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Ritter des Herzens

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Deborah Simmons

Ritter des Herzens

Roman

Aus dem Amerikanischen von
Helga Holtermann

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Ritter des Herzens

Langsam entschwindet das Kloster in der Ferne, als die junge temperamentvolle Novizin Sybil an der Seite von Robin de Burgh ihre bisherige Heimat verlässt. Die Äbtissin hat verlangt, dass sie den fremden Ritter auf seiner gefahrvollen Mission begleitet: Gemeinsam sollen sie die mysteriösen Umstände aufklären, die zum Mord an einer Nonne geführt haben. Vor ihnen liegt ein gefährliches Abenteuer, und mit jedem Tag, den Sybil mit Robin verbringt, lodern die Flammen der Leidenschaft heißer. Als der Ritter ihres Herzens sie schließlich zärtlich liebt, ahnt Sybil, dass sie nicht ins Kloster zurückkehren kann. Doch was hält die Zukunft dann für sie bereit?

PROLOG

Ein Fluch lastete auf dem Geschlecht der de Burghs. Dessen war sich Robin sicher. Zwar war die Familie immer noch wohlhabend und zählte zu den führenden Adelsgeschlechtern, auch waren alle Familienmitglieder gesund, doch irgendwie stand im Moment das Geschick dieses edlen Geschlechts unter keinem guten Stern. Der Einfluss der Familie schwand, und sie wurde zunehmend auseinander gerissen, weil die Angehörigen sich in verschiedenen Teilen des Landes niederließen. Robin wusste, was dahinter steckte: Vermählung.

Noch vor vier Jahren waren alle sieben Söhne des Earl of Campion Junggesellen gewesen, und es gab keinerlei Anzeichen, dass einer von ihnen beabsichtigte, seinen Familienstand zu ändern. Dann jedoch, als wenn eine mysteriöse Macht die Hand im Spiel hätte, nahmen sich Dunstan, Geoffrey und Simon Ehefrauen, einer nach dem anderen. Sogar der Earl selbst hatte zur Weihnachtszeit wieder geheiratet. Und nun war Robin zur Hochzeitsfeier seines Bruders Stephen geladen.

Er sah sich im Großen Saal von Campion Castle um, und es hob nicht gerade seine Stimmung, dort so viele Ehepaare anzutreffen. Wohl wissend, dass er jetzt eigentlich seine Segenswünsche zur Hochzeit überbringen sollte, war ihm mehr danach zumute, verzweifelt aufzuschreien. Ihn betrübte nicht nur, dass seine Brüder durch diese unfassbare Fügung in den Stand der Ehe getrieben worden waren, er sorgte sich auch um sein eigenes Schicksal, war er doch der Älteste der drei de Burghs, die noch nicht verheiratet waren. Wie seine beiden noch ledigen Brüder darüber dachten, wusste er nicht. Ihm graute davor, wahrscheinlich als Nächster in den Stand der Ehe treten zu müssen.

Robin hatte nichts gegen Frauen. Sie boten einen angenehmen Zeitvertreib und Sinnenfreuden, wenn ihm daran gelegen war. Manche waren dafür mehr, andere weniger geeignet, doch weder die schönste noch die unterhaltsamste dieser Damen hatte in ihm auch nur das geringste Verlangen nach einer dauerhaften Verbindung wecken können. Allein der Gedanke, für immer an eine Frau gefesselt zu sein, löste Beklemmungen in ihm aus, als wenn eine Schlinge um seinen Hals gelegt worden wäre. Er hatte das Gefühl, dass diese Schlinge schon jetzt für ihn ausgelegt war, um ihn für alle Zeiten an eine ihm noch unbekannte Frau zu binden.

Obwohl Robin innerhalb der Familie eigentlich derjenige war, der es verstand, recht unbeschwert zu leben, fühlte er sich nun ausgesprochen niedergeschlagen, wenn er an seine Zukunft dachte. Es ärgerte ihn, als gestandener Mann und Ritter von diesem Gefühl der Hilflosigkeit überwältigt zu werden. Am liebsten hätte er mit einem gezielten Schwerthieb dem Spuk ein Ende bereitet, doch gegen eine unsichtbare Macht konnte er auch mit der besten Kampftechnik nichts ausrichten. Robin biss die Zähne zusammen, als er sich fragte, wie viel Zeit ihm wohl noch bleiben mochte. Seine Brüder hatten sich offensichtlich kampflos ihrem Schicksal ergeben; er hingegen wollte keinesfalls seinen Untergang so einfach hinnehmen.

Es musste einen Weg geben, der aus dieser Misere hinausführte. Robin hatte in seinem Leben oft erfahren, dass es ihm durch besonnenes Nachdenken gelungen war, auch scheinbar aussichtslose Probleme zu lösen, und normalerweise hatte er in solchen Situationen den Rat seines Vaters eingeholt. Doch war auch sein Vater bereits dieser geheimen Macht zum Opfer gefallen und hätte ihm deswegen nicht beratend zur Seite stehen können. Seine verheirateten Brüder zu fragen wäre ebenso sinnlos gewesen.

Robins Hoffnung auf eine Lösung schwand, er fühlte sich niedergeschlagen und verzweifelt. Das Geschlecht der de Burghs hatte er immer für unbesiegbar gehalten, weil sie mächtige Herren waren, starke Krieger, in verschiedenen Kampftechniken bestens ausgebildet, und großes Geschick bewiesen hatten in der Verwaltung ihres umfangreichen Grundbesitzes. Aufgrund ihres Reichtums, ihrer Privilegien und ihrer vielfältigen Talente verfügten alle Angehörigen dieses edlen Geschlechts über ein hohes Maß an Selbstbewusstsein und Würde, auch jene, die nun Ehemänner geworden waren. Robin aber fühlte sein eigenes Selbstvertrauen schwinden. Es waren jetzt nur noch drei der de Burghs Junggesellen. Wahrscheinlich war es höchste Zeit, dass sie sich über dieses Problem unterhielten.

Nachdem Robin zu dieser Einsicht gelangt war, hielt er sogleich Ausschau nach seinem Bruder Reynold, der sich irgendwo unter den vielen Gästen in der riesigen gewölbten Halle befand. Er entdeckte seinen jüngeren Bruder auf einer Bank sitzend, den Rücken an die Wand gelehnt, das beeinträchtigte Bein hatte er vor sich ausgestreckt. Reynold war bekannt für seine stets etwas mürrische Stimmung. Heute schien er allerdings ganz besonders verdrossen zu sein. Robin fragte sich, ob auch er die letzten Stunden seines freien Junggesellenlebens zählte.

Er versuchte, seinen Bruder ermutigend anzulächeln, setzte sich neben ihn und überlegte, auf welche Weise er das brisante Thema des zwanghaften Heiratens, über das sich in der Familie bislang niemand geäußert hatte, ansprechen könnte. Glücklicherweise richtete Reynold als Erster das Wort an ihn.

„Hättest du das für möglich gehalten?“ begann er und schüttelte den Kopf, während er Stephen fasziniert anstarrte. „Nach all den Maiden, mit denen Stephen geschäkert hat, hätte ich nie geglaubt, dass er jemals eine endgültige Verbindung eingehen, oder gar das Trinken aufgeben würde.“

„Hätte ich auch nicht gedacht“, stimmte ihm Robin zu. Er musterte Reynold intensiv, aber der Gesichtsausdruck seines Bruders war wie immer unergründlich. Jedoch ließ sich Robin nicht verunsichern. Auch wenn die de Burghs normalerweise lieber sterben als eine Schwäche zugeben würden, war in dieser Situation unbedingte Aufrichtigkeit erforderlich, zumal die Zeit drängte. Vielleicht konnte es ihnen gemeinsam gelingen, der Verdammung zum Heiraten ein Ende zu bereiten, vor allem bevor es Robin selbst traf.

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass auch nur einer unserer Brüder heiraten würde“, sagte Robin und betrachtete seinen Bruder aus den Augenwinkeln heraus. „Findest du es nicht merkwürdig, dass sie es alle getan haben und so schnell hintereinander?“

Reynold reagierte lediglich mit einem starren Schulterzucken. Er war nie besonders gesprächig, deshalb entmutigte diese spärliche Resonanz Robin nicht. „Aus meiner Sicht ist es verdammt merkwürdig“, fuhr er fort. Er beugte sich etwas stärker zu seinem Bruder hinüber und flüsterte: „Ich bin mir sicher, dass ein Fluch auf uns lastet, der uns zum Heiraten zwingt.“

Reynold starrte ihn verständnislos an, doch ließ sich Robin davon nicht irritieren. „Was sollte sonst der Grund für diese Misere sein?“ bedrängte er Reynold. „Noch vor ein paar Jahren waren wir alle Junggesellen und sehr zufrieden mit diesem Stand. Und dann, als wenn eine mysteriöse Macht im Spiel gewesen wäre, wurden den de Burghs die Fesseln der Ehe angelegt, einem nach dem anderen, sogar unserem Vater!“ Die Angst in seiner Stimme war nicht zu überhören. „Glaub mir, wir müssen unbedingt etwas unternehmen, bevor wir die Nächsten sind!“

Robin bemerkte, wie sein Bruder auf den Becher in seiner Hand blickte, und runzelte die Stirn. Offensichtlich hatte Reynold etwas zu viel von dem freigiebig dargebotenen Wein genossen, aber wer hätte das nicht getan angesichts der bedrückenden Zukunftsaussichten? Und gerade Reynold, der bei auftretenden Widrigkeiten als unversöhnlich galt, musste in dieser Angelegenheit besonders besorgt sein. „Du bist sicher auch sehr beunruhigt?“ fragte Robin.

Der stoische Gesichtsausdruck seines Bruders änderte sich in keiner Weise. „Warum sollte ich beunruhigt sein?“

„Wegen der Gefahr, von einer Frau in den Ehestand gezwungen zu werden!“ erklärte Robin und wies mit der Hand auf seine Brüder, die, einst frei von ehelichen Pflichten, nun wie verliebte Narren um ihre Gattinnen herumscharwenzelten. „Weil uns das gleiche Schicksal ereilen könnte wie sie!“

„Ich würde mich glücklich schätzen“, seufzte Reynold.

„Glücklich? Glaub mir, sie sind verflucht!“ protestierte Robin.

Reynold betrachtete seinen Bruder, als wenn er an dessen Verstand zweifelte. „Schau sie dir an, Robin“, sagte er. „Glaubst du wirklich, sie sind unglücklich?“

Robin guckte kurz zu Stephen hin, der in ihrer Nähe stand. Er musste zugeben, dass sein Bruder, der eh als der Charmeur der Familie galt, besser aussah als jemals zuvor, aber das lag sicher daran, dass er mit dem Trinken aufgehört hatte. Gewiss, er lächelte, aber er wirkte dabei wie ein Schwachkopf, genau wie seine anderen vermählten Brüder. Sogar der eher mürrische Simon hatte dieses merkwürdige Lächeln im Gesicht. Ebenso der gelehrte Geoffrey, er starrte verzückt das kleine Kind an, das in seinen Armen lag, als wenn er es höchst selbst zur Welt gebracht hätte. Es versetze Robin einen Stich, wie fremd ihm seine Brüder geworden waren.

„Ich stimme dir zu, sie scheinen glücklich zu sein, sonst hätten sie sich nicht darauf eingelassen“, meinte er. „Aber ich kann dir versichern, dass auch dieses ein Teil des Fluchs ist, der auf unserer Familie lastet.“

„Die meisten Männer würden ihre Seele verkaufen, um auf solche Art verflucht zu werden“, murmelte Reynold. Seine Miene hellte sich kurz auf und ein sehnsuchtsvoller Blick trat in seine Augen, bis sich sein Gesichtsausdruck wieder verfinsterte. „In dieser Sache gibt es keinen Fluch“, stellte er fest.

„Woher nimmst du diese Gewissheit?“ fragte Robin ärgerlich, weil sein Bruder an seiner Erkenntnis zweifelte.

„Weil mich keine Frau heiraten wird“, entgegnete Reynold, richtete sich auf und ging hinkend davon.

Robin runzelte die Stirn. Er hatte den Eindruck, dass sein stets launischer Bruder heute ganz besonders schlecht aufgelegt war. Wahrscheinlich lag das daran, dass Reynold als Einziger von den sieben Söhnen des Earls noch auf Campion Castle wohnte. Vielleicht ist es besser, noch eine Weile hier zu bleiben, überlegte Robin, anstatt nach Baddersly, einem Gut, das er für seinen Bruder Dunstan verwaltete, zurückzukehren. Aber der Gedanke an all die Veränderungen, die hier während seiner Abwesenheit stattgefunden hatten, und besonders der Umstand, dass es mit seiner Stiefmutter jetzt eine neue Herrin auf der Burg gab, hielten ihn davon ab. Er sehnte sich nach dem früheren, ihm vertrauten Campion Castle.

Es kam ihm vor, als wäre es gestern gewesen, als er hier zusammen mit seinen Brüdern gelebt hatte. Sie hatten sich gegenseitig Streiche gespielt, und es war immer sicher gewesen, dass sie sich absolut auf einander verlassen und einander vertrauen konnten wie niemandem sonst auf der Welt. Bei Problemen hatten sie gemeinsam nach einer Lösung gesucht und waren oft auch ohne die Unterstützung des Vaters zurechtgekommen. Wichtige Entscheidungen hatten sie allerdings nicht ohne den Rat des Earls getroffen. Sicher, es hatte auch mal Streit zwischen ihnen gegeben, aber sie waren immer eine starke, lebensfrohe Gemeinschaft gewesen.

Das alles hatte sich nun geändert. Vier seiner Brüder lebten mit ihren Frauen an verschiedenen Orten, verstreut über das ganze Königreich. Nach Campion Castle kamen sie nur noch zur Weihnachtszeit oder zu besonderen Anlässen wie heute. Das konnte nicht gut sein. Robin stöhnte verzweifelt auf, und ein Gefühl der Leere überkam ihn – wie immer, wenn er an seine Familie dachte. Auch wenn er eigentlich nicht zur Verbitterung neigte, fühlte er sich jetzt doch irgendwie hintergangen und verlassen.

Dennoch war er nicht bereit, die Schuld bei seinen Brüdern zu suchen. Diese standen offensichtlich unter irgendeinem magischen Einfluss. Wie sonst sollte man sich ihr plötzlich verändertes, ungewöhnliches Verhalten erklären? Robin war mit seinen Brüdern in einer reinen Männergemeinschaft aufgewachsen und lebte nun in Gemeinschaft mit den Rittern von Baddersly. Er konnte sich nicht erklären, worauf diese plötzliche Neigung seiner Brüder, sich zu vermählen, zurückzuführen war.

Angefangen hatte es mit Dunstan, dem Ältesten und dem Mann, den Robin unter allen Menschen dieser Welt am meisten bewunderte. Dunstan hatte dem König als Ritter gedient und als Dank für seine Verdienste die Grundherrschaft über Wessex erhalten. Seitdem war er bekannt als „Wolf von Wessex“. Als er Marion geheiratet hatte, eine Frau, der alle de Burghs herzliche Wertschätzung entgegenbrachten, war Robin zwar etwas beunruhigt, doch war diese Heirat aufgrund besonderer Umstände notwendig gewesen, weil Marion von ihrem Vormund bedroht worden war. Außerdem lebte Dunstan schon seit längerer Zeit nicht mehr auf Campion Castle, so dass sich dort zunächst nicht viel verändert hatte.

Der bedauernswerte Geoffrey musste auf Erlass des Königs heiraten, um durch diese eheliche Gemeinschaft den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Dunstan und dem Herrscher des benachbarten Territoriums ein Ende zu bereiten. Robin war damals dankbar gewesen, dass dieses Los nicht ihm auferlegt worden war, obwohl er natürlich Geoffrey außerordentlich bedauerte, zumal dessen Braut eine schreckliche Person war. Inzwischen schien sie zwar etwas liebenswürdiger geworden zu sein, dennoch bemitleidete Robin seinen Bruder nach wie vor, obschon Geoffrey offensichtlich seiner Frau ebenso treu ergeben war wie Dunstan seiner Marion. Aufgrund der sehr ungewöhnlichen Umstände, die zu diesen beiden Ehen geführt hatten, war Robins Argwohn damals noch nicht geweckt worden.

Es war Simons Hochzeit, die ihn letztendlich verunsichert hatte.

Simon, der Kühnste von allen Brüdern, eine ausgesprochene Kämpfernatur, hatte sich aus freier Willensentscheidung ausgerechnet der Frau in ewiger Liebe und Treue ergeben, die eine im Schwertkampf erfahrene Frau war und ihn in einem Gefecht besiegt hatte. Als Robin und seine Brüder damals bei Simon eingetroffen waren, war dieser bereits in einer Verfassung gewesen, die jegliche Warnung vor der Ehe hatte sinnlos erscheinen lassen. Leider hatte auch Geoffrey damals diese Eheschließung gutgeheißen, was Robin als bitteren Verrat an seinem eigenen Fleisch und Blut empfunden hatte.

Seit diesem Ereignis glaubte er, dass Dunstan, Geoffrey und Simon möglicherweise Opfer eines mysteriösen Fluchs geworden waren. Die Heirat von Stephen, der wegen seiner Verführungskünste im ganzen Land bekannt war, schien seine These nun zu bestätigen. Wenn selbst Stephen sich auf eine Heirat eingelassen hatte, dann waren auch er und seine noch ledigen Brüder dazu verdammt. Seine einst so starken Brüder waren weich und schwach geworden und hatten sich von Frauen an die Kette legen lassen. Robin aber wollte keinesfalls so enden.

Grundsätzlich hatte er nichts gegen Frauen. Er hatte mit einigen angebandelt, und sie hatten ihm höchst angenehme Sinnenfreuden verschafft. Wirklich außerordentlich angenehm. Aber außerhalb der Bettstatt schwand ihre Anziehungskraft. Die meisten Frauen hielt er für launisch und anspruchsvoll. Er hatte nicht vor, sich auf Lebenszeit an ein solches Geschöpf zu binden, egal wie glücklich seine verheirateten Brüder zu sein schienen!

Vielleicht sehnte sich Reynold nach einer Ehe, Robins Verlangen war dieses absolut nicht. Reynold musste ein Tor sein, wenn er untätig blieb, bis auch er ruiniert würde. Je länger Robin darüber nachdachte, desto entschlossener wurde er. Er wollte herausfinden, welche geheime Macht das Leben der de Burghs beeinflusste, bevor es zu spät war. Robin atmete tief ein, jedoch wurde er recht mutlos, als ihm plötzlich etwas einfiel.

Leider wusste er nichts über Flüche oder die Möglichkeiten, diese abzuwenden. Der Earl hatte bei der Erziehung seiner Söhne Wert darauf gelegt, dass diese sich genug Bildung aneigneten, um nicht an Hexen und Magie oder ähnliche Dinge zu glauben. Zwar hatte Robin im Gegensatz zu seinen Brüdern eine gewisse Neigung zu Amuletten, Talismanen und Reliquien, doch konnte er nicht sagen, wo man ein Zaubermittel gegen das Heiraten hätte finden können. Und soweit er wusste, gab es auch keinen Heiligen, der die Junggesellen beschützte. Es stand einem jedoch natürlich frei, Mönch zu werden. Robin hatte aber keineswegs vor, ein Keuschheitsgelübde abzulegen.

Bedauerlicherweise war in dieser Angelegenheit auch nicht mit Hilfestellung seitens der Kirche zu rechnen, zumal deren Haltung zur Ehe ja bestens bekannt war. Nein, er brauchte jemanden, der sich mit mystischen Phänomenen auskannte. Robin dachte angestrengt nach. Die einzigen ihm bekannten Menschen, die eventuell einen Bezug zu diesen Dingen hatten, waren die L’Estranges, Stephens gerade angetraute Frau und deren Verwandtschaft. Darüber war in der Hochzeitsgesellschaft seit seiner Ankunft immer wieder getuschelt worden. Er hatte aber das vage Gefühl, dass er Brighid deswegen besser nicht ansprechen sollte, weil sie es ihm wohl verübeln würde, wenn er sie verdächtigte, zumindest indirekt an der Verschwörung gegen die de Burghs beteiligt zu sein.

Robin runzelte die Stirn. Statt an Brighid konnte er sich eventuell an deren Tanten wenden, über die das Gerücht kursierte, dass sie heilkundig waren und über andere ungewöhnliche Fähigkeiten verfügten. Vielleicht waren sie bereit, ihm zu helfen, wenn er darauf verzichten würde, das Unglück anzusprechen, das seinen verheirateten Brüdern widerfahren war, und sie ausschließlich darum bat, diese Bedrohung von ihm abzuwenden.

Nachdem er zur Stärkung noch etwas Wein getrunken hatte, richtete er sich auf und bereute sogleich seine forsche Bewegung, weil ihm etwas schwindelig wurde. Er verzog das Gesicht und stellte seinen Becher beiseite. Er hatte nicht vor, Stephens Platz als Trunkenbold in der Familie einzunehmen. Robin war immer sich selbst treu geblieben und hatte seinen Brüdern gegenüber weder Neid empfunden noch das Bedürfnis gehabt, sie zu imitieren, und so sollte es auch bleiben. Er atmete tief ein und sah sich unter den Gästen nach den Damen L’Estrange um.

Es war nicht schwer, sie zu finden, da sie wegen ihrer bunten Gewänder aus der Menge hervorstachen. Die kleinere, rundliche Tante trug ein Gewand, an dessen Ärmeln kleine Glöckchen befestigt waren, ein deutliches Zeichen für Exzentrik oder gar übersinnliche Fähigkeiten. Robin lächelte und fasste neuen Mut. Sie würde ihm sicher helfen können.

„Mistress L’Estrange?“ fragte er und vernahm den hellen Klang der Glöckchen, als die kleine weißhaarige Frau sich ihm freundlich zuwandte.

„Mylord!“

„Nennt mich bitte Robin, Mistress“, sagte er mit einer galanten Verbeugung.

„Gerne! Und ich bin Cafel. Habt Ihr Euch schon mit meiner Schwester Armes bekannt gemacht?“ erkundigte sie sich und wies auf eine größere, eher schweigsame Frau, die ein wenig hinter ihr stand und nun hervortrat.

Robin verbeugte sich nochmals. „Mistress“. Er beschloss, sich an diejenige der Damen zu wenden, die weniger abweisend wirkte. Auch wenn er eigentlich nicht so ein Schmeichler wie Stephen sein wollte, konnte er doch sehr charmant sein, ein Talent, über das alle de Burghs verfügten. Bei der kleineren der beiden Damen würde ihm das leichter fallen, sie schien deutlich liebenswürdiger als ihre Schwester zu sein. Und da er nun mit seinem Anliegen so weit gekommen war, wollte er nicht länger zögern, sondern umgehend tätig werden.

Er lächelte sie freundlich an. „Seid versichert, dass es mir eine ganz besondere Freude ist, Euch in unserer Familie willkommen zu heißen.“

„Was verschafft mir diese Ehre? Ich danke Euch, Mylord Robin“, entgegnete Cafel sichtlich geschmeichelt.

„Es genügt, wenn Ihr mich Robin nennt“, erwiderte er mit einer weiteren Verbeugung und versuchte vorsichtig, die ältere Frau dazu zu bewegen, das Gespräch in etwas größerer Abgeschiedenheit fortzusetzen. Leider folgte ihre Schwester ihnen, daher blieb ihm nichts anderes übrig, als sich mit seinen Sorgen an beide zu wenden.

„Eure Anwesenheit auf diesem Fest erweist sich für mich als eine günstige Fügung des Schicksals, weil ich wegen einer Bedrängnis auf Eure besonderen Fähigkeiten angewiesen bin“, fuhr er mit sanftem Tonfall fort.

Cafel runzelte die Stirn. „Ihr seid unwohl und benötigt Heilung?“

Robin lächelte. „Nein, mein Problem ist etwas ungewöhnlicher.“ Er senkte die Stimme. „Eine ziemlich heikle Angelegenheit …“

Armes musterte ihn mit stechendem Blick. „Ihr sprecht nicht etwa über die Erbschaft der L’Estranges?“ fragte sie.

Robin stutzte. Möglicherweise hegten die Damen Befürchtungen, von deren Hintergründen er keine Ahnung hatte. „Nein, nichts dergleichen …“

„Das ist gut!“ sagte Cafel und klatschte erfreut in die Hände, was ihre Schwester mit einem missbilligenden Blick quittierte. Robin betrachtete die Damen skeptisch. Während Cafel gegenüber seinem Ersuchen durchaus aufgeschlossen war, schien Armes Vorbehalte zu haben. Er fragte sich, über welche magischen Fähigkeiten sie wohl verfügen mochte und ob er nicht besser das Gespräch beenden sollte, um sich nicht noch weitere Probleme zu verschaffen. Er hatte genug damit zu tun, den einen Fluch abzuwenden, und wollte nicht das Risiko eingehen, sich einen weiteren aufzuladen.

„Verratet uns, wie wir Euch helfen können!“ unterbrach Cafel seine trübsinnigen Gedanken.

„Schwester, ich glaube kaum …“, begann Armes.

Cafel hob den rechten Arm, als wollte sie den Einwand ihrer Schwester abwehren, und das Schellen der Glöckchen war zu vernehmen. „Oh, Brighid kann sich wirklich nicht beklagen, wenn sie …“

„Aber er ist ein de Burgh“, protestierte Armes. Robin ließ seinen Blick von einer Schwester zur anderen schweifen und hatte Mühe, ihrer Konversation zu folgen.

„Umso besser!“ erwiderte Cafel und rieb sich die Hände auf eine Art, die Robin beunruhigte. Er zweifelte an seinem Plan und ging einen Schritt zurück, worauf die kleine Frau die Hand auf seinen Arm legte. „Geht nicht, Lord Robin“, bat sie, bevor sie sich an ihre Schwester wandte.

„Armes, wir müssen ihn anhören, das ist allein schon ein Gebot der Höflichkeit. Außerdem sind wir jetzt durch die Heirat Verwandte“, erklärte sie. Robin fühlte sich dadurch allerdings noch nicht sonderlich ermutigt, daher wandte sich Cafel nun erneut mit einem freundlichen Lächeln an ihn. „Kommt, erzählt uns, was Euch quält.“

„Nun“, begann Robin und musterte Armes misstrauisch.

„Vertraut uns, mein Lieber“, drängte Cafel.

„Nun, ich habe über all diese Vermählungen nachgedacht“, erklärte Robin. Er holte noch einmal tief Luft und war dann entschlossen, seine Sorgen vorzutragen. „Ich habe es als höchst sonderbar empfunden, dass vier meiner sechs Brüder ganz plötzlich und innerhalb kürzester Zeit geheiratet haben, wo wir doch vor wenigen Jahren alle noch Junggesellen waren.“

Armes runzelte die Stirn. „Was soll denn daran merkwürdig sein, wenn junge Männer im besten heiratsfähigen Alter sich nach einer Gemahlin umsehen, besonders wenn es sich um Lords von solch edlem Geschlecht handelt?“ fragte sie.

„Es ist auch wichtig, das Fortbestehen der Dynastie zu sichern“, fügte Cafel fröhlich hinzu.

„Das mag wohl sein“, stimmte Robin zu, war aber innerlich mit dieser Auslegung nicht einverstanden. Seine Brüder hatten sich nie den Kopf über Nachkommen zerbrochen. Dazu war es erst gekommen, nachdem sie geheiratet hatten. Doch warum hatten sich so plötzlich und in kurzer Abfolge all diese Vermählungen ereignet? Dunstan war schon etwas älter, als er geheiratet hatte, aber die anderen Brüder waren viel zu jung gewesen für einen solchen Schritt. „Könnte es sein, dass uns jemand zum Heiraten verdammt hat?“

„Wahrscheinlich Euer eigener Vater“, murmelte Armes, und Robin fragte sich, ob er sie jetzt richtig verstanden hatte.

„Oh, Ihr scherzt, nicht wahr, Robin?“ sagte Cafel und klopfte ihm verspielt auf die Brust. „Eure Brüder haben uns schon vor Eurer Neigung, Späße zu machen, gewarnt.“

Robin fühlte seine Hoffnung schwinden. Er war zwar für seinen Humor und seine Streiche bekannt, doch im Moment war ihm äußerst ernst zumute. Wie konnte er diese beiden exzentrischen Damen nur von der Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit seiner Sorgen überzeugen?

„Ich glaube, er meint, was er gesagt hat“, warf Armes ein, und beide betrachteten ihn mit neu erwachtem Interesse.

Cafel schien erstaunt: „Aber warum? Ich halte es tatsächlich für möglich, dass du Recht hast, Schwester, aber warum wollt Ihr, Robin …“

„Er sorgt sich um sich selbst“, erklärte Armes mit verächtlicher Stimme, die Robin erstarren ließ, entsprachen ihre Worte doch nur zu sehr der Wahrheit.

„Ach, du armer Junge!“ bedauerte ihn Cafel und tätschelte seinen Arm, wobei abermals die Glöckchen zu hören waren. Er schaute sich flüchtig um; ihm war nicht wohl in dieser Situation, Cafel aber kam näher an ihn heran, als wolle sie ihm ein Geheimnis anvertrauen. „Ich wünschte, wir könnten Euch einen Blick in Eure Zukunft ermöglichen, das würde Euch vielleicht beruhigen, aber Brighid lehnt derartiges leider ab. Allerdings ist mir aufgefallen, dass sie seit einiger Zeit diesbezüglich etwas aufgeschlossener ist.“

Cafel warf ihrer Schwester einen fragenden Blick zu, worauf diese den Kopf schüttelte. „Ich bin sicher, dass ihr derartige Praktiken im Zusammenhang mit ihrer neuen Familie nicht genehm sind“, gab diese zu bedenken.

Enttäuscht ließ Robin die Schultern sinken. Er war nicht an Wahrsagerei interessiert, er wollte einen Fluch abwenden. Selbst wenn die Schwestern willens waren, ihm zu helfen, so schienen sie in dieser Angelegenheit doch leider nicht über die erforderlichen Fähigkeiten zu verfügen. Plötzlich hatte er aber einen Einfall, und seine Stimmung hellte sich auf. „Vielleicht kennt Ihr jemanden, der über ähnliche Fähigkeiten verfügt wie Ihr, und mir bei diesem besonderen Problem helfen kann?“ fragte er hoffnungsvoll.

Armes rümpfte die Nase. „Ihr solltet nicht davon ausgehen, dass wir einer spirituellen Gilde angehören, junger Mann!“

„Wir kennen außerhalb unserer Familie tatsächlich niemanden, der über diese Talente verfügt“, erklärte Cafel sanft. Als sie Robins Enttäuschung bemerkte, fügte sie hinzu: „Verliert nicht den Mut, wir werden uns etwas einfallen lassen!“

Die beiden Damen tauschten bedeutungsvolle Blicke. Cafel runzelte nachdenklich die Stirn und sagte schließlich: „In der Tat, er könnte sich an Cousin Anfri wenden!“

„Ein absoluter Scharlatan!“ warf Armes ein.

„Was hältst du von Mali?“

„Sie ist verstorben“, antwortete Armes. „Die L’Estranges sind mit Nachkommen leider nicht gerade gesegnet.“

Robin überlegte, ob die Heirat von Stephen und Brighid dieses ändern würde, als Cafel plötzlich einen Einfall hatte. „Wie wäre es mit Vala?“ fragte sie.

„Ach, die bedauernswerte Vala, sie war eine außerordentliche Schönheit und so begabt“, seufzte Armes.

„Hat sie nicht einen walisischen Fürsten geheiratet?“ erkundigte sich Cafel.

„Ja“, erwiderte Armes. „Wie war sein Name?“

„Owain ap Ednyfed?“

„Ja, ich glaube, so hieß er“, bestätigte Armes. „Aber meines Wissens verstarb sie kurz nach der Hochzeit.“

„Tatsächlich? Ich war der Meinung, das sei nicht sicher, aber ausschließen möchte ich es nicht“, meinte Cafel. „Es gab dort in den letzten Jahren so viele Gefechte. Ein Fürst bekämpfte den anderen, und unter Führung des walisischen Fürsten Llewelyn wurde ein erbitterter Krieg gegen König Edward geführt. Wir waren froh hier in England, weit entfernt von dem Gemetzel, zu weilen.“ Sie zögerte. „Aber ich glaube, sie hatten eine Tochter.“

Armes überlegte. „Davon weiß ich nichts. Es ist lange her, und zu uns sind über die Verhältnisse nur Gerüchte gedrungen.“

„Vielleicht könnte sich Lord Robin an Ort und Stelle kundig machen!“ schlug Cafel vor. Sie näherte sich ihm und flüsterte ihm zu: „Vala war sehr talentiert.“

Robin schöpfte neue Hoffnung. „Wo könnte ich sie finden?“ fragte er.

„Wo? In Wales natürlich. Das ist die Region, in der die meisten aus dem Geschlecht L’Estrange beheimatet sind.“

Robin fiel auf, dass sich beide Damen zufrieden anlächelten, und bemühte sich, die Fassung zu wahren. Ihm war nicht recht wohl bei dieser Sache. Stephen und seine Braut waren, ständig bedroht durch die Kriegswirren, aus Wales geflohen. Die walisischen Fürsten hatten viel Land erobert und die Bevölkerung gegen König Edward aufgehetzt. Wollten diese beiden edlen Damen ihn in den Tod schicken? Da ihm nicht gerade danach zumute war, in ein Land zu reisen, in dem ein nicht enden wollender Krieg tobte, blickte er sie zweifelnd an.

Offensichtlich schien die große Gefahr, in die er sich begeben würde, für die Damen bedeutungslos zu sein, sie warteten gespannt auf seine Antwort. Er rang sich eine höfliche Danksagung ab und entschuldigte sich mit einer kleinen Verbeugung. Als er fortging, wurde Robin bewusst, dass damit die letzte Chance vertan war, den Fluch abzuwenden.

Es fiel ihm schwer, die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen zu akzeptieren. Wenn er tatenlos ausharrte, würde er sich mit absoluter Sicherheit demnächst im Stand der Ehe befinden, ihm blieb nicht mehr viel Zeit.

1. KAPITEL

Als Robin seinem Gastgeber zusah, wie dieser mit erhobenem Becher einen Trinkspruch auf die de Burghs ausbrachte, stellte er zum wiederholten Male fest, welch ein Narr er war, durch ein Land zu reisen, das von solch heftigen Unruhen heimgesucht wurde. Er wusste nicht mehr, was ihn letztlich zu diesem Schritt veranlasst hatte. War es die bedrängende Sorge um seine Zukunft gewesen, hatte er zu viel Wein getrunken oder lediglich den vielen, scheinbar glücklichen Paaren auf Campion Castle entkommen wollen? Er hatte seine Heimat verlassen, um nach der mysteriösen Vala zu suchen, obwohl diese Entscheidung jeglicher Vernunft entbehrte.

Lord und Lady Marche hatten ihn herzlich aufgenommen und ihm zu Ehren sogar ein Bankett gegeben, obwohl er ohne vorherige Ankündigung eingetroffen war. Robin war dieser Aufwand etwas unangenehm, zumal er aufgrund gewisser Andeutungen der Gastgeber den Eindruck hatte, dass diese wegen seines unerwarteten Eintreffens, kurz nachdem Stephen hier gewesen war, glaubten, dass er und seine Brüder in geheimer Mission für den König tätig waren. Robin hätte über diesen Irrtum herzhaft lachen können, wäre nicht auch innerhalb der Burg die durch die Kriegswirren bedingte angespannte Atmosphäre als große Belastung zu spüren gewesen.

Erst spät am Abend, nachdem ihm ausführlich über die letzten Untaten von Llewelyn und dessen Bruder Dafydd berichtet worden war, hielt er es für angemessen, das Problem anzusprechen, das ihn veranlasst hatte, trotz der großen Gefahren von England nach Wales zu reisen. Er lehnte sich scheinbar entspannt zurück und klopfte beiläufig auf die Tischkante.

„Sagt mir, wisst Ihr irgendetwas über einen Fürsten namens Owain ap Ednyfed oder seine Gemahlin Vala?“ fragte er.

Lord und Lady Marche blickten sich kurz an. „Warum interessiert Ihr Euch für diese beiden?“

Robin lächelte. „Angehörige von Vala, die in England weilen, haben sich nach ihr erkundigt.“

„Sie ist vor längerer Zeit verstorben“, sagte Lord Marche mit finsterer Miene.

Die kurze, barsche Antwort stimmte Robin nachdenklich, und er schüttelte den Kopf, als ein Diener ihm mehr Wein anbot; er wollte bei klarem Verstand bleiben. „Hatten sie eine Tochter?“ fragte er.

Wieder wechselten beide verstohlene Blicke, und Robin fühlte sich unwohl, als Lord Marche ihn mit stechendem Blick anschaute, als wolle er ihm ein Geheimnis entlocken. Es gab keinen Zweifel, sie dachten, dass er über Kenntnisse über einen Aufstand oder die Verhältnisse ihres Besitzes und ihrer Herrschaft verfügte. Woher sollten sie auch wissen, dass zwei schrullige Wahrsagerinnen ihn zu seinen Erkundigungen veranlasst hatten und er keine indiskreten Fragen über politische Angelegenheiten stellen wollte.

Da Robin vermutete, dass seine Fragen ihnen missfallen hatten, zog er sich mit einer freundlichen Bemerkung frühzeitig zurück. Im Gegensatz zu seinem Bruder Simon war er nicht auf Auseinandersetzungen erpicht und so beschloss er, sein Vorhaben fallen zu lassen und sich schnellstens wieder in sichere Gefilde zu begeben.

Auch wenn er nun keine Hilfe für die noch unvermählten de Burghs fand, er musste akzeptieren, dass er in einer Sackgasse gelandet, und der Weg seiner Suche hier beendet war. Robin dachte zögerlich darüber nach, ob er Lord Marche vielleicht nach einer weisen Frau, die mit den alten keltischen, spirituellen Gebräuchen vertraut war, fragen sollte. Jedoch verwarf er diesen Gedanken. Die Idee, jemanden zu finden, der diesen Fluch abwenden könnte, erschien ihm nun, da er weit weg von Campion Castle und den Damen L’Estrange war, außerordentlich absurd.

Er war manchmal wirklich zu leicht zu beeinflussen. Wie oft hatten ihn seine Brüder wegen dieser Schwäche ausgenutzt, besonders Stephen, der ihm in ihrer Jugendzeit vielerlei gefälschte Reliquien teuer verkauft hatte. Anscheinend war er mit zunehmendem Alter in dieser Hinsicht nicht gerade vernünftiger geworden. In der Hoffnung, dem Schicksal der erzwungenen Heirat entgehen zu können, war er auf das erstbeste Angebot hereingefallen, ohne zu bedenken, wie tollkühn der Plan war. Er wäre sicher besser beraten gewesen, wenn er sich auf solide Werte besonnen hätte.

Nur eine wahrhaftige, christliche Reliquie könnte den Fluch abwenden, besann sich Robin. Vielleicht sollte er sich an einen Geistlichen wenden, oder zu einer Weihestätte pilgern, er hatte aber keine Ahnung, zu welcher. Die heilige Agnes war die Schutzpatronin der Reinheit und Ehrlichkeit, aber eigentlich war es nicht direkt die Reinheit, deren er bedurfte. Robin verwarf diese Idee mit einem Seufzer.

Von den Mauern der Burg wurde sein Seufzer als Echo zurückgeworfen, in das sich ein weiteres Geräusch mischte. Robin verlangsamte daher seinen Schritt. Obwohl er voll des guten Weines und herrlicher Speisen war, waren seine Sinne geschärft, so wie es sich für einen de Burgh in fremder Umgebung gehörte. Als er den dunklen Gang zu der ihm bereitgestellten Kammer betrat, hatte er das Gefühl, dass sich dort jemand aufhielt.

Die politischen Unruhen im Hinterkopf, griff Robin nach dem am Gürtel hängenden Dolch. Dieser war breiter und schärfer als ein normales Messer und konnte im Zusammenspiel mit Robins kämpferischer Geschicklichkeit schnell und lautlos töten. Die Hand fest um den Griff des Dolches gelegt, drehte er sich vorsichtig um – in der Erwartung, dass eventuell jemand mit einer Keule hinter ihm stand. Er konnte nicht ausschließen, hier von jedem für einen Spitzel gehalten zu werden.

Jedoch stand kein Angreifer hinter ihm, sondern nur jener Diener, der beim Bankett zugegen gewesen war. Allerdings wirkte dieser Bursche irgendwie unheimlich. „Mylord“, flüsterte der Diener und vergewisserte sich mit verstohlenen Blicken, dass sie alleine waren.

„Was gibt es?“ fragte Robin, obwohl er nicht beabsichtigte, noch mehr in die Probleme der Marches hineingezogen zu werden.

„Sie ist nicht gestorben, sondern geflohen“, sagte er.

„Wer? Vala?“ erkundigte sich Robin.

Der Mann nickte zaghaft. „Und sie hatte eine Tochter, und sie lebte, obschon das nun von allen bestritten wird. Ich habe sie selbst gesehen!“

Robin näherte sich ihm neugierig. „Wo leben sie jetzt?“

Hinter ihnen im Gang waren Schritte zu hören. Robin bemerkte die vor Furcht weit aufgerissenen Augen des Mannes, und ehe er sich versah, war dieser eilig hinter ihm verschwunden.

„Warte!“ rief er ihm nach.

„Sucht nach einem Zufluchtsort für Frauen in Eurem Land, Mylord, sucht einen Ort für Frauen, welche die Bürde großen Leides tragen!“ rief er. Dann verschwand er in der Dunkelheit und ließ Robin mit all seinen Zweifeln alleine zurück. Gerade als er sicher war, dass der Weg hier zu Ende war, schien er sich in eine neue Richtung zu öffnen.

Aber sollte er diesen Weg wirklich gehen?

Robin ritt ohne Rast auf seinem Streitross und fragte sich, was in aller Welt ihn veranlasst hatte, nun vor den Mauern eines Nonnenklosters zu stehen, dem Konvent Our Lady of All Sorrows.

Es war eine lange Reise durch ihm unbekannte Gefilde gewesen. Nach den geheimnisvollen Hinweisen des Dieners, die ihm kaum nützlich sein konnten, hatte sich Robin von seinen Gastgebern höflich verabschiedet. Er war entschlossen, jene Frau, die einen walisischen Fürsten geheiratet hatte, zu vergessen. Doch als er die Landesgrenze hinter sich gelassen hatte, war er zu der nächst gelegenen Abtei geritten und hatte sich nach Klöstern erkundigt, die Frauen in Bedrängnis aufnahmen. Als er dort von einem Nonnenkloster mit dem Namen Our Lady of all Sorrows erfuhr, war er einer inneren Stimme gefolgt und hatte beschlossen, diesen Ort unbedingt aufzusuchen.

Robin redete sich ein, dass pure Neugierde und das Interesse an Valas Schicksal ihn zu diesem Schritt veranlasst hatten, zumal ihn das Aufdecken von Geheimnissen seit jeher faszinierte. Außerdem würde er der Familie von Stephens Braut einen Gefallen erweisen, wenn er ihnen die erfreuliche Botschaft überbringen könnte, dass ihre Angehörigen noch lebten. Vielleicht würde er dazu beitragen, dass sie sich wieder in die Arme schließen konnten.

Doch trotz seiner selbstgefälligen Überheblichkeit spürte Robin in seinem Inneren einen anderen, tieferen Grund, der ihn drängte, diesen Ort aufzusuchen. Er wusste nicht so recht, ob es wichtig für seine eigene Zukunft war oder ob ihn die simple Hoffnung trieb, die ganze Angelegenheit zu einem Ende zu bringen. Als er herausgefunden hatte, dass der Konvent nicht weit entfernt von Baddersly lag, hatte er sich umgehend zu der Burg seines Bruders begeben und seine Kämpen dort zurückgelassen. Er hatte das Gefühl, sich auf einer sehr ungewöhnlichen Reise zu befinden, und den letzten Abschnitt wollte er alleine bewältigen.

Und so befand er sich an diesem klaren Frühlingstag vor dem Torhaus eines kleinen Klosters, das von einem Ulmenhain umgeben war. Und als er nun dem Ziel seiner Reise unmittelbar gegenüberstand, schämte er sich etwas des Grundes, der ihn hierher geführt hatte. Sein selbstsüchtiges Verlangen, ein Mittel gegen eine drohende Vermählung zu finden, erschien ihm nun vor diesem heiligen Gebäude fast wie Gotteslästerung. Zumal die Eheschließung von der Kirche als heiliges Sakrament geachtet wurde.

Sicherlich war Our Lady of All Sorrows eine friedvolle Stätte, in der fromme Frauen lebten, rein an Körper und Seele, die ihr Leben dem Gottesdienst und der Stille geweiht hatten. Lange blieb Robin andächtig vor dem Torhaus stehen. Er zögerte, in das heilige Gebäude einzudringen und die Ruhe zu stören, die nur von dem sanften Gesang der Vögel in den Baumkronen über ihm unterbrochen wurde.

Während er noch überlegte, wie er sich verhalten sollte, vernahm er einen Schrei, der aus dem Kloster kam, und über die Mauern hinweg an seine Ohren drang, leise, schwach und verzweifelt. Anfangs meinte Robin, sich verhört zu haben, aber dann vernahm er die Töne laut und deutlich. Obwohl er sich niemals hätte vorstellen können, dass derartige Ausrufe aus einem heiligen Haus kämen, konnte er nicht länger ignorieren, dass sich hier offensichtlich jemand in einer lebensbedrohlichen Situation befand.

Als er deutlich die Worte „Hilfe! Mord!“ hörte, stürmte er in den Eingangsbereich des Torhauses.

2. KAPITEL

In großer Eile band Robin sein Pferd in der Nähe des Torhauses an und lief unverzüglich auf das massive Portal des Klosters zu. Im Konvent herrschte großes Durcheinander. Nonnen und Bedienstete rannten umher, sowohl in die Richtung, aus der die Schreie kamen, als auch in die entgegengesetzte Richtung. Die Hand fest um sein Schwert gelegt, drängte er durch die aufgebrachten Menschen und gelangte in einen Garten, der von einer hohen Mauer umgeben war. Er schaute sich um, um herauszufinden, was hier vor sich ging. Ihm fiel eine kleine Gruppe von Frauen auf, die um etwas herumstanden. An der einen Seite saß eine Nonne auf einer steinernen Bank. Sie atmete stockend, stöhnte und weinte. Robin erkannte an ihrer Stimme, dass sie es gewesen war, die um Hilfe gerufen hatte. Zwei andere Frauen versuchten, sie zu beruhigen. Der einzige Mann dort, wahrscheinlich ein Bediensteter, schien genauso schockiert zu sein wie die Frauen und würde ihn sicher nicht angreifen. Robin entspannte sich etwas, hielt aber dennoch weiterhin die Hand nahe bei seiner Waffe, als er auf die kleine Gruppe der Frauen zuschritt. Einige wichen vor ihm zurück, so dass er näher herantreten und sehen konnte, was der Grund für ihre Aufregung war. In der Mitte lag eine junge Frau lang ausgestreckt auf dem Gras, offensichtlich war sie tot.

Während Robin betroffen die Frau anblickte, wurden sich die Nonnen plötzlich seiner Anwesenheit bewusst. Diejenigen, die nahe bei ihm standen, schrien auf, sie zitterten vor Schreck, liefen eilends von ihm weg und drängten sich ängstlich aneinander. Lediglich zwei Nonnen blieben ohne das geringste Anzeichen von Furcht bei der Toten. Robin musterte jene Frau, die unmittelbar neben der Verstorbenen verharrte. Sie hatte eine charismatische Ausstrahlung, und in ihren Augen lagen äußerste Konzentration und große Besorgnis. Robin nahm an, dass sie die Äbtissin war, und wollte sich gerade vorstellen, als die andere Nonne ihn ansprach.

„Seid Ihr gekommen, um uns auch noch umzubringen?“

Robin stutzte. Wollte hier jemand allen Ernstes behaupten, dass er, ein de Burgh, ein kaltblütiger Mörder sein könnte? Er betrachtete diese Frau, die neben der Verstorbenen kauerte, und wollte sich rechtfertigen, den despektierlichen Vorwurf von sich weisen, aber je intensiver er sie anschaute, desto weniger war es ihm plötzlich möglich, sich zu äußern. Er fühlte sich seltsam hilflos; für eine gewisse Zeit war er zu nichts anderem mehr in der Lage, als sie wie gebannt anzustarren.

Wie die anderen Nonnen trug sie einen Schleier, daher konnte er nur einen Teil ihres Gesichtes erkennen, doch das, was er sah, beeindruckte ihn. Sie war eine außerordentliche Schönheit. Ihr Teint war sehr hell, die Stirn ebenmäßig und die feinen Augenbrauen waren anmutig geschwungen und von einem außergewöhnlichen rötlichen Farbton, wie der glühende Schein der Sonne im Sommer oder im frühen Herbst zur Erntezeit. Das ausdrucksvoll schimmernde Blau ihrer Augen faszinierte ihn. Wenn auch der Schleier einen Teil ihres Antlitzes und ihr Haar bedeckte, so war doch die ovale Form ihres Gesichtes deutlich zu erkennen. Ihm fiel das kleine, ausgeprägte Kinn auf, das, ebenso wie die Form der Lippen, auf eine gehörige Portion Hartnäckigkeit schließen ließ. Aber wie wunderschön waren diese Lippen! Sanft geschwungen und samtig rot, wie reife Beeren aus südlichen Ländern.

In diesem Moment überkam ihn ein Gefühl von verzweifeltem Begehren. Er konnte seinen Blick nicht von ihr lösen, die Welt schien aus den Angeln gehoben, und er befürchtete, in etwas hineingezogen zu werden, auf das er nicht vorbereitet war. Im allerletzten Moment fand er seine Selbstbeherrschung wieder und besann sich standhaft auf seine Lebenserfahrung. Das befähigte Robin letztlich, sie richtig einzuschätzen.

Sie war die Frau, vor der er sich in Acht nehmen sollte, die seine Existenz zerstören, ihn um den Verstand bringen, ihn bezirzen und ihm jegliche Lebensfreude rauben würde. Und genau das durfte absolut nicht passieren. Welche dunklen Mächte hier auch immer am Werk sind, ich werde diese Frau nicht heiraten. Niemals. Das ist unbedingt ausgeschlossen, dachte er, als ihm plötzlich schwindelig wurde.

Gütiger Gott, die verschwörerischen Mächte hatten eine Nonne auf ihn angesetzt.

„Wenn Ihr kein Blut sehen könnt, solltet Ihr Euch besser niedersetzen.“ Robin nahm deutlich den verächtlichen Unterton in ihrer Stimme wahr. Offensichtlich glaubte sie nun nicht mehr, dass er der Mörder war, jedoch schien sie ihn für jemanden zu halten, der beim bloßen Anblick einer Getöteten einen Schwächeanfall erlitt. Robin fragte sich, welche Unterstellung eine größere Beleidigung darstellte.

Er schaute sie wütend an. „Ich bin kein Mörder, aber ebenso wenig werde ich gleich schwach, wenn ich mal ein wenig Blut sehe“, erwiderte er gehässig und wandte sich der Äbtissin zu. „Ich bin Robin de Burgh vom Gut Baddersly, das ich für meinen Bruder, den Baron of Wessex, verwalte“, erklärte er mit seinem Stand gebührenden Selbstbewusstsein.

Auch wenn sie nicht die geringste Ahnung haben sollte, wer er war, der Äbtissin würde sein Name bekannt sein. Zumindest würde sie wissen, dass die Ländereien in der Nachbarschaft des Klosters zu dem großen Gut Baddersly gehörten. „Ich war zufällig in der Nähe des Konvents und hörte die Hilferufe, deshalb bin ich unverzüglich hergekommen“, fügte Robin hinzu.

„Mylord“, begrüßte ihn die Äbtissin und senkte huldvoll den Kopf. „Ich bin hier die Oberin. Wir wissen die Ehre Eures Besuches zu schätzen, auch wenn Ihr uns gerade in einer problematischen Lage antrefft, weil eine unserer Schwestern einen Unfall oder ähnliches Übel erlitten hat.“

„Das war kein Unfall“, sagte sie und erregte wiederum seine Aufmerksamkeit. „Hier handelt es sich um hinterhältigen Mord.“

„Ach, dann waren es Eure Schreie, die ich vernommen habe?“ erkundigte sich Robin. Er vermutete zwar weiterhin, dass die andere Nonne, die immer noch verzweifelt weinend auf der steinernen Bank saß, geschrien hatte, doch drängte es ihn, als Vergeltung für ihre Beleidigung sie ebenfalls zu verspotten.

„Ich doch nicht!“ Ihre Augen funkelten, und Robin lächelte befriedigt über den gelungenen Schlagabtausch.

„Es war Catherine, die um Hilfe gerufen hat, und wir waren froh, dass wir durch sie alarmiert wurden“, mischte sich die Äbtissin ein, um eine weitere Auseinandersetzung zwischen Robin und der jungen Nonne, die ihn rebellisch ansah, zu unterbinden.

„Sie hat uns damit einen großen Dienst erwiesen, weil Ihr durch ihre Hilferufe auf uns aufmerksam wurdet“, fuhr die Äbtissin fort, und Robin hatte kein Verlangen, ihr zu widersprechen. Nachdem er erfahren hatte, wie misstrauisch die Marches seine Nachforschungen bezüglich Valas aufgenommen hatten, hielt er es für ratsam, sich jetzt diskret zu verhalten. Dieser bedauerliche Todesfall war eine gute Gelegenheit, seine Anwesenheit im Kloster zu rechtfertigen und gelegentlich vorsichtig Nachforschungen anzustellen, ohne seine eigentlichen Absichten zu offenbaren.

„Wurde der Leichenbeschauer schon herbeigerufen?“ fragte er.

„Nun, ich glaube, er ist gerade eingetroffen“, erwiderte die Äbtissin. Als Robin sich umschaute, lächelte sie sanft. „Meiner Meinung nach müsste es Eure Aufgabe sein, die Todesursache zu klären. Dieses Amt hatte nämlich immer der Gutsherr von Baddersly inne. Dem Herrn sei Dank, dass er in diesen Angelegenheiten in den letzten Jahren nur selten tätig sein musste.“

„Aber vielleicht war sein plötzliches Eintreffen hier doch kein Zufall“, sagte sie und erhob sich. Robin war zwar empört über ihre erneute Unterstellung, aber weitaus mehr erstaunte ihn ihre Erscheinung, als sie jetzt vor ihm stand. Sie war größer, als er erwartet hatte, nur einen Kopf kleiner als er selbst, und ihre schlanke Gestalt war sehr wohlgeformt. Robin versuchte, sich ihre körperlichen Proportionen vorzustellen, besann sich dann aber eines Besseren, weil er es für höchst unschicklich hielt, zu spekulieren, wie eine Nonne nackt aussehen würde.

„Sybil“, schalt die Äbtissin, „du hast kein Recht, in dieser Weise über Lord de Burgh zu sprechen, dessen Hilfe für uns ein Geschenk des Himmels ist.“

Ihr Name lautete also Sybil. Dieser Name erinnerte an Mysterien aus alten Zeiten, an Seherinnen und außergewöhnliche Magien, die Gefahren für arglose Männer darstellen konnten. Glücklicherweise wäre er für so etwas nicht anfällig, weil er ihr gegenüber bereits ein angemessenes Misstrauen entwickelt hatte.

„Als Buße für deine Worte wirst du Lord de Burgh bei seinen Nachforschungen über die Hintergründe von Elisas Tod zur Seite stehen, welche Hilfestellung er auch immer benötigen mag“, sagte die Äbtissin.

Entsetzt über ihre Anweisung wollte Robin protestieren, Sybil jedoch kam ihm zuvor. „Aber er könnte der Mörder sein!“ rief sie.

Robin spürte, wie sein Blut in Wallung geriet. „Man könnte auch sie verdächtigen“, entgegnete er. Wenn Sybil diejenige war, die ihn verführen sollte, warum hatte er dann jetzt das Bedürfnis, sie zu peinigen? Gewiss hatten seine Brüder nicht derartige Gefühlsregungen gegenüber ihren zukünftigen Gattinnen gehabt!

„Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass einer von euch unehrenhaft ist, aber ihr könnt euch ja gegenseitig im Auge behalten, wenn ihr beiderseits eure Seriosität anzweifelt“, meinte die Äbtissin. „Vorausgesetzt, dass Ihr so gütig sein wollt, uns zu helfen, Mylord. Natürlich könnte ich auch ein Hilfegesuch an den Bischof senden, aber da Ihr nun ohnehin schon hier seid …“

Robin dachte nicht weiter über Sybil nach und wandte sich der Äbtissin zu. Ihm war bewusst, dass diese soeben geschickt versucht hatte, ihn für ihre Zwecke einzuspannen, was ihn aber nicht weiter störte, weil er seine eigenen Gründe hatte, auf ihren Wunsch einzugehen.

„Selbstverständlich werde ich Euch in dieser Angelegenheit gewissenhaft beistehen, Ehrwürdige Mutter“, antwortete Robin und ließ sich nicht durch Sybil irritieren, die mit einem wütenden Schnauben ihre Missbilligung kundtat. Sie ging dann aber zu der Toten zurück und forderte ihn mit einer Handbewegung auf, sich dem im Gras liegenden Körper zu widmen, möglicherweise in der Absicht, seine Standfestigkeit zu überprüfen. Glaubte sie immer noch, er würde beim Anblick der Leiche schwach werden? Fast hätte er lauthals gelacht, schließlich hatte er im Krieg gekämpft, und er war ein de Burgh.

„Wer hat sie gefunden?“ fragte er und kniete neben der Verstorbenen nieder.

„Catherine und ich“,

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