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ROMANA EXKLUSIV BAND 247

ANNE MATHER

Liebesurlaub in Irland

Beinahe hätte er vergessen, wie sexy und leidenschaftlich seine Frau sein kann. Jack Riordan kommt es vor wie ein Traum, als Rachel ihn plötzlich verführt. Ob sie nur mit ihm spielt? Schließlich scheint sie fest überzeugt zu sein, dass er sie betrogen hat – ausgerechnet mit dieser intriganten Frau, die sie selbst bis an die Küsten Irlands verfolgt …

EMMA DARCY

Drei Tage und drei Nächte

Ist Erin wirklich ihrem Märchenprinzen begegnet? Als sie der smarte Multimilliardär Peter Ramsey in sein Penthouse am Strand entführt, ist sie wie verzaubert. Drei Tage und drei Nächte gibt sie sich ganz der Leidenschaft hin. Doch dann muss sie ihm verraten, wer sie wirklich ist. Und so schnell wie er auftauchte, will er dem Märchen ein Ende setzen …

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Unter den Sternen der Karibik

Nach einem romantischen Candelight-Dinner an Deck eines Kreuzfahrtschiffes ist der erfolgreiche Geschäftsmann Rick Conners am Ziel seiner Träume: Endlich kann er seine hübsche Kollegin Lucy Blake in die Arme schließen. Aber am nächsten Morgen ist sie spurlos verschwunden – ohne ein Wort der Erklärung …

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Liebesurlaub in Irland

1. KAPITEL

„Da ist eine junge Dame, die Sie sehen möchte, Mrs Riordan.“

Die Haushälterin war auf die Terrasse gekommen, als Rachel gerade dabei war, Rosen zu schneiden. Rachel legte die weiße Blüte in einen Korb zu ihren Füßen und richtete sich auf. Sie war nicht in der Stimmung für Besuch und außerdem nicht angemessen gekleidet. Mrs Grady schien die Dame nicht zu kennen, sonst hätte sie einen Namen genannt. Entweder war es eine von Jacks Kundinnen oder jemand, der Spenden sammelte. Aber warum hatte die Haushälterin sich dann nicht selbst darum gekümmert?

„Haben Sie ihr nicht gesagt, dass Mr Riordan nicht hier ist?“, fragte Rachel, als sie zu dem Schluss kam, dass es wohl eine Kundin von Jack sein musste. Sie konnte sich zwar nicht vorstellen, wie die Frau an seine Adresse gekommen war, doch Jack hatte seine eigenen Regeln.

„Sie will gar nicht zu Mr Riordan“, erwiderte Mrs Grady. „Die Dame hat ausdrücklich nach Ihnen gefragt. Sie sagte, ihr Name sei Karen Johnson. Anscheinend glaubt sie, dass Sie sie kennen.“

Rachel hatte plötzlich das Gefühl, dass ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Sie fühlte sich krank und schwindlig. Zitternd hielt sie sich am Rosenspalier fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Doch Mrs Grady kannte ihre Hausherrin zu gut, um die plötzliche Blässe in Rachels Gesicht nicht zu bemerken. Die Haushälterin eilte auf Rachel zu und stützte sie.

„Da sehen Sie es“, tadelte Mrs Grady. „Wusste ich doch, dass Sie nicht ohne Hut in der heißen Sonne hätten arbeiten sollen. Sie haben es wieder übertrieben, nicht wahr? Kommen Sie herein, und ich bringe Ihnen ein schönes Glas Eistee.“

„Es geht mir gut.“ Rachel spürte, wie wieder etwas Farbe in ihre Wangen zurückkehrte. „Wo ist Miss … Miss Johnson? Führen Sie sie besser in den Salon, während ich mir die Hände wasche.“

„Soll ich das wirklich?“ Mrs Grady hatte den Korb mit Rosen genommen und sah ihre Hausherrin zweifelnd an. Noch immer hielt sie Rachels Arm und drängte sie leicht Richtung Haus. „Ich kann der jungen Dame einfach sagen, dass Sie keine Zeit haben. Wenn es wichtig ist, kann sie sicher an einem anderen Tag wiederkommen.“

Rachel war versucht, Mrs Gradys Vorschlag anzunehmen. Aber dem Treffen aus dem Weg zu gehen würde das Problem nicht lösen. Dennoch war sie fassungslos, dass diese Frau so unverfroren hier auftauchte. Hatte Jack sie dazu angestiftet? Rachel bezweifelte es. Er hatte seine Fehler, doch grausam war er nicht.

„Schon in Ordnung, Mrs Grady“, sagte sie schließlich und verwarf jeden Gedanken daran, ihre Meinung zu ändern. „Ich komme gleich. Bringen Sie uns bitte Eistee.“

Rachel ging über die hintere Treppe nach oben. Erleichtert betrat sie ihr Schlafzimmer. Zwar hatte sie Mrs Grady gesagt, dass es ihr besser gehe, doch sie fühlte sich noch immer etwas wackelig auf den Beinen. Deshalb ging sie in ihr Badezimmer und kühlte ihr heißes Gesicht mit Wasser.

In der Ruhe der vertrauten Räume entspannte sie sich etwas. Der kleine Salon, das Schlaf- und das Badezimmer waren ihr eigenes Reich, das nur ihr gehörte.

Wie kann diese Frau es nur wagen, hierherzukommen? fragte sie sich ungläubig. Was will sie hier? Was könnten wir beide uns schon zu sagen haben? Sie ist Jacks Geliebte, ich bin seine Frau. Sicherlich sollte ich eher mit ihm reden.

Rachel betrachtete sich in dem großen Spiegel über dem Waschtisch. Sie wirkte schockiert. Wie ein gehetzter Hase, der sich im Scheinwerferlicht eines herannahenden Autos wiederfindet, dachte sie müde. Und ich habe keine Ahnung, wie ich das Unvermeidliche abwenden soll.

Dennoch wollte Rachel sich nicht in ihrem eigenen Haus einschüchtern lassen. Sie war immer noch die Hausherrin hier. Eigentlich sollte sie diese Karen einfach wegschicken.

Doch dafür war es jetzt zu spät. Karen saß bereits im Salon und bekam Eistee serviert. Es wäre besser, sie nicht warten zu lassen. Sie sollte nicht glauben, Rachel hätte Angst davor, der Gespielin ihres Mannes gegenüberzutreten.

Rachel atmete tief ein und warf einen kritischen Blick in den Spiegel. Es war ein warmer Tag, und sie hatte keine Besucher erwartet. Deshalb trug sie hellgrüne Leinenshorts und ein blaues, locker sitzendes Seidentop ohne Ärmel.

Soll ich mich umziehen und etwas Make-up auflegen, bevor ich sie treffe? Etwas Lidschatten vielleicht, beschloss sie und schminkte ihre Augen in einem weichen Umbraton. Passend zu den von der Sonne gebleichten Strähnen in ihrem blonden Haar legte sie zartes Lipgloss auf.

Zufrieden mit ihrem Erscheinungsbild wollte sie Karen nicht länger warten lassen. Die Frau sollte nicht denken, dass Rachel sich extra für sie herausputzte. Noch einmal sah sich Rachel in ihrem elegant eingerichteten Zimmer um, um Selbstvertrauen zu sammeln. Sie hatte das ungute Gefühl, dass nach ihrem Treffen mit Karen nichts mehr wie früher sein würde.

Karen saß auf einem der Samtsofas, die um den Kamin im Salon standen. Auch dieser Raum war geschmackvoll eingerichtet, durch die offenen Fenster sah man den wunderschön angelegten Garten auf der Rückseite des großzügigen Hauses.

Auf der Schwelle zögerte Rachel kurz. Karen sieht so entspannt aus, als wohne sie hier, dachte sie angespannt. Ein Fremder hätte vielleicht Karen für die Hausherrin gehalten.

Im Gegensatz zu ihr war Karen sehr förmlich gekleidet. Das blassrosa Kostüm mit dem kurzen Rock enthüllte viel Bein und Dekolleté. Sie hatte keine Strümpfe an, trug aber hochhackige Pumps.

Sie wirkt sehr selbstsicher, dachte Rachel unbehaglich. Schick und mondän, offenbar weiß sie, wie sie Männer dazu bringt, sich nach ihr umzudrehen. Auffallend war Karens rotes Haar, doch Rachel war sicher, dass es genauso unecht war wie das Lächeln, mit dem Karen ihre Ankunft quittierte.

Karen stand auf. An der Art, wie sie ihre Handtasche umklammerte, erkannte Rachel die Anspannung ihrer Rivalin. Karen war nicht so groß wie sie, hatte aber üppige Rundungen. Ihre Brüste schienen fast das flammend rote Bustier zu sprengen.

Zunächst stand Karen nur da und wartete, dass Rachel den ersten Schritt machte. Am liebsten hätte Rachel sie angeschrien und gefragt, was sie in ihrem Haus zu suchen habe, doch sie wollte nicht albern sein. Deshalb ging sie in den Salon und begrüßte Karen mit einem kühlen „Mrs Johnson, nehme ich an“, so als hätte sie die Fotos von Karen und Jack nie gesehen. „Wenn Sie meinen Mann suchen, muss ich Sie enttäuschen. Er ist nicht hier.“

„Das weiß ich, Mrs Riordan.“ Karens Selbstsicherheit war zurückgekehrt. Sie ließ sich nicht anmerken, ob es sie überraschte, dass Rachel sie erkannte. „Er ist in Bristol und unterschreibt den Vertrag für das neue Einkaufszentrum.“

Sie kennt also seinen Terminplan, dachte Rachel und versuchte, gleichgültig zu wirken. „Das stimmt“, erwiderte sie beiläufig. Jack sagte ihr in letzter Zeit selten, wohin er ging. „Was führt Sie hierher, Miss Johnson? Ich denke, wir beide haben uns nichts zu sagen.“

„Das sehe ich anders.“ Karen wartete nicht darauf, dass Rachel sie aufforderte, Platz zu nehmen, sondern ließ sich wieder auf dem Sofa nieder. „Setzen Sie sich doch, Mrs Riordan. Was ich Ihnen zu sagen habe, wird Sie vielleicht ein wenig aufregen.“

Rachel überlegte unwillkürlich, wie viel es wohl kosten würde, alle drei Sofas zu ersetzen. Ein paar tausend Pfund vermutlich – aber das wäre es wert, um sich nicht mehr an diese Szene erinnern zu müssen. „Ich bleibe lieber stehen“, sagte sie knapp. Sie hoffte, dass Karen den Wink verstand und sich kurzfasste.

„Wie Sie wollen.“

Karen zuckte die Schultern, doch bevor sie noch etwas sagen konnte, kam Mrs Grady mit einem Tablett in den Raum, auf dem zwei Gläser und eine Karaffe Eistee standen. Rachel wünschte, sie hätte ihre Haushälterin nicht darum gebeten, aber nun war es zu spät, es sich anders zu überlegen.

„Hier, der Tee. Kann ich Ihnen sonst noch etwas bringen, Mrs Riordan?“, fragte Mrs Grady und sah Rachel besorgt an.

„Nein danke, das wäre alles“, brachte Rachel mit einem gezwungenen Lächeln hervor.

„Sie wirken noch immer krank. Sind Sie sicher, dass Sie sich wohl…“

„Es geht mir gut, Mrs Grady.“ Karen sollte auf keinen Fall denken, dass Rachel sich wegen ihres Besuchs schlecht fühlte. Oder unglücklich, dachte Rachel insgeheim und warf ihrer Haushälterin einen vielsagenden Blick zu. „Wenn ich noch etwas brauche, rufe ich Sie.“

Mrs Grady zog die Augenbrauen hoch, wandte aber nichts ein. Nachdem sie gegangen war, wies Rachel auf den Eistee. „Bedienen Sie sich“, sagte sie, um Karen nicht einschenken zu müssen. „Ihnen muss sehr heiß sein. Sie tragen das Kostüm ja hoffentlich nicht meinetwegen.“

Voller Genugtuung bemerkte sie, wie Karen wütend wurde. Und wenn schon, dachte Rachel trotzig. Sie verdient Schlimmeres dafür, dass sie es wagt, hierherzukommen. Was will sie denn? Reicht es ihr nicht, mit Jack zu schlafen? Glaubt sie vielleicht, dass wir uns trennen?

„Ich kleide mich immer dem Anlass entsprechend“, antwortete Karen nach kurzem Überlegen. „Kleidung ist ja so wichtig, finden Sie nicht? Vor allem, wenn man einem Mann gefallen will.“

„Ich kleide mich nur nach meinen Vorstellungen“, erwiderte Rachel nicht ganz ehrlich. Früher habe ich das getan, erinnerte sie sich. Bevor Jack in mein Leben getreten ist und es ruiniert hat.

„Das sehe ich“, sagte Karen und beugte sich vor, um sich ein Glas Eistee einzuschenken. Eiswürfel klirrten, und Rachel hätte sich am liebsten selbst Tee geholt. Doch sie befürchtete, dass ihre zitternden Hände ihre Nervosität verraten würden.

„Ausgezeichnet.“ Karen kostete den ersten Schluck absichtlich voller Genuss aus. „Wollen Sie Ihre Meinung wirklich nicht ändern, Mrs Riordan? Ihnen ist sicherlich genauso heiß wie mir.“

Rachel ging zum Sofa gegenüber und legte leicht die Hand auf die weiche Lehne. „Warum kommen Sie nicht endlich zur Sache? Wenn Sie mich mit Ihrer bloßen Existenz schockieren wollten, verschwenden Sie Ihre Zeit, wie Sie zweifellos bemerken.“

Karen stellte das Glas auf das Tablett zurück und faltete die Hände in ihrem Schoß. Sie sah Rachel boshaft an. „Sie fühlen sich unglaublich sicher, nicht wahr?“, höhnte sie. „Aber was ist, wenn ich Ihnen sage, dass ich Jacks Baby erwarte?“

Karens Worte versetzten Rachel einen schmerzhaften Stich. Sie brauchte jeden Funken Selbstbeherrschung, um nicht in Tränen auszubrechen. Das kann nicht wahr sein, dachte sie entsetzt. Sie muss lügen. Rachel hatte so viel Leid ertragen, um Jack das Kind zu schenken, das er sich so sehr wünschte, dass er doch sicher nicht seine Geliebte schwängerte?

Rachel bemerkte Karens abschätzenden Blick und wusste instinktiv, dass die Frau von ihren drei Fehlgeburten wusste. Hatte Jack es ihr erzählt? Es konnte durchaus sein. Doch Rachel wollte lieber daran glauben, dass es jemand anderes aus seinem Büro gewesen war.

Es war schließlich kein Geheimnis. Anfangs hatte Jack eifrig verkündet, dass er Vater werden würde. Erst nachdem Rachel zwei Babys im ersten Schwangerschaftsdrittel verloren hatte, verschwieg er, dass sie wieder in anderen Umständen war. Und das war auch gut so, denn auch dieses Kind war eine Fehlgeburt.

Solche Gedanken konnte sie jetzt nicht zulassen. Karen ließ Rachel nicht aus den Augen, suchte offenbar nach einem Zeichen von Schwäche. Rachel wusste, dass sie ihre Gefühle verbergen musste, bis die Frau gegangen war.

Langsam ließ sie sich auf die Sofalehne sinken. Sie fühlte sich einfach zu schwach auf den Beinen und hoffte, dass man ihr ihr Entsetzen nicht allzu sehr ansah. Vermutlich war sie leichenblass, doch sie musste Karen antworten.

Bevor sie dazu Gelegenheit hatte, beugte Karen sich vor und goss etwas Eistee in das zweite Glas. „Hier“, sagte sie und reichte es Rachel. Die Geste wirkte fürsorglich, doch Rachel wusste, dass kein echtes Mitgefühl darin lag.

„Nein, danke“, murmelte sie. Karen zuckte die Schultern und setzte das Glas wieder ab.

„Wie Sie meinen“, erwiderte sie achtlos. „Also, was werden Sie deswegen tun?“

Rachel sah sie ungläubig an. Sie hatte keine Ahnung, was sie sagen sollte. Fragen wie „Im wievielten Monat sind Sie?“, oder „Haben Sie es Jack schon erzählt?“, konnte sie unmöglich stellen. Sie wollte die Antworten gar nicht wissen. Offensichtlich hatte man Karens Schwangerschaft bestätigt, sonst wäre sie nicht gekommen. Aber wenn Jack davon weiß, hätte er es mir doch sicher gesagt – oder? Rachel hatte plötzlich das Gefühl, mit der Situation nicht umgehen zu können.

Sie nahm all ihren Mut zusammen und trat die Flucht nach vorn an. „Was ich tun werde?“, wiederholte sie, erstaunt darüber, dass ihre Stimme völlig normal klang. „Ich habe nicht die Absicht, irgendetwas zu tun. Sie sagen mir, dass Sie ein Kind erwarten. Wenn das stimmt, müssen Sie sich damit auseinandersetzen.“

„Oh nein!“ Karen sprang auf. Sie klang wütend. „So leicht kommen Sie mir nicht davon. Ich bin nicht hierhergekommen, um mich einfach so abfertigen zu lassen.“

Rachel lag eine schnippische Antwort auf der Zunge, doch sie hielt sich zurück. In dieser Angelegenheit gab es wirklich nichts zu spaßen. Wieder einmal wünschte sie sich, dass ihre Mutter noch lebte. Doch sie war seit zehn Jahren tot. Sie musste sich selbst helfen.

„Es tut mir leid, dass Sie das so sehen, Miss Johnson. Aber ich kann wirklich nichts für Sie tun“, sagte Rachel bestimmt, bevor Karen sie erneut angriff.

„Von wegen!“ Karen starrte sie wütend an. „Sie können schon einmal damit anfangen, sich von Jack scheiden zu lassen. Oder sind Sie so egoistisch, dass Sie ihm die Chance auf einen eigenen Sohn verweigern?“

Rachel hatte nicht gedacht, dass diese Frau sie noch mehr verletzen könnte, als sie es bereits getan hatte. Sie hatte sich geirrt.

„Er hat Sie nur geheiratet, um die Kontrolle über das Geschäft Ihres Vaters zu übernehmen“, fuhr Karen voller Verachtung fort. „Frauen wie Sie machen mich krank. Ihr ganzes Leben lang wurden Sie beschützt, man hat sich um Sie gekümmert und dafür gesorgt, dass die kleine Prinzessin sich nicht die Hände schmutzig machen musste.“

„Das ist nicht wahr!“

Obwohl sie sich nicht auf einen Streit mit dieser Frau einlassen wollte, musste Rachel protestieren. Als sie Jack geheiratet hatte, hatte sie gerade ihr Kunststudium beendet und sich nach einem Job umgesehen. Sie hatte sich bereits mit Verlagen in Verbindung gesetzt und ihre Arbeiten vorgestellt. Als sie schwanger geworden war, hatte sie an ihren ersten Versuchen für Buchillustrationen gearbeitet.

Karen ignorierte Rachels Einwurf. „Weshalb haben Sie Jack überhaupt geheiratet? Natürlich sieht er umwerfend gut aus. Aber Sie müssen doch gewusst haben, dass er Sie nicht liebt. Er ist ein echter Mann, keiner der hübschen Schuljungen, die Sie gewöhnt sind.“ Sie lächelte süffisant. „Jack ist kein Weichei. Er braucht eine richtige Frau. Jemanden wie mich.“

„Tatsächlich?“

Irgendwie gelang es Rachel, gelangweilt zu klingen. Erfreut bemerkte sie, wie sich Karens Gesichtsausdruck veränderte.

„Ja, tatsächlich“, erwiderte Karen hitzig. Sie stand kurz vor einem Wutausbruch. „Deshalb bin ich gekommen. Jack will Sie nicht verletzen. Ich nehme an, Sie tun ihm leid. Aber so kann es nicht weitergehen. Nicht jetzt, wo ich sein Kind erwarte.“

Rachel stand auf. Sie fühlte sich noch immer unsicher und seltsam distanziert, wie in einem Traum. Doch wenn sie etwas von ihrer Selbstachtung behalten wollte, konnte sie nicht zulassen, dass Karen fortfuhr. Immerhin befand sich Rachel in ihrem eigenen Haus. Sie würde sich von dieser Frau nicht zum Opfer machen lassen.

„Sie gehen jetzt besser, Miss Johnson“, sagte sie. Die Autorität in ihrer Stimme bestürzte selbst Karen. Rachel durchquerte den Raum und läutete nach ihrer Haushälterin. „Mrs Grady wird Ihnen den Weg nach draußen zeigen. Bitte kommen Sie nie wieder hierher.“

„Sie können mich nicht so behandeln!“

„Ich denke schon.“ Karens Wut gab Rachel etwas von ihrer Selbstsicherheit zurück. „Sie sind hier nicht willkommen, Miss Johnson. Seien Sie froh, dass ich nicht die Polizei rufe, um Sie hinauswerfen zu lassen.“

„Das würden Sie nicht wagen!“ Karen starrte sie an, als wollte sie sich vergewissern, dass Rachel es ernst meinte. Dann lachte sie verächtlich auf. „Stellen Sie sich nur vor, was die Regenbogenpresse schreiben würde, wenn Sie die Geliebte Ihres Mannes aus dem Haus hetzen. Sie bluffen doch, Mrs Riordan. Wahrscheinlich sind Sie außer sich vor Angst, dass ich mich selbst an die Öffentlichkeit wende.“

„Verschwinden Sie!“ Rachel ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, obwohl ihre Stimme zitterte. „Raus hier, bevor ich Sie hi­nauswerfen lasse“, stieß sie wütend hervor und ballte die Hände zu Fäusten.

Karen ging widerwillig zur Tür. „Sie haben nicht zum letzten Mal von mir gehört“, drohte sie herausfordernd. „Warten Sie nur, bis ich Jack erzähle, wie Sie mich behandelt haben. Dann werden Sie nicht einmal mehr halb so eingebildet sein wie jetzt.“

Ich werde Jack von Ihrem Besuch berichten“, sagte Rachel scharf. „Er wird sicher begeistert sein zu hören, was Sie von seinem Charakter halten.“

„Was soll das heißen?“

Karen war plötzlich auf der Hut. Rachel lächelte spöttisch. „Ich kann es kaum erwarten, ihm zu sagen, dass er mich nach Ihrer Meinung nur geheiratet hat, um die Firma zu übernehmen. Sie behaupten ja praktisch, er hätte es nicht aus eigener Kraft schaffen können.“

„Sie Kuh!“

Langsam fand Rachel Gefallen an dem Ganzen. „Was ist los, Miss Johnson? Merken Sie, dass Sie zu weit gegangen sind?“

„Nein.“ Karen war völlig aufgewühlt. „Es ist mir egal, was Sie sagen, ich werde Jacks Baby bekommen. Sie können sich noch so anstrengen, Mrs Riordan, aber ich habe den Trumpf in der Hand.“

Rachel versuchte sich zurückzuhalten, doch es brach aus ihr heraus: „Aber nur einen!“ Als Karen sich ungläubig zu ihr umwandte, fügte sie hinzu: „Habe ich es Ihnen nicht erzählt? Ich erwarte ebenfalls ein Kind.“

2. KAPITEL

Jack kam erst spät nach Market Abbas zurück.

Es hatte nicht lange gedauert, den Vertrag zu unterschreiben. Doch danach gab es Lunch mit dem Bürgermeister, gefolgt von einer Rundfahrt durch die Stadt. Vor einem frühen Dinner mit dem Architekten, dem Sachverständigen und anderen Würdenträgern wurden Drinks eingenommen – etwas, was Jack neuerdings zu vermeiden versuchte. Jack wusste, dass es allen nur darum ging, dabei zu sein, aber er musste trotzdem eine Zeit lang mitspielen, bevor er aufbrechen konnte.

Alles hatte sich positiv entwickelt, und jeder schien mit dem Vertrag zufrieden zu sein. Jack fand, dass er sich gut verkauft hatte. Immerhin war er heute Morgen überhaupt nicht in Stimmung für den Vertragsabschluss gewesen. Seit er am Dienstag mit seinem Arzt gesprochen hatte, fiel es ihm schwer, einen Sinn in seinem Leben zu finden, geschweige denn in etwas anderem.

Es war ganz gut, dass er und Rachel nur wenig Zeit miteinander verbrachten. In der Zeit nach ihrer Heirat hätte sie sofort bemerkt, wenn etwas nicht stimmte. Die letzten paar Monate aber waren die Hölle gewesen. Jack schlief schlecht und hatte kaum Appetit. Der Druck, das kontinuierliche Wachsen der Firma zu kontrollieren, und die neuen Verpflichtungen seit dem Tod von Rachels Vater lasteten schwer auf ihm. Sich nun auch noch mit Karen Johnson auseinandersetzen zu müssen war einfach zu viel.

Als er durch das offene Tor des Hauses fuhr, das er kurz nach der Hochzeit mit Rachel an der Küste von Devon gebaut hatte, war Jack erleichtert. Er war froh, dass es dunkel war, da er so die Müdigkeit verbergen konnte, die sich zweifellos in seinem Gesicht zeigte. Sein Zuhause lag hundert Meilen von Bristol entfernt, und obwohl er gerne fuhr, wünschte er, er hätte heute seinem Fahrer das Steuer überlassen.

Im Haus brannte noch Licht, obwohl es schon nach elf war. Jemand musste noch wach sein. Jack tippte auf Mrs Grady. Es war schon lange her, dass Rachel aufgeblieben war, um auf ihn zu warten. Jacks Müdigkeit wich Bedauern. Er vermisste die Unterhaltungen, die er spätabends mit seiner Frau geführt hatte. Dabei konnte er die Ereignisse des Tages in die richtige Perspektive rücken. In letzter Zeit redeten Rachel und er kaum noch über die Firma. Seit Rachels Vater vor zwei Jahren gestorben war, konnte Jack mit niemandem in der Familie über seine Probleme sprechen.

Aber wer war schuld daran?

Jack wollte an diesem Abend nicht mehr darüber nachdenken. Er war zu müde und niedergeschlagen. Er hatte es satt, in erster Linie der Geschäftsführer von Fox Constructions zu sein und erst an zweiter Stelle Jack Riordan.

Jack seufzte, parkte den Aston Martin vor dem Haus und stieg aus. Den Wagen ließ er draußen stehen. Wenn er gestohlen wurde, dann sollte es eben so sein, es war ihm egal.

So war das Leben. Es gab und nahm völlig willkürlich. Besser konnte man die Art, wie das Schicksal ihn und Rachel behandelt hatte, nicht beschreiben.

Das Handy in seiner Jackentasche klingelte. Jack unterdrückte einen Fluch und holte es hervor. Wie erwartet war es Karen. Er wies den Anruf ab. Die letzten drei Monate hatte sie ihn immer wieder angerufen, und er wollte heute Abend nicht mehr mit ihr reden.

Nachdem er das Handy ausgeschaltet hatte, steckte er seinen Schlüssel ins Haustürschloss und drehte ihn vorsichtig, um Rachel nicht zu wecken. Vermutlich schlief sie inzwischen. Sie hatte schon immer einen leichten Schlaf gehabt und war aufgewacht, sobald er in ihr gemeinsames Schlafzimmer gekommen war. Mittlerweile hatten sie getrennte Zimmer. Nach der dritten Fehlgeburt hatte Rachel ihm sehr klargemacht, dass sie lieber allein schlief.

In der großen Eingangshalle waren die Lampen an. Sie warfen ein sanftes Licht auf das Parkett. Gemälde, die er und Rachel gemeinsam ausgesucht hatten, wirkten wie bloße Schatten an den Wänden, der große Waterford-Kronleuchter an der Decke war dunkel.

Man erreichte die meisten Räume im Erdgeschoss über die großzügige Eingangshalle, doch alle Türen waren geschlossen. Unter keiner war ein Streifen Licht zu erkennen. Auch die Galerie war dunkel, doch Jack achtete nicht darauf. Wenn Mrs Grady noch wach war, würde sie sich in der Küche aufhalten. Jack ging durch die Tür hinter der Treppe in das Reich seiner Haushälterin.

Zu seiner Überraschung brannte auch in der Küche kein Licht. Er knipste es an. Indirekte Beleuchtung erhellte die Granitarbeitsflächen und die hellen Eichenschränke, doch im Raum war niemand. Missmutig ging er zu dem großen Kühlschrank, öffnete ihn und holte sich eine Packung Milch heraus. Er sah sich nach einem Glas um, trank dann jedoch direkt aus dem Karton. Die Milch schmeckte kalt und erfrischend. Er schloss den Kühlschrank und nahm den Milchkarton mit nach oben.

Vermutlich tut mir die Milch besser als das Steak, an dem ich vorhin im Restaurant herumgestochert habe, dachte er und lockerte die Krawatte. Mrs Grady würde sich wohl kaum beschweren, immerhin sagt sie mir ständig, dass ich mich besser ernähren soll.

Jeder Gedanke an seine Haushälterin war wie weggeblasen, als er den ersten Stock erreichte. Nur langsam wurde ihm klar, dass es hier oben nicht nur wegen des Lichts, das Rachel vielleicht für ihn angelassen hatte, so hell war. Er spürte Wärme und nahm einen seltsamen Duft wahr. War es Parfüm? Räucherstäbchen? Durch die offenen Türen von Rachels Zimmer war ein flackerndes Leuchten zu erkennen.

Im ersten Moment dachte er an Feuer. Sein Herz schlug schneller. Ohne großen Erfolg versuchte er, Ruhe zu bewahren. Ob einer der Anrufe, die er ignoriert hatte, von hier gekommen war?

Er ließ den beinahe leeren Milchkarton zu Boden fallen und rannte über den Flur zur Tür. Entgegen seinem Wunsch war Rachel aus ihrer gemeinsamen Suite ausgezogen und wohnte nun in einer der vier Gästesuiten im gegenüberliegenden Flügel des Hauses. Die offenen Türen ihres Zimmers mussten bedeuten, dass es brannte. Obwohl sich der Druck in seiner Brust verstärkte, sorgte Jack sich mehr um seine Frau als um seine eigene Gesundheit.

Als er den Raum erreichte, nahm ihm der Anblick den Atem. Das Flackern stammte von einem Meer parfümierter Kerzen, die im ganzen Schlafzimmer verteilt standen. Ihre Wärme und ihr Duft waren betörend.

Jack blieb in der Tür stehen und presste eine Hand an sein Herz, das wie wild schlug, mit der anderen stützte er sich am Türrahmen ab. Wie durch einen Nebel nahm er wahr, dass das Bett zurückgeschlagen war, doch im Raum war niemand. Es war, als hätte jemand Rachel weggezaubert und die brennenden Kerzen an ihrer Stelle zurückgelassen.

Er rang um Atem und lehnte sich nun schwer an den Rahmen. Was sollte das alles bedeuten? Jack griff in die Innenseite seiner Jacke und fand die Pillen, die ihm der Arzt gegeben hatte. Nachdem er eine genommen hatte, spürte er erleichtert, wie sein Herzschlag langsamer wurde. Vielleicht kennt Rachel meinen Gesundheitszustand und versucht, mich umzubringen, dachte er ironisch und musste leicht lächeln.

Er wollte sich gerade aufrichten, als sich die Tür zu Rachels Badezimmer öffnete. Ungläubig beobachtete er, wie Rachel barfuß in das Schlafzimmer trat. Sie trug kaum etwas am Körper. Jack konnte den Blick nicht von ihr wenden.

Ein schwarzer Spitzen-BH verlieh ihr ein überraschend üppiges Dekolleté, und in dem winzigsten Stringtanga, den Jack je gesehen hatte, war sie atemberaubend schön. Eine schlanke langbeinige Schönheit mit glattem blondem Haar.

„Himmel“, brach es aus Jack hervor.

Rachel sah ihn unschuldig an. „Oh, Jack“, erwiderte sie sanft, als hätte sie ihn gerade eben erst bemerkt. „Ich habe auf dich gewartet.“

Jack hatte das Gefühl zu träumen. Der kurze Sprint über den Flur hatte ihm wohl nicht gut getan, er musste sich das alles einbilden. Es war zweifellos ein Traum. Eine Ahnung dessen, wie ihr Leben hätte sein können.

„Hallo“, brachte er mühsam hervor. Es gab unzählige Dinge, die er sagen wollte, sogar sagen sollte, doch er war zu verwirrt, um jetzt schlagfertig zu sein.

„Du siehst müde aus“, sagte Rachel und kam auf ihn zu. Sie blieb vor ihm stehen und strich ihm sein widerspenstiges dunkles Haar aus der Stirn. „Hattest du einen stressigen Tag?“

Ihre Finger kühlten seine heiße Stirn, und als sie sich streckte, enthüllte der knappe BH eine rosige Brustspitze. Sie schien es nicht zu bemerken – im Gegensatz zu ihm. Der Duft, der von ihrem warmen Körper ausging, war betörender als die Kerzen um sie herum.

Jack spürte, wie sein Körper reagierte. Es war zwar mehr als zwei Jahre her, dass er und Rachel miteinander geschlafen hatten, doch er erinnerte sich noch gut daran, wie unglaublich sie im Bett harmoniert hatten. Leider war Rachel immer sofort schwanger geworden. Die Zeit und die schmerzvollen Erfahrungen hatten ihn gelehrt, dass sie sich ihm nicht mehr hingeben wollte.

„Rachel“, sagte er heiser und merkte, wie sein Herz trotz der Pille wieder zu rasen begann.

„Nun komm schon, Jack“, erwiderte sie, nahm seine Hand und zog ihn in die Wärme und das gedämpfte Licht des Schlafzimmers. Sie deutete auf das große Bett, das sie beide noch nie geteilt hatten. „Setz dich. Möchtest du einen Drink?“

Nichts hätte Jack im Moment lieber gehabt, doch er schüttelte den Kopf. Wenn das alles ein Traum war, musste er seine Erregung nicht auch noch mit Alkohol schüren.

Er ließ zu, dass sie ihn in den Raum führte, die Türen schloss und ihn sanft dazu brachte, sich auf dem Bett niederzulassen. Tatsächlich fühlte er sich nicht ganz sicher auf den Beinen. Daran war das Verlangen, das Rachel in ihm entfachte, ebenso schuld wie sein schlechter Gesundheitszustand.

Der Atem stockte ihm, als sie sich vor ihm niederkniete. Was kommt jetzt? dachte er und fragte sich unwillkürlich, ob man an seinen eigenen Fantasien sterben konnte. Doch sie zog ihm nur die Schuhe und seine Socken aus. Als er barfuß war, ließ sie ihre Hände unter seine Hosenbeine gleiten und massierte sanft seine Waden.

Rachel lächelte beinahe schüchtern, als er sich auf die Ellenbogen zurücklehnte und seine Handflächen Halt suchend auf die Bettdecke presste. Ob Rachel ahnte, dass er sich nur so zurückhalten konnte, sie in seine Arme zu ziehen? Seine Erregung konnte ihr nicht entgangen sein.

„Na also, fühlt sich das nicht schon besser an?“, sagte Rachel, als wäre er an ihre sinnliche Fürsorge gewöhnt. So unbedarft war sie nicht, also was führte sie im Schilde? Das Ziehen in seiner Leiste hatte ihn überzeugt, dass dies alles, so unwahrscheinlich es auch war, tatsächlich geschah.

Dennoch, als sie wieder aufstand und er auf Augenhöhe mit dem schwarzen String war, der sich verführerisch um ihre Hüften schlang, konnte er seinen Blick nicht abwenden. Er war wie gebannt von der schwarzen Spitze und konnte nicht leugnen, dass Rachel unglaublich sexy war.

„Entspann dich“, sagte sie, kam näher und griff nach seiner Krawatte, die er bereits etwas gelockert hatte. Mit ihren schlanken Fingern begann Rachel, den Knoten zu öffnen. Wäre es Jack nicht so schmerzlich bewusst gewesen, dass ihre Hüfte seinen Schenkel berührte, hätte er ihr Geschick bewundert.

Jack stellte fest, dass er sich unmöglich entspannen konnte. Es half auch nicht, dass Rachel sich mit einem Knie neben ihm auf dem Bett abstützte und anfing, sein Hemd aufzuknöpfen. Ihre Fingerspitzen strichen sanft über seine Haut, und er spürte, wie sie sinnlich über seine Hand nach unten glitten. Rachel brachte ihn mit aufreizender Langsamkeit dazu, die Kontrolle zu verlieren. Er musste sie aufhalten.

„Rachel, bitte“, protestierte er schwach, doch als er die Hand hob, verlor er das Gleichgewicht und fiel rückwärts auf die Matratze. Zu seiner Überraschung folgte Rachel ihm auf das Bett, setzte sich auf ihn und fuhr fort, sein Hemd zu öffnen und es ihm aus der Hose zu ziehen.

Zu wissen, dass sie mit gespreizten Beinen auf ihm saß, überwältigte ihn beinahe. Er war noch nie so nahe daran gewesen, die Kontrolle zu verlieren. Unwillkürlich schloss er die Augen, damit ihn der Anblick ihrer verführerischen Brustknospen nicht noch mehr reizte.

Er spürte, wie Rachel ihm sein Hemd und sein Jackett über die Schultern schob und dann ihre Aufmerksamkeit seinem Gürtel widmete. Er wusste, dass er sie dazu bringen sollte, aufzuhören. Sie soll nicht weitermachen, redete er sich ein. Doch sein Körper gehorchte ihm nicht. Stattdessen ließ Jack zu, dass Rachel seinen Gürtel öffnete und den Reißverschluss aufzog.

„Oh“, murmelte Rachel, und Jack wurde klar, dass sie seine Erregung entdeckt haben musste. Er erwartete halb, dass sie jetzt aufhörte, doch sie schob seine blauseidenen Boxershorts beiseite und berührte ihn.

„Rachel“, stöhnte Jack überrascht, als sie ihn mit ihrem Mund liebkoste. „Was glaubst du, woraus ich gemacht bin?“

Rachel hob den Kopf und lächelte seltsam triumphierend. „Das weiß ich doch. Aus Haut …“, wieder streichelte sie ihn, „… Muskeln – wie ein echter Mann.“

„Was machst du da?“

Rachel zog die Augenbrauen hoch, während der Blick ihrer indigoblauen Augen auf ihm ruhte. „Ich dachte, ich helfe dir, dich auszuziehen“, erwiderte sie mit argloser Unschuld.

„Hast du etwas getrunken?“

„Ja, Eistee. Möchtest du vielleicht etwas?“

Jack sah sie ungläubig an. „Bist du wirklich kein Traum?“

„Das hoffe ich doch.“ Sie richtete sich auf und fuhr mit den Händen über ihren Körper. „Ich glaube schon.“ Sie hielt kurz inne. „Denkst du das etwa?“

Jack wusste nicht mehr, was er glauben sollte. „Spielst du hier Spielchen mit mir?“, fragte er scharf. „Wenn das so ist, dann sage ich dir …“

„Es ist kein Spiel, Jack.“ Sie wirkte verletzt, und er musste fassungslos mit ansehen, wie sie sich von ihm abwandte und sich auf den Bettrand zubewegte. „Ich dachte nur, wir könnten vielleicht … zusammenkommen. Aber … aber wenn du nicht willst …“

„Nicht wollen?“, wiederholte Jack. „Himmel, Rachel, natürlich will ich.“ Er richtete sich auf, zog Hemd und Jackett endgültig aus und warf beides zu Boden. Dann folgte er ihr. „Komm her!“

Sein Herz schlug so wild, dass er das Gefühl hatte, es müsste zerspringen. Er erwischte Rachels Knöchel und brachte sie dazu, nicht vom Bett zu rutschen. Er hatte erwartet, dass sie protestieren würde, doch das tat sie nicht. Stattdessen ließ sie es zu, dass er sie zu sich zog. Sie drehte sich auf den Rücken und breitete provokativ die Beine aus.

„Besser so?“, fragte sie heiser.

Jack sah sie fassungslos an. Noch immer war er nicht ganz überzeugt, dass sie meinte, was sie sagte. Er hatte das Gefühl, einen Knoten im Magen zu haben. Obwohl sich alles in ihm danach sehnte, Rachel ohne weitere Erklärungen zu nehmen, warnte ihn sein Instinkt, dass nichts jemals so einfach war.

„Rachel“, sagte er unsicher. Doch sie wollte nicht reden.

Sie hob ihre Hand und legte ihm ihren Zeigefinger auf die Lippen. Jack konnte nicht anders, als ihre weiche Haut zu berühren. Er nahm Rachels Hand und liebkoste die Innenfläche. Doch bevor er mehr tun konnte, wand Rachel sich los.

„Ich dachte, du willst mich“, flüsterte sie und griff nach seinem Gürtel. „Hast du dafür nicht zu viel an?“

Jack konnte kaum atmen. Er kam sich vor wie im Traum, und er konnte nicht länger Illusion von Wirklichkeit unterscheiden. Irgendwie schaffte er es, sich seine Hose und die Boxershorts auszuziehen und beides vom Bett zu werfen. Dann kniete er neben ihr. Für einen Moment war er damit zufrieden, sich über sein eigenes Glück zu wundern.

Sie ist wunderschön, dachte er zögernd. Er hatte fast vergessen, welch eine Schönheit sie war. Kleine, straffe Brüste, eine schmale Hüfte und endlos lange Beine. Rachels Haut war glatt und makellos, und die vielen Stunden im Freien hatten ihr einen honigfarbenen Ton verliehen.

Jack ließ seine Finger über die Haut ihres Dekolletés über dem schwarzen Spitzen-BH gleiten. Dann gab er seine Zurückhaltung auf und schob eine Hand unter den Stoff.

Ihre Brustknospe war aufgerichtet und drängte sich gegen seine Handfläche. Jack wusste, dass auch er erregt und bereit war.

„Du trägst auch zu viel“, sagte er heiser und konnte nicht widerstehen, die Bänder zu lösen, die den String hielten. Er zog ihn weg. „Schon viel besser.“

Rachel bewegte sich etwas unruhig, als er sie liebkoste. Jack spürte, dass sie bereit für ihn war.

Er legte sich neben sie und beugte sich zu ihr, um sie zu küssen. Er begehrte sie, hatte sie schon immer begehrt, auch vor den Fehlgeburten und bevor sie sich geweigert hatte, ihn wieder in ihre Nähe zu lassen.

Etwas enttäuscht bemerkte er, dass sie den Kopf zur Seite drehte, um den Kuss zu beenden. Offenbar war sie nicht an Vorspiel interessiert. Oder sie war wie er begierig darauf, sich mit ihm zu vereinen. Tatsächlich konnte er nicht länger warten, wieder ein Teil von ihr zu sein. Selbst sein wild pochendes Herz konnte ihn nicht davon abhalten.

Ihr BH hatte den Verschluss vorne. Wie praktisch, dachte Jack dankbar und öffnete ihn. Er umfasste ihre Brüste, doch als er eine ihrer Knospen liebkosen wollte, schüttelte Rachel den Kopf.

„Bitte, Jack“, sagte sie und umfasste sein Gesicht. „Tu es einfach.“

Jack war mehr als bereit, ihren Wunsch zu erfüllen. Doch als er neben ihr kniete, fiel ihm plötzlich ein, dass er keinen Schutz bei sich hatte. „Ich habe kein …“

Er deutete mit einer Geste an, was er meinte, doch Rachel wirkte unbeeindruckt. „Es ist in Ordnung“, wisperte sie leise und drängte ihm einladend ihren Körper entgegen. Jack konnte kaum noch widerstehen. „Jack, bitte …“

Sie musste ihn nicht noch einmal bitten. Obwohl mehr als zwei Jahre vergangen waren, seit er und Rachel das letzte Mal miteinander geschlafen hatten, harmonierten sie perfekt. In einer einfachen glatten Bewegung drang er in sie ein. Sie umschloss ihn fest, und vor purer Wonne drehte sich alles in Jacks Kopf.

„Oh, Liebes“, stöhnte er auf und legte seinen Kopf an ihre Brust. Rachel umfasste seine Schultern beinahe krampfhaft.

Für einen kurzen Moment machte es ihn glücklich, einfach nur bei ihr zu liegen, die Nähe zwischen ihnen beiden zu spüren, Haut an Haut. Er fühlte, wie er ein Teil von ihr war, und sein schneller Herzschlag beruhigte sich allmählich.

Doch Rachel war ruhelos, sie bewegte sich und drängte ihn dazu, mit ihr die Erfüllung zu finden. Also nahm er seinen Rhythmus auf, langsam zunächst, und zog sich so weit zurück, dass es fast einer Trennung gleichkam, bevor er sich wieder eng an sie schmiegte.

Jack spürte, wie sich feine Schweißperlen auf seiner Stirn bildeten, als er sich so weit zurücknahm, bis er sich kaum mehr halten konnte. Rachel war so begehrenswert, so willig, und die Angst, dass ihm all das vorenthalten würde, brachte ihn dazu, schneller zu werden.

Es war wie eine Offenbarung. Er liebte sie mit einer berauschenden Sinnlichkeit und steigerte ihre Leidenschaft ins Unermessliche. Rachel schlang die Beine um ihn, und er wusste, dass sie genauso wenig Kontrolle hatte über das, was geschah, wie er selbst.

Kurz bevor sie die ersehnte Erfüllung fand, spürte er, wie sie ihn noch fester umschloss. Er erwartete beinahe, dass sie vor Lust aufschrie, doch sie presste ihren Kopf an seine Brust und erstickte den Schrei. Nur wenige Sekunden später nach ihr, angespornt von den Wellen der Leidenschaft, die durch ihren Körper rasten, kam Jack selbst zum Höhepunkt. Zum ersten Mal seit Jahren kam er in ihr, spürte, wie die Wärme ihn verließ, und war so erschöpft, dass er nicht die Kraft fand, zur Seite zu rollen …

3. KAPITEL

Als Jack am nächsten Morgen nach unten kam, war Rachel mit Mrs Grady in der Küche.

Beim Aufwachen hatte er festgestellt, dass er allein in dem großen Bett lag. Da die Matratze neben ihm eiskalt war, nahm er an, dass Rachel woanders geschlafen hatte. Sie hatte ihm eine Decke übergeworfen – zweifellos, um Mrs Grady nicht in Verlegenheit zu bringen. Die Kerzen waren alle erloschen, und der Raum fühlte sich wie nach einer Party kalt und leblos an.

Er hatte alle Fenster geöffnet, bevor er geduscht hatte, fest entschlossen, nicht zu viel in Rachels Abwesenheit hineinzulesen. Er wollte an diesem Tag nicht ins Büro und zog deshalb ein schwarzes T-Shirt und seine älteste Jeans an. Sie war an einigen Stellen abgewetzt und so eng, dass er den Knopf offen ließ. Jack fühlte sich so gut wie seit Monaten nicht, entspannt und ausgeruht.

Rachel stand mit dem Rücken zu ihm. In der Hand eine Tasse Kaffee, unterhielt sie sich mit Mrs Grady. Im Gegensatz zu ihm wirkte Rachel nicht erholt, obwohl er fand, dass sie nicht besser aussehen könnte. In einem durchsichtigen Shirt mit Rosenmuster, das sie über einem elfenbeinfarbenen Top um die Hüfte gebunden hatte, und in der locker sitzenden Hose sah sie elegant und mondän aus. Sie trug ihr glattes blondes Haar offen. Unwillkürlich dachte Jack daran, wie sinnlich es sich in der Nacht zuvor angefühlt hatte.

Als er eintrat, verstummten Rachel und Mrs Grady. „Guten Morgen“, sagte Jack ungerührt in die plötzlich Stille. „Störe ich?“

„Natürlich nicht, Mr Riordan“, antwortete Mrs Grady. Er bemerkte, wie Rachel seinem Blick auswich. „Ich nehme an, Sie wollen gerne frühstücken. Was kann ich Ihnen bringen?“

Er suchte Rachels Blick, doch sie erwiderte ihn nur kurz und überließ Jack dann seinem Gespräch mit der Haushälterin. Sie selbst ging zum Waschbecken und sah durch das Fenster in den Garten hinaus. Es war nichts Neues, dass sie ihn ignorierte. Er hatte sich in den letzten Jahren daran gewöhnt. Doch nach der vergangenen Nacht verstand er ihr Verhalten nicht. Während sich Mrs Grady daranmachte, Eier aus dem Kühlschrank zu holen, ging er zu seiner Frau.

„Hi“, sagte er heiser. „Ich habe dich vermisst, als ich aufgewacht bin.“

Rachel trank einen Schluck Kaffee, bevor sie antwortete. „Tatsächlich?“, fragte sie, ohne ihn anzusehen. „Du bist es wohl gewohnt, auch morgens Sex zu haben?“

Was sollte das bedeuten? Jack sah sie aufmerksam an, und Rachel hätte sich am liebsten dafür geohrfeigt, dass ihr die Anspielung herausgerutscht war. Sie wollte nicht über Sex mit Jack nachdenken oder irgendetwas sagen, das sie daran erinnerte, wie perfekt die Nacht zuvor gewesen war.

Es fiel ihr schwer genug, ihn anzusehen. Jack war schon immer ein gut aussehender Mann gewesen. Karen hatte ihn unverschämt gut aussehend genannt, und obwohl sich jetzt Bartstoppeln auf seinem Kinn zeigten, musste Rachel ihr zustimmen. Vermutlich hatte er seinen irischen Vorfahren das dunkle Haar, das meist zu lang und immer widerspenstig war, und seine klaren grünen Augen zu verdanken. Seine Gesichtszüge waren ausgeprägt, sinnlich und markant.

Alles in allem war Jack ein Mann von hartnäckiger Zielstrebigkeit, die sogar Rachels Vater bewundert hatte. Dass Jack groß und schlank war und sich mit der Geschmeidigkeit eines Raubtiers bewegte, verlieh ihm etwas Maskulines, dem nur wenige Frauen widerstehen konnten.

Es war ein Wunder, dass er sie geheiratet hatte. Sie hatten sich verliebt und eine Beziehung wie im Märchen geführt. Rachel hatte geglaubt, dass nichts und niemand sich jemals zwischen sie drängen konnte. Aber da hatte sie falschgelegen.

„Habe ich irgendetwas verpasst?“

Jack klang leicht gereizt. Ich muss es ihm sagen, dachte Rachel. Es ist nicht fair, ihn glauben zu lassen, dass wir wieder zusammen sind. Doch die Versuchung, die Konfrontation aufzuschieben, war groß. Rachel wusste, sie musste nur ein Wort sagen, und sie würden den Rest des Tages im Bett verbringen.

Doch das konnte sie nicht zulassen. Jack war wie eine Droge, und es war schwer genug gewesen, sich das erste Mal von ihm zu lösen. „Du weißt genau, wovon ich rede“, sagte sie bewusst beiläufig. „Ich weiß, dass du mit anderen Frauen geschlafen hast, Jack. Du hast die letzten Monate nicht wie ein Mönch gelebt.“

„Du liebe Güte!“ Wie erwartet war Jacks Reaktion heftig, und Rachel warf einen vorsichtigen Blick über die Schulter, um zu sehen, ob Mrs Grady zuhörte. Die Haushälterin hatte diskret den Raum verlassen. „Wo, zur Hölle, hast du das gehört?“

„Es stimmt doch, oder? Du triffst dich mit einer anderen?“

„Ich treffe viele Leute“, erwiderte Jack scharf. „Worum geht es hier, Rachel? Was war mit letzter Nacht? Warum hast du mir nicht erzählt, wie du dich fühlst, bevor …?“

Er unterbrach sich, wandte sich ab und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Plötzlich fühlte er sich krank und schwindelig. Ob ich mich zu sehr aufgeregt habe? dachte er verbittert. Oder ist es nur eine Vorahnung des Albtraums, der mich erwartet?

„Jack?“

Rachel hörte sich fast besorgt an, und er fragte sich, ob sie bemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte. Doch er wollte ihr Mitleid nicht. Er hatte seinen Stolz, auch wenn der nach der vergangenen Nacht etwas gelitten hatte.

„Geh einfach, Rachel“, sagte Jack und traf eine schnelle Entscheidung. „Ich muss ins Büro. Wir laufen uns sicher wieder über den Weg, oder?“

Rachel berührte seinen Arm, und er zuckte zurück. Himmel, es hat mich schlimm erwischt, dachte er. Sie muss mich nur berühren, und schon will ich sie in meine Arme schließen. Obwohl sie ihn letzte Nacht offenbar nur ausgenutzt hatte und er nicht sehr ausgeglichen war, begehrte er sie noch immer.

„Du bist nicht fürs Büro angezogen“, meinte sie.

Jack wandte sich ab. „Ich hatte Hunger“, erwiderte er knapp, obwohl ihn allein der Gedanke an das Omelette, das ihm Mrs Grady machen wollte, krankmachte.

Rachel presste die Lippen zusammen. „Du kannst es wohl nicht erwarten, sie zu sehen, was?“, sagte sie scharf.

Jack blinzelte überrascht. „Sie zu sehen?“, wiederholte er. „Von wem redest du da?“

„Von dieser Frau“, beharrte Rachel. „Sie arbeitet in deinem Büro, nicht wahr?“ Sie hielt kurz inne, und als er nicht reagierte, fuhr sie fort: „Karen Johnson! Tu nicht so, als hättest du sie vergessen.“

Jack schwankte kurz. „Woher weißt du von ihr?“

„Ich weiß es einfach.“ Rachel wollte ihm nicht von Karens Besuch erzählen.

„Ich kann nicht glauben, dass du in meinem Leben herumgeschnüffelt hast.“

„Ach?“ Seine Worte verletzten sie, doch sie verbarg ihre Gefühle. „Sieht so aus, als würden wir beide uns nicht mehr sehr gut kennen.“

„Und wer ist schuld daran?“, konterte er. Mit wachsender Erregung beschleunigte sich nun sein Herzschlag. „Himmel, Rachel, ich bin es nicht, der allein in seinem Bett schlafen will!“

„Du weißt, warum ich das getan habe“, verteidigte sie sich.

„Es waren auch meine Babys“, sagte er kalt. Jack hatte das dringende Bedürfnis nach frischer Luft und ging durch die Küche. Er fühlte sich schwach auf den Beinen. „Fahr zur Hölle, Rachel“, murmelte er, bevor er den Raum verließ.

Jack saß in seinem Büro in Plymouth. Er war über seinem Schreibtisch zusammengesackt, als die Sprechanlage summte. Missmutig richtete er sich auf und drückte auf den Antwortknopf. „Ja?“

„Hier ist ein Anruf für Sie, Mr Riordan.“ Seine Sekretärin klang schuldbewusst. „Ich weiß, Sie wollten nicht gestört werden, aber es ist Ihre Frau.“

„Meine Frau?“ Jack war verblüfft. Er konnte sich nicht vorstellen, weshalb Rachel ihn nach ihrer heftigen Auseinandersetzung am Morgen anrufen sollte. Ich bleibe einfach optimistisch, dachte er mürrisch. „Stellen Sie das Gespräch durch.“

„Ja, Mr Riordan.“

Für einen Moment war die Leitung still, dann sagte eine Stimme: „Hallo, Jack.“

Es war nicht Rachel. Schon dieser erste Gedanke ließ seine Laune sinken und seine Antwort heftig und direkt ausfallen. „Karen“, sagte er barsch.

„Darling, du erinnerst dich an mich!“, rief sie aus. Jack fragte sich, wie sie glauben konnte, dass er sie vergessen hätte. Seit man sie vor drei Monaten gefeuert hatte, hatte sie ihn immer wieder angerufen – so oft, dass er schließlich seine Sekretärin bitten musste, seine Anrufe zu überwachen.

„Nenn mich nicht Darling“, erwiderte er scharf. Am liebsten hätte er, wie schon so oft, den Hörer auf die Gabel geknallt. „Kannst du mir bitte erklären, was das soll? Sich als jemand anderen auszugeben ist ein Verbrechen. Wenn du noch einmal hier anrufst, lasse ich dich verhaften. Was du da tust, ist Belästigung.“

„Ach Jack, sei doch nicht so. Als wir noch zusammen waren, warst du ganz anders.“

„Wir waren nie zusammen, Karen.“ Jack sagte ihr das nicht zum ersten Mal. „Wir sind einmal ausgegangen. Und das war ein Fehler.“ Er spürte, wie die Schuld auf ihm lastete. Schon allein wegen Rachel hätte er nie mit Karen ausgehen dürfen. Er hatte nie aufgehört, Rachel zu lieben. Er würde alles darum geben, könnte er den Abend mit Karen ungeschehen machen.

Sie lachte nur. „Das meinst du nicht so, Jack.“

„Oh doch. Und es ist auch mein Ernst, dass ich die Polizei rufen werde. Das hätte ich schon früher tun sollen. Vermutlich hast du mir leidgetan.“

„Ich brauche dein Mitleid nicht, Jack.“

Ihr Tonfall hatte sich verändert, und Jack spürte, dass er sie getroffen hatte. Er hoffte, dass sie nun endlich begriff.

„Spar es dir besser für dich selbst auf“, fuhr Karen bissig fort. Und dann, etwas sanfter, fügte sie hinzu: „Wir müssen zusammen sein. Du weißt es. Du kannst dagegen ankämpfen, aber das wird dir nicht helfen.“

„Um Himmels willen!“ Jack verlor die Geduld. „Bekomm dein Leben endlich in den Griff, Karen. Und lass mich in Ruhe!“

Er wollte gerade auflegen, doch sie kam ihm zuvor. „Wir werden ein Kind bekommen, Jack. Deshalb habe ich dich angerufen. Wir müssen reden.“

Rachel verbrachte den Morgen in dem Atelierhaus, das Jack ihr im Garten gebaut hatte. Es befand sich am anderen Ende des Grundstücks und bot einen atemberaubenden Blick auf Foliot Cove. Die Bucht lag am Fuße der Klippen, die diesen Teil der Küste von Devon beherrschten. Über Treppen, die der vorherige Grundstücksbesitzer in den Fels hatte schlagen lassen, kam man hinunter zum Strand.

Rachel malte mit Öl und Zeichenkohle, am liebsten verwendete sie aber Wasserfarben. In den vergangenen Jahren hatte sie sich als Illustratorin für Kinderbücher einen Namen gemacht, nachdem ein Verleger in London ihr Talent erkannt hatte.

Heute fiel es ihr jedoch schwer, sich zu konzentrieren. Ständig musste sie daran denken, was sie in der Nacht zuvor getan hatte. Sie erinnerte sich an Jacks Gesichtsausdruck, als sie ihm gesagt hatte, dass sie von seiner Affäre mit Karen wusste.

Er hatte es weder zugegeben noch geleugnet. Stattdessen hatte er Rachel vorgeworfen, sie habe ihre Ehe aufgegeben, weil sie aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen war und somit einen Schlussstrich unter ihre Beziehung gezogen habe.

Er musste doch verstehen, wie sie sich zu dieser Zeit gefühlt hatte. Dreimal war sie schwanger geworden und hatte das Wunder eines heranwachsenden Lebens in sich gespürt. Und genauso oft hatte sie das Kind im dritten Monat verloren. Vielleicht hatte sie tatsächlich nicht genug an Jacks Gefühle gedacht, weil sie zu sehr mit sich selbst und ihrer Trauer beschäftigt gewesen war.

Doch Jack hatte immer so stark gewirkt, als könne ihm das Schicksal nichts anhaben. Er war der älteste Sohn eines irischen Arbeiters, der mit seiner Frau in den sechziger Jahren nach England ausgewandert war. Jack hatte hart gearbeitet, um seinen Abschluss als Bauingenieur zu machen. In seiner Familie war er als Einziger zur Universität gegangen. Obwohl einer seiner Brüder und alle drei Schwestern bereits eigene Familien hatten, verdiente Jack während der Studienzeit mit zwei Jobs Geld, um es seinen Geschwistern zu schicken.

Rachel fragte sich unwillkürlich, ob sie vorschnell geurteilt hatte. Sie hatte sein Verhalten als Enttäuschung darüber interpretiert, dass sie noch immer keine Familie waren und sie als Frau nicht nur einmal, sondern dreimal versagt hatte. Kein Wunder, dass er sich eine andere suchte, als sie auch seine Nähe nicht mehr ertrug.

Rachel konnte sich nicht vorstellen, dass ein Mann wie Jack ohne Frau in seinem Bett auskam. Es war auch alles andere als beruhigend, dass sie erst nach achtzehn Monaten von seiner Beziehung zu Karen Johnson erfahren hatte. Karen war sicher nicht die Erste. Doch sie war diejenige, die ein Kind von ihm erwartete.

Gegen Mittag gab Rachel es auf, Benjie, den Biber, zeichnen zu wollen, und ging zurück ins Haus. Sie schuldete Mrs Grady noch eine Erklärung, weshalb ihr Schlafzimmer am Morgen mit abgebrannten Kerzen übersät war und niemand in Jacks Bett geschlafen hatte.

Erst im Haus fiel ihr ein, dass Mrs Grady wie jeden Donnerstagmorgen beim Einkaufen war. Karen Johnsons Besuch am Tag zuvor und ihr eigenes schamloses Verhalten verstörten sie noch immer. Sie hatte ihren eigenen Ehemann verführt. Aber warum?

Natürlich wollte sie schwanger werden. Doch welchen Sinn ergab das? Sollte es passieren, gab es keinen Grund, weshalb diese Schwangerschaft anders verlaufen würde als die vorherigen. Ging sie nicht absichtlich das Risiko ein, wieder unendlich viel Leid zu erfahren?

Rachel schüttelte den Kopf. Sie durfte nicht zulassen, dass ihr diese Frau den Ehemann wegnahm. Trotz allem liebte sie Jack noch immer – auch wenn sie ihm das nicht sagen würde. Sollte sie ein Kind von Jack erwarten, wüsste Karen zumindest, dass sie weiterhin das Bett teilten. Und es würde ihre Position als Jacks Frau stärken.

Zu ihrer Überraschung hatte Mrs Grady ein Essen für zwei Personen im Frühstücksraum vorbereitet. Kalte Spargelsuppe, einen Caesars Salad und einen Erdbeerkuchen zum Nachtisch. Ob Mrs Grady wohl Lucy Robards erwartete? Lucy war Rachels beste Freundin und lebte nur eine halbe Meile von ihr entfernt.

Doch Rachel hatte nichts von einem Gast erwähnt, und Jack kam in letzter Zeit kaum zum Lunch nach Hause. Wenn sie Glück hatte, leistete er ihr zum Dinner Gesellschaft. Allerdings hatten sie sich ohnehin nichts zu sagen.

Eine offene Flasche Wein stand im Kühler. Rachel nahm sie heraus und goss etwas Wein in ein langstieliges Kristallglas. Es war Chablis, Jack hatte ihn gekauft. Ob er Mrs Grady erzählt hatte, dass er zum Lunch zurück sein würde?

Das schien ihr sehr unwahrscheinlich. Nach der Art zu urteilen, wie er am Morgen das Haus verlassen hatte, würde sie ihn heute wohl kaum noch treffen. Allerdings wäre daran nicht nur Jack schuld. Sie ging in letzter Zeit immer früher zu Bett, um den unvermeidlichen Fragen zu entkommen, die Jacks Abwesenheit jedes Mal aufwarf.

Das Motorengeräusch eines Wagens in der Auffahrt ließ sie überrascht aufhorchen. Mrs Grady konnte es nicht sein, denn sie fuhr nur einen Ford. Das Geräusch gehörte zweifellos zu einem PS-starken Auto.

Unwillkürlich war Rachel angespannt, und sie trank schnell einen Schluck Wein, um sich zu beruhigen. Kein Grund, aufgeregt zu sein, sagte sie sich. Vielleicht hat Jack etwas vergessen. Wahrscheinlich kommt er nur kurz herein und verschwindet dann wieder, ohne dass ich ihn zu Gesicht bekomme.

Eine Wagentür wurde zugeschlagen. Rachel konnte ihre Nervosität nicht unterdrücken. Sie trank erneut und verschluckte sich beinahe, als Jack plötzlich in der Tür auftauchte.

Ich hätte die Tür schließen sollen, dachte sie. Sie glaubte noch immer nicht, dass er bleiben würde.

„Hallo“, sagte er höflich. Rachel war überrascht. „Wie schön, ich komme gerade richtig.“

„Das …“ Sie deutete auf den Tisch, der mit gelbgrünen Platzdeckchen, weißem Porzellan und Silberbesteck gedeckt war. „Das ist für dich?“

„Für uns beide“, korrigierte Jack, zog sein dunkles Jackett aus und legte es über die Rücklehne eines Stuhls. Er lockerte seinen Hemdkragen und zog den Knoten seiner silbergrauen Krawatte auf. Dann kam er auf Rachel zu, die mit ihrem leeren Weinglas noch immer am Weinkühler stand. „Ist das Chablis?“

„Als ob du das nicht wüsstest.“ Rachel konnte nicht verhindern, dass sie missmutig klang. „Ich nehme an, du hast das mit Mrs Grady abgesprochen, bevor du gegangen bist.“

„Ich habe angerufen“, berichtigte er sie erneut. Aufmerksam beobachtete er, wie sie um den Tisch herumging, um etwas Abstand zu gewinnen. Er schenkte sich selbst Wein ein. Ihr fiel auf, dass es nur wenig war. Weshalb er auch immer nach Hause gekommen war, offensichtlich nicht, um seinen Kummer in Alkohol zu ertränken. Jack trank einen Schluck. „Der schmeckt sehr gut.“

Rachel schüttelte den Kopf und stellte ihr Glas mit zittriger Hand auf dem Tisch ab. Ich darf nicht zulassen, dass er so mit mir umspringt, dachte sie bei sich. Er kann nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert. Sie beide wussten, dass das nicht stimmte. Karen Johnson war Teil ihres Lebens.

Dennoch, als sie Jacks intensiven Blick auf sich ruhen fühlte, wollte Rachel vergessen, was sie vorhin über ihn gedacht hatte. Irgendetwas war heute anders an ihm. Es beunruhigte sie.

„Sollen wir uns setzen?“, fragte er.

Trotz ihrer Befürchtungen zuckte Rachel die Schultern. „Wenn du willst.“

Jack wartete, bis sie Platz genommen hatte, bevor er sich ebenfalls setzte. Glaubte sie wirklich, er hätte nicht bemerkt, wie sie ihr Gedeck ein wenig von seinem entfernte, damit sich ihre Ellbogen nicht berührten? Doch er sagte nichts. Immerhin machte sie ihm keine Vorwürfe – zumindest jetzt noch nicht. Wenn er ihr von Karens Anruf erzählte, würde sich das sicherlich ändern.

Rachel nahm die Weinflasche und goss sich nach. Sie hatte das Gefühl, etwas Kraft zu brauchen. Unwillkürlich fragte sie sich, weshalb sich um seinen Mund feine Linien der Erschöpfung abzeichneten. Wie anstrengend die vergangene Nacht auch gewesen war, er war ebenso begierig gewesen, seine Bedürfnisse zu befriedigen, wie sie.

Jack wartete darauf, dass sie sich etwas Suppe nahm. Rachel hob den Deckel der Terrine und füllte ihren Teller. Dann reichte sie ihm die Kelle.

Offenbar hatte er kaum Appetit, denn er nahm sich nur wenig. Dabei schien er vergangene Nacht so wie immer gewesen zu sein.

Vielleicht lässt ihn sein schlechtes Gewissen so abgezehrt aussehen, dachte Rachel. Er war immerhin erst siebenunddreißig. Was sollte es sonst sein?

„Hast du gut geschlafen?“

Die Frage überraschte sie. Vermutlich hatte er genau das beabsichtigt, und Rachel ärgerte sich, dass es ihm gelungen war. „Nicht besonders“, erwiderte sie nicht ganz ehrlich. Sie war völlig erschöpft auf dem Bett in einem der Gästezimmer eingeschlafen. Aufgewacht war sie erst, als am Morgen das Sonnenlicht durch die Fenster flutete und ihr bewusst wurde, was sie getan hatte. Danach war an Schlaf nicht mehr zu denken gewesen.

Jack zog ungläubig eine Augenbraue hoch. „Wie schade“, meinte er dann und legte seinen Löffel zur Seite. „Ich habe wie ein Toter geschlafen.“

Angesichts seiner angeschlagenen Gesundheit waren die Worte schlecht gewählt, doch Rachel schien es nicht zu bemerken.

„Warum überrascht mich das nicht?“, fragte sie abfällig. „Kommt vermutlich davon, dass du kein Gewissen hast.“

„Das ist nicht wahr.“ Ihr Vorwurf traf Jack. „Wie steht es mit deinem Gewissen?“

„Bitte?“ Rachel war fassungslos. „Was meinst du damit?“

„Hm, lass mich mal überlegen …“ Jack lehnte sich zurück und spielte mit seinem Weinglas, ließ Rachel dabei aber nicht aus den Augen. „Findest du nicht, dass dein Spielchen gestern Nacht etwas unmoralisch war.“

„Du bist mein Mann. Was soll unmoralisch daran sein?“

Jack lachte kurz auf. „Oh, Darling, du erwartest doch nicht, dass ich dir darauf antworte.“

„Nenn mich nicht so.“

„Warum nicht?“ Jack sah sie unschuldig an. „Wie du sagst, ich bin dein Mann.“

Rachel stand auf. „Wenn du mich entschuldigst …“

Jack erhob sich ebenfalls und versperrte ihr den Weg. „Das werde ich nicht“, erwiderte er. Ihm war klar, dass er mit seinem Verhalten vermutlich die Chance verspielte, an ihre Vernunft zu appellieren. „Wir sind noch nicht fertig.“

„Ich will nichts mehr essen.“

„Das meinte ich nicht.“

Rachel sah ihn wütend an. „Du kannst mich hier nicht festhalten.“

„Das sehe ich anders.“ Jack verhinderte, dass sie an ihm vorbeikam. „Warum setzen wir uns nicht einfach wieder und reden miteinander?“

4. KAPITEL

„Ich will nicht mit dir reden“, antwortete Rachel missmutig, und Jack merkte, wie frustriert sie war. Der Duft ihres erhitzten Körpers umfing ihn, und nach der vergangenen Nacht musste er sich anstrengen, um bei Sinnen zu bleiben. „Und ich will mich nicht setzen“, fügte Rachel knapp hinzu. „Ich will einfach nur auf mein Zimmer.“

„Das ist für mich auch in Ordnung“, lenkte Jack ein. „Ich komme mit.“

„Das wirst du nicht!“

„Nicht?“ Jack tat verwirrt. „Letzte Nacht hattest du kein Problem damit.“

„Diese Nacht war ein Fehler.“

„Stimmt.“ Er gab vor, darüber nachzudenken. „Also das ganze Szenario, das schummrige Licht, die Duftkerzen, du beinahe nackt – das alles war ein Fehler?“

„Ja.“

„Warum glaube ich dir nicht?“

Sie schnaufte verächtlich. „Vielleicht weil du zu arrogant bist, dir etwas anderes vorzustellen“, schlug sie vor.

Jack seufzte. „Was willst du damit andeuten? Dass du das alles für jemand anderen vorbereitet hast?“

Der Gedanke war ihm gekommen, und er gefiel ihm nicht. Doch zu seiner Erleichterung war Rachel viel zu verzweifelt, um sich auf eine Lüge einzulassen.

„Nein“, erwiderte sie scharf. „Ich schlafe nämlich nicht in fremden Betten.“

„Soll das heißen, dass ich das tue?“

„Wenn es passt.“

„Das tut es nicht“, sagte er hart. Für einen Moment verärgerte ihn ihr ungerechtfertigter Vorwurf. Dann beruhigte er sich. „Du hast es also meinetwegen getan?“

Rachel wand sich unbehaglich. „Wenn du das glauben willst“, meinte sie leise.

„Was soll ich denn sonst denken?“ Jack hob die Hand, und obwohl sie sich instinktiv zurückzog, erwischte er eine seidene Haarsträhne und strich sie ihr liebevoll hinters Ohr. „Ich wusste nicht, dass du dich so sehr nach mir sehnst.“

Rachel hielt den Atem an. „Das tue ich nicht.“

Jack ließ seine Finger von ihrem Ohr über ihren schlanken Hals zum V-Ausschnitt ihrer Weste gleiten. „Du kannst nicht abstreiten, dass du mich letzte Nacht begehrt hast.“

Sie sah auf. „Ich … ich wollte einen Mann, das stimmt.“

Jack schüttelte den Kopf. Am liebsten hätte er ihr Oberteil geöffnet und sie an sich gezogen. Doch er glaubte nicht, dass sie das zugelassen hätte. Er wollte ihre zarte Beziehung nicht dadurch zerstören, dass er es zu schnell anging. Stattdessen gab er sich damit zufrieden, wie ihre Brustknospen auf seine Berührung reagierten, und er erinnerte sich daran, wie wunderbar es sich angefühlt hatte, sie zu küssen.

„Bitte“, sagte er nach einem kurzen Moment. „Wir müssen darüber reden. Du kannst nicht erwarten, dass ich letzte Nacht vergesse und weitermache wie zuvor.“

„Warum nicht?“

Er sah sie frustriert an. „Weil es zwischen uns wieder gut war“, sagte er heiser. „Und ich möchte, dass es wieder so wird.“

„Nein.“

Jack schob sich das widerspenstige Haar aus der Stirn. „Und nun?“, fragte er. „Warte ich, bis du das nächste Mal wieder Lust hast, mit mir zu schlafen? Oder habe ich da auch noch ein Wörtchen mitzureden?“

Rachel wurde rot. „Sag so etwas nicht.“

„Warum? Es stimmt doch. Du hast mich einfach ausgenutzt. Es ging dir nur um dich und deine Bedürfnisse.“

„Nein!“

„Doch.“ Jack schloss für einen Moment die Augen und versuchte, seine Selbstbeherrschung wiederzugewinnen. „Ich hätte wissen sollen, dass es nicht mehr war als das.“

Rachel bebte vor Wut. „Was hast du denn erwartet?“

„Was soll das denn bitte heißen?“

„Hast du etwa Miss Johnson vergessen? Was ist sie jetzt eigentlich? Deine Sekretärin? Deine persönliche Assistentin? Oh ja, das wird es sein, das passt wohl am besten. Sie …“

„Karen arbeitet nicht mehr für die Firma“, unterbrach er sie.

Rachel sah ihn ungläubig an. „Seit wann?“

„Seit George Thomas sie gefeuert hat.“ Jack hatte eigentlich nicht darüber reden wollen, aber er wusste, dass es unumgänglich war. „Was soll ich sagen? Sie war schlecht in ihrem Job. Wir mussten uns von ihr trennen.“

„Und wie hat sie …“

Rachel hatte fragen wollen, woher Karen Jacks Termine kannte, hielt sich dann aber zurück. Nur weil die Frau nicht länger für Fox Construction arbeitete, hieß das nicht, dass Jack sich nicht noch immer mit ihr traf. Er glaubte doch wohl nicht, dass sie die Affäre mit Karens Kündigung für beendet hielt.

„Was wolltest du sagen?“

Rachel suchte fieberhaft nach einer anderen Frage, die sie stellen konnte.

„Äh … wie hat sie sich geschlagen ohne Zeugnis?“, erwiderte sie schließlich. Auf seinen fragenden Blick hin fuhr sie fort: „Ach so, du hast ihr eines geschrieben. Was stand denn drin, Jack? Hat im Büro ihre Schwächen, die sie im Bett aber wiedergutmacht?

„Gütiger Himmel“, stöhnte Jack. „Du kannst es einfach nicht lassen, oder? Du stößt mich weg, glaubst aber noch immer, ein Recht zu haben, mein Leben zu kontrollieren.“

Rachel wurde rot. „Das stimmt nicht.“

Jack lachte hart auf. „Na klar. Erklär mir bitte, welchen Sinn das ergibt.“

„Du verstehst nicht …“

„Allerdings. Vor zwei Jahren hast du mich unmissverständlich wissen lassen, dass du meine Nähe nicht ertragen kannst. Nach der letzten Fehlgeburt hast du monatelang kaum mit mir gesprochen.“

„Ich war traumatisiert.“

„Mir ging es nicht anders“, erwiderte Jack scharf. „Aber ich wusste, dass ich nichts daran ändern konnte.“

„Du wusstest, dass es nicht dein Fehler war“, murmelte Rachel leise, doch Jack hörte es trotzdem.

„Keiner hatte Schuld daran“, sagte er ruhig. „Rachel, ich habe nie behauptet, dass es an dir lag, oder?“

„Nein …“

„Warum wirfst du es mir dann vor? So hat es sich nämlich angefühlt. So als ob du mich bestrafst, weil ich dich berühren wollte.“

„So war es nicht.“

„Wie dann, Rachel?“ Jack fühlte sich plötzlich erschöpft, zog einen Stuhl heran und setzte sich darauf, bevor er sich nicht länger auf den Beinen halten konnte. „Weshalb hast du dich entschlossen, mit mir verheiratet zu bleiben, wenn du unglücklich mit der Situation bist? Seit Monaten sind wir wie Fremde zueinander – wir reden nur miteinander, wenn es sich nicht verhindern lässt, man sieht uns nur zusammen, wenn wir uns nach außen als Paar präsentieren müssen. Wenn du dich trennen willst, dann sag es. Warum hast du mich nicht um die Scheidung gebeten?“

„Warum du nicht?“

„Ich?“ Jack atmete tief aus. „Ich will mich aber nicht scheiden lassen.“

„Warum? Weil du wusstest, dass mein Vater dich nicht zu seinem Nachfolger gemacht hätte, wenn du mich verlassen hättest?“

„Nein!“ Jack war fassungslos. Eine Affäre vorgeworfen zu bekommen war eine Sache, aber es war etwas völlig anderes, der Korruption verdächtigt zu werden. „Du liebe Güte, Rachel, wie kommst du auf die Idee? Wenn du glaubst, dass ich dich nur geheiratet habe, um an die Firma deines Vaters zu kommen …“

„Das tue ich nicht“, antwortete Rachel ehrlich. Dieser Teil von Karens Behauptungen klang noch immer falsch, selbst nach dem, was Rachel erfahren hatte. „Es hat nur irgendjemand gesagt.“

„Wer?“

Rachel zögerte und spielte mit dem Knoten, der ihre Weste zusammenhielt. Dann sagte sie mit gespielter Tapferkeit: „Karen Johnson!“

„Wie bitte?“

Jack war verblüfft. Er konnte es nicht glauben. Ein Schwindelanfall, wie er ihn in den letzten Wochen immer wieder plagte, ergriff ihn. Rachel stand irgendwie in Kontakt mit Karen. Was war passiert?

„Sie … hat mich hier besucht“, fuhr Rachel verbissen fort und beantwortete ihm damit die Frage, die er nicht laut aussprechen wollte. Sie sah ihn neugierig an. „Ich sehe, dass du nichts davon gewusst hast?“

„Nein.“

Jack stand auf und ging mit unsicheren Schritten durch den Raum. Irgendwie schaffte er es, das Gleichgewicht zu halten. Doch er konnte nicht einfach dort sitzen, sie ansehen und wissen, dass sie früher oder später bemerken würde, wie er um Selbstbeherrschung rang.

Durch die Fenster sah er den Atlantik, der tiefer blau wirkte, als es ihm je aufgefallen war. Wellen mit weißen Schaumkronen rollten an den Strand und brachen mit funkelnder Gischt an den Felsen. Das Meer ist so beständig, dachte er. Im Gegensatz zu den Menschen änderte es sich nie. Doch das Meer war frei und unabhängig. In seinem Leben sorgte eine Verrückte wie Karen für Unruhe.

Er sah über seine Schulter. Rachel stand noch immer da. Sie wich seinem Blick aus. Was sie wohl denkt? fragte Jack sich unwillkürlich. Dass ich aufgebracht bin, weil man mich überführt hat?

„Soll das heißen, sie ist hierhergekommen?“, fragte er, als er sich wieder im Griff hatte.

Rachel nickte knapp.

„Wann?“

Sie wirkte nun unbehaglich, und der Grund dafür wurde ihm klar, kurz bevor sie antwortete.

„Gestern“, murmelte sie. Dann wandte sie sich wieder dem Tisch zu und stellte die benutzten Teller zusammen. Sie räusperte sich. „Möchtest du noch etwas Salat?“

Fassungslosigkeit ließ das Schwindelgefühl in Jack abebben. Er ging zum Tisch zurück, fasste Rachel an der Schulter und drehte sie zu sich herum. Die Besorgnis in ihren Augen ignorierte er.

„Gestern?“, rief er. „Karen war gestern hier?“ Sein Herz schlug wie wild, doch er achtete nicht darauf. „Daher also diese kleine Charade letzte Nacht!“

„Nicht unbedingt.“ Rachel entzog sich ihm. „Du bist immerhin mein Mann. Warum sollte ich nicht mit dir schlafen, wenn ich es will?“

Jack schüttelte den Kopf, er wollte das Thema jetzt nicht vertiefen. „Was hat sie erzählt?“

„Karen?“ Rachel richtete sich auf. „Was denkst du denn?“

„Rachel, ich bin nicht zu solchen Spielchen aufgelegt.“

„Oh, jetzt machst du mir aber Angst“, spottete sie, schnappte jedoch erschrocken nach Luft, als Jack sie an ihrem Handgelenk festhielt. „Aua, du tust mir weh.“

„Sag schon.“

„Warum fragst du nicht sie, wenn es dich so interessiert?“

„Das werde ich vielleicht. Aber jetzt frage ich dich.“

Ohne Warnung zog er sie an sich. Rachel war so überrascht, dass sie ihm unwillkürlich die Hand auf die Schulter legte. Sie spürte seine Wärme unter ihren Fingerspitzen, die harten Muskeln seines Oberkörpers an ihren aufgerichteten Brustknospen.

Für einen Moment brachte ihre eigene Reaktion sie aus der Fassung. Sie konnte ihm nicht antworten, weil sie sich fürchtete, er könne bemerken, wie sehr seine Nähe sie durcheinanderbrachte. Die letzte Nacht war zweifellos ein großer Fehler gewesen. Sie hatte geglaubt, Jack verführen zu können, ohne selbst Gefühle für ihn zu entwickeln. Doch sie hatte sich geirrt. Obwohl sie seinen Küssen ausgewichen war, sehnte sich ihr Körper bereits nach ihm und drängte sie, sich der Sinnlichkeit hinzugeben, die sie die Nacht zuvor erlebt hatte.

„Rachel!“

Seine Stimme holte sie aus ihren Gedanken, und sie versuchte, sich auf seine Frage zu konzentrieren. Es fiel ihr unglaublich schwer, denn sie spürte seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht, und sein verführerisch männlicher Duft umfing sie.

Sie legte eine Hand auf seine Brust und spürte sein Herz heftig schlagen. Triumphierend bemerkte sie, dass er ebenfalls an letzte Nacht dachte.

„Jack …“, murmelte sie, ohne das Verlangen in ihrer Stimme zu verbergen.

Er fluchte unterdrückt. „Tu das nicht, Rachel“, warnte er sie, doch sein Blick verriet tiefes Gefühl, und seine Lippen waren ihren gefährlich nah.

Er wird mich küssen, dachte Rachel und konnte einen Moment nur an ihre eigenen Bedürfnisse denken. Warum auch nicht? Warum sollte sie sich nicht einfach nehmen, was sie wollte, ohne an die Folgen zu denken.

„Rachel!“

Als er wieder ihren Namen sagte, wurde ihr widerwillig klar, was sie tat. Sie hatte sich geirrt, er war nicht so erregt wie sie. Jack war lediglich wütend. Wütend und frustriert. Darin stand sie ihm in nichts nach.

„Lass mich los, Jack“, sagte sie scharf, als hätte sie Sekunden zuvor nicht geradezu um seine Nähe gebettelt. Doch er ließ sich nicht täuschen.

„Nicht, bevor du mir nicht erzählt hast, was Karen gesagt hat“, erwiderte er. „Ich will es wissen. Hat sie behauptet, wir hätten eine Affäre miteinander?“

Rachel seufzte auf und gab nach. „Natürlich. Aber keine Sorge. Ich kannte dein schmutziges kleines Geheimnis schon eine ganze Weile.“

Jack sah sie ungläubig an. „Was soll das heißen?“

Rachel war der ganzen Angelegenheit müde. Sie trat ihm mit dem Absatz auf den Zeh, nutzte seine Überraschung und wand sich aus seinem Griff. „Ich bin kein völliger Idiot, Jack“,

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