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Reverend Pain - Das Totenreich der Orks

Steve Salomo

Reverend Pain - Das Totenreich der Orks

Band 3 der apokalyptischen Horror-Serie





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Das Totenreich der Orks

von Steve Salomo

 

 

(c) Digitalausgabe Alfred Bekker/CassiopeiaPress

Ein CassiopeiaPress E-Book

Ale Rechte vorbehalten

www.AlfredBekker.de

Postmaster@AlfredBekker.de

 

 

Seine schweren Schritte knirschten auf dem steinigen Boden. Mächtig stakste Ortrus durch den breiten Höhlengang. Finster war es hier und kalt. Feuchtigkeit lag in der Luft, und das Atmen fiel schwer.

Ortrus war ein hünenhafter Mann. Fast zwei Meter war er groß. Er trug Fellstiefel und eine Hose aus braunem Wildleder. Sein Oberkörper war unbekleidet und zeigte dicke Muskelpakete. Ortrus war ein Mann voller Kraft, ein Mann, den niemand im Kampf bisher hatte besiegen können.

Sein braunes Haar war schulterlang, ein dichter Vollbart wallte bis über seine mächtige Brust. In der einen Hand hielt Ortrus ein Schwert mit blutverschmierter Klinge.

In der anderen einen abgeschlagenen Kopf ...

In weitem Abstand waren Fackeln an den Wänden des Höhlenganges ange­bracht. Ihre flackernden Flammen erzeugten Lichtinseln und wiesen Ortrus den Weg. Immer weiter schritt er den Gang entlang zwischen den feuchten Wänden. Wasser tropfte von der Decke und erzeugte glucksende Geräusche.

Die Kälte machte Ortrus nichts aus. Sein Körper war noch erhitzt vom wil­den Kampf. Seine stahlblauen Augen blitzten grimmig.

Der Kampf war gewonnen, der Sieg war sein. Sein und der von Vreesus, dem Ork-Dämon, Herrscher der Ork-Horden, die aus den Dimensionen der Hölle in die Welt der Sterblichen gekommen waren. Ortrus hatte sich mit ihm verbündet, jetzt diente er Vreesus als Kämpfer.

Und er hatte gewonnen. Er hatte den Sieg errungen. Für Vreesus, den Dä­monenherrscher der Orks.

Und für sich, der von den Menschen verstoßen worden war.

Ortrus war wegen seiner Körper­kräfte zwar ein unbesiegbarer Kämp­fer, doch er war immer ein Außenseiter gewesen. Seine Mutter war eine Hexe gewesen, wer sein Vater war, wusste Ortrus nicht, denn seine Mutter hatte es schamlos mit vielen Männern getrie­ben. Sie hatte dem Teufel gedient, und es hieß, Ortrus sei ein Sohn des Teu­fels.

Man hatte seine Mutter ergriffen, als er noch ein kleiner Junge gewesen war. Er hatte zuschauen müssen, als die wütende Menge sie zum Scheiterhau­fen gezerrt und daran angebunden hat­te. Reisig hatte man zu ihren Füßen aufgehäuft, dann war der Priester an sie herangetreten.

Er hatte von Ortrus' Mutter verlangt, dass sie dem Teufel abschwöre, damit ihre sündige Seele die Erlösung erlan­ge, doch sie hatte ihm ins Gesicht ge­lacht, ihn angespuckt und erklärt, dass sie lieber zur Hölle fahre, als sich nun zu beugen.

Da hatte der Priester selbst die Fackel ergriffen und mit ihr das Reisig in Brand gesteckt.

Ortrus, der Junge, hatte seiner Mut­ter zu Hilfe eilen wollen, doch kräftige Hände hielten ihn gepackt und hielten ihn zurück. Er hatte gesehen, wie seine Mutter in den züngelnden Flammen gestanden hatte, die bald an ihr emporleckten und sie einhüllten.

Seine Mutter hatte geschrien und gekreischt, und ihr Tod war furchtbar und schmerzhaft gewesen.

Der kleine Ortrus hatte geweint und ebenfalls geschrien. Was er sah, hatte sein Herz gebrochen und dann hart wie Stein werden lassen.

Dabei konnte er froh sein, dass man ihn nicht auch verbrannt hatte, aber an einem Kind hatte sich die wütende Menge dann doch nicht vergehen wol­len.

Der Priester wollte zeigen, dass er auch barmherzig sein konnte, und so nahm er Ortrus zu sich auf, tat alles, um einen guten Christenmenschen aus dem Jungen zu machen. Er erzog ihn im christlichen Glauben, lehrte ihn Demut und Genügsamkeit, Anstand und Sitte und den rechten Glauben.

Doch im Dorf wurde Ortrus ge­schnitten. In ihm sah man das Hexenbalg, munkelte weiterhin, er sei ein Sohn des Leibhaftigen – ein Gerücht, das noch verstärkt wurde durch die enormen Körperkräfte, die der heranwachsende Junge zeigte. Ohne viel dafür zu tun, wuchsen ihm mächtige Muskelpakete, und bald war er ein Hüne, ein Riese, vor dem sich die Leu­te fürchteten. Seine Kindheit und sein ganzes Leben waren alles andere als von Freude erfüllt.

Der Priester versuchte ihm zwar den Vater zu ersetzen und gab sich redlich Mühe, und vielleicht hatte er den heranwachsenden Jungen auch irgendwann tatsächlich in sein Herz geschlossen, aber in Ortrus wüteten noch immer der Schmerz und der Hass und der Wunsch nach Rache.

Nur ein Mensch im Dorf verstand ihn und fühlte mit ihm. Die schöne Melisa, die zuerst Mitleid, dann Liebe für ihn empfand. Und auch Ortrus liebte das hübsche Mädchen, und diese Liebe besänftigte zunächst seine unterdrückte Wut auf alle Bewohner des Dorfes.

Doch dann verbot man Melisa den Umgang mit Ortrus, und als sie nicht gehorchen wollte, schlug ihr Vater sie. Da brach es in Ortrus durch, er schnappte sich den Mann und ver­drosch ihn, bis er nicht mehr stehen konnte.

Die Dorfgemeinschaft aber wurde von Zorn gepackt. Einer der ihren war von dem Hexensohn brutal zusammengeschlagen worden, und sie gingen mit Knüppeln und Steinen auf ihn los und vertrieben ihn aus dem Dorf.

Ortrus streifte heimatlos durch die Gegend, erfüllt von Hass und Wut und mit der unerfüllten Liebe gegenüber seiner Melisa im Herzen. Da traf er auf Vreesus, den Ork-Dämon, und der zeig­te ihm einen Weg, wie er sich an dem ganzen Dorf rächen konnte.

Ortrus, der ohnehin immer als He­xenbalg und Satanssohn verschrien gewesen war, ging auf den Handel ein, und er half den widerlichen Orks, das Dorf zu erobern. Das war seine Rache. Seine Rache für die Ermordung seiner Mutter. Für ihren grausamen Tod. Die Rache für alles, was sie ihm angetan hatten, für jahrzehntelangen Schmerz. Und die Rache dafür, dass sie ihm Me­lisa genommen hatten, den einzigen Menschen, der ihm je etwas bedeutet hatte.

Furchtbar hatte er gewütet mit dem magischen Schwert, das Vreesus ihm gegeben hatte.

Nun war er in den Berg der Schädel zurückgekehrt, wo Vreesus ihn erwar­tete.

Er erreichte eine große Höhle. Hier hatten sich die Orks um ihren Führer, den mächtigen Dämon Vreesus, ver­sammelt.

Hässliche Kreaturen waren die Orks. Sie waren nicht größer als eineinhalb Meter, mit grüner, schuppiger Haut. Sie hatten lange Ohren, glühende, hinter­hältige Augen. Sie verfügten über lan­ge Krallen und Reißzähne, und sie ernährten sich von Menschenfleisch.

Einige von ihnen hatten sogar Flü­gel, die es ihnen erlaubten zu fliegen und sich aus dem Flug auf ihre wehrlosen Opfer zu stürzen.

Sie tuschelten und quiekten, als Ortrus die weite Höhle betrat. Auf Säu­len standen Messingschalen, in denen Feuer brannten und die Höhle erhell­ten mit diffusem, flackerndem Licht, das schattenhafte Gebilde an die Steinwände warf.

Die zischelnde, fiepende Menge war ein Gewusel wie ein Haufen Ratten, doch sie machte dem eintretenden Hü­nen Platz, bildete eine Gasse, und dann sah Ortrus den Ork-Dämon, der auf seinem mit Menschenknochen verzierten Thron saß und ihm aus rot glühenden Augen entgegenblickte. Speichel troff aus dem schrecklichen Maul mit den überlangen Zähnen. Die Krallen waren um die Knochenlehnen des Throns ge­krümmt und erzeugten ein schabendes, hässliches Geräusch.

Vreesus' Gesicht war von Aussatz und Eiterbeulen übersät. Es machte ihm nichts, er fand nichts dabei, sah sich selbst sogar als schön an. Ein nor­maler Mensch hätte bei seinem Anblick vor Entsetzen aufgeschrien, doch Or­trus sah sich selbst nicht mehr als Men­schen. Die Menschen hatten ihn verstoßen, und so hatte er alles Mensch­liche abgestreift, wie er glaubte.

Er trat näher durch die Gasse, die sich für ihn gebildet hatte, und blieb ein paar Meter vor dem Thron stehen.

»Das Land ist unterworfen!«, sagte er dann mit donnernder Stimme. »Jetzt sind die Menschen Eure Sklaven, Vreesus!«

Der Ork-Dämon kicherte hämisch. »Bringst du mir, um was ich dich gebe­ten habe?«, fragte er lauernd und mit hoher, fiepender Stimme.

»Ja, mächtiger Vreesus!«, antworte­te der Hüne. »Hier ist, wonach Ihr ver­langtet! Der Kopf Eures letzten Feindes!«

Und er hob den Schädel empor, den er an den Haaren hielt. Das Blut tropf­te noch aus dem Halsstumpf. Die Augen waren weit aufgerissen, und in ihnen spiegelte sich all das Grauen wider, das der Geköpfte in den letzten Sekunden seines Lebens durchlitten hatte. Der Mund stand offen, als wür­de der Schädel noch immer laut schreien.

Es war der Kopf des Priesters!

Vreesus lachte kreischend auf vor Freude. »Der Priester! Der Priester!«, schrie er laut. »Er hat den verfluchten Gottesmann geköpft, ihn enthauptet, den Schädel von den Schultern geschlagen! O wunderschön! Herrlich! Nun ist keiner mehr da, der diese elen­de Menschenbrut beschützen kann! O herrlich! Gib mir den Kopf, gib ihn mir!«

Ortrus holte leicht aus, schwang den linken Arm nach hinten und wieder nach vorn und warf den Kopf des Prie­sters Vreesus zu, der ihn mit seinen Krallenhänden auffing.

»Wunderbar! Wunderbar!«, kreisch­te der Dämon. »Der Kopf eines Prie­sters! Wie herrlich!«

Und dann ...

Er presste die Krallenhände zusam­men und zermalmte den Kopf dazwi­schen, als wäre es ein rohes Ei.

Man hörte das laute Knacken von Knochen, und Blut und Gehirn quol­len zwischen den Pranken hervor.

Dann warf Vreesus die Reste von sich.

»Gut hast du das gemacht, mein treuer Diener! Sehr gut!«, sagte er. »Jetzt sind die Menschen völlig hilflos. Sie sind unsere Sklaven, werden für uns schuften, und wenn es uns nach Menschenfleisch gelüstet, werden wir uns einen von ihnen schnappen, und dann ...«

Er lachte meckernd und rieb sich gierig die blutverschmierten Krallen­hände.

»Sehr gut«, sagte er immer wieder, »wunderbar ...«

Und die Schar um ihn herum lachte ebenfalls meckernd und fiepte und quiekte vor Freude.

»Jetzt bin ich einer der Euren«, sag­te Ortrus. »Euer mächtigster Krieger, aufgenommen in Eure Gemeinschaft, nicht wahr?«

Ortrus hatte seine Rache bekommen, sein Zorn war gestillt. Aber immer noch hatte er keine Heimat, keinen Ort, an dem er sich zu Hause fühlte, war immer noch allein und einsam, sein Herz im­mer noch leer, die Sehnsucht nach Ge­meinschaft ungestillt.

Der Dämon auf dem Thron hob die rechte Klauenhand, spreizte eine Klaue ab und winkte damit hin und her. »Noch nicht, mein Freund«, sagte Vreesus. »Noch eine Prüfung möchte ich von dir bestanden wissen. Siehe dort!«

Und er zeigte zu seiner rechten Sei­te.

Ortrus folgte mit den Augen der Richtung des ausgestreckten Arms. Wieder huschte die Masse der Orks auseinander, bildete erneut eine Gasse und gab den Blick frei auf einen steinernen Opferaltar.

Ein nacktes Mädchen war darauf gebunden, wand sich hin und her. Kei­nen Faden trug das Mädchen am Leib, der schlanke Körper mit den weibli­chen Rundungen wies blutige Kratz- und Bisswunden auf.

»Ortrus! «, schrie das nackte Girl auf dem Opferaltar. »Ortrus! Wie konntest du das tun? Wie konntest du uns alle verraten? Welch Unglück hast du über uns gebracht?«

Ortrus blieb das Herz stehen. Es krampfte sich schmerzhaft in seiner Brust zusammen, als er erkannte, wer das geschundene Mädchen war, das dort blutend auf dem Stein gefesselt war.

»Melisa ...«, entfuhr es ihm keu­chend. »Melisa – das – das habe ich nicht gewollt. Das ...«

»Sie ist nur ein Mensch!«, schrie der Ork-Dämon. »Und du musst dich für immer von den Menschen trennen, wenn du einer der unsrigen sein willst!« Vreesus lachte meckernd auf, und die Ork-Schar um ihn herum ließ ein freu­diges Getuschel hören. »Töte sie!«, ver­langte Vreesus. »Nimm das Schwert, das ich dir gab, und schlage ihr den Kopf ab! Tu es, enthaupte sie, lass ihr Blut spritzen! Und trenne dich damit von allem Menschlichen, was noch in dir steckt!«

Ortrus hatte die Augen weit aufge­rissen. Was er sah, erschütterte ihn zu­tiefst. Er hatte nicht mehr an Melisa gedacht in seinem blinden Zorn, hatte nur seine Rache im Sinn gehabt, doch nun wurde ihm schlagartig bewusst, was er getan hatte, und es bereitete ihm tiefe Schmerzen.

Er stöhnte auf und keuchte. »Nein, das kann ich nicht tun. Das kann ich nicht. Was habe ich nur angerichtet? Was habe ich getan? Wie viele unschul­dige Menschen sind durch meine Hand gestorben, weil ich blind war, erfüllt mit unheiligem Zorn? Was habe ich ge­tan?«

»Ortrus!«, schrie das nackte Mäd­chen auf dem Altar. »Vernichte diese Brut! Du musst sie vernichten! Nur du kannst die Menschen noch retten, sie vor der Sklaverei und dem Terror die­ser Kreaturen schützen!«

»Hör nicht auf sie!«, sagte Vreesus. »Du wolltest dich an der Menschheit rächen. Auch sie ist nur ein Mensch. Nur ein Mensch. Wenn du zu uns gehö­ren willst, dann töte sie, löse dich von allem Menschlichen. Schlage ihr den Kopf ab und bring ihn mir!«

Ortrus wandte sich von dem nack­ten Mädchen ab, starrte den Ork-Dämon an und auf dessen Hände, mit de­nen er den Kopf des Priesters zer­quetscht hatte. Noch immer tropften Blut und eine breiige Masse von den Krallen.

»Schlag ihr den Kopf ab und bring ihn mir!«, verlangte Vreesus wieder und streckte die blutigen Krallen aus. »Tu, was ich dir befehle, und löse dich für immer von den Menschen!«

Noch einmal warf Ortrus Melisa ei­nen Blick zu, sah ihren wunderschönen, doch nun von blutigen Wunden übersäten nackten Körper, sah das Flehen und die Angst in ihren Augen – und da schrie er auf vor Schmerz und Seelenleid, brüllte laut und schallend, wirbel­te herum und hob die Klinge zum Schlag, um sie auf den Ork-Dämon nie­derrasen zu lassen.

Der hatte mit dieser Reaktion ge­rechnet. Er hatte die Krallenhand be­reits gehoben und ein magisches Zeichen damit in die Luft geschrieben.

Ortrus erstarrte mitten in der Bewe­gung. Wie zu Stein wurden seine Mus­keln, und er verharrte wie eingefroren. Er konnte sich nicht mehr rühren, so sehr er sich auch bemühte.

Schweiß perlte auf seiner Stirn, so strengte er sich an, das Schwert doch noch nach unten sausen zu lassen und der hässlichen Kreatur auf dem Thron den Kopf zu spalten, doch er schaffte es nicht. Er hörte das Kichern der Ork-Schar, hörte das begeisterte Klatschen von ledrigen Flügeln.

Der Ork-Dämon lachte meckernd. »Du bist doch nur ein elender Mensch«, verhöhnte er Ortrus. »Eine sterbliche, schwache Kreatur. Niemals wirst du zu uns gehören!«

Er richtete seine Klauenhand auf das nackte Mädchen auf dem Steinaltar. Ortrus schaffte es gerade, den Kopf so zu wenden, dass er Melisa dort liegen sehen konnte, ihren nackten Körper, auf dem kalten, rissigen Stein gehal­ten von den Ketten, die in Hand- und Fußschellen endeten. Schlank war sie, aber mit großen Brüsten. Die Hüften waren wohlgeformt, die Schenkel straff und fest.

Ein paar der Orks hatten sich dem nackten, auf dem Altar angeketteten Mädchen genähert. Die kleinen, grüngeschuppten Ungeheuer streckten ihre gierigen Pranken nach Melisa aus, berührten schamlos ihren Leib, kneteten kichernd ihre Brüste, ließen ihre Kral­len an den Innenseiten von Melisas Schenkeln hoch und hinab streifen, leckten mit ihren fleischigen rosa Zun­gen über ihre Scham.

Melisa starrte Ortrus an, und ihr Blick war voller Angst, Ekel und Ent­setzen. Tränen liefen ihr übers Gesicht. Die hässlichen Kreaturen peinigten sie, erniedrigten sie, demütigten sie, und sie kicherten und lachten hämisch dabei. Sie wollten dem Mädchen alle Scham und allen Schmerz der Welt bereiten.

Und Ortrus war nicht in der Lage, Melisa zu helfen, irgendetwas für sie zu tun.

»Du liebst sie?«, fragte Vreesus. »Du liebst sie, Ortrus! Ja, ich erken­ne es! Du liebst sie!« Er lachte schal­lend auf. »Doch bei uns darf es keine wahre Liebe geben, nur Lust und fleischliches Verlangen, aber kein Gefühl, das tiefer reicht. Liebe ist Schwäche, und die können wir uns nicht erlauben!«

Er stieß ein hohes Fiepen aus, so wie eine Ratte, und die Orks, die so scham­los Melisas jungfräulichen Körper be­rührt hatten, spritzten vom Altar weg.

Dann geschah das absolut Entsetz­liche, das Ortrus für immer das Herz brechen sollte.

Plötzlich zuckte ein greller Blitz aus Vreesus' Klauenhand, züngelte durch die Höhle – und traf das nackte Mäd­chen auf dem Altar!

Melisa schrie kreischend auf, ihr nackter Leib zuckte, ein rötliches Glühen umgab ihn, und dann – verwandel­te sich Melisa in eine Feuerlohe!

Der Körper des Mädchens stand auf einmal in grellen Flammen!

Melisa brüllte vor Schmerz und Qual, wand sich in ihren Ketten, wäh­rend ihr die Haut wegplatzte und das lodernde Feuer ihr langsam das Fleisch von den Knochen brannte.

Ihre Schmerzen waren unerträglich, sie schrie schrill und gellend bis zum Schluss. Ortrus hörte ihr Schreien und Kreischen, sah ihren Körper noch im­mer zucken und sich winden, als sie schon zu einem verkohlten, verkrümm­ten Etwas geworden war, aus dem sich langsam die brennenden Knochen schälten.

Er stand da, konnte sich nicht rüh­ren, war völlig erstarrt, hörte aber das entsetzliche Schreien des einzigen Menschen, den er je geliebt hatte, und sah, wie die Feuersbrunst diesen wunderschönen Körper zerfraß, zerstörte, einen Haufen Asche und schwarz ver­brannter Knochen daraus machte.

Und während er mit versteinerten Gliedern zusah, wie seine geliebte Me­lisa bei lebendigem Leib verbrannte, während er ihre schrillen, kreischenden Schreie hörte, da glaubte er, ihre Schmerzen mitzuempfinden, all die grausige Pein zu spüren, die auch sie verspürte. Die Qual, die sich bis zur Unerträglichkeit steigerte, das Grauen und Entsetzen darüber, mitzuerleben, wie der eigene Körper von den gieri­gen Flammen verzehrt und vernichtet wurde.

Ortrus sah ihren sich windenden brennenden Leib mit tränenfeuchten Augen. Ortrus hörte ihre qualvollen, schrillen Schreie mit schmerzenden Oh­ren. Ortrus spürte ihre Qualen und den unsäglichen, sich bis zum Schluss ins Unermessliche steigernden Schmerz mit jeder Faser seiner Seele. Doch es dauerte lange, bis er es endlich voll begriff.

Ja, er begriff es erst, als nur noch Melisas brennende Knochen auf dem Altar lagen, und jetzt zuckte sie auch nicht mehr, schrie nicht mehr.

Da waren nur noch die brennenden Knochen und rauchende Asche.

Sie war tot, hatte es endlich ge­schafft.

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