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RUBINSTEINS VERSTEIGERUNG – Roman

Inhaltsübersicht

RUBINSTEINS VERSTEIGERUNG

UMSONST IM PUFF

ESELEI

KLASSENBANN

ZIONISMUS

MÖRDER

JÜDISCHE PARTY-LOGIK

GOTT SEI DANK

DRESSUR

FLIEGENDER WECHSEL

DIE EINLADUNG

HOSENSPRITZER

DER UNTERTAN

UNVERDAULICH

GEHOPSE

SCHABBESGÄSTE

DER EWIGE JUDE

GEWISSEN

DAS GRAB

WEHRLOS

DER HEIRATSANTRAG

INFARKT

ANGEQUATSCHT

DER MITLÄUFER

ANDERS?

GRIECHENLAND

ESEL VERSTEHT

IMPOTENT

SUBLIMIEREN

DIE SCHICKSE

WAHNSINN

ALPTRAUM

ABSCHIED

EIN DEUTSCHER JUDE

 

Mit 18 unter den Traubaldachin,

denn wer mit 18 noch unverheiratet ist,

wird den ganzen Tag nur an Sünde denken.

 

Talmud

RUBINSTEINS VERSTEIGERUNG

»Guten Tag. Mein Name ist Taucher. Einige von Ihnen kennen mich bereits. Ich werde bis auf Weiteres Herrn Faden im Deutschunterricht vertreten.«

Und ob ich dich kenne!

»Meine Herren, das Klassenzimmer ist mir zu militärisch-exakt geordnet. Wir wollen hier aber nicht exerzieren, sondern diskutieren und voneinander lernen.« Sie sieht uns direkt an – auch mich. »Ich möchte Sie daher bitten, einen Halbkreis zu bilden.«

Einige Typen schieben missmutig ihre Bänke auseinander.

»Nur nicht so schüchtern. Diskussion ist nur auf gleicher Ebene möglich. Hier sollen keine Lehren ex cathedra verkündet werden. Ich möchte deshalb, dass auch mein Pult in den Halbkreis integriert wird. Bislang zieht sich lediglich ein dünner Heiligenschein um meinen Platz.« Mit kurzen, schnellen Schritten geht sie auf die erstbeste freie Bank zu, greift sie sich samt dazugehörigem Sessel und schiebt alles direkt an ihr Pult. »Also, wer setzt sich neben mich?« Sie lächelt.

Warum nicht ich? Meine Schläfen pochen. Was macht mich an dieser Frau verrückt? Sie sieht nicht mal besonders gut aus. Relativ groß, kleiner Busen, breiter Hintern, lange, muskulöse Beine. Ihr Gesicht ist mir anfangs kaum aufgefallen, lediglich die vollen blassrosa Lippen und die hohen Backenknochen. Vor etwa einem halben Jahr aber hat sie mich auf dem Gang irgendeine Belanglosigkeit gefragt, sie hat mich dabei so warm angesehen. Ich habe Herzklopfen bekommen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und jetzt soll ich die Frau fast täglich sehen.

Trau dich! »Ich.« Ein Rabe wäre stolz auf mein Gekrächze.

»Na also! Setzen Sie sich gleich nach vorn, Rubinstein.«

Ich packe die Mappe, bewege mich auf ihr Pult zu. Sogar ein Grinsen gelingt mir.

Kaum sitze ich, weicht die Hitze in meinem Kopf einer wohligen Wärme. Hinter mir wird gerückt und geschoben. Sie ist jetzt meine Nachbarin! Ihre Füße stecken in flachen Riemchensandalen. Die Zehennägel sind blassrosa lackiert. Sieht richtig nackt aus.

Plötzlich steht sie auf, geht auf meinen Platz zu, stellt sich neben mich. Gelassen greifen ihre warmen, festen Finger nach meiner Linken, langsam, aber bestimmt zieht sie meine Hand hoch. Mir schießt das Blut ins Gesicht. Ehe ich oder ein anderer auf diese Handlung reagieren können, doziert Hilde Taucher mit ruhiger Stimme: »Ja, Leute, Mut zum nonkonformistischen Handeln wird gelegentlich belohnt, wie Sie sehen.«

Mit einem Schlag löst sich die allgemeine Lähmung. Der Lärm schwillt wogenartig an. Schreien, Pfeifen, Trampeln. Dazwischen Rufe: »Ich auch!« »Umsetzen!« »Partnertausch!«

Sachte lässt sie meine Hand sinken und meint mit ruhiger Stimme: »Tut mir leid, meine Herren, Sie haben den historischen Moment verpasst.«

Ich bin berauscht. Konfuse Empfindungen und Gedankenfetzen schießen mir durch den Schädel. »Leute, ihr werdet euch wundern. Wenn jemand wirklich so scharf darauf ist, neben unserer Pädagogin zu sitzen und ihr Händchen zu halten, bitte, ich tausche gern«, schreie ich. In diesem Moment bin ich erstmals unumstrittener Star der 13b. Was hat mich dazu gemacht? Egal! Ich muss am Ball bleiben! Ich muss!

»Ich!« »Ich!« »Ich!« »Nein, ich!«, kreischt es aus der Klasse.

»Hört mal zu, Jungens«, kommt es heiser aus mir heraus. »Bei diesem Andrang muss ich König Salomo spielen. Hiermit versteigere ich meinen Platz.«

Woher diese Idee?

»Fünf Mark!«, brüllt Schön.

»Zehn!«, schreit Kleiner.

»Zwanzig!«

»Fünfundzwanzig!«

»Fünfundzwanzig zum Ersten, zum Zweiten …«, antworte ich schrill.

»Vierzig!«

»Fünfzig!«

»Fünfzig Mark und zwölf Pfennig!«, ruft Klassenkomiker Bergmann.

»Schluss jetzt, ihr Schlappis! Hundert Mark!«, beendet Kraxmayer in bestimmtem Ton die Auktion. Ohne besondere Eile fischt er den blauen Geldschein aus seiner Brieftasche, nimmt seine Mappe und marschiert mit weit ausholenden Schritten auf mich zu. Er drückt die Banknote in meine Hand, die ihm mechanisch entgegenkommt. Ich muss mich zwingen, aufzustehen und den Platz freizumachen.

Stille.

»Da schau her! Kaum reicht ihm eine deutsche Frau die Hand, schon versteigert der Rubinstein sie meistbietend. Jetzt verstehe ich, wie ihr zu eurem Geld kommt«, tönt Franz Bauriedls gedehnte Stimme in meinem Rücken.

Du musst wieder handeln, sofort! Sonst bist du deine Rolle als Held der Klasse unwiderruflich los. Du musst dem Bauriedl eine scheuern! Er ist zwar einen halben Kopf größer als du, aber er wird nicht zurückschlagen – kann es in dieser Situation einfach nicht. Mir fehlt dennoch der Mut. Meine nervöse Energie ist in den vergangenen Minuten restlos verbrannt. Ich habe Angst. Du musst handeln! Ich kann nicht, habe einfach keine Kraft, den Bauriedl zu schlagen.

Was soll ich nur tun, verdammt noch mal?

»Ich werde das Geld spenden – für einen guten Zweck«, meine Stimme überschlägt sich. Du elender Feigling!

»Dem Synagogenrat wohl?«, erkundigt sich Bauriedl.

»Jetzt ist es aber genug, Herrschaften«, ruft die Taucher bestimmt.

Augenblicklich wird es still.

Ich habe verloren! Immer noch halte ich Kraxmayers Hunderter in der Hand. Tränen schießen mir in die Augen. Raus! Nur raus hier! Sonst sehen die mich noch flennen. Ich laufe los. Werfe die Tür zu. Renne zur Toilette, stürze in die erste Kabine, schlage meinen Kopf gegen die Holzwand. Weine, weine. Scheißdeutsche!

UMSONST IM PUFF

Ich kann nicht ewig im Klo bleiben. Bald ist Pause. Die Kerle dürfen mich nicht heulen sehen. Also weg! Aber wohin? Hör erst mal auf zu flennen und denke. Zurück in die Klasse geht nicht. Dann sehen sie, dass ich geweint habe, und lachen. Ich reiße einen langen Streifen von der Papierrolle, rotze rein. Du musst raus aus dem Laden!

Ich renne aus dem Schulgebäude, überquere die Lerchenfeldstraße, schwinge mich über die Stahlbarriere in den Englischen Garten. Drüben haben sie jetzt Pause. Wenn ich jetzt einfach zurückgehe und tue, als ob nichts geschehen wäre? »Es hat wohl nichts mehr zu verschachern gegeben, Rubinstein?«

Ich kann doch nicht den ganzen Tag im Englischen Garten verbringen. Nach Hause? »Weshalb kommst du schon jetzt?« Bloß das nicht! Lass mal ruhig überlegen, Reb Jid. Zunächst, was tu ich mit dem Geld? Rotes Kreuz? Tierschutzverein oder der übrige Käse? Vielleicht wirklich der jüdischen Gemeinde spenden? Ach was – die haben genug. Einfach einsacken ist auch blöd. Ich hab’s: Ich geh in den Puff. Du spinnst! Wieso? Von Sex habe ich noch keine Ahnung. Ich war zwar schon ’n paarmal mit Itzi und Heini im Puff, aber natürlich hat keiner von uns gewagt, mit einer Hure mitzugehen. Außerdem ist es ganz schön teuer. Genau, das ist es! Der Kraxä lädt mich ja ein – ohne es selbst zu wissen.

Der Gedanke, mit einer Frau zu schlafen, erregt mich. Verdammt noch mal, ich geh jetzt in den Puff!

Eine halbe Stunde später stehe ich vor dem »Imexhaus«. Während der Fahrt mit der Trambahn jagte mein Puls immer rascher. Noch kannst du umkehren, Rubinstein. Schon wieder die Hosen voll? Man kann doch nicht ewig davonlaufen.

Ich stoße die Glastür auf. Tatsächlich! Sogar am Montagvormittag ist hier was los.

Die Schwarzhaarige in der Strumpfhose kann sich sehen lassen. Sie schaut mich an, lächelt. »Schatzi, kummst mit?«

»Wie viel?«

»Dreißig mit Gummi.«

Gar nicht so teuer. Da würden mir siebzig Mark übrigbleiben. Ich gehe weiter, die abgetretene Holztreppe hoch.

Im ersten Stock stehen zwei Frauen. Die Blonde ist ziemlich fett, außerdem hat sie die vierzig schon lange hinter sich. Die Perückentante daneben ist vielleicht zehn Jahre jünger. Weiter! In der nächsten Etage stehen drei Frauen. Zwei in schwarzen Strumpfhosen, eine im Minirock. Die sieht ganz nett aus. Ein bisschen rundlich, graublaue, ruhige Augen, kaum geschminkt. Sie dürfte so alt sein wie ich.

»Wie viel kostet’s?«

»Dreißig Mark, weil du es bist.«

»Gut.«

Jetzt kann ich nicht mehr zurück. Ich muss mit.

»Komm da eini«, sagt sie lächelnd. Sie geht mir voraus, zum Gang. Ich schaue auf ihre nackten Beine. Einige Schritte, dann öffnet sie die Zimmertür. Der Raum ist eng, düster. Ich sehe eine grau bezogene Couch, einen kleinen Tisch mit leuchtender Nachttischlampe, einen roten, alten Polstersessel, in der Ecke ein winziges Waschbecken.

»Schatzi, magst es zu dritt?«

»Was kostet das?«

»Sechzig.«

»Nein.«

»Oder was zum Trinken?«

»Nein.«

»Guat. Dann gib mir bittschön gleich das Geld.«

Ich reiche ihr den Hundertmarkschein.

»Magst du’s vielleicht französisch?«

»Nein.«

»Großzügig bist du fei net.«

»Wissen Sie, das Geld gehört mir nicht ganz.«

»Geh, kumm, das kannst einer anderen erzählen.« Sie steckt die Banknote in eine kleine schwarze Lacktasche, holt zwei Scheine hervor. »Hier, hast deine siebzig Markl.« Danach kramt sie aus derselben Tasche ein Kondom hervor, setzt sich auf die Couch und schlägt den Rock hoch. Darunter ist sie nackt! Ich habe noch nie eine nackte Frau gesehen. Und dieses Weib reißt einfach den Rock hoch – ohne mit der Wimper zu zucken.

»Geh her. Ziag di aus. Net das Hemad, nur die Hosen.«

Ich gehorche ihr. Lege Hose und Unterhose auf den Sessel und setze mich zu ihr auf die Couch. Meine Hände und Füße sind eiskalt. In meinen Ellbogen und Kniekehlen spüre ich stechenden Schmerz.

Da greifen ihre kurzen, fleischigen Finger schon nach meinem Schmock. Reiben und reißen, dass es mir wehtut. Ob ich ihr sagen soll, dass ich noch nie bei einer Frau war?

Nein! Jetzt bloß kein Mitleid schinden!

»Da tut sich fei nix.«

Stimmt, überhaupt nichts. Ich hau einfach ab. Nein! Verdammt noch mal, nicht schon wieder davonlaufen! »Ja, was soll ich tun?« Typisch Jonathan Rubinstein.

»Wir können es französisch machen, Schatzi.« Sie lächelt.

»Gut.«

»Ja, aber dann musst an Zwanziger draufzahlen.«

Ich gebe ihr den Schein. Sie steht auf, der Rock bedeckt wieder ihren Unterleib, steckt die Banknote in die Tasche. Dann setzt sie sich wieder aufs Bett, schlägt erneut den Rock hoch, packt meinen Schmock und reibt ihn mit kurzen, ruckartigen Bewegungen.

»Du, da tut sich nix.«

»Kann man da nichts machen?«

»Ja freilich. Aber das kostet no an Fuffziger.«

Bist du vollständig verrückt geworden? Seit das Weib ihren Rock hochgerissen hat, ist der letzte Funken Geilheit in dir erloschen. Du hast nicht den geringsten Spaß an der Sache, nur noch Angst und Ekel. Du weißt, dass es dieser Hure nur darum geht, dir dein ganzes Geld abzunehmen, und du machst auch noch mit oder tust zumindest so, um dich vor ihr nicht total zu blamieren.

Ich gebe ihr den Schein.

Jetzt bin ich meinen Gewinn vollständig los.

Sie steckt das Geld wieder in ihre Tasche und beugt sich über meinen Schoß. Wieder ein schmerzhaftes Ziehen und Zerren.

»Du, Schatzi, da tut sich beim besten Willen nix.«

»Es ist schon gut.«

»Wie’st moanst.« Sie ist aufgestanden, reicht mir ein Papiertaschentuch. »Den Pariser wirfst bitte in den Eimer.« Ich tue wie geheißen, schlüpfe danach rasch in meine Kleider. Sie hat sich unterdessen die Hände gewaschen und geht mit raschen Schritten voraus, zurück in den Gang.

»Servus, Schatzi.«

Ich antworte nicht. Stürze die Treppen hinunter.

Du ekelhaftes Schwein! Du Versager!

Auf der Hohenzollernstraße ist es drückend heiß. Ich habe einen üblen Geschmack im Mund. Laufe Richtung Leopoldstraße. Reiß dich zusammen! Du gehst jetzt zu Fuß nach Hause, sonst schnappst du noch über!

 

Der fast zweistündige Marsch durch den Englischen Garten und danach entlang der Isar hat mich ruhiger werden lassen. Vor unserer Wohnung in der Ländstraße zögere ich kurz, dann öffne ich die schwere Haustür und steige die stumpfe Holztreppe hoch. Ich stecke den Schlüssel ins Schloss unserer Wohnungstür.

ESELEI

»Schalom, Esel.«

»Wieso kommst du erst jetzt?«

»Das geht dich einen Dreck an.«

»So sprichst du mit deiner Mutter?«

»Genau so! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass es allein meine Sache ist, ob und wann ich nach Hause komme.«

»Aber ich muss doch wissen, wann ich das Essen aufwärmen soll.«

»Sobald ich es dir befehle!«

»Sag mal, bist du heute vollkommen übergeschnappt? Was erlaubst du dir eigentlich?« Sie hat ihren Platz hinter dem Küchentisch verlassen und baut sich in ihrer vollen Größe von Einmeterfünfzig vor mir im Flur auf. »Hast du kein bisschen Achtung vor deinen Eltern? Fühlst du nicht einen Funken Dankbarkeit für Friedrich und mich? Seit deiner Geburt haben wir alles für dich getan.«

»Soll ich euch noch dafür danken, dass ihr mich aus Israel in dieses Nazi-Land gebracht habt?«

»Es gibt auch andere Menschen hier. Außerdem sind in ein paar Jahren alle Nazis tot.«

»Ihr auch!«

Für einen Moment weiten sich ihre hellbraunen Augen. Aber Esel fängt sich sofort. »Du hast ganz vergessen, wie es uns in Israel ergangen ist, Jonathan. Ich war krank, Friedrich hatte keine Arbeit. Womit hätten wir dich ernähren sollen?«

»Verstehe! Jetzt bin ich wieder der Schuldige! Um mich vor dem Hungertod zu retten, musstet ihr nach Deutschland kommen. Nur merkwürdig, dass in Israel bis heute kein Mensch verhungert ist – was man von den Juden in den deutschen KZs nicht behaupten kann.«

»Das ist vorbei!« Sie schreit.

»Nichts ist vorbei! Die alten Nazis leben noch und erziehen ihre Kinder zu neuen Nazi-Schweinen.«

»Du hast wieder Ärger in der Schule gehabt!«

»Einen Scheiß habe ich gehabt«, brülle ich.

»Ich verstehe dich nicht. Wieso hast du immer Ärger damit? Der Aaron Blau und der Herrschi Bierstamm leben doch auch hier und sind zufrieden.«

»Du meinst wohl Arthur und Heinz? Diese feigen Hunde trauen sich doch nicht mal, ihre jüdischen Namen zu tragen. Pass auf, demnächst werden sie sich Adolf und Horst nennen, damit nur ja niemand auf die Idee kommt, dass sie keine Arier sind. Aber es nützt ihnen alles nichts! Glaube ja nicht, dass sie weniger gehänselt werden als ich. Später werden sie sich bestimmt ihre krummen Nasen gerade operieren lassen. Vielleicht hilft ihnen das.«

»Du redest wie ein Asozialer.«

»Bin ich auch. Als Jude gehöre ich nicht zu dieser Gesellschaft.«

»Und außerdem sprichst du wie ein Nazi. Als ob alle Juden krumme Nasen hätten! Schau doch deinen Vater an. Der ist blond und blauäugig.«

»Und hat auch einen Gutteil germanischer Blödheit in sich.«

»Gott, du Gerechter, wie sprichst du über deinen Vater?«

»Wie er es verdient! Die meisten Jidn machen hier wenigstens ordentlich Geld. Auch die Blaus und die Bierstamms. Aber unser Friedrich rackert sich für die paar Kröten täglich zehn Stunden im Lager von ›Silberfaden & Ehrlichmann‹ ab. So einen tollen Posten hätte er auch in Israel ergattern können. Allerdings wäre er dort nie zu einem eigenen Auto gekommen, nicht mal zu dem vom Führer persönlich so geliebten Volkswagen. Aber sogar davon hat er nichts. Denn Friedrich kann nicht mal richtig Auto fahren. Hat immer eine feuerrote Birne, wenn er hinter dem Steuer sitzt, der Zwerg.«

»Gott im Himmel, wie redest du über deinen eigenen Vater? Hast du dir schon mal klargemacht, dass dich dieser ›Zwerg‹ seit über zwanzig Jahren ernährt? Dass er täglich schuftet, damit du zu essen hast, dich kleiden kannst und ein Dach über dem Kopf hast?«

»Die Platte kenne ich auswendig. Ich schulde euch ewigen Dank. Einen Scheiß schulde ich euch, wenn du es genau wissen willst. Dass Eltern ihre Kinder ernähren, ist selbstverständlich. Auch eure Eltern haben euch ernährt.«

»Aber wir waren dankbar.«

»Jetzt ist es aber genug! Wenn du nicht sofort deinen Rand hältst, werde ich bösartig.«

»Das möchte ich mal erleben.« Ihre Augen blitzen.

»Kannst du sofort! Ich warne dich, Esel. Wenn ich noch ein Wort von dir höre, dann explodiere ich.«

»Dann explodier doch! Meinst du, dass ich vor dir Angst habe?«

»Ist mir egal, ich gehe ins Wasser.« Ich schiebe sie zur Seite und gehe ins Bad.

»Aber das Essen wird doch kalt.«

Ich verriegele die Tür, lasse Wasser in die Wanne laufen, während ich mich ausziehe. Das Gebrüll hat mir gut getan. Und jetzt ein heißes Bad. Ich muss den ganzen Dreck abwaschen, den aus der Klasse und den aus dem Puff.

Ich steige in die Wanne. Das heiße Bad beruhigt mich. Ich lasse durch die Brause erneut Wasser ein.

»Warum duschst du in der Wanne? Du überschwemmst das ganze Bad.«

»Wenn du jetzt nicht sofort deinen Mund hältst, komme ich so, wie ich bin, raus und werfe dich mitsamt deinen Klamotten in die Wanne.«

Ich steige schwer aus dem Wasser.

»Spritz nicht alles voll!«

»Ich spritze, so viel ich Lust habe.« Und womit ich Lust habe.

»Dann musst du aber auch gefälligst das Bad putzen.«

»Dich werde ich verputzen, wenn du nicht bald ruhig bist.«

»Wie sprichst du mit deiner Mutter?«

»Na warte!« Ich reiße die Badezimmertür auf und stürze wassertriefend auf Esel zu.

»Bist du meschugge, du wirst dich noch erkälten. Trockne dich sofort ab.«

»Ganz im Gegenteil. Ich werde auch dich nass machen.«

»Gewalt geschrien! Mein Sohn ist nebbich vollkommen meschugge geworden.«

Immerhin, sie flieht in ihre Küche. Ich stapfe in mein Zimmer, werfe mich aufs Bett und ziehe mir die Bettdecke über die Ohren. Nach einer Weile fühle ich eine angenehme Wärme in Armen und Beinen.

 

Weshalb habe ich mich vom Bauriedl so fertigmachen lassen?

Weshalb passiert mir das immer wieder?

Weil ich eine Mimose und Heulsuse bin. Aber damit ist jetzt Schluss. Statt Tränen und verletzter Gefühle gibt es jetzt nur noch kalten Hass – auf die Deutschen!

So, jetzt bin ich genug rumgelegen. Ich ziehe mich rasch an, stürme aus dem Zimmer.

»Wohin gehst du? Du kannst mit den nassen Haaren nicht hinaus. Du wirst dich noch erkälten.«

»Wenn schon, dann darfst du mich pflegen.« Ich werfe die Wohnungstür zu.

KLASSENBANN

Irgendwann musst du ja doch hinein. Wenn du hier im Gang rumstehst, sieht dich sowieso jeder, der ins Klassenzimmer geht. Dann wissen sie alle, dass du dich wieder nicht reintraust. Was soll denn dieses ständige Davonlaufen? Was können mir die Typen überhaupt tun? Nichts!

Ich öffne die Tür. Die meisten sind schon da. Sobald sie mich sehen, verstummen sie. Bedrückende Stille umgibt mich. Ich gehe zu Kraxäs altem Platz, werfe die Mappe aufs Pult und lasse mich in den Holzsessel fallen. Ich kann mir gut ausmalen, was gestern nach meiner Flucht geschehen ist. Gewiss hat sich die Taucher bemüßigt gefühlt, die »Verwerflichkeit des Antisemitismus« zu erläutern. Wann werden sie und ihre wohlmeinenden Kollegen endlich begreifen, dass sie mit diesen albernen Erklärungen so gut wie immer das genaue Gegenteil erreichen?

Die üblichen Aufklärereien zur Judenfrage sind so ausgeleiert, dass kein Mensch mehr auf sie hört. Richtig schlimm wird es für mich, wenn im Geschichtsunterricht »die Endlösung« mit deutscher Gründlichkeit »durchgenommen« wird. Viele schämen sich, allen ist die ganze Angelegenheit peinlich, außer mir – wie es scheint. Keiner von ihnen weiß, dass ich mich dabei immer frage, hättest du als Deutscher wirklich anders gehandelt? Weißt du sicher, ob nicht auch du in die Partei oder gar in die SS eingetreten wärst?

Davon haben die Kerle natürlich keine Ahnung. Im Gegenteil, sie halten mich für arrogant, weil ich nicht mit ihnen darüber diskutiere. Aber was soll ich antworten, wenn ich zum zwanzigsten Mal gefragt werde, ob es nicht doch »nur vier Millionen« waren, die »daran glauben mussten«?

Oder ob »die ganze Vergasung nicht ein jüdischer Schwindel ist, um Geld aus Deutschland zu holen«? Werden uns die Deutschen je ihr schlechtes Gewissen verzeihen?

In der Pause wird das Gefühl des Ausgestoßenseins spürbarer. Sogar Klaus Winterer, mit dem ich meist quatsche, wendet sich ab. Mein Hass, der mir noch gestern Abend Kraft gab, hat sich in Schwäche verwandelt. In meinen Ellbogen und in den Kniekehlen spüre ich ein Kribbeln. Wenn mich doch einer von diesen Kerlen wenigstens ansehen würde. Nichts. Als ob ich nicht existieren würde. Dabei stehe ich keine fünf Schritte von ihnen entfernt im Hof.

Plötzlich ruft Wolfgang Pauls mit heller Stimme: »Hot oaner vun eich fuffzig Pfennig?«

Unwillkürlich greife ich in meine Hosentasche, fische die Münze heraus und werfe sie ihm zu. Du Idiot! Hast du es wirklich nötig, dich bei der erstschlechten Gelegenheit bei ihnen anzubiedern?

Tatsächlich greift sich Pauls das Geldstück im Reflex. Mit einem Mal aber wird ihm bewusst, dass es von mir kam. Sein Mund und die Augen weiten sich verblüfft. Im Nu fängt er sich, presst die Lippen aufeinander, während sich seine Augenbrauen zusammenziehen. Mit einer knappen Bewegung schleudert er mir die Münze vor die Füße.

Eine bessere Gelegenheit, dich bloßzustellen, konntest du ihm nicht liefern. Jeder in der Klasse weiß, wie peinlich ihm unsere frühere Freundschaft ist, seit er sich bei den Nationaldemokraten und anderen Neonazi-Cliquen herumtreibt. Der »Nationalsozialist« Wolfgang Pauls, jahrelang unzertrennlicher Freund des Judenjungen Rubinstein! Kein Wunder, dass Wolfgangs »politisches Wirken« bislang von allen in der Klasse belächelt wurde. Und du Trottel gibst ihm jetzt die Gelegenheit, den Bruch mit seiner »verjudeten« Vergangenheit vor allen zu demonstrieren. Nicht mal ein Wort verloren – nur stumme Verachtung gezeigt.

Sind die Antisemiten selbst arme Schweine, wie mein Freund Peter ständig behauptet? Oder sind mir Typen wie Franz Bauriedl oder Wolfgang Pauls wirklich überlegen? Auf jeden Fall gelingt es ihnen, mir wehzutun, wann immer sie Lust dazu haben. Und warum? Weil sie in diesem Land zu Hause sind und wir, trotz allem Gerede, Fremde.

ZIONISMUS

»Jonny, du kommst zu früh. Wir haben noch Vorstandssitzung. Du gehst am besten noch eine Weile spazieren.« Arale Blau wirkt ungehalten.

»Allmählich reicht es mir aber, Arthur. Ich bin genauso Mitglied der ›Jüdischen Gruppe Sinai‹ wie du. Wer gibt dir überhaupt das Recht, mich rauszuschmeißen?«

»Aber Jonathan, niemand will dich rausschmeißen. Du bist einfach viel zu früh gekommen, über eine Viertelstunde. Und wir sind eben noch mitten in der Vorstandssitzung, das ist alles.« Arale lächelt verschmitzt, überlegen.

Reiz mich nur, du Schwein. »Ihr habt eine Vorstandssitzung, na und? Mich würde auch interessieren, was ihr beratet.«

Sein Lächeln wird breiter. »Das glaube ich dir gern, Jonny. Aber du weißt ja, Vorstandssitzungen sind nicht öffentlich – leider.«

»Weshalb?«

»Weil wir Entscheidungen treffen müssen, und das schafft man mit zwanzig Leuten nie.«

Wenn du nicht aufhörst zu grinsen, hau ich dir eine in die Fresse. »So ist das also! Ihr trefft die Entscheidungen, und das gemeine Volk darf Ja und Amen sagen.«

»Nicht ganz. Sagen wir lieber, wir bereiten die Entscheidungen vor.«

»Sagen wir lieber, du kannst mich am Arsch lecken«, brülle ich.

»Jetzt wirst du aber ordinär, Rubinstein.«

»Ordinär seid ihr! Ihr bildet euch wohl ein, dass es ewig so weitergeht. Ihr entscheidet, und wir machen. Ihr gebt unser Geld aus, und wir blechen. Was macht ihr beispielsweise mit unserem Geld? Wir zahlen es, und ihr reißt es euch unter den Nagel.«

Sein Lächeln ist verschwunden. »Jetzt ist es aber genug, Jonny! Wenn du das nicht auf der Stelle zurücknimmst, klebe ich dir eine.«

In Arales Rücken am Ende des Ganges erscheint die röhrenförmige Gestalt Itzchak Polzigs. Mit dem tänzelnden Schritt des ehemaligen Jeschiwa1-Studenten nähert sich unser vierzigjähriger Mentor. »Was ist denn los hier? Weshalb brüllt ihr so herum?«

»Nichts weiter, Herr Polzig.« Arales Miene schwankt zwischen Beflissenheit und gerechtem Zorn. »Jonny wollte mit Gewalt an der Vorstandssitzung teilnehmen. Und als ich ihm sagte, dass er das nicht darf, weil er nicht im Vorstand ist, ist er ausfallend und beleidigend geworden.«

Polzig hält einen Moment inne. Seine introvertierten Augen hinter den dicken Brillengläsern fixieren einen imaginären Punkt hinter mir. Dann spricht er mit wohlklingender Baritonstimme: »Streitet euch nicht. Vertragt euch wieder, schließlich seid ihr Freunde. Jonathan, du weißt genau, dass du nicht an den Vorstandssitzungen teilnehmen kannst, weil du nicht in den Vorstand gewählt wurdest. Also musst du draußen bleiben. Und du, Aaron, wirst im Vorstand gebraucht. Komm mit, wir wollen unsere Sitzung beenden.« Er macht kehrt und tänzelt wieder in die Wohnung, gefolgt von seinem Adlatus.

Das werdet ihr mir büßen, ihr zionistischen Trockenschwimmer! Besonders du, Itzig Polzig. Lässt mich vor der Tür stehen wie einen jüdischen Kurzwarenhausierer. Deiner Sinai werde ich den Garaus machen.

Aber wie, verdammt noch mal? Wenn ich einfach rumtobe, lassen mich die Kerle ins Leere laufen, wie soeben. Was kann ich sonst tun?

Als Erstes geh mal rein, sonst stehst du tatsächlich draußen, wie Polzig und Konsorten es gern hätten. Ich stoße die Tür auf. Rechts liegt der Betsaal, den die Schwabinger Juden an Feiertagen benutzen. Ihm gegenüber der kleine Büroraum, in dem gegenwärtig die Elite der religiösen jüdischen Jugend Münchens berät. Daneben unser »Tagungszimmer«. Hier halten sich an Feiertagen die jüdischen Frauen zum Quatschen auf, während die Männer beten oder zumindest so tun als ob.

Arale Blau hat sofort angefangen zu toben, als ich ihm vorgeworfen habe, dass sie unser Geld verprassen. Also muss was an der Sache sein. Wir zahlen zwei Mark Mitgliedsbeitrag im Monat. Macht pro Mann etwa 25 Mark im Jahr, mal 20, gibt rund 500 Eier. Von diesem Geld hört und sieht man nicht das Geringste. Eli Zeitvogel hat mir erzählt, dass die Kerle sich öfters zum Fressen treffen – jetzt weiß ich endlich auch, auf wessen Kosten! Na wartet, diese Suppe werde ich euch gründlich versalzen.

 

Mittlerweile tröpfelt die Bande ins Zimmer. Auch Peter und Carlo sind schon da. Ich steuere auf sie los. »Ich habe endgültig die Schnauze voll von Polzig, Arale und den übrigen Wichsern.«

»Was ist denn passiert?« Carlos dunkle Bärenaugen weiten sich.

»Heute wollten mich Polzig und Arale aussperren, nur weil ich es gewagt habe, nach dem Verbleib unserer Mitgliedsbeiträge zu fragen.«

»Und?« Peter lächelt.

»Und! Und! Und!« Ich muss mich beherrschen, um nicht erneut zu brüllen. »Ich habe diese Methoden endgültig satt.«

»Ich auch. Aber was willst du tun?«

»Neuwahlen! Sofort!«

»Und was soll das bringen, wenn ich fragen darf? Du weißt genauso gut wie ich, dass jeder im Vorstand mindestens einen Freund hat, der ihn wählt, plus er selber, plus einige Idioten. Das heißt, die Kerle haben auf ewige Zeiten eine Mehrheit, selbst wenn jede Woche gewählt würde.«

»Hatten, mein Lieber, hatten«, rufe ich erregt. »Glaubst du im Ernst, dass noch ein Mensch diese Bande wählt, wenn bekannt wird, dass sie jahrelang unsere Mitgliedsbeiträge unterschlagen und verfressen haben?«

»Wie hast du denn das rausbekommen?«, fragt Carlo.

»Ganz einfach, mein Sohn, durch Nachdenken. Hast du dir schon mal überlegt, was mit unseren Mitgliedsbeiträgen, insgesamt 500 Mark jährlich, geschieht?«

»Nein.«

»Eben! Darauf bauen die Kerle, verfressen, versaufen und verhuren unser Geld.«

»Nicht schlecht, Reb Jid«, lässt sich Peter vernehmen.

»Und?«

»Wir müssen heute eine Grundsatzdiskussion erzwingen. Dabei auf die Geldfrage zu sprechen kommen, das wird diese Ganoven vollkommen isolieren, und dann müssen wir sofort Neuwahlen erzwingen.«

»Aber wir sollen heute doch über die Einwanderung nach Israel diskutieren«, wirft Carlo ein.

»Sollen schon, aber wollen nicht. Wir funktionieren die ›Sinai‹ heute einfach um. Statt Einwanderung ins Gelobte Land, an die eh niemand mehr glaubt, die Frage nach dem lieben Geld«, meine Stimme ist hell.

»Aber wie wollt ihr das anstellen?«

»Lasst uns nur machen. Ich habe da eine ganz bestimmte Idee«, Peter lächelt in sich hinein.

Mittlerweile ist Polzig, dicht gefolgt von seiner Brut, Arale, Miri Katz, Fanny Friedländer und Henry Nelkenbaum, im Tagungsraum eingezogen. Polzig nimmt Platz, sammelt sich kurz und ruft gegen den abschwellenden Lärm: »Meine lieben Freunde, es ist schon Viertel nach acht. Wir müssen anfangen, denn wir haben heute ein großes Programm vor uns.« Er räuspert sich mehrmals: »Meine lieben Freunde, heute haben wir vielleicht die wichtigste Sitzung im Jahr. Es geht, wie ihr sicher alle wisst, um die Aliya2, die Einwanderung nach Israel. Viele von euch haben bereits mehr als die Hälfte des Studiums hinter sich, und so wird es Zeit, langsam die Aliya zu planen.«

»Herr Polzig, gestatten Sie mir die Frage, wieso langsam und nicht sofort?«

»Weil Israel Fachleute braucht, die beim Aufbau des Landes helfen, und keine Studenten, die nur den Steuerzahler Geld kosten.«

»Aha, eine neue Wiedergutmachungsvariante: Ausbildungshilfe.«

»Rubinstein, unterbrich mich nicht!«

»Ich muss, Herr Polzig! Denn Sie predigen hier einen Zionismus mit beschränkter Haftung. Werdet erst mal was, damit ihr Israel etwas geben könnt. Zuerst Abitur, dann Studium, dann ein wenig Berufspraxis, denn man will ja nicht mit leeren Händen ins Gelobte Land kommen und, wie Sie sagten, ›dem israelischen Steuerzahler zur Last fallen‹. Inzwischen ist man um die vierzig, hat meistens schon Familie und Geschäft. Glauben Sie im Ernst, dass dann noch jemand nach Israel gehen wird? Schauen Sie sich doch unsere Eltern an.«

Ehe er einen Ton herausbringt, setze ich meine Predigt fort. »Die Art von Zionismus, die Sie und Ihre Konsorten predigen, Herr Polzig, ist in Wahrheit eine Perversion des Zionismus. Durch ihren Vorbereitungszionismus nehmen Sie den Juden hier ihr schlechtes Gewissen, in Deutschland statt in Israel zu leben.

Zionismus heißt Einwanderung nach Israel, ohne Wenn und Aber, ohne Vorbereitungen und Schmorbereitungen. Vor allem ohne Berufszionisten, die, statt die Einwanderung nach Israel zu fördern, von Israel in die Diaspora gehen, es sich dort gutgehen lassen und eine Einwanderung nach Israel mit ihrem Gerede systematisch verhindern.« Alle sitzen erstarrt. Bislang hatte keiner von uns gewagt, offen Polzigs Autorität in Frage zu stellen, nun habe ich ihn als Heuchler und Schmarotzer angeprangert. Polzigs Gesicht ist bleich, die großen Hände schließen und öffnen sich unablässig. Er bewegt seinen Mund, ohne dass ein Ton hörbar wird. Schließlich gurgelt er: »Respektloser Flegel …«

»Einen Moment, mit Beschimpfungen kommen wir hier nicht weiter«, Peter gibt sich wenig Mühe, sein Grinsen zu unterdrücken. »Mir scheint, dass einiges dran ist an dem, was Jonathan vorgebracht hat. Niemand wird beispielsweise bestreiten wollen, dass unsere Eltern nicht daran denken, nach Israel auszuwandern, obgleich sie seit ...

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