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Requiem in Windy City

Robert W. Arndt

Requiem in Windy City

Ein Johnny Diamond Roman/ Cassiopeiapress Krimi





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Requiem in Windy City

Ein Johnny Diamond Roman

 

von ROBERT W. ARNDT

 

 

 

 

 

 

Ein Buch der Edition Bärenklau, Jörg Munsonius, Bärenklau

 

©, Cover 2013 by Steve Mayer

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

 

©, der Digitalausgabe 2013 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

 

 

 

Hugh Kellermann schlug fluchend den Kragen seines Mantels hoch und trat ungeduldig von einem Bein auf das andere. Dichte Wolken hatten sich vor den Mond geschoben, und der erst leichte Nieselregen war stärker geworden. Wie Bindfäden kam es inzwischen vom Himmel herunter. Aber das Wetter war geradezu ideal für ihr Vorhaben, wenn bloß nicht dieser verfluchte Wind gewesen wäre, der nicht nur unangenehm kalt vom Lake Michigan herüberwehte, sondern ihm auch noch den Regen ins Gesicht peitschte.

Einen Moment dachte Hugh sehnsüchtig an Peggy-Sue, die hübsche Kellnerin aus dem ‚Moreno-Klub’. Wenn dieser Job hier erledigt war, würde er zu ihr fahren und eine Menge Spaß haben. Aber – erst kam die Arbeit, dann das Vergnügen.

Er drückte seinen Hut fester auf den Kopf und angelte nach der Zigarettenpackung. Der Wind blies ihm immer wieder das Streichholz aus, erst als er das fünfte oder sechste angerissen hatte, gelang es ihm, die Lucky anzuzünden. Hugh nahm einen tiefen Zug und schaute die Straße hinunter, die sich wie ein breites, feucht glänzendes Band durch die rechts und links liegenden Maisfelder zog. Noch war nichts zu sehen, aber es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie kamen.

Hinter ihm, gut hundert Meter entfernt, stand ein Polizeiauto. Zwei Männer hatten eine Straßensperre errichtet. Sie trugen Uniformen der Chicagoer Polizei und hielten Gewehre in den Händen. Weit hinten in der Ferne ragte die nächtliche Skyline der Stadt auf.

Hugh horchte auf. Der Wind trug Motorengeräusche an sein Ohr. Er trat die Zigarette aus und lief zum Wagen zurück.

„Achtung, es geht los!“

Die beiden Uniformierten gingen in Stellung. Hugh holte eine Lampe aus dem Auto. Ihr heller Schein leuchtete weit, dann sahen sie die Scheinwerfer des Lastwagens. Kellermann zückte seinen Revolver. Immer näher kam der Wagen, der Fahrer musste die Straßensperre jeden Moment sehen.

Hugh schwenkte die Lampe, gleichzeitig hoben die beiden Uniformierten

ihre Gewehre.

Im Innern des Lastwagens stieß der Mann hinter dem Lenkrad einen lästerlichen Fluch aus.

„Verdammter Mist! Das hat uns gerade noch gefehlt!“

„Keine Sorge“, beruhigte ihn sein Beifahrer. „O’Brian hat doch gesagt, dass der Transport sicher ist. Er hat gezahlt, und wahrscheinlich wollen die Burschen da nur ihren Anteil kassieren.“

Jack Mulligan trat auf die Bremse. Bud’ hatte Recht. Bisher war noch jede Lieferung durchgekommen, weil der Boss sich nicht kleinlich zeigte, wenn es darum ging, die Polizei zu bestechen.

Der Laster rollte langsam aus und kam zum Stehen. Mulligan kurbelte das Seitenfenster herunter und streckte seinen Kopf hinaus.

„Hallo Jungs“, rief er, „nehmt euch ein Fass und dann lasst uns weiterfahren. Es gibt ’ne Menge durstiger Kehlen in ‚Windy City’.“

Er schickte ein meckerndes Lachen hinterher.

Es sollte das letzte Lachen seines Lebens sein. Eine Salve Schüsse zerriss die Stille der Nacht. Jack Mulligans Kopf hing aus dem Fenster, von seinem Gesicht war nicht mehr viel zu erkennen. Buddy Johnson hing in seinem Sitz, Blut lief aus den Löchern in seiner Brust, hervorgerufen durch die Gewehrkugeln und die Splitter der zerschossenen Frontscheibe.

„Beeilung!“, trieb Hugh Kellermann die beiden anderen an.

Erst jetzt stieg ein vierter Mann aus dem Polizeiwagen, in dem er die ganze Zeit gesessen hatte. Mit einem zufriedenen Lächeln schaute er zu, wie die Straßensperre abgebaut und im Kofferraum verstaut wurde. Die beiden Uniformierten zogen die Toten aus dem Laster und schleppten sie auf das Maisfeld.

Kellermann setzte sich hinter das Lenkrad und startete den Motor. Der Mann aus dem Polizeiauto kam zu ihm. Er war gut eins achtzig groß, schlank und trug einen Hut, den er tief in die Stirn gezogen hatte. Sein Mantel war eine Spur eleganter, als der, den Kellermann anhatte, und mit Sicherheit auch

etliche Dollar teurer gewesen.

„Ihr wisst, was ihr zu tun habt“, sagte er.

„Alles klar, Boss“, nickte Hugh.

„Was ihr mit dem Whisky macht, ist eure Sache. Verkauft oder sauft ihn selbst. Den Wagen stellt ihr in der Nähe von Torellis Schuppen ab. Und dann verschwindet ihr eine Weile von der Oberfläche, bis Gras über die Sache gewachsen ist.“

„Geht klar, Boss“, nickte Hugh wieder und stieß einen Pfiff aus.

Die beiden ‚Polizisten’ kamen angelaufen. Eilig zogen sie die Uniformen aus, warfen sie zu der Straßensperre in den Kofferraum und schlüpften in ihre eigenen Sachen. Anschließend kletterten sie zu Kellermann in den Ford. Der große Mann wartete, bis die Rücklichter nicht mehr zu sehen waren, dann ging er zum Streifenwagen und stieg ein. Das Ganze hatte kaum mehr als zehn Minuten gedauert. Jetzt kam der zweite Teil des Unternehmens…

 

Big O’Brian saß in seinem Arbeitszimmer und zählte die Einnahmen. Neben den Einkünften aus illegalen Geschäften wie Prostitution und Glücksspiel brachte ihm der Schmuggel mit illegal gebranntem Alkohol den meisten Profit. Mit der Lieferung von heute Nacht würde sein Vermögen wieder um ein beträchtliches Sümmchen anwachsen.

Und O’Brian liebte diese wunderbaren grünen Scheine über alles!

Sein Großvater war aus Irland nach Amerika ausgewandert, in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wie es hieß. Aber der alte Mann hatte schnell feststellen müssen, dass seine Möglichkeiten sehr begrenzt waren. Nach New York und Detroit war er schließlich in Chicago gelandet, hatte sich als Arbeiter in den Docks den Rücken krumm geschuftet und war doch auf keinen grünen Zweig gekommen. Seinem Sohn, der wie alle männlichen O’Brians ebenfalls auf den Namen John getauft worden war, erging es nicht viel besser. Wie sein Vater arbeitete er auch im Hafen und hatte ebenso Mühe, seine Familie über die Runden zu bringen. Erst der dritte John O’Brian durchbrach den Kreislauf von Armut und Elend. Schon früh hatte der spätere Gangsterboss erkannt, dass mit ehrlicher Arbeit nichts zu gewinnen war. Mit vierzehn schloss er sich einer Jugendbande an und brachte es schon bald durch besonderes Draufgängertum und Brutalität zum Anführer der Gang. Mit achtzehn besaß er seinen ersten Spielklub und mit Zwanzig war er der jüngste Unterweltboss von Chicago. Eine Menge harter Jungs arbeitete für ihn, und noch mehr Frauen sorgten dafür, dass der Geldstrom, der in O’Brians Taschen floss, nicht versiegte. Ehrfurchtsvoll nannte man ihn seitdem ‚The Big’.

Als die Regierung dann die Prohibition verkündete, blühte das Geschäft noch mehr auf. Ganze Wagenladungen illegal gebrannten Schnaps’ wurden in die Stadt geschmuggelt, um die durstigen Kehlen zu befriedigen. Inzwischen teilten sich im Wesentlichen zwei Organisationen den Kuchen. Zum einen die von Big O’Brian und die des italienischstämmigen Franco Torelli. Hinzu kamen zwar noch ein paar kleine Banden, die versuchten, sich ihren Teil zu sichern, aber sie spielten im Grund keine große Rolle.

O’Brian zog an seiner Zigarre und paffte den Rauch genüsslich aus. Es hatte lange gedauert, bis er sich so eine exquisite Havanna leisten konnte, aber jetzt war er obenauf, und niemand würde ihn von diesem Sockel stürzen können.

Es klopfte an der Tür, und Marvin Kennedy steckte seinen Kopf herein.

„Was gibt’s?“, fragte John knapp.

Kennedy war seine rechte Hand und Stellvertreter. Sein ohnehin zerquetschtes Gesicht, das von einer fünf Zentimeter langen Narbe verziert wurde, die quer über seine rechte Wange lief, machte einen bekümmerten Eindruck.

„Schlechte Neuigkeiten, Boss“, antwortete er und biss sich auf die Lippe, weil er wusste, dass O’Brian auf schlechte Nachrichten immer mit einem Wutausbruch reagierte. „Der Transport…“

„Was ist mit ihm?“

„Er ist überfallen worden…“, kam es zögernd über die Marvins Lippen.

„Einer unsrer Jungs kam eben damit an.“

Big O’Brian war wie vom Donner gerührt. Es dauerte einige Sekunden, bis er diese Nachricht verdaut hatte. Dann schlug er mit der Rechten auf den Schreibtisch, dass das halbvolle Whiskyglas hüpfte, und ein Teil des Inhalts auf die Geldscheine spritzte.

„Wer zum Teufel…?“

Marvin Kennedy hatte die Tür hinter sich geschlossen. Seine Knie zitterten ein wenig, als er näher an den Tisch trat.

„ Torelli steckt dahinter“, sagte er hastig. „Der Wagen wurde draußen bei seinen Schuppen gefunden. Leer natürlich.“

„Was ist mit Jack und Buddy?“, wollte der Boss wissen.

Sein Stellvertreter schluckte mühsam den dicken Kloß hinunter, der in seinem Hals steckte.

„Die Frontscheibe ist zerschossen, und in den Sitzen stecken jede Menge Kugel. So wie’s aussieht, hat’s die beiden erwischt.“

Big O’Brian nahm das Glas und trank einen Schluck. Dann zog er tief die Luft ein und nickte.

„Okay“, sagte er mit gefährlich leiser Stimme. „Hol’ Lefty und die anderen Jungs. Jetzt gibt’s Krieg!“

 

In der Stadt der Klubs und Theater war ‚The Golden Vanity’ eine Ausnahmeerscheinung an der East Madison. Vor dem beleuchteten Haus stand eine Reihe teurer Limousinen, deren Besitzer sich im großen Saal zwischen Kristalllüstern und Spiegeln in bequemen Plüschsesseln, die um runde Tische platziert waren, vergnügten. Auf der großen Bühne, die die gesamte Rückfront einnahm wurde internationale Unterhaltung geboten, wie das Plakat im Glaskasten vor der Tür verkündete.

Hinein kam in den Klub längst nicht jeder. Ein ‚Gorilla’ in der Fantasieuniform eines Admirals, vielleicht auch Zirkusdirektors, achtete darauf dafür, dass nur eine ausgewählte Klientel das exklusive Etablissement betrat, und wenn jemand glaubte, sich über dieses Auswahlverfahren hinwegsetzen zu können, dann sorgte der 38er unter dem linken Arm des Türstehers dafür, dass den Worten seines Besitzers Nachdruck verliehen wurde.

Als Inhaber fungierte ein gewisser Salvatore Santis, Sohn italienischer Einwanderer, der es vom Koch eines Spaghettirestaurants zum bekanntesten Klubbesitzer Chicagos gebracht hatte. Allerdings wussten Eingeweihte, dass das ‚Vanity’ Franco Torelli gehörte, der Santis lediglich als Strohmann eingesetzt hatte.

Die Gäste saßen an kleinen Tischen, tranken verbotenen Whisky und stellten ihren Reichtum zur Schau. Auf der Bühne waren die gut aussehenden Girls bemüht, sich ihrer ohnehin kaum vorhandenen Kleidungsstücke mehr oder weniger kunstfertig zu entledigen und sie in die Menge zu werfen. Die Luft war rauch- und alkoholgeschwängert, und die anwesenden Ladys und Gentlemen geizten nicht mit Dollarscheinen. An einigen Tischen wurde gespielt, Poker und Black Jack, und hinter dem großen Spiegel, der an der rechten Seite angebracht war, befand sich Santis’ Büro, von dem aus er den Betrieb beobachten konnte.

Das Büro war elegant eingerichtet, mit einer Bar und einer bequemen Sitzecke. Salvatore saß hinter seinem Schreibtisch und nickte nur hin und wieder, wenn Anni ihm eine Frage stellte.

Die Blondine mit den üppigen Kurven räkelte sich auf einer weichen Couch und feilte an ihren Fingernägeln. Ihr Schmollmund öffnete sich und zeigte eine Reihe blitzweißer Zähne.

„Wann machen wir endlich den Ausflug mit der Jacht, Sweetheart?“, fragte sie zum hundertsten Mal mit hoher Lispelstimme. „Du hast es mir schon so oft versprochen und nie hältst du Wort!“

„Sonntag, Cara mia“, erwiderte Salvatore geistesabwesend, während er sich einen Whisky eingoss und gleichzeitig durch den Spiegel schaute. „Ganz bestimmt, Sonntag fahren wir.“

Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, als er den großen, breitschultrigen Mann sah, der den Klub eben betreten hatte.

Das war doch einer von O’Brians Männern!

Was wollte der Kerl hier? Stunk machen?

Santis, er war klein und hager, besaß aber die Schnelligkeit und Verbissenheit eines Terriers, schob sich hinter seinem Schreibtisch hervor. Er musste nach draußen. Wenn es Ärger gab, dann wollte er dabei sein.

Anni schmollte, als er an ihr vorüberging, ohne sie zu beachten. Er griff nach der Tür und öffnete sie. Als er sie wieder hinter sich ins Schloss zog, krachten im Saal die ersten Schüsse. Mit einem Rundblick erkannte er die Lage und wurde kreidebleich.

Luigi kam herbeigelaufen, Santis’ Leibwächter.

„Deckung, Boss!“, brüllte er. „Das ist ein Überfall!“

Instinktiv sackte Salvatore in sich zusammen. Ohnmächtig musste er mit ansehen, wie zehn oder mehr Männer, in schwarze Mäntel gekleidet, dunkle Hüte auf den Köpfen, deren Krempen sie so tief heruntergezogen hatten, dass ihre Gesichter nicht zu erkennen waren, das ‚Vanity’ unter Beschuss nahmen.

Die Zuschauer waren aufgesprungen, als die Schüsse fielen. Jetzt breitete sich Panik aus, und die Gäste suchten ihr Heil in der Flucht oder gingen unter den Tischen und hinter den Sesseln in Deckung. Glas splitterte, die zerstörten Kristalllüster hingen halb von der Decke herunter, und auf der Empore, wo das Orchester saß, hatten die Kugeln aus den Maschinengewehren das Schlagzeug zerfetzt und den großen Kontrabass durchlöchert. Hinter der mit Spiegeln ausgestatteten Bar stand das Regal mit den Flaschen, keine einzige davon war mehr heil, die Spiegel schon gar nicht. Der Geruch von Whisky breitete sich aus.

Einer der Männer trat an einen der Tische. Salvatore sah entsetzt, wie er einen Revolver zog und auf jemanden richtete, der am Boden lag. Der Boss des ‚Vanity’ konnte nicht genau erkennen, wer es war, aber er ahnte, dass es die letzte Sekunde im Leben dieses Mannes sein würde. Der Schlanke zielte

genau und zog dann durch. Der Schuss krachte, und Blut spritzte auf.

Die anderen Schwarzgekleideten vollendeten ihr Werk. Einer von ihnen trat an den Tresen, hinter dem ein Angestellter die Kasse verwahrte, und griff nach dem Inhalt. Er stopfte ihn in einen Beutel, den Rest in seine Manteltaschen, dann drehte er sich um und gab den anderen ein Zeichen, zu verschwinden.

Die Gangster hatten sich beeilt, den verängstigten Gästen Bargeld, Schmuck und Uhren abzunehmen. Niemand wehrte sich, sie alle waren heilfroh, mit dem Leben davongekommen zu sein.

Dann war der Spuk so schnell vorbei, wie er begonnen hatte. Der Todesschütze blieb einen kurzen Moment an der Tür stehen, warf einen Blick auf Salvatore, der krampfhaft überlegte, wer dieser Typ sein mochte, dann verschwand er nach draußen.

Minuten später jagten die ersten Polizeiwagen die East Madison hinauf. Aber da waren die Gangster schon längst über alle Berge.

 

Der Überfall auf das ‚Vanity’ beherrschte am nächsten Morgen die Schlagzeile der ‚Tribune’. Als ich ins Büro kam, saß Jenny hinter ihrem Schreibtisch und blätterte in der Zeitung. Ich hatte die Neuigkeit schon in der Nacht gehört, als ich ‚Chubby’ in seinem Schuppen, in dem der Fettwanst verbotenen Alkohol ausschenkte, einen Besuch abstattete.

„Irgendwas Interessantes?“, fragte ich dennoch und warf meinen Hut mit einer gekonnten Handbewegung auf den Haken des Kleiderständers. Ich setzte mich und sah sie an.

Jenny faltete die Zeitung zusammen und tippte auf einen Stapel Briefe der darunter lag.

„Die Post ist da“, sagte sie überflüssigerweise.

Ich stöhnte innerlich auf. Wahrscheinlich nur unbezahlte Rechnungen und Mahnungen der Hausverwaltung.

Die konnten warten. Viel wichtiger war, dass ich endlich einen neuen Job

bekam, sonst war Ebbe in der Kasse und ich konnte nicht nur nicht die Miete für das Büro aufbringen, auch meine Sekretärin würde auf ihr Gehalt verzichten müssen.

Ich sah die Briefe kurz durch, ohne einen davon zu öffnen. Wie immer hatte meine Ahnung mich nicht getrogen. Seufzend setzte ich mich hinter meinen Schreibtisch und lehnte mich zurück.

„Das ‚Vanity’ ist überfallen worden“, bemerkte Jenny. „Die Gangster haben alles kurz und klein geschossen und auch noch die Gäste ausgeraubt.“

Ich nickte stumm.

„Außerdem ist ein Mann erschossen worden“, fuhr sie fort und betrachtete dabei angelegentlich ihre Fingernägel. „Captain Murphy wird in der ‚Tribune’ zitiert. Er spricht von einer regelrechten Hinrichtung.“

„Und hat er auch schon eine heiße Spur?“

„Santis hat ausgesagt, dass es O’Brians Männer waren, die den Klub überfallen haben.“

Ich runzelte die Stirn.

Warum sollte Big O’Brian das tun?, fragte ich mich.

Die beiden Gangs, die sich den Kuchen teilten, hatten ihre eingegrenzten Bezirke. Es war ein unausgesprochenes Gesetz, dass niemand in den Gewässern des anderes fischte. Es gab also keine logische Erklärung dafür, dass es die Iren gewesen sein sollten, die das ‚Vanity’ auseinander genommen hatten. Außer, da war ein ganz dickes Ding im Gange…

Hatte Torelli vielleicht doch in O’Brians Machtbereich gewildert, und ‚The Big’ daraufhin zurückgeschlagen?

Unwillkürlich bekam ich ein mulmiges Gefühl, denn das bedeutete Krieg zwischen den Banden!

Ich warf einen Blick zur Tür. Dort zeichnete sich hinter der Glasscheibe, mit der Aufschrift: ‚Johnny Diamond – private Ermittlungen’, ein dunkler Schatten ab.

Der Schatten einer Frau, wie die Umrisse verrieten. Gleich darauf klopfte es.

„Es ist offen“, rief ich und sah, wie der Knauf herumgedreht wurde.

Jenny richtete sich auf, ich nahm meine Füße vom Schreibtisch und zog meine Krawatte zurecht.

Sie war schlank und trug einen dunklen, offenen Mantel. Die blonden Haare hingen in Locken auf ihren Schultern, der Kopf wurde von einem breitkrempigen Hut bedeckt. Unter dem Mantel hatte sie ein Kostüm an, schwarz, wie ihre Bluse, die von einer goldenen Brosche geziert wurde.

„Mr Diamond?“, fragte sie mit einer leicht rauchigen Stimme.

„Der bin ich, Madame“, nickte ich. „Was kann ich für Sie tun?“

Sie hatte die Tür hinter sich geschlossen und trat an meinen Schreibtisch. Ich stand rasch auf, deutete auf den Stuhl davor und bat sie, Platz zu nehmen. Sie tat es in der typischen Art, wie Leute sich zu setzen pflegten, wenn sie sich zum ersten Mal in einer fremden Umgebung befinden; aufrecht und angespannt, nur halb auf dem Sitz.

Ich nickte mit dem Kopf zu Jenny.

„Miss Potter, meine Sekretärin“, stellte ich sie vor.

Die Frau, die ein ausgesprochen schönes Gesicht hatte, nickte ihr zu, dann räusperte sie sich.

„Mein Name ist Dorothee Brennan“, sagte sie. „Ich möchte, dass Sie den Mörder meines Vaters finden.“

Ich schluckte überrascht. Walter Brennan war der Mann, der in der letzten Nacht im ‚Vanity’ erschossen worden war.

„Nun… äh, Miss Brennan…“, stotterte ich, „das ist nicht…“

E

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