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ROMANA GOLD BAND 18

Verführung unter griechischer Sonne

LYNNE GRAHAM

Ein Sommer zum Verlieben

„Sie brauchen einen Mann wie mich!“ Entsetzt lehnt Maxie das unmoralische Angebot ab. Wie kann Angelos nur denken, dass sie sich verkaufen würde? Immer wieder bietet der Milliardär ihr ein sorgenfreies Leben gegen sein Bett – und irgendwann sagt Maxie ihm wütend, dass sie es nur mit ihm teilt, wenn er sie heiratet. Nicht ahnend, dass Angelos sie beim Wort nimmt …

JESSICA STEELE

Heiße Träume in Griechenland

Am weißen Strand der Trauminsel Kafros denkt Elyss an Sauls Lippen auf ihrer Haut, an seine sanften Berührungen. Aber ihre heißen Träume werden nie in Erfüllung gehen: Der reiche Unternehmer hat sie nur hierher geführt, weil er eine Affäre mit einer verheirateten Frau verschleiern will. Oder funkelt da doch das Begehren in seinen faszinierenden grauen Augen?

KAY THORPE

Nächte unter tausend Sternen

Ein Mann voller Geheimnisse! Klopfenden Herzens macht sich Chelsea auf, um Nikos Pandrossos kennenzulernen. Dass sie Reporterin ist, verrät sie dem medienscheuen Tycoon nicht. Ein Fehler, den sie bitter bereut, als sie in seinen Armen liegt – sie weiß, wenn er die Wahrheit erfährt, wird er sich enttäuscht von ihr abwenden …

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Ein Sommer zum Verlieben

1. KAPITEL

„Und da Leland mir Handlungsvollmacht erteilt hat, werde ich dieses kleine Flittchen vor Gericht schleifen und es ruinieren“, verkündete Jennifer Coulter rachsüchtig.

Angelos Petronides ließ sich seine Verachtung nicht anmerken, als er die Stiefschwester seiner verstorbenen Mutter betrachtete. Die Informationen, die Jennifer ihm gerade unerwartet geliefert hatte, waren unbezahlbar. Maxie Kendall, das Model, das in der Presse als „Eiskönigin“, bezeichnet wurde, die erste und einzige Frau, die ihm je eine schlaflose Nacht bereitet hatte, war verschuldet …

„Leland hat auch ein Vermögen für sie ausgegeben!“ Wütend ging Jennifer in seinem ebenso großen wie beeindruckenden Londoner Büro auf und ab. „Du hättest die Rechnungen sehen sollen, die ich entdeckt habe … Nicht zu fassen, was die ganzen Designerklamotten für diese kleine Schlampe gekostet haben!“

„Eine Geliebte erwartet eine anständige Garderobe … und Maxie Kendall ist ehrgeizig. Wahrscheinlich hat sie sich von Leland genommen, was sie haben konnte“, schürte Angelos ungerührt die Wut seiner Besucherin.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten hatte er sich nie der Illusion hingegeben, dass Jennifer gänzlich unschuldig war, dass ihre Ehe mit Leland vor drei Jahren gescheitert war. Und genauso wenig beeindruckten ihn ihre Behauptungen, sie sei nun mittellos. Jennifer, eine Blondine mittleren Alters, war reich geboren und würde noch reicher sterben, und ihr Geiz war in der Londoner Gesellschaft oft Anlass zu Klatsch.

„Das ganze Geld ist weg“, sagte sie. „Und jetzt finde ich auch noch heraus, dass Leland dieser kleinen Schlampe ein so hohes Darlehen gewährt hat …“

Angelos hatte sich wieder verspannt. Flittchen, Schlampe? Jennifer hatte keinen Stil. Allerdings hatte Leland gegen die Regeln verstoßen. Ein intelligenter Mann verließ seine Frau nicht, um mit seiner Geliebten zusammenzuziehen. Kein Grieche wäre so dumm gewesen. Leland Coulter hatte sich zum Narren gemacht und seine ganze Familie blamiert.

„Aber du hast zurückbekommen, was du dir deinen eigenen Worten zufolge am meisten gewünscht hast“, unterbrach Angelos sie. „Deinen Mann.“

Jennifer errötete und verzog dann die Lippen. „Oh ja, nach seinem Herzinfarkt. Habe ich dir eigentlich erzählt, dass dieses Miststück ihn im Krankenhaus verlassen hat? Sie hat dem Arzt einfach gesagt, er solle Lelands Frau benachrichtigen. Jedenfalls brauche ich das Geld jetzt, und ich werde alles daransetzen, um es zu bekommen. Mein Anwalt hat ihr bereits einen Brief geschickt …“

„Du hast jetzt andere Sorgen, Jennifer. Und Leland wäre sicher nicht erbaut darüber, wenn seine Frau seine ehemalige Geliebte vor Gericht bringen würde. Überlass die Angelegenheit mir. Ich werde dir das Geld erstatten.“

Entsetzt sah sie ihn an. „Du?“

„Sind wir nicht eine Familie?“

Wider Willen fasziniert, nickte sie langsam. In seinen unglaublichen dunklen Augen lag ein beinah herzlicher Ausdruck, und da Angelos Petronides bisher immer alles andere als herzlich auf sie gewirkt hatte, irritierte es sie.

Als unumstrittenes Oberhaupt des Petronides-Clans war Angelos rücksichtslos, unberechenbar und selbstgenügsam. Außerdem war er reich und mächtig. Allein durch seine Gegenwart machte er seinen Mitmenschen Angst. Und da er gewusst hatte, dass sie zuerst untreu geworden war, war sie ihm seit ihrer Trennung von Leland aus dem Weg gegangen …

Sie hatte sich jetzt nur an ihn gewandt, weil sie nicht wusste, was unter ihrer Leitung aus Lelands erfolgreicher Kasinokette werden würde.

„Du willst sie dazu bringen, zu zahlen?“, brachte sie hervor.

„Ich habe meine eigenen Methoden“, sagte Angelos leise und gab ihr damit deutlich zu verstehen, dass dieses Thema sie nun nichts mehr anging.

Sein Gesichtsausdruck ließ sie frösteln. Dennoch triumphierte sie innerlich, denn für sie war nur wichtig, dass diese kleine Schlampe bluten würde.

Als Angelos wieder allein war, wies er seine Sekretärin an, keine Anrufe durchzustellen, und lehnte sich in seinem Ledersessel zurück. Keine kalten Duschen mehr. Ein sinnliches Lächeln umspielte seine Lippen. Keine einsamen Nächte mehr. Nun strahlte er förmlich. Nach drei Jahren des Wartens würde die Eiskönigin endlich ihm gehören.

Obwohl er sich für einen Frauenkenner hielt, war er verblüfft gewesen, als er sie zum ersten Mal in natura sah. Sie erinnerte ihn an Dornröschen. Unberührbar, unberührt … Angelos lachte grimmig auf. Was für unsinnige Fantasien! Sie war drei Jahre lang die Geliebte eines Mannes gewesen, der ihr Großvater hätte sein können.

Trotzdem würde er das Geld nicht als Druckmittel einsetzen, sondern sich wie ein Gentleman verhalten. Er würde ihr aus ihrer finanziellen Notlage helfen und sich ihrer Dankbarkeit und schließlich auch ihrer Loyalität versichern. Ihm gegenüber würde sie sich nicht kühl geben. Und als Belohnung dafür würde er ihr ein Leben in Luxus ermöglichen. Sie würde nie wieder arbeiten müssen. Was konnte sich eine vernünftige Frau mehr wünschen?

Maxie stieg aus dem Taxi, das sie am Bahnhof genommen hatte, und richtete sich zu ihrer vollen Größe von eins achtzig auf. Ihr langes blondes Haar, ihr Markenzeichen, wehte im Wind, als sie das Haus ihrer verstorbenen Patentante betrachtete. Gilbourne war ein elegantes georgianisches Haus auf einem herrlichen Grundstück.

Als sie zur Tür ging, blinzelte sie, um die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. An dem Tag, als sie sich zum ersten Mal in Lelands Begleitung in der Öffentlichkeit gezeigt hatte, hatte ihre Patentante Nancy Leeward ihr geschrieben, sie wäre hier nicht mehr willkommen. Doch vor vier Monaten hatte Nancy sie in London besucht, und sie hatten sich halbwegs versöhnt. Allerdings hatte Nancy mit keiner Silbe erwähnt, dass sie krank war, und die Nachricht von ihrem Tod hatte sie, Maxie, erst nach ihrer Beerdigung erhalten.

Daher erschien es ihr auch nicht richtig, nun zur Verlesung von Nancys Testament zu erscheinen. Der Brief, den sie an diesem Morgen erhalten hatte, hatte ihre Hoffnungen, dass sie nun endlich frei sein würde, zerstört und sie an ihre Schulden erinnert. Naiverweise hatte sie gehofft, Leland hätte das Geld abgeschrieben, als er sich von ihr getrennt hatte. Er hatte ihr bereits drei Jahre ihres Lebens genommen, und sie hatte jeden Penny, den sie verdient hatte, darauf verwendet, das Darlehen zurückzuzahlen.

Jetzt hatte sie keine Wohnung, kein Geld und wegen der sensationslüsternen Berichte in der Presse auch kaum Aussicht auf ein Engagement. Warum tat Leland ihr das an? Hätte er ihr nicht etwas Zeit lassen können, bevor er das Geld zurückverlangte?

Bevor Maxie klingeln konnte, öffnete ihr die Haushälterin und musterte sie missbilligend. „Miss Kendall“, sagte sie eisig. „Miss Johnson und Miss Fielding warten im Wohnzimmer. Mrs Leewards Anwalt Mr Hartley müsste gleich eintreffen.“

„Danke … Ich kenne den Weg.“

Bevor sie das Wohnzimmer betrat, blieb Maxie an dem Fenster mit Blick auf den Rosengarten stehen, der Nancy Leewards ganzer Stolz gewesen war. Unwillkürlich erinnerte Maxie sich an die Teegesellschaften, die Nancy damals an warmen Sommernachmittagen für ihre drei Patentöchter Maxine, Darcy und Polly gegeben hatte. Diese waren immer besonders artig gewesen, denn Nancy, die nie selbst Kinder gehabt hatte, war sehr altmodisch gewesen.

Im Gegensatz zu Darcy und Polly, die in gesicherten Verhältnissen lebten, hatte Maxie nie etwas Ordentliches zum Anziehen gehabt, und Nancy war jedes Mal mit ihr einkaufen gegangen. Zum Glück hatte sie nicht gewusst, dass ihr, Maxies, Vater die Sachen immer gleich wieder verkauft hatte.

Ihre verstorbene Mutter Gwen war Nancys Gesellschafterin gewesen, und diese hatte sie immer als Freundin betrachtet, jedoch keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Russ Kendall nicht mochte.

Obwohl Russ Kendall labil, egoistisch und unzuverlässig war, hielt Maxie zu ihm, denn er hatte sie allein großgezogen und sie auf seine Art geliebt.

Immer wenn er sie nach Gilbourne gebracht hatte, war er dort länger geblieben als erwünscht, hatte Nancy geschmeichelt und schließlich versucht, Geld von ihr zu leihen, obwohl diese nie einen Hehl aus ihrer Verachtung ihm gegenüber machte.

„Ich dachte, ich hätte einen Wagen gehört, aber ich habe mich wohl geirrt. Ich wünschte, Maxie würde kommen … Ich freue mich darauf, sie zu sehen“, sagte eine Frauenstimme.

Als Maxie sich überrascht umdrehte, stellte sie fest, dass die Tür zum Wohnzimmer nur angelehnt war. Es war Pollys Stimme gewesen. Sie war so sanft wie Polly selbst.

„Darauf kann ich gern verzichten“, sagte eine andere Frau scharf. „Maxie, die lebende Puppe …“

„Sie kann nichts dafür, dass sie schön ist, Darcy.“

Maxie war angesichts der Feindseligkeit in Darcys Stimme erstarrt. Darcy hatte ihr also noch immer nicht verziehen. Ihr Bräutigam hatte sie vor dem Altar stehen lassen und ihr im letzten Moment gestanden, er hätte sich in eine ihrer Brautjungfern verliebt. Diese Brautjungfer war sie, Maxie, gewesen. Allerdings hatte sie nie mit ihm geflirtet, geschweige denn sich für ihn interessiert.

„Ist das eine Entschuldigung dafür, dass sie einer anderen den Mann weggenommen hat?“

„Ich glaube, niemand sucht sich aus, in wen er sich verliebt“, sagte Polly erstaunlich bewegt. „Und nun, da er zu seiner Frau zurückgekehrt ist, muss Maxie am Boden zerstört sein.“

„Maxie hätte Leland Coulter keines Blickes gewürdigt, wenn er nicht so reich gewesen wäre“, spottete Darcy. „Geldgier liegt ihr im Blut. Erinnerst du dich nicht mehr daran, wie Russ immer versucht hat, die arme Nancy anzupumpen?“

„Ich erinnere mich noch daran, wie peinlich Maxie sein Verhalten war“, erwiderte Polly angespannt.

Daraufhin herrschte betretenes Schweigen, und Maxie legte die Arme um sich. Sie fühlte sich elend. Nichts hatte sich geändert. Sie hatte gehofft, sich wenigstens mit Darcy aussöhnen zu können.

„Sie ist nun mal atemberaubend schön. Wer kann ihr einen Vorwurf daraus machen, dass sie es ausnutzt?“, versuchte Darcy schließlich einzulenken. „Aber was hat sie sonst zu bieten? Sie war noch nie besonders clever …“

„Wie kannst du so etwas sagen? Sie ist Legasthenikerin“, erinnerte Polly sie vorwurfsvoll.

Maxie wurde kreidebleich, denn das war ihr größtes Geheimnis.

Wieder herrschte angespanntes Schweigen.

„Und trotzdem ist sie jetzt so berühmt“, meinte Polly und seufzte.

„Sicher, wenn man unter Berühmtsein versteht, Goldlöckchen in Shampoowerbung zu spielen“, konterte Darcy.

Maxie ging auf Zehenspitzen zur Tür, kehrte dann in normaler Lautstärke zurück und betrat das Wohnzimmer.

„Maxie!“, rief Polly und stand etwas unbeholfen auf.

Auf halbem Weg zu ihr blieb Maxie stehen. Polly, die zart und dunkelhaarig war, war schwanger.

„Wann hast du geheiratet?“, fragte Maxie lächelnd.

Polly errötete. „Ich habe nicht … Ich meine, ich bin nicht …“

Maxie war verblüfft, denn Polly war sehr puritanisch erzogen worden. Sie lachte gezwungen. „Na wenn schon.“

„In Pollys Kreisen ist es leider nicht so selbstverständlich, als ledige Frau ein Kind zu bekommen, wie in deinen.“ Darcy stand am Fenster. Ihr rotes Haar schimmerte im Sonnenlicht, und ihre grünen Augen funkelten herausfordernd.

Darcy hatte selbst ein Kind, doch Maxie ging bewusst nicht auf ihre Bemerkung ein. „Polly weiß, was ich gemeint habe …“

„Ach ja?“

„Mir ist schwindelig!“, verkündete Polly plötzlich.

Daraufhin eilten sie beide zu ihr. Maxie half ihr in den nächsten Sessel und stellte ihr eine Fußbank hin, da ihre Knöchel geschwollen waren. Nachdem sie den Teewagen bemerkt hatte, schenkte sie ihr eine Tasse Tee ein und nötigte sie, einen Keks zu essen.

„Meinst du, du musst zum Arzt?“, fragte Darcy. „Zum Glück war ich nie krank, als ich mit Zia schwanger war.“

„Ich war gestern beim Arzt“, erwiderte Polly leise. „Ich bin nur müde.“

Im nächsten Moment führte die Haushälterin einen Mann mittleren Alters in einem dunklen Anzug herein, Nancys Anwalt, der sich als Edward Hartley vorstellte. Nachdem er Platz genommen hatte, nahm er ein Dokument aus seiner Aktentasche.

„Bevor ich mit der Verlesung des Testaments beginne, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass das Geld nur ausgezahlt wird, wenn die Bedingungen meiner verstorbenen Klientin erfüllt werden …“

„Drücken Sie sich klarer aus“, unterbrach Darcy ihn ungeduldig.

Mr Hartley nahm seine Brille ab und seufzte leise. „Sicher wissen Sie alle, dass Mrs Leeward in jungen Jahren eine sehr glückliche, aber kurze Ehe geführt hatte und nie über den vorzeitigen Tod ihres Mannes hinweggekommen war …“

„Ja“, bestätigte Polly. „Unsere Patentante hat oft mit uns über Robbie gesprochen.“

„Er kam sechs Monate nach der Hochzeit bei einem Autounfall ums Leben“, fuhr Maxie fort. „Mit der Zeit ist er in ihrer Erinnerung zu einem Heiligen geworden und die Ehe zu einer Art Heiliger Gral.“

„Vor ihrem Tod hat Mrs Leeward Sie alle besucht. Danach hat sie ihr Testament geändert“, informierte Edward Hartley sie in einem teils trockenen, teils bedauernden Tonfall. „Ich habe sie darauf hingewiesen, dass es für Sie sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich sein dürfte, die Bedingungen zu erfüllen, doch sie ließ sich nicht umstimmen.“

Maxie hielt den Atem an und ließ den Blick zu den anderen schweifen. Polly wirkte erschöpft und Darcy zutiefst besorgt.

Anschließend begann der Anwalt, das Testament zu verlesen. Nancy Leeward hatte ihren gesamten Besitz zu gleichen Teilen ihren drei Patentöchtern hinterlassen, unter der Bedingung, dass sie alle innerhalb eines Jahres heirateten und mindestens sechs Monate verheiratet blieben. Erst dann würden sie ihren Anteil bekommen. Erfüllte eine von ihnen die Bedingungen nicht, würde ihr Anteil an die Krone fallen.

Maxie war entsetzt. Sie hatte gehofft, dass sie von der Schuldenlast befreit sein würde, die fast ihr Leben zerstört hatte. Doch nun hatte sie erfahren, dass es nicht so einfach sein würde – wie alles andere in ihrem Leben, denn bereits als Kleinkind hatte sie ihre Mutter verloren, und ihr Vater war ein notorischer Spieler.

Darcy lachte auf. „Sie machen wohl Witze.“

„Ich kann diese Bedingungen nicht erfüllen.“ Polly betrachtete ihren runden Bauch und wandte den Blick beschämt ab.

„Ich auch nicht“, gestand Maxie ausdruckslos, während sie Polly betrachtete. Der Vater des Kindes hatte die gutgläubige Polly offenbar verführt und dann sitzen lassen.

Darcy warf Maxie einen ärgerlichen Blick zu. „Die Männer werden bei dir Schlange stehen …“

„Bei meinem Ruf?“

Darcy errötete. „Alles, was jede von uns braucht, sind ein Mann und ein Ehering. Ich werde nur einen finden, wenn ich ihm einen Anteil meines Erbes biete.“

„Ich muss Sie darauf hinweisen, dass Sie den Anspruch auf Ihr Erbe damit automatisch verwirken würden“, verkündete Edward Hartley ernst.

Maxie war klar, was ihre verstorbene Patentante mit ihrem Testament bezweckt hatte. Sie hatte Polly, Darcy und sie vor einigen Monaten besucht und musste von ihnen zutiefst enttäuscht gewesen sein.

Sie hatte erfahren, dass sie, Maxie, vermeintlich mit einem älteren Mann zusammenlebte. Sie hatte herausgefunden, dass Polly ein uneheliches Kind zur Welt bringen würde. Und Darcy? Maxie verspürte heftige Schuldgefühle, und ihr Magen krampfte sich zusammen. Wenige Monate nachdem ihr Bräutigam sie so gedemütigt hatte, hatte Darcy ein Kind zur Welt gebracht. War es daher ein Wunder, dass sie die Männer seitdem hasste?

„Es ist wirklich schade, dass deine Patentante diese Bedingungen an das Erbe geknüpft hat“, beschwerte sich Maxies Freundin Liz am darauffolgenden Nachmittag, während sie über den Brief des Anwalts sprachen, in dem dieser die sofortige Rückzahlung des Darlehens forderte. „Sonst wären deine Probleme gelöst gewesen.“

„Vielleicht hätte ich Nancy sagen sollen, warum ich wirklich in Lelands Haus lebe … Ich wollte ihr nur nicht den Eindruck vermitteln, dass ich von ihr erwarte, dass sie meine Schulden bezahlt, zumal sie meinen Vater immer verachtet hat.“ Schicksalsergeben zuckte Maxie die Schultern.

„Du brauchst jetzt unbedingt rechtlichen Beistand. Schließlich warst du erst neunzehn, als du den Vertrag unterzeichnet hast, und standest unter enormem Druck. Du hattest Angst um das Leben deines Vaters.“

Maxie, die auf der anderen Seite des Küchentisches saß und eine weite Bluse sowie verwaschene Jeans trug, betrachtete das sommersprossige, von rotblondem, bereits ergrauendem Haar umrahmte Gesicht ihrer Freundin. Liz Blake hatte ihr angeboten, so lange bei ihr zu wohnen, wie sie wollte. Sie war der einzige Mensch, dem sie ihre Geheimnisse anvertraute. Da sie von Geburt an blind war, hatte sie sich nie von ihrem Aussehen beeinflussen lassen, das bei vielen Leuten Ablehnung oder Unsicherheit hervorrief. Sie war sehr unabhängig, hatte als Töpferin ein sehr gutes Auskommen und einen großen Bekanntenkreis.

„Immerhin habe ich Daddy damit gerettet“, erinnerte Maxie sie. „Und seitdem hat er mich nie mehr um Geld gebeten …“

„Weil du ihn seit drei Jahren nicht mehr gesehen hast“, erklärte Liz grimmig.

Maxie verspannte sich. „Weil er sich schämt, Liz.“

Liz runzelte die Stirn, als ihr Blindenhund Bounce, ein schwarzer Labrador, aufsprang und sie anstupste. „Da kommt jemand … Aber ich erwarte niemanden.“

Als es klingelte, war Liz bereits im Flur, um zu öffnen. Kurz darauf erschien sie wieder auf der Schwelle. „Du hast Besuch. Er ist Ausländer, sehr groß und hat eine tolle Stimme. Er sagt, er sei ein guter Freund von dir …“

„Von mir?“, wiederholte Maxie verwirrt.

„Wie hätte er sonst herausfinden können, wo du wohnst? Ich habe ihn ins Wohnzimmer geführt. Ich bin im Studio, weil ich den Auftrag unbedingt noch fertig machen muss, bevor ich morgen abreise.“

Maxie fragte sich, wer der Besucher sein mochte, denn außer der Post und ihrer Agentur wusste niemand, wo sie wohnte. Angespannt eilte sie ins Wohnzimmer.

Als sie sah, wer dort auf sie wartete, blieb sie stehen und wich dann entsetzt einen Schritt zurück. Alles schien sich um sie zu drehen.

„Maxie … wie geht es Ihnen?“, erkundigte sich Angelos Petronides sanft, während er ihr die Hand entgegenstreckte.

Das Herz klopfte ihr bis zum Hals, und das Blut rauschte ihr in den Ohren. „Mr Petronides …?“

„Angelos, bitte.“ Er lächelte schwach.

Maxie blinzelte verwirrt. Sie hatte ihn noch nie lächeln sehen. In den letzten drei Jahren war sie ihm ungefähr ein halbes Dutzend Mal begegnet, doch bisher hatte er sie stets ignoriert. Und drei Mal hatte Leland sie – offenbar auf seinen Wunsch hin – frühzeitig mit einem Taxi nach Hause geschickt.

Angelos ließ die Hand wieder sinken. Seine dunklen Augen funkelten amüsiert.

Maxie verspannte sich. „Ich weiß nicht, was Sie herführt … oder wie Sie mich gefunden haben …“

„Waren Sie denn verschwunden?“ Er musterte sie anzüglich. „Sie wissen ganz genau, warum ich hier bin.“

Prompt errötete sie. „Ich habe keine Ahnung …“

„Jetzt sind Sie frei.“

Vor fast sechs Monaten hatte er sie einmal dabei ertappt, wie sie ihn betrachtete, und ihr daraufhin einen Blick zugeworfen, aus dem nacktes Verlangen sprach. Dann hatte er sich wieder abgewandt, doch seine Reaktion hatte sie zutiefst erschüttert.

Sie hatte sich eingeredet, dass sie es sich nur eingebildet hatte. Fast war sie froh darüber gewesen, dass dieser arrogante griechische Industriemagnat ihr gegenüber so gleichgültig war, obwohl sie es gelegentlich als demütigend empfunden hatte. Andererseits hatte Angelos Petronides es im Gegensatz zu Leland auch nicht nötig, eine Frau wie einen preisgekrönten Pudel bei einem Geschäftsessen vorzuführen.

„Und nun, da Sie frei sind, möchte ich Sie haben“, informierte Angelos sie mit der Überlegenheit eines Mannes, dem noch nie eine Frau etwas verweigert hatte.

Ganz entgegen ihrer sonstigen Art verlor Maxie die Fassung und begann zu zittern. „Sie glauben tatsächlich, dass Sie hier einfach so hereinspazieren und mir sagen können …?“

„Ja“, fiel er ihr ins Wort. „Bei mir brauchen Sie nicht die Prüde zu spielen. Ich habe durchaus gemerkt, dass Sie sich für mich interessieren.“

Unbändiger Zorn erfasste sie. Noch nie zuvor war sie so aufgebracht gewesen. Angelos Petronides war so feinfühlig wie ein Vorschlaghammer. Bei ihrer ersten Begegnung hatte sie sich tatsächlich zusammenreißen müssen, um ihn nicht anzustarren. Umwerfend attraktive Männer wie er waren selten, umwerfend attraktive, intelligente Männer noch seltener. Und die Aura der Macht, die ihn umgab, übte eine fatale Anziehungskraft aus.

Er hatte lediglich ihre Neugier geweckt, das war alles. Sie, Maxie, hatte nie erfahren, was es bedeutete, einen Mann zu begehren. Die meisten Männer mochte sie nicht, weil sie ihnen nicht traute. Welcher Mann hatte sie je als Individuum mit Gefühlen betrachtet und nicht als Trophäe, mit der er sich schmücken konnte?

Und nun hatte Angelos Petronides bewiesen, dass er genauso war wie alle anderen Männer. Dass sie darüber zutiefst enttäuscht war, begriff sie allerdings nicht.

„Sie zittern ja … Warum setzen Sie sich nicht?“ Er zog einen Sessel für sie heran, doch sie rührte sich nicht von der Stelle. Daraufhin betrachtete er sie gereizt. „Sie haben Ringe unter den Augen, und Sie haben abgenommen. Sie sollten besser auf sich aufpassen.“

Maxie schwor sich, nicht die Beherrschung zu verlieren. Wie konnte er es wagen, hier aufzutauchen und seine eindeutigen Absichten kundzutun und sich dann so aufzuführen, als erwartete er dafür noch Beifall?

„Ihr Interesse an meinem Wohlergehen ist unerwünscht und unnötig, Mr Petronides“, erklärte sie mit bebender Stimme und setzte sich, weil sie befürchtete, sonst doch der Versuchung nachzugeben und ihm eine schallende Ohrfeige zu verpassen.

Angelos nahm ihr gegenüber Platz – zu ihrer großen Erleichterung, denn selbst wenn sie ihm gegenüberstand, überragte er sie noch.

Dafür, dass er so groß und kräftig war, bewegte er sich überraschend geschmeidig. Er war dunkelhaarig und dunkelhäutig, hatte markante Wangenknochen, eine schmale Nase und einen sinnlichen Mund. Das Auffallendste an ihm waren jedoch seine außergewöhnlichen, von langen Wimpern gesäumten Augen. Sein Blick verriet keinerlei Gefühle.

„Lelands Frau wollte Sie wegen dieses Darlehens verklagen“, sagte er schließlich und brach damit das angespannte Schweigen.

Maxie verspannte sich noch mehr und sah ihn entsetzt an. „Wie haben Sie von dem Darlehen erfahren?“

Er zuckte die breiten Schultern. „Das ist unwichtig. Jennifer wird Sie nicht verklagen. Ich habe das Geld in Ihrem Namen zurückgezahlt.“

Langsam beugte sie sich vor. „Sagen Sie das noch einmal“, bat sie ihn mit bebender Stimme, da sie ihren Ohren nicht traute.

Angelos Petronides betrachtete sie mit einem unergründlichen Ausdruck in den Augen. „Ich verlange das Geld nicht von Ihnen zurück, Maxie. Dass ich mich eingeschaltet habe, war lediglich eine Geste in gutem Glauben.“

„In gutem … Glauben?“, wiederholte sie stockend. Ihre Stimme klang ungewöhnlich schrill.

„Was sonst?“ Er machte eine ausdrucksvolle Geste, während er ihre entsetzte Miene betrachtete. „Welcher richtige Mann würde versuchen, eine Frau zu erpressen, damit sie mit ihm schläft?“

2. KAPITEL

Maxie sprang auf. Ihr hübsches Gesicht war vor Zorn gerötet. „Glauben Sie, ich bin völlig bescheuert?“, schrie sie so laut, dass ihre Stimme sich überschlug.

Langsam stand Angelos Petronides wieder auf. „Wenn ich an einige Entscheidungen denke, die Sie früher getroffen haben … Wie offen darf ich zu Ihnen sein?“

Maxie atmete scharf ein, schlug die Hand vor den Mund und wandte sich ab. Sie war entsetzt, weil er sie so aus der Fassung gebracht hatte. Wie aus weiter Ferne drangen die Geräusche spielender Kinder durch das geöffnete Fenster an ihr Ohr.

„Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen“, fuhr Angelos mit einem spöttischen Unterton fort. „Ich habe schon oft miterlebt, wie Sie blass geworden sind und sich angespannt haben. Immer wenn Leland Sie in der Öffentlichkeit berührt hat, hat es Sie große Überwindung gekostet, seine Hand nicht abzuschütteln. Im Schlafzimmer muss es wirklich lustig gewesen sein …“

Am liebsten hätte sie ihn umgebracht. Doch sie konnte nicht einmal sprechen und war umso fassungsloser, weil sie noch nie zuvor so wütend gewesen war und nicht wusste, wie sie damit umgehen sollte.

„Aber mir war schon immer klar, dass der größte Reiz für Leland darin bestand, Sie bei jeder Gelegenheit in der Öffentlichkeit vorzuführen“, fuhr er amüsiert fort. „Wahrscheinlich wollte er sich gar nicht so oft im Schlafzimmer amüsieren. Schließlich war er nicht mehr der Jüngste …“

„Und Sie sind … der widerlichste Kerl, dem ich je begegnet bin!“, rief sie.

„Sie werden sich schon an mich gewöhnen. Schließlich brauchen Sie einen Mann wie mich.“ Ohne Vorwarnung umfasste er ihre Schultern und drehte sie zu sich herum.

„Von wegen!“ Energisch befreite sie sich aus seinem Griff. „Und fassen Sie mich nicht an … Ich lasse mich nicht gern betatschen.“

„Warum sind Sie so wütend? Ich musste Ihnen von dem Darlehen erzählen“, meinte er ruhig. „Ich wusste, dass der Anwalt der Coulters Ihnen geschrieben hat, und wollte Sie beruhigen.“

Die Erinnerung an ihre Schulden wirkte wie eine kalte Dusche auf sie. Maxie wurde aschfahl und fröstelte. „Sie haben mich in der Hand. Ich kann das Darlehen nicht zurückzahlen … und momentan habe ich nicht einmal genug Geld für eine Rate.“

„Warum machen Sie so viel Wirbel um nichts?“ Angelos seufzte. „Setzen Sie sich wieder. Habe ich Ihnen nicht bereits versichert, dass ich nicht vorhabe, das Geld von Ihnen zurückzuverlangen? Übrigens, darf ich fragen, wofür Sie es gebraucht haben?“

„Ich habe finanzielle Probleme gehabt, das ist alles“, erwiderte sie ausweichend und sank wieder in den Sessel.

Zum ersten Mal hatte sie richtig Angst vor Angelos Petronides. Er hatte Ansprüche auf sie, genauso wie Leland sie gehabt hatte, doch er würde als Gegenleistung wesentlich mehr von ihr erwarten als eine Farce, auch wenn er etwas anderes behauptete.

„Über das Thema Geld spreche ich mit Frauen nicht“, erklärte Angelos leise. „Und mit Ihnen möchte ich nie wieder darüber sprechen.“

Der Milliardär Angelos Petronides als Wohltäter? Das glaubte er doch selbst nicht. Sie war bei diversen Besprechungen, bei denen er den Vorsitz führte, dabei gewesen. Dabei hatte er die Rolle des Königs und die anderen Anwesenden die der verängstigten Untertanen gespielt, die jeden Moment damit rechneten, dass er sie enthaupten ließ. Erwachsene Männer gerieten ins Stocken, wenn er ihre Vorschläge abschmetterte, und gerieten in Panik, wenn er die Stirn runzelte.

Angelos war hochintelligent, aber infolgedessen manipulierte er seine Mitmenschen auch. Im Vergleich zu ihm war Leland Coulter harmlos gewesen. Mit Leland war sie fertig geworden, und er hatte nie so getan, als wäre er ihr einziger Freund in einer feindseligen Welt. Nun allerdings stand ein ein Meter neunzig großer Riese ohne Skrupel vor ihr.

„Ich weiß, woher Sie kommen“, hörte Maxie sich laut sagen, als sie wieder zu ihm aufblickte.

Angelos betrachtete sie ruhig. „Und warum dann dieses ganze Getue?“

Sie schluckte, denn mit ihrer Bemerkung hatte sie ihn eigentlich verunsichern wollen.

„Essen Sie heute mit mir zu Abend“, schlug er vor. „Dann können wir miteinander reden. Sie brauchen Zeit, um über alles nachzudenken.“

„Das brauche ich nicht.“ Als sie ihm in die Augen sah, wurde ihr plötzlich schwindelig. Sie blinzelte und schüttelte leicht den Kopf. „Ich werde nicht Ihre Geliebte.“

„Noch habe ich Sie nicht gefragt.“

Maxie lachte zynisch und sprang nervös auf. „Mir war durchaus klar, welche Absichten Sie verfolgen. Und ich habe nicht die Absicht, weiter darüber zu sprechen.“ Sie fixierte einen Punkt neben ihm und befeuchtete sich unwillkürlich die Lippen. „Also entweder sind Sie ein guter oder ein schlechter Verlierer, Mr Petronides … Das werde ich sicher bald herausfinden …“

„Ich verliere nicht“, erwiderte Angelos leise. „Und außerdem bin ich sehr hartnäckig. Falls Sie mich herausfordern, werde ich meine Zeit nicht unnötig damit verschwenden, Ihnen nachzulaufen, sondern Sie wie jeder normale Mann nur noch mehr begehren.“

Es herrschte eine knisternde Spannung, und Maxie erschauerte. Als sie ihn verwirrt wieder ansah, stellte sie fest, dass er sie eingehend betrachtete.

„Außerdem werde ich sehr wütend auf Sie sein“, fuhr er rau fort, während er näher kam. „Ich werde Sie sehr viel besser behandeln, als Leland es getan hat. Ich weiß, wie man eine Frau wie Sie glücklich macht …“

Wie gebannt sah sie ihn an und spürte dabei, wie ihr Herzschlag sich beschleunigte. Eine Erregung, die ihr ganz neu war, erfasste sie.

„A…Angelos?“, flüsterte Maxie benommen.

Er streckte die Hände aus und zog sie an sich. „Wie leicht Sie meinen Namen sagen können …“

Sie begann zu zittern und hatte plötzlich ganz weiche Knie. Noch nie zuvor war sie sich ihres Körpers so bewusst gewesen. Ihre Brüste spannten, und die Knospen wurden hart.

Im nächsten Moment knallte etwas hinter ihr gegen die Fensterscheibe, und sie zuckte erschrocken zusammen.

„Schon gut … Ein Ball ist gegen das Fenster geflogen“, sagte Angelos ungläubig. „Und zwei kleine Jungen holen ihn gerade.“

Doch Maxie hörte gar nicht zu. Sie war entsetzt und verwirrt zugleich, denn Angelos Petronides hätte sie beinah geküsst. Schlimmer noch, sie hatte sich schmerzlich danach gesehnt, wie ihr jetzt klar wurde.

Schnell wich sie zurück und presste die Hände auf die erhitzten Wangen. „Verschwinden Sie, und kommen Sie nie wieder hierher!“

Er sagte etwas auf Griechisch und warf ihr einen herausfordernden Blick zu. „Was ist los mit Ihnen?“

Offenbar war er auch verwirrt. Ob er auch dieselbe Erregung spürte wie sie? Erst in diesem Moment wurde ihr bewusst, dass sie sich überhaupt nicht mehr in der Gewalt hatte.

„Ich muss mich Ihnen gegenüber nicht rechtfertigen“, erwiderte sie in einem Anflug von Panik, während sie an ihm vorbei in den Flur eilte, um die Haustür zu öffnen. „Wenn Sie noch einmal hier auftauchen, hetze ich den Hund auf Sie.“

Angelos lachte unvermittelt auf, und Maxie blickte ihn starr an. Sein Lachen war unwiderstehlich.

„Der Hund wird mich wohl eher zu Tode lecken … Und Sie?“ Er betrachtete sie mit hochgezogenen Brauen, und sie errötete wieder.

„Gehen Sie!“

„Und Sie?“, wiederholte er ruhig. „Aus irgendeinem Grund hat das, was gerade zwischen uns passiert ist, Sie aus der Fassung gebracht … Ihnen Angst gemacht … Sie peinlich berührt …“

Ihr wurde ganz flau, denn noch nie hatte jemand sie so durchschaut.

„Warum sollte Verlangen Schamgefühle hervorrufen?“, erkundigte Angelos sich leise. „Warum nicht Freude?“

„Freude?“

„Ich gebe nicht vor, Ihre Gedanken lesen zu können … bis jetzt.“ Er ging wieder nach draußen. „Aber wenn Ehrgeiz und Verlangen sich verbinden, sollten Sie erfreut sein, oder?“

Maxie beobachtete, wie er auf den Bürgersteig trat, wo ein livrierter Chauffeur neben einer langen, dunklen Limousine auf ihn wartete. Die beiden Jungen, von denen einer den Fußball umklammert hielt, versuchten erfolglos, den grimmig dreinblickenden Chauffeur anzusprechen. Angelos blieb stehen und scherzte mit ihnen. Als sie sich dabei ertappte, dass sie ihn fasziniert betrachtete, knallte sie die Tür zu.

Er würde zurückkommen, das wusste sie. Noch immer völlig durcheinander, ging sie wieder in die Küche, wo sie zu ihrer Überraschung Liz antraf, die besorgt wirkte.

„Bounce hat im Atelier plötzlich angefangen zu jaulen. Offenbar hat er dich schreien hören. Daraufhin bin ich wieder ins Haus gekommen, aber als ich gemerkt habe, dass ihr euch nur streitet, habe ich natürlich nicht gestört“, gestand sie zerknirscht. „Leider habe ich von deiner Unterhaltung mit Angelos Petronides mehr mitbekommen, als mir lieb war.“

„Du wusstest also, wer er ist?“

„Zuerst nicht, aber ich hätte es wissen müssen!“, rief Liz. „Du hast so oft über ihn gesprochen …“

„So, habe ich das?“ Maxie errötete.

Liz lächelte. „Du hast ihn zwar immer kritisiert, aber mir war klar, wie stark du dich zu ihm hingezogen fühlst …“

Maxie lachte heiser auf. „Ich wünschte, du hättest mich gewarnt. Es hat mich förmlich umgehauen. Diese verdammte Chemie, und ich habe nie geahnt … Ich komme mir jetzt so dumm vor!“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und sie versuchte, sich zusammenzureißen. „Zu allem Überfluss bekomme ich jetzt auch noch Kopfschmerzen …“

„Kein Wunder“, meinte Liz. „Ich habe dich noch nie so schreien hören.“

„Ich habe ja auch noch nie jemanden so gehasst wie Angelos Petronides“, bekannte Maxie mit bebender Stimme. „Ich wollte ihn umbringen, Liz! Jetzt habe ich keine Schulden mehr bei Leland, sondern bei ihm.“

„Ja, aber ich habe gehört, wie er gesagt hat, dass du dir deswegen keine Sorgen zu machen brauchst.“

Maxies blaue Augen funkelten. „Ich werde ihm jeden Penny zurückzahlen, und wenn es bis zu meinem neunzigsten Lebensjahr dauert!“

„Er hat vielleicht deinen Stolz verletzt, Maxie, aber ich fand, er klang sehr ehrlich. Und er ist sehr großzügig, ob du es nun als Schulden betrachtest oder nicht.“ Liz wirkte nachdenklich. „Der Mann muss ernsthaft an dir interessiert sein, wenn er so etwas tut …“

„Liz …“ Maxie lächelte gequält.

„Glaubst du, er ist der Typ, der heiratet?“, meinte Liz lächelnd.

Maxie sah sie entgeistert an. „Bist du völlig übergeschnappt, Liz? Wie kommst du denn darauf?“

„Das Testament deiner Patentante …“

„Ach … Vergiss es, Liz. Das ist Schnee von gestern. Du kannst mir glauben, wenn ich dir sage, dass Angelos Petronides nichts … na ja, nichts Dauerhaftes wie die Ehe im Sinn hatte.“ Maxie unterdrückte einen Seufzer, weil Liz, die um einiges älter war als sie, so romantisch veranlagt war. „Er hegt keine romantischen Absichten. Er ist nicht der Typ. Er ist hart, eiskalt …“

„Für mich hörte es sich aber so an, als wäre er scharf auf dich.“

Liz war in mancher Hinsicht ziemlich unschuldig. Daher wollte sie, Maxie, nicht allzu deutlich werden und ihr sagen, was ein Industriemagnat wie Angelos Petronides in ihr sah – ein lebendiges Spielzeug. Erneut flammte ihr Hass auf ihn auf. „Liz, allein der Gedanke, dass er eine normale Beziehung mit einer Frau, die die Geliebte eines anderen Mannes war, überhaupt in Erwägung ziehen würde, wäre ein Affront für ihn …“

„Du bist aber nicht die Geliebte eines anderen Mannes gewesen!“

Maxie ging darauf nicht ein. Nach der enormen Publicity, die sie bekommen hatte, würde ihr das niemand mehr glauben. „Mit anderen Worten, Angelos will nur mit mir ins Bett.“

„Oh …“, brachte Liz hervor und errötete. „Mit so einem Mann willst du dich bestimmt nicht einlassen.“

Als Maxie an dem Abend im Bett lag, haderte sie mit sich, weil sie sich zu einem Mann wie Angelos Petronides hingezogen fühlte. „Eine Frau wie Sie“, hatte er gesagt und damit gemeint, dass sie es gewohnt war, ihren Körper für ein Leben in Luxus zu verkaufen. Ihr Herz krampfte sich zusammen. Wie hatte sie so tief sinken und in einen derartigen Ruf kommen können?

Als man sie als Werbeträgerin für eine neue Haarpflegeserie ausgewählt hatte, war sie erst achtzehn und völlig unbekannt gewesen. Obwohl sie niemals eine Modelkarriere angestrebt hatte, ließ sie sich von ihrem Vater dazu überreden, es wenigstens zu versuchen, und verdiente innerhalb kürzester Zeit enorme Summen.

Doch nachdem sich ihre anfängliche Begeisterung gelegt hatte, verachtete sie den Konkurrenzdruck und die Oberflächlichkeit im Modelgewerbe. Sie sparte eisern und hatte vor, sich irgendwann einen anderen Job zu suchen.

Ihr Vater frönte indessen nach wie vor seiner Spielsucht, und da er ihr Einkommen als Sicherheit betrachtete, spielte er mit immer höheren Einsätzen. Der Manager von Lelands Kasino räumte ihm allerdings keinen Kredit mehr ein, sobald er argwöhnte, dass Russ Kendall bereits hoch verschuldet war. Maxie begegnete Leland Coulter zum ersten Mal an dem Tag, an dem sie die Spielschulden ihres Vaters im Kasino beglich.

„Sie werden den Mann nicht ändern“, sagte er. „Der Anstoß muss von ihm selbst kommen.“

Nach diesem Vorfall machte ihr Vater ihr zahllose Versprechungen. Er schwor, nie wieder zu spielen, doch natürlich hielt er nicht Wort. Und nachdem man ihm in allen seriösen Kasinos Hausverbot erteilt hatte, verlegte er sich auf Pokerspiele in schummrigen Hinterzimmern mit Männern, die ihm sämtliche Knochen gebrochen hätten, wenn er seine Schulden nicht bezahlt hätte. Zu dem Zeitpunkt geriet ihr Leben aus dem Gleis …

Nachdem er sich hoch verschuldet und von ihr erfahren hatte, dass ihre Ersparnisse aufgebraucht waren, wurde er zusammengeschlagen und verlor dabei eine Niere. Im Krankenhaus weinte er dann in ihren Armen und erzählte ihr, man hätte ihm damit gedroht, ihn zum Krüppel zu schlagen, wenn er nicht zahlen würde.

Als sie daraufhin Leland Coulter aufsuchte, um ihn um Rat zu fragen, bot dieser ihr eine Vereinbarung an. Er würde die Spielschulden ihres Vaters begleichen, und sie konnte ihm das Geld nach und nach zurückzahlen, wenn sie dafür bei ihm einzog. Was seine Bedingungen betraf, so war er ganz offen zu ihr. Er wollte keinen Sex, sondern lediglich eine schöne junge Frau, die die Gastgeberin spielte und ihn überallhin begleitete.

In ihren Augen verlangte er nicht zu viel von ihr. Niemand anders war bereit, ihr das Geld zu leihen. Und sie war unendlich dankbar, weil ihr Vater nun außer Gefahr war. Dass sie in eine Falle ging, war ihr nicht klar. Sie wusste nicht einmal, dass Leland verheiratet war, bis sie die Schlagzeilen sah, die ihren Ruf über Nacht ruinierten, weil man ihr die Schuld am Scheitern seiner Ehe gab.

„Jennifer und ich haben uns getrennt, weil sie eine Affäre hatte“, räumte Leland widerstrebend ein, als sie ihn darauf ansprach. „Aber wenn du an meiner Seite bist, fühle ich mich nicht wie ein Narr.“

In dem Moment tat er ihr leid. Es folgte eine regelrechte Schlammschlacht um sein Geld, die Jennifer und er in aller Öffentlichkeit austrugen, doch als er eine Woche vor dem Scheidungstermin einen Herzinfarkt hatte und im Sterben zu liegen glaubte, wollte er unerklärlicherweise nur Jennifer sehen. „Geh, und lass mich in Ruhe … Ich brauche Jennifer … Ich will nicht, dass sie dich hier sieht“, jammerte er.

Das hatte sie, Maxie, verletzt. Seltsamerweise hatte sie ihn trotz seiner Macken ins Herz geschlossen, denn er war eigentlich kein schlechter Kerl, sondern nur ein Egoist. Sie hoffte, dass er jetzt wieder mit seiner Jennifer glücklich war. Allerdings hatte er sie, Maxie, nicht nur benutzt, um seine Eitelkeit zu befriedigen, sondern auch, um seine untreue Ehefrau zu bestrafen. Und das konnte sie nicht vergessen, genauso wenig wie sie sich ihre damalige Naivität verzeihen konnte. Nie wieder werde ich mich benutzen lassen, schwor sie sich.

Am nächsten Morgen half Maxie Liz beim Packen. Ihre Freundin wollte Freunde in Devon besuchen und war sehr erleichtert, dass sie im Haus war, denn im vergangenen Jahr hatte man während ihrer Abwesenheit bei ihr eingebrochen und das Atelier verwüstet.

Nachdem sie Liz verabschiedet hatte, verbrachte Maxie eine Stunde damit, sich zu schminken und anzuziehen. Am späten Vormittag brachte sie das einzige wertvolle Schmuckstück, das sie besaß, in die Pfandleihe. Sie war elf gewesen, als sie die viktorianische Kette ganz unten in einer Schachtel mit billigem Modeschmuck, die ihrer Mutter gehört hatte, gefunden hatte. Sie hatte geweint, weil ihr klar war, warum ihre Mutter die Kette so gut versteckt hatte. Während ihrer kurzen dreijährigen Ehe hatte ihre Mutter die Erfahrung machen müssen, dass ihr Mann alles verkaufte, was er in die Finger bekam, wenn er knapp bei Kasse war. Daher hatte sie, Maxie, die Kette ebenfalls versteckt.

Die Kette jetzt zu versetzen kam für sie einem Verrat gegenüber ihrer Mutter gleich, doch sie brauchte das Geld unbedingt, um Angelos Petronides zu beweisen, dass er sie nicht gekauft oder irgendwelche Rechte an ihr erworben hatte.

Eine halbe Stunde später verließ sie den Aufzug im obersten Geschoss des Hochhauses, in dem die Londoner Zentrale seines Unternehmens lag. Dabei würdigte sie die Empfangsdame kaum eines Blickes, denn sie wusste, wie man Aufmerksamkeit erregte.

„Ich möchte zu Angelos“, verkündete sie.

„Miss … Miss Kendall?“ Die Brünette war aufgesprungen und betrachtete sie.

Maxie trug ein eng anliegendes rotes Kleid und hochhackige Pumps. Das offene Haar reichte ihr bis zur Taille.

„Ich weiß, wo sein Büro ist.“ Sie ging den Flur entlang, und die Brünette folgte ihr bestürzt.

Maxie riss die Tür auf, aber leider war niemand im Büro. Daher ging sie zum Sitzungssaal, ohne auf die Proteste der Empfangsdame zu achten, die inzwischen die Aufmerksamkeit zweier weiterer Mitarbeiterinnen auf sich gezogen hatte.

Bingo! Maxie betrat durch die Flügeltür den Sitzungssaal. Die Männer in den dunklen Anzügen, die dort versammelt waren, wandten sich zu ihr um, doch sie sah nur Angelos Petronides an, der am Kopfende des Tisches gesessen hatte und nun aufstand. Sein wütender Gesichtsausdruck wich sofort schockierender Gleichgültigkeit.

„Ich möchte mit Ihnen reden.“ Herausfordernd funkelte sie ihn an.

„Sie könnten in Mr Petronides’ Büro warten. Hier entlang, Miss Kendall“, ließ sich eine schlanke Frau mittleren Alters vernehmen, die herbeigeeilt war und die Verbindungstür zum Büro ihres Arbeitgebers geöffnet hatte.

„Tut mir leid, aber ich möchte nicht warten“, erwiderte Maxie.

Als Angelos ihr einen zornigen Blick zuwarf, lächelte sie zuckersüß. Er konnte ihr nichts anhaben, da sie nichts zu verlieren hatte. Und er sollte dafür bezahlen, dass er sie am Vortag derart aus der Fassung gebracht hatte.

Nun kam er auf sie zu und umfasste ihr Handgelenk. Als sie aufschrie, ließ er sie wieder los.

„Danke.“ Sie betrat sein großes, luxuriöses Büro, denn sie wusste, dass er ihr folgen würde.

„Unerwartete Besucher, die unberechenbar sind, können einen wirklich zur Verzweiflung bringen, stimmt’s?“, meinte sie, als sie neben seinem Schreibtisch stehen blieb.

Angelos fluchte auf Griechisch, während er sie wütend betrachtete. „Sie sind verrückt …“ Er verstummte und presste die Lippen zusammen. „Was wollen Sie?“

„Bezahlen!“ Mit einer schwungvollen Bewegung ließ sie die zerknüllten Banknoten, die sie in der Hand hatte, auf seinen Schreibtisch fallen. „Das ist eine Anzahlung für das Darlehen. Ich lasse mich nicht kaufen.“

„Wie können Sie es wagen, mir im Sitzungssaal eine Szene zu machen?“, fuhr er sie an.

Maxie verspannte sich. Noch nie hatte sie einen Mann so wütend erlebt.

„Sie wollten es ja nicht anders. Sie haben mich gestern dazu gebracht, mich so groß zu fühlen …“ Mit Daumen und Zeigefinger machte sie eine entsprechende Geste. „Aber Sie haben sich die falsche Frau ausgesucht.“

„Ist das wirklich die Eiskönigin, mit der ich hier zu tun habe?“, erwiderte Angelos sehr trocken.

„Sie würden sogar die Polkappen zum Schmelzen bringen“, zischte sie und fragte sich dabei, warum er plötzlich überhaupt nicht mehr wütend wirkte.

„Leiden Sie an einer gespaltenen Persönlichkeit?“

„Haben Sie tatsächlich geglaubt, mich zu kennen, nur weil Sie einige Male mit mir im selben Raum waren?“ Sie warf den Kopf zurück und stellte dabei irritiert fest, dass Angelos anerkennend den Blick über sie schweifen ließ. Offenbar war er so von seiner Überlegenheit überzeugt und hatte eine so ausgeprägte Libido, dass er Frauen überhaupt nicht ernst nahm.

Nun sah er ihr wieder in die Augen. „In Lelands Nähe haben Sie sich nicht so aufgeführt …“

„Meine Beziehung zu Leland geht Sie nichts an“, erklärte sie. „Aber mich hat noch nie jemand so beleidigt wie Sie gestern.“

„Es fällt mir schwer, das zu glauben.“

Maxie zuckte zusammen.

Angelos betrachtete sie mit undurchdringlicher Miene. „Seit wann ist es eine Beleidigung, wenn ein Mann zugibt, dass er eine Frau begehrt?“, höhnte er.

„Sie haben mich zu Tode erschreckt, als Sie gesagt haben, Sie hätten das Darlehen zurückgezahlt … Sie haben mich unter Druck gesetzt, und zu guter Letzt haben Sie den Frauenhelden herausgekehrt!“ Sie wandte sich ab und ging zur Tür.

„Alle Ausgänge sind versperrt“, sagte er leise.

Maxie glaubte es erst, als sie vergeblich versuchte, die Tür zu öffnen. „Machen Sie sofort die Tür auf!“

„Warum sollte ich?“ Er lehnte sich so lässig gegen den Schreibtisch, dass sie ihn am liebsten erwürgt hätte. „Vermutlich sind Sie hergekommen, um mich zu unterhalten … Für Wutanfälle habe ich zwar kein Verständnis, aber in dem Kleid sehen Sie wirklich umwerfend aus. Ich würde gern wissen, warum Sie derart melodramatisch auf meinen unsittlichen Antrag reagieren.“

Sie wirbelte zu ihm herum. „Sie geben also zu, dass es einer war?“

„Ich begehre Sie. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich bekomme, was ich will“, erwiderte er sehr leise.

Maxie erschauerte. „Wenn Schmeicheleien nicht verfangen, versuch es mit Drohungen …“

„Das war keine Drohung. Ich drohe Frauen nicht. Ich musste noch keine Frau ins Bett zwingen.“

Niemand konnte eine solche Wut vortäuschen. Angelos war ein Traummann und sich seiner Anziehungskraft auch durchaus bewusst. Aber er hat ja auch alles, räumte Maxie bitter ein. Ein fantastisches Äußeres, Sex-Appeal, mehr Geld, als er je ausgeben könnte, und einen messerscharfen Verstand.

Sie warf ihm einen verächtlichen Blick zu. „Sie halten sich für etwas ganz Besonderes, nicht? Sie dachten, ich würde mich geschmeichelt fühlen und alles nehmen, was Sie mir zu bieten gedenken … Aber Sie sind genauso wie all die anderen Männer, die mich begehrt haben. Und ich habe viel Übung im Umgang mit Männern wie Ihnen. Seit meinem vierzehnten Lebensjahr sehe ich so aus …“

„Ich bin froh, dass Sie erwachsen geworden sind, bevor unsere Wege sich gekreuzt haben“, warf Angelos ein.

Diese unverschämte Bemerkung veranlasste Maxie, wie eine Tigerin auf ihn loszugehen. „Glauben Sie, ich wüsste nicht, dass ich für einen Kerl wie Sie nicht realer bin als eine Gummipuppe? Wenn Sie ein Spielzeug brauchen, dann gehen Sie in ein Geschäft, und kaufen Sie sich eine Eisenbahn.“

„Ich dachte, Sie würden Offenheit schätzen“, gestand er nachdenklich. „Aber woher sollte ich wissen, dass Sie so wenig Selbstachtung haben …“

Seine Worte trafen sie, und plötzlich kam sie sich sehr dumm vor.

„Das ist doch lächerlich“, brachte sie hervor. „Aber was ich auch für Fehler gemacht habe, ich habe nicht vor, sie noch einmal zu machen. So, jetzt habe ich Ihnen gesagt, was ich denke, und nun öffnen Sie endlich diese verdammte Tür!“

Angelos sah sie durchdringend an. „Wenn es nur so einfach wäre …“

Als sie diesmal den Knauf umfasste, sprang die Tür auf. Doch statt hocherhobenen Hauptes davonzustolzieren, floh Maxie förmlich, und sie zitterte am ganzen Körper.

3. KAPITEL

Auf dem Weg nach Hause fragte Maxie sich fieberhaft, was bloß in sie gefahren war. Es goss in Strömen, ein heftiger Sommerregen, und sie war innerhalb weniger Minuten bis auf die Haut durchnässt gewesen.

Irgendetwas war schiefgelaufen. Angelos hatte verhindert, dass sie die Flucht ergriff, und genau wie am Vortag war er immer ruhiger geworden, je mehr sie die Fassung verloren hatte.

Ihr Auftritt war ausgesprochen melodramatisch gewesen, und sie hatte sich von Angelos Petronides dazu hinreißen lassen, ihre innersten Gefühle zu offenbaren.

Es musste am Stress liegen. Lelands Herzinfarkt und die Konsequenzen daraus, die Publicity und der Tod ihrer Patentante waren einfach zu viel für sie gewesen, und sie hatte ihr Innerstes vor einem Mann entblößt, der jede Schwäche ausnutzte.

Sie durchquerte gerade eine ruhige Seitenstraße, als eine Limousine wenige Meter vor ihr hielt und Angelos Petronides ausstieg. „Kommen Sie aus dem Regen, Sie Närrin. Wissen Sie nicht einmal, wo Sie vor der Nässe Schutz suchen können?“

Maxie strich sich das nasse Haar aus dem Gesicht und warf ihm einen trotzigen Blick zu. „Verschwinden Sie!“

„Fangen Sie an zu schreien, wenn ich Sie in den Wagen verfrachte?“, erkundigte er sich ungeduldig.

Aus einem Impuls heraus ging sie zu ihm, stemmte die Hände in die Hüften und funkelte ihn wütend an. Daraufhin ballte er die Hände zu Fäusten.

„Warum verfolgen Sie mich?“, fragte sie leise.

„Ich stehe nicht auf Eisenbahnen … Sie sind zu langsam und zu leise“, gestand er.

„Und ich stehe nicht auf egozentrische, dominante Männer, die alles besser wissen!“ Sie beobachtete, wie sein schwarzes Haar sich im Regen zu wellen begann und die Tropfen über seine Wangen rannen. Er wird meinetwegen nass, ging es ihr durch den Kopf, und diese Vorstellung gefiel ihr.

„Falls Sie jetzt erwarten, dass ich verspreche, mich zu ändern, tut es mir leid. Ich bin, was ich bin.“

Da sie allmählich zu frieren begann, beschloss Maxie, sein Angebot anzunehmen, und stieg in den Wagen.

Nachdem Angelos ebenfalls eingestiegen war, fuhr der Chauffeur los.

„Ich wollte Sie wütend machen, damit Sie mich in Ruhe lassen“, erklärte sie wahrheitsgemäß.

„Und warum haben Sie sich dann nicht von mir ferngehalten? Warum sind Sie in diesen Wagen gestiegen?“, konterte Angelos.

Instinktiv rückte sie zur Tür, doch bevor sie aussteigen konnte, ergriff er ihre Hand. Der Chauffeur beschleunigte das Tempo.

„Wollen Sie sich umbringen?“, fuhr Angelos sie an.

Zitternd befreite sie sich aus seinem Griff.

Einen Moment lang herrschte spannungsgeladenes Schweigen. Seine Frage hatte sie völlig aus dem Konzept gebracht. Wenn sie ihm tatsächlich aus dem Weg gehen wollte, warum war sie dann in den Wagen gestiegen?

Wieder streckte er die Hand aus. „Kommen Sie her.“

Doch Maxie rührte sich nicht von der Stelle und mied seinen Blick. Sie wusste nicht, warum sie so heftig auf ihn reagierte. Ihre widerstreitenden Gefühle und der Verdacht, dass sie sich auf gefährlichem Terrain bewegte, machten ihr Angst. Daher musste sie Angelos Petronides meiden wie die Pest. Außerdem musste sie ihm die kalte Schulter zeigen, statt ihn anzuschreien.

Angelos seufzte und zog sein Jackett aus. Dann ergriff er wieder ihre Hand und zog sie ohne Vorwarnung an sich. Verzweifelt versuchte sie, sich aus seinem Griff zu befreien. „Lassen Sie mich los. Was wollen Sie …?“

„Hören Sie auf damit!“, fuhr er sie an und ließ sie los. „Ich kann hysterische Frauen nicht ausstehen.“

„Ich … bin nicht hysterisch.“ Vor Scham begann sie zu zittern, als er ihr das Jackett umhängte, das immer noch warm war und dem der Duft seines Aftershaves anhaftete. Sie senkte den Kopf und atmete tief den herben Duft mit der schwachen Zitrusnote ein. Als ihr bewusst wurde, was sie da tat, war sie entsetzt.

„Sie sind genauso nervös wie einige meiner Rennpferde“, widersprach Angelos. „Immer wenn ich Ihnen nahekomme, zucken Sie zusammen …“

„Gestern habe ich es nicht getan“, bemerkte sie bitter.

„Weil ich Ihnen keine Gelegenheit dazu gegeben habe.“ Er nahm die Jackettärmel und zog sie damit zu sich.

„Nein!“, brachte sie hervor und hob abwehrend die Hände, doch leider konnte sie sie ihm nur auf die Brust legen.

„Wenn Sie wollen, können Sie nach dem ersten Kuss aussteigen – ich stelle keine Fragen und keine Bedingungen“, versprach er.

Obwohl sie nur sein Hemd unter den Fingern spürte, erschauerte sie. Er war so heiß und die Versuchung, das Hemd aufzuknöpfen und seine Brust zu streicheln, übermächtig.

In seinen Augen lag ein verlangender Ausdruck. „Sie sehen wie ein Kind aus, das beim Griff in die Keksdose ertappt wurde.“

Sein Lächeln raubte ihr den Atem, und wie gebannt sah Maxie Angelos an. Dabei bemerkte sie kleine goldene Flecken in seinen Pupillen und bewunderte seine langen, seidigen Wimpern. Dass sie so fasziniert von ihm war, schockierte sie. „Sie sind nicht gut für mich“, erklärte sie, von plötzlicher Panik ergriffen.

„Beweisen Sie es“, konterte er so sanft, dass ihr erneut ein elektrisierender Schauer über den Rücken lief, und schob die Hand in ihr Haar, um sie dann zu ihrem Nacken gleiten zu lassen. „Beweisen Sie, dass etwas so Schönes für Sie oder mich nicht gut sein kann.“

Er war so hinreißend, dass sie nicht klar denken konnte. Das Herz klopfte ihr bis zum Hals, und heftiges Verlangen erfasste sie. Als er den Blick senkte und ihre Knospen betrachtete, die sich deutlich unter dem nassen Kleid abzeichneten, stieg ihr das Blut in die Wangen.

Langsam drückte er sie nach hinten, die Arme um ihre Taille gelegt, um sie zu stützen, und neigte den Kopf. Doch statt die Lippen auf ihre zu pressen, wie sie es ersehnte, umschloss er eine Knospe. Maxie erschauerte heftig, bog den Hals nach hinten und stöhnte schockiert auf.

Schließlich hob Angelos sie wieder hoch und betrachtete sie mit einem selbstgefälligen Ausdruck in den Augen. „Es tut weh, jemanden so zu begehren. Jetzt wissen Sie, wie das ist.“

Zitternd blickte sie ihn an. Nackte Angst befiel sie. Er spielte mit ihr und demonstrierte seine erotische Kunstfertigkeit.

„Fassen Sie mich nicht an!“ Maxie verpasste ihm eine schallende Ohrfeige, und als ihr klar wurde, was sie getan hatte, verharrte sie bestürzt mitten in der Bewegung.

Blitzschnell ergriff er ihre Hand und lächelte dann wieder. „Frust macht wütend.“

Unter ihrem verwirrten Blick neigte er den Kopf und küsste die Innenfläche ihrer Hand. Es war elektrisierend. Und noch während sie zu verstehen versuchte, warum er so viel Macht über sie ausübte, zog er sie an sich und presste die Lippen auf ihre.

Noch nie war sie so geküsst worden. Sobald sein Mund ihren berührte, sehnte sie sich danach, Angelos noch näher zu sein. Ihr Puls raste, und verzweifelt klammerte sie sich an ihn.

Und dann war es vorbei. Anerkennend betrachtete Angelos ihr erhitztes Gesicht.

„Komm“, drängte er.

Sie hatte überhaupt nicht gemerkt, dass der Chauffeur angehalten hatte. Angelos wickelte das Jackett um sie und half ihr dann aus dem Wagen. Tief atmete sie die frische Luft ein, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Einen Moment lang hatte sie alles um sich her vergessen. Verwirrt schmiegte sie sich an Angelos, der ihr den Arm um den Rücken gelegt hatte.

Plötzlich verspannte er sich und zog sie fluchend hinter sich. Als sie aufblickte, sah sie gerade noch, wie ein Fotograf vor ihnen weglief. Gleichzeitig sprangen zwei kräftig gebaute Männer aus dem Wagen, der hinter der Limousine gestoppt hatte, und ergriffen ihn, bevor er die Straße überqueren konnte.

Angelos straffte sich. „Meine Sicherheitsbeamten werden ihm den Film wegnehmen.“

Benommen beobachtete Maxie, wie die beiden Männer den Film konfiszierten. Sie hatte sich oft gewünscht, den Kameras der Paparazzi entkommen zu können, aber noch nie erlebt, wie jemand so rücksichtslos seine Macht ausspielte, um seine Privatsphäre zu schützen.

Ihre Privatsphäre hatte er ganz gewiss nicht schützen wollen. Warum hatte sie nur den Eindruck, dass er auf keinen Fall mit ihr in der Öffentlichkeit gesehen werden wollte?

Als sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, stellte sie fest, dass sie in einem Aufzug stand. „Wo sind wir?“

Die Türen glitten lautlos auseinander und gaben den Blick auf einen Marmorfußboden frei.

„In meinem Apartment – wo sonst?“

Maxie zuckte zusammen, und nun überschlugen sich ihre Gedanken. Wenn der Fotograf entkommen wäre, hätte er ein sehr kompromittierendes und Gewinn bringendes Foto von ihr gehabt, wie sie mit seinem Jackett um die Schultern Angelos Petronides’ Apartment betrat. Wie hatte sie nur so dumm sein können?

„Ich dachte, Sie würden mich zu Liz bringen“, gestand sie mit bebender Stimme.

Angelos zog spöttisch eine Augenbraue hoch. „Das habe ich nie behauptet … Und nach dem kleinen Intermezzo im Wagen würde ich lieber in meinem eigenen Bett mit dir schlafen.“

Ihre Zähne schlugen aufeinander, und sie bekam weiche Knie. Er behandelte sie wie ein Flittchen.

„Maxie …“, sagte er verführerisch und kam auf sie zu. „Meinst du, ich hätte mehr Achtung vor dir, wenn du vorschlagen würdest, noch eine Woche oder einen Monat zu warten? Für solche altmodischen Ansichten habe ich nichts übrig …“

„Offenbar nicht“, brachte sie hervor.

„Und ich glaube nicht, dass es dir anders geht. Wir werden von jetzt an trotzdem sechs Monate zusammen sein“, meinte er nachdenklich. „Vielleicht sogar länger. Schon lange habe ich keine Frau mehr so begehrt wie dich.“

„Versuchen Sie es mal mit einer kalten Dusche.“ Regungslos stand sie da und hob das Kinn, obwohl sie das Gefühl hatte, innerlich zusammenzubrechen. Dann straffte sie sich, sodass sein Jackett herunterfiel. „Ich bin kein hirnloses Püppchen, das Sie gleich flachlegen können …“

„Eigentlich wollte ich dich erst zum Essen ausführen …“ Eine tiefe Röte überzog seine markanten Wangenknochen.

„Aber warum sollten Sie damit Ihre Zeit verschwenden?“, beendete sie verächtlich den Satz für ihn. „Ich bin schon einigen Männern begegnet, die schnell zur Sache kommen, aber Sie schießen den Vogel ab. Ein Kuss im Wagen, und das haben Sie als Zustimmung interpretiert?“

Angelos warf den Kopf zurück und blickte sie durchdringend an. „Das Verlangen war gegenseitig und sehr stark. Erwartest du etwa, dass ich mich dafür entschuldige, wenn du darauf genauso leidenschaftlich reagiert hast?“

Maxie zuckte zusammen. „Nein … Für gewöhnlich entschuldigen Sie sich wohl nicht.“

„Ich bin sehr offen … Du bekommst, was du siehst. Du dagegen sendest widersprüchliche Signale aus und ziehst dich dann zurück. Das Problem liegt bei dir“, informierte er sie kühl. „Als ich erwachsen geworden bin, habe ich derart kindische Spielchen hinter mir gelassen.“

Obwohl sie sehr angespannt war, schaffte sie es, äußerlich gelassen zu bleiben. Doch sie verachtete ihn plötzlich zutiefst, weil sie sich ihres eigenen Verhaltens schämte.

„Ich werde nicht sagen, dass es nett war, Sie näher kennenzulernen, Angelos – ganz im Gegenteil“, verkündete sie und wandte sich ab, um zum Aufzug zu gehen.

„Verdammt … Wag es ja nicht, jetzt wegzugehen!“, rief er ihr nach. „Wer bist du, Maxie Kendall, dass du es wagst, so mit mir zu reden?“

„Das reicht jetzt“, erwiderte sie mit bebender Stimme.

„Diesmal wirst du mir zuhören“, warnte er sie und kam auf sie zu. Seine dunklen Augen funkelten herausfordernd. „Meinst du, ich wüsste nicht, dass du von einem Tag auf den anderen bei Leland eingezogen bist? Du kanntest ihn kaum. Du bist plötzlich in sein Leben getreten. Glaubst du, ich hätte nicht gemerkt, dass du dich nicht im Mindesten zu ihm hingezogen fühlst?“

Seine Worte trafen sie völlig unvorbereitet. „Ich … ich …“, begann sie stockend.

„Tatsächlich hat Leland dich zu Tode gelangweilt, und das konntest du auch nicht verbergen. Du hast seine Berührungen kaum ertragen, und trotzdem bist du drei Jahre bei ihm geblieben. Verhält sich so eine vernünftige Frau mit Prinzipien? Du hast dich für einen Schrank voller Designerklamotten verkauft …“

„Das habe ich nicht!“, brachte sie gequält hervor.

„Du bist nicht aufgewacht und hast dir gesagt ‚Ich bin mehr wert. So ein Leben habe ich nicht verdient!‘“, höhnte er. „Also erzähl mir nicht, dass ich dich falsch einschätze. Schließlich habe ich Augen im Kopf. Du hast nichts für ihn empfunden. Aber du hast dich zum Verkauf angeboten, und er konnte dich kaufen.“

Ihr wurde übel, und sie wich mit erhobenen Händen zurück, als könnte sie ihn dadurch abwehren. „Nein … nein“, sagte sie matt.

„Und ich war der verdammte Narr, der dich trotz allem begehrt hat!“ Angelos machte eine wütende Geste. „Ich wollte dich nicht kaufen … oder vielleicht wollte ich mich auch der Illusion hingeben, dass es zwischen uns nicht so sein muss … dass ich darüber hinwegsehen könnte, dass mein Geld für dich keine Rolle spielt, weil du mich auch begehrst!“

Wie erstarrt stand sie da. Er hatte sie unbarmherzig mit dem Bild konfrontiert, das er von ihr hatte, und jedes seiner Worte traf sie wie ein Stich.

„Das werde ich Ihnen niemals verzeihen“, flüsterte sie, mehr zu sich selbst. „Ich hatte kein Verhältnis mit Leland. Wir hatten eine Vereinbarung getroffen. Das Ganze war eine Farce …“

Angelos fluchte auf Griechisch. „Versuch nicht, mich für dumm zu verkaufen!“, rief er dann.

In diesem Moment verachtete Maxie sich dafür, dass sie sich überhaupt verteidigt hatte. Es deutete auf eine Schwäche hin, denn es war ihr offenbar nicht egal, was dieser überhebliche griechische Gott von ihr dachte. „Von jetzt an halten Sie sich von mir fern …“

„Du hast deine Wahl im Leben getroffen, bevor du mir begegnet bist. Was willst du jetzt?“, fragte Angelos verächtlich.

Sie unterdrückte ein hysterisches Lachen und wandte den Kopf ab, damit er die Tränen in ihren Augen nicht sah. „Nur das Übliche.“ Dann warf sie den Kopf zurück. „Und wenn das alles eines Tages hinter mir liegt, werde ich es haben. Ich würde nicht mit Ihnen schlafen, Angelos, es sei denn, Sie würden mich dazu zwingen … Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt? Was Sie wollen, werden Sie niemals bekommen.“

Wie gebannt sah er sie an.

Maxie hielt seinem Blick stand und verspürte dabei so etwas wie Genugtuung. „Schlechte Neuigkeiten, nicht? Ich werde diejenige sein, die geht.“ Obwohl sie sich der spannungsgeladenen Atmosphäre bewusst war, konnte sie nicht den Mund halten. „Aber warum sollte Sie das kümmern? Schließlich sind Sie zu echten Gefühlen gar nicht fähig …“

„Was willst du von mir?“, meinte er mühsam beherrscht. „Ich könnte eine Frau wie dich gar nicht lieben.“

„Ihre Ehrlichkeit tut wirklich weh.“ Sie zitterte am ganzen Körper, ohne sich dessen bewusst zu sein. „Aber trotz allem begehren Sie mich, stimmt’s? Und wissen Sie was, Angelos? Es freut mich, das zu wissen.“

Angelos presste die Lippen zusammen, und seine Augen funkelten vor Zorn.

„Danke, Sie haben gerade Wunder vollbracht, was meine Selbstachtung betrifft“, informierte sie ihn stockend.

„Du kannst ein richtiges Miststück sein … Das ist mir vorher noch nie aufgefallen. Also, nenn mir den Preis für eine Nacht in deinem Bett. Was, glaubst du, bist du wert?“

Seine Worte trafen sie wie ein Peitschenschlag. Maxie verspannte sich, und in ihre Augen trat ein hasserfüllter Ausdruck. „Da können Sie nicht mitbieten.“ Angewidert musterte sie Angelos von oben bis unten. „Ich möchte sehr viel mehr als einen Schrank voller Designerklamotten. Ich lerne aus meinen Fehlern, Angelos. Der nächste Mann, mit dem ich zusammenlebe, wird mein Ehemann sein …“

Zu ihrer Genugtuung wurde er aschfahl. „Falls du auch nur einen Moment lang glaubst, dass ich …“

„Natürlich würden Sie das nicht tun“, unterbrach sie ihn kühl. „Aber jetzt dürfte Ihnen klar sein, warum ich Ihnen nicht zur Verfügung stehe. Eine Frau kann gar nicht vorsichtig genug sein. Mit einem lüsternen griechischen Milliardär in Verbindung gebracht zu werden könnte meinem neuen Image sehr schaden.“ Dann ging sie hocherhobenen Hauptes an ihm vorbei und betrat den Lift.

Erst auf der Straße merkte sie, dass sie am ganzen Körper zitterte und daher kaum einen Fuß vor den anderen setzen konnte. So beschloss sie, ausnahmsweise ein Taxi zu nehmen. Ihr schwirrte der Kopf …

Wie konnten zwei Menschen, die sich kaum kannten, sich derart zerfleischen? Wie hatte sie nur so zickig sein können? Wie hatte sie Spaß daran finden können, sich gegen Angelos zu wehren und ihn damit zur Weißglut zu bringen? Und dennoch fühlte sie sich bei der Erinnerung daran hundeelend und erstaunlich leer …

Angelos Petronides hatte sie fertiggemacht, aber nun würde er sie nicht mehr belästigen, wie sie sich einredete. Selbst der hartgesottenste Mann würde sich so etwas nicht noch einmal freiwillig zumuten. Angelos hatte geglaubt, sie würde bereitwillig mit ihm ins Bett gehen und ihr Glück kaum fassen können. Stattdessen hatte sie ihm einen gehörigen Dämpfer verpasst – und trotzdem verspürte sie ein verwirrendes Gefühl des Verlusts.

Maxie verdrängte jedoch den Gedanken daran und ärgerte sich über ihre eigene Dummheit. Sie hatte sich wie ein Teenager verhalten, der bis über beide Ohren verknallt war und dagegen ankämpfte.

Sie war ganz verrückt nach Angelos gewesen, hatte es sich aber erst eingestanden, als es zu spät war. „Ich habe durchaus gemerkt, dass Sie sich für mich interessieren.“ Hätte sie dieser Anziehungskraft nachgegeben, wäre sie geradewegs in eine Katastrophe geschlittert. Ihr war selbst klar, dass sie es sich nicht leisten konnte, noch mehr Fehlentscheidungen zu treffen. Wäre sie seine Geliebte geworden, wäre sie doch nur vom Regen in die Traufe gekommen!

Natürlich hatte Angelos ihr nicht geglaubt, als sie ihm die Wahrheit über ihr Verhältnis zu Leland gesagt hatte. Er hatte sich ja nicht einmal die Mühe gemacht, ihr zuzuhören. Und sie hatte sich nicht zum Narren machen wollen, denn vermutlich hätte er sich nur durch einen medizinischen Beweis für ihre Jungfräulichkeit überzeugen lassen – falls es so etwas überhaupt gab. Ihr wurde übel. Selbst wenn sie in Versuchung geraten wäre – was nicht der Fall gewesen war –, hatte er wirklich gedacht, sie würde glauben, dass sie ihn sechs Monate halten würde?

„Ein Mann wird einem Mädchen, das so aussieht wie du, alles erzählen, um es ins Bett zu bekommen“, hatte ihr Vater sie einmal gewarnt. „Derjenige, der bereit ist zu warten, der sich mehr für deine Gefühle interessiert, ist der, dem du tatsächlich etwas bedeutest.“

Sein Rat hatte sie verlegen gemacht, denn zu dem Zeitpunkt wurde sie bereits mit den Nachteilen ihres Aussehens konfrontiert. Freundinnen hatten sie fallen lassen, weil die Jungen sich nur für sie interessierten. Erwachsene Männer hatten sich an sie herangemacht.

Eine Stunde nachdem sie wieder bei Liz eingetroffen war, klingelte des Telefon. Am Apparat war Catriona Ferguson, die Leiterin der Agentur Star, die sie mit achtzehn unter Vertrag genommen hatte.

„Ich habe keine guten Neuigkeiten für dich, Maxie“, teilte sie ihr in ihrer forschen Art mit. „Die PR-Leute bei LFT haben sich gegen eine weitere Anzeigenkampagne mit dir entschieden.“

„Damit hatten wir ja gerechnet“, erwiderte Maxie und seufzte resigniert.

„Leider habe ich nichts anderes für dich. Das überrascht mich eigentlich nicht, denn man bringt dich zu sehr mit einem Produkt in Verbindung. Ich hatte dich davor gewarnt, und um ehrlich zu sein, haben die Berichte über dich in der Regenbogenpresse dir nicht gerade zum Vorteil gereicht.“

Ein Monat war vergangen, seit sie, Maxie, aus Lelands Stadthaus ausgezogen war. Seitdem hatte sie nicht gearbeitet, und nun sah es so aus, als würde sie sich einen anderen Job suchen müssen, denn sie hatte kaum noch Geld. Sie konnte es sich nicht leisten, auf einen Auftrag zu warten, und genauso wenig konnte sie Catriona einen Vorwurf machen. Immer wieder hatte diese ihr geraten, Aufträge in der Modebranche anzunehmen, doch Leland hatte ihre Zeit vollauf beansprucht.

Stunden später saß Maxie fröstelnd vor dem Radiator in Liz’ Wohnzimmer und grübelte. Angelos war aus ihrem Leben verschwunden. Damit war ein Problem gelöst. Sie kratzte sich am Arm, weil es dort juckte, und stellte dann überrascht fest, dass sie Ausschlag an der Stelle hatte.

Sie konnte sich nicht entsinnen, etwas gegessen zu haben, das sie nicht vertragen hatte, denn nach dem Frühstück hatte sie nur ein halbes Sandwich zu sich genommen, weil sie überhaupt keinen Appetit hatte. Irgendwann schlief sie auf dem Sofa ein. Als sie mitten in der Nacht aufwachte, ging sie ins Gästezimmer, zog sich aus und sank ins Bett.

Als Maxie am nächsten Morgen aufwachte, fühlte sie sich nicht besonders gut. Beim Zähneputzen warf sie einen Blick in den Spiegel, den Liz für Besucher angebracht hatte, und erstarrte. Auch auf der Stirn hatte sie Ausschlag. Es sah aus wie … Windpocken. Aber Windpocken bekamen nur Kinder, oder?

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