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Robin Wuff und Bruder Katz

Über den Autor

Stefan Gemmel, geb. 1970, hat schon zahlreiche Bücher erfolgreich veröffentlicht. Überregional bekannt wurde er auch durch seine originellen Lesungen und Schreibwerkstätten. 2011 wurde er vom deutschen Buchhandel zum Lesekünstler des Jahres gewählt. Für seine Nachwuchsförderung wurde Stefan Gemmel außerdem u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt in der Nähe von Koblenz.

www.stefan-gemmel.de

Inhaltsverzeichnis

  1. Heldensagen – und was die Helden dazu sagen
  2. Heldentaten für Anfänger
  3. Heldentaten für Helfer
  4. Heldentaten für Fortgeschrittene
  5. Heldentaten für die Armen
  6. Ein Turnier ist, was man daraus macht

Kapitelanfang

Heldensagen – und was die Helden dazu sagen

Die Sonne strahlte mit aller Kraft vom Himmel. Die Wiese war erfüllt vom lauten Summen der Bienen, die fleißig von Blüte zu Blüte flogen. Schmetterlinge tanzten in der heißen Sommerluft, und ein Trupp Ameisen war gerade dabei, ein Stückchen Wurst vom Gehweg in seinen Bau zu transportieren.

Golden schimmerte das Licht durch die Blätter der Linde mitten im Garten, und auf dem Dach saß eine Amsel, die aus voller Kehle sang.

Amadeus und Moritz lagen ausgestreckt im Garten vor der Hundehütte. Sie schauten dem eifrigen Treiben der anderen Tiere zu und ließen sich die Sonne auf den Pelz brennen.

»Laaaaangweilig!«, sagte Moritz und gähnte. Mit viel Mühe drehte sich der Kater von einer Seite auf die andere.

Amadeus nickte.

»Furchtbar laaaangweilig!«, bestätigte er und rieb seine Hundeschnauze.

Gerade wollte Moritz zu einem tiefen Seufzer ansetzen, als vom Nachbarhaus her fröhliche Stimmen zu hören waren. Geschirr klapperte, und es herrschte ein lebhaftes Treiben.

»Hm, eine Feier?« Moritz spitzte die Ohren.

»Vielleicht ein Familientreffen«, vermutete Amadeus und hob den Kopf.

In diesem Moment hörten sie den Nachbarsjungen rufen: »Mama, Oma, ich habe das Buch gefunden!«

Mit einem Schlag waren Hund und Kater hellwach! Sie sprangen erfreut auf alle viere und sahen sich mit großen Augen an. Müdigkeit und Trägheit waren von ihnen abgefallen.

»Vorlesestunde!«, riefen sie im Chor.

Moritz sprang begeistert in die Luft. »Genau das, was wir jetzt brauchen.«

»Oh ja, Vorlesestunde«, schwärmte Amadeus. »Komm, lass uns hinüberschleichen.«

So unauffällig wie möglich robbten sie zwischen den Hecken hindurch und über die Wiese des Nachbarn.

Auf der Terrasse saß der Nachbarsjunge mit seiner Mutter und seiner Großmutter. Kaffee und Kuchen standen vor ihnen auf dem gedeckten Gartentisch. Der Junge hielt ein dickes Buch in den Händen.

Hund und Kater blieben in Deckung. Sie wollten nicht stören. Vorsichtig setzten sie sachte eine Pfote vor die andere und nutzten geschickt die Büsche zur Tarnung.

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»Ah, Amadeus! Moritz!«, rief der Junge plötzlich. »Setzt euch doch zu uns!«

Hund und Kater sahen sich mit einer Mischung aus Überraschung und Enttäuschung an. Aber dann sprangen sie zur Terrasse, legten sich nebeneinander zwischen den Jungen und seine Großmutter und ließen sich Wurst und Wasser bringen.

Der Junge schlug das Buch auf. »Ich fange mit Lesen an«, bestimmte er. »Dann ist Oma an der Reihe und dann du, Mama.«

Die beiden Frauen nickten.

Der Junge steckte seine Nase tief in das Buch.

»Robin Hood«, las er laut. Dann blickte er über die Seiten hinweg zu seiner Mutter. »Die Einleitung auch?«

Die Frau nickte wieder: »Lass mal hören, was uns erwartet.«

Der Junge las weiter: »Die Zeit, in der Robin Hood lebte, war eine dunkle, schwere Zeit für England. Richard Löwenherz saß gefangen, und sein Bruder Johann regierte mit harter Hand. Dem Volk ging es sehr schlecht, denn es musste hohe Steuern bezahlen und Abgaben leisten. Da gab es aber einen edlen Geächteten, der für Gerechtigkeit sorgte. Robin Hood beraubte die Reichen und gab alles an die Armen im Land weiter. Die Legenden und Geschichten von Robin Hood sind uns durch Ba… durch Ball… Balla…« Der Junge stockte. Dann versuchte er es erneut: »… sind uns durch Balladen überliefert worden. Mama, was sind denn Balladen?«

»Gedichte aus dem Mittelalter«, erklärte die Mutter, und die Großmutter fügte hinzu: »Damals gab es noch kein Radio oder Fernsehen oder Zeitungen. Wenn Helden durch das Land zogen und Abenteuer erlebten, wurden sie von Sängern oder Dichtern begleitet. Diese Barden hielten die Abenteuer in Reimen fest, um den Leuten später davon zu erzählen oder vorzusingen. Ihre Reime nennt man Balladen.«

»Aha. Ich verstehe. Also reimende Reporter?«

Die Großmutter lachte. »Wenn du meinst. Ja, so könnte man es nennen.«

»Bei uns in Deutschland gab es auch einige Barden«, erklärte die Mutter. »Nicht nur in England, wo Robin Hood herkommt. Der berühmteste Barde in Deutschland hieß Walther von der Vogelweide. Er lebte ziemlich genau zu der Zeit, in der auch Robin Hood lebte: um 1200 herum.«

Der Junge prustete laut los. »Das ist ja ein lustiger Name: Walther von der Vogelweide.«

»Na, na, nicht lachen!« Die Mutter hob tadelnd einen Zeigefinger in die Höhe. »Walther von der Vogelweide war ein wirklich bedeutender und mutiger Mann. Er lebte am Hof von Kaiser Friedrich II. und hat sehr viele Strophen und Lieder gedichtet. Aber jetzt lies endlich weiter!«

Der Zeigefinger des Jungen wanderte die Zeilen entlang. Dann blätterte er schnell um, und damit begann die Vorlesestunde.

Amadeus und Moritz lagen mucksmäuschenstill auf dem Boden. Ihnen entging kein einziges Wort. Sie lauschten gebannt den Geschichten: wie sich Robin Hood mit seinen Freunden vor dem hinterhältigen und raffgierigen Sheriff von Nottingham im Wald von Sherwood versteckte. Wie er im Zweikampf mit Stöcken den riesigen Little John kennenlernte. Und wie sie sich für das Gute einsetzten und gegen das Böse kämpften.

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Moritz fand besonderen Spaß an Bruder Tuck, einem immerzu fluchenden Mönch, der sich Robin Hood im Wald anschloss und immer zu einer ordentlichen Herausforderung bereit war. Amadeus dagegen war fasziniert von dem überaus kühnen und listigen Robin Hood.

Die Zeit verging wie im Flug. Es kam Amadeus vor, als hätten sie sich gerade erst auf die Terrasse gelegt, da sprang die Nachbarin auf und rief: »Du meine Güte, schon so spät!«

Hastig begann sie, den Tisch abzuräumen und den Kuchen ins Haus zu bringen.

Jetzt erst erkannte auch Amadeus, dass sich der Himmel schon rot färbte. Es wurde langsam Abend. Zusammen mit Moritz trollte er sich zur Hundehütte hinüber.

»Wunderschön, nicht wahr?«, meinte Moritz, und Amadeus nickte. »Sooo schöne Geschichten. Ich wäre auch gerne wie …«

Plötzlich blieb er stehen und hielt Moritz mit einer Pfote zurück. Er starrte gebannt auf die Hundehütte.

»Was ist?«, zischte Moritz und duckte sich wachsam.

Amadeus deutete mit seiner Schnauze zur Hütte. Jetzt entdeckte Moritz es auch: Das Licht der untergehenden Sonne warf neben der Hundehütte einen Schatten auf den Boden.

Die beiden Freunde spannten ihre Muskeln an und machten sich zum Sprung bereit. Als aber der Schatten noch zwei kleine, runde Ohren bekam und der Gestalt einer Maus immer ähnlicher wurde, entspannte sich Amadeus und lächelte über das ganze Gesicht. Auch Moritz atmete erleichtert auf. Unauffällig gaben sich die beiden Freunde ein Zeichen.

»Wir haben lange nichts mehr von der kleinen Maus gehört?«, seufzte Amadeus übertrieben laut.

Moritz verstand sofort und spielte mit. »Sie wird uns doch nicht vergessen haben?! Nach all unseren Abenteuern! Aber du weißt ja, wie Mäuse sind: Aus den Augen, aus dem Sinn.«

»Ist vielleicht auch besser so. Er war mir sowieso zu frech und zu vorwitzig.«

Hinter der Hütte war ein leises Kichern zu hören, dann bog eine Maus um die Ecke, im Gesicht ein breites Grinsen. »Habt ihr mich etwa entdeckt?«, fragte sie.

Hund und Kater schüttelten heftig ihre Köpfe.

»Nein, nein«, riefen sie wie aus einem Mund.

»Wie denn auch?«, sagte Amadeus.

»Wie kommst du denn darauf?«, fragte Moritz unschuldig.

Die Maus baute sich vor den beiden auf, die Pfoten in die Seiten gestützt. »Halunken seid ihr«, sagte sie lachend, und Amadeus und Moritz stimmten mit ein.

»Was führt dich denn hierher?«, wollte Amadeus schließlich wissen.

»Wolltest du deine alten Freunde besuchen?«, hakte Moritz nach.

»Das natürlich auch.«

Die Maus setzte sich zu den beiden ins Gras.

»Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum ich hier bin.«

Sie zögerte einen Augenblick, um die Wirkung ihrer Worte zu steigern, dann platzte sie heraus: »Habt ihr Lust auf Abenteuer?«

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