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Riyala - Tochter der Edelsteinwelt 3: Unter dem Eis funkelt die Nacht

Antje Ippensen

Riyala - Tochter der Edelsteinwelt 3: Unter dem Eis funkelt die Nacht

Fantasy-Serial





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Riyala – Tochter der Edelsteinwelt

Teil 3: Unter dem Eis funkelt die Nacht

Fantasyroman

von Antje Ippensen

Nach vielen Abenteuern triumphiert die junge Riyala Falken – sie glaubt, bereit zu sein für das Land des Urmuttersteins, wo ihr die Antwort auf das Rätsel ihres Lebens zuteil werden soll. Doch sie freut sich zu früh – viel zu früh!

Im Traum hatte sie eine Vision über das Mädchen Ayrun aus der Eisrandwelt. Deren Schicksal wird jetzt näher beleuchtet und am Ende scheint es gewiss, dass ein geheimnisvolles Band zwischen den zwei magisch begabten Mädchen besteht.

Einmal mehr jedoch spitzen sich derweil für Riyala die Ereignisse zu und plötzlich steht sie mit dem Rücken zur Wand.

Ein CassiopeiaPress E-Book

© 2014 by author und Edition Bärenklau Jörg Munsonius

© Titelbild Steve Mayer

© 2014 der Digitalausgabe by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich (Westf.)

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Kapitel 1: Kampf wie ein Schrei

Dann schlossen sich ihre Finger fest um ihn.

Chrysopal summte, und blaue Strahlen schossen zwischen Riyalas Fingern hindurch auf Aul zu, ließen deren Augen stumpf und glanzlos werden. Dann sausten die Strahlen zurück zu Riyala und formten sich zu einer bläulichen, durchsichtigen Wolke, die nicht nur sie, sondern auch Lhim schützend umfloss.

In diesem Moment fiel der üble Zauberbann der „Halbgöttin“ von Riyala ab. Jetzt war sie es, die triumphierend lächelte, während Auls Gesicht sich vor Wut – und Schmerz verzerrte.

„Ich werde dir nie gehören, Aul, niemals dein Weißer Falke sein“, sprach Riyala ruhig.

Die Halbgöttin schluchzte verzweifelt auf, ihr Gesicht verfiel. Schlaff hingen die bleichen Tentakel, die eben noch wild gezüngelt hatten, um ihren Kopf herum. In ihrem Schmerz wirkte sie für kurze Zeit fast menschlich … die Lippen formten die Worte: Meine Heilsbringerin …

Noch ein letztes Mal suchten ihre farblos gewordenen Augen den Blick ihrer Auserwählten, doch an der Kälte, mit der Riyala diesen Blick erwiderte, erkannte sie, dass sie ihr halbgöttliches Spiel verloren geben musste.

Daraufhin schlug ihre Stimmung um.

Während sich ihr Gesicht zu einer Maske des Hasses verzerrte, stieß Aul hervor: „Dann sei verflucht! Riyala FalkenKLAUE bist du nun und wirst es bleiben bis zur Stunde deines Todes!“

„Dein Fluch ist mir gleichgültig“, erwiderte Riyala gelassen.

„Lhim und ich verlassen dich und Orkania – JETZT!“


Und abermals entfaltete sich die höchste Magie in ihr, gewaltig, umfassend – Lhim war nun an Riyalas Seite und hielt sich an ihr fest – Chrysopal sang vor Freude ... und Riyala rief den Sphären-Sturm herbei. Auf seinen Flügeln entkamen sie der verwunschenen Insel der Halbgöttin Aul.


*


Es war genau wie beim letzten Mal. Nur dass sie, erwachend, als erstes feststellten, dass das Meer aufgewühlt war und kochte. Riyala wollte schon panisch davonlaufen, ins Landesinnere hinein. Ihre neue Gefährtin hielt sie zurück.

„Warte, Riyala! Schau mich an!“ Und freudestrahlend drehte sich das Nomadenmädchen um die eigene Achse: Sie besaß wieder ihre menschliche Gestalt, die Verwandlung in einen Wolf war rückgängig gemacht. Nun ja, beinahe. Riyala überwand ihre Furcht und schaute ihre neue Gefährtin genau an: Der weiße Pelz wuchs immer noch bis in den Nacken hinein.

Und ihre eigene Hand? Sie betrachtete ihre Linke seufzend – sie war und blieb eine Raubvogelklaue, Auls Fluch blieb wirksam.

Die näherrollenden hohen Wellen besprühten die beiden Mädchen mit Gischt.

Obwohl das Meer sich so wild gebärdete, war doch heller Tag, von ein paar mattgrauen Wolkenstreifen abgesehen.

Woher kam also der Aufruhr der Elemente?

Die zwei jungen Frauen starrten zur Insel Orkania hinüber und sahen, wie diese unter gewaltigem Zischen, Brodeln und Krachen in der tobenden See versank.


„Meinst du, das ist das Ende von Aul?“, fragte Lhim.

„Nein, das glaube ich kaum“, erwiderte Riyala. „Sie wird eine Weile brauchen, um diese Niederlage zu verkraften, aber dann kehrt die Halbgöttin zurück. Ich frage mich, welchem Reich ihre andere Hälfte angehört? Dem der Menschen oder eher dem der Dämonen?“

„Für mich ist sie eine Halbdämonin“, erklärte Lhim finster, „und ich werde, wenn ich wieder zu Hause bin, eine Eishexe aufsuchen, damit sie mich vom Rest dieses Verwandlungsfluches befreit oder mir zeigt, wie ich mich selbst davon befreien kann!“ Sie knurrte, griff sich in den Nacken und zupfte an dem weißen Wolfsfell.

Das Meer beruhigte sich wieder, lag endlich glatt wie ein Spiegel da. Es war, als sei nie etwas passiert, als habe es die Insel Orkania nie gegeben.


„Eine Eishexe?“, erkundigte sich Riyala neugierig. „Sag, Lhim, woher kommst du? Wie sieht es in deinem Land aus?“

„Mein Volk, die Uzurken, wandert mit seinen Herden an den Grenzen zur Eisrandwelt“, antwortete Lhim bereitwillig. „Die Grenzen bestehen aus unüberwindbaren Eisgebirgen, und dahinter herrscht ewiger Frost, niemals endender Winter. Es heißt bei meinem Volk, dass ein Bann über diesem Teil der Welt liegt.“

Da durchzuckte Riyala kurz die Erinnerung an ihren Traum. Ayrun und ihre schneebedeckte Welt … Konnte es ein Zufall sein, dass Lhim von einer solchen Gegend erzählte …?

„Wir Uzurken leben schon seit Generationen im Schatten der Eisbarriere, auf den Grasebenen“, fuhr das Nomadenmädchen fort, „wir kennen nichts anderes. Auch bei uns sind die Winter bitterkalt, aber irgendwann enden sie und werden abgelöst von milden Frühlingen und sanften Sommern. Herbst und Winter, die dann wieder folgen, sind schwer zu ertragen, kalt und sehr, sehr dunkel – doch umso mehr freuen wir uns über die Wiederkehr des Lichtes.“ Sie schwieg, und ein Schatten huschte über ihre zarten Züge, verdunkelte ihre Mandelaugen.

„Was ist passiert? Wie und weshalb bist du in Auls Gewalt geraten?“

„Damals, vor fünfzig Jahren, suchte eine schreckliche Seuche unsere Herden heim, und wir drohten Hungers zu sterben. Gleichzeitig litten wir unter einem besonders harten Winter, der nicht zu enden schien … und mit furchterregenden Geräuschen schoben sich die Gletscher der Eisrandwelt näher und näher an unser Land heran … wir waren nahe daran zu fliehen, doch eigentlich hatten wir schon zu lange ausgeharrt; die meisten von uns waren zu schwach, um noch einen südlicher gelegenen Ort erreichen und dort ein neues Leben beginnen zu können. Da suchten unsere zwei Weisen Alten, nachdem sie von starken Visionen heimgesucht worden waren, in einem machtvollen Ritual Rat und Hilfe bei unserer Gottheit, dem Mondgott. Und ER forderte ein junges Opfer. Das Los fiel auf meine kleine Schwester – doch sie zu verlieren, hätte meinen Eltern das Herz gebrochen. Also erbot ich mich an ihrer Statt, kleidete mich in den silbernen Opferpelz und schritt mitsamt unseren Weisen Alten in einer feierlichen Prozession den wie eine Spirale sich windenden Nadelberg hinauf, unseren Heiligen Geweihten Ort.“

„Dich zu verlieren, war für deine Eltern weniger schmerzhaft?“, fragte Riyala entgeistert und erschüttert.

Lhim zuckte die Schultern. „Ich weiß es nicht, Riyala. Ich weiß nur, dass meine kleine Schwester etwas ganz Besonderes ist. Wie sonderbar – wenn sie überlebt hat … wenn mein Volk es geschafft hat, obwohl das Opferritual fehlschlug, dann muss sie jetzt eine Frau von beinahe sechzig Jahren sein.“

Sie lachte verblüfft auf, versuchte sich ohne Zweifel ihre kleine Schwester als alte Frau vorzustellen, und schüttelte den Kopf.

„Erzähle doch weiter“, bat Riyala, „was geschah dann? Du sagtest, das Ritual war ein Fehlschlag?“

„Ja. Ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen. Die Alten banden mich an den knorrigen kahlen Baum, der dort oben schon seit Äonen stand, und ich nahm es ohne Widerstand hin. Doch dann – anstatt dass ER mich holte, kam SIE. Die Halbgöttin Aul von Orkania und nicht der Mondgott, der unsere Geschicke lenkt. Ich begreife nicht, wie ihr das gelingen konnte, was dahintersteckt – eine Intrige im Reich der Gottheiten? Eines sage ich dir … ich werde es herausfinden. Ich kehre zu meinem Stamm zurück.“

„Das wird bestimmt nicht einfach“, gab Riyala zu bedenken. „Sie werden nicht begreifen, dass du in den verflossenen fünfzig Jahren um nicht einen Tag gealtert bist …“ Insgeheim dachte sie, dass sie das Nomadenmädchen vermissen würde. Am liebsten wäre mir, Lhim verschöbe ihre Heimkehr auf einen späteren Zeitpunkt. – Doch das ist selbstsüchtig von mir. Was aber, wenn ich sie bitte, ob sie mich ein paar Tage lang begleitet?

Sie öffnete schon den Mund, um Lhim diese Frage zu stellen.

Doch in diesem Augenblick streifte die junge Nomadin sie mit einem Seitenblick und erkundigte sich ihrerseits: „Was ist mit dir, Riyala? Erzählst du mir auch deine Geschichte? Die meine kennst du ja jetzt.“

„Oh, ich …“, begann Riyala und verstummte. Auf einmal stellte sie fest, dass sie es nicht konnte. Sie hatten einander das Leben gerettet, Lhim und sie, und wenn sie jemandem vertraute, dann dem Nomadenmädchen … Aber sie brachte es nicht über sich. Die Zunge lag ihr wie ein trockenes Blatt im Mund (wie alle Blätter in meiner Heimat Co-Lha inzwischen sein müssen), und sie schaffte es nicht, ein weiteres Wort hervorzubringen. Sie senkte den Blick.

Aber ehe sie das tat, musste sich etwas von ihrer inneren Not in ihrem Gesicht abgezeichnet haben, denn Lhim trat freundlich auf sie zu, drang nicht weiter in sie, sondern berührte ihr Haar und ihre Schläfen sanft mit schlanken, kühlen Fingern.

„Ich verstehe“, sagte sie nur. „Wenn du nicht über deine Vergangenheit sprechen willst, Heilsbringerin – wie sieht es denn mit deiner Zukunft aus? Wohin willst du, jetzt, da auch du dem Zugriff der Halbdämonin entronnen bist?“

„Dank deiner Hilfe, Lhim“, lächelte Riyala, jetzt wieder entspannt und der Sprache mächtig. „Ja, das zu erzählen fällt mir leichter. Ich suche das Land des Magischen Schattens, der den Urkristall beherbergt, das Muttergestein, durch welches alle Heil- und Edelsteine in unsere Welt kamen.“

„Ein hohes Ziel“, nickte Lhim, „und ich wünschte, ich könnte dich ein Stück des Weges begleiten oder dir auf eine andere Weise helfen … doch mich zieht es nach Hause.“ Sehnsüchtig flammten ihre Augen auf, und Riyala fasste einen raschen Entschluss.

„Nimm Chrysopal, Lhim, und wünsche dich heim. Dann öffne deine Hand und der Stein wird zurückbleiben, während du wiederum von den Schwingen des Sphärenwindes getragen wirst – es wird schnell gehen, so wie wir von der Insel an die Küste gelangten!“

Das schwarzhaarige Mädchen mit den dunklen Mandelaugen lächelte strahlend und nahm den Meeresstein achtsam entgegen.

„Hab Dank … und wenn das Schicksal es will, sehen wir uns eines Tages wieder, Riyala, du in Geheimnisse gehüllte Heilsbringerin!“

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