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Inhalt

Vorwort

1 Einführung

1.1 Ziel dieses Buches – oder: Willkommen auf dem Planet der Ressourcen, Stärken und Möglichkeiten!

1.2 Für wen ist dieses Buch geeignet und was kann man damit machen?

1.3 Selbständiges Erarbeiten oder Arbeit mit Klienten?

1.4 Wie Sie sich den Inhalt dieses Buches erarbeiten können

2 Grundlagen des ressourcenorientierten Arbeitens

2.1 Lösungsfokussierte Kurztherapie und lösungsfokussierter Ansatz

Übungsaufgaben zur Wiederholung und Vertiefung

Arbeitsbögen mit starkem Bezug zum lösungsfokussierten Ansatz

2.2 Resilienz: Widerstandsfähigkeit

Übungsaufgaben zur Wiederholung und Vertiefung

Arbeitsbögen mit starkem Bezug zur Resilienz

2.3 Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing) und das Modell der Phasen der Veränderung

Grundlagen

Phase 1 – Absichtslosigkeit (Precontemplation)

Phase 2 – Absichtsbildung (Contemplation)

Phase 3 – Vorbereitung (Preparation)

Phase 4 – Handlung (Action)

Phase 5 – Aufrechterhaltung (Maintenance)

Phase 6 – Beendigung (Termination)

Besonderheiten der Motivierenden Gesprächsführung in den einzelnen Phasen der Veränderung

Übungsaufgaben zur Wiederholung und Vertiefung

Arbeitsbögen mit starkem Bezug zur Motivierenden Gesprächsführung

2.4 Case Management

Die fünf Phasen des Case-Management-Prozesses

Case Management als Problemlöseschema

Übungsaufgaben zur Wiederholung und Vertiefung

Arbeitsbögen mit starkem Bezug zum Case Management

3 Modul 1: Schätze bergen – Was ist gut und soll so bleiben?

3.1 Bewahrenswertes

3.2 Zufriedenheit, Teil 1

3.3 Schöne Situationen

3.4 Freudige Erlebnisse

3.5 Liebevolle Erlebnisse

4 Modul 2: Bewältigungsstrategien – Was hat bei Schwierigkeiten schon einmal gut geholfen?

4.1 Widerstandsfähigkeit, Teil 1

4.2 Schwierige Situationen

4.3 Trauer

4.4 Angst

4.5 Ärger

4.6 Scham und Schuld

5 Modul 3: Perspektiven entwickeln – Ausblicke auf die Zukunft wagen

5.1 Zufriedenheit, Teil 2

5.2 Zehnjahresplan

5.3 Lebensbereiche

5.4 Widerstandsfähigkeit, Teil 2

5.5 Entscheidungswaage

5.6 Wichtigkeit

5.7 Zuversicht

5.8 Bereitschaft

5.9 Ziel-Spiel

5.10 Ziele-Matrix

6 Modul 4: Handeln und Erfolgskontrolle – Am Anfang war die Tat!

6.1 Problemlösestrategien

6.2 Veränderungsplan

6.3 Schritt für Schritt vorankommen

6.4 Verbesserungen

7 Auswertungsbögen

8 Wie geht es jetzt weiter?

8.1 Wie arbeitet man mit den ausgefüllten Bögen der Klienten weiter?

8.2 Wie kommt man vom Arbeitsbogen zur Verhaltensänderung?

8.3 Wie gelingt der Transfer der gemachten Entdeckungen und Erfahrungen in den Alltag?

Literatur

Register

Anhang

Verzeichnis der 25 Arbeitsbögen in alphabetischer Reihenfolge

Lösungen zu den Übungsaufgaben

Informationen zur beiliegenden CD-ROM

Vorwort

Für Sandra und Jasper.

Durch Euch strahlt die Sonne heller,

leuchtet der Mond fröhlicher

und funkeln die Sterne lebendiger.

Falls Sie sich für die Entstehung dieses Buches und seinen Autor interessieren, hier ein paar Informationen dazu:

Ich heiße Andreas Langosch und bin 1968 geboren. Beruflich bin ich gelernter Verlagskaufmann, Diplom-Sozialpädagoge (FH) mit staatlicher Anerkennung und Sozialtherapeut für die Arbeit mit chronisch mehrfachbeeinträchtigten abhängigen Menschen.

Während meines Sozialwesen-Studiums an der Fachhochschule Kiel begann ich, mich intensiv für die Operationalisierung von Zielen in der Sozialen Arbeit und für Methoden zur Erreichung dieser Ziele zu interessieren, was schließlich 1997 in das Thema meiner Diplomarbeit mündete: „Das Neurolinguistische Programmieren (NLP) in der Drogenberatung mit Alkoholikern – Möglichkeiten, Grenzen und Risiken“ (Langosch 1997).

Im Oktober 2004 schloss ich die 2½-jährige berufsbegleitende sozialtherapeutische Zusatzausbildung „Ressourcenorientierte Arbeit mit mehrfachbeeinträchtigten abhängigen Menschen im regionalen Verbund“ der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel und des Gesamtverbandes für Suchtkrankenhilfe (GVS) ab. Auch hierbei lag einer meiner Schwerpunkte auf methodischen Fragen; so lautete der Titel des von mir im Rahmen dieser Zusatzausbildung durchgeführten und dokumentierten Projekts: „Der Einsatz lösungsfokussierter Skalierungsfragen für die Operationalisierung von Zielen in der Hilfeplanung“.

Die sozialtherapeutische Zusatzausbildung und meine tägliche Arbeit im sozialen Bereich vertieften unter anderem mein Interesse und meine Kenntnisse bezüglich der Methodik des lösungsfokussierten Ansatzes, der Motivierenden Gesprächsführung und des Case Managements. Aus dem Wunsch, grundlegende Handlungselemente dieser Methoden für mich selbst schriftlich zusammenfassen, entstand schließlich die Idee zu diesem Buch. Die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) gesellte sich dann aufgrund meines bereits seit langem bestehenden eher privaten Interesses an diesem Thema dazu. Resilienz und Resilienzforschung hatten mich schon lange fasziniert. Mein Interesse daran war geweckt und vertieft worden durch Bücher wie zum Beispiel „Das wiedergefundene Licht“ von Jacques Lusseyran (2002) und „The Survivor Personality“ von Al Siebert (1996).

Das Ihnen hier vorliegende Buch schließt eine Lücke in der Literatur zum ressourcenorientierten Ansatz, indem es die o.g. Methoden und Fachgebiete zusammenführt und dabei grundlegende Handlungselemente des ressourcenorientierten Arbeitens systematisch anwendbar und trainierbar macht. Die ursprüngliche, damals noch wesentlich kürzere Version dieses Buches erschien 2005 im Selbstverlag Andreas Langosch unter dem Titel „Ressourcen, Stärken, Möglichkeiten“(Langosch 2005). Die Ihnen hier vorliegende Ausgabe ist nun deutlich überarbeitet, erweitert und aktualisiert.

Aus der langjährigen Anwendung der in diesem Buch beschriebenen Ideen hat sich inzwischen eine eigenständige Methode entwickelt: Resource-Oriented Interviewing (Langosch 2013). Bei dieser besonderen Form der Ressourcenorientierten Gesprächsführung stehen vier Fragen im Mittelpunkt, welche gleichzeitig die Leitlinien durch das gesamte Vorgehen bilden:

“1. Wie fördere ich Ressourcen, Stärken und Fähigkeiten?

2. Wie verringere oder beseitige ich Defizite?

3. Wie hinterfrage ich Ziele auf möglichst konstruktive und respektvolle Art und Weise?

4. Wie hinterfrage ich Mittel und Wege auf möglichst konstruktive und respektvolle Art und Weise?“ (Langosch 2012, 5).

Dies sind gleichzeitig auch die Leitfragen dieses Buches und sie sollten beim Erarbeiten der Inhalte und des Vorgehens stets mitgedacht werden. Zum Abschluss nun noch drei Hinweise, die mir besonders am Herzen liegen:

images Nicht jedes Problem oder jede Schwierigkeit bedarf einer Lösung. Manchmal kann es besser sein, die Suche nach einer Lösung aufzugeben oder sie erst gar nicht zu beginnen.

images Nicht jedes Problem oder jede Schwierigkeit bedarf einer bewussten Lösung. Manchmal kann es besser sein, eine bewusste Lösung aufzugeben oder für einige Tage aufzuschieben. (Libet 2005, 127ff.)

images Probleme gibt es immer, darauf ist Verlass!

Ich würde mich freuen, wenn Sie diese drei Hinweise bei der Arbeit mit diesem Buch im Hinterkopf behalten könnten. In diesem Sinne: Viel Freude und Erfolg beim Erarbeiten der hier behandelten Themen!

Dänischenhagen, August 2015 Andreas Langosch

1 Einführung

1.1 Ziel dieses Buches – oder: Willkommen auf dem Planet der Ressourcen, Stärken und Möglichkeiten!

Dieses Buch soll keine vorhersagbaren Ergebnisse produzieren, sondern anregen: Zum Experimentieren, zum Erforschen, zum Gespräch. Am besten zum Gespräch mit anderen Personen über Möglichkeiten, Stärken und Ressourcen. Aber auch, wenn es lediglich das innere Selbstgespräch zu diesen Themen fördert, hat es sein Ziel schon erreicht.

Darüber hinaus möchte dieses Buch Sie und Ihre Klienten vertrauter machen mit grundlegenden Ideen und Vorgehensweisen auf dem weiten Gebiet des ressourcenorientierten Arbeitens. Inspiriert wurde es vor allem durch folgende Fachgebiete: Lösungsfokussierte Kurztherapie, Resilienzforschung, Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing) und Case Management. Grundlegende Gedanken zu jedem dieser Gebiete werden in den Kapiteln 2.1 bis 2.4 erläutert. Im Rahmen dieses Buches erfüllen die hier dargestellten Methoden und Fachgebiete vor allem folgende Funktionen:

images Die lösungsfokussierte Kurztherapie und der lösungsfokussierte Ansatz zeigen Ihnen einen pragmatischen Weg zu individuellen, funktionierenden Lösungen, mit denen Sie sofort mit dem ressourcenorientierten Arbeiten beginnen können.

images Die Resilienzforschung zeigt Ihnen, wonach Sie inhaltlich suchen müssen, wenn Sie selbst bei persönlichen Problemen Hilfe und Unterstützung benötigen oder anderen Menschen beim Finden der passenden Ressourcen helfen möchten.

images Die Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing) und das Modell der Phasen der Veränderung machen deutlich, welches Vorgehen bei welchen Motivationslagen sinnvoll, geeignet und Erfolg versprechend ist.

images Das Case Management systematisiert den Hilfeablauf und hilft Ihnen dabei, den Blick auf das Umfeld zu erweitern und dadurch weitere Ressourcen zu erschließen.

Das Durcharbeiten der 25 Arbeitsbögen und der beiden Auswertungsbögen ermöglicht Ihnen, sich auf praktische Weise mit typischen Fragestellungen und methodischen Grundelementen der genannten Fachgebiete und ihren Anwendungsmöglichkeiten vertraut zu machen. Dieses Buch kann und soll dabei lediglich einen ersten kleinen Einstieg bieten. Das tiefer gehende Erfassen der dargestellten Methoden ist ein jahrelanger Prozess, der viel Praxis erfordert.

1.2 Für wen ist dieses Buch geeignet und was kann man damit machen?

Psychotherapeuten, Sozialtherapeuten, Ergotherapeuten:

images Hilfe bei der Therapieplanung

images Einzel- und Gruppengespräche

images Hausaufgaben für Klienten zwischen den Sitzungen

images Hilfe bei der Verlaufsbeobachtung und Evaluation des Therapieprozesses

Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Erzieher, Berater, Coaches, Pflegepersonal:

images Hilfe bei der Förderplanung

images Einzel- und Gruppengespräche

images Hilfe bei der Verlaufsbeobachtung und Evaluation des Beratungs-, Coaching- und Hilfeprozesses

Klienten in Beratung und Therapie:

images Erweiterung, Vertiefung und Beschleunigung des Beratungs-, Coaching-, Therapie- und Supervisionsprozesses

Case Manager/Fallmanager, gesetzliche Betreuer:

images Hilfe bei der Förderplanung

images Erweiterung des eigenen ressourcenorientierten Methodenspektrums

images Hilfe bei der Verlaufsbeobachtung und Evaluation des Hilfeprozesses

Studenten:

images Vertraut werden mit grundlegenden Ideen und Handlungselementen des ressourcenorientierten Arbeitens

Interessierte Laien:

images Selbsthilfe

images Freunden und Angehörigen helfen

images Planung und Weiterentwicklung persönlicher Lebensziele

1.3 Selbständiges Erarbeiten oder Arbeit mit Klienten?

Die Kapitel 3 bis 6 und die darin enthaltenen Arbeitsbögen bilden das Kernstück dieses Buches. Sie bauen aufeinander auf und sollten daher beim selbständigen Erarbeiten zum Verstehen der darin enthaltenen Methodik am besten in der vorgegebenen Reihenfolge durchgearbeitet werden.

In der Arbeit mit Klienten sollte bezüglich der Auswahl und Reihenfolge der Arbeitsbögen jedoch eine andere Priorität gesetzt werden: Die Auswahl des jeweiligen Arbeitsbogens sollte sich hierbei nach den Bedürfnissen und Vorstellungen des Klienten bezüglich der anstehenden Veränderungen richten! Die Berücksichtigung der Änderungstheorie des Klienten ist im ressourcenorientierten Arbeiten im Besonderen, aber auch in Beratung und Therapie im Allgemeinen von zentraler Bedeutung für den Erfolg (Duncan et al. 1998; Hubble et al. 2001; Duncan/Miller 2003, 123ff.; 2005; Duncan et al. 2004, 119ff. Duncan 2005, 87ff.).

Während in den Kapiteln 3 und 4 Ressourcen aus der Vergangenheit erforscht werden, geht es in den Kapiteln 5 und 6 um die Entwicklung und Verwirklichung von Perspektiven und Möglichkeiten für die Zukunft.

Steht das Erlernen der methodischen Grundelemente im Vordergrund (und nicht die konkrete Hilfe für einen Klienten), dann können die Module der Kapitel 3 bis 6 auch wie ein Workshop oder Seminar betrachtet und erarbeitet werden. Pro Modul sollte dabei etwa ein Seminartag eingeplant werden.

Jedes Modul enthält eine kurze Vorstellungsübung zur Einführung in das jeweilige Thema und ergänzende Hinweise zur Erarbeitung der Arbeitsbögen. Die Vorstellungsübungen sind angelehnt an Ideen der narrativen Therapie (Grossmann 2000). Jedem Arbeitsbogen ist zudem eine kurze Einweisung vorangestellt, die vor der Erarbeitung des Bogens gelesen und dem Klienten zur Verfügung gestellt werden sollte. Insbesondere bei Unklarheiten über Sinn und Zweck des Arbeitsbogens sollte die Einweisung kurz durchgegangen werden.

Die Erarbeitungszeit sollte pro Arbeitsbogen mindestens 20 Minuten betragen, da es erfahrungsgemäß meistens etwas Zeit braucht, um sich in das Thema des jeweiligen Bogens hineinzufinden. Gelegentlich kann es von Nutzen sein, verschiedene Arbeitsbögen miteinander zu kombinieren.

In der Arbeit mit Klienten hat es sich als sinnvoll erwiesen, an die Erarbeitung des Bogens ein mindestens genauso langes Gespräch unmittelbar anzuschließen.

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Gesprächsleiter und Klienten finden in Kapitel 7 jeweils einen Auswertungsbogen, der das ressourcenorientierte Arbeiten mit den 25 Arbeitsbögen strukturieren und erleichtern kann. Die Auswertungsbögen sollten am besten unmittelbar nach dem Gespräch ausgefüllt werden.

Alle Arbeits- und Auswertungsbögen, sowie die dazugehörenden Einweisungen befinden sich auch als PDF-bzw. WORD-Dateien auf der beiliegenden CD-ROM und können ausgedruckt werden. Die CD-ROM finden Sie im hinteren Buchdeckel und nähere Angaben hierzu im Anhang.

1.4 Wie Sie sich den Inhalt dieses Buches erarbeiten können

Hierbei gibt es – der Titel dieses Buches lässt es möglicherweise bereits vermuten – verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel:

1. Das Buch von vorne bis hinten, sozusagen von A bis Z, durcharbeiten: Dies ist wahrscheinlich die beste Methode, um sicherzustellen, dass Ihnen vom Inhalt nichts entgeht.

2. Von einem persönlichen Anliegen ausgehen, an der dazu passenden Stelle ins Buch einsteigen und sich anhand der Querverweise weiterhangeln: Dieses Vorgehen könnte man auch als klienten- oder leserzentrierte Methode bezeichnen. Bei dringenden persönlichen Anliegen ist sie sicherlich die geeignetste.

3. Weitere Möglichkeiten, wie: nach den Methoden und Fachgebieten geordnet vorgehen; nach Lust und Laune vorgehen; Zufallselemente ins Spiel bringen (z.B. den zu bearbeitenden Arbeitsbogen auswürfeln); verschiedene Vorgehensweisen miteinander kombinieren; verschiedene eigene Vorgehensweisen entwickeln …

2 Grundlagen des ressourcenorientierten Arbeitens

Ressourcenorientierung, Nützlichkeit und Zieldienlichkeit: Unter dem Begriff Ressource sei hier der Einfachheit halber alles verstanden, was jemandem nützt, hilft und Unterstützung bietet oder helfen, nützen und Unterstützung bieten könnte. Es geht bei der Ressourcenorientierung also um Nützlichkeit. Nützlichkeit wiederum impliziert ein Ziel oder mehrere Ziele (Nützlich wofür? Nützlich in Bezug auf was?). Somit meint Ressourcenorientierung oft Zieldienlichkeit, besonders in Kontexten, in denen es um Hilfe-, Förder- oder Therapieplanung geht, in denen Hilfeplan-, Förderplan- oder Therapieziele festgelegt werden müssen. Es geht dabei häufig um Fragen wie zum Beispiel:

images Was kann im Moment am besten dabei helfen, das Ziel zu erreichen?

images Was ist zieldienlich? Was dient dem Erreichen des Ziels?

images Dient Ihr Verhalten im Moment Ihren Zielen? Wenn ja, wie können Sie mehr davon tun? Wenn nein, was können Sie anders machen?

Wenn Sie mit Klienten über Ressourcen, Ressourcenorientierung, Hilfe und Nützlichkeit sprechen, verwenden Sie lieber Wörter wie „Ziele“ und „Zieldienlichkeit“. Zieldienlichkeit ist oft nützlicher, hilfreicher, ressourcenorientierter und – man höre und staune – zieldienlicher als Nützlichkeit und Ressourcenorientierung, auch wenn alle diese Begriffe in manchen Kontexten oft fast das gleiche meinen.

Gleichzeitig bedeutet Ressourcenorientierung, erst einmal hier und jetzt mit dem zu beginnen, was bereits da ist. Trotz aller impliziter Zielgerichtetheit ist sie daher auch immer gegenwartsorientiert und erzieht zu einer gewissen Bodenständigkeit.

Ressourcenorientierung ist inzwischen zu einem Modebegriff in psychosozialen Arbeitsfeldern geworden. Gerade deshalb verlangen die auf sie gestützten Methoden in ihrer Anwendung eine kritische Einstellung und einen ethisch vertretbaren Rahmen. Dieser Rahmen soll hier in Bezug auf die Verwendung dieses Buches kurz skizziert werden.

Üben, üben, üben – aber nicht übertreiben! Die effiziente Anwendung der in diesem Buch dargestellten Methoden bedarf sowohl eines intensiven Trainings, als auch kritischer (Selbst-)Reflektion. Beides braucht viel Praxis. Es wird daher empfohlen, sich mit Hilfe der angegebenen Literatur intensiv mit den Methoden und ihrem theoretischen Hintergrund zu befassen, das eigene Handeln immer wieder kritisch zu hinterfragen und die Anwendung der Methoden immer wieder intensiv zu trainieren.

Übertreiben Sie es jedoch nicht, denn gemäß dem Pareto-Prinzip (Koch 2004) gilt für Ihr Interesse an diesem Buch höchstwahrscheinlich, dass sich etwa 80% des für Sie zur Zeit relevanten Inhalts auf etwa 20% der Seiten dieses Buches befinden. Beginnen Sie also am besten damit, den Inhalt kurz zu überfliegen und dann die 20% davon zu lesen, die Sie spontan am meisten interessieren. Sie können auch mit den 5Arbeitsbögen beginnen, die Ihnen beim ersten Betrachten am besten gefallen und sich dann mit Hilfe der Querverweise weiter durch das Buch arbeiten. Auf diese Weise können Sie Ihr Interesse für den Inhalt dieses Buches äußerst effizient und ressourcenorientiert nutzen.

Bewahren Sie Methodendistanz! Bei jeder intensiv trainierten und oft und gerne angewandten Methode besteht die Gefahr, dass sich der Praktiker zu sehr in sie verliebt und dadurch seine Methodendistanz verliert, was dann leicht zu mechanistischer, unreflektierter und verantwortungsloser Praxis führen kann. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollten bei der Verwendung dieses Buches in der Arbeit mit Klienten folgende Grundsätze berücksichtigt werden:

images Richten Sie als Gesprächsleiter die Auswahl des Arbeitsbogens und das Gespräch an den Bedürfnissen und Vorstellungen des Klienten bezüglich der anstehenden Veränderungen aus (und nicht an Ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen oder den Prämissen der von Ihnen favorisierten Methode, es sei denn, sie entsprechen denen des Klienten)!

images Sorgen Sie dafür, dass Sie verlässliches Feedback vom Klienten bekommen über seine Einschätzung der Arbeitsbeziehung, der Gesprächsatmosphäre, der Vorgehensweise und der Ergebnisse der Arbeit!

images Lenken Sie Ihre eigene Aufmerksamkeit und die des Klienten immer wieder auf nützliche Veränderungen, die bereits geschehen sind oder noch geschehen könnten!

images Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit und die des Klienten immer wieder auf die Frage, wie bereits geschehene nützliche Veränderungen für die Zukunft genutzt werden könnten und welche Ressourcen aus der Welt des Klienten (interne und externe Ressourcen) dabei hilfreich sein könnten!

Diese Leitlinien zur Arbeit mit Klienten sind gleichzeitig grundlegende Prämissen dieses Buches. Sie stammen aus Ergebnissen der Psychotherapie-Forschung, die von Duncan, Hubble, Miller und Sparks zusammengefasst wurden und hier für den Zweck dieses Buches etwas modifiziert wiedergegeben sind (Duncan et al. 1998; Hubble et al. 2001; Duncan/Miller 2003, 123ff.; 2005; Duncan et al. 2004).Die hier beschriebene Überprüfung des Vorankommens gemeinsam mit dem Klienten heißt im Resource-Oriented Interviewing Feedback-Prinzip bzw. Principle of Feedback (Langosch 2012, 9f.; 2013, 9f.) und bildet einen der Kernpunkte dieser Methode.

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Zur Berücksichtigung der hier genannten vier Punkte können unter anderem die Auswertungsbögen aus Kapitel 7 genutzt werden sowie Arbeitsbogen 25 (Verbesserungen) aus Kapitel 6.4 und Arbeitsbogen 12 (Zufriedenheit, Teil 2) aus Kapitel 5.1. Diese vier Bögen gehören zu den mächtigsten und ressourcevollsten (also zieldienlichsten) dieses Buches. Lassen Sie diese Chancen zum Einbeziehen des Feedbacks des Klienten nicht ungenutzt!

In dieser Weise ressourcenorientiert vorzugehen, kann unter anderem eine von vielen Möglichkeiten sein, Wertschätzung zu zeigen. Ohne Wertschätzung läuft im ressourcenorientierten Arbeiten nichts! Wenn es Ihnen nicht gelingen sollte, Ihre Beratung, Ihr Coaching, Ihre Therapie etc. zu einem Kontext von gegenseitiger Wertschätzung und Aufwertung zu machen, dann gehen Sie mit ihrem Klienten lieber spazieren oder Kaffee trinken – und unterhalten Sie sich über das Wetter, Frauen, Männer, Fußball, Stricken …– so lange, bis Wertschätzung und Aufwertung wieder funktionieren!

Bitte bedenken Sie immer wieder: Das Vorgehen des Beraters oder Therapeuten sollte unbedingt kompatibel sein mit der Vorstellung des Klienten, wie positive Veränderungen erreicht werden können (Duncan 2005, 87ff.)! In Fachsprache könnte man es so beschreiben: Der Input besteht in den eingesetzten Mitteln (z.B. der angewandten Methode und den vereinbarten Zielen); der Output beschreibt die im Verlauf der Beratung oder Therapie entstandenen Ergebnisse (z.B. erreichte Einstellungs- oder Verhaltensänderungen); Outcome bedeutet Output-Ziel-Vergleich.

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Und nun: Reflektieren ...

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