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Royal Hearts

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1

Meine schöne neue Welt

Die Hand auf dem Türknopf, schloss ich die Augen und hielt die Luft an. Ich schaffe das. Vorsichtig drückte ich die Tür auf. Bitte sei schön. Ich öffnete die Augen einen Spalt. Und dann ganz, mit einem erleichterten Stoßseufzer. Es ist perfekt!

Oxford, ich komme! Dieses Jahr wird der Hammer.

Ich warf meine Schlüsselkarte auf den Schreibtisch, stellte meine Taschen auf den Boden und drehte mich um mich selbst. Neben dem minimalistischen Arbeitsplatz stand ein Doppelbett. An der Wand gegenüber ein Kleiderschrank bis zur Decke. Die Ecke dazwischen wurde von großen Fenstern eingenommen, der Platz unter den Fenstern von einem schwarzen, L-förmigen Sofa.

Der große Koffer, der meiner Mutter gehört hatte, stand an der Wand. Ich war so aufgeregt gewesen, als ich ihn aufgegeben hatte. Gott sei Dank ist er angekommen.

Mit einem kleinen Sprung warf ich mich auf das unbezogene Bett und seufzte. Ich habe es geschafft. Ich bin hier. Genau dort, wo Mom es sich immer gewünscht hatte. Erste Mission erfüllt … endlich. Es hatte ja auch nur drei Jahre gedauert.

Wo ist der zweite Brief? Ich fuhr hoch und sah mich um.

Nichts.

Ich hatte keine Ahnung, wie mich die nächsten Briefe überhaupt erreichen sollten.

Jedes Jahr an meinem Geburtstag bekam ich einen Brief von Mom. Das war Tradition. Dad weckte mich in aller Frühe und überreichte mir einen Umschlag. Meine Hände zitterten dann vor Aufregung – auf diesen Brief hatte ich sehnlichst gewartet, seit ich den letzten geöffnet hatte.

Wir lasen ihn gemeinsam und gemeinsam erinnerten wir uns.

An meinem siebzehnten Geburtstag änderte sich das.

Doch, Dad brachte mir wieder einen Geburtstagsbrief. Aber ein paar Tage später kam ein zweiter, mit Poststempel aus London. Ab da begann mein Abenteuer mit Mom. Sie schickte mich auf eine Suche. Eine Suche, von der Dad keine Ahnung hatte.

Ich hatte erwartet, hier den nächsten Brief vorzufinden, der mich in meiner neuen Welt willkommen hieß.

Vielleicht kommt er wieder mit der Post?

Mit einem enttäuschten Seufzer hievte ich eine Tasche aufs Bett und zog den Reißverschluss auf. Ich holte den Kulturbeutel heraus und ging damit ins Bad. Anders als in den Staaten hatte hier jedes Mädchen sein eigenes Zimmer und man brauchte sich nicht mit einer Mitbewohnerin herumzuschlagen, die schnarchte oder was weiß ich für Sachen im Bett veranstaltete.

Aber am besten war, ich hatte ein Zimmer mit eigenem Klo ergattert.

Ich stellte den Beutel ans Waschbecken und ging zu meiner Tasche zurück. Meine Kleider passten in den Schrank, allerdings nur knapp. Ich breitete meine türkisblaue Decke über das Bett aus und wäre, müde wie ich war, am liebsten daruntergekrochen. Stattdessen packte ich weiter aus und griff nach dem Stapel Fotos, die ich aufhängen wollte.

Über dem Bett befestigte ich mit Klebestickern mein Lieblingsbild von Dad und mir, aufgenommen bei meiner Schulabschlussfeier. Ich in Talar und Barett, Dad im Anzug. Er hatte mir den Arm um die Schulter gelegt und lächelte stolz und wir hielten jeder eine rosafarbene Pfingstrose in der Hand zum Andenken an Mom – Pfingstrosen waren ihre Lieblingsblumen.

Gott, wie ich sie vermisse.

Dann ein Bild von Abby und mir auf einer Pyjama-Party. Wir waren fünfzehn und hatten frisch lackierte Fingernägel und einen perfekten roten Schmollmund. In die Blusen hatten wir uns große Luftballons gestopft. Beim Gedanken daran musste ich lachen. Wie albern wir gewesen waren.

»Ach Abs, wer bringt mich jetzt dazu, Neues auszuprobieren?«, fragte ich mein leeres Zimmer.

Beim Betrachten der Bilder brannten mir Tränen in den Augen. Da war ich erst einen Tag weg und vermisste mein Zuhause schon so sehr, dass es wehtat. Der Stapel Bilder wurde kleiner und schon bald bedeckte eine bunte Auswahl der Gesichter meiner Liebsten die Wand. Ich trat einen Schritt zurück und begutachtete mein Werk zufrieden. Dann fiel mein Blick auf das Regalbrett über dem Bett.

Der ideale Platz für meine Schätze.

Ich holte die Plüschkatze aus der Tasche, die Mom mir geschenkt hatte, und stellte sie darauf. Sie hieß Pinky und hatte mich die ersten sieben Jahre meines Lebens auf Schritt und Tritt begleitet. Neben Pinky kamen meine Bücher – ich liebte alles von Jane Austen, L. M. Montgomery und Louisa May Alcott.

Ich lächelte. Mein kleines Zimmer fühlte sich schon viel mehr nach Zuhause an.

»Jetzt noch einen Platz für die Briefe.«

Ich zog den Stapel aus der Tasche, setzte mich auf das Bett und strich mit der Hand darüber. Behutsam nestelte ich an dem cremefarbenen Band, das ihn zusammenhielt. Ich stellte mir vor, dass Mom das dicke Papier gewählt hatte, weil sie wusste, dass die Briefe überdauern mussten.

Obenauf lag der erste Aufgaben-Brief. Ich öffnete ihn und überflog die Seite bis zu den letzten Absätzen.

Und deshalb, meine liebe Evie, schicke ich dich auf eine Abenteuerreise, die dein Leben verändern wird. Ich habe seit Jahren ein Geheimnis, von dem nicht einmal dein Vater etwas weiß. Es ist Zeit, dass du erfährst, wer ich war und wer du in Wirklichkeit bist. Deshalb habe ich mir eine Reihe von Aufgaben ausgedacht, die du erledigen musst. Du sollst verstehen, warum ich den Weg gewählt habe, den ich gegangen bin. Und deine Wahlmöglichkeiten kennen, bevor auch du dich entscheiden musst. Hab Geduld mit mir, es wird sich am Ende gelohnt haben, das verspreche ich dir.

Erste Aufgabe: Schließe die Highschool ab und bewirb dich bei meiner Alma Mater in Oxford. Dort erwartet dich der nächste Brief.

Wie soll das gehen?

Ich seufzte noch einmal und faltete den Brief zusammen, verschnürte das Bündel wieder und verstaute es in der Schreibtischschublade.

Ich ging hinüber zu dem großen Koffer und klappte ihn auf. Auf den Büchern, Schuhen und Tüten mit Knabberzeug, die ich von zu Hause mitgenommen hatte, lag ein in einen Kissenbezug eingewickeltes Bild. Es zeigte meine Eltern am Tag ihres Abschlusses in Oxford und war mein Lieblingsbild von ihnen. Die beiden sahen so jung und glücklich aus.

Ich nahm es aus dem Koffer und zog den Kopfkissenbezug ein wenig zurück. Abrupt hielt ich inne. Hinter dem Rahmen lugte die Ecke eines einfachen weißen Briefumschlags hervor.

Gefunden!

Hastig zog ich das Bild aus seiner schützenden Hülle, legte es auf den Schreibtisch und betrachtete den Brief.

Was hatte Mom als Nächstes für mich vorgesehen? Und warum war ich plötzlich so aufgeregt?

»Hi, du bist bestimmt die Neue«, hörte ich eine muntere Stimme in der offenen Tür.

Ich hob den Kopf und sah ein Mädchen mit langen blonden Haaren, die aussah, als käme sie gerade von einem Ausritt auf ihrem Landgut.

»Ich bin Suzy Rees«, sagte das Mädchen und lächelte.

»Evangeline Gray.« Ich warf den Brief auf den Schreibtisch und stand auf, um sie zu begrüßen.

Als Erstes fiel mir ihre Größe auf. Oder, genauer gesagt, ihre mangelnde Größe. Sie war richtig klein. Wobei ich mich mit meinen eins zweiundsiebzig schon ziemlich groß fand. Sie dagegen wirkte wie gerade mal eins fünfzig.

»Evangeline.« Sie sprach jede Silbe einzeln aus. »Ziemlich langer Name. Gibt’s dafür auch eine Abkürzung?«

»Die meisten nennen mich Evie.« Aus den Augenwinkeln sah ich den verwuschelten rotblonden Pferdeschwanz auf meiner Schulter und beneidete Suzy um ihre perfekt gekämmten goldenen Haare. »Wohnst du auch hier auf diesem Flur?«

»Ja, nur ein paar Türen weiter. Deine Nachbarin ist Caroline.« Suzy zeigte auf die Wand hinter dem Schrank. »Sie ist toll, du wirst sie lieben. Im Moment hat sie ein Date, aber du lernst sie bestimmt bald kennen.«

»Wunderbar.« Ich lächelte und Suzy setzte sich auf das Sofa.

Sie musterte mich kurz und hob eine Augenbraue. »Du musst unbedingt noch den Rest der Gang treffen.«

»Gang?«

Ihre Mundwinkel gingen nach oben. »Meine Freunde. Also zum Beispiel Caroline.« Sie zeigte hinter sich. »Und dann noch Marissa, Preston und Edmund. Sie sind prima, du wirst sie mögen.«

»Hoffentlich lerne ich sie bald kennen.«

»Das wirst du.« Suzy grinste. »Ich sollte wahrscheinlich fertig auspacken, aber ich sterbe vor Hunger. Lust auf was zu essen?«

»Gerne.« Ich schnappte mir meinen Pulli und folgte ihr nach draußen. Bevor ich die Tür schloss, warf ich einen letzten Blick auf den ungeöffneten Brief und biss mir auf die Lippe.

»Du bist also Erstsemester?«, fragte Suzy, während wir den Korridor entlanggingen.

Ich zog meine Nase kraus. »Ja und nein. Ich habe schon ein Jahr in Seattle studiert, aber Oxford hat meine Scheine von dort nicht anerkannt. Deshalb technisch gesehen ja, ich bin im ersten Semester.«

»Warum bist du nach Oxford gekommen, wo es doch so weit weg ist?«

»Wegen meiner Mom. Sie war auch hier.«

»Sie ist bestimmt mächtig stolz auf dich.«

»Danke.« Ich lächelte. Ich kannte Suzy noch nicht gut und wollte sie nicht mit meiner traurigen kleinen Familiengeschichte belästigen. »Was ist dein Hauptfach?«

»Mathe.«

»Mathe? Wirklich? Ich hätte auf Englisch getippt.«

Suzy wickelte eine lange blonde Strähne um ihren schlanken Finger und lachte. »Das höre ich oft. Aber Mathematik ist mir immer leichtgefallen, ich weiß auch nicht warum.«

»Da hast du Glück, mir nämlich nicht. Ich wünschte, es wäre so gewesen.«

Wir betraten den Speisesaal. Ein glänzender Holzboden und große Fenster mit Blick auf das Unigelände empfingen uns. Im Saal verteilt standen lange Tische, an denen Studenten saßen. An der Decke über uns hingen Kronleuchter.

Wir nahmen uns jeder ein Tablett und stellten uns an. Mit einem Teller Spaghetti folgte ich Suzy zu einem Tisch am Fenster.

Sie öffnete eine Coladose und sah mich an. »Und was studierst du?«

»Kunstgeschichte.«

»Ah, dann verstehst du dich bestimmt gut mit Edmund. Er studiert Geschichte und steht auf alte Kunst und so was. Mathe ist mein Ding, aber Geschichte? Ist doch todlangweilig.«

»Findest du? Ich finde es toll, etwas über die Menschen zu erfahren, die vor uns da waren. Es fasziniert mich.« Ich lachte. »Ist doch gut, dass jeder sich für was anderes interessiert.«

»Das stimmt.«

»Da bist du ja.« Ein hochgewachsenes Mädchen mit makelloser mokkabrauner Haut und modischem schwarzen Bubikopf war hinter Suzy aufgetaucht und lehnte sich über den Tisch. »Ich habe dich überall gesucht.«

»Caroline«, rief Suzy, »was machst du hier? Ich dachte, du wärst bei deinem Date.«

»War ich auch, aber er war ein absoluter Flop, also habe ich die Sache kurz gehalten.«

»Schade.« Suzy sah sie bedauernd an, dann hob sie die Hand. »Evie, das ist Caroline. Sie ist deine Nachbarin.«

Ich streckte lächelnd die Hand aus. »Schön, dich kennenzulernen.«

Caroline gab mir die Hand und sagte: »Freut mich ebenfalls. Ich hole mir nur schnell was zu essen, dann können wir quatschen.«

Sobald sie außer Hörweite war, klärte Suzy mich auf. »Die meisten Männer, mit denen sie ein Date hat, sind für sie Flops.«

»Warum versucht sie es dann nicht mal mit einem ganz anderen Typ?«

»Hat sie ja schon. Sie hat sich schon mit so ziemlich jedem Typ getroffen.« Caroline kehrte mit einem riesigen Salat zurück und Suzy lächelte.

Caroline setzte sich neben mich und unterhielt uns mit der Geschichte ihres Höllendates. Mädchen sind doch überall ziemlich gleich.

Ob das auch für Jungs gilt?

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2

Freunde

Unter die Decke gekuschelt, drückte ich auf das Symbol der Taschenlampen-App an meinem Handy und es wurde hell. Das Blatt rutschte fast von selbst aus dem Umschlag, und beim Anblick von Moms schnörkeliger Schrift verschwamm mir alles vor Augen. Ihre Hände hatten dieses Blatt zuletzt berührt. Wie schön die Vorstellung war, dass meine die nächsten waren.

Meine liebe Evie,

Studentin in Oxford! Ich wusste, dass du es schaffst, und bin so stolz auf dich. Du hast die erste Aufgabe erfüllt und die nächste ist einfach – eine Stadtbesichtigung. Ich möchte, dass Du nach London fährst und den Big Ben und das Parlamentsgebäude im Westminster Palace besuchst. Amüsier dich, nimm die Atmosphäre in dich auf und genieße es, deine englische Seite kennenzulernen.

Bevor du London verlässt, sollst du noch jemanden kennenlernen: Anton LeClerc. Er erwartet deinen Anruf und wird dir bei deinen weiteren Aufgaben sehr nützlich sein. Vergiss nicht: Alles ist möglich.

In Liebe,

Mom

xoxo

An den unteren Rand des Blattes hatte sie LeClercs Nummer geschrieben. Wer ist das und was hat er mit Mom zu tun? Ich faltete den Brief zusammen und steckte ihn wieder in den Umschlag.

Wie um alles in der Welt sollte eine Stadtbesichtigung mir helfen, Dinge über meine Mutter und mich selbst herauszufinden? Ich legte den Kopf auf das Kopfkissen und hielt den Umschlag hoch. Auf die Rückseite war eine große Zwei geschrieben.

London erkunden? Von mir aus gerne. Ich hatte sogar große Lust, dorthin zurückzukehren und noch etwas anderes zu sehen als den Flughafen.

Ich küsste den Umschlag und schob ihn unter das Kopfkissen, weil ich mich noch nicht von ihm trennen wollte. Dann legte ich mich auf die Seite und zog die Beine an. Erschöpft wie ich war, musste ich mich nicht anstrengen, einzuschlafen.

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Es war keine Woche mehr bis zum Beginn der Lehrveranstaltungen und ich hatte mich den ganzen Tag auf dem Campus umgesehen. Ich hatte in Erfahrung gebracht, wo meine Veranstaltungen stattfanden, und ausprobiert, wie ich am besten von einer zur anderen kam. In so was bin ich ein ziemlicher Blindfisch.

»Evie, bist du da?«, rief Suzy und klopfte an die Tür.

Ich machte auf. »Hey, was ist?«

»Im Gemeinschaftsraum gibt es eine Party. Du musst mitkommen und die anderen von der Gang kennenlernen.«

»Klar.« Ich schlüpfte in meine schwarzen Ballerinas und nahm die hellblaue Strickjacke vom Schreibtischstuhl. Ein rascher Blick in den Spiegel bestätigte, dass ich nicht komplett daneben aussah. Ich steckte die Schlüsselkarte in meine Jeans und folgte Suzy nach draußen. Schön, dass sie mich abholte. Ich hatte vorgehabt, den ganzen Abend auf meinem Zimmer zu bleiben, Pizza zu essen und Doctor-Who-Wiederholungen zu sehen. Was ehrlich gesagt auch keine schlechte Art ist, den Abend zu verbringen.

Der Gemeinschaftsraum unten war brechend voll. Ich hielt den Blick auf die purpurrote Blume an Suzys Haarreif gerichtet, als sie sich vor mir durch das Gedränge schob. Ein paar Leute winkten uns zu, darunter meine neue Nachbarin Caroline. Suzy winkte zurück. Offenbar ist das ihre Gang. Bei der Vorstellung, die gepflegte, adrette Suzy könnte eine Gang haben, musste ich lächeln.

Suzy drängelte sich weiter durch die Menge und mein Blick blieb an einem blonden Jungen hängen, der bei den anderen auf einem Sofa saß. Lang ausgestreckte Jeansbeine und ein grauer Pullover, den seine breiten Schultern perfekt ausfüllten.

Wow, wie heiß ist der denn! Jungs sollten nicht so gut aussehen dürfen.

Ich hob den Blick und der süße Blonde lächelte mich an. Mist! Der hat doch total gemerkt, dass ich ihn auschecke. Mein Gesicht begann zu brennen und ich grinste nervös zurück.

»He, Leute, das ist Evie, die Neue, von der wir euch erzählt haben«, sagte Caroline. Neben ihr saß ein Mädchen mit sportlicher Figur und Kurzhaarschnitt. »Evie, das ist Marissa.« Marissa hatte ein freches Lausbubengesicht. »Das ist Preston. Und das Edmund

»Schön, euch alle kennenzulernen.« Die Art, wie sie Edmund vorgestellt hatte, den hübschen Blonden, klang irgendwie, als müsste ich ihn kennen. Aber ich kannte ihn nicht.

Edmund rutschte näher zu Preston und zeigte einladend auf den frei gewordenen Platz. Suzy sah aus, als hätte sie ihn auch gern angeboten bekommen.

»Danke.« Ich schob eine widerspenstige Locke hinter mein Ohr und setzte mich.

»Gefällt dir England?«, fragte Edmund. Seine Stimme war tiefer, als ich erwartet hatte.

Ich nickte. »Bisher war es toll. Aber ehrlich gesagt habe ich noch nicht viel gesehen.«

»Es gibt hier jede Menge schöne Orte, die wir dir zeigen können. Was machst du denn gern so?« Er sah mich mit seinen blauen Augen an.

»Ganz ehrlich?«

Er nickte verwirrt.

»Ich muss dich warnen, ich habe ein ziemlich ausgefallenes Hobby.«

»Okay.« Er lachte.

»Also ich gehe gerne in Museen«, sagte ich hastig.

»Museen? Wirklich?« Seiner Augenbrauen wanderten nach oben.

Na prima, jetzt hält Mr Superheiß mich für total bescheuert.

Ich zuckte mit den Schultern. »Ich geh mit meinem Dad ständig ins Museum«, begann ich zu erklären. »Meine Mom war Restauratorin, also vielleicht liegt es mir im Blut. Ich stelle mir einfach gerne vor, wer die Künstler waren und was sie inspiriert hat. Klingt nicht wirklich spannend, ich weiß.« Mein Gesicht war flammend rot und ich wollte rasch von mir ablenken. »Und was macht dir so Spaß?«

Edmund legte den Kopf schräg und sah mich an, also wirklich an. Ich ließ den Blick verlegen durch den Raum schweifen und spürte ein warmes Kribbeln tief unten im Bauch, das sich in meinen ganzen Körper ausbreitete.

»Du findest Museen gut? Im Ernst?« Er ließ sich nicht ablenken.

Ich runzelte die Stirn. »Ja, äh, warum sollte ich lügen?«

Er schüttelte den Kopf. »Ich meine nur … wenn das so ist, habe ich noch nie ein Mädchen wie dich getroffen.«

»Ein Mädchen wie mich? Was soll das heißen?« Ich betrachtete ihn genauer und auf einmal kam er mir vage bekannt vor. Hm, vielleicht habe ich ihn doch schon irgendwo gesehen.

»Also, ein Mädchen, das attraktiv ist, modern und … na ja, Amerikanerin.«

Ich musste lachen. »Weil ich Amerikanerin bin, darf ich mich nicht für Geschichte interessieren? Müsstest du nach dieser Logik nicht schlechte Zähne haben?«

Moment, hat er mich attraktiv genannt?

»So habe ich es nicht gemeint.« Er lachte auch und fuhr sich mit der Hand durch das gewellte Haar. »Natürlich können sich Amerikaner für Geschichte interessieren. Ich hätte bei einer charmanten Amerikanerin wie dir nur nicht als Erstes daran gedacht.«

Und jetzt bin ich charmant?

»Die meisten Menschen finden Museen langweilig. Sie gehen nur hin, weil sie glauben, dass sie das müssen. Ich kenne bisher niemanden, der Museen wirklich gut findet.«

»So ist es«, schaltete sich Preston ein, der sich bis dahin mit Marissa unterhalten hatte, und grinste. »Edmund schleppt mich seit Jahren in Museen und es ist einfach nur schrecklich. Ich will in meiner Freizeit doch nicht auch noch im Hörsaal sitzen.«

Suzy und Caroline nickten zustimmend.

»Aber du weißt, dass du es eigentlich doch magst, oder?« Edmund grinste ebenfalls und stieß Preston in die Rippen.

»Ach richtig, sorry, hatte ich ganz vergessen.« Preston verdrehte seine braunen Augen.

»Du scheinst Museen also auch zu mögen.« Ich sah Edmund an.

»Aber ja, ich liebe sie!«

Er steht auf Museen wie ich! »Okay, wenn du mal jemanden suchst, der gerne mitkommt, bin ich die Richtige. Jederzeit, egal welches Museum.« O mein Gott! Warum habe ich das gesagt? Ich unterdrückte das Verlangen, mein Gesicht in den Händen zu vergraben.

»Abgemacht.« Er lachte leise. »Was ist dein Hauptfach?« Er beugte sich vor.

O Gott, er riecht so gut. »Äh, Kunstgeschichte.«

»Wunderbar, dann haben wir wahrscheinlich Vorlesungen zusammen. Mein Hauptfach ist Geschichte, aber ich besuche auch Kurse in Kunstgeschichte.«

»Prima, es ist schön, wenn man wenigstens ein Gesicht kennt.« Ich warf Suzy einen Blick zu. Sie hatte sich abgewandt und plauderte mit einem Typ auf dem Sofa neben uns.

»Also, eigentlich studiere ich Geschichte und Wirtschaft, aber Wirtschaft interessiert mich weniger.«

»Warum studierst du dann nicht nur Geschichte?«

»Würde ich ja, aber ich brauche Wirtschaft für den Familienbetrieb.« Er lachte trocken.

»Was für einen Betrieb hat deine Familie denn?«

Edmund runzelte die Stirn, lehnte sich zurück und sah mich an.

Mein Herz begann zu klopfen. War das eine dumme Frage?

Seine Stirn glättete sich und seine Mundwinkel gingen nach oben. »Also …«

»Edmund! Du siehst wie immer umwerfend aus. Wie war dein Sommer?« Ein blondes Mädchen drängelte sich zu uns durch.

Einen kurzen Moment lang sah es so aus, als wollte sie sich auf seinen Schoß setzen, doch dann blieb sie stehen und beugte sich vor, bis ihre Augen auf gleicher Höhe mit seinen waren. Mehr oder weniger. Sie beugte sich vor, sodass Edmund von oben in ihr dünnes weißes Top sehen konnte und freien Blick auf ihre Brüste hatte.

Edmund lächelte angestrengt, den Blick unverwandt auf das Gesicht des Mädchens gerichtet. »Gut, Chloe. Und deiner?«

»Fantastisch.« Sie beschrieb ihren Sommer und sah dabei immer nur Edmund an. Ich schaltete gedanklich ab und hörte auf die Musik, die im Hintergrund dröhnte.

Suzy, die hinter Chloe saß, begann ihre Gesten nachzuäffen. Ich musste mir das Lachen verkneifen.

Chloe legte Edmund die Hand auf den Arm und er wand sich bei der Berührung. Als sie ihm eine Strähne aus der Stirn streichen wollte, wich er mit hochgezogenen Augenbrauen zurück.

»Hi, ich glaube, wir kennen uns noch nicht.« Lächelnd streckte ich die Hand aus. »Ich bin Evangeline Gray. Die meisten nennen mich Evie.« Ich wollte Chloe ablenken und Edmund eine Verschnaufpause verschaffen.

Die Blondine richtete sich auf und musterte mich von Kopf bis Fuß. »Soso« Sie ignorierte meine Hand und lächelte spöttisch. »Wieder so eine kleine Amerikanerin. Chloe Saunders.« Sie sah mich noch einen Moment lang herablassend an, dann wandte sie sich wieder Edmund zu.

Wow, geht’s noch unhöflicher? Mit Miss Tittenzicke würde ich wohl nicht so schnell warm werden.

»Freut mich auch, dich kennenzulernen.« Meine Worte troffen vor Ironie.

Chloe sah mich mit einem eisigen Blick an. »Hast du ein Problem?«

»Nein, aber du hast ganz offensichtlich eins.«

Sie kniff die Augen zusammen. »Amerikaner sind doch immer gleich. Arrogant, verwöhnt und dumm. Und du bist ganz offensichtlich keine Ausnahme.« Sie wandte sich ab.

»Ach, und ich dachte schon, die Arroganz hättest du gepachtet. Andererseits ist Arroganz wohl eine viel zu milde Bezeichnung für das elitäre Getue, das du hier abziehst.«

»Was fällt dir ein!«

»Weißt du was?« Ich stand auf und sah auf meinem Handy nach der Zeit. »Ich habe null Bock auf Kleingeister wie dich. Ich geh schlafen. Wir sehen uns dann morgen.«

Ich winkte den anderen zu und ging. An der Treppe drehte ich mich noch einmal um, um einen letzten Blick auf Edmund zu werfen, leider vergeblich. Auf meinem Platz saß jetzt Chloe und versperrte mir die Sicht.

Das hast du gründlich vermasselt, Gray.

Der Abend hatte katastrophal geendet. In meinem Zimmer warf ich mich aufs Bett und vergrub das Gesicht im Kopfkissen. Warum geht immer mein Temperament mit mir durch? Ich hatte vielleicht Chloe den Kopf gewaschen, aber dadurch zugleich gezeigt, dass sie recht hatte. Ab jetzt würden mich alle schneiden. Chloe machte nicht den Eindruck, als würde sie so etwas verzeihen.

Anders ausgedrückt, ich musste mir vermutlich neue Freunde suchen. Warum kann ich auch nicht die Klappe halten?

Jetzt brauchte ich Mom. Ich schob die Hand unter das Kissen und tastete nach dem Brief. Ein Klopfen an der Tür ließ mich innehalten.

Ich öffnete und Suzy stürzte mir entgegen und umarmte mich so stürmisch, dass ich fast das Gleichgewicht verlor.

»O mein Gott, Evie, das war genial! Du hast ja keine Ahnung, wie oft ich Chloe schon die Meinung sagen wollte. Und jetzt hast du es einfach getan.« Sie packte mich an den Schultern und blickte mit einem strahlenden Lächeln himmelwärts. »Das war perfekt.«

Ich lachte. »Äh … freut mich, dass es dir gefallen hat.« Sie hassen mich nicht?

Einer nach dem anderen kam auch der Rest der Gang ins Zimmer marschiert. Vielleicht hatte ich es also doch nicht vermasselt. Meine Schultern entspannten sich und ich setzte mich aufs Bett.

»Du hättest sie sehen sollen.« Caroline äffte Chloes verächtliche Miene nach. »Siehst du, typisch amerikanisch.«

»Habt ihr ihr Gesicht gesehen, als wir alle aufgestanden und gegangen sind?«, fragte Marissa. Caroline und Suzy mussten lachen.

Edmund setzte sich neben mich, was mir einen Schauer über den Rücken jagte. Ich hatte den Typ eben erst kennengelernt und war schon komplett in ihn verknallt. Das war so gar nicht typisch für mich.

»Wer sind denn die Leute auf den Fotos?«, fragte Edmund und lehnte sich auf mein Kopfkissen zurück, um besser sehen zu können, und zerknitterte dabei Moms Brief.

»Also, das sind mein Dad und meine beste Freundin Abby.« Ich zeigte auf ein paar Bilder von der Abschlussfeier. »Das sind meine Freundinnen von zu Hause und das ist Grant.«

Edmund studierte das Bild von Grant. »Sieht nicht aus wie dein Bruder.«

»Nein, er ist mein Freund.« Ich schüttelte den Kopf. »Sorry, Ex-Freund. Wir haben uns kurz vor meiner Abreise getrennt. Wir sind aber noch befreundet.«

Marissa beugte sich vor, um besser sehen zu können. »Der sieht aber gut aus. Warum habt ihr euch getrennt?«

»Ich wollte keine Fernbeziehung. Wenn er der Richtige ist, ist er auch noch da, wenn ich mit dem Studium fertig bin.«

»Aber er sieht total cool aus.« Caroline schob sich zwischen uns und betrachtete das Foto. »Ich hoffe für dich, dass er der Richtige ist.«

Ich lächelte. »Wir werden sehen. Drei Jahre sind eine lange Zeit.«

Ein Handy klingelte. Edmund lehnte sich zurück und zog es aus seiner Hosentasche. »Es ist Jax. Ich bin gleich wieder da.«

»Wer ist Jax?«, fragte ich, als er gegangen war.

»Lady Jacqueline. Sie will auf der sozialen Leiter nach ganz oben und wäre gern seine Freundin«, sagte Suzy.

Marissa stöhnte. »Ist sie immer noch hinter ihm her? Ich dachte, sie hätte endlich aufgegeben.«

»Nichts da, sie hofft immer noch, dass sie ihn sich angeln kann«, sagte Suzy. Niemand schien über diese Tatsache erfreut. »Ihr wisst doch, wie sehr die Familien der beiden das wollen.«

»Und warum mögt ihr sie nicht?« Meine Frage löste Seufzer und Augenrollen aus.

Caroline machte es sich auf dem Sofa bequem und schlug die Beine unter. »Es ist nicht so, dass wir sie einfach nicht mögen …«

»Sie ist eine fiese, arrogante Zicke, die alle wie Scheiße behandelt, sogar Edmund.« Preston spuckte die Worte förmlich aus. »Wenn Caroline zu höflich ist, das auszusprechen, tue ich es eben. Edmund ist mein bester Freund und ich finde es schrecklich, dass er sie wahrscheinlich auch noch heiraten wird. Sie ist wirklich die Niedertracht in Person.«

Heiraten wird?

»Also gut, wenn ich großes Glück habe, lerne ich sie vielleicht kennen«, sagte ich trocken.

Caroline betrachtete ihre manikürten Fingernägel. »Darauf würde ich mich nicht verlassen. Sie ist nicht oft hier. Sie erwartet, dass Edmund sie in London besucht.«

»Studiert sie dort?«, fragte ich.

»Sie hat bis vor einem Jahr in London Modedesign studiert und arbeitet jetzt für irgend so ein schniekes Modelabel – ich hab schon wieder vergessen, welches. Sie hält sich für die Größte, es ist wirklich zum Kotzen.« Suzy schnitt eine Grimasse.

Edmund kam zurück und setzte sich wieder neben mich. Die anderen sahen ihn erwartungsvoll an.

»Es war also Jax, ja?«, sagte Caroline schließlich. »Wir dachten, sie hätte endlich ein Einsehen gehabt. Was ist passiert?«

Edmund fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Er wirkte müde. »Das ist eine lange und langweilige Geschichte, aber Jax ist immer noch am Ball. Nächsten Montag ist sie mit einer Freundin hier und will mit uns zu Abend essen.«

»Mit uns? Sie kann uns doch nicht leiden.« Preston sah ihn fragend an.

»Sie will eine ihrer Freundinnen mit dir verkuppeln …«

»Zum Teufel, nein!« Preston stand auf. Er hatte die Lippen zusammengepresst.

Edmund hob beschwörend die Hände. »Deshalb will ich ja, dass ihr alle mitkommt.«

Niemand sagte etwas.

»Ich kann mir auch was Schöneres vorstellen als so einen Abend, aber ihr wisst doch, wie ihre Freundinnen sind. Wenn ihr nicht mitkommt, ist niemand da, mit dem ich mich unterhalten kann. Bitte sagt ja.« Edmunds Blick schweifte durch den Raum und blieb schließlich an mir hängen. Er grinste schief.

Ich grinste zurück. Dieser Typ kann ein echtes Problem für mich werden.

»Na gut«, stöhnte Preston. »Aber du zahlst.«

»Abgemacht.« Edmund klatschte in die Hände.

Die anderen murmelten, sie müssten leider gehen, und standen auf. Ich sah Edmund an. Vielleicht sollte ich ihn fragen, ob er mit nach London kommen würde, wenn ich mich an Moms nächste Aufgabe machte, Big Ben und das Parlament. Ich schloss die Augen und schüttelte den Kopf. Sollte ich wohl eher nicht. Diese Zicke Jax war damit bestimmt nicht einverstanden.

Aber es wäre ja nur ganz unverbindlich, sagte ich mir vernünftig. Es ist ja nicht so, dass er sich für mich interessieren würde. Außerdem klang das alles, als hätte er praktisch schon eine Freundin. Ich streifte mir die Schuhe von den Füßen und schlug die Beine unter. Ich frage ihn auf jeden Fall.

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3

Neue Entdeckungen

Beim Frühstück trommelte ich nervös auf den Tisch. Heute fing das Semester an. Wenn nachher die erste Veranstaltung begann, studierte ich ganz offiziell in Oxford. Neben mir stand meine Tasche, voll mit neuen Stiften und Heften. Moms Briefe hatte ich in die vordere Klappe gesteckt. Ich brauchte Mom heute in meiner Nähe.

Durch die Fenster fiel das frühe Morgenlicht in den fast leeren Speisesaal. Es war angenehm still. Als mein Handy klingelte, das auf der hölzernen Tischplatte lag, zuckte ich zusammen.

Dad.

»Solltest du nicht schlafen?«, sagte ich zur Begrüßung. In Seattle war es jetzt kurz nach ein Uhr morgens.

»Ich muss dir doch Glück zum Studienbeginn wünschen.« Er lachte. »Jetzt habe ich das getan und kann beruhigt ins Bett gehen. Ich habe dich lieb, Schatz.«

Wir plauderten nicht länger als eine Minute, aber es reichte, um mir Mut für den Tag zu machen.

Ich knabberte an meinem Schokocroissant und passte auf, dass ich nicht auf mein jägergrünes Sommerkleid kleckerte. Nach und nach kamen mehr Studenten herein und stärkten sich für den Tag. Ich holte mein Buch aus der Tasche und schlug das erste Kapitel auf. Mich in ein Buch zu versenken, wirkt immer beruhigend auf meine Nerven.

»Anne auf Green Gables? Das hat meine Großmutter sehr gemocht. Sie hat es uns als Kinder vorgelesen.«

Ich zuckte zusammen. Es war Edmund. Allein seine tiefe Stimme ließ die Schmetterlinge in meinem Bauch sich wieder regen. »Wirklich?«

Er setzte sich neben mich, beugte sich vor und blickte mir über die Schulter. »Ja, sie hat es immer meinem Bruder und mir vorgelesen. Sie mochte Anne Shirley sehr. Und vor allem las sie gerne vor.«

Ich nahm einen Schluck Tee, legte das Buch weg und wandte mich ihm zu. Sieht er eigentlich immer so gut aus?

»Klingt nach einer wunderbaren Frau.«

»Das war sie.« Er lächelte wehmütig.

Dieser Junge mit seinem schiefen Grinsen nahm definitiv viel zu viel Platz in meinen Gedanken ein. Aber jetzt war er ja hier und ich konnte überprüfen, ob er wirklich so toll war, wie mein Gehirn hartnäckig behauptete. Offensichtlich war er es.

»Morgen.« Eine putzmuntere Suzy ließ sich auf den Stuhl mir gegenüber fallen.

»Morgen, Suze«, sagte Edmund. Ich hob die Hand.

Sie warf sich die Haare über die Schulter. »Also, Evie, bist du bereit?«

Ich nickte. »Ich denke doch. So anders als zu Hause wird es schon nicht sein.«

»Du machst das mit links«, sagte Edmund. Seine Stimme war leise und weich. »Was ist deine erste Veranstaltung?«

Mit ihm neben mir konnte ich mich auf einmal nicht mehr daran erinnern. Ich zog meinen Stundenplan aus der Tasche und strich ihn auf dem Tisch glatt. »Äh, Europäische Kunst bei Professor Sawyer.«

Suzy sah Edmund an. »Du magst Professor Sawyer doch, nicht?«

»Auf jeden Fall, er ist sehr unterhaltsam. Deshalb besuche ich seine Vorlesung auch.« Er führte seine Teetasse zum Mund.

Ich werde den Vormittag mit Edmund verbringen? Mein Herz schlug schneller. Was für ein fantastischer Start in den Tag.

»Morgen allerseits.« Caroline setzte sich neben Suzy. Sie aß einen Apfel. »Wo sind die Bodyguards, Edmund?«

Ich warf ihr einen Blick zu. Bodyguards? Wovon redet sie?

»Ach, irgendwo hier.« Edmund ließ den Blick kurz durch den Saal wandern.

Sprachen sie von Preston und anderen Freunden? Die Briten verwendeten oft andere Wörter als die Amerikaner. Zum Beispiel sagten sie Pflaster statt Band-Aid, und vielleicht war Bodyguard bei ihnen einfach ein Wort für Kumpel.

Edmund blickte auf die Uhr und sah mich an. »Wir müssen.«

Ich nickte, stopfte mir den Rest meines Croissants in den Mund und schlang den Riemen meiner Tasche über die Schulter.

»Gehst du auch in unsere Richtung, Suze?«, fragte Edmund. »Caroline?«

Caroline schüttelte den Kopf und biss von ihrem Apfel ab.

»Nein«, antwortete Suze, »genau in die entgegengesetzte Richtung.« Sie klang enttäuscht.

»Dann bis später.« Ich winkte den beiden und klapperte in meinen dünnen Ledersandalen über den Holzboden.

»Bis dann«, rief Edmund. Ich spürte seine Hand warm auf meinem Rücken.

Mir stockte der Atem. Die Schmetterlinge in meinem Bauch waren in Aufruhr. Zwar wusste ich, dass es eine durch und durch unschuldige Berührung war und Edmund mich nur zur Tür lenkte. Trotzdem war sie unvorstellbar erregend.

Eine größere Gruppe von Studenten auf dem Weg zum Frühstück kam uns entgegen und Edmund ließ seine Hand sinken. Nein … leg sie wieder dort hin.

»Wir müssen ein paar Schritte laufen.« Er setzte eine Sonnenbrille auf. Die warme Herbstsonne schien durch das bunte Laub über uns.

»Ja, aber es ist ein herrlicher Tag. Fühlt er sich nicht perfekt an? Wie geschaffen für einen neuen Anfang.« O nein, wie kitschig! Ich verdrehte die Augen.

»Wie poetisch.« Edmund lachte leise. »Hast du eigentlich Geschwister?«

»Nein, ich bin Einzelkind.«

Er sah mich im Gehen an. »Das war bestimmt einsam.«

Ich schüttelte den Kopf. »Warum glauben das immer alle? Ich hatte Freundinnen und Haustiere und war überhaupt nicht einsam. Ich habe alle möglichen Sachen angestellt und meinen Dad auf Trab gehalten.« Ich lachte.

»Warst du gerne Einzelkind?«

»Unbedingt. Und du? Wie viele Geschwister hast du?«

Er schien verwirrt. »Nur einen älteren Bruder.«

Schweigen trat ein. Ich hatte den zunehmenden Verdacht, etwas Falsches gesagt zu haben. An was denkt er gerade?

Er blieb abrupt stehen und sah mich an. »Kennst du mich wirklich nicht?«

»O Gott, sollte ich das?«

Mist! Ich wusste doch, dass ich ihn irgendwie kannte. Warum hatten Suzy oder Caroline nichts gesagt, verdammt noch mal? Bestimmt kam ich mir gleich furchtbar dumm vor, wenn er mich aufklärte.

»Nein, nicht unbedingt, denke ich«, sagte er gedehnt. »Nur … ich bin es nicht gewöhnt, dass Leute mich nicht kennen.«

Er ging weiter, aber ich blieb verwirrt stehen und überlegte krampfhaft, wer er sein mochte. Ich wich einem Radfahrer aus und holte Edmund im Laufschritt ein. »Als ich dich am ersten Abend kennengelernt habe, kamst du mir irgendwie bekannt vor. Mir fiel nur nicht ein, woher.«

»Wirklich nicht?« Der Anflug eines Lächelns spielte um seine Lippen.

Ich wartete darauf, dass er mich aufklärte, aber er tat es nicht. »Also?«

»Also was?« Seine Augen funkelten amüsiert.

»Willst du mir sagen, warum ich dich kennen sollte?«

»Eigentlich nicht, nein.« Er lachte und sein Lachen gefiel mir.

»Das geht gar nicht! Du hast davon angefangen, also musst du es mir jetzt auch sagen.« Ich sah ihn mit großen Augen an.

Er schüttelte mit einem hinreißenden Grinsen den Kopf. »Nein, muss ich nicht.«

»Das ist gemein! Und doch, du musst es mir sagen, sonst steh ich da wie der letzte Depp.« Ich musste unwillkürlich lachen über das Spiel, das er hier spielte.

Er stieß mich mit der Schulter an. »Du wirst nicht dastehen wie der letzte Depp. Ganz im Gegenteil, du wirkst sehr clever.«

»Du willst es mir wirklich nicht sagen?«, fragte ich entgeistert.

Er wandte sich mir zu. »Nein. Das ist für mich eine einmalige Gelegenheit. Ich werde sie so was von genießen. Und ich bin mir sicher, dass du ganz schnell drauf kommst. Ganz sicher.«

»Du nervst, wirklich.« Ich schlug ihm leicht auf den Arm und er musste lachen. »Du hast ja keine Ahnung, wie ich dich in Gedanken gerade beschimpfe.«

»Oh, ich kann es mir vorstellen. Aber glaub mir, du findest es heraus. Ich wäre nicht überrascht, wenn du es bis heute Abend wüsstest.«

»Bist du Schauspieler?«

»Nein.«

»Sportler?«

»Sorry, nein.« Er blickte grinsend auf mich herunter und lachte leise.

»Wirklich, du treibst mich noch in den Wahnsinn.« Ich machte ein paar Schritte zurück, um ihn besser sehen zu können: ein Schopf blonder Haare, blaue Augen, markantes Kinn und breite Schultern. Die Ärmel seines weißen Hemds waren aufgekrempelt und gaben die muskulösen Arme frei. Er sah mich mit einem breiten Grinsen an. Nein, mir kam keine Idee. Verärgert biss ich mir auf die Lippen.

Er hat Glück, dass er so süß ist.

In einiger Entfernung hinter uns standen zwei Typen, die nicht näher kamen, aber unverwandt in unsere Richtung blickten. Sie sahen aus wie ganz normale Studenten, aber irgendetwas stimmte nicht. Sie wirkten irgendwie … fehl am Platz.

»Vorsicht«, sagte Edmund, kam auf mich zu und zog mich an sich. »Du wärst fast gegen den Pfosten da gelaufen.«

Sobald ich mich von meinem Schreck erholte hatte, blickte ich mich um und sah den Laternenpfosten, vor dem Edmund mich gerettet hatte. »Danke.«

Mit einem verlegenen Seufzen trottete ich neben ihm her.

»Da sind wir auch schon.« Er zeigte auf ein großes Gebäude aus verwittertem grauen Stein.

Der Hörsaal hatte Sitzreihen mit Klapptischen. Edmund zeigte auf zwei Plätze in einer der vorderen Reihen. Wir setzten uns im selben Moment, in dem Professor Sawyer das Licht dimmte.

»Ich kann immer noch nicht glauben, dass du es mir nicht sagst«, murmelte ich und holte ein Heft aus meiner Tasche.

»Lass mir die Freude, solange das noch so ist«, flüsterte er.

»Guten Morgen allerseits und willkommen in meiner Vorlesung über die Geschichte der europäischen Kunst.« Sawyer nahm seine Nickelbrille ab und putzte sie an seiner Krawatte.

Dann begann er mit seinem Vortrag und ich schrieb eifrig mit. Mit Edmund neben mir hatte ich Mühe, mich zu konzentrieren. Ich musste gegen die Versuchung kämpfen, einfach nur dazusitzen und ihn anzusehen.

Als ich meinen Arm auf die Armlehne legte, streifte ich Edmunds und erschrak. Die Berührung löste ein elektrisches Kribbeln in mir aus. Er sah mich an und grinste wieder absolut unwiderstehlich.

Verdammt, mich hat’s erwischt.

Ich lehnte mich zurück und schlug die Beine übereinander, aber so, dass sie von ihm weg zeigten. Dass ich mich immer mehr zu ihm hingezogen fühlte, war ein Problem. Mit dieser Zicke Jax im Hintergrund war der Weg in die Katastrophe vorprogrammiert. Andere auf meinen Gefühlen herumtrampeln zu lassen, war in meinen Plänen für Oxford nicht vorgesehen.

Die Vorlesung endete und ich stand auf, streckte mich und warf Edmund einen Blick zu. Er lächelte angespannt, ließ die Schultern kreisen und bewegte den Kopf hin und her.

Auf dem Rückweg sagten wir beide nicht viel. Es war warm und ich war froh über den Schatten unter den großen Ahornbäumen. Meinen marineblauen Pulli hatte ich ausgezogen und über meine Tasche gehängt.

Nicht zu wissen, wer Edmund war, machte mich fertig. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus. »Sänger?«

»Was?« Er sah mich mit gerunzelter Stirn an.

»Bist du Sänger?«

Er brach in Lachen aus. »Nein. Ich treffe keinen Ton.«

»Oder sonst ein Musiker?«

»Nein, aber guter Versuch.«

»Ach komm, warum sagst du es mir nicht einfach? Ich kann einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken, bis ich es weiß.«

»Aha«, sagte er und seine Augen begannen zu funkeln. »Du gibst also zu, dass du die ganze Zeit an mich denkst.« Er beugte sich zu mir herunter, bis seine Augen auf gleicher Höhe waren wie meine, und grinste unwiderstehlich.

Meine Wangen begannen zu brennen. »Ja, gebe ich zu. Aber ich beschimpfe dich auch die ganze Zeit in Gedanken.« Ich grinste ebenfalls und gab ihm einen Schubs gegen die Schultern, sodass er einen Schritt zurück machen musste.

»Ganz bestimmt.« Er lachte und stieß mich an, die Hände in den Taschen.

Auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte, je mehr Zeit ich mit Edmund verbrachte, desto mehr mochte ich ihn. Mochte ich ihn wirklich.

»Model?«

»Findest du, ich sehe dafür gut genug aus?«

»Geht so«, gab ich zurück. »Also stimmt’s? Habe ich recht?«

»Trotz meines tollen Aussehens …« Er warf sich spielerisch in Pose. »Ich bin kein Model.«

»Mist. Aber ich kriege es noch raus, du wirst sehen.« Sonst ärgerten mich solche Spielchen maßlos, aber mit Edmund machte es Spaß. Es war ein Flirt. Ich unterhielt mich jedenfalls blendend.

»Das habe ich nie bezweifelt«, sagte er und begleitete mich zu meiner nächsten Vorlesung.

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Ich holte mein Handy heraus und machte ein Selfie von mir vor einem Starbucks-Schild. Dabei dachte ich an Dad. Wir waren das »Gray« in Gray’s Coffee zu Hause in Seattle. Mit einem Kichern schickte ich ihm das Bild mit einer Textnachricht: Ich glaube, hier wäre noch Platz für eine Filiale.

»Was machst du da?« Edmund sah mich neugierig an. Wir kamen von unserer letzten Vorlesung zurück, die wir wieder gemeinsam gehabt hatten.

»Ich schicke meinem Dad ein Bild.«

»Von dem Starbucks-Logo?« Er klang verwirrt.

»Nein, oder doch. Ich habe ihm nur von einer Geschäftsidee geschrieben.« Ich steckte das Handy ein.

Edmund schüttelte den Kopf. »Kapiere ich nicht, aber gut.«

»Uns gehört eine Kaffeehauskette in Seattle. Starbucks ist unser Hauptkonkurrent.« Ich zeigte auf das runde Logo an der Mauer. »Ihr könntet hier wirklich ein Gray’s Coffee gebrauchen.«

»Ah, jetzt verstehe ich.« Er nickte.

Wir gingen weiter und er erzählte mir von seinem Seminar in Alter Geschichte. Seine tiefe Stimme hatte fast schon etwas Hypnotisches. Ich hätte ihm den ganzen Tag zuhören können.

Wir näherten uns dem Wohnheim und ich suchte in meiner Tasche nach der Schlüsselkarte. Dabei stieß ich mit den Fingern gegen Moms Briefe. Sie erinnerten mich an meine nächste Aufgabe.

Das ist der perfekte Zeitpunkt. Ich sollte ihn jetzt fragen. Meine Nerven flatterten und ich hatte ein mulmiges Gefühl. Ich war mir nicht sicher, ob ich das schaffte. Meine Hände waren verschwitzt, mir war schwindlig.

»Äh, ich weiß ja nicht, was du am Wochenende vorhast …« Ich gestikulierte mit den Händen. »Aber ich habe vor, nach London zu fahren … Sachen besichtigen, also Big Ben, Parlamentsgebäude und so weiter.«

»Klingt gut.« Edmund steckte die Hände in die Taschen seiner Jeans.

Ich räusperte mich. »Hättest du Lust, mitzukommen? Ich würde ungern allein fahren.«

Edmund starrte mich an und mein Herz hörte auf zu schlagen. Mist. Was sage ich, wenn er nicht will? Das hätte ich mir vorher überlegen sollen.

Doch dann nickte er. »Wir können ja auch ein Museum mitnehmen, wenn wir schon dort sind.«

»Perfekt. Vielleicht habe ich bis dahin ja herausgefunden, wer du bist.« Mein Herz schlug Purzelbäume und meine Wangen schmerzten, so sehr war ich damit beschäftigt, nicht zu glücklich zu lächeln.

Vor dem Wohnheim blieben wir stehen. Edmund trat gegen einen losen Stein auf dem Gehweg. »Okay, dann bis später. Ich muss noch die anderen wegen des Essens heute Abend verständigen.«

»Viel Spaß. Bis dann.« Ich lächelte und stieg beschwingt zu meinem Zimmer hinauf.

Wow, er hat Ja gesagt! Ich warf mich aufs Bett und erstickte mein Freudengeschrei mit dem Kopfkissen. Als ich keine Luft mehr bekam, drehte ich mich auf den Rücken und blickte an die Decke. Ich grinste blöd. Ich liebe Oxford.

Mit einem verträumten Seufzen ging ich zum Schreibtisch. Mein Aufgabenstapel war schon überwältigend hoch. Wenigstens konnte ich zum Teil mit Edmund gemeinsam lernen. Hoffte ich zumindest. Ich ließ meinen Gedanken freien Lauf. Wir zwei allein in einem ruhigen Zimmer. Wie sich seine Lippen wohl anfühlen? Ich schloss die Augen und stellte es mir vor. Weich, voll und warm … mmmh. Ich kicherte und stand auf.

Mit der Fernbedienung in der Hand setzte ich mich auf das Bett und schaltete den Fernseher ein. Ich musste mich ein wenig entspannen, bevor ich mich auf die Hausarbeit konzentrieren konnte. Gedankenlos zappte ich durch die Programme.

Halt, war das Edmund?

Ich zappte zurück und Edmunds Gesicht erschien auf dem Bildschirm.

Die Nachrichtensprecherin war mitten im Satz. »… setzt mit dem heutigen Vorlesungsbeginn sein Studium fort …«

Ein Bild von Edmund folgte auf das andere. Dann ein Foto, das ihn von hinten zeigte, neben einer jungen Frau.

Bin das … »Ausgeschlossen!« Das bin ich.

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4

Das Datingspiel

»Du bist ja noch nicht fertig.« Edmund stand in einem dunklen Anzug in meiner offenen Tür und sah mich an.

Es war schon nach sieben und ich hatte keinerlei Absicht, auszugehen. Ich war den ganzen Abend mit den auf meinem Bett ausgebreiteten Hausaufgaben beschäftigt gewesen und hatte nicht im Entferntesten damit gerechnet, ausgerechnet ihn an diesem Tag noch einmal zu sehen.

Ich wusste jetzt genau, wer er war.

Der zweite Thronfolger Großbritanniens.

Dieser Mistkerl. Ich war unsicher, wie ich mich verhalten sollte. An sich hätte meine Entdeckung nichts ändern sollen, aber so war es nicht. Ich hatte keine Ahnung, was ich denken sollte. So starrte ich ihn nur an und wünschte, ich hätte Abby angerufen. Ich konnte jetzt einen Rat gebrauchen.

Aber dafür war es zu spät. Hier stand er vor mir, Prinz Edmund Stuart. Und sah mich an.

»Evie?«

Ich schüttelte den Kopf. »Entschuldige, was hast du gesagt?«

»Du musst dich fertig machen.«

Ich runzelte verwirrt die Stirn. »Wofür denn?«

»Du kommst doch mit zum Abendessen.«

»Oh.« Ich trat einen Schritt zurück. Abendessen mit einer königlichen Hoheit? Ich? »Ich wusste gar nicht, dass ich eingeladen bin.«

Edmund trat ein und beugte sich zu mir herunter, sodass unsere Gesichter auf gleicher Höhe waren. »Natürlich bist du das. Du gehörst doch jetzt zur Gruppe.«

Er war so nah. Ich atmete tief ein. Mmmh, Seife und Sonnenschein. Mir wurden die Knie weich, als wären sie mit Wackelpudding gefüllt. »Aha.«

So ist es richtig, Evie. Immer eine schlagfertige Bemerkung parat haben.

Edmunds Blick wurde weich. »Äh, da …« Er streckte die Hand aus und strich mir eine lange Locke über die Schulter. »Da ist ein Fussel in deinen Haaren.«

Warme Finger streiften ganz leicht meinen Hals und mir wurde schwindlig. Ich lehnte mich an die Wand und hatte Mühe, mich auf den Beinen zu halten. Atme! Los, du musst atmen!

Er zog die Hand zurück, räusperte sich und wandte den Blick ab. »Die anderen sind unten. Äh, wie lange glaubst du, dass du brauchst, um dich fertig zu machen?« Er trat einen Schritt zurück.

»Zehn bis fünfzehn Minuten, schätzungsweise.«

»Prima, dann bis gleich.« Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und machte sich davon.

Ich stieß einen kleinen Schrei aus, stürzte zum Schrank und zog mein kleines Schwarzes heraus. Edmund sah in seinem Anzug umwerfend aus, ich musste mich also unbedingt auch in Schale werfen.

Ich schlüpfte in das Kleid, drehte mich einmal um mich selbst und mühte mich dann mit dem Reißverschluss ab. Doch schließlich saß es perfekt. Es reichte mir bis über die Knie.

Vor dem Spiegel puderte ich einige glänzende Stellen, frischte meinen Lidschatten auf, um das Grün meiner Augen zu betonen, und trug Lipgloss auf. Die Zeit reichte gerade noch dafür, mir mit einer Bürste durch die Haare zu fahren und sie zu einem tief sitzenden, lockeren Knoten aufzustecken.

Ich platzte fast vor Aufregung und strahlte mich an. Dann fiel mir Jax ein, die Frau, die niemand leiden konnte und die Edmund für sich wollte. Die Frau, die die Billigung seiner Eltern hatte. Wenn sie wollen, dass die beiden ein Paar werden, muss etwas Besonderes an ihr sein. Unsicherheit machte sich in mir breit und drohte meine Vorfreude zu ersticken.

Ich streckte meinem Spiegelbild die Zunge heraus. »Finger weg von ihm, er ist ein paar Nummern zu groß für dich.« Die Nachrichtensprecherin hatte das nur bestätigt. Ich wandte mich ab, stieg in meine hautfarbenen High Heels und griff nach meiner silbernen Clutch. Zeit, mich ins Vergnügen zu stürzen.

Als ich die Tür des Treppenhauses aufdrückte, sah ich Edmund sofort. Er stand am vorderen Ausgang und das Licht der Abendsonne fiel rücklings auf ihn.

»Evie, du siehst umwerfend aus. Wie hast du dich so schnell fertig gemacht?« Suzy, die zusammen mit den anderen an der Doppeltür stand, kam zu mir.

Ich riss mich von Edmunds Anblick los und zuckte mit den Schultern. »Ich hab mir einfach schnell was gegriffen.«

»Du siehst jedenfalls toll aus.«

»Danke, du auch«, sagte ich. Sie trug ein kurzes karmesinrotes Kleid und bot einen fantastischen Anblick, einmal abgesehen von ihrem finsteren Gesicht.

»Können wir los? Ich will den Abend so schnell wie möglich hinter mich bringen.« Caroline ging mit Marissa im Schlepptau nach draußen. Sie klang genervt.

»Okay, auf geht’s.« Suzy ging zur Tür und warf Edmund auf dem Weg nach draußen einen Blick zu. Ich war mir nicht sicher, aber sie schien ihn auch ziemlich nett zu finden. Wenn zwei Mädchen auf denselben Jungen stehen, gibt das unweigerlich Probleme.

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