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Schottland - Heimat meiner Träume, Band 8

Jacqueline Gilbert, Catherine O’Connor, Carole Mortimer

Schottland - Heimat meiner Träume, Band 8

Schottland - Heimat meiner Träume

JACQUELINE GILBERT

Wenn im Hochland die Heide blüht

Ist es mehr als nur ein Urlaubsflirt? Bang fragt Patricia sich, ob der faszinierende Arzt Alexander Brandon ihre leidenschaftlichen Gefühle erwidert. Denn aus ihrer zufälligen Begegnung in den wunderschönen Bergen Schottlands wurde für sie schnell Liebe. Aber der Abschied naht – und noch weiß sie nicht, ob Alexander ihre Romanze auch im Edinburgher Alltag weiterführen möchte ...

Catherine O’Connor

Unser schottischer Frühling

Keinen ihrer zärtlichen Küsse hat Bill je vergessen und sich sechs lange Monate nach Fiona gesehnt. Nun sieht er die Chance, sie zurückzuerobern. Als er erkennt, dass auch Fiona ihm noch zärtliche Gefühle entgegenbringt, scheint das Glück zum Greifen nah. Doch dann stellt Eifersucht ihre Liebe erneut auf eine harte Probe ...

CAROLE MORTIMER

Das Schloss in Schottland

Die Journalistin Catherine muss für ihr neues Buch unbedingt den Filmmogul Kevin Steele treffen, doch er weicht ihr immer aus. Endlich wittert Catherine ihre Chance:Während des gemeinsamen Aufenthalts auf einem schottischen Schloss kommen sie sich näher. Doch längst träumt die Journalistin nicht mehr von dem Interview, sondern von Liebe ...

Jacqueline Gilbert

Wenn im Hochland die Heide blüht

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1. KAPITEL

Von Edinburgh in nördliche Richtung fuhr ein zweisitziger zitronengelber Morgan mit heruntergeklapptem Verdeck. Hinter dem Steuer saß eine junge Frau mit langen wehenden Haaren und sang aus voller Kehle.

Patricia Quinn spürte, dass sich ihre gute Laune mit jeder Meile weiter verbesserte. Sie hatte eine anstrengende Woche hinter sich und war jetzt auf dem Weg in ihr geliebtes Ardneath. Wenigstens für kurze Zeit wollte sie ihre Alltagssorgen vergessen.

Immer noch ihr Liedchen trällernd, beobachtete sie den Nebel, der sich vor den grauroten Bergen zusammenzog. Das schöne Wetter würde wohl nicht mehr lange vorhalten.

Doch es war mehr als nur ein Wetterumschwung nötig, um Patricias gute Laune zu verderben. Sie war auf dem Weg zu ihrem kleinen Bauernhaus am Ufer des Loch Rhu, wo sie ihre Kindheit verbracht hatte. Gemessen an modernen Maßstäben, war es nur eine primitive Behausung. Man musste das Wasser aus einem Brunnen pumpen, und statt elektrischen Lichts gab es nur Öllampen. Trotzdem hatte Patricia keine Probleme mit dem einfachen Leben in Cluny Cottage. Genau wie das Land um Loch Rhu gewann auch ihr Bauernhaus durch diese Einfachheit erst seinen Charme.

„Die Liebe kommt, die Liebe geht“, sang Patricia übermütig. Doch dann hörte sie plötzlich ein Geräusch, das sie innehalten ließ. Ihr Morgan hatte sehr verdächtig geruckelt.

Sie horchte aufmerksam auf das Geräusch des Motors und überflog die Instrumente am Armaturenbrett. Soweit sie sehen konnte, war alles in Ordnung. Patricia entspannte sich wieder, aber dann ruckelte der Wagen erneut. Der Motor verlor an Drehzahl, tuckerte und setzte dann ganz aus. Patricia fluchte und ließ den Wagen am Fuß einer Steigung ausrollen.

„Komm schon“, sagte sie und drehte hoffnungsvoll den Zündschlüssel herum. Doch der Motor reagierte nicht. Patricia sah nach oben und bemerkte, dass sich die Wolken verdichteten. Außerdem war es merklich kälter geworden.

Patricia kramte in ihrer Reisetasche und holte einen Sweater hervor, den sie über ihr T-Shirt zog. Dann stieg sie aus, zog das Verdeck zu und sicherte es. Es blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als den Motor zu untersuchen und zu hoffen, dass sie den Fehler fand.

Sie öffnete die Klappen zu beiden Seiten des Motorraums und betrachtete aufmerksam alle Einzelteile. Es war nichts zu sehen, und stirnrunzelnd überprüfte Patricia noch einmal jedes Einzelteil. Ohne Erfolg. Seufzend knallte sie die Hauben wieder zu und betrachtete ratlos ihren Morgan. Dann sah sie die Straße hinauf und wieder hinunter, und zum ersten Mal fand sie keinen Gefallen an den Bergen, die sie nach allen Seiten umgaben. Es war weit und breit keine Menschenseele in Sicht.

„Soll ich warten oder laufen?“, fragte Patricia sich und blickte wieder auf den Morgan, der normalerweise ihr ganzer Stolz war. Wenn sie sich recht erinnerte, war die nächste Tankstelle mindestens fünf Meilen von hier entfernt. Sie warf einen skeptischen Blick zum Himmel und entschied, dass es klüger wäre, im Wagen zu warten.

Früher oder später wird bestimmt jemand vorbeikommen, dachte sie hoffnungsvoll und stieg ein. Dann machte sie es sich so bequem wie möglich und stellte sich auf ein längeres Warten ein.

Patricia machte sich nicht unbedingt Sorgen. Jedenfalls noch nicht. Sie war seit langem daran gewöhnt, auf eigenen Beinen zu stehen, und hatte es in der Vergangenheit bereits mit schwierigeren Situationen zu tun gehabt.

Sie sah in den Rückspiegel, aber die Straße blieb leer. Als Patricia im Spiegel ihr eigenes Gesicht sah, musste sie lachen. Im offenen Sportwagen konnte die Frisur tatsächlich sehr leicht in Unordnung geraten. Doch obwohl Patricia einen Kamm dabeihatte, sah sie sich nicht veranlasst, ihr Haar wieder zu richten.

Mit ihren braunen Augen, der leichten Stupsnase und den vereinzelten Sommersprossen wirkte Patricia Quinn wie eine unangepasste Schönheit. Der schmale Mund und das ausgeprägte Kinn ließen auf eine starke Willenskraft, gepaart mit einer gehörigen Portion Humor, schließen. Sie hatte langes blondes Haar, das sie für die Fahrt an einer Seite mit einer großen Klammer hochgesteckt hatte. Wie man es von einer Frau erwarten konnte, die Kunst und Textilgestaltung studiert hatte, war ihre Kleidung ein besonderer Blickfang und brachte ihre attraktive Figur sehr vorteilhaft zur Geltung.

Bis vor kurzem hatte sie in ihrem Leben keine ernsthaften Schwierigkeiten gehabt. Es waren lediglich die üblichen Probleme gewesen, die mit der Gründung ihres eigenen Unternehmens zu tun gehabt hatten. Anastasia Designs – Patricia hatte das Geschäft nach ihrem zweiten Vornamen benannt, und langsam wurde es auch zur Kenntnis genommen. Jedenfalls hatte sie in letzter Zeit einige interessante Aufträge an Land ziehen können.

Doch dann waren Probleme mit ihrem neuen Vermieter aufgetaucht. Das Gebäude, in dem sie lebte und arbeitete, war vor kurzem an ein Investmentunternehmen verkauft worden, und die neuen Besitzer wollten sie so schnell wie möglich hinaushaben. Sie hatten Patricia angeboten, ihr die restliche Miete zu erlassen, aber sie hatte das Angebot abgelehnt. Vor allem in die Einrichtung des Studios hatte sie sehr viel Arbeit investiert, und sie wollte nicht woanders wieder von vorn beginnen. Nein, man würde sie schon zwingen müssen, bevor sie aus ihrer Wohnung auszöge.

Patricia versuchte, die Gedanken an ihre Alltagssorgen zu verscheuchen, da erinnerte sie ein knurrender Magen daran, dass sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie gerade erst eine halbe Stunde gewartet hatte.

Und dann hörte sie es. Es war ein entferntes Motorengeräusch, das schnell näher kam. Patricia riss die Tür auf und stürzte aus dem Morgan. Über den Seitenstreifen rannte sie nach vorn und winkte lebhaft mit beiden Armen.

Das Geräusch wurde lauter, und kurz darauf sah Patricia auf der Hügelkuppe den weißen Umriss eines Wagens, der sehr schnell auf sie zufuhr. Ohne das Tempo zu verändern, raste der Wagen an ihr vorbei, und Patricia schrie ihm verächtlich hinterher.

Doch im gleichen Moment leuchteten die Bremslichter auf, und der Wagen hielt. Er setzte zurück und blieb nur wenige Meter vor dem Morgan stehen.

Mit wehendem Rock rannte Patricia den Seitenstreifen zurück und stellte sich neben ihren Morgan. Erst jetzt ging ihr auf, dass sie allein in dieser Einöde möglicherweise einer großen Gefahr ausgesetzt war.

Der weiße Wagen war ein Jaguar. Als der Besitzer ausstieg, musterte Patricia ihn mit einem schnellen Blick. Plötzlich gingen ihr all die Warnungen durch den Kopf, die man allein reisenden Frauen normalerweise vorhält, und spontan langte sie in den Wagen. In dem Seitenfach der Wagentür tastete sie nach einem Schraubenschlüssel und steckte ihn schnell in ihre Rocktasche.

Der Fremde sah allerdings nicht gerade wie ein Gewalttäter aus. Er wirkte eher wie jemand, der es eilig hatte und den sein schlechtes Gewissen veranlasst hatte anzuhalten. Als er sich dem Morgan näherte, fielen die ersten Regentropfen.

„Brauchen Sie Hilfe?“, fragte er abrupt. „Was ist passiert?“

Er hatte einen amerikanischen Akzent, und sein Tonfall war nur mäßig höflich. Nein, er war offenkundig kein Kavalier der Landstraße, der es sich zur Pflicht machte, einer in Not geratenen Dame zu Hilfe zu eilen. Nun, dann war Patricia andererseits auch nicht verpflichtet, die Rolle der Dame zu spielen.

„O nein“, erwiderte sie überfreundlich. „Ich mache hier nur meine tägliche Gymnastik. Und wenn ich wüsste, was passiert wäre, dann brauchte ich Sie wohl kaum um Hilfe zu bitten.“

Der Mann hob die Brauen und sah Patricia zum ersten Mal näher an. Dann hob er abwehrend die Hände. „Schon gut, das war eine dumme Frage. Was ist wirklich geschehen?“

„Der Wagen ist aus unerfindlichen Gründen stehen geblieben.“ Sie machte eine kurze Pause und fügte dann hinzu: „Verstehen Sie etwas von Motoren?“

„Ein wenig“, erwiderte er lakonisch. Er schaute auf den Morgan, der in seiner strahlend gelben Pracht dastand. Dann ging er zur Frontseite und legte die Hände auf die Haube. „Am besten öffnen wir einmal die Haube, ja?“

Er ist wirklich ein Amerikaner, dachte Patricia. Sie sah zu, wie er die Haube aufstellte und die gleiche Prozedur durchging, die sie vorhin selbst vorgenommen hatte. Offenbar kannte er sich wirklich mit Motoren aus. Ein- oder zweimal sah er flüchtig zu ihr herüber, aber dann beugte er sich wieder schweigend über den Motor.

Bestimmt glaubt er, ich sei eins von diesen dummen Blondchen, dachte Patricia. Obwohl sie sich inzwischen an dieses Vorurteil gewöhnt hatte, ärgerte sie sich manchmal immer noch darüber. Patricia wusste, dass sie trotz ihrer siebenundzwanzig Jahre für wesentlich jünger gehalten wurde. Doch wenn der Mann den Morgan wieder in Gang brachte, konnte er über sie denken, was er wollte.

„Soweit ich es beurteilen kann, ist hier nichts kaputt“, sagte er jetzt und sah auf den Motor.

„Das habe ich vorhin auch herausgefunden“, erwiderte Patricia ausdruckslos.

Als er sie ansah, wusste Patricia, dass sie unvernünftig war, so etwas zu sagen. Sie fragte sich, welcher Teufel sie wieder einmal ritt.

„Dann verstehen Sie auch etwas von Motoren?“, erkundigte sich der Fremde gedehnt.

„Etwas“, antwortete Patricia. Sie konnte sich vorstellen, dass er damit nicht gerechnet hatte. Er ließ sich jedoch nichts anmerken, sondern richtete sich gerade auf und besah sich seine ölverschmierten Hände. Dann zog er ein blütenweißes Taschentuch aus der Brusttasche seines tadellosen Anzugs, auf dem der Regen inzwischen einige deutliche Flecke gebildet hatte.

„Warten Sie“, rief Patricia. „Ich glaube, ich habe schon genug Schaden verursacht. Sie brauchen nicht auch noch Ihr Taschentuch zu ruinieren. Nehmen Sie das hier.“

Sie beugte sich in das Wageninnere und holte einige Lagen Papierhandtücher hervor. „Das ist wirklich blöd“, fuhr sie fort. „Wir werden beide nass, und möglicherweise ist alles umsonst. Könnten Sie mich nicht bis zur nächsten Tankstelle mitnehmen? Sie ist nicht weit von hier und …“

„Versuchen Sie zu starten“, unterbrach er sie und trat einen Schritt zurück.

Er gibt gern Befehle, dachte Patricia und musste sich zwingen, ruhig zu bleiben. Schließlich konnte sie ihm in ihrer Situation wirklich nicht vorhalten, dass ein gelegentliches Danke oder Bitte die Angelegenheit erheblich erleichtern würde. Im Übrigen war es ja seine Sache, ob er sich den Anzug oder seine Gesundheit ruinieren wollte.

Patricia glitt hinter das Lenkrad und tat, wie der Fremde befohlen hatte. „Wenn du jetzt anspringst“, sagte sie leise zu dem Morgan, „werde ich es dir nie verzeihen.“ Sie wusste, dass dieser Wunsch eigentlich unsinnig war, denn der Sinn der ganzen Übung bestand ja gerade darin, den Wagen wieder in Bewegung zu setzen. Patricia wäre jedoch vor Scham im Erdboden versunken, wenn der Fremde mit den gleichen Handgriffen mehr Erfolg gehabt hätte als sie selbst.

Durch die regennasse Windschutzscheibe sah sie, wie der Mann den Kopf hob und ihr zunickte. Sie drehte den Zündschlüssel, aber der Motor reagierte nicht. Patricia versuchte es noch zwei weitere Male, aber nichts geschah.

Der Fremde kam neben sie, legte schweigend die Hände auf das Verdeck und blickte auf das Armaturenbrett, als sei nur dort die Lösung des Problems zu finden.

Es gefällt ihm nicht, wenn er sich geschlagen geben muss, dachte Patricia mit heimlicher Genugtuung. Doch im gleichen Moment fragte sie sich, warum sie sich darüber freute. Dieser Mann hatte etwas, das sie gleichzeitig anzog und wütend machte, und dieses widersprüchliche Gefühl war ihr äußerst unangenehm. Sie nahm sich fest vor, in Zukunft kooperativer zu sein.

„An Ihrer Stelle würde ich mich in meiner Haut nicht sehr wohlfühlen“, sagte der Mann plötzlich und sah Patricia an.

„Ja, natürlich“, antwortete Patricia, als würde sie mit einem kleinen Kind reden. „Autos sind dafür gebaut, zu fahren und …“

„Ich spreche nicht von dem Wagen“, unterbrach er sie. „Ich rede davon, dass Sie mitten auf einer einsamen Landstraße einfach einen fremden Mann um Hilfe bitten. Ich könnte wer weiß wer sein.“

„Das sind Sie aber nicht“, erwiderte Patricia. Im gleichen Moment spürte sie, dass sie rot wurde. Allerdings lag das nicht daran, dass der Mann recht hatte, sondern daran, dass er sie wie ein kleines Mädchen behandelte.

„Das konnten Sie aber nicht wissen.“

„Natürlich nicht. Aber was blieb mir denn anderes übrig? Sollte ich Sie etwa vorbeifahren lassen und warten, bis jemand kommt, den ich kenne? Ich bin mir der Gefahr sehr wohl bewusst.“ Sie seufzte. „In Zukunft werde ich eben nur noch mitten in einer Großstadt eine Panne haben.“

Der Mann antwortete nicht, sondern ging wieder nach vorn und beugte sich über den Motor.

Patricia holte tief Luft. Natürlich befand sie sich nicht unbedingt in einer günstigen Lage. Aber das wusste doch jeder Idiot. Sie spürte den Schraubenschlüssel in der Rocktasche und legte ihn zurück in das Seitenfach der Wagentür. Wahrscheinlich hätte sie den Fremden damit sowieso nicht beeindrucken können. Sie schaute nach vorn und begann sich den Mann ein wenig näher anzusehen.

Er war über einsachtzig groß, schlank, und seine Miene wirkte irgendwie geheimnisvoll. Sein dichtes dunkelbraunes Haar war kurz geschnitten. Aus den Linien, die zu beiden Seiten des Mundes eingegraben waren, schloss Patricia, dass er in seinem Leben auch schon mit widrigen Umständen zu tun gehabt hatte. Er wirkte sehr attraktiv, war aber eigentlich nicht ihr Typ. Er hatte etwas, das sie eher gegen ihn einnahm.

Als er aufsah, ertappte er sie dabei, wie sie ihn anstarrte. Sein Blick irritierte Patricia. Es kam ihr vor, als hätte er ihre Gedanken erraten, und das war ihr äußerst unangenehm. Andererseits erregte dieser Umstand auch eine gewisse Neugier in ihr.

Sie öffnete die Tür und stieg aus. „Ich kann Ihre Zeit unmöglich noch länger in Anspruch nehmen“, sagte sie fest. „Ich glaube wirklich, dass es praktischer wäre, wenn ich den Wagen hier stehen ließe und Sie mich bis zur nächsten Tankstelle mitnähmen.“

Sie verstummte, denn der Mann beachtete sie überhaupt nicht. Ungeachtet der schlechten Witterung stand er da und blickte zu den Hügeln in der Ferne. Man konnte förmlich sehen, wie er nachdachte.

Offenbar will er eine Sache immer bis zum Ende verfolgen, dachte Patricia. Ihr gefiel diese Eigenschaft, denn sie besaß sie ebenfalls. Trotzdem war sie der Meinung, dass es jetzt genug war.

„Wollen wir also fahren?“, schlug sie vor.

Er drehte sich um und sah Patricia ernst an. Dann fragte er mit ahnungsvollem Unterton in der Stimme: „Sie haben doch sicher noch genug Benzin im Tank?“

Patricias Sympathien für den Fremden waren mit einem Schlag verschwunden. „Ich sehe vielleicht aus wie ein kleines Dummchen, aber ich kann Ihnen versichern, dass ich die Tankanzeige genauso gut lesen kann wie ein Mann.“

Er taxierte sie einen Moment aufmerksam und erwiderte dann: „Sie sehen bestimmt nicht aus wie ein kleines Dummchen, aber selbst ein Mann macht ab und zu einen Fehler.“ Er öffnete die Fahrertür und sah zum Himmel. „Steigen Sie ein“, forderte er sie auf. „Es reicht, wenn einer von uns nass wird.“

Patricia blieb, wo sie war. „Hat man Ihnen eigentlich schon gesagt, dass Sie ziemlich herrschsüchtig sind?“

„Häufig. Aber hat man Ihnen schon gesagt, dass Sie ziemlich stur sind?“

Patricia warf ihm einen unfreundlichen Blick zu, tat ihm dann aber den Gefallen. Über den nackten Beinen fühlte sich ihr Kleid bereits ziemlich feucht an, und weiter oben tropfte ihr der Regen unablässig in den Kragen. Doch sie wollte verflucht sein, wenn sie dem Mann zeigte, dass ihr das etwas ausmachte. Wenn es darauf ankäme, konnte sie genauso stur sein wie er.

Er griff ins Wageninnere und drehte den Zündschlüssel herum. Sie sahen, dass die Nadel der Tankanzeige bis kurz unter die Hälfte der Markierung kroch. Patricia lächelte zufrieden, aber der Fremde hielt ihrem triumphierenden Blick stand. Er hatte graue Augen, stellte Patricia fest. Und sie waren so hell, wie sie es noch nie gesehen hatte.

„Dort, wo ich herkomme“, bemerkte er ruhig, „kann es sehr gefährlich sein, sich auf die Tankanzeige zu verlassen. Es ist manchmal besser, den Verbrauch im Kopf nachzurechnen.“

„Tatsächlich?“, fragte Patricia neugierig. „Und wo kommen Sie her?“

„Aus Kanada.“ Er sah sie nachdenklich an. „Wie weit sind Sie seit dem letzten Tanken gefahren?“

Patricia wäre vor Scham am liebsten im Erdboden versunken. Doch der Fremde fragte unbarmherzig: „Meilen pro Tankfüllung, Miss?“

„Ich weiß, was Sie meinen“, fuhr Patricia auf und rechnete verzweifelt nach. „Es ist tatsächlich möglich“, sagte sie schließlich, „dass ich kein Benzin mehr habe.“

Es entstand eine kurze Pause, in der nur die aufklatschenden Regentropfen auf dem Verdeck zu hören waren. „Ich verstehe.“ Die Stimme des fremden Mannes klang völlig nüchtern. „Dann sollten wir das vielleicht überprüfen?“

„Ja, vielleicht“, stimmte Patricia kleinlaut zu. Und als er nach hinten gehen wollte, fügte sie hinzu: „Das ist mir ausgesprochen peinlich.“

„Das bezweifle ich. Sie sehen aus, als könnten Sie sich aus jeder Verlegenheit herausreden. Den Schlüssel bitte, damit ich das Tankschloss öffnen kann.“ Er streckte ihr die Hand durch das Seitenfenster entgegen, und Patricia reichte ihm schweigend den Schlüssel.

Sie wartete und hoffte, dass er sich irrte. Kein Benzin mehr! Das war die erste und einfachste Möglichkeit, an die man normalerweise immer dachte, wenn der Wagen auf unvorhergesehene Weise stehen blieb. Warum war sie nicht selbst auf die Idee gekommen, die gefahrenen Meilen zu überprüfen? Sie hätte dann wahrscheinlich schnell gemerkt, dass die Tankanzeige nicht funktionierte.

„Achtung!“, hörte sie den Fremden rufen, und dann wurde der Morgan einige Male heftig hin und her geschüttelt. Kurz darauf erschien der Mann aus Kanada wieder am Seitenfenster und reichte Patricia den Schlüssel zurück. Sie schaltete die Zündung ein, und sie sahen gebannt auf das Armaturenbrett. Die Tankanzeige blieb auf der Position „Reserve“ stehen.

Es entstand eine kurze Pause, und dann meinte der Fremde: „Ich glaube, jetzt haben wir den Fehler gefunden.“

Patricia starrte auf die Nadel, als ließe sie sich durch pure Willenskraft in Bewegung bringen. Aber das war natürlich vergeblich. Allem Anschein nach hatte der Fühler im Tank geklemmt und war durch das Schütteln des Morgans wieder frei geworden. „Vielen Dank für Ihre Hilfe“, sagte Patricia tonlos und starrte durch die Windschutzscheibe nach vorn. Die Sache war ihr sehr peinlich.

„Es ist immer etwas bitter, wenn einem demonstriert wird, wie dumm man gewesen ist.“

Patricia fuhr herum und blickte in sein belustigtes Gesicht. Und da musste sie ebenfalls lachen.

„Sie haben das Recht, so etwas zu behaupten“, sagte sie. „Ich bin ja selbst wütend auf mich. Wie konnte so etwas bloß passieren?“

„Das kann wirklich jedem passieren.“

Sie sah ihn skeptisch an. „Ich wette, Sie haben so etwas noch nie erlebt.“

„O doch. Und zwar in einer viel schwierigeren Situation, das versichere ich Ihnen. Ich glaube, so etwas muss jeder einmal mitgemacht haben, damit er sich nicht allzu sehr auf die Technik verlässt.“

„Sie sind sehr großzügig.“ Patricia zuckte die Schultern. „Trotzdem muss ich Sie jetzt bitten, mich bis zur nächsten Tankstelle mitzunehmen. Ich werde mir dort einen Kanister Benzin besorgen und mich anschließend von einem Mechaniker zurückfahren lassen.“

Der Fremde richtete sich gerade auf. „Das ist nicht nötig. Ich habe einen Reservekanister dabei.“

„Sehr vorsorglich“, erwiderte Patricia spöttisch. „Ich wette, Sie haben auch noch eine Notration Verpflegung mitgenommen.“ Sie sah ihn herausfordernd an. „Sind Sie immer so gut organisiert? Es muss schrecklich sein, mit einem solchen Mann zusammenzuleben.“

„Das sagt meine Familie auch immer.“ Er lächelte, und auf einmal bekamen seine harten Züge etwas sehr Weiches.

„Puh!“ Als der Mann zu seinem Wagen ging, musste Patricia tief durchatmen. Dieses Lächeln war allerdings etwas. Selten, aber nicht ohne Feuer. Patricia rechnete ihm hoch an, dass er ihr keine allzu großen Vorwürfe gemacht hatte, nachdem er herausgefunden hatte, weshalb der Morgan liegen geblieben war. Sie sah zu, wie er den Kofferraum seines Jaguars öffnete und sich dann darüber beugte. Zwar hatte der Regen inzwischen aufgehört, um den Anzug des Fremden war es aber geschehen. Doch offenbar störte ihn das nicht besonders.

Mit dem Reservekanister in der Hand schritt er auf den Morgan zu, und als er an dem offenen Seitenfenster vorbeikam, warf er etwas in Patricias Schoß. Es war ein Apfel mit leuchtend roter Schale. Patricia lächelte, rieb ihn an ihrem Sweater ab und biss hinein. Als der Mann zurückkam, hatte sie die Frucht zur Hälfte aufgegessen.

„Versuchen Sie noch einmal zu starten. Wir wollen sehen, ob es dieses Mal klappt.“

Patricia nickte. Sie drehte den Zündschlüssel mehrere Male herum, und dann sprang der Motor endlich an. Erleichtert wandte sich Patricia an den Fremden. „Wunderbar!“, sagte sie überschwänglich. „Ich bin Ihnen wirklich zu großem Dank verpflichtet.“

„Vergessen Sie’s“, erwiderte er abwehrend. „Denken Sie nur daran, den Tankfühler so schnell wie möglich zu reparieren.“

„Das werde ich bestimmt tun“, erwiderte sie und griff zu ihrer Geldbörse. „Ich muss Ihnen noch das Benzin bezahlen.“

„Keine Ursache.“

Patricia sah ihn überrascht an. „Das will ich aber nicht“, widersprach sie.

„Und warum nicht?“

„Nun, ich …“ Zum ersten Mal wusste Patricia nicht, was sie sagen sollte. „Weil ich Sie doch überhaupt nicht kenne. Ich meine, wir sind Fremde und …“

„Das lässt sich leicht ändern. Alexander Brandon.“ Er streckte die Hand durch das Fenster, und Patricia drückte sie. „Patricia Quinn“, erwiderte sie. „Trotzdem, Mr. Brandon. Ich sehe nicht ein, weshalb Sie meinetwegen Auslagen haben sollten. Ich stehe auch so schon genug in Ihrer Schuld. Ich würde wirklich gern das Benzin bezahlen.“

Eigentlich war es natürlich lächerlich, sich über eine Gallone Benzin zu streiten, aber Patricia fühlte sich diesem Mann gegenüber irgendwie schuldig. Schließlich war er nicht verpflichtet, sich so großzügig zu zeigen.

„Ich weiß“, erwiderte er und lächelte ironisch. „Wie ich sehe, sind Sie eine unabhängige Frau, Miss Quinn. Aber ab und zu müssen Sie uns Männern das Gefühl lassen, wir könnten es mit ein wenig Ritterlichkeit noch zu etwas bringen. Jedenfalls hebt das unsere Moral und gibt uns ein gutes Gefühl. Stiften Sie das Geld lieber einer gemeinnützigen Einrichtung, wenn Ihnen danach ist.“ Er neigte den Kopf zur Seite und horchte auf das Geräusch des Motors. „Er läuft einwandfrei.“ Brandon nickte anerkennend. „Ich schätze diesen Wagen. Haben Sie es noch weit?“

Patricia steckte die Börse zurück in ihre Reisetasche und gab sich geschlagen. „Ich fahre nach Glen Rhu“, erwiderte sie. „Kennen Sie den Ort?“

Er nickte. „Ich werde noch ein paar Meilen hinter Ihnen herfahren. Man kann ja nie wissen. Sicher ist sicher.“

Patricia wollte protestieren, aber seiner Miene war anzusehen, dass jeder Widerstand zwecklos war.

„Auf Wiedersehen, Mr. Brandon“, sagte sie stattdessen. „Vielen Dank für Ihre Hilfe, das Benzin und den Apfel.“ Sie hielt die halb gegessene Frucht hoch.

„Schön, dass ich Ihnen behilflich sein konnte.“ Er beobachtete sie mit leicht geneigtem Kopf, und um seinen Mund erschien wieder die Andeutung jenes Lächelns, das Patricia vorhin so bewundert hatte. „Nennt man Sie eigentlich manchmal auch Pattie?“

Patricia sah ihn entgeistert an. „Wenn das jemand versuchen würde, könnte er sich auf etwas gefasst machen.“

Brandon hob die Brauen. „Nicht einmal unter außergewöhnlichen Umständen?“, fragte er mit ironischem Unterton.

„Niemals“, antwortete Patricia fest und ärgerte sich, dass sie rot geworden war. „Niemand nennt mich Pattie.“

„Schade.“ Alexander Brandon verbeugte sich leicht. „Auf Wiedersehen, Miss Quinn“, sagte er und ging zurück zu seinem Wagen. Als er dort angekommen war, hob er wie zum Salut die Hand an die Stirn und stieg dann ein.

„Meine Güte“, sagte Patricia. „Einen Moment habe ich geglaubt, er würde es wirklich versuchen.“ Sie schüttelte den Kopf und musste lachen. „Pattie! Ich frage mich nur, weshalb ich so rot werden musste.“

Als sie hörte, dass er den Motor seines Wagens anließ, legte sie den Gang ein und fuhr los. Im Rückspiegel verfolgte sie, wie er hinter ihr einscherte, aber dann konzentrierte sie sich auf die nasse Straße und die zahlreichen Kurven. Schließlich hatte sie nicht vor, sich noch mehr zu blamieren und eventuell im Abgrund zu landen.

Nur hin und wieder blickte sie in den Rückspiegel, aber der weiße Jaguar hielt einen ausreichenden Sicherheitsabstand. Es begann zu regnen, und sie schaltete die Scheibenwischer an. Ich hätte ihm noch anbieten sollen, die Reinigung des Anzugs zu bezahlen, dachte sie. Allerdings zweifelte sie daran, dass er das zugelassen hätte.

Pattie! Wie schrecklich. Obwohl … Mit seinem kanadischen Akzent klang es gar nicht so übel.

Alexander. Ob seine Freunde ihn Alex nannten? Seltsam. Es war lange her, dass ein Mann so widersprüchliche Gefühle in ihr ausgelöst hatte. Wenn sie sich unter anderen Bedingungen begegnet wären, beispielsweise auf einer Party, dann hätte Patricia vielleicht versucht, etwas Näheres über ihn herauszufinden.

An einer Stelle, an der sich die Straße erweiterte, überholte der Jaguar sie und hupte kurz. Zur Antwort winkte Patricia hinüber, und schon bald waren die Rücklichter der Limousine nicht mehr zu sehen.

Das war es also, dachte sie. Ich wünschte, ich hätte die Gelegenheit genutzt und mich näher nach ihm erkundigt. Zum Beispiel nach Kanada. Sie biss in den Apfel und verzog das Gesicht. Alexander Brandon gehörte jetzt zu dem Stapel amüsanter Erlebnisse, an die man sich irgendwann in einer stillen Stunde wieder erinnern würde.

Eine Viertelstunde später kam Patricia vor ihrem Bauernhaus an, und alles, woran sie jetzt noch dachte, war ein gutes Essen, etwas zu trinken und ein weiches Bett. Große, hilfsbereite Kanadier kamen in ihrem Leben nicht mehr vor.

2. KAPITEL

Als Patricia am nächsten Morgen aufwachte, schien draußen die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Patricia fand es wunderbar, wieder in ihrem kleinen Bauernhaus zu sein. Sie warf die Bettdecke zurück und ging zum Fenster, stieß es auf und lehnte sich nach draußen. Sie atmete tief durch, und zum ersten Mal seit Wochen fühlte sie sich wieder mit sich und der Welt im Reinen.

Das Bild, das sich ihr bot, stand immer dann vor ihrem inneren Auge, wenn es in der Stadt zu hektisch wurde. Vor ihr lag der kleine Garten von Cluny Cottage mit dem weißen Holzzaun, den Sträuchern und Blumenbeeten. Dahinter führte ein mit Weiden gesäumter Feldweg bis zum Fluss. Auf der anderen Seite des Flusses, ungefähr in der Mitte des gegenüberliegenden Hügels, lag der kleine Bauernhof der McFinlays.

Patricia musste lächeln, als sie an Hector und Kirsten McFinlay dachte. Sie waren so nett zu ihr, dass sie darüber fast ihre guten Vorsätze vergessen konnte. Sie hatten ihr extra ein Feuer im Kamin angezündet, obwohl dies bei der milden Witterung eigentlich nicht notwendig gewesen wäre, und gleich beim Eintreten war Patricia der angenehme Duft von Holzkohle, Apfelmost und Bienenwachs entgegengekommen. Auf dem Tisch hatte ein Korb gestanden, und darin hatte sie Kirstens schmackhaften Haferkuchen, mehrere Vollkornrollen sowie frische Milch und selbst gemachte Butter gefunden. Patricia hatte alles hungrig aufgegessen, war danach ins Bett gegangen und hatte bis zum Morgen tief und fest geschlafen. Und nun war sie bereit für den neuen Tag.

Sie schaute nach links, wo der Fluss zwischen den Bäumen verschwand. Im Westen von Glen Rhu war das Land steinig und rau. In tiefen Schluchten und über grandiose Felsbrocken, die wie mit Riesenhand in das Flussbett gesetzt waren, rauschte der Fluss Ard ungestüm dahin. Erst gegen Osten wurde der Fluss ruhiger und das Land lieblicher, bis das Gewässer schließlich im Loch Rhu mündete.

Patricia zog sich vom Fenster zurück und sah zur Uhr. Es war fast sieben. Sie zog ihr Nachthemd aus und schlüpfte in einen grünen Trainingsanzug. Dann zog sie ein Paar einfache Slipper an, nahm sich ein Handtuch und lief hinunter zur Hintertür.

Als sie draußen war, blieb sie einen Augenblick stehen und genoss die Stille und den Frieden um sich her. In dem alten Apfelbaum zwitscherte ein Vogel, und überall duftete es nach Sommer. Patricia rechnete damit, dass es heute sehr warm wurde. Sie schob die Zweige zur Seite, die den Zugang zum Feldweg versperrten, und machte sich auf den Weg.

Schon bald hörte sie das Tosen des Wasserfalls, das mit jedem Schritt lauter wurde. Kurz darauf kam sie an eine Lichtung, die im hellen Licht der Morgensonne lag.

Von früher wusste Patricia, dass es keinen Sinn hatte, lange zu zögern. Das Wasser war eiskalt, und vom Abwarten wurde es auch nicht wärmer. Mit wenigen Handgriffen hatte sie den Trainingsanzug ausgezogen. Dann holte sie tief Luft und sprang in das Becken unterhalb des Wasserfalls. Sie ließ sich bis auf den Grund sinken und kam dann prustend an die Wasseroberfläche. Danach watete sie durch das Becken, bis sie einen Felsblock unterhalb des Wasserfalls erreichte, auf dem sie stehen konnte. Das Wasser war wirklich eiskalt und regte ihren Kreislauf zur Höchstleistung an, aber als sie unter dem Wasserfall hervortrat, fühlte sie sich wie neugeboren. Erleichtert warf sie ihr nasses Haar zurück – und erstarrte. Am anderen Ufer sah sie einen Mann stehen.

Sekundenlang war Patricia zu keiner Bewegung fähig. Doch dann spürte sie gleichzeitig Wut, Verlegenheit und Erstaunen und ließ sich mit einem Aufschrei ins Wasser fallen.

„Was zum Teufel machen Sie da?“, rief sie böse.

„Ich koche mir mein Frühstück“, erwiderte Alexander Brandon ruhig.

„Ich sehe kein Frühstück.“ Patricia zitterte vor Kälte am ganzen Leib.

„Es kocht einige Meter von hier friedlich vor sich hin. Kann ich Ihnen etwas anbieten? Es ist genug da.“ Er zögerte. „An Ihrer Stelle würde ich nicht mehr allzu lange im Wasser bleiben. Sie könnten sich eine Lungenentzündung holen.“ Er klang so sachlich, dass Patricia ihn am liebsten geohrfeigt hätte, wenn sie in seiner Nähe gewesen wäre. „Ich nehme an, Sie wollten gerade herauskommen?“

„Allerdings“, bestätigte Patricia. „Und genau das werde ich auch tun, sobald Sie sich umgedreht haben.“

„Natürlich“, erwiderte Brandon. „Obwohl man heutzutage nicht mehr so prüde ist, nicht wahr?“ Ihn schien die Situation offenbar zu amüsieren.

„Drehen Sie sich jetzt endlich um?“, schrie Patricia ungehalten, und endlich gehorchte Brandon. Vor Kälte zitternd, stieg Patricia aus dem Wasser ans Ufer. „Um diese Uhrzeit ist normalerweise niemand hier“, sagte sie anklagend, während sie sich abtrocknete und gleichzeitig achtgab, dass Brandon nicht spionierte. „Außerdem befinden Sie sich hier auf privatem Grund und Boden.“

„Ach ja?“

„Ja. Das Land gehört den Camerons.“

„Aha.“

„Ist das alles, was Sie dazu zu sagen haben?“ Patricia wurde immer wütender.

„Nun, ich könnte vielleicht hinzufügen, dass ich das Dower-Haus gemietet habe.“

Patricia hörte auf, sich abzutrocknen, denn diese Neuigkeit überraschte sie. „Oh“, sagte sie. Dann setzte sie das Abtrocknen fort. „Sie hätten wenigstens so viel Anstand haben und sich bemerkbar machen können.“

„Mein liebes Kind, dazu hatte ich nicht viel Zeit. Ich saß hier und war damit beschäftigt, Fischschuppen von meinen Händen zu waschen. Dabei genoss ich den wunderschönen Morgen, als plötzlich eine junge Waldnymphe durch das Unterholz brach. Noch bevor ich irgendetwas sagen oder tun konnte, hatte sie sich auch schon ausgezogen und war ins Wasser gesprungen. Ich war wie gelähmt.“

„Zum Teufel mit Ihnen. Ich bin noch nicht fertig“, warnte Patricia, denn sie sah, dass er sich umdrehen wollte. „Was waren Sie? Gelähmt?“ Sie begann, ihren Trainingsanzug anzuziehen, und fluchte leise, als sie nicht sofort in die Beinöffnungen fand.

„Der Weg lag genau in Ihrer Richtung“, erklärte Brandon und zuckte die Schultern. „Wenn ich weggekrochen wäre, hätten Sie mich sofort gesehen. Ich dachte, es wäre das Beste, dort zu bleiben, wo ich war.“

„Und Sie haben gesagt, ich würde mich aus jeder Verlegenheit herausreden“, bemerkte Patricia anklagend. „Sie können sich jetzt herumdrehen.“

„Vielen Dank. Es ist nämlich ziemlich anstrengend, nach hinten zu reden.“ Er wandte sich langsam um und blieb mit jener aufreizenden Gelassenheit stehen, die sie gleichzeitig so sehr besänftigte und wütend machte.

„Ich werfe Ihnen trotzdem vor, dass Sie unverschämt sind.“ Patricia sah ihn unfreundlich an und schlüpfte in ihre Slipper. „Ein Gentleman hätte wenigstens zur Seite geschaut.“

„Sicher. Aber ich bin einer dieser ungehobelten Hinterwäldler“, meinte Brandon mit übertrieben breitem Akzent. „Alles andere als ein Gentleman jedenfalls. Ich glaube, diese Leute verpassen die wesentlichen Dinge im Leben.“

Patricia biss die Zähne zusammen. Sie weigerte sich, auf seine Verführungskünste hereinzufallen. „Gestern haben Sie sich aber noch etwas darauf eingebildet, den Gentleman zu spielen“, erwiderte sie herausfordernd.

„Wenn nötig, verstehe ich mich auf diese Rolle ganz gut. Außerdem haben wir uns gestern ja noch nicht gekannt.“

„Das tun wir auch jetzt noch nicht“, bemerkte sie und spürte, dass sie rot wurde, denn schließlich traf das auf Brandon nicht mehr zu. Er hatte sie heute Morgen sehr genau kennengelernt.

„Noch ein Grund mehr, mir beim Frühstück Gesellschaft zu leisten, denn dann können wir diesen Mangel sofort ausgleichen. Die Forellen müssten inzwischen gar sein. Hätten Sie nicht Lust auf frische Forellen vom offenen Feuer?“ Er sah Patricia aufmunternd an.

„So ein Angebot kann man wirklich schlecht ausschlagen“, erwiderte sie nach kurzem Zögern.

„Gut. Es ist ja auch ziemlich langweilig, dauernd auf dem hohen Ross zu sitzen. Ich bin froh, dass Sie endlich heruntersteigen.“ Er reichte ihr die Hand, um ihr über den Fluss zu helfen.

Einen Moment wollte Patricia ihm auf derbe Art und Weise mitteilen, was er mit seinem Frühstück machen konnte. Andererseits war sie ziemlich hungrig, und beim Gedanken an die Forellen lief ihr bereits das Wasser im Munde zusammen. Außerdem hatte Brandon sie neugierig gemacht. Als sie sich gestern von ihm verabschiedet hatte, hatte sie nicht geglaubt, ihm jemals wieder zu begegnen, und jetzt hatten sie sich doch getroffen. Wenn das Schicksal einem eine solche Gelegenheit bot, dann sollte man sie nicht ausschlagen. Ohne seine hilfreiche Geste zu beachten, stieg Patricia behände über die Felsblöcke ans andere Ufer des Flusses.

Während sie Brandon in das Unterholz folgte, fiel ihr auf, dass er ohne den tadellosen Anzug und das teure Auto kaum noch dem Mann glich, den sie gestern kennengelernt hatte. Über ausgebleichten Khakihosen und einem legeren Hemd trug er eine schmutzigbraune Buschjacke. Seine Schuhe waren richtige Bergstiefel, und alles zusammen ließ ihn wirklich wie den Hinterwäldler erscheinen, von dem vorhin die Rede war.

Sie kamen an eine Bodensenke, wo zwischen aufgeschichteten Steinen ein Feuer brannte. Darüber brieten vier Forellen an einem Holzspieß. Der Duft war verführerisch, und Patricia spürte, wie sich ihr Magen knurrend bemerkbar machte.

Alexander Brandon sah sie belustigt an. „Setzen Sie sich, dann werde ich für Ihr leibliches Wohl sorgen.“ Er zeigte auf einen Baumstumpf.

Patricia wollte an ihm vorbeigehen, aber Brandon hielt sie zurück. „Ist Ihnen nach Ihrer Dusche wieder warm genug?“ Er klang wie ein Arzt, der sich um einen Patienten bemüht. Prüfend legte er ihr eine Hand auf die Wange. „Hm. Nicht so warm, wie es eigentlich sein müsste.“ Er drehte sie herum, so dass sie gerade vor ihm stand, und rieb ihr über Arme und Rücken, bis er mit ihrer Gesichtsfarbe zufrieden war. „So ist es besser. Setzen Sie sich hier in die Sonne, dann wird Ihnen gleich warm werden.“

Patricia tat, was er sagte. Sie musste zugeben, dass ihr Blut jetzt schneller durch die Adern floss als vorher. Doch das lag nicht so sehr an seiner Behandlung als an der Tatsache, dass seine Nähe sie mehr erregt hatte, als ihr recht war.

„Sie geben gern Befehle, nicht wahr?“, fragte Patricia, während sie sich mit einem Handtuch das nasse Haar trocken rieb.

„Meinen Sie?“ Der Vorwurf schien Brandon nichts auszumachen. Er saß in der Hocke vor dem Feuer und prüfte mit einem Ast, ob der Fisch schon gar war.

„Hoffentlich haben Sie sich gestern im Regen nicht erkältet.“ Während Patricia ihn beobachtete, fragte sie sich, womit er seinen Lebensunterhalt verdiente. Die beiden Bilder, die sie gestern und heute von ihm gewonnen hatte, widersprachen sich so sehr, dass sie ihn nur schwer einschätzen konnte.

„Nicht dass ich wüsste“, antwortete Brandon, ohne aufzublicken. Es war nicht zu übersehen, dass er körperlich äußerst fit war. Unter dem gespannten Stoff der Hose konnte man feste, muskulöse Oberschenkel erkennen, und die sonnengebräunte Haut, die unter den aufgerollten Ärmeln seines Hemdes sichtbar wurde, ließ erraten, dass er seine Arbeitszeit nicht nur am Schreibtisch verbrachte.

„Baden Sie eigentlich jeden Morgen hier am Wasserfall?“, fragte er und drehte sich zu ihr um.

Patricia schüttelte den Kopf. „Nein, so verrückt bin ich nicht“, antwortete sie und lachte. „Ich habe vor einiger Zeit damit angefangen. Es ist eine Art Mutprobe. In meinem Ferienhaus gibt es eine richtige Dusche, die ich aber nur benutze, wenn ich morgens nicht aus den Federn komme.“ Sie schüttelte einige nasse Haarsträhnen aus dem Gesicht und zeigte auf das Feuer. „Sind die Fische fertig?“, fragte sie.

„Ja“, bestätigte Brandon. „Allerdings werden Sie mit den Fingern essen müssen. Geben Sie also acht, dass Sie sich nicht verbrennen. Wenn ich gewusst hätte, dass ich heute Morgen Gesellschaft habe, hätte ich natürlich richtiges Besteck mitgebracht.“

Brandon legte zwei Forellen auf einen flachen Stein und brachte sie zu ihr. „Immerhin kann ich etwas Brot anbieten, das eine gute Fee mit Namen Kirsten gebacken hat.“ Er ging zu einem Rucksack und nahm einen Laib Brot heraus, von dem er ein Stück abbrach.

„Ich kenne Kirsten“, bemerkte Patricia.

„Wirklich?“ Brandon überlegte kurz. „Ja, natürlich. Bitte, Madam. Ich habe sogar eine Serviette. Wie wäre es damit?“ Er reichte ihr das Brot, das er in ein sauberes weißes Taschentuch gewickelt hatte.

„Dem Erfindungsreichtum der Menschen ist anscheinend keine Grenze gesetzt“, meinte Patricia ironisch. „Vielen Dank.“

Der Fisch war köstlich und bestand fast nur aus reinem weißem Fleisch. Genießerisch tupfte Patricia sich mit dem Brot den Saft von den Lippen, bemerkte jedoch gleichzeitig, dass Brandon ihr lächelnd zusah. „Ich mag es, wenn eine Frau beim Essen ordentlich zugreift“, sagte er und nahm sich auch selbst eine Forelle. „Heutzutage haben die meisten Frauen Angst um ihre Figur.“

„Gefährliche Erlebnisse machen mich immer hungrig“, antwortete Patricia vieldeutig. „Wo haben Sie den Fisch gefangen?“

„Ungefähr eine halbe Meile flussabwärts von hier. Es gibt dort ein natürliches Bassin, an dem jemand sogar einen Holzsteg angebracht hat.“

Patricia nickte. „Ich kenne die Stelle. Ich wette, Hector McFinlay hat Ihnen davon erzählt. Er kennt alle guten Angelplätze in der Gegend.“

Brandon warf die Knochen seines Fisches ins Feuer, wo sie zischend verbrannten. „Kennen Sie die McFinlays gut?“

Patricia lachte. „Seit meinem sechsten Lebensjahr.“

„Sie klingen aber nicht wie eine Schottin.“

„Ich bin Engländerin. Meine Familie ist damals aus den Midlands nach Ardneath gezogen. Als ich sechzehn war, wurde mein Vater wieder versetzt, aber ich kam in ein Pensionat und verbrachte die Ferien meistens bei den Camerons im Ard-Haus.“ Sie warf den Fischknochen ebenfalls ins Feuer. „Ich muss zugeben, dass Sie den Fisch fast so gut zubereiten wie Hector.“

„Vielen Dank für das Kompliment.“ Brandon lachte freundlich.

„Offenbar sind Sie an ein zünftiges Leben gewöhnt.“

„Mein Großvater war Holzfäller, und ich habe meine Ferien oft mit ihm im Norden Kanadas verbracht. Er hat mir beigebracht, was man zum Leben in der Wildnis wissen muss.“ Brandon machte eine Pause. „Wie wäre es übrigens, wenn Sie mich Alexander nennen würden? Immerhin sind wir jetzt beide in Glen Rhu und werden uns voraussichtlich noch öfter begegnen. Außerdem haben wir bereits einige Erfahrungen miteinander geteilt.“ Er zeigte auf den Fisch. „Zum Beispiel das Frühstück.“ Er zögerte. „Ist Ihnen jetzt warm genug?“

„Ja, danke.“ Patricia zwang sich, nicht an die anderen Erfahrungen zu denken, die sie miteinander geteilt hatten, sondern konzentrierte sich auf ihr Essen.

„Stimmt etwas nicht, Patricia?“

Sie stand auf und schüttelte den Kopf. Schließlich konnte sie nicht zugeben, dass sie seinetwegen so irritiert war. „Sie sagten, dass Sie die Ferien im Norden Kanadas verbracht haben“, erwiderte sie ausweichend. „Wo war das genau?“

„In British Columbia. Manchmal am Yukon, aber sehr oft auch in den Rocky Mountains. Es ist ein wildes, raues und schönes Land. Und ein harter Ausdauertest. Geboren wurde ich allerdings in Vancouver.“ Er zuckte die Schultern. „Um diese Zeit waren die Brandons gesellschaftlich bereits völlig integriert.“ Er lächelte ironisch. „Ich habe das immer bedauert, aber wahrscheinlich kann man diesen Prozess auch nicht aufhalten. Genauso wenig wie in Häusern zu wohnen oder Frauen aus ehrbaren Familien zu heiraten.“ Brandon setzte eine nachdenkliche Miene auf. „Nur mein Großvater hat sich nie angepasst. Ich war immer sehr gern bei ihm in Ferien.“

„Der Fisch ist wirklich wunderbar“, lobte Patricia. „Noch einen kann ich aber nicht essen. Sie können meinen haben.“

Alexander stand auf und beugte sich vor, um ihren Fisch aufzuspießen. „Mein Großvater sagte immer: Frühstücke reichlich, denn man kann nie wissen, wann man das nächste Mal zu essen bekommt. Sie müssen wissen, dass er aus eigener harter Erfahrung sprach.“ Brandon nickte zur Bekräftigung. „Er war ein feiner Kerl.“

„Das glaube ich gern.“ Patricia mochte Brandons warmen Tonfall. „Lebt er noch?“

„Nein. Er wusste, wann die Zeit für ihn gekommen war, und verschwand einfach in den Bergen. Wir haben ihn nie mehr wiedergesehen. Er starb, wie er es sich immer gewünscht hatte: an dem Ort, den er über alles liebte.“ Alexander lachte wieder. „Er hat damit zwar das Gesetz ein wenig durcheinandergebracht, aber so war Großvater eben.“ Er seufzte kurz und sah dann Patricia an. „Was haben Sie nach der Schule gemacht?“

„Ich habe studiert, aber den Kontakt mit den Camerons nie abgebrochen.“

„Es sind meine Vermieter.“ Brandon nahm die Reste ihres Frühstücks und warf sie ins Feuer.

„Meine eigentlich auch. Lord Cameron ist Anfang des Jahres gestorben, und sein Sohn Stuart ist jetzt der Laird. Das ist noch ein Adelstitel aus alter Zeit. Heutzutage bedeutet er eigentlich nicht mehr viel, aber die Leute auf dem Gut benutzen ihn immer noch.“ Sie sah auf ihre Finger und zog ein Gesicht. „Ich wasche mir jetzt besser die Hände, sonst rieche ich heute den ganzen Tag nach Fisch.“

„Tut mir leid, wenn ich Ihnen keinen Kaffee anbieten kann, aber leider steht mir keiner zur Verfügung. Das nächste Mal werde ich besser vorbereitet sein.“

„Mein Haus liegt nur wenige Schritte von hier entfernt“, erwiderte Patricia, ohne sich etwas dabei zu denken. „Wenn Sie möchten, werde ich uns einen Kaffee kochen.“

„Das hört sich sehr gut an.“ Seine Stimme klang völlig neutral, und das beruhigte Patricia. Hätte er neugierig oder zweideutig geklungen, dann hätte sie die Einladung auf der Stelle bedauert.

Alexander schob mit den Füßen etwas Erde auf und erstickte damit anschließend das Feuer. Dann nahm er Rucksack und Angelrute und bedeutete Patricia voranzugehen. Als sie den Wasserfall erreichten, blieben sie noch einmal stehen und wuschen sich die Hände.

„Kommen Sie oft nach Schottland?“, fragte Patricia und bot Alexander ihr Handtuch an.

„Wenn ich Zeit dazu habe. Diese Landschaft zieht mich irgendwie an. Meine Vorfahren väterlicherseits waren Schotten und sind vor langer Zeit nach Kanada ausgewandert. Sie waren sehr arm.“ Alexander sah aus, als würde er sich über sich selbst lustig machen. „Manchmal denke ich, sie könnten wissen, dass ihre Nachkommen es zu etwas gebracht haben, und dieser Gedanke gefällt mir.“ Er sprang über die Felsblöcke und wartete auf der anderen Seite des Flusses auf Patricia. „Ist Ihr Haus das neben der Brücke?“

„Ja.“ Patricia nickte. „Es ist sehr alt.“ Sie ging hinunter voran und konzentrierte sich darauf, nicht im Gestrüpp hängen zu bleiben. Als sie aus dem Wald traten, lag ihr Bauernhaus vor ihnen mitten im Licht der Morgensonne.

Sie gingen durch den Obstgarten zur Hintertür. Patricia drückte sie auf, und als sie eintraten, musste Alexander sich unter dem Türsturz ducken.

„Tut mir leid“, sagte Patricia. „Ich hätte Sie warnen sollen. Als das Haus gebaut wurde, waren die Menschen noch etwas kleiner als heute.“

„Wie viele Räume hat es?“, fragte Alexander und sah sich um.

„Eigentlich nur zwei, aber der Dachboden ist in ein Schlafzimmer umgebaut worden, und nebenan ist noch ein Waschplatz eingerichtet worden. Es ist alles etwas primitiv, aber durchaus ausreichend.“

Während sie sprach, pumpte Patricia Wasser in eine Kanne und holte danach die Kaffeesachen aus den Schränken. Als sie sich umsah, bemerkte sie, dass Alexander gerade mit einer Hand vorsichtig über die Anrichte fuhr. „Gute Handarbeit“, sagte er anerkennend. Dann ließ er den Blick über die Steinwände, die Holztür und den offenen Kamin gleiten. „So etwas hält eine Ewigkeit. Gemessen am heutigen Standard, ist die Einrichtung vielleicht primitiv, aber sie hat Stil. Ich nehme an, dass Sie sehr gern hier sind.“

Patricia spürte, dass sein Lob ihr guttat. „Ja“, erwiderte sie und lächelte dankbar. Dann fügte sie hinzu: „Ich werde jetzt den Kaffee aufsetzen und mich danach schnell umziehen.“

„Lassen Sie sich durch mich nicht stören“, erwiderte Brandon und machte es sich in einem Lehnstuhl bequem.

Bestimmt nicht, dachte Patricia, als sie die enge Treppe zum Schlafzimmer hinaufging und den Trainingsanzug auszog. Alexander Brandon ist offenbar sehr wohl in der Lage, allein auf sich aufzupassen, dachte sie weiter und schlüpfte in Jeans und ein gelbes T-Shirt. Ihr Haar war ziemlich verstrubbelt, aber daran konnte sie im Augenblick nicht viel ändern. Im Übrigen wollte sie diesem Mann auch nicht das Gefühl geben, dass sie sich nur seinetwegen schön machte.

Als sie in die Küche zurückkehrte, erfüllte der angenehme Geruch frisch zubereiteten Kaffees das Zimmer. Alexander Brandon blätterte in einem Buch, von dem Patricia wusste, dass es eine Sammlung von Gedichten aus dem Ersten Weltkrieg enthielt. Seine Wahl machte sie neugierig.

„Wie trinken Sie den Kaffee?“, fragte sie.

„Schwarz, mit etwas Zucker“, brummte er zerstreut. Patricia musste ein schuldbewusstes Lächeln unterdrücken. Man konnte ihm wirklich nicht vorwerfen, allzu schmeichlerisch zu sein. Was natürlich auch bedeutete, dass sie sich um ihr Aussehen nicht allzu viele Sorgen zu machen brauchte. Sie schenkte den Kaffee ein und bot Alexander eine Tasse an.

„Wie lange wohnen Sie schon im Dower-Haus?“, erkundigte sie sich.

„Alles in allem drei Wochen. Zwischendurch musste ich auch häufig nach Edinburgh. Gestern war ich gerade auf dem Rückweg.“

„Edinburgh?“ Patricia setzte sich auf einen Holzschemel. „Dann hätten wir uns auch schon früher begegnen können.“

„Tatsächlich?“ Er hob die Brauen. „Leben Sie dort?“

Sie nickte und trank einen Schluck Kaffee. „Ich bin nach dem Studium dort geblieben.“

„Und wie verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?“, fragte Alexander ruhig.

„Ich arbeite freiberuflich als Designerin. Stoffe und Innenausstattungen.“

„Sind Sie gut?“

„Ja.“

Er lächelte, und Patricia lächelte ebenfalls. Sie wusste nicht, weshalb, aber sie spürte auf einmal eine große Genugtuung.

Wie kam es nur, dass sich zwei Menschen begegneten und dabei auf Anhieb das Gefühl hatten, sich voll und ganz zu verstehen? Natürlich konnte man alles auf rein sexuelle Anziehungskraft zurückführen, und sicher spielte das bei Alexander Brandon keine unerhebliche Rolle, aber da war auch noch etwas anderes. Es gab Menschen, die einen so sehr interessierten, dass man ihnen genauer hinter die Stirn schauen wollte. Und Patricia wusste, dass es sich bei diesem Mann lohnen würde. Allerdings nur, wenn er einem Gelegenheit dazu gab. Von sich aus würde er wohl nicht so ohne Weiteres irgendetwas Persönliches preisgeben.

„Und wie verdienen Sie sich Ihren Lebensunterhalt?“, fragte Patricia und goss Alexander noch etwas Kaffee nach.

„Ich stehe im Moment zwischen den Jobs. Wahrscheinlich bin ich etwas unbeständig.“ Er grinste. „Ich habe in meinem Leben schon Verschiedenes ausprobiert: Holzfäller, Kellner, Mitarbeiter bei der Bergwacht, Bankangestellter.“ Er lachte. „Aber ich weigere mich, an die Arbeit zu denken. Ich habe Ferien und will mein Leben genießen.“ Er hielt den Gedichtband in die Höhe. „Was halten Sie davon?“

In der nächsten halben Stunde unterhielten sie sich über ihre Lieblingsschriftsteller, über Kunst und Theater, und schließlich sagte Alexander: „Es ist sehr nett bei Ihnen, Patricia, aber ich muss leider gehen. Ich erwarte einen Anruf.“ Er stand auf. „Vielen Dank für den Kaffee und dass Sie mir beim Frühstück Gesellschaft geleistet haben. Vielleicht können wir das irgendwann wiederholen. Natürlich nach vorheriger Verabredung.“

Er sah sie ernst an, aber Patricia wusste genau, dass er an ihre unvorhergesehene Begegnung am Wasserfall dachte und nicht an das gemeinsame Frühstück. Sie begleitete ihn zur Tür und war nicht ganz sicher, ob sie weiter mit ihm reden oder lieber allein sein wollte, damit sie die Erlebnisse dieses Morgens in aller Ruhe verarbeiten konnte. Sie trat hinaus in die Sonne, brach ein Lavendelblatt von einem Strauch neben dem Gartenweg und zerrieb es nachdenklich zwischen den Fingern, während sie wie abwesend in Richtung Obstgarten schaute.

„Auf Wiedersehen, Patricia.“ Alexander nahm den Rucksack und die Angelrute auf. „Ich nehme an …“

„Ach, du liebe Zeit!“

„Was ist los?“ Er sah sie überrascht an und folgte dann ihrem Blick zum Obstgarten. „Die Bienen!“, rief Patricia aufgeregt. „Meine Bienen schwärmen aus, und Hector ist nicht da, um mir zu helfen.“ Sie lief durch den Obstgarten und blieb vorsichtig vor einem Bienenstock stehen. Aus zwei Öffnungen kamen die Bienen in einer dünnen Linie heraus, kreisten summend in der Luft und gewannen mit jedem Moment an Volumen, bis sie sich zu einer brummenden Masse vereinigt hatten. Patricia stand mit zu Fäusten geballten Händen daneben und beobachtete sie voller Verzweiflung.

„Können wir nicht selbst tun, was nötig ist?“ Alexander war hinter sie getreten und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.

Patricia schüttelte den Kopf. Doch dann dachte sie über seinen Vorschlag nach und drehte sich um. „Wenn Sie Mut haben, können wir vielleicht doch etwas tun.“

„Worauf warten wir noch?“, erwiderte er knapp. Sie sahen sich herausfordernd an, und dann musste Patricia lachen. „Kommen Sie“, forderte sie Alexander auf und rannte zurück zum Haus. „Hier, füllen Sie diesen Zerstäuber mit Wasser.“ Sie drückte ihm den Zerstäuber und einen Eimer in die Hand und lief ins Haus. Nur wenige Sekunden später kam sie wieder mit einem Arm voll Sachen heraus.

„Die gehören Hector“, sagte sie und reichte Brandon ein Paar Handschuhe. „Machen Sie die Knöpfe an Ihrer Jacke zu. Alle.“ Sie zog selbst eine langärmelige Jacke an und streifte sich danach ein zweites Paar Handschuhe über. Dann gingen sie vorsichtig zurück zum Bienenstock.

„Sie müssen sich zuerst irgendwo niederlassen, damit ich sie anschließend in den neuen Bienenstock setzen kann. Können Sie sie mit Wasser besprühen?“, fragte Patricia leise.

Alexander begann die Bienen mit Wasser zu besprühen. „Warum ist das nötig?“, fragte er.

„Sie sollen denken, es würde regnen. Sie hassen Regen, wenn sie ausschwärmen.“

Patricia näherte sich den Bienen und fing an, auf sie einzureden. „Kommt, ihr Lieben. Nein! Bitte nicht auf den Baum. Ja, der Brombeerstrauch ist genau richtig.“

Sie befahl Brandon, sie erneut zu besprühen, falls sie fortfliegen sollten, und öffnete dann den neuen Bienenstock. „Ich werde jetzt versuchen, sie in den neuen Stock zu transportieren.“

„Da ist eine in Ihrem Haar“, bemerkte Alexander.

„Wirklich? Ich hätte besser ein Tuch übergezogen.“

„Bleiben Sie stehen, dann werde ich sehen, was sich machen lässt.“

Alexander zog die Handschuhe aus und steckte sie in die Hosentasche. Patricia blieb unbeweglich stehen, doch als Alexander bei ihr stand, war sie sich seiner Nähe nur allzu bewusst.

Er hob vorsichtig ihr Haar an, um die Biene ins Freie zu lassen, und Patricia sah sein Gesicht so nah wie noch nie zuvor. Er hatte schön geschnittene Züge, und sie zeugten von großer Selbstsicherheit. An der Schläfe hatte er eine alte Narbe, und seine Augenlider hatten kleine braune Flecken. Patricia sah, dass er sich heute Morgen nicht rasiert hatte. Es gab ihm einen wilden, leicht verwegenen Zug, der sehr gut zu ihm passte und der Patricia zu ihrer eigenen Verwunderung sehr gut gefiel. Und dieser Mann sollte wirklich nicht ihr Typ sein?

Ihre Blicke trafen sich, und einen Augenblick sahen sie sich schweigend an.

„Offenbar hat sie sich entschlossen dazubleiben“, meinte Alexander dann. Er sah auf ihr gelbes T-Shirt. „Vielleicht denkt sie, Sie sind eine Blume. Fort da, Biene“, befahl er und scheuchte das Insekt mit einer Hand davon. „Ah, jetzt ist sie weg.“

Patricia erwartete, dass er sich nun ebenfalls entfernte, aber er blieb, wo er war. Sie wusste, was geschehen würde, und ihr Verstand warnte sie davor. Doch dann beugte Alexander sich vor und küsste sie sachte auf den Mund.

Seine Berührung erschien ihr so natürlich, dass Patricia einfach stehen blieb und sich nicht dagegen wehrte. Und was war auch schon dabei? Es war ein schöner Tag, die Sonne schien, und sie befanden sich beide in Ferienstimmung. Außerdem: Was bedeutete schon ein Kuss? Ein Kuss war schließlich kein Verbrechen. Gerade als Patricia ihn erwidern wollte, war alles vorbei.

„Wie ich gedacht habe“, sagte Alexander sanft. „Süß wie Honig.“

Patricia wollte etwas erwidern, aber in diesem Moment hörte sie, dass das Summen der Bienen verdächtig lauter wurde. Sie schob ihre Gedanken und Gefühle beiseite und ergriff das Stofftuch, das sie mitgebracht hatte. Alexander nahm das Tuch von der anderen Seite, und auf Patricias Kopfnicken warfen sie es über die Bienen und trugen sie eilig in den neuen Korb.

Patricia lächelte ihrem Helfer triumphierend zu und griff dann zu einem bauchigen Metallobjekt, dessen Inhalt sie mit einem Streichholz in Brand setzte.

„Das ist eine Art Pfeife“, erklärte sie und blies eine Rauchwolke um den Bienenkorb. „Bienen hassen Feuer, und der Rauch versetzt sie in Panik. Sie werden den neuen Stock als Unterschlupf akzeptieren und ihn nicht mehr verlassen wollen. Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode.“ Sie beobachtete aufmerksam, was im Innern des Bienenkorbs geschah.

„Es sind die Grundbedürfnisse: Essen und Unterkunft“, kommentierte Alexander. „Wie steht es mit dem anderen Grundbedürfnis, der Liebe?“

Patricia lachte. „Bienen sind sehr praktische Naturen. Sie kennen keine Gefühle.“ Sie nickte zufrieden. „So, das müsste reichen. Wir können sie jetzt lassen, wie sie sind.“

„Wer kümmert sich um die Bienen, wenn Sie nicht hier sind?“, fragte Alexander und rollte sich die Ärmel seines Hemdes hoch.

„Hector. Wir beide teilen uns die Ernte“, erwiderte Patricia auf dem Weg durch den Obstgarten. Sie zog die Handschuhe aus und warf Alexander einen spöttischen Blick zu. „Sie gehorchen Befehlen mindestens ebenso gut, wie Sie welche austeilen.“

Er lächelte. „Ich bin froh, dass ich Ihnen helfen konnte. Es war jedenfalls ein sehr interessanter Morgen – in jeder Hinsicht.“ Er sah auf seine Armbanduhr.

„Ihr Telefonanruf“, sagte Patricia und blieb stehen. „Haben Sie ihn verpasst?“

„Wahrscheinlich.“ Alexander zuckte die Schultern. „Sie wird es eben später noch einmal versuchen.“

Das glaube ich bestimmt, dachte Patricia. „Einen Moment noch“, sagte sie laut und eilte ins Haus. Kurz darauf kam sie mit einem Glas Honig heraus. „Hier, versuchen Sie das, und sagen Sie mir, wie er Ihnen geschmeckt hat.“

„Danke.“ Alexander nahm das Glas und verstaute es im Rucksack. „Allerdings vergessen Sie, dass ich vorhin bereits ein wenig genascht habe. Ich war sehr zufrieden.“ Er sah sie lächelnd an. „Auf Wiedersehen, Patricia. Ich nehme an, dass wir uns demnächst noch einmal treffen werden.“

Er ging den Feldweg hinunter zur Straße. An der Ecke winkte er Patricia noch einmal zu, und dann war er verschwunden.

Patricia starrte sekundenlang auf die Stelle, wo sie ihn zum letzten Mal gesehen hatte, und ging dann ins Haus. Die Küche war angenehm schattig und kühl. Sie lehnte sich an den Fensterrahmen und sah zu, wie Brandon die Straße hinunterging, die Angelrute über die linke, den Rucksack über die rechte Schulter geworfen.

Sie berührte mit dem Zeigefinger ihre Lippen und dachte an seinen Kuss. „Meine Güte“, sagte sie zu sich selbst und strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn. „Jeder würde glauben, ich wäre noch nie zuvor von einem Mann geküsst worden.“ Und dann drehte sie sich vom Küchenfenster weg und begann sich um andere Dinge zu kümmern.

3. KAPITEL

Die meiste Zeit des Morgens verwandte Patricia auf Gartenarbeit. Dabei füllte der neue Mieter des Dower-Hauses ihre Gedanken mit einer Hartnäckigkeit aus, gegen die sie sich nicht so leicht zur Wehr setzen konnte. Mit einem Klumpen Unkraut in der Hand ging sie in die Hocke und dachte daran, wie sie unter dem Wasserfall gestanden hatte. Alexander Brandon hat wohl genug gesehen, überlegte sie. Ungeduldig steckte sie die Stechkelle in die Erde. Patricia schämte sich ihres Körpers keineswegs, aber sie wollte selbst darüber bestimmen, wann und wo sie ihn zeigte – und vor allem, wem. Jedenfalls kam dafür kein Mann infrage, den sie erst einen Tag vorher flüchtig kennengelernt hatte.

Es war wirklich nur ein flüchtiger Kontakt gewesen, und trotzdem hatten sich ihr bestimmte Eigenschaften Brandons schon fest eingeprägt. Zum Beispiel die Art und Weise, wie er die Brauen hob. Oder sein leicht reserviertes Lächeln. Und sein Blick, wenn ihn etwas amüsierte.

Trotzdem blieb er immer noch ein Fremder. Was kümmerte es sie also, was er von ihr dachte? Nichts, wenn sie ehrlich war. Jedenfalls nicht im Augenblick. Allerdings konnte Patricia nicht ausschließen, dass er ihr demnächst etwas bedeutete. Es hing alles davon ab, welcher Teil von ihr stärker war – der eine Teil, mit dem sie sich zu Alexander hingezogen fühlte, oder der andere, mit dem sie auf ihrer Unabhängigkeit bestand.

Sie sah noch einmal nach den Bienen und ging dann ins Haus, um sich umzuziehen. Sie tauschte T-Shirt und Jeans gegen ein kühles Baumwollkleid und nahm dazu noch einen Sonnenhut mit. Dann verließ sie das Haus und legte den Schlüssel wie gewöhnlich oben auf den Türrahmen.

Auf der Brücke machte Patricia eine Pause und blickte hinunter in den Fluss. Jetzt ist es schon zu spät zum Angeln, dachte sie, und dabei fiel ihr wieder Alexander Brandon ein, wie er in der Hocke saß und das Brot brach. Energisch stieß sie sich vom Brückengeländer ab. Sie musste diesen Mann endlich vergessen!

Sie folgte dem Weg zum Bauernhof der McFinlays. Kurz vor dem Grundstück wurde sie von einer Hündin in Empfang genommen, die freudig an ihr hochsprang, als sie Patricias Stimme erkannte.

„Komm, Lass“, sagte Patricia und kraulte dem Tier das Fell. „Wir wollen dein Herrchen suchen.“ Und während das Tier in weiten Kreisen um sie herumjagte, ging Patricia am Haus vorbei in den hinteren Teil des Anwesens.

Im Garten pflückte eine Frau von ungefähr sechzig Jahren Erbsen. Als sie Patricias Schritte hörte, richtete sie sich gerade auf und beschattete mit einer Hand die Augen, um zu sehen, wer gekommen war.

„Kirsten!“, rief Patricia. „Ich bin es. Patricia.“ Sie ging über einen schmalen Pfad, der mitten durch das Gemüsebeet führte, auf die Frau zu und drückte sie an sich. „Ich wollte dir für den Proviant danken, den du in meiner Hütte abgestellt hast. Du bist wirklich ein Engel.“

„Nicht doch, Patricia. Du machst dir ja an meinem Kittel dein schönes Kleid schmutzig.“ Sie lachte. „Lass mich dich ansehen, Patricia. Ruhig, Lass!“ Sie betrachtete Patricia mit kritischer Miene. „Nun, du siehst nicht schlecht aus, aber ich glaube, dass es dir hier in Ardneath besser gehen wird als in der Stadt. Immer diese schlechte Luft in Edinburgh!“

Patricia grinste. Sie kannte Kirstens Ansichten über große Städte im Allgemeinen und über Edinburgh im Besonderen. Schließlich war die Bauersfrau in ihrem Leben höchstens bis Inverness gekommen, und das war, als sie sich vor vielen Jahren einmal den Arm gebrochen hatte und auf dem Hof nichts mehr tun konnte.

„Und wie geht es dir, Kirsten?“ Patricia erkannte zum ersten Mal mit einigem Bedauern, dass die Jahre auch bei ihrer Freundin ihre Spur hinterließen.

„Ich kann nicht klagen“, erwiderte Kirsten. „Wir sind beide nicht mehr die Jüngsten, aber wir haben keinen Grund, uns zu beklagen.“

„Ich freue mich, euch wiederzusehen. Ist es nicht ein wunderbarer Tag? Ich nehme an, Hector ist unterwegs?“

„Er ist in den Bergen.“ Kirsten nahm den Eimer, in dem sie die Erbsen gesammelt hatte, und wollte ihre Arbeit beenden.

„Willst du die Reihe denn nicht zu Ende pflücken? Ich kann dir gern helfen“, bot Patricia an, und trotz Kirstens Protest begann sie mit dem Pflücken. „Du kannst übrigens Hector sagen, dass die Bienen heute Morgen ausgeschwärmt sind und dass ich sie schon eingefangen habe.“

„Ach wirklich?“ Kirsten war sichtlich beeindruckt.

„Es hat mir allerdings jemand dabei geholfen“, gestand Patricia. „Der neue Mieter kam zufällig vorbei.“

„Ah, Mr. Brandon“, sagte Kirsten. „Ich habe geahnt, dass er sehr hilfsbereit ist.“

Patricia hätte nur zu gern mehr darüber gehört, was Kirsten von dem neuen Mieter hielt. Doch sie musste unauffällig vorgehen. „Er hat dein Brot in den höchsten Tönen gelobt“, bot sie als Köder an.

Kirsten zuckte die Schultern und warf einige Erbsen in den Eimer. „Er scheint ein angenehmer Mensch zu sein. Hector hat ihn bereits zum Angeln mitgenommen. Er meint, er stelle sich sehr geschickt mit der Angelrute an, und du weißt ja, dass mein Mann mit dem Lob sehr sparsam ist.“

Patricia wusste allerdings, dass das stimmte. Die Mieter des Dower-Hauses waren immer ein heikles Thema. Als oberster Verwalter des Gutes Cameron war Hector McFinlay zwar dafür da, den Mietern alle Wünsche zu erfüllen, aber es hatte in der Vergangenheit oft Anlass für Unstimmigkeiten gegeben. Besonders dann, wenn die Mieter sich gegen die ungeschriebenen Gesetze seines geliebten Landstriches vergingen. Wenn er mit Alexander Brandon zufrieden war, dann bedeutete das jedenfalls viel.

„Das Dower-Haus ist ein wenig groß für ihn allein, nicht wahr?“, fragte Patricia und nahm Kirsten den Eimer ab.

„Nein, nein. Ich glaube, seine Familie wird demnächst noch zu ihm stoßen.“ Kirsten zeigte auf einen Holzschemel. „Sollen wir uns einen Moment ausruhen?“, schlug sie vor und ließ sich bereits schwerfällig auf dem Stuhl nieder.

Seine Familie! Patricia spürte, wie Enttäuschung in ihr hochstieg. „Oh“, sagte sie lakonisch.

„Ja. Er sprach von einem Bruder.“

„Oh.“ Patricia musste sich zusammenreißen. Sie hatte den Verdacht, dass man sie bereits für einen Fisch halten konnte. „Diese Familie“, begann sie langsam, „handelt es sich dabei um Frau und Kinder?“

Kirsten schüttelte den Kopf. „Nein. Davon war keine Rede.“

Also war der Kuss doch für sie und nicht für eine andere Frau bestimmt gewesen.

„Obwohl er in einem Alter ist, in dem er etwas in dieser Richtung unternehmen sollte“, setzte Kirsten hinzu. „Genauso wie der Laird, denke ich.“

„Kirsten, du weißt, dass ich dir schon oft genug erklärt habe, warum ich Stuart nicht heiraten werde.“

„Ja, das hast du. Leider.“

Patricia hatte keine Lust, dieses Thema noch weiter zu vertiefen. Sie sah auf ihre Uhr und unterdrückte einen Aufschrei.

„Oh, ich müsste längst wieder auf dem Weg sein. Tut mir leid, Kirsten. Wir werden uns ein andermal weiter unterhalten.“

„Gut. Aber nimm noch die Eier für Ard-Haus mit.“ Kirsten ließ sich von Patricia auf die Füße helfen. „Wenn du auf dem Rückweg vorbeikommst, kannst du auch noch etwas frische Milch für dich mitnehmen.“

Auf dem Weg zum Ard-Haus pfiff Patricia zufrieden vor sich hin und schwang den Korb mit den Eiern in einer Hand. Ein Teil von Ardneaths Charme hatte eindeutig mit den alten Familienmustern zu tun. Wie oft hatte sie schon wie heute Eier mit zum Ard-Haus nehmen müssen! Es war, als würde man in die gute alte Zeit zurückkehren, in der noch alles sicher und unkompliziert war und man die Sorgen der Erwachsenen einfach hinter sich lassen konnte.

Und trotzdem war nicht immer alles so unkompliziert gewesen. Patricia fühlte sich auf einmal seltsam beklommen. Sie blickte zum Dower-Haus, das am anderen Ufer des Sees geduckt unter hohen Bäumen stand. Das Boot lag nicht am Steg. Ob Alexander Brandon ausgefahren war? Patricia suchte die Wasseroberfläche ab, konnte aber nirgendwo ein Boot entdecken. Sie lenkte den Blick zu der Insel. Im hellen Sonnenlicht, mit der Bergkulisse im Hintergrund und dem blauen Wasser davor, sah alles so friedlich und ungefährlich aus wie auf einer Postkartenidylle. Selbst die vom Feuer geschwärzte Ruine auf der Insel schien nur ein Haufen unschuldiger Steine zu sein.

Und das sind sie ja auch, dachte Patricia lachend. Geister und Gespenster existierten schließlich nur in der Einbildung kleiner Kinder, und sie glaubte längst nicht mehr daran. Woran sie aber immer noch glaubte, das war die Gewalt der Elemente. Trotz des sonnigen Wetters lief Patricia erneut ein kühler Schauer über den Rücken.

Patricia beschleunigte den Schritt und ging durch das Parktor über die Zufahrt hinauf zum Dower-Haus. Sie freute sich darauf, Jean wiederzusehen. Jean Cameron war zwei Jahre älter als Patricia und lebte seit ihrer Kindheit im Ard-Haus. Als entfernte Verwandte war sie von Lord und Lady Cameron aufgenommen und wie ein eigenes Familienmitglied aufgezogen worden. Jean hatte die Kindheit zusammen mit Patricia und ihren Vettern Stuart und Ian verbracht, und die beiden Frauen waren bis auf den heutigen Tag gute Freundinnen.

Sie stand vor Ard-Haus und blickte die Fassade hinauf. Architektonisch war das Gebäude kaum erwähnenswert. Im Laufe der Zeit waren an der ursprünglichen Bausubstanz so viele Änderungen angebracht worden, dass die Maße völlig außer Proportion geraten waren. Doch obwohl es von Außenstehenden gewöhnlich sogar als hässlich eingestuft wurde, hing Patricia an dem alten Herrenhaus, denn es verbanden sich damit für sie eine Reihe angenehmer Erinnerungen.

Mrs. Minton, die Haushälterin, führte Patricia in den Grünen Salon, in dem Jean Cameron bereits auf sie wartete.

„Hallo, Jeannie“, begrüßte Patricia ihre Freundin. „Wir haben uns eine Ewigkeit nicht mehr gesehen.“ Sie nahm ihre Freundin in die Arme und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Jetzt bin ich endlich hier. Ich hoffe, du hast mich noch nicht aufgegeben. Hast du meinen Brief bekommen? Kirsten hat mir das hier für euch mitgegeben.“ Sie zeigte ihr den Korb mit den Eiern.

„Patricia, ich freue mich so, dass du wieder da bist.“ Jean war eine kleine und etwas füllige Frau und Fremden gegenüber furchtbar schüchtern. Doch jetzt lachte sie gelöst und drückte Patricia dankbar an sich.

„Ja, dein Brief ist angekommen“, sagte sie. „Es ist so nett, dass du mir so oft schreibst.“ Sie wandte sich an die Haushälterin. „Hier, Minty, braune Eier. Sehen sie nicht gut aus?“

Mrs. Minton nickte und nahm Patricia den Korb ab. „Soll ich etwas Kaffee kochen?“, bot sie an.

„Ja, sei so gut, Minty“, erwiderte Jean. „Und bring uns auch etwas von deinen wunderbaren selbst gebackenen Plätzchen. Ich bin mir sicher, dass wir Patricia damit in Versuchung führen können.“

Patricia lachte. „Du und Kirsten werdet schuld daran sein, dass ich am Ende meines Urlaubs um Pfunde zugenommen habe.“

„Unsinn. Lass mich dich ansehen, Patricia.“ Jean betrachtete ihre Freundin anerkennend. „Wie hübsch du bist.“

Patricia setzte sich. „Danke, du schmeichelst mir. Doch jetzt erzähl mir, was es Neues gibt.“

„Stuart wird in den nächsten Tagen zurückkommen. Als er gestern anrief, habe ich ihm gesagt, dass du wieder da bist. Er sagte, er würde vor seiner Rückkehr nicht mehr nach Edinburgh fahren. Er wird so froh sein, dich zu sehen, Patricia. Der Arme arbeitet im Moment sehr hart.“ Jean seufzte. „Dieses Haus ist eigentlich viel zu groß für uns allein. Es wird Zeit, dass endlich Kinder kommen. Kinder von Stuart.“

Patricia spürte, dass sie rot wurde, aber sie versuchte nicht, es zu verbergen. „Ich bin sicher, dass es eines Tages so weit sein wird“, entgegnete sie ausweichend.

Jean schwieg einen Moment. „Wie geht es deinen Eltern?“, fragte sie dann. „Sind sie noch gern in Neuseeland?“

Patricia nickte. „Sie wollen nächstes Jahr für einen Besuch herüberkommen.“

Patricias Eltern waren vor einigen Jahren nach Neuseeland ausgewandert und ließen ihre Tochter bei jeder Gelegenheit spüren, dass sie es am liebsten sähen, wenn sie ihnen folgen würde.

„Stuart hat mir gar nicht erzählt, dass ihr in diesem Jahr einen neuen Mieter habt“, setzte Patricia hinzu.

„Wir hatten sehr viel Glück“, erwiderte Jean. „Unser bisheriger Mieter hat im letzten Moment abgesagt. Unser Anwalt hat uns dann kurzfristig Mr. Brandon vermittelt. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, und er hat außerdem hervorragende Referenzen. Er kommt aus Kanada und ist noch unverheiratet. Sonst wissen wir sehr wenig über ihn.“

„Vielleicht kann ich mit einigen Details aushelfen.“

Jean sah ihre Freundin ungläubig an. „Soll das etwa heißen, dass du ihm bereits begegnet bist?“ Sie schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht glauben. Du bist doch erst gestern Abend angekommen.“

„Ich bin ihm schon auf der Fahrt hierher begegnet“, antwortete Patricia und begann zu erzählen, was passiert war. Den Vorfall am Wasserfall ließ sie allerdings aus, denn dieses Erlebnis wollte sie nicht einmal ihrer besten Freundin anvertrauen.

„Er kommt aus British Columbia“, erklärte sie und trank einen Schluck Kaffee.

„Ich hätte es wissen müssen“, meinte Jean. „Du scheinst überraschende Ereignisse geradezu anzuziehen. Ich habe ihn erst einige Male gesehen, aber ich glaube, ich mag ihn. Er scheint ein netter Kerl zu sein.“

Patricia räusperte sich, und Jean setzte hinzu: „Findest du nicht auch? Ich meine, er hat etwas sehr Selbstbewusstes.“

„Ich würde ihn eher einen Besserwisser nennen“, erwiderte Patricia, und Jean musste lachen.

„Was hat er denn getan, um dich so gegen ihn einzunehmen?“, fragte sie. „Ich wünschte, ich wäre dabei gewesen.“

„Ich behalte mein Urteil lieber zurück“, sagte Patricia diplomatisch.

Sie wechselten das Thema und begannen den neuesten Klatsch aus ihrem privaten Freundeskreis auszutauschen, bis Patricia plötzlich eine etwas persönlichere Note anschlug.

„Ich glaube, Jean, ich stehe an einem Scheideweg“, sagte sie. „Anastasia Design wird langsam bekannt, und auf dem Gebiet der Innenausstattung verspreche ich mir viel. Ich hatte das Glück, einen großen Dekorationshersteller auf mich aufmerksam zu machen, und sie haben Designs für Vorhänge und Tapeten in Auftrag gegeben.“ Sie zögerte. „Unglücklicherweise will mein neuer Vermieter mich aber aus meiner Wohnung haben. Am liebsten wäre ihm, ich würde sofort ausziehen. Tue ich das nicht, so wird er mir jedenfalls den Mietvertrag nicht verlängern.“

„Das ist eine Schande“, bemerkte Jean mitfühlend. „Du hast dir die Wohnung doch so schön eingerichtet, und sie liegt so zentral.“

„Ich nehme an, dass aus diesem Grund auch ihr Wert gestiegen ist. Wie ich gehört habe, soll der ganze Block in ein Geschäftsgebäude umgewandelt werden. Diese Entwicklung kann man sicher nicht aufhalten, aber ich mag es nicht, wenn mir jemand mit einem Bündel Geldnoten vor der Nase herumwedelt und glaubt, er könne mich anschließend einfach vor die Tür setzen.“

Patricia lächelte gezwungen und fuhr dann fort: „Jedenfalls werde ich in letzter Zeit von allen möglichen Anwälten bestürmt, und aus diesem Grunde bin ich jetzt auch hier. Es sieht so aus, als wäre ich der einzige Mieter, der nicht ausziehen will. Das Paar im ersten Stock ist letzte Woche ausgezogen. Das Angebot ist sehr verlockend, aber anscheinend brauchen sie das Haus auch dringend. Soll ich mir also ein größeres Büro nehmen, oder soll ich einlenken und mir irgendwo eine kleine Wohnung mieten, in der ich gleichzeitig leben und arbeiten kann?“ Sie wischte sich mit einer Serviette Kaffee von der Hand. „Ich muss mir das alles überlegen, während ich hier bin.“

„Hast du bereits daran gedacht, dass du eines Tages, wenn du verheiratet bist …“

„Ich verstehe nicht, warum eine Ehe etwas ändern sollte“, unterbrach Patricia ihre Freundin. „Ich werde meinen Beruf jedenfalls nicht völlig aufgeben. Er gehört zu meinem Leben, und er macht mir Spaß. Wenn ich eine Familie habe, werde ich vielleicht etwas weniger arbeiten, aber ich werde nicht völlig damit aufhören.“

„Und wenn dein Mann es von dir verlangt?“

„Das wird er bestimmt nicht tun. Sonst werde ich ihn eben nicht heiraten.“

Patricia wollte aufstehen und gehen, aber Jean versuchte sie zum Bleiben zu überreden.

„Ich werde bald wieder vorbeischauen“, versicherte Patricia. „Ich hoffe, dass Stuart dich von deinen Buchhaltungspflichten befreien wird, während ich hier bin.“

„Wenn du ihn nicht dazu überreden kannst, dann wird es niemand schaffen“, sagte Jean lachend. Sie schien Patricia noch etwas fragen zu wollen, unterließ es dann aber.

Patricia war froh, dass Jean sie nicht erneut auf Stuart angesprochen hatte. Sie wusste, dass ihre Freundin nicht verstehen konnte, warum sie sich so zurückhielt. Und tatsächlich konnte Patricia das selbst nicht einfach erklären, ohne zu idealistisch zu klingen.

Jean blickte an Patricia vorbei in den Hof. „Meine Güte“, sagte sie. „Wir haben Besuch.“

Patricia wandte sich um und sah zum offenen Fenster hinaus. Durch den Garten näherte sich ein Mann dem Ard-Haus. Er blieb kurz stehen, betrachtete die Fassade des alten Herrenhauses und stieg dann die Stufen zur Terrasse hoch.

Als er an der Eingangstür erneut zögerte, rief Jean ihn. „Kommen Sie nur herein, Mr. Brandon. Wie nett, dass Sie uns besuchen kommen.“

Brandon trat herein. „Verzeihen Sie, Miss Cameron, dass ich so unangemeldet hereinschneie, aber an der Vordertür war niemand, der mir öffnete.“

Jean hob die Hände und seufzte. „Minton ist wahrscheinlich in der Garage, um nach dem Wagen zu sehen. So etwas passiert schon mal. Wie ich gehört habe, kennen Sie Patricia Quinn bereits. Sie ist eine sehr liebe Freundin von uns.“

Sie tauschten einige Höflichkeiten aus, und Patricia stellte fest, dass Brandon sich ebenfalls umgezogen hatte. Mit geübtem Blick erkannte sie, dass sein cremefarbenes Hemd und die helle Hose sehr teuer und ausgezeichnet geschnitten waren. Dabei trug Brandon seine Kleidung jedoch mit einer Haltung, die deutlich machte, dass er sich nicht viel Gedanken um seine Garderobe machte – was ihm bei Patricia weitere Pluspunkte einbrachte. Es gefiel ihr, wenn Männer zwar korrekt gekleidet waren, daraus aber nicht unbedingt eine Weltanschauung machten. Außerdem bemerkte sie, dass er sich rasiert hatte. Alles in allem wirkte er jetzt wesentlich distanzierter als heute Morgen.

„Mr. Brandon, ich meine Alexander, sagen Sie uns, was wir für Sie tun können“, fragte Jean ihn auf ihre schüchterne, aber freundliche Art.

„Im Dower-Haus funktioniert das Telefon nicht, und ich wollte mich erkundigen, ob es bei Ihnen auch kaputt ist.“

„Wie ärgerlich!“, sagte Jean. „Patricia, bist du so nett und führst Mr. Brandon in Stuarts Arbeitszimmer, damit er unser Telefon benutzen kann?“

„Ja, natürlich“, erwiderte Patricia und ging voran. Als sie die Eingangshalle durchquerten, fiel ihr die Umgebung auf einmal deutlicher auf als gewöhnlich – die vielen Ölgemälde, die Ahnengalerie der Camerons, die ausgestopften Jagdtrophäen.

Sie drückte die Tür zum Arbeitszimmer auf und trat ein. Dies war eins ihrer Lieblingszimmer. Die Wände waren mit Holz ausgetäfelt, an den Wänden standen Bücherregale, die bis zur Decke reichten, und über dem eindrucksvollen offenen Kamin hing das Ölgemälde eines älteren Mannes in der schottischen Landestracht.

„Das ist Lord Cameron, Stuarts Vater“, erklärte Patricia, als sie sah, wie Brandon das Gemälde betrachtete.

„Ein sehr würdig dreinblickender Herr“, bemerkte Alexander.

Patricia verzog das Gesicht. „Als Kind habe ich mich immer vor ihm gefürchtet.“

Alexander wandte sich zu dem zweiten Gemälde, das den jungen Stuart Cameron an seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag zeigte, ebenfalls im traditionellen Schottenrock gewandet.

„Stuart kommt nicht besonders nach seinem Vater“, meinte Alexander, und Patricia nickte zustimmend. „Vielleicht ist das aber auch besser so“, setzte er nachdenklich hinzu.

„Was meinen Sie damit?“, fragte sie misstrauisch.

Er drehte sich um und sah sie einen Moment an. „Ich habe gehört, dass der alte Cameron meistens auf das falsche Pferd gesetzt hat.“ Er sah, dass Patricias Miene sich verfinsterte. „Es tut mir leid, aber ich dachte, das sei allgemein bekannt. Mein Anwalt hat es mir erzählt.“ Er blickte wieder zu dem Porträt. „Kein glückliches Vermächtnis für einen Sohn.“

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