welt betrachtete.

Es gab eine Rechnung, die an eine Beth Hall gerichtet war, unterzeichnet von Mrs O’Mahoney aus der Pension im Dorf, was Lily vermuten ließ, dass Dixon einen anderen Namen für ihren Aufenthalt dort verwendet hatte. In einem Lederbeutel lagen eine Saphirkette und dazu passende Ohrringe, die Lily als jene wiedererkannte, die Lady Edwina Blackshaw vor fünfundzwanzig Jahren gestohlen worden waren.

Sie muss die Diamanten verkauft haben, dachte Lily und stellte sich vor, dass Dixon irgendwann während ihres Exils harte Zeiten hatte durchmachen müssen. Schade für die Blackshaws, einen so wertvollen Familienschmuck wie diesen zu verlieren, aber zumindest waren die Saphire in Sicherheit. Sie würde sich einen Weg ausdenken, wie sie den Schmuck zurück ins Haus brachte, ohne dass es jemand merkte.

Für den Fall, dass Dixon noch weitere Briefe hinterlassen hatte, bat Lily Manus, Mrs O’Mahoney aufzusuchen und Dixons Habseligkeiten zu holen, damit sie, und nicht die Behörden, sie als Erste durchsehen konnte.

Manus machte sich Sorgen, dass Lily, sollte jemand aus der Familie von Charlottes Mann nach The Park fahren und sie befragen, nicht in der Lage wäre, mit der Wahrheit hinterm Berg zu halten, da sie keine Übung darin hatte, überzeugend zu lügen, gleichgültig wie fest sie es sich auch vornahm. Nachdem er Dixons einzigen Koffer Lily übergeben hatte, schrieb er an ihre Stieftochter, die in Dublin im Stadtteil Inchicore wohnte, und bat sie, herzukommen und Lily nach der Beerdigung mit zu sich nach Hause zu nehmen und sich um sie zu kümmern, bis sich die alte Frau von dem Schock der zwei Todesfälle erholt hätte. Damit wäre sie aus dem Weg für jene, die zu gerne Details über die Todesfälle durch Ertrinken hörten und nur zu neugierig waren, etwas über das Leben der beiden Frauen zu erfahren, die Lily besser gekannt hatte als alle anderen auf The Park. Manus hoffte, niemand würde Lily bei der Beerdigung irgendwelche Fragen stellen. Er würde bis zu ihrer Abreise in ihrer Nähe bleiben, um etwaige an sie gerichtete Nachfragen abzuwehren.

Erst am nächsten Tag fielen ihm die Kleidung und der eingewickelte Gegenstand wieder ein, den er aus Charlottes Handtasche genommen und in seinem Büro in Sicherheit gebracht hatte. Er holte alles hervor, um es zum Trocknen auszubreiten, damit er die Sachen später in Charlottes Tasche stecken konnte, die er dann hoch zum Haus schicken würde, damit die Familie sie bekam. Er rollte den Gobelinbezug auseinander und schaute hinein. Seine Hand verharrte in der Luft. Ein flüchtiger Blick auf rotes Haar. Er dachte, wenn er es berührte, würde er sich die Finger daran verbrennen. Er ließ den Gegenstand aus seiner Hülle auf den Schreibtisch gleiten.

Das war ohne jeden Zweifel die rothaarige Puppe der kleinen Victoria, feucht, aber gut erhalten. Wie war Charlotte in ihren Besitz gelangt, wenn sich die Puppe das letzte Mal, als sie gesehen wurde, in den Armen von Klein-Victoria befunden hatte? Und er vermutete, dort war sie auch geblieben, wo immer das Kind am Ende auch hingekommen war.

3

Edwina schäumte, da der Tod ihrer Tochter sie in jeder Hinsicht auf dem falschen Fuß erwischte. Charlotte hatte sie nicht einmal informiert, dass sie nach Tyringham Park reisen würde, gar nicht davon zu reden, dass sie Mary Anne in der Obhut von Iseult Farrelly, der Schwester ihres Mannes, zurückgelassen hatte, anstatt sie im Dubliner Stadthaus der Blackshaws den Dienstboten anzuvertrauen. Infolgedessen stand sie wie eine Idiotin da, als die zwei Polizisten in ihre Räume vorgelassen wurden, um ihr die Nachricht zu überbringen, dass ihre Tochter auf Tyringham Park ertrunken war. Nicht, dass die Ansichten von Polizisten sie geschert hätten, doch sie wollte nicht, dass die Männer zu dem Schluss gelangten, sie wüsste nicht, was in ihrer eigenen Familie vor sich ging.

So wird also Iseult Farrelly diejenige sein, die es Mary Anne sagt, dachte Edwina säuerlich, und sie wird zweifelsohne von Himmel, Engeln und Harfen reden. Wenn ich es tun würde, wie es von Rechts wegen sein müsste, würde ich sagen: »Deine Mutter ist gestorben. Sie wird nicht zurückkommen, es hat also keinen Sinn, viel Gewese darum zu machen.« Eine Zweieinhalbjährige mit der Intelligenz von Mary Anne hätte kein Problem, diese schnörkellose Darstellung der Tatsachen zu akzeptieren.

Es war an Iseult, es ihr zu sagen, so feinfühlig sie es konnte und mit Worten, die ein kleines Kind verstand. Und es war die hochschwangere Iseult, die entschied, nicht zur Beerdigung zu fahren, sondern stattdessen in Dublin zu bleiben und sich um Mary Anne zu kümmern, da sie zu dem Schluss gelangt war, eine Trauerfeier sei nichts für ein kleines Kind.

Auf dem Gelände rund um die kleine Privatkapelle, die vor dreihundert Jahren auf dem Grund und Boden von Tyringham Park errichtet worden war, hatten sich zahlreiche Dorfbewohner und frühere Pächter versammelt, als Edwina und ihr Mann Lord Waldron Blackshaw eintrafen. Die Leute am Wegesrand traten einen Schritt zurück und murmelten Beileidsbekundungen, als ein Diener Edwina vorbeischob und ein Offiziersbursche Waldron in die Kirche führte. Die Kirchenbänke waren bereits voll besetzt, mit Ausnahme der ersten Reihe, die für die engste Familie freigehalten wurde.

Lokaljournalisten drückten sich im Hintergrund herum. Wegen Waldrons Ruhm und seiner großen Bekanntheit, dem Verschwinden seiner Tochter Victoria und dem Heldentod seines Sohns Harcourt im Krieg hatte es der Tod durch Ertrinken seines letzten noch lebenden Kindes in die überregionalen Nachrichten geschafft.

Charlotte hat vielleicht nicht gut gelebt, aber das hat sie wettgemacht, indem sie gut gestorben ist, dachte Edwina, die reglos in ihrem Rollstuhl im Gang saß, das Gesicht mit einem schwarzen Schleier verhüllt, damit neugierige Augen nicht herausfinden konnten, ob sie weinte oder nicht. Sie weinte nie in der Öffentlichkeit – das war ein Gebot, das ihr ihre Erziehung vorschrieb und das sie auch nicht in Zweifel zog –, doch die Leute wären überrascht gewesen, hätten sie gewusst, dass sie auch im privaten Rahmen keine Tränen vergoss.

Die Blackshaws von Cork füllten die zweite, dritte und vierte Reihe. Die Carmodys, Charlottes angeheiratete Verwandtschaft, saßen auf der gegenüberliegenden Seite weiter hinten im Kirchenraum. Der Platzanweiser hatte nicht gewusst, wer sie waren, weshalb sie nicht gebeten wurden, sich nach vorn zu setzen.

Nach dem Gottesdienst schaffte es Waldron, der immer mal einen Schluck Whiskey aus seinem Lieblings-Flachmann kippte, der früher jemandem aus dem Königshaus gehört hatte, gestützt von seinem Offiziersburschen aufrecht am offenen Grab zu stehen, dem Vikar zuzuhören und ab und an, wenn auch nicht immer an den richtigen Stellen, zustimmend zu nicken.

»Miss Charlotte, wie wir sie kannten und liebten, als sie hier als kleines Kind lebte«, sagte der Vikar, wobei er die Tonlage anhob und seine Vokale in die Länge zog, »war eine Frau, die alles hatte, für das es sich zu leben lohnt: einen guten Ehemann, Dr. Lochlann Carmody, der im Medizinkorps der britischen Armee dient und heute leider nicht bei uns sein kann, um seiner geliebten Frau Lebewohl zu sagen, und ihre kleine Tochter Mary Anne, die nun so grausam ihrer liebenden Mutter beraubt wurde.«

Schluchzer waren überall aus der Trauergemeinde zu hören.

Waldron begann zu schwanken. Edwina zischte dem Offiziersburschen etwas zu, der Waldron am Arm nahm, ihn festhielt, umdrehte und an den Trauernden vorbei wegführte, die zur Seite wichen, um Platz zu machen. Waldron kam zweimal aus dem Tritt, doch sein Aufpasser vermochte ihn aufzufangen und aufzurichten.

»Armer Mann, begräbt sein letztes Kind«, flüsterte einer der Trauergäste, der einen Schritt zurückgetreten war, um ihn durchzulassen.

»Kein Wunder, dass er fix und fertig ist«, sagte jemand anders.

»Fix und fertig, so ein Quatsch«, sagte ein Dritter. »Bist du von gestern, oder was?«

Der Vikar wartete, bis Waldron, der nun hickste, schließlich fort und das Murmeln verstummt war, bevor er erneut zu sprechen anhob.

Es wird Zeit, dass er mit dem Reden aufhört, dachte Edwina. Er versucht die Katholiken zu beeindrucken, nun, da er sie in den Krallen hat. Es ist kalt hier draußen im Wind. Gott sei Dank war ich so vorausblickend, meinen Nerz anzulegen.

Sie wollte mit Manus sprechen. Sie konnte ihn nicht sehen. Sie dachte, er würde sich in der Nähe aufhalten wegen seiner Verbindung zu ihr in der Vergangenheit und seiner Ergebenheit Charlotte gegenüber. Hinter der Menschenmenge, auf einer Anhöhe, konnte sie diese alte Hexe sehen, die East, oder wie auch immer sie sich dieser Tage nannte, gestützt von einem haarigen Mann. Sie hatte nicht die Absicht, mit ihrer alten Wirtschafterin zu reden, wenn sie es vermeiden konnte.

Sobald der Vikar zu sprechen aufgehört hätte, würde sie sich nach Manus umsehen. Dachte er immer noch schlecht von ihr, weil sie die neun Jahre alte Charlotte einst dazu gezwungen hatte, einen Hengst zu reiten, den sie nicht kontrollieren konnte?

Selbst wenn er das immer noch tat, am Ende würde sie ihn schon herumkriegen. Das war ihr stets gelungen. Sie brauchte ihn auf ihrer Seite, wenn aus Mary Anne eine meisterhafte Reiterin werden sollte, wie es dem Erbe der Blackshaws entsprach, zu denen das Mädchen wenn schon nicht dem Namen, so doch dem Blut nach gehörte.

Endlich war die Zeremonie vorüber.

Edwina blieb, wo sie war, während die Menschenmenge an ihr vorbeizog, um ihr das Beileid auszusprechen. Waldron war nicht zurückgekehrt. Wahrscheinlich war er hoch ins Haus gegangen und dort geblieben. Edwina vernahm, wie sich weiche musikalische Akzente aus Cork mit den durchdringenden Tönen der Gentry abwechselten, bis sie ganz konfus wurde, vor allem, da sie sich nicht verpflichtet fühlte, den Kopf zu heben, und die Kondolierenden demzufolge nur bis in Brusthöhe sah.

Lochlanns Eltern, Dr. Grace und Dr. Rory Carmody, stellten sich selbst vor, als die Reihe an ihnen war. Sie hatten Edwina seit dem Morgen der Hochzeit nicht mehr gesehen. Sie bedauerten, sofort wieder zurück nach Dublin fahren zu müssen, sagte der Vater, aber sie konnten es sich nicht erlauben, den nächsten Zug zu verpassen, da er früh am nächsten Morgen Rufbereitschaft habe. Ihr Lob für Charlotte war überschwänglich. Eine Gruppe von Lochlanns Schul- und Medizinerfreunden sprach ihr Beileid aus und folgte dann seinen Eltern, die sich von der Kirche entfernten.

Die Reihe der Kondolierenden war lang, und diese East-Frau, zitternd vor Nervosität, kam als Nächste und beugte sich hinunter, um zwischen Schluchzern etwas Unverständliches zu murmeln. Hat sie jeden Funken Selbstbeherrschung verloren, wunderte sich Edwina. Wenn dieser behaarte Mann sie nicht hielte, wäre die überreizte Frau ihr am Ende noch auf den Schoß gefallen. Die Stimme des Mannes klang vertraut. Muss einer der Pächter aus meiner Zeit sein, dachte sie. Er, wer immer er war, beugte sich nicht zu ihr herunter, weshalb sie nur seinen kräftigen Händedruck wahrnahm. Wie allen anderen in der Schlange dankte sie ihm für sein Kommen.

Danach machten sich die meisten Dorfbewohner auf den Weg, durch die Haupttore hinaus und nach links Richtung Ballybrian, während der geladene Adel aus der Umgebung zu einer Erfrischung hoch ins Haus gebeten wurde.

Beim Leichenschmaus erwähnte Edwina gegenüber Harriet, der Schwägerin ihres Mannes und augenblicklichen Herrin von Tyringham Park, dass Manus der Einzige aus dem Dorf gewesen sein müsse, der nicht zur Beerdigung gekommen war.

»Aber er war doch da«, sagte Harriet.

»Und er kam nicht her, um mit mir zu reden?« Edwina konnte nicht glauben, wie stark das Gefühl der Erregung in ihrem Magen bei dem Gedanken war, dass er ihr so nah gewesen war, und wie tief die Enttäuschung, dass er sich ihr nicht vorgestellt hatte.

»Ich sah ihn in der Schlange. Er hat Lily East die ganze Zeit über gestützt. Wie ich höre, hat die Sache sie schrecklich mitgenommen, und sie befindet sich nach wie vor in einem Zustand der Verwirrung.«

»Der Mann neben ihr, das war Manus? So behaart?« Zum ersten Mal an diesem Tag verlor Edwina beinahe die Fassung, doch sie beherrschte sich aus Angst, sich vor Harriet eine Blöße zu geben.

»Das war wohl Manus, wenn ich ihn auch nicht als ›behaart‹ bezeichnen würde. Bärtig, ja, aber nicht das, was man ›behaart‹ nennen würde.«

»Ich erkannte ihn nicht wieder. Ich dachte, er wäre ein Pächter oder sonst jemand aus der Vergangenheit. Na ja, genau genommen habe ich ihn nicht richtig gesehen. Als ich ihn kannte, war Manus glatt rasiert.«

»Tatsächlich? Ich kann mich fast nicht mehr so weit zurückerinnern. Ich hätte der armen Frau einen Stuhl bringen lassen sollen. Ziemlich nachlässig von mir. Bin nicht an Frauen bei Beerdigungen und auch nicht an eine so große Menschenmenge gewöhnt. Ein großartiges Kompliment für deine Charlotte, muss ich sagen.«

»Ja, das war es wohl.«

»Nun, hier sind meine Urenkel. Das Kindermädchen hat sie eigens gebracht, damit sie dich kennenlernen. Du bist vermutlich vollkommen verwirrt, wer hier zu wem gehört, da so viele von uns unter ein und demselben Dach leben.«

Und so wenige von uns, dachte Edwina. Ist sie schadenfroh?

»Das sind die Kinder von Giles und Georgina. Giles ist der Sohn von Nicholas, welcher der Sohn von Charles ist.«

»Ich weiß, wer das ist, Harriet. Noch bin ich nicht senil.«

»Natürlich nicht, doch selbst ich bringe zuweilen die Generationen durcheinander. Dieses kleine Mädchen ist Jane, im selben Alter wie Mary Anne. Das ist Nigel, der gut aussehende, und das hier ist William, der nach Waldron, Charles, Nicholas und Giles Erbe sein wird. So, ich denke, jetzt ist alles klar. Natürlich, wenn Harcourt nicht so heldenhaft sein Leben hingegeben hätte, würden wir jetzt alle irgendwo anders zur Miete leben.«

Wenigstens ist ihr das klar, dachte Edwina.

»Zu schade für Waldron, dass ihr keinen weiteren männlichen Erben hattet. William ist sieben Jahre alt. Kommt nächstes Jahr in England ins Internat. Danke, Nanny. Das ist alles. Sie können sie jetzt wegbringen.«

Edwina fühlte sich zu erschöpft, um zu sprechen. Harriet spielte bei ihr die große Herrin. Wenn Harcourt nicht so edelmütig für sein Land gestorben wäre – anders als Giles, der lediglich mit einem Fuß weniger entlassen worden war –, wäre er nun der Erbe und könnte der Vater dreier prächtiger Kinder sein, die in jeder Hinsicht diesen drei ordinären Gören überlegen wären, die gerade vor ihr aufmarschiert waren. Auch fühlte sie sich betrogen, weil Mary Anne an diesem Tag nicht bei ihr war, sodass sie hätte vorgestellt werden können und mit ihrer Exzellenz ihre Cousins und Cousine überstrahlt und Harriet auf ihren Platz verwiesen hätte.

Harriet bemerkte Edwinas ärgerliche Miene und wechselte das Thema, indem sie fragte, wer auf Mary Anne aufpasse, bis ihr Vater aus dem Krieg zurückkehren würde.

»Mary Anne hat, seit die Familie von Australien nach Hause kam, im Stadthaus gelebt, und ich sehe keinen Grund, warum sich das ändern sollte«, sagte Edwina. »Queenie ist an das Kind gewöhnt und kann sich allein um die Kleine kümmern, bis ich eine junge Kinderfrau einstelle, die ihr dabei hilft. Heute wäre ein guter Zeitpunkt, die Nachricht von meiner Suche nach einer solchen Frau in Umlauf zu bringen, da alle hier versammelt sind. Du könntest es erwähnen und sagen, es sei dringend. Unter den gegebenen Umständen wird das jeder verstehen.«

»Natürlich. Das ist das Mindeste, was ich tun kann. Ich freue mich, wenn ich helfen kann«

»Ich wäre dir äußerst dankbar. Falls also der Doktor nicht aus dem Krieg heimkehrt, wird Mary Anne im Stadthaus ein sicheres Zuhause gefunden haben und dort unter meiner Aufsicht leben.«

»Und wenn der Doktor wiederkommt?«

Mit etwas Glück wird er das nicht, dachte Edwina. Er ist der Einzige, der das Recht hat, mir Mary Anne wegzunehmen. Laut sagte sie: »Dann kann er kommen und mit seiner Tochter wieder im Stadthaus leben. Er lebte schon einmal eine Woche lang in Charlottes Wohnung, als er aus Australien zurück und noch nicht in den Krieg gezogen war.«

»Das wäre schön für dich.« Harriet betrachtete die Gäste im Raum, die Tee tranken und Sandwiches verzehrten. »Guck dir nur mal all die Grauköpfe an. Einschließlich unserer eigenen natürlich. Wir werden alle älter. Wenn ich du wäre, Edwina, Liebes, würde ich mir nicht die Mühe machen, den Pelzmantel zurück auf den Speicher zu bringen, wenn du wieder in Dublin bist. So wie Waldron aussieht, denke ich, wird er recht bald wieder benötigt werden.«

»Ja, sie werden umfallen wie die Fliegen«, sagte Edwina und setzte im Geiste Harriet und ihren Mann Charles, Waldrons jüngeren Bruder, gleich hinter Waldron selbst auf die Wettliste für eine Totenmesse. Sie waren alle Anfang achtzig, ihr selbst um Jahre voraus. Im Vergleich zu ihnen war sie mit nur sechsundfünfzig ein Kind. Der Gedanke gab ihr Befriedigung. Einen dreißig Jahre älteren Mann zu heiraten hatte etwas für sich.

Während die Trauergäste sich im Salon einfanden, ging Lily East durch den ihr vertrauten Dienstbotentrakt in die große Halle, hob unter großer Mühe die Sitzfläche der schwarzen Mönchsbank aus Eiche hoch, auf der sich Mäntel türmten, ließ den Saphirschmuck in deren dunkles Inneres fallen und verschwand auf demselben Weg, auf dem sie gekommen war. Wahrscheinlich würden Jahre vergehen, bis er gefunden wurde, doch wenigstens musste Lily sich wegen der Juwelen jetzt keine Gedanken mehr machen.

4

Am nächsten Tag wurde die ehemalige Kinderschwester Elizabeth Dixon am Rande des Friedhofs von The Park bestattet. Charles Blackshaw kam für den Sarg und die Dienste des Vikars auf. Nur Charles, der Vikar und Inspector Declan Doyle waren anwesend. Manus stand mit gesenktem Kopf hinten unter der ersten Baumreihe. Reg und sein Enkel Toby warteten in respektvoller Entfernung, bereit, das Grab zuzuschütten, sobald die Würdenträger gegangen wären.

Toby starrte weiter mit einem Ausdruck verwunderter Konzentration zu Manus hin und dann zu Inspector Declan Doyle und ließ seinen Blick mehrmals von einem zum anderen wandern.

»Wenn ich groß bin, will ich kein Fischer werden und auch kein Gärtner oder Pferdetrainer. Ich will Polizist werden«, sagte Toby zu seinem Großvater, als die Beerdigung vorüber war und die drei bedeutenden Persönlichkeiten sich entfernt hatten, nicht ohne dass der Polizist zuvor zu Manus hinübergegangen war und mit ihm ein paar freundliche Worte gewechselt hatte. »Kriminalbeamter.«

»Warum nicht?«, sagte Reg. »Das sollte für einen klugen jungen Burschen wie dich kein Problem sein, wenn ich auch sagen muss, ich hatte gehofft, du würdest hier bei mir arbeiten und die lange Familientradition fortführen.«

»Ich möchte nur Polizist werden«, wiederholte Toby.

»Mach, was du willst. Du hast noch jede Menge Zeit, deine Meinung zu ändern. Auf jeden Fall musst du dich hinter deine Bücher klemmen, denk dran. Keine Nachlässigkeit. Ach, da bist du ja, Manus. Traurige Sache.«

Manus pflichtete ihm bei.

»Komisch, dass die beiden Frauen ertrunken sind, obwohl sie noch hätten stehen können, meinst du nicht, Manus?«, fragte Reg und stützte sich auf seinen Spaten, als wolle er sich auf eine ausgiebige Unterhaltung einlassen. »Das wollte ich dir noch sagen. Es ist ja nicht so, dass sie in der Nähe des Dark Waterhole gewesen wären. Sie hätten einfach aufstehen und ans Ufer waten können.«

»Komisch, stimmt«, sagte Manus, »aber anscheinend nicht ungewöhnlich. Declan Doyle fragte die Experten von der Wasserschutzbehörde in Dublin, ob sie sich den Vorfall erklären könnten. Wie es scheint, haben sie mehr als nur ein paar Leute in flachem Wasser ertrinken sehen.«

Manus war aufgefallen, wie Tobys Kopf hochgefahren war und der Junge ihn angestarrt hatte, als die Worte »beiden Frauen ertrunken« fielen, und wie Tobys Blick dann weiter unverwandt auf ihm ruhte.

»Sie meinten«, fuhr er fort, »dass Menschen, die nicht schwimmen können, in Panik geraten und sich dann nicht mehr aufrichten können, und so schlagen sie in horizontaler Position um sich, unfähig, Boden unter die Füße zu bekommen, bis sie schließlich Wasser in die Lunge kriegen und untergehen. Und jeder, der sie retten will, muss vorsichtig sein, damit er nicht mit hinuntergezogen wird. Ein Ertrinkender hat viel Kraft und keinen Verstand.«

»Da hast du es also. Das erklärt alles. Toby, du wirst solche Fälle lösen können, wenn deine Zeit gekommen ist.« Er zwinkerte Manus zu. »Hab ich dir gesagt, dass Toby hier Kriminalbeamter werden will, wenn er groß ist? Was hältst du davon?«

»Ich finde, das wäre genau seine Kragenweite«, sagte Manus. »Ich würde meinen, dass deinen wachen Augen nicht sehr viel entgeht, nicht wahr, Toby?« Während er sprach, studierte er Tobys Gesicht und suchte nach einem Hinweis, was der Junge wohl gerade dachte. Toby schaute ihn ruhig an. »Reg, warum schickst du Toby nicht runter zum Stall? Nicht nur, damit er sich umschaut, sondern um zu lernen. Natürlich nur wenn du ihn entbehren kannst. Er kann bei den Reitstunden mitmachen, die die Blackshaw-Kinder den Sommer über wochentags von acht bis zehn haben. Würde dir das gefallen, Toby?«

»Darf ich dann mit ihnen reden?«

»Klar darfst du das.«

»Großvater sagte, ich darf es nicht. Nicht wahr, Opa?«

»Das hab ich, und ich sag es immer noch, solange du bei mir bist. Aber Manus ist sein eigener Herr, und wenn du bei ihm bist, tust du, was er sagt.«

»Das ist ein guter Vorschlag«, sagte Manus. »Wir sind da nicht so förmlich. Dort ist das Pferd König.«

Tobys Lider flatterten, als fiele es ihm schwer, seinen starren Blick beizubehalten.

»Also sehe ich dich dann morgen, Toby?«

»Danke, Manus«, sagte Reg. »Das ist sehr freundlich von dir. Ich werde das Angebot bestimmt annehmen. Er wird beim Gärtnern unruhig. Du wirst da sein, nicht wahr, Toby?«

Toby nickte.

»Ich denke, die Arbeit mit den Pferden könnte für ihn genau das Richtige sein«, sagte Manus zu Reg.

Während sein Großvater sprach, schaute Toby weiter Manus an, da er kaum glauben konnte, dass ein Mann wie er, ein Mann mit nettem Gesicht und freundlichem Auftreten, dem Polizisten am Unglücksort jede Menge Lügen erzählt hatte – Lügen, die er gerade gegenüber Reg wiederholt hatte. Er fragte sich, ob er, wenn er groß war und als Polizist Dienst tat, in der Lage wäre zu erkennen, wenn ihn jemand anlog. Oder würde er so leicht zu täuschen sein, wie Inspector Declan Doyle von Manus getäuscht worden war?

Manus schloss das Tor hinter den Stallburschen, die die Zweijährigen im Galopp ausreiten wollten. Als er sich umwandte, sah er Toby mit hellwachem Gesichtsausdruck in der Mitte des Hofs stehen, wie er interessiert die nach draußen strebenden Reiter beobachtete.

Er könnte mein jüngeres Ich sein, dachte Manus. »Du bist also gekommen«, sagte er. »Das freut mich.«

Toby fixierte Manus mit einem offenen, furchtlosen Blick.

»Ich habe genau das richtige Pony für dich. Es braucht noch wesentlich mehr Führung als jetzt, bevor es zu seinem neuen Besitzer geht. Ich wäre froh, wenn ich dich als Lehrling annehmen könnte. Wir beginnen mit einer Woche auf Probe, um zu sehen, wie du dich machst. Passt dir das?« Manus benutzte das Wort »Lehrling« mit Absicht, damit von Anfang an klar war, dass er für den Unterricht, den er dem Jungen erteilen würde, kein Geld erwartete.

Toby kaute auf seiner Lippe herum, um sein aufgeregtes Lächeln zu verbergen.

»Was ist das da um deinen Hals?«, fragte Manus. »Etwa eine Schleuder? Komm, lass mich mal einen Blick darauf werfen.«

Toby zog sich die Schleuder über den Kopf und reichte sie Manus.

»Hat Reg die gemacht? Sie ist ein Kunstwerk.« Manus hielt die Basis des gegabelten Holzstöckchens und spannte den daran befestigten Gummi. Er lächelte vergnügt. »Das erinnert mich an meine Kindheit, obwohl ich nicht behaupten kann, dass ich jemals so eine gut gemachte Schleuder wie diese gehabt hätte. Gehen wir raus, sammeln wir ein paar Kieselsteine und machen ein paar Schüsse. Warte, bis William und Nigel das sehen. Sie werden Reg nerven, damit er jedem von ihnen auch eine macht. Vielleicht überrede ich ihn sogar, um der alten Zeiten willen eine für mich anzufertigen. Dann fühl ich mich bestimmt wieder jung. Ah, da sind sie ja.«

Die drei Blackshaw-Kinder rannten in den Hof. Sie wirkten überrascht und neugierig, als sie Toby dort sahen. Sie hatten ihn auf dem Anwesen aus der Ferne bemerkt, aber bislang noch nicht mit ihm gesprochen.

»Kinder, das ist Toby«, sagte Manus. »Er wird ab jetzt für Jester zuständig sein. Kommt, probiert mal diese kleine Waffe aus und schaut, wer die Silberbirke am anderen Ufer trifft. Ist dir das recht, Toby?«

In Dublin ließ am selben Tag Mary Annes Tante Iseult eine Notiz für Edwina im Stadthaus, in der sie fragte, ob sie um vier Uhr vorbeikommen und ein paar Kleider und Spielsachen für Mary Anne abholen könne, deren auf zwei Tage angelegter Besuch sich auf eine Woche ausgeweitet hatte. Edwina sandte ihr eine Nachricht per Dienstboten, um mitzuteilen, dass ein Besuch seitens Iseult genau richtig käme, da sie den Wunsch habe, ...

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