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Rising Storm - Mit dir durch den Sturm - Staffel 1- Episode 7

LISA MONDELLO

Rising Storm

Mit dir durch den Sturm

Staffel 1
Episode 7

Ins Deutsche übertragen
von Stephanie Pannen

Zu diesem Buch

Bryce Douglas ist erschüttert, als er erfährt, dass sein Sohn Autist ist, ruft dies doch Ängste aus seiner Kindheit wach, die er nie verarbeitet hat. Statt die liebevolle Unterstützung seiner Frau Tara und ihrer Familie anzunehmen, stößt er sie von sich …

1

Für Rettungssanitäter Patrick Murphy war es eine schlechte Nacht, wenn er zu einem Notruf fuhr und nur noch den Tod feststellen konnte. Da Mrs Lewis ihren Herzinfarkt überstanden hatte und hoffentlich ihren fünfzigsten Hochzeitstag erlebte, würden sein Partner und er diese Nacht als gut verbuchen. Dennoch war Patrick nicht zum Feiern zumute.

Das erste Licht des Tages färbte den Himmel, als er durch das Zentrum von Storm, Texas, fuhr, vorbei am Pavillon und der Sturmeiche, dem uralten Baum, dem Fixpunkt seiner Heimatstadt. In der Cuppa Joe Bakery war noch kein Licht. Wahrscheinlich war Marisol gerade, für den morgendlichen Ansturm, auf dem Weg zur Bäckerei. Aber im Bluebonnet Café schien bereits etwas los zu sein. Vielleicht konnte er sich dort einen Kaffee holen und warten. Auf was, wusste er nicht genau. Er könnte sein ganzes Leben damit verbringen, auf Marisol zu warten. Er hatte ihr ein Ultimatum gestellt – sie sollte sich endlich eingestehen, was zwischen ihnen los war, oder er würde gehen. Nun lag der Ball bei ihr.

Seufzend wandte sich Patrick von den dunklen Fenstern des Cuppa Joe ab und zwang seinen Blick zurück auf den Park. Die Reparaturen am Pavillon waren gut geworden. In ein paar Tagen würde der Park voller Menschen sein, die den Gründertag feierten.

Er wollte seinen Blick gerade wieder zur Straße wenden, als ihm etwas Rotes und Blaues ins Auge fiel. Er fuhr rechts ran. Es war kein Parkplatz, aber etwas an der kleinen Gestalt, die sich hinter den Heuballen versteckte, die die Johnsons für das Fest hergebracht hatten, weckte seine Neugier.

Weder dass er aus dem Wagen ausstieg, noch dass er die Tür zuschlug, schien die Gestalt zu stören, die hinter den Heuballen hockte, also ging Patrick langsam auf sie zu. Die Grasspitzen schimmerten leicht vor Feuchtigkeit.

Als er weiterging, nahm er den Geruch von frisch gemähtem Heu wahr. Patrick bewegte sich langsam vorwärts, bis der Farbtupfer in Sicht kam. Ihn beschlich ein ungutes Gefühl.

»Danny? Bist du das?« Sein Magen verkrampfte sich, als er den Sohn seiner Cousine Tara erkannte.

Der fünfjährige Danny Douglas, ein kleiner Junge mit dem gleichen roten Haar wie sein Vater, Pastor Douglas, saß im Schlafanzug auf dem Boden. Er hatte weder Schuhe noch Socken an den Füßen. In seiner Hand hielt er einen kleinen Stoffhasen. Er saß im Schneidersitz da und sah mit großen Augen zu Patrick hoch.

»Für das Stadtfest bist du ein bisschen zu früh dran«, sagte Patrick.

»Ich warte darauf, Onkel Tucker zu helfen.«

Patrick sah sich um. Es war niemand in der Nähe. »Bist du mit Onkel Tucker hergekommen?« Er wusste, dass dem nicht so war. Tucker Johnson hätte seinen Neffen niemals um diese Uhrzeit hergebracht und einfach zurückgelassen, selbst wenn er nur schnell für einen Kaffee zum Bluebonnet Café gegangen wäre.

Patrick und Tucker standen sich nicht besonders nah, aber er wusste, dass sein Vetter niemals ein kleines Kind allein draußen lassen würde. Besonders nicht einen Jungen wie Danny. Patrick war sich nicht sicher, aber er vermutete, dass Danny Autist war. Tara und Bryce – eigentlich eher Tara als Bryce, wenn er ehrlich war – ließen einige Tests durchführen.

»Ich habe mit dem Heu geholfen.« Der kleine Junge riss ihn aus seinen Gedanken. Er klang sehr stolz auf seine Leistung und klopfte dabei auf den Heuballen hinter sich.

Patrick hob den Jungen hoch und setzte ihn auf den Heuballen, wo es hoffentlich etwas wärmer war. »Das hast du toll gemacht.«

Während Patrick seine Jacke auszog, sah er sich erneut nach Bryce oder Tara um. So früh am Morgen wussten sie wahrscheinlich nicht mal, dass es ihrem Sohn gelungen war, sich aus dem Haus zu schleichen. Er legte die Jacke um die Schultern des Jungen.

Neben der Cuppa Joe Bakery hielt Marisols Wagen. Sie parkte und stieg aus, bevor sie sich umdrehte und bemerkte, wie er sie ansah. Das ungute Gefühl verstärkte sich, als sich ihre Blicke über den Platz hinweg trafen. Dann bemerkte sie den auf dem Heuballen sitzenden Danny, und Schock blitzte in ihrem Gesicht auf. Sofort rannte sie zu ihnen.

»Was ist passiert? Was macht er um die Uhrzeit hier draußen?« Ihre Brust hob und senkte sich, während sie nach Luft schnappte.

»Das habe ich mich auch gefragt. Ich war auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, als ich ihn hier habe sitzen sehen.«

Erleichtert ließ sich Marisol auf dem Heu nieder. »Was treibst du denn außerhalb des Hauses, Kleiner? Du weißt doch, dass du ohne Mommy oder Daddy nicht rausgehen sollst.«

»Onkel Tucker will, dass ich ihm helfe.«

Marisol legte einen Arm um Danny und sah zu Patrick. Ihre sanfte Berührung war genau das, was dieser kleine Junge brauchte. Sie würde so eine gute Mutter abgeben. Unglücklicherweise verbrachte Marisol einen Großteil ihrer Zeit damit, sich vorzuwerfen, nicht die perfekte Mutter für ihre jüngeren Geschwister gewesen zu sein, nachdem ihre Eltern vor zehn Jahren gestorben waren.

»Das hat er mir auch gesagt«, informierte Patrick sie.

»Das ist nicht das erste Mal, dass er so was tut«, sagte Marisol leise.

Patrick runzelte die Stirn.

»Sie haben gerade die Testergebnisse bekommen. Danny ist tatsächlich autistisch.«

Marisol formte die Worte nur mit dem Mund, damit Danny sie nicht hörte.

Patrick nickte. Es war keine Befriedigung für ihn, dass er mit seiner Vermutung recht gehabt hatte. Zumindest wussten sie nun, womit sie es zu tun hatten.

»Hat dir Tara das erzählt?«

Sie ließ den Jungen los und stand auf, während sie nickte.

Marisol und seine Cousine waren mehr als nur beste Freundinnen. Sie standen sich so nah wie Schwestern und das schon so lange er sich erinnern konnte. Natürlich würde Tara Marisol eine so persönliche Sache anvertrauen. Kurz überlegte er, ob seine Mutter – Taras Tante – die Neuigkeit schon wusste und dem Rest der Familie nur noch nichts gesagt hatte.

Patrick hob Danny in seine Arme. »Ich denke, ich sollte diesen kleinen Kerl jetzt mal nach Hause bringen.«

Tara Douglas’ schwieriger Tag hatte damit begonnen, dass Patrick Danny auf dem Platz im Park gefunden hatte, und er wurde nicht besser. Jetzt gerade stand sie im Flur und legte seufzend den Hörer auf. Das Telefonat mit ihrer Mutter war nicht gut verlaufen. Ungeachtet der Tatsache, dass Alice Johnson ihre Tochter liebte, hatte sie ziemlich entschiedene Ansichten darüber, was sie für Danny tun sollten. Teilweise, weil es ihr am Herzen lag, und teilweise, weil sie die Rektorin der örtlichen Grundschule war.

Tara konnte sich gut vorstellen, wie ihre Mutter davon gehört hatte, dass Patrick Danny heute Morgen im Park gefunden hatte. Wahrscheinlich hatte Patrick es seiner Mutter Sonya am Frühstückstisch erzählt, nachdem er Danny wieder nach Hause gebracht hatte. Nicht dass es eine Rolle spielte. Sie hätte es ihr ohnehin erzählt. Es war einfach nur so, dass das alles noch so neu war. In den wenigen Tagen seit der Diagnose hatte sie nicht viel Zeit gehabt, um etwas zu planen oder sogar nur um nachzudenken.

Danny war autistisch. Autistisch. Sie war sich nicht mal sicher, ob sie überhaupt die volle Bedeutung der Diagnose verstand.

Das blanke Entsetzen, Danny in Patricks Armen zu sehen, als sie an diesem Morgen die Tür geöffnet hatte, verursachte ihr immer noch Übelkeit. Den Tag in ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau eines Pastors zu verbringen hatte ihr dieses Gefühl nicht nehmen können. Doch Danny war nicht der einzige Grund für dieses Telefonat gewesen. Die Tatsache, dass ihre Mutter nun nicht nur mit den Problemen von Taras Sohn, sondern auch mit denen ihrer Tochter Carol zu tun hatte, machte das Gespräch, das sie mit Bryce führen musste, nur noch schwerer.

Ihm lag so viel an der Vorstellung von seiner perfekten Familie.

Es spielte für ihren Mann keine Rolle, dass Alice Johnson Dannys und Carols Großmutter und Taras Mutter war. Es war ihre Einmischung und das Überschreiten von Grenzen, über die Bryce sich ärgerte. Seine Vorstellung von »Familie« schloss ihre Brüder und ihre Eltern irgendwie nicht mit ein. Oder zumindest fühlte es sich so an.

Sie wartete, bis sie gegessen und die Kinder ins Bett gebracht hatten, bevor sie ihn ansprach. Sie wusste, dass Danny sofort eingeschlafen war. Er war heute Morgen sehr früh wach gewesen – sie wollte lieber nicht darüber nachdenken, wie lange er schon auf dem Platz gesessen hatte, bevor er von Patrick gefunden worden war – und hatte auch während des Tages kaum geschlafen. Das wusste Tara, weil sie ihn seit dem Moment, in dem Patrick ihn zu ihr zurückgebracht hatte, nicht aus den Augen gelassen hatte.

Carol hingegen hatte erst nach einem Glas Wasser verlangt und dann nach etwas zu essen, weil sie hungrig sei. Tara wusste, dass das nicht sein konnte, aber sie hatte ihr dennoch ein Glas Wasser gebracht und ihr gesagt, dass es für einen Snack zu spät war. Dann hatte sie ihre Tochter in den Arm genommen, bis sich Carol von allein gelöst und ihren Kopf aufs Kissen gelegt hatte. Tara hatte dem kleinen Mädchen noch aus ihrem Lieblingsbuch vorgelesen, bevor ihre Tochter eingeschlafen war.

Carol. Ihr liebes, süßes kleines Mädchen.

Tara ging durch den Flur zum Arbeitszimmer ihres Mannes. Die dunkle Holztür war geschlossen, und von drinnen war kein Laut zu hören. Dennoch brauchte sie nicht den Lichtstrahl zu sehen, der unter der Tür hindurchfiel, um zu wissen, dass Bryce dort drin war.

Sie hob ihre Hand an die Mitte der Tür und klopfte gegen das Holz, bevor sie den Türknauf drehte und eintrat, ohne darauf zu warten, dass er sie hereinbat.

Sie blieb an der Tür stehen, da sie ihn nicht stören wollte, aber nicht länger so tun konnte, als würden die Probleme, denen sich ihre Familie gegenübersah, nicht existieren. Nichts würde sich ändern, außer sie arbeiteten daran. Und selbst wenn sie daran arbeiteten, würden sich einige Dinge niemals ändern. Sie mussten lernen, das zu akzeptieren.

Bryce drehte sich in seinem Bürosessel am Schreibtisch um und sah von seinem Papierkram auf. Ihr Mann arbeitete hart. Auch wenn sein Beruf als Pastor nicht die körperliche Arbeit erforderte, die ihr Bruder und Vater Tag für Tag auf der Familienranch erledigten, war er genauso anstrengend. Bryce hatte so viel im Kopf.

»Was ist denn, Tara?«, fragte er.

»Wir können das nicht länger ignorieren, Bryce. Wir müssen uns unterhalten.«

»Was hat dich denn so aufgebracht, Süße? Ist der Kaffee teurer geworden? Gab es mein Früchtemüsli nicht mehr? Haben sich nicht genug Freiwillige gemeldet, um beim Aufbau für das Stadtfest zu helfen?« Sein Versuch, die Stimmung zu lockern, kam bei seiner Frau nicht gut an, die nur seufzte. Das geschah in letzter Zeit häufig.

Nicht dass er ihren Frust heute nicht verstand. Dannys frühmorgendlicher Ausflug hatte ihn ebenfalls erschreckt. Aber Patrick hatte ihn ja gefunden, und es war nichts passiert. Er war nur ein kleiner Junge mit seinem eigenen Kopf. Aber noch während Bryce das dachte, wusste er, dass mehr dahintersteckte. Und diese Wahrheit ängstigte ihn zu Tode. Da waren zu viele Erinnerungen an seine Mutter. Wie sich Kristin und er im Schrank verstecken mussten.

Das hier war etwas anderes, aber …

Er sah zu seiner Frau auf und legte die Unterlagen weg, an denen er die letzte halbe Stunde gearbeitet hatte. Seine Predigt für den kommenden Sonntag.

Es überraschte ihn immer wieder aufs Neue, wie viele Stunden er dafür brauchte, seine Botschaft zu formulieren. Einzelne Worte zu ändern. Eine klare Aussage zu treffen. Und dann würde er auf der Kanzel stehen und aus seinem Herzen sprechen. Bryce war klar geworden, dass er sich vorbereiten musste, um in der Lage zu sein, sich selbst zu verstehen, um eine konkrete Botschaft zu übermitteln.

In letzter Zeit war das schwierig gewesen. Nachdem er die Bibel durchgearbeitet hatte, fiel es Bryce normalerweise nicht schwer, für die Gemeinde die richtigen Worte zu finden. Doch es war zunehmend schwierig geworden, der Stadt über den tragischen Verlust eines jungen Menschen hinwegzuhelfen, der so vielen am Herzen gelegen hatte. Es gab kaum Worte, die Sinn ergaben. In der kleinen Stadt Storm in Texas kannte fast jeder jeden. Wenn man jemanden nicht von Geburt an kannte, wurde er einem schnell vertraut, nachdem man hergezogen war. Selbst der Tod von jemandem, den sie nur flüchtig kannten, traf die meisten tief und hinterließ ein Loch, das gefüllt werden musste.

Und dies war seine Aufgabe. Zumindest spirituell.

Aber jemanden wie Jacob Salt zu verlieren, der so jung gewesen war und nun ein Kind hinterließ, das seinen oder ihren Vater niemals kennen würde, war besonders bitter.

Und trotz alldem war es immer noch einfacher, sich mit diesem Verlust zu beschäftigen, statt seinen eigenen zuzugeben. Danny würde nie normal sein. Niemals.

Tara seufzte, als sie sich gegen den Türrahmen lehnte.

»Mom hat angerufen, um uns Bescheid zu sagen, dass sie für morgen Nachmittag ein Treffen mit Sara Jane Salt vereinbart hat.« Sara Jane war die Sonderpädagogin der Schule. Sie hatte erst vor Kurzem ihren Abschluss gemacht und war nach Storm zurückgekehrt.

»Wegen Carol?«, fragte er.

»Nein. Wegen Danny.«

»Jetzt sind doch Ferien. Und Danny geht noch nicht mal zur Schule. Warum sollst du sie jetzt treffen?«

Tara zögerte. »Du weißt doch, was der Arzt gesagt hat. Wir müssen anfangen, an einer Strategie zu arbeiten, wie wir ihm helfen können.«

Bryce blickte schnell auf seinen Terminkalender. Obwohl inzwischen so viele Leute ihre Tage elektronisch organisierten, bevorzugte er immer noch den altmodischen Tagesplaner, auf den er schnell draufschauen konnte, um genau zu wissen, was anstand.

Bryce deutete auf den Kalender. »Ich habe da einen Termin.«

»Dann wirst du ihn verschieben müssen.«

Er sah zu seiner Frau auf. Tara war nie eine fordernde Frau gewesen. Sie wusste, wie wichtig seine Arbeit als Pastor war. Aber ihr Gesichtsausdruck sagte ihm, dass sie es ernst meinte. Und er wusste, dass sie recht hatte. Er sollte dort sein. Aber er wusste nicht, ob er sich dem stellen konnte. Tara war stärker. Sie konnte mit diesem Treffen umgehen. Später, wenn er mehr Zeit gehabt hätte …

»Ich bin morgen den ganzen Tag beschäftigt, Tara. Können wir uns damit nicht auseinandersetzen, wenn die Schule anfängt?«

Ihre Verärgerung verstärkte sich vor seinen Augen. »Du wirst uns in deinen Zeitplan einschieben müssen, Bryce.«

Taras Tonfall ließ ihn innehalten. Sie wusste, dass seine Zeit immer mit Sprechstunden, Gebeten und anderem belegt war. Seine Gemeinde hing von seinem Rat ab, und er nahm die Verantwortung sehr ernst.

»Tara?«

»Verlege den Termin. Ich meine es ernst. Für andere Leute änderst du deinen Zeitplan ständig. Du verpasst das Familienabendessen, um Gemeindemitgliedern in Krisen beizustehen. Du … ich weiß, dass deine Position in der Kirche wichtig ist. Aber wir sind auch wichtig. Wen auch immer du morgen triffst, er kann dieses eine Mal seinen Zeitplan für dich ändern.«

Ein Gefühl von Schuld stieg in ihm auf. Er liebte seine Frau. Aber er konnte es nicht tun. Er war einfach noch nicht bereit. »Tara, du solltest doch besser als jeder andere wissen, was für eine ...

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