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Roxy Sauerteig – Gib Affen keinen Zucker

Über dieses Buch

Roxy Sauerteig ist auf kribbelige Geheimnisse spezialisiert. Kein Wunder, dass sie als Erste den geheimnisvollen Jungen in der Nachbarwohnung bemerkt. Er heißt Zauber Sabali und ist den weiten Weg von Afrika nach Europa gekommen, um seinen Affen Teri zurückzuholen. Der wurde ihm von deutschen Forschern einfach weggenommen. »Wir holen Teri zurück!«, verspricht Roxy und ahnt nicht, was für ein Abenteuer sie damit ins Rollen bringt.

Ein neues Abenteuer mit Roxy Sauerteig – für alle, die auf geheimnisvolle Ermittlungen stehen. Denn hier ist nichts so, wie es scheint!

Über die Autorin

Katharina Reschke studierte Germanistik und Romanistik in Köln und ließ sich danach in den USA für das Drehbuchschreiben begeistern. Seit 1999 arbeitet sie als freie Autorin für Buch und Film in Berlin und hat u.a. Kinofilme wie Hanni und Nanni geschrieben. Für ihre Drehbücher wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Roxy Sauerteig – Gib Affen keinen Zucker! ist der 3. Band ihrer Roxy Sauerteig-Reihe im Baumhaus-Verlag. Ihr Roman Morlot – Detektive schlafen nie erschien bei Boje.

Mehr unter www.katharinareschke.de.

Über die Illustratorin

Susanne Göhlich studierte Kunstgeschichte in Leipzig und begann nebenher zu zeichnen. Seit 2004 arbeitet sie als freie Illustratorin und gestaltet Kinder- und Schulbücher, entwirft Plakate, leitet Zeichenkurse und betreut den Bleilaus-Verlag, in dem Kinder ihre eigenen Bücher herstellen können. Susanne Göhlich lebt mit ihrer Familie in Leipzig.

Katharina Reschke

Roxy
Sauerteig

Gib Affen keinen Zucker

mit Illustrationen von
Susanne Göhlich

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Inhalt

1. Rückkehr aus dem Gruselschloss

2. Arktivist im Käfig

3. Mieses Knorriger-Baum-Gefühl

4. Von Raudis und Rautieren

5. Glitzertasche mit Gruselkakao

6. Prasselkuchen-Gedanken

7. Das dunkle Geheimnis

8. Zauber im Haus

9. Der Cercopithecus lomamiensis

10. Mit Klemmbrett und Liste

11. Optimistmus mit Krötenfuß-Gewitter

12. Kraft-und-Mut-Tee

13. Eulen-Post

14. Besuch mit Ali Bi

15. Zelt im Baum

16. Thussis Affen-Theater

17. Aktion ohne Otto Dox

18. Gib Affen keinen Zucker!

19. Zuhause im Karton

20. Zauber und Teri

21. Asül mit Heimatgefühl

Anhang: Roxys Lexikon

Vorsatz

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1. Kapitel
Rückkehr aus dem Gruselschloss

Soeben schob sich eine Wolke vor die Sommersonne, als ein rotes Auto in die Ferdinand-Otto-Straße bog und an ihrem Ende bremste. Genau vor dem kanarienvogelgelben Haus mit dem delfinblauen Eingang.

Ein hochgewachsener Mann in T-Shirt und Jeans stieg aus und öffnete die hintere Wagentür.

»Willkommen zu Hause«, sagte er und wuschelte dem Mädchen, das sogleich von der Rückbank sprang, liebevoll durch ihre wilde rote Haarmähne.

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Wie immer saß auf der Stirn von Roxy Sauerteig eine quietschgrüne Taucherbrille mit Schnorchel dran, und ihre Füße steckten in Gummistiefeln mit Krokodilgesichtern.

»Yeppie!«, rief sie und hopste erfreut auf die Straße. »Endlich wieder zu Hause!«

Ihr Vater lachte amüsiert. »Na, dabei waren wir doch nur drei Nächte weg …«

Tatsächlich kehrten sie ganze sieben Tage vor dem geplanten Abreisetag heim, denn Anna-Thusnelda von Krötenfuß hatte es in dem südfranzösischen »Gruselschloss« – wie sie es nannte – keinen Tag länger ausgehalten.

»Hier spukt es!«, stand es für sie gleich nach der ersten Nacht fest. Ein Geist habe sie in ihrem Zimmer besucht und alle darin vorhandenen Stühle umgeworfen. »Ich hab’s ganz genau gesehen!«

Während Roxy sofort bereit war, der Sache nachzugehen, weigerte sich Thussi jedoch, auch nur einen weiteren Schritt in dem Haus mit den siebenundzwanzig Zimmern zu tun. Stattdessen blieb sie in eine Decke gewickelt auf dem Sofa sitzen und ließ sich mit eimerweise heißer Schokolade bedienen. Stündlich rief sie dabei ihre Eltern an, die seit ein paar Monaten getrennt voneinander lebten, und erzählte ihnen, wie furchterregend der »olle Kasten« sei, auf den Roxys Großeltern aufpassten. »Ich will hier sooofort weg!«

Auch wenn Roxy und ihr Vater sehr wohl spürten, dass eigentlich etwas ganz anderes hinter Thussis Unwohlsein steckte, kamen sie ihrer Forderung natürlich umgehend nach.

Vor allem Roxy war gar nicht mal unfroh, dass ihr auf diese Weise bis zum baldigen Schulbeginn noch ein paar freie Tage in der Ferdinand-Otto-Straße blieben.

»Finger weg! Nicht die Dose anfassen!«, schrie es nun hinter ihr, und sie sah gerade noch, wie Anna-Thusnelda Herrn Sauerteig auf die Hände schlug.

»Hey, immer mit der Ruhe, ich wollte dir ja nur aus dem Wagen helfen, o. k.?!«, entgegnete der und zuckte erschrocken zurück.

Die ganze Rückfahrt über hatte das Krötenfuß-Mädchen die mitgenommene, französische Kakaodose fest umschlungen an ihre Brust gedrückt und kein Wort darüber verloren.

Fast wirkte es, als hätte sie in dem Metallgefäß eine hochexplosive Bombe versteckt, die sie im Schloss gefunden und nun sicher nach Hause transportieren wollte.

»Sie können mich gleich weiter zu meiner Mutter fahren, danke«, ließ Thussi Roxys Vater mit spitzer Miene wissen und zog ihr Kinn dabei wie eine Königin nach oben. »Los!«, setzte sie nach und machte eine Geste, dass er sich sputen solle.

Bernd Sauerteig schlug darauf mit einem Seufzer ihre Tür zu und verdrehte die Augen.

»Sag Mama, dass ich gleich nachkomme, ja?«, bat er Roxy und schob sich genervt auf den Fahrersitz zurück.

»Mach ich, Papa. – Bis gleich.«

Roxy musste grinsen. Nicht etwa aus Gehässigkeit, sondern einfach, weil sie froh war, dass endlich auch mal jemand anderes von Thussis höfischer Schnippischkeit etwas mitbekam. Denn Roxys Mutter – Amalie Benedikta Clementine Hortensie Sauerteig – hielt Roxy die Tochter ihrer Freundin immer nur als Musstdubeispiel vor.

»Roxanalein, du muuuusst dir ein Beispiel an der kleinen Thussi nehmen. Sie ist sooo ein wohlerzogenes, vornehmes Mädchen!«

M: Ein Musstdubeispiel ist ein Vorbild. Es ist so, wie andere wollen, dass du auch unbedingt sein musst.

Genau so stand es in Roxys Lexikon, in dem sie die Worte in der Weise schrieb, dass es auch einen Sinn ergab.

Die letzten Seiten des Buches hatte sie sich für ihre 034.tif Abendteuer reserviert. Lauter spannende Begebenheiten, die, wie das Wort Abendteuer bereits versprach, meist am Abend stattfanden und dadurch umso aufregender waren.

»Tschüüüüss!«, rief sie dem davonfahrenden Wagen hinterher und winkte, bis er um die Ecke verschwunden war. Im Geiste fügte sie noch ein »Schön, Papa, dass du endlich wieder bei uns bist!« hinzu.

Denn Herr Sauerteig war in den letzten Wochen in Sibirien gewesen, wo er für die deutsche Regierung nach verschwundenen Pässen gesucht hatte. Als 034.tif Dopplomat sozusagen.

Roxys Mutter hoffte, dass ihr Mann nun endlich einen hohen und angesehenen Posten in Berlin übernehmen würde. Roxys Vater allerdings reiste viel lieber weiter in der Welt herum. Er gab es zwar nicht zu, doch wusste Roxy nur zu genau, dass ihn prickelnde Herausforderungen und unlösbar erscheinende Aufgaben genauso faszinierten wie sie.

Aber davon sollte ihre Mutter besser nichts wissen. Denn Amalie Sauerteig tat nicht ohne Grund alles, damit ihr Familienleben so sicher und einschätzbar wie die aufgehende Sonne blieb. Dramatische Ereignisse, fand sie, bereiteten nur unnötige Sorgen.

Roxy hielt von gepflegter Langeweile jedoch genauso wenig wie von literweise Kakao auf einem Sofa. Deshalb hatte sie mit ihrem Einzug in die Ferdinand-Otto-Straße 3 vor ein paar Wochen für sich beschlossen, dass sie den Geheimnissen des Lebens ab sofort einfach heimlich nachging. Damit ihre Mutter sich nicht sorgen musste. Und sie auch nicht mehr davon abhalten konnte.

Ohne Frau Sauerteigs Wissen war Roxy gleich in der ersten Nacht die alte, gammelige Hintertreppe hinuntergestiegen und hatte so ihren wunderlichen 034.tif Nachtbarn Herrn Grindelmann kennengelernt.

Obwohl die anderen im Haus einen großen Bogen um ihn machten, weil er in seiner Wohnung bergeweise Dinge sammelte, war für Roxy sofort klar: Hinter diesem Herrn Grindelmann versteckte sich ein geheimer Detektiv. Die unzähligen Sammelstücke gehörten dabei zu diversen Fällen, die sie alle mit ihm lösen wollte. Neulich erst hatte Roxy einen Schokoladenspringbrunnen von ihm bekommen, in dem sie einen Zettel mit einer Zeichnung und einem Zugangscode entdeckt hatte. Gemeinsam mit Herrn Grindelmann war sie daraufhin dem Geheimnis auf den Grund gegangen. Dabei hatten sie – ohne dass irgendjemand etwas davon mitbekam, vor allem Frau Sauerteig nicht – zwei Kunstfälscher zur Strecke gebracht, die ebenfalls in der Ferdinand-Otto-Straße wohnten. Jana Rasedorn und Wolfgang Lofing, der Mann der Hauswartsfrau.

Nun hoffte Roxy, dass sie ihre letzten Ferientage dazu nutzen konnte, um Herrn Grindelmann bei der Lösung eines weiteren Falls zu helfen. Ebenfalls streng geheim natürlich!

Beflügelt von diesem Gedanken ließ sie ihren Blick an der blättrigen Fassade des kanarienvogelgelben Hauses aufsteigen, bis er im vierten Stock anlangte. Genau dort, wo der eigenwillige Detektiv wohnte. Doch seine Fenster waren verschlossen, und hinter seinen grauen Vorhängen war niemand zu sehen.

»Hey, ich bin wieder zurück!«, hätte Roxy am liebsten gerufen. »Eine Woche früher! Wir können loslegen!«

Aber das tat sie natürlich nicht, denn es sollte ja niemand wissen, dass sie seine Assistentin war.

Gerade wollte sie zu der delfinblauen Eingangstür hinüberlaufen, als sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Die Gardine in der Erdgeschosswohnung war eilig zugezogen worden. Roxy meinte einen Schatten dahinter verschwinden zu sehen. Nur ganz kurz, dann war er weg.

Ist Hans Heinrich zurück?, fragte sie sich, und es begann sogleich aufgeregt in ihr zu kribbeln.

Der Nachbar war nämlich 034.tif Arktivist. Roxy hatte ihn bislang noch nicht persönlich getroffen, denn er hatte die letzten Wochen in der Arktis verbracht, um sich für den Schutz der Tiere und der Natur einzusetzen. Jedoch war sie schon in seiner Wohnung gewesen, weil Herr Lofing diese heimlich für seine kriminellen Fälschungsversuche genutzt hatte.

Bring, bring, bring drückte Roxy nun einfach Hans Heinrichs Klingel, denn sie wollte ihn unbedingt kennenlernen.

Doch der Arktivist öffnete nicht.

»Hm.« Sich ihre grüne Taucherbrille auf der Stirn zurechtschiebend, öffnete Roxy schließlich mit ihrem eigenen Schlüssel und trat ins Haus. Vielleicht wollte er ja gerade keinen Besuch empfangen, mutmaßte sie und beschloss, es einfach später noch mal bei ihm zu versuchen.

Beflügelt drückte sie den Knopf des Der-ist-nur-für-uns-Roxanalein-Lift und die Tür öffnete sich. Der Aufzug war so ziemlich das Einzige, das der luxuriösen Beschreibung des Wohnungsvermittlers entsprochen hatte. Damit sie nicht die Treppe benutzen mussten, beförderte er die Sauerteigs an allen anderen Mietern vorbei direkt ins Dachgeschoss. Während Amalie Sauerteig darüber große Erleichterung empfand, war es Roxy ziemlich egal. Sie nutzte eh, wann immer sie konnte, die Treppe (am liebsten natürlich die geheime nach hinten hin), denn so ließ sich am besten herausfinden, wer sonst noch unter dem Dach ihres Hauses lebte.

Soeben schlossen sich die stählernen Flügeltüren hinter ihr, da erblickte Roxy den Zettel an Hans Heinrichs Türrahmen. Post für mich bei Lofing abgeben. Bin gerade in der Arktis. Hans Heinrich, stand darauf. Die Nachricht hing schon seit Wochen dort.

»Komisch«, murmelte Roxy. Wieso hing denn der Zettel noch da, wenn der Nachtbar längst zurück war?

Es war zu spät, um der Frage nachzugehen, denn der Lift sauste bereits mit einem Djumm ins Dach hinauf.