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Rettung am Straßenrand

Lindsay Gordon (Hg.)

RETTUNG AM
STRASSENRAND

und andere
erotische Erzählungen

Aus dem Englischen von
Anna Wichmann

Inhalt

Rettung am Straßenrand
Janine Ashbless

Mittwochs und dienstags
Sommer Marsden

Unter dem Zirkuszelt
Mae Nixon

Rettung am Straßenrand

Janine Ashbless

Das war ja mal wieder typisch.

Natürlich musste ihr Wagen ausgerechnet auf der am wenigsten befahrenen Straße von ganz Schottland den Geist aufgeben, und das auch noch an einem Nachmittag, an dem es in Strömen goss. Und es musste natürlich an diesem ganz besonderen Tag passieren. Es überraschte sie nicht, dass sie mit ihrem Handy keinen Empfang hatte – nur ein Balken flackerte hin und wieder auf dem Display auf.

Zuerst war Wut in Sarah aufgelodert: die Art hilflosen Zorns, die meist mit unerwünschten Tränen einherging. Sie hatte mit den Fäusten auf das Lenkrad eingeschlagen, den Wagen, den Regen und danach Gott verflucht, falls ihr dieser denn zufällig zuhören sollte. Doch kurz darauf bekam sie sich wieder in den Griff. Es waren nirgendwo andere Wagen zu sehen, und sie konnte sich auch nicht daran erinnern, auf den letzten dreißig Kilometern einem Fahrzeug begegnet zu sein. Dennoch musste sie irgendwie Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen.

Und sie hatte natürlich auch keine wasserfeste Kleidung dabei, da sie ja erwartet hatte, das ganze Wochenende im Haus zu verbringen, entweder im Bett oder im Hotelrestaurant. Sie bewahrte zwar einen Regenschirm im Handschuhfach auf, aber als sie aus dem Wagen gestiegen war, nachdem sie das Warnblinklicht eingeschaltet hatte, musste sie feststellen, dass ihr dieser auch nicht wirklich weiterhalf. Der Wind fegte so ungestüm über das weite Moorgebiet und rüttelte so heftig an ihrem Schirm, dass dieser beinahe umklappte und sie ihn dicht über ihren Kopf halten musste, während das Wollgras rings um sie herum von den Wassermassen zu Boden gedrückt wurde und es fast schon horizontal regnete. Ihr Kleid – ihr luftiges Kleid mit dem Rosendruck, von dem sie wusste, dass Mervyn es sehr mochte und es ihr gern auszog – war in weniger als einer Minute völlig durchnässt.

Sie biss die Zähne zusammen und wandte sich einem Felsen zu, der als einzige Erhebung in der Nähe aus dem dürren Gras ragte. Eiskaltes, torfbraunes Wasser reichte ihr bis über die Fußknöchel, als sie am Straßengraben entlangging, und innerlich kochte sie bei dem Gedanken an das viele Geld, das sie für die schönen Sommersandalen hingelegt hatte, die sie sich gerade ruinierte.

Aber sie schaffte es. Nach zehn Minuten hatte sie die Spitze des Hügels erreicht und wurde mit zwei Balken auf der Empfangsanzeige belohnt, die für einen Anruf ausreichten. Sie überlegte, ob sie Mervyn anrufen sollte, aber als sie es von einer Tankstelle in Glasgow aus versucht hatte, wo sie haltgemacht hatte, war nur seine Mailbox zu erreichen gewesen, daher rief sie lieber gleich den Pannendienst an. Man versprach ihr, dass innerhalb der nächsten Stunde ein Abschleppwagen bei ihr sein würde.

Es ging sogar deutlich schneller. Sarah saß wieder in ihrem Wagen im Trockenen und war immer noch stinksauer und frustriert, bis sie das orangefarbene Blinklicht im Rückspiegel erblickte. Mit einem Mal war ihre schlechte Laune verflogen, und sie war derart erleichtert, dass sie beinahe weinen musste, auch wenn sie sich wegen dieser Schwäche sofort schämte. Der Wagen fuhr hinter ihrem Auto an den Straßenrand und parkte, wobei er das Licht eingeschaltet ließ, und dann kam eine Gestalt in einem weiten gelben Regenmantel an ihre Beifahrertür und klopfte.

»Alles in Ordnung?«, fragte der Mann und beugte sich durch das jetzt geöffnete Fenster. Unter seiner Kapuze sah sie ein entwaffnendes Lächeln, aber der kalte Windstoß, der hereinfuhr, ließ sie zurückschrecken.

»Ja. Mir ist nur kalt.« Das Kleid klebte ihr an den Beinen wie eine zweite Haut. Sie hatte überlegt, sich trockene Kleidung aus ihrer Tasche zu holen, sich aber dagegen entschieden, weil sie dann später nur noch durchnässte Kleidungsstücke bei sich hätte. Sie konnte kaum glauben, wie kalt der Regen war, dabei war es doch Juli. Warum in aller Welt mussten sie sich denn auch nur in Schottland treffen?

»Ganz allein?«

»Leider ja.«

»Tja, Sie haben sich nicht gerade die beste Woche für Ihren Urlaub ausgesucht. Machen Sie bitte die Motorhaube auf, dann sehe ich mir die Sache mal an. Sie können sich gern ins Führerhaus meines Wagens setzen. Der Motor läuft noch, und da ist es auf jeden Fall wärmer.«

Er verschwand hinter der geöffneten Motorhaube, und Sarah bereitete sich innerlich darauf vor, sich erneut den Wassermassen zu stellen. Eigentlich wollte sie mit dem Mann noch über das Motorproblem reden, aber der Wind warf sie beinahe zur Seite, als sie aus dem Wagen stieg, und in dem eisigen Regen konnte sie kaum etwas sehen. Also gab sie den Gedanken daran auf und hastete zu dem Truck, der hinter ihrem Wagen am Straßenrand parkte. Das Führerhaus lag so hoch, dass sie auf den breiten Rücksitz klettern musste. Von dort aus konnte sie den Mechaniker sehen, der sich über den Motorraum ihres Autos beugte. Durch die Regentropfen auf der Windschutzscheibe schien seine reflektierende Kleidung zu verschwimmen und sah gleichzeitig leuchtend aus.

Was ist, wenn er den Schaden nicht schnell reparieren kann?, fragte sie sich. Was würde Mervyn machen, wenn sie zu spät kam? Er war manchmal so schrecklich ungeduldig. Und wenn sie sich stark verspätete, würde er glauben, ihr wäre etwas Schlimmes zugestoßen. Würde er die Polizei rufen? Würde er sich das trauen? Sie musste ihn unbedingt anrufen.

Der Mechaniker kam zu ihr herüber und hielt die Wagentür fest, die ihm der Wind aus der Hand zu reißen drohte. »Einer der Zylinder ist hinüber. Ich muss Ihren Wagen abschleppen und in die Werkstatt in der Stadt bringen. Okay?«

Sarah nickte, und dabei tropfte ihr das Wasser aus den Haaren.

»Hinter dem Sitz liegt ein Handtuch, das können Sie gern benutzen.«

»Wird es lange dauern, den Zylinder zu reparieren?«

Er zog die Augenbrauen in die Höhe. »Tja, wenn Sie Glück haben und das Ersatzteil vorrätig ist, können wir den Schaden morgen beheben, ansonsten müssen Sie bis Montag warten.«

»Morgen?« Sie konnte ihren Protestschrei nicht unterdrücken.

»Müssen Sie dringend irgendwo hin?«

»Eigentlich werde ich heute Abend in Fort William erwartet.«

Er schüttelte den Kopf. »Keine Chance. Zumindest nicht mit diesem Wagen.«

»Hm – gibt es hier irgendwo ein Taxi?«

»Nicht in dieser Gegend.« Er knallte die Tür zu, sodass die kalte Luft nicht mehr hereinströmte.

Morgen? Sie hatten nur zwei Nächte in dem Hotel reserviert, länger konnte sich Mervyn nicht freimachen. Und jetzt war alles ruiniert. Sie stellte sich vor, wie er in der Hotelbar saß, das Glas Single Malt vor sich, und mit den Fingern auf dem polierten Holz trommelte, während er wartete und wartete, ohne dass sie auftauchte. Er würde wütend sein, wenngleich auf seine eigene kalte, höfliche Art. Was für ein Schlamassel.

Unerwartet spürte Sarah Zorn in sich aufsteigen. Es war nicht genug, dass sie das alles hier durchmachen musste, auch er würde sie das noch auf irgendeine Weise büßen lassen. Wahrscheinlich würde Mervyn ihr etwas vorenthalten, was sie haben wollte, nur um ihr seinen Standpunkt deutlich zu machen.

Seufzend schob sie die Vorstellung daran beiseite und suchte hinter dem Sitz nach dem Handtuch, das dort neben einem Schlafsack lag. Es war nicht frisch gewaschen, und sie roch einen schwachen maskulinen Geruch, als sie sich damit die Haare trocken rubbelte. Während sie sich die Oberschenkel und Arme abrieb und dabei den Rock hochzog, spähte sie durch das Fenster, dann zog sie ihr Oberteil herunter und trocknete sich die Brust ab. Ihre Nippel drückten sich steif durch die Baumwolle ihres feuchten BHs, und sie drückte mit dem Handrücken dagegen in dem vergeblichen Versuch, diese Impertinenz zu unterbinden. Ihre Beine kribbelten vor Kälte, und sie rieb sie, bis ihre blasse Haut ganz rot wurde.

Der Mechaniker senkte derweil den Truck hinten ab, befestigte ihren Wagen an einer Seilwinde und nutzte dann eine Hydrauliksteuerung, um das kleine Fahrzeug auf die Rampe zu ziehen. Die orangefarbenen Lampen des Abschleppwagens wackelten, und das Licht jenseits der Fensterscheiben, an denen die Regentropfen herunterrannen, flackerte. Er arbeitete schnell, effizient und sicherte den Wagen mit langen Gurten. Das gefiel ihr. Ebenso wie seine breiten Schultern. Sie mochte den Geruch seiner Haut, bei dem sich in ihrem Inneren ein leichtes Gefühl der Schuld breitmachte. Das sie jedoch ignorierte.

Als alles gesichert war, kehrte er zum Führerhaus zurück und setzte sich vor sie auf den Fahrersitz, wo er sich rasch den Regenmantel auszog. Darunter trug er einen hellen Pullover und abgetragene Jeans, die teilweise schon vom Regen durchnässt worden waren. »Kann ich das Handtuch haben?«, fragte er und drehte sich zu ihr um.

Sie reichte es ihm. »Es ist leider ein wenig feucht geworden.«

Seine Augen flackerten, und er musterte sie von oben bis unten. Blaue Augen, und die ersten Fältchen zeichneten sich in seinem Gesicht ab. Vermutlich war er sich nicht einmal bewusst, wie er sie gerade angesehen hatte, dachte sie. Doch ihr war auch klar, wie ihr das nasse Kleid am Körper klebte, und lächelnd errötete sie. Er zögerte kurz, bevor er weitersprach, aber sie ergriff die Gelegenheit nicht, wegzusehen und die Situation zu entschärfen.

»Ach, mit ein bisschen Feuchtigkeit werde ich fertig.« Auch sein Humor gefiel ihr. »Ansonsten könnte ich wohl kaum in dieser Gegend leben, meinen Sie nicht?«

»Vermutlich nicht.« Sie spürte, wie sie anfing zu glühen. Sein Blick fiel auf ihre durchnässten Brüste, und dieses Mal war er sich sehr wohl bewusst, wo genau er hinsah. »Sie sollten sich lieber ein Hotelzimmer nehmen.«

Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Er biss sich leicht auf die Zunge und wartete.

»Okay«, brachte sie schließlich heraus.

Das Flackern, das in seinen Augen aufgelodert war, verblasste. »Ich gehe doch davon aus, dass Sie über Nacht hierbleiben werden?«

»Ja.«

»Und wir wollen ja nicht, dass Sie sich den Tod holen.«

Der Augenblick – das, was da möglicherweise gewesen war, die kaum festzumachende Andeutung einer Möglichkeit – verging, und er wandte sich ab. Sarah beobachtete ihn, während er sich mit dem Handtuch abtrocknete und sich durch die Haare rieb, bis sie vom Kopf abstanden. Sein Nacken war von der Sonne gebräunt, und auf seinen breiten Händen klebten Ölrückstände. Auf einmal pochte ihr Herz wie wild in ihrer Brust. Sie musste etwas sagen, sie musste dafür sorgen, dass er weitersprach, denn sonst würde sie erneut an Mervyns Unmut denken müssen – eine Vorstellung, die ihr ganz und gar nicht gefiel.

»Sie sollten wissen, dass ich nur die einfache Mitgliedschaft besitze«, gab sie zu. »Ich habe nur Anrecht auf Notfallhilfe, aber nicht auf das Abschleppen in eine Werkstatt.«

Er warf ihr einen kurzen Blick über die Schulter zu. »Ich werde Sie trotzdem nicht hierlassen. Das können wir später noch klären. Oder möchten Sie Ihren Wagen lieber in eine andere Werkstatt bringen?«

»Nein.«

»Dann ist doch alles in Ordnung.«

In diesem Moment sah sie, wie ihre Finger seinen Nacken berührten. Sie hatten sich ganz von allein und ohne ihre bewusste Entscheidung dorthin bewegt. Doch obwohl er kurz aufschreckte, war sie sich ziemlich sicher, dass er darüber nicht überraschter sein konnte als sie.

»Die sind aber kalt!« Er lachte, um seine Unsicherheit zu überspielen.

»Tut mir leid«,

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