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Reset ... und Neustart

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© 2016 Sabrina Otte

Umschlag, Illustration: Andreas, Sabrina Otte

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback 978-3-7345-6090-3
Hardcover 978-3-7345-6091-0
e-Book 978-3-7345-6092-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Erwischt

Verrückte Vögel

Beschluss des Weltrates

Die City

Familienkonferenz

Wie die Zeit vergeht

Lernen

Der Zusammenbruch

Nichts zu sehen

Chaos

Verzweiflung

Heimfahrt

Zuhause

Weltnachrichten

Lebenszeichen

Wahre Schätze

Im Städterat

Leseabenteuer

Dorfgemeinschaft

Beschluss des Städterates

In der Mall

Vorleseabend

Familienleben

Langeweile

Eine Geschichte ohne Ende

Ein Buch

Schreibversuche

Geheimnistuerei

Schreibutensilien

Das Leben auf der Erde

Unterricht

Nachricht von Grandma

Papier und Stifte

Die Petition

Hoher Besuch

Ein Jahr später

Erwischt

„Ellouisa, du bist ja schon wieder im Cyb! Du sollst doch deine Schulaufgaben machen! Dein Lehrer hat mir gerade gecybt, dass du weit hinter deinem Schulplan zurückliegst. Muss ich dich denn immer wieder kontrollieren, damit du deine Aufgaben ernst nimmst! So schaffst du den Schuljahresabschluss nie!“ Mutters dunkle Augen schauen Lou vorwurfsvoll an.

Auf der Monitorwand wirkt ihr Gesicht wie eine große Melone, groß und rund und unwirklich. Fast hätte Lou angefangen zu lachen. Aber Mutters Augen funkeln und blitzen ihr entgegen – Gefahr! Jetzt bloß kein falsches Wort. „Ich wollte doch nur ...“ Mutters Augen verengen sich zu gefährlichen Schlitzen. „Ich habe Zou nur um Hilfe gebeten. Sie wollte mir die Matheaufgaben erklären.“ Mutters Augen öffnen sich ein wenig. Schnell setzt Lou ihre Unschuldsmine auf und fügt hinzu: „Zou ist doch viel besser in Mathe als ich.“ Mutters Gesicht entspannt sich langsam.

Jetzt erkennt Lou, dass ihre Ma müde aussieht. Um ihre Augen hat sie dicke dunkle Augenringe und ihr Melonengesicht verwandelt sich in das einer schon etwas überreifen, schrumpeligen Dattel. Ein bisschen tut es ihr sogar leid, dass ihre Ma sich so über sie aufgeregt hat. Und sie muss sich sehr aufgeregt haben. Sonst hätte sie nie ihre Arbeit unterbrochen und wäre in ihren Chat mit den Freundinnen hereingeplatzt.

Eigentlich hat Lou Eltern, die sie echt in Ordnung findet. Sie sind nicht so pingelig wie die von ihrer besten Freundin Zou. Zou muss immer und überall die Beste sein. Ihre Eltern kontrollieren sie rund um die Uhr. Die Chatprotokolle werden regelmäßig gespeichert und ausgewertet. Und wenn sie die Schulplanaufgaben nicht rechtzeitig und hervorragend erledigt, darf sie nicht in den Cyb und auch nicht mit in die Mall. Es ist selbstverständlich, dass Zou ihren Schulplan immer eher erfüllt als in der Regelzeit. So ist sie schulisch betrachtet schon ein Jahr weiter als Lou.

„Ellouisa!“ Mutters Stimme reißt Lou aus ihren Gedanken. „Du gehst jetzt sofort aus dem Cyb raus und machst dich an die Schulaufgaben! Und vergiss nicht, dich bei Grandma für das Geburtstagsgeschenk zu bedanken! Du solltest es schon letzte Woche machen! Wenn ich am Abend nach Hause komme, bist du da und hast alles erledigt. Klar?“ Ein kleines Lächeln scheint Ma zu unterdrücken. Schnell nutzt Lou die Chance und versucht so nebenbei wie möglich einzufügen: „Ich treffe mich mit der Clique in der Mall.“ Mas Gesicht verdunkelt sich gleich wieder aber nur, um kurz danach müde zu erwidern: „Gegessen wird pünktlich und wenn du alles erledigt hast, ist das ok.“ Das wollte Lou hören. Schnell, bevor Ma es sich anders überlegen kann, ruft sie ihr ein, „Na klar!“, entgegen und schon ist Mas Gesicht vom Monitor verschwunden.

Lange hat Lou keine Zeit über das Gespräch nachzudenken. Es gibt viel zu tun. „Fangen wir mit Grandma an!“, beschließt sie.

Alle in der Familie nennen Mutters Mutter Grandma. Oma, Omi oder gar Großmutter will sie nicht genannt werden. „Das klingt so alt, wie kurz vor dem Tod“, hat sie verkündet, als Lou geboren wurde. So heißt sie seit der Geburt ihrer einzigen Enkeltochter bei allen Grandma. „Grandma heißt doch auch Großmutter“, hat Lou ihre Eltern einmal gefragt. „Aber es klingt moderner“, war die Antwort.Und Lou hat sich damit zufrieden gegeben.

„Modern“, Lou denkt an das Geburtstagsgeschenk ihrer „modernen“ Oma. Ihre Geschenke sind alles andere als modern. Vater sagt sogar, sie sind antik, sie sind wertvoll. „Wertvoll, antik, dass ich nicht lache. Bücher und wertvoll!“ Lou muss unwillkürlich schmunzeln. Ihre Freundinnen kennen keine Bücher mehr. Sie haben davon höchstens einmal etwas in der Schule gehört. Was soll man auch damit? Das liest doch keiner! So viel Platzverschwendung! Lesen kann man im Netz, da gibt es alles. Aber Lou findet, wie alle ihre Freunde, es langweilig zu lesen. Es reicht schon, dass sie in den ersten Schuljahren überhaupt lesen lernen musste. Lieber hat sie die Lernchats, in denen sie mit den Lehrern und anderen Schülern über alles reden und ihnen dabei in das Gesicht sehen kann. Lesen ist total out.

Trotzdem bekommt Lou jedes Jahr von Grandma ein Buch geschenkt. Und jedes Jahr landet das Buch unter ihrem Bett. „Wenn die Bücher so wertvoll sind, bin ich vielleicht schon ein reiches Mädchen?“ Jetzt muss Lou wirklich lachen.

Aber wie versprochen, wird sie sich brav bei Grandma bedanken. So drückt sie den kleinen Knopf ihres Tabs, sucht das Zeichen für ihre Grandma. Nach kurzem Klicken strahlt ihr das gesuchte Emoji entgegen, sie tippt es an und spricht in ihr Tab hinein: „Grandma“ – keine Reaktion. Lou versucht es einige Male. Immer keine Reaktion. Sicher hat die alte Dame ihr altmodisches Phone wieder zu Hause liegen gelassen und treibt sich in ihrem Dorf herum. Also spricht sie ihren eingeübten Text auf die Box der Oma: „Liebe Grandma. Ich habe dich leider nicht erreicht. Vielen Dank für das schöne Buch. Ich habe mich sehr gefreut. Hoffentlich sehen wir uns bald mal wieder. Cyb doch mal durch! Ma und Dad würden sich auch sehr freuen. Tschüss!“ Ein schneller Schmatzer und auf AUS gedrückt. Erledigt! Jetzt noch die Schulaufgaben und dann zur Mal.

Verrückte Vögel

Auf einem alten rostigen Fahrrad kommt eine Frau den Weg entlang. Sie hat ein dickes blaues Wolltuch um ihren Kopf gebunden, wie es die Frauen in früheren Jahrhunderten trugen. Dieses altmodische Stück steht im krassen Gegensatz zu der hellen freundlichen Hose und der luftigen Bluse, die ab und zu unter dem Tuch hervorblitzen. Die Dame fährt zügig den Weg entlang. Schnell kommt sie näher. Wäre das Tuch nicht gewesen, hätte man sie auch für eine junge Frau halten können, so aufrecht und sportlich sitzt sie auf dem klapprigen Drahtesel.

Ted sieht der Fahrradfahrerin entgegen. Den Tisch hat er schon gedeckt und den Tee aufgebrüht. Nun freut er sich auf den frischen Kuchen, den Grandma frisch aus dem Holzofen gezogen hat und den er gleich mit ihr genießen wird.

Ted ist nach dem Tod seiner Frau in diesem kleinen unscheinbaren Ort gelandet. Weit vor den Toren der hunderte Kilometer großen City begann er ein neues Leben, ein Leben ohne Einkaufstempel, ohne Werbebanner und den Trubel der Stadt. Grandma hat er damals kennengelernt. Sie hat ihm geholfen, sich ohne all die Dinge zurecht zu finden. Nun kommt sie ihn seit Jahren einmal in der Woche besuchen. Sie bringt den Kuchen mit. Er brüht den Kräutertee auf, aus frisch gesammelten Kräutern.

In dem Ort leben nur noch wenige, meist alte Menschen. Die Jungen ziehen in die City. Viele Alte ziehen mit oder sterben. Nur selten verirrt sich ein Künstler oder Wissenschaftler in diese Gegend. Hier gibt es keine Mall, in der man alles kaufen kann, was man braucht oder was man zu brauchen glaubt.

Aber die Menschen haben sich eingerichtet. Grandma ist die Bäckerin des Ortes. Es gibt einen Bauern, der schlachtet. Vom Kuhbauern bekommen alle Milch und Käse. Die alte Hafnerin hat Hühner für die Eier. Obst und Gemüse haben die meisten Bewohner in ihren eigenen kleinen Gärten. Und was man nicht hat, holt man sich beim Nachbarn. Jeder kann etwas und trägt zum guten Leben in der Gemeinschaft bei. Ab und an kommt sogar eine Drohne mit Dingen, die man nicht allein herstellen kann.

Ted hat hier sein neues Leben gefunden. Er ist der Handwerker des Ortes. Alles, was repariert werden muss, landet früher oder später auf seinem Tisch. Als er das Quietschen der Fahrradkette hört, holt er auch gleich das Ölkännchen und stellt es für seinen Besuch bereit.

„Na, Grandma! Du fährst aber wieder mal einen flotten Stil.“ „Ich wollte nicht, dass der Kuchen auskühlt. Warm schmeckt er doch am besten.“ Mit einem kleinen Sprung ist Grandma vom Fahrrad herunter und kommt direkt neben Ted zum Stehen. „Steh nicht lange herum! Nimm das Rad und bringe es in Ordnung! Ich schneide den Kuchen auf und dann erzählen wir uns die Neuigkeiten!“ Mit einem Befehlston, der keine Widerrede duldet, nimmt sie den Korb unter den Arm und macht sich auf den Weg ins Haus. Ted geht seiner Aufgabe nach, ölt das Rad, zieht einige Schrauben nach. Als er seine Arbeit erledigt hat, macht er sich auf den Weg ins Haus, um sich die Hände zu waschen. Es strömt ihm der Duft frisch gebackenen Kuchens entgegen. Ted läuft das Wasser im Mund zusammen. Grandma sitzt schon im Garten unter dem alten Birnenbaum und wartet am gedeckten Tisch auf ihren Freund.

Ganz in Ruhe und ohne weitere unnötige Worte erfreuen sich die beiden Alten an dem Sommertag. Angelockt von dem Duft des Kuchens schwirrt eine Wespe um ihre Köpfe und ein Käfer krabbelt unter ihren Füßen im Gras. Die Stille wird nur ab und an von dem Geklapper der Kuchengabeln auf dem Teller unterbrochen. Bald haben die Freunde den Kuchen verspeist und so manche Tasse Tee getrunken. Jeder hängt seinen Gedanken nach.

Plötzlich schreckt ein Vogelschwarm aus dem nahen Wald auf und fliegt über den Birnenbaum hinweg Richtung City. Unvermittelt ändert er jedoch seine Richtung, macht eine Kehrtwendung und fliegt wieder in ...

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