Logo weiterlesen.de
Reverend Pain: Bastion des Satans

Jo Zybell, Steve Salomo

Reverend Pain: Bastion des Satans

Band 8 der Cassiopeiapress Horror-Serie





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Bastion des Satans

 

 

von Jo Zybell nach Ideen von Steve Salomo

 

 

Die Fackel brannte ruhig. Ihr Lichtschein strich über feuchte von Balken durchzogene Felswände. Der Geruch nasser Erde und verrotteten Holzes hing in der Luft.

Keiner von beiden sprach ein Wort. Ihre Schritte hallten von den Schachtwänden wider. Virginia raffte ihren Pelzmantel um ihren schlanken Körper zusammen und zog die Schultern hoch. Sie fröstelte.

Aus der Lichtaura des Fackelscheins tauchte ein scharfkantiger Felsbug auf. Links und rechts davon bohrten sich die Schächte in die Finsternis hinab. Eine Weggabelung. Eine weitere nach unzähligen, die sie bereits hinter sich gelassen hatten.

Virginia blieb stehen. "Welchen Schacht nun?" Sie blickte ihren Gefährten von der Seite an. Das lange knochige Gesicht des Mannes wirkte versteinert. Seine leicht hervortretenden großen Augen richteten sich starr auf den Felsbug. Die Kaumuskulatur unter seinen hochstehenden und ausgeprägten Wangenknochen pulsierten. Der Adamsapfel auf seinem langen, dünnen Hals tanzte auf und ab. "Welchen müssen wir nehmen?", drängte Virginia.

Paul winkte unwillig ab. Er schloss die Augen und lauschte. Sekunden verstrichen. "Spürst du ihre Nähe nicht?", flüsterte er endlich.

Jetzt schloss auch Virginia die Augen. Sie neigte den Kopf. Wieder verharrten sie schweigend. "Doch. Ich spüre sie..." Virginia deutete auf den linken der beiden Schächte. "Ich spüre ihre Nähe - da unten sind sie..."

Paul nickte. Entschlossen setzten sie ihren Weg fort und traten in den linken Schacht. Über etwa zweihundert Meter führte er mit nur leichtem Gefälle in die Erde hinein. Doch dann fiel er steil ab. Streckenweise so steil, dass Virginia sich an der kalten, feuchten Schachtwand festhalten musste, um nicht auf dem glitschigen Felsboden auszugleiten.

"Wie tief sind wir schon unter der Erde?", flüsterte sie.

"Zweihundert Meter?" Paul zuckte mit den Schultern. "Vierhundert Meter? Ich weiß es nicht genau." Wieder blieb er stehen. Scharf sog er die Luft durch seine große Hakennase ein. Seine Nasenflügel bebten. "Riechst du sie?", fragte er leise.

Auch Virginia schnüffelte prüfend. Ein leichter Schwefelgeruch hatte sich in die feuchte Luft gemischt. "Ja", seufzte sie. "O ja, Paul - ich rieche sie." Ihre Stimme vibrierte, ihr Augen weiteten sich.

Beide merkten kaum, wie ihre Schritte sich beschleunigten, als sie weitergingen. Nur beiläufig registrierte Virginia ihr aufgeregtes Herz. Wie ein junges Kalb vor der Fütterung tänzelte es ihr im Brustkorb herum. Fiebrige Erregung griff nach ihr.

Dass es ihrem Bruder genauso ging, hätte sie an seinen großen Augen und an seinem starr nach vorn gerichteten Blick ablesen können. Aber Virginia dachte nur noch an das, was irgendwo dort unten in der Finsternis auf sie wartete.

Monatelang hatten sich das Geschwisterpaar auf diese Stunde vorbereitet. Sie hatten gefastet, hatten öfter als sonst die blutigen Rituale zelebriert, sich tiefer als sonst in beschwörende Gebete versenkt. Und jetzt - ganz nah war das Ziel. Magisch zog es sie an.

Ein Scharren drang aus der Dunkelheit jenseits des Fackelscheins. Erschrocken klammerte Virginia sich im Wildleder von Pauls Mantelärmel fest. "Hörst du das?" Sie blieben stehen.

Etwas strich weich an Virginias Stiefeln vorbei. Sie stieß einen unterdrückten Schrei aus. Paul senkte die Fackel. Ihr Lichtschein enthüllte hundertfaches Gewimmel zu ihren Füßen. Grau, schwarz, pelzig - Ratten.

"Ihre Boten", flüsterte Paul. "Sie können nicht mehr weit sein." Wieder sog er prüfend die feuchte Luft ein. "Riechst du es?" Scharf kroch jetzt der Schwefelgeruch über ihre Nasenschleimhäute.

Eine der Ratten stellte sich auf die Hinterläufe. Eine rötliche, große - so groß wie eine Katze. Im Lichtschein wechselte die Farbe ihrer Knopfaugen zwischen blau, weiß und schwarz. Ihre Schnurrhaare zitterten, während sie ihre Schnauze witternd dem Menschenpaar entgegenstreckte.

Schließlich ließ sie sich wieder auf die Vorderläufe nieder, wandte sich ab und huschte aus dem Fackelschein in das Dunkel des Schachts hinein. Das ganze Rudel folgte ihr. Und Paul und Virginia folgten dem Rattenrudel.

"Ihnen nach", zischte Paul. "Sie bringen uns zu ihnen.“

Weiter. Das Gefälle flachte ab. Der Schacht weitete sich. Die Wände strebten mehr und mehr auseinander. Irgendwann sahen sie hundert, hundertfünfzig Schritte vor sich milchiges Licht schimmern. Immer häufiger stießen Virginias Stiefelspitzen gegen Geröll. Über ganze Halden von Felsbrocken glitt bald der Fackelschein.

Das milchige Licht wurde intensiver. Ein grünliches, fluoreszierendes Licht. Virginia erkannte, dass sie sich in einer weiten Höhle befanden. Obwohl kein Luftzug ging, warf das eigenartige Licht flackernde Schatten an die Wände und an die kuppelförmige Höhlendecke. Die Fackel in Pauls Hand brannte weiterhin ruhig, fast bewegungslos.

Vor ihnen schälten sich plötzlich Umrisse von Körpern aus der Dunkelheit. Virginia blinzelte. Und erkannte auf einmal viele Gestalten vor sich und rechts und links entlang der Höhlenwand. Gestalten, die ein schmutziges Licht verströmten. Vergeblich suchte sie nach Fackeln und Lampen - wer immer diese Wesen waren: Sie glühten aus sich selbst.

Virginia klammerte sich am Arm ihres Bruders fest. Ihr Pulsschlag trommelte von innen gegen ihre Schläfenknochen. Verwirrt versuchte sie die Köpfe der Gestalten einzuordnen.

Sie sah Wesen, deren Köpfe Hundschädeln glichen. Sie sah züngelnde Schlangenköpfe aus dunklen Umhängen ragen. Sie sah kurzschnäblige Vogelgesichter, löwenmähnige Raubtierköpfe und hier und da auch fahle, menschenähnliche Mienen.

Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Plötzlich nahm das Licht einen rötlichen Schein an. Eine eisige Sturmböe schien durch die Höhle zu fegen. Virginia spürte, wie Pauls Armmuskulatur sich unter ihren Fingern verhärtete. Abrupt blieb er stehen. Seine Fackel erlosch.

Und dann sahen sie ihn. Den Boten Luzifers. Wie aus dem Nichts tauchte er auf.

Riesengroß stand er auf einer Geröllhalde inmitten der Höhle. Fast vier Köpfe größer als Paul. Sein langer Umhang leuchtete dunkelrot. Seine Haut schimmerte weißlich. Eine rötliche Lichtaura waberte um seine hohe Gestalt. Sein langes Haar hatte die Farbe von Holzasche. Virginia hätte nicht sagen können, ob sein Gesicht das Gesicht eines Mannes oder das Gesicht einer Frau, das Gesicht eines Kindes oder das Gesicht eines Greisen war.

Seine Augen funkelten rot. Paul und Virginia sanken auf die Knie. "Ehre sei dir, Kraphumeth, erhabener Meister der Nacht!", riefen sie. "Ehre und Macht sei dir, finsterer Engel Luzifers! Hier sind wir! Hier sind unsere Seelen! Hier sind unsere Leiber!"

­

*

 

Sie kamen zu dritt. Luke und Francis trugen die dunkelbraunen Wollkutten der Novizen. Der Abt war in eine schwarze Ledersoutane gehüllt. Die spitze Kapuze bedeckte seinen Kopf.

Francis war ein mittelgroßer, drahtiger Mann von etwa achtundzwanzig Jahren. Dichtes, blondes Haar fiel ihm auf die Schultern. Sein Gesicht wirkte braungebrannt und wurde von einer schmalen Hakennase und einem paar grünen, leuchtenden Augen beherrscht.

Luke war ein paar Jahre älter. Groß und breit gebaut wirkte er in seiner weiten Kutte wie ein Bär. Und so bewegte er sich auch. Tapsig und schaukelnd. Kurze, schwarze Locken bedeckten seinen Quadratschädel.

Sie schlichen an der hohen Backsteinmauer entlang bis zum eisernen Tor. Stimmen drangen über die Mauer aus dem Fabrikgelände. Viele Stimmen, laute Stimmen - sie kreischten, lachten, schrien, jammerten. Irgendwo jenseits der Mauer musste sich eine große Menschenmenge versammelt haben. Luke, der die anderen beiden Männer um einen Kopf überragte, stemmte seine zweihundertvierzig Pfund gegen das verrostete, mannshohe Fabriktor. Er sah nicht nur aus wie ein Bär, sondern verfügte auch über die Kräfte eines Bären. Scharrend gab das Tor nach und öffnete sich. Zahllose Fahrzeuge standen auf dem weitläufigen mit Schlaglöchern übersäten Gelände - Motorräder, Jeeps, Pick-ups, LKW-Zugmaschinen, ein paar PKWs.

Die Stimmen drangen aus den teilweise zerbrochenen Fenstern der gut fünfzehn Meter hohen Fabrikhalle. "Dort ist es, Vater Garibaldian", sagte Luke.

Der Abt nickte. Sein Blick wanderte über die Fahrzeuge und an den Fenstern der Halle entlang. Lautes Geschrei brandete auf. Man hörte Applaus, man hörte einen gellenden Schmerzensschrei, man hörte einen Hund bellen.

"Es klingt nicht so, als hätten sie sich zu einer Messe dort drin versammelt", knurrte Vater Garibaldian.

"Nein", sagte Francis. "Es klingt eher so, als würden sie mit dem Fußvolk des Teufels tanzen."

"So klingt es nicht nur, so ist es", zischte der Abt. Entschlossen betrat er den Fabrikhof.

Sie liefen quer über das Fabrikgelände auf die langgezogene Halle zu. Ein riesiges Rollschott verschloss das alte Gebäude. Die Menge im Inneren der Halle tobte. Die Mönche hörten kaum ihre eigenen Schritte, so laut ging es zu.

Wieder stemmte Luke sich gegen das Tor. Es gab um keinen Millimeter nach. "Sie haben sich eingeschlossen", brummte er.

"Das wird ihnen nichts nützen." Der Abt deutete auf eine metallene Nottreppe, die vom Fabrikhof aus aufs Dach der Halle führte. "Dieses lose Volk!" Leise vor sich hinschimpfend setzte er sich in Bewegung. Luke und Francis folgten ihm.

"Diese gott- und hirnlosen Spiritisten! Gier nach Blut, Fleisch und Drogen - etwas anderes kennen sie nicht!" Er betrat das Eisenrost der Treppe. "Wie oft habe ich ihnen diese abscheulichen Spiele verboten! Wie oft habe ich ihnen gepredigt, dass sie zur Hölle fahren werden, wenn sie sich nicht endlich zum HERRN bekehren!"

Trotz seiner fast siebzig Jahre huschte Vater Garibaldian leichtfüßig die Wendeltreppe hinauf. Flink wie ein junger Mann. Der hagere Francis hielt sich dicht hinter ihm. Luke, der seinen massigen Körper zwischen die Geländerstangen zwängen musste, hatte Mühe ihnen zu folgen.

"Man sagt, sie träfen sich nachts auf Friedhöfen und würden die Dämonen beschwören", sagte Francis. "Man sagt auch, sie würden die finsteren Mächte um Beistand bei ihren blutigen Spielen bitten."

"Hohlköpfe!", knurrte Garibaldian. "Kein Wunder, dass sie unempfänglich für die Stimme des Allmächtigen sind."

Francis und der Abt betraten das Flachdach. Sie sahen sich um. Eine Kiesschicht bedeckte das geteerte Dach. Sie war im Abstand von zwanzig Schritten durch große, quadratische Fenster durchbrochen. "Los!" Garibaldian packte Francis' Arm und zog ihn zu dem erstbesten Fenster. Schnaufend und ächzend betrat nun auch der dicke Luke das Dach. Schweiß stand auf seiner Stirn.

Gemeinsam knieten sie um das Fenster und spähten durch das trübe Glas in die Halle hinein. Durch das Gewirr von Kabelträgern, Rohren und Laufgittern hindurch erkannten sie zwei Männer auf dem Boden der Halle.

Sie waren nur mit einer langen, dunklen Lederhosen bekleidet. Der eine - ein riesiger, breitschultriger Kahlkopf - schwang eine schwere Kette über sich. In seiner Rechten konnten sie eine ungewöhnliche Waffe erkennen: Einen kurzstieligen Dreizack.

Der zweite Kämpfer war mit einem Kunststoffschild und einer Stahlrute bewaffnet. Ein weißes Tuch um seine Stirn hielt ihm das lange, rote Haar hinter den Ohren fest. Er war kleiner, als sein hünenhafter Gegner und lange nicht so breit und schwer.

"King Mary", flüsterte Francis.

"Schon wieder dieser Satansbraten!" Vater Garibaldian streifte sich die Kapuze vom Kopf. Sein dunkelgraues Haar hing ihm zu einem dünnen Zopf geflochten über die Schulter. Er trug einen Schnauzer und einen kleinen Kinnbart. "Er hat mir bei der Jungfrau Maria versprochen diesem unseligen Bloodbonebattling abzuschwören..."

Der hünenhafte Kahlkopf ließ die Kette auf den Rothaarigen niedersausen. Der hob seinen Schild. Scheppernd prasselten die Kettenglieder auf das Plexiglas. Die Stahlrute traf den Hünen am Knie. Sein Schmerzensschrei gellte durch die Halle. Die Menge gröhlte, Hundegebell erhob sich.

Dichtgedrängt saßen Dutzende von Zuschauern rund um den Kampfplatz - auf Maschinenblöcken, auf Tischen, auf einem Förderband, oder einfach auf Matratzen. Francis erkannte einen großen, schwarzen Hund. Sie hatten ihn an ein Leitungsrohr gebunden. Er stand auf den Hinterläufen, stemmte sich gegen seine Kette und bellte die Kämpfenden an.

"Wer ist der Kahlkopf?", wollte der Abt wissen.

"Steelbabe oder Blackbone", sagte Francis. "Ich kann die Zwillinge nicht auseinanderhalten."

Das Gebrüll unten in der Halle schwoll an. Wieder hatte ein Stahlrutenhieb den Kahlkopf getroffen, diesmal am Hals. Er taumelte und ging zu Boden. Schützend hielt er den Dreizack vor seinen Körper. Der Rothaarige umkreiste ihn lauernd. Eine Frau schrie jammernd.

"Die Frauen...", flüsterte Luke erschrocken. Jetzt sahen auch Garibaldian und Francis die beiden Frauen. Nur mit einem Höschen bekleidet waren sie an zwei Gabelstapler gefesselt, die an den beiden Stirnseiten der Arena standen.

"Wer siegt, bekommt die Frau des anderen", sagte Francis. "Für eine Stunde. In der Zeit darf er mit ihr machen, was er will..."

"Bei allen Heiligen...!", entfuhr es dem Abt. "Wir müssen da rein...!"

­

*

 

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre...

Der große Mann legte die Stirn auf das aufgeschlagene Buch. Es lag auf einem Holzhocker, und der Mann kniete vor dem Holzhocker auf dem Boden. Er betete. Die Mittagssonne prallte durch die hohen Fenster des runden Raumes. Nur wenige Wolken schwebten über den blauen Herbsthimmel.

Seit zwei Wochen hatte sich Reverend Pain in das Turmzimmer des alten Leuchtturms an der Küste zurückgezogen. Seit zwei Wochen betete und fastete er hier. Um den Willen des Allmächtigen zu erfahren.

Er wusste, dass ein Auftrag auf ihn wartete. Und er wusste, dass es kein leichter Auftrag sein konnte. Sonst hätte der Geist ihn nicht in diese Einsamkeit geführt. Sonst wäre ihm nicht Fasten und Gebet auferlegt worden. Sonst würden ihn nicht seit Wochen schlimme Träume plagen. Träume voller Blut und Dunkelheit.

Der Reverend hob den Kopf. Murmelnd las er noch einmal die Stelle aus dem ersten Brief des Johannes. ...um die Werke des Teufels zu zerstören.

Er schloss die Augen, klappte das Buch zu und schob seinen Finger blind zwischen zwei Seiten. Dann schlug er die Bibel wieder auf und öffnete die Augen. Sein Blick fiel auf eine Stelle im Buch des Propheten Jesaja. Der Reverend las laut: "Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?"

Nachdenklich erhob er sich. ...wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?

Mit langen, schleppenden Schritten ging er an eines der Fenster, die zum Meer hin lagen. Ich will dein Bote sein, HERR, schicke mich, wohin du willst...

Der Strand breitete sich tief unter ihm aus. Die Brandung warf sich auf den weißen Sand. Möwen kreisten über den Wellen. Kreischend stieß von Zeit zu Zeit eine von ihnen ins Wasser und tauchte mit zappelnder Beute wieder auf.

Er nahm den Wasserkrug vom Tisch neben dem Fenster und trank.

Eine schöne Welt, dachte er. Eine wunderschöne Welt... wenn nur die Tyrannei der Hölle nicht wäre...

Trotz der vielen Siege der Priesterschaft war sie noch immer nicht gebrochen, die Macht der Hölle. Sie lauerte sie noch immer in Städten, Gebirgen und Dörfern. In alten Bergwerken, stillgelegten Kraftwerken und erloschenen Vulkanen. Wie gärende Eiterbeulen. Von Zeit zu Zeit platzte eine von ihnen und spie die finsteren Mächte auf die Erdoberfläche: Satansengel, Dämonen, Vampire und Geschöpfe des Bösen.

Reverend Pain schüttelte sich, als wollte er die bedrückenden Gedanken beiseite schieben. "Es war viel schlimmer", murmelte er. "Denk daran.“

Jahrelang hatten Dämonen und Vampire die Erde in ihrer fürchterlichen Sklaverei gehalten - jedes Land, jede Stadt, jedes Dorf. Doch seit einige mutige Männer die Priesterschaft gegründet hatten, war die Herrschaft des Bösen zurückgewichen. Seit die Reverends auf Erden unterwegs waren.

Der Reverend hielt sich an diesem Gedanken fest. Man muss das Gute sehen, dachte er, das, was wir schon geschafft haben. Man darf niemals aufgeben - wir werden die ganze Erde von der Herrschaft der Hölle befreien.

Pain gehörte zu den seltenen Leuten, die sich durch nichts und niemanden von ihrem einmal ins Auge gefassten Ziel abbringen ließen. Nichts konnte ihn zermürben - nicht die Kämpfe, die er schon durchgestanden hatte, nicht die Abgründe der Bosheit, in die er immer wieder blicken musste, nicht die Träume, die ihn seit Nächten quälten, nicht der bohrende Hunger, der in seinen Eingeweiden brannte. Eisern hielt er an der auferlegten Askese fest.

Sein Geist war glasklar. Sein Hirn kühl und hellwach.

Er wollte sich vom Fenster abwenden, um erneut zum Wasserkrug auf dem Tisch zu greifen. Sein Blick blieb am Horizont hängen. Ein Dunststreifen hing über den Wogen.

Der Reverend kniff die Augen zusammen und spähte über den Strand aufs Meer hinaus. Sah er recht, oder bewegten die Wellen sich heftiger, als eben noch? Minutenlang beobachtete er das Meer, die Brandung und den Strand.

Die Möwen schwirrten plötzlich auf und flogen davon. Die Brandung warf sich heftiger auf die langgezogene Sandbank. Die Wogen schienen mit jedem neuen Ansturm gegen den Strand zu wachsen.

Der Reverend blickte in den Himmel. Nur wenige Wolken zogen über die blaue Kuppel. Kein Anzeichen eines Sturmes oder eines bevorstehenden Wetterwechsels.

Der Dunststreifen draußen auf dem Meer hatte sich verdichtet. Fast haushoch brausten jetzt die Wogen heran. Und so schnell, als würde ein Orkan sie vor sich hertreiben. Keine einzige Möwe mehr konnte der Reverend über dem Wasser entdecken.

Ein Schauer lief ihm über die Nackenhaut. Was für Naturgewalten spielten sich dort unten ab? Oder waren es gar keine Naturgewalten?

Sein Blick fiel auf die bräunlichen Dünengras-Streifen. Die hohen Gräser beugten sich tief in den Sand. Als würde ein starker Wind sie niederdrücken.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Reverend Pain: Bastion des Satans" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen