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Rendezvous der außergewöhnlichen Art

Inhaltsverzeichnis

Eine unvorhergesehene Begegnung

Auf dem Weg zum Straßenmusikanten

Vorbereitung ins Ungewisse

Start der Mission >Impossible<

Rendezvous der ungewöhnlichen Art

Der fünfte Bremer Stadtmusikant

Der begnadete >Orgelpianist<

Auch Hamburg bleibt nicht verschont

Und wieder grüßt das Murmeltier

… und die Hoffnung bleibt, bis zuletzt!

Eine unvorhergesehene Begegnung

Schweren Schrittes ging Patrick an dem Foyer vorbei die nostalgisch anmutende Treppe zum zweiten Obergeschoss empor. Die Wachmannschaft sowie das Personal an der Auskunft wunderten sich schon lange nicht mehr darüber, dass ihr Chef, Herr Dr. Patrick Zuffenhausen, auf dem Weg zu seinem Büro selten den Fahrstuhl benutzt.

Was sie indessen heute Morgen vorübergehend zum Erstaunen brachte, war zweifellos die Tatsache, dass er sich irgendwie gedanklich abwesend präsentierte, zumindest sehr zurückhaltend auftrat.

Ausgerechnet er, der in der Vergangenheit bisher uneingeschränkt seine zuvorkommende und aufgeschlossene Art allen Angestellten gegenüber unter Beweis stellte und zudem des Öfteren mit ihnen ein kurzes Gespräch führte.

Heute dagegen verhielt er sich zweifelsohne vollkommen anders. Er grüßte zwar freundlich, ging ansonsten aber ungewohnt wortkarg an ihnen vorbei. Überdies schien er enorme Mühe zu haben, dies war vermutlich für jeden ersichtlich, der sich zurzeit im Foyer aufhielt, die offene Treppe emporzusteigen, die zu den Büros ins dritte Obergeschoss führte, denn zwischendurch kam er leicht ins Straucheln.

Gleichwohl wären die Herren vom Wachpersonal, die den Vorgang besonders aufmerksam verfolgten, obendrein vorübergehend ihrem Chef zur Hilfe eilen wollten, der aber unmissverständlich abwinkte, in dem Moment falsch beraten, wenn sie daraufhin mutmaßen würden, dass dessen unübersehbares Problem auf einen körperlichen Engpass zurückzuführen sei.

Nein, der Fall lag gänzlich anders, denn seine scheinbaren Koordinierungsschwierigkeiten, vermutlich sogar sein reserviertes Verhalten, beruhten auf einer reinen Unkonzentriertheit. Allerdings war ihm bisher weder das eine noch das andere bewusst.

Das änderte sich jedoch schlagartig, als ihm die letzte Stufe zum dritten Stockwerk fast zum Verhängnis geworden wäre. Zum Glück tatsächlich nur beinahe, denn er konnte sich, nachdem er vorher gehörig ins Stolpern gekommen war, so gerade noch am Treppengeländer festhalten.

Als Patrick danach, wahrscheinlich irgendwie instinktiv, abermals in das Foyer hinunterblickte, glaubte er ein ungewöhnliches, dazu sehr deutliches und darüber hinaus neugieriges Verhalten des Wachpersonals, immerhin im Nachhinein zusätzlich deren Hilfsbereitschaft, zu erkennen.

Während er sich daraufhin genötigt fühlte, ihnen augenblicklich freundlich zuzuwinken, argwöhnte er direkt, dass die bevorstehende Besprechung mit seinem Führungspersonal seine Leistungsfähigkeit zurzeit, sowohl motorisch als auch mental, äußerst ungünstig zu beeinflussen schien.

Er mutmaßte auch sogleich, dass haargenau diese Beeinträchtigungen seine nicht unerheblichen sowie unverkennbaren Schwierigkeiten beim Treppensteigen hervorgerufen haben könnten.

Augenblicklich musste er sich eingestehen, dass ihn die einberufene Sitzung seit dem Moment intensiv in Atem hält, als ihn gestern der Leiter der Personalabteilung darüber informierte und zudem eindringlich bat, insbesondere aufgrund möglicher Entscheidungen, die durchaus eine gewisse Brisanz hervorbringen könnten, unbedingt daran teilzunehmen.

Weil der Personalleiter ihn im Laufe des Gespräches schließlich davon überzeugen konnte, dass seine Anwesenheit genau genommen unausweichlich sei, blieb ihm nichts anderes übrig, als zu guter Letzt wohl oder übel seine Teilnahme zuzusagen.

Obwohl Patrick, nachdem er über die zu besprechende Problematik in Kenntnis gesetzt wurde, sich zu der Angelegenheit sehr schnell eine eindeutige Meinung – wenn auch bisher eher grundsätzlicher Art – hat bilden können, bekam er die bevorstehende Besprechung mit den Führungskräften seiner Firma nicht mehr aus seinen Gedanken.

Augenblicklich musste er jedoch einschränkend zugeben, während er noch einmal den gesamten Ablauf Revue passieren ließ, dass er seinen Lösungsansatz im Betrieb bisher mitnichten hat artikulieren können und dieser zudem auf einem eher groben Kenntnisstand beruhte.

Fest stand immerhin, dass sie sich gleich mit einem Ereignis auseinandersetzen müssen, von dem ihm bisher nur bekannt war, dass es zu einem handfesten Streit zwischen den Betriebsangehörigen Meister Gallig und der Fabrikarbeiterin Frau Leipold gekommen sein soll.

Über den detaillierten Hergang der Ereignisse wurde er zwar bisher nicht informiert, gleichwohl befürchtete er allein aufgrund der ihm bisher übermittelten Informationen, dass die Besprechung äußerst unerfreulich werden könnte.

Auf dem Weg dorthin, mittlerweile schritt er den langen Flur entlang, an dessen Ende sich das Büro des Produktionsleiters befand, überlegte Patrick intensiv, wie er seine Vorstellungen dem Leiter der Produktion, Herrn Dr. Kleinholz, sowie dem Chef der Personalverwaltung, Herrn Hansen, möglichst geschickt vermitteln kann, ohne sie zu verärgern.

Zurzeit befürchtete er allerdings, beide könnten darauf bestehen, das Beschäftigungsverhältnis mit den an der Auseinandersetzung beteiligten Personen zu beenden.

Zumindest mit Meister Gallig, da dieser dabei ziemlich schlagkräftig agiert haben soll.

Obwohl Patrick in der Vergangenheit bei anliegenden Personalentscheidungen größtenteils versucht hat, diese seinem Führungspersonal zu überlassen, wird er in der jetzigen Entscheidungsfindung gravierend eingreifen müssen, sollten sein Produktionsleiter und der Personalchef definitiv weiterhin beabsichtigen, eine oder schlimmstenfalls beide an der besagten Auseinandersetzung beteiligten Personen zu entlassen.

Letzten Endes verfügt er als Firmeninhaber selbstverständlich über die Möglichkeit, genau dieses zu unterbinden, da bei einer Kündigung seitens des Betriebes – eine Maßnahme, die glücklicherweise in der Firma bisher sehr selten angewendet werden musste – grundsätzlich seine Zustimmung benötigt wird.

Sie tatsächlich zu leisten, daran dachte Patrick gegenwärtig mit keinem Wimpernschlag. Im Grunde genommen lehnte er eine solche Vorgehensweise seit jeher konsequent ab, sah zudem keine Veranlassung, in Zukunft von seiner Überzeugung abzuweichen.

Es sei denn, eine Möglichkeit hielt er sich dennoch offen, völlig inakzeptable Vorkommnisse würden eine derartige Maßnahme quasi herausfordern. Bei seinem gegenwärtigen Kenntnisstand über die in der Besprechung zu beratenden Vorkommnisse sah er jedoch ebendies keineswegs als gegeben an.

Eine Entlassung ist nun mal ein dermaßen persönlicher Einschnitt in dem Leben des Betroffenen, sodass er alle ihm zur Verfügung stehenden Mitteln einsetzen wird, um eine solch gravierende Maßnahme zu umgehen.

In letzter Konsequenz wäre er nur bei einem sehr schwerwiegenden Ereignis bereit, eine solche Entscheidung mitzutragen.

Bezüglich der Auseinandersetzung, die sich zwischen Meister Gallig und Frau Leipold zugetragen hat, war er indessen, legte er seinen momentanen Kenntnisstand zugrunde, zurzeit eindeutig der Meinung, dass die darauffolgende Reaktion der Firma gemäßigt sein sollte.

Als Patrick den Bürokomplex seines Prokuristen betrat, wurde er sogleich von dessen Sekretärin lächelnd begrüßt. Er bekam schnell das Gefühl, dass Frau Kormig sein Eintreffen bereits erwartet hat.

»Guten Morgen! Herr Dr. Zuffenhausen, es sind alle Herren anwesend, gehen Sie doch bitte durch!«

»Einen wunderschönen Morgen wünsche ich Ihnen, liebe Frau Kormig. Ich muss gestehen, Sie sehen heute wieder ausgezeichnet aus. Zudem verwöhnen Sie mich erneut, überhaupt wie an jedem Tag, wenn ich Ihnen begegne, mit einem anmutigen Lächeln.

Frau Kormig, ich werde kaum umhinkommen, Sie dem Kleinholz abspenstig zu machen.«

»Oh, das wäre ausgezeichnet«, strahlte die Sekretärin ihren Chef nun geradezu an, bevor sie ihre Ausführungen präzisierte.

»Mit Herrn Kleinholz ist es des Öfteren sehr stressig. Ich befürchte nur, dass es dazu höchstwahrscheinlich nicht kommen wird, da Sie uns bedauerlicherweise sehr selten mit Ihrem Besuch beehren.«

Als die Sekretärin umgehend kicherte, konnte Patrick nicht anders, als seinerseits Frau Kormig tiefgründig anzulächeln. Er kam jedoch nicht mehr dazu, zu ihrer Aussage Stellung zu beziehen, weil plötzlich die Tür aufging, welche das Sekretariat mit dem Büro des Produktionsleiters verbindet, und dieser in das Vorzimmer eintrat.

»Hallo Patrick! Weißt du, ich dachte es mir gleich, dass du es bist, mit dem unsere liebe Frau Kormig sich dermaßen belustigend unterhält, da ich zu meinem Bedauern sehr selten in der Lage bin, sie zum Lachen zu bewegen.«

»Haha, mein lieber Fritz, dass du es nicht bist, hättest du eigentlich wissen müssen. Na ja, was das Lachen der lieben Frau Kormig betrifft, vielleicht ist sie dazu in deiner Nähe vor lauter Arbeit mitnichten in Stimmung.«

Während Frau Kormig und ihr Chef vorübergehend ziemlich laut lachten, Letzterer seltsamerweise – trotz seiner momentanen Gemütslage – sogar besonders intensiv, war dem Prokuristen keineswegs danach zumute, zumindest blieb vorerst sein Gesichtsausdruck ernst. Aber auch seine sonstigen Reaktionen ließ eher nicht darauf schließen, dass er die gegenwärtige Situation spaßig empfinden könnte, trotz seiner anfänglichen Äußerung.

»Hm, wie lustig! Na gut, dann lass uns in mein Büro gehen, wir sollten Frau Kormig nicht länger stören. Solange du in ihrer Nähe bist, kommt sie nie und nimmer zum Arbeiten.«

Während der Produktionsleiter sich ergänzend zu seinen ironischen Worten anfangs nur ein Augenzwinkern erlaubte, ließ er sich im Anschluss daran zu einem herzhaften Lachen hinreißen.

Seine Sekretärin war ebenfalls nicht imstande, sich diesbezüglich zurückzuhalten, immerhin agierte sie nun sehr bedacht. Trotz aller Unbekümmertheit, mit der sie gegenüber Herrn Dr. Zuffenhausen regelmäßig auftrat, wollte sie auf keinen Fall, unabhängig davon, dass dieser Umgang auf Gegenseitigkeit beruhte, übers Ziel hinausschießen.

Absolut nicht, er ist nun mal der Firmeninhaber und somit ihr oberster Chef.

Der wiederum lächelte augenblicklich in sich hinein, winkte noch einmal der Sekretärin zu und folgte dem Prokuristen ins Nebenzimmer.

In dem Moment, als er den Personalchef Hans Hansen sowie obendrein den Betriebsratsvorsitzenden Clemens Widerborst dort erblickte, Letzteren zu der Sitzung einzuladen, daran hätte er keineswegs gedacht, verflog allerdings seine gute Laune jäh. Ebenso konnte er nicht verhindern, dass er unweigerlich erneut ein mulmiges Gefühl verspürte.

»Guten Morgen, meine Herren«, begrüßte er daher etwas reserviert den Personalchef und den Betriebsratsvorsitzenden.

Zusätzlich mit Handschlag, denn die beiden Herren waren, unmittelbar nachdem die Tür aufging und er den Raum betreten hatte, aufgesprungen und ihm entgegengeeilt. Anschließend nahmen alle an dem runden Konferenztisch Platz.

Sie saßen gerade auf ihren Plätzen, als sich der Betriebsratsvorsitzende direkt zu Wort meldete.

»Herr Dr. Zuffenhausen, das geht auf keinen Fall, bei allem Respekt! Sie können unter keinen Umständen in Erwägung ziehen, schon gar nicht ohne mich vorher zu konsultieren, Herrn Gallig und Frau Leipold zu entlassen. Bei Kündigungen hat der Betriebsrat nach dem Betriebsverfassungsgesetz zweifelsohne Mitspracherecht.

Ich weiß zwar im Augenblick nicht genau, de facto recht unpräzise, was vorgefallen ist, fühle mich ungeachtet dessen dennoch verpflichtet, unverzüglich gehörige Skepsis anzumelden.«

»Widerborst, jetzt warte doch erst einmal unsere Besprechung ab! Es wird dir ja wohl kaum entgangen sein, dass wir noch gar nicht begonnen haben, die Sachlage zu erörtern.«

»Ganz ruhig Kleinholz! Ich melde, wie bereits erwähnt, vorerst ausschließlich meine Bedenken an, was mir zweifelsohne zusteht.

Unabhängig dessen habe ich, bei Lichte betrachtet, demgegenüber geradezu die Pflicht, unweigerlich Widerspruch gegenüber einer solch unüberlegten Maßnahme einzulegen, welche ihr, wie mir im Vorfeld berichtet wurde, tatsächlich durchzuführen beabsichtigt.

Trotz dieser minimalen Unkenntnis, die ich derzeit über das Vorgefallene habe.«

»Ach nee, ist das so?«

»Na schön, ich gebe zu, dass ich im Moment nur grobe Kenntnisse über eine Beleidigung seitens Frau Leipold in Erfahrung bringen konnte, zudem ist mir eine Handgreiflichkeit von Meister Gallig zu Ohren gekommen.«

»Hör zu, Widerborst, nun reicht es! Was bildest du dir ein, hier das Kommando zu übernehmen? Zweifelsohne steht es fürwahr unserem Firmeninhaber zu, diese Sitzung zu leiten. Sollte Herr Zuffenhausen sich jedoch mit dem Gedanken tragen, was ich mir übrigens sehr gut vorstellen kann, darauf zu verzichten, bleibt es in der Folge mir oder Hans überlassen, diese Diskussion zu führen.

Darum halte dich, Widerborst, unverzüglich vornehm zurück!«

»Kleinholz, das muss ich mir von dir unter keinen Umständen bieten lassen! Letztendlich bist du nicht mein Vorgesetzter, daher verbitte ich mir grundsätzlich solcherlei Anmaßungen!«

»Jetzt mal ganz ruhig! Eigentlich halte ich es zwar keineswegs für vernünftig, nun derart vom Thema abzuweichen, dennoch sehe ich mich nach deinen unqualifizierten Äußerungen dazu veranlasst, dich auf etwas Wesentliches aufmerksam zu machen.

Das heißt, es bestehen eindeutig keine Zweifel, dass die Betriebsleitung deine Freistellung jederzeit widerrufen kann. Exakt aus dem Grund sehe ich mich …«

»Fritz, das ist zwar richtig, entschuldige bitte, wenn ich dich unterbreche, nur gehört diese Diskussion zweifellos nicht zu unserem Thema am heutigen Morgen.

Im Übrigen hast du dies ja selbst erwähnt, deshalb lass es jetzt bitte gut sein!«

»Hans, einen Moment bitte! Ich halte es für sinnvoll, den Betriebsratsvorsitzenden zunächst einmal in die Schranken zu weisen, ansonsten können wir vermutlich keine konstruktive Unterhaltung führen. Infolgedessen werde ich …«

»Kleinholz, was bezweckst du gerade mit deinen Äußerungen, kannst du dem Ganzen irgendeinen Sinn zuordnen?«

»Widerborst, oder soll ich dich mit >Herr Betriebsratsvorsitzender< anreden, ich würde vorschlagen, du lässt mich ausreden, danach erübrigt sich jegliche Frage deinerseits!

Wie dir bekannt sein dürfte, hat unsere Firma zurzeit einhundertneunzig Mitarbeiter, dementgegen beträgt jedoch nach dem Betriebsverfassungsgesetz die Mindestanzahl, bei der eine Freistellung ohne Zustimmung des Betriebes möglich ist, exakt zweihundert.

Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte, dürfte …«

»Kleinholz, momentan reicht es mir aber! Dir ist doch hoffentlich bewusst, dass du soeben etwas Gravierendes verschweigst. Es sollte … «

»Widerborst, ich weiß natürlich, worauf du jetzt hinauswillst. Es ist mir selbstverständlich bekannt, dass der Betriebsrat, wenn die Anzahl der Beschäftigten derart nahe an die Mindestgrenze herankommt, wie es sich in unserer Firma zweifelsfrei verhält, die Möglichkeit hat, die für jene Problematik vorgesehene Einigungsstelle hinzuziehen.

Genau das habt ihr letztendlich auch getan, jedoch eindeutig ohne Erfolg. Wobei ich mich schon frage, warum ihr diesen Schritt gegangen seid, schließlich hatte dir die Betriebsleitung keine Steine in den Weg gelegt und deiner Freistellung zugestimmt.«

»Wovon redest du da? Das spielt hier doch keine …«

»Warte mal, gedulde dich einen Moment! Ich möchte noch etwas Wesentliches anmerken, selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole.

Wie du weißt, hat die Einigungsstelle damals formell bestätigt, dass zu deiner Freistellung auf jeden Fall das Einverständnis des Betriebes notwendig ist, zumal keine zwingende Ausnahmeregelung aus betrieblichen Gründen vorlag.

Bekanntermaßen hat sich deine Situation bisher keinesfalls geändert, demzufolge gilt die von mir dargelegte Rechtsprechung weiterhin, also mäßige dich augenblicklich!«

»Jetzt mach aber schnellstens einen Punkt, Kleinholz, und komm mir hier bloß nicht mit der kleinkarierten Auslegung des Betriebsverfassungsgesetzes! Außerdem ist das durchaus nicht die höchste Instanz in dieser Angelegenheit.«

»Da muss ich dir recht geben, gleichwohl hat dir deren Rechtsprechung ebenfalls nichts genutzt. Wie du weißt, ist das Arbeitsgericht zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie zuvor die Einigungsstelle.

Das heißt, dass deine Freistellung nur auf Empfehlung und letztendlich auf Zustimmung von Herrn Dr. Zuffenhausen erfolgen kann.

Außerdem, das sollte meines Erachtens nicht unerwähnt bleiben, hat der Betrieb durchaus die Möglichkeit, den momentan vorherrschenden Zustand jederzeit rückgängig zu machen. Unmissverständlich formuliert, wärst du dann wieder ausschließlich Produktionsarbeiter und ich demnach dein Vorgesetzter. Daher sei mit deinen Ausführungen etwas zurückhaltender, darauf reagiere ich ganz empfindlich!«

»Also wirklich, Kleinholz, drohe mir bloß nicht! Außerdem, wann bist du endlich fertig mit deinem quälenden, dazu unhaltbaren Monolog?«

»Ganz ruhig, das war es im Wesentlichen, was ich dir näherbringen wollte, obwohl jener Sachverhalt, wie bereits gesagt, dir bekannt sein müsste!

Damit du jetzt keineswegs auf falsche Gedanken kommst, möchte ich in diesem Zusammenhang zudem darauf hinweisen, dass meine Ausführungen getrennt von den Aufgaben zu sehen sind, denen sich nach dem Betriebsverfassungsgesetz die Betriebsräte, die nicht freigestellt wurden, zweifellos widmen dürfen.«

»Jetzt pass mal auf, Kleinholz, ich werde …«

»Schluss jetzt! Wenn Sie so weitermachen, Herr Betriebsratsvorsitzender, muss ich zu meinem Bedauern darauf bestehen, dass Sie den Raum verlassen. Das gilt allerdings gleichermaßen für dich Fritz, nichts für ungut.«

Nun hielt Patrick kurz inne, aber auch die anderen schwiegen im Folgenden. Ihnen war anzusehen, dass sie momentan etwas irritiert waren, besonders aufgrund der durchaus ungewohnten Wortwahl ihres Chefs, aber auch wegen dessen eindeutig gereizten Tones, den er soeben an den Tag gelegt hatte.

Aufgrund dessen dürfte momentan wohl niemand von ihnen daran zweifeln, dass Herr Zuffenhausen im Augenblick leicht verärgert war. Des Weiteren werden sie erkannt haben, dass man seine Worte durchaus als >Ansage< verstehen sollte.

Bevor Patrick fortfuhr, schaute er seinen Produktionsleiter kurz vorwurfsvoll an, um anschließend noch dem Betriebsratsvorsitzenden einen Blick zuzuwerfen, den man durchaus als unwirsch bezeichnen könnte.

Zu Letzterem ließ Patrick sich wahrscheinlich deshalb hinreißen, weil er den Ton des Betriebsrates im Nachhinein als zu aggressiv beurteilte.

»Meine Herren, ich habe überhaupt kein Interesse, aber absolut nicht, euren Ränkespielen beizuwohnen. Solltet ihr nicht unverzüglich davon Abstand nehmen, werde ich einzig und allein mit unserem Personalleiter beratschlagen, wie das aktuelle Problem am besten zu handhaben ist.

Weiterhin möchte ich hiermit zur Kenntnis geben, dass ich meines Erachtens bereits angemessene Vorstellungen – wenn zurzeit auch eher grundsätzlicher Art – darüber habe, wie wir vorgehen sollten.

Bevor ich aber deren Umsetzung einfach anordne, bevorzuge ich es, erst einmal abzuwarten, ob ihr mich mit stichhaltigen Argumenten anderweitig überzeugen und damit gleichzeitig umstimmen könnt.

Vor allen Dingen deshalb, da ich im Detail noch Wissenslücken habe.«

»Aber Herr Zuffenhausen, so …«

»Moment, eines möchte ich doch mal klarstellen, Herr Betriebsratsvorsitzender! Ich habe mich bisher mit keiner Silbe zu diesem Fall geäußert und überdies in keiner Weise in Erwägung gezogen, geschweige denn veranlasst, Herrn Gallig zu entlassen. Ich weiß ernsthaft nicht, was Sie verleitet hat, solch eine Aussage zu tätigen.«

»Patrick, ich bitte dich! Zweifellos habe ich Prokura, insofern kannst du ja wohl keinesfalls Überlegungen anstellen, vielleicht müsste ich sogar gegenwärtig den Begriff Drohung verbalisieren, mich hier rauszuschmeißen, obendrein aus meinem Büro!«

»Bei mir liegt der Fall wiederum ganz anders, Firmenchef hin oder her. Ich bin völlig autark und eigenständig in meinen Handlungen, immerhin bin ich freigestellt und eine Rückversetzung ist keineswegs von heute auf morgen möglich. Was Kleinholz soeben von sich gegeben hat, lass ich tunlichst völlig unberücksichtigt.

Um es mal ganz deutlich herauszustellen, schon gar nicht sind Sie befugt, mich ohne Weiteres aus dem Betrieb zu entfernen.

Kurz und gut, ich setze nunmehr voraus, dass ich das soeben ein für alle Mal geklärt habe. Für meine Aussage bezüglich der geplanten Entlassungen möchte ich mich dagegen auf jeden Fall entschuldigen.

Zumindest was Sie betrifft, Herr Dr. Zuffenhausen, zumal ich da anscheinend einer Fehlinformation erlegen bin, indem ich dachte, dass Sie diesbezüglich ebenfalls involviert seien.«

»Herr Betriebsratsvorsitzender, so langsam reicht mir Ihr Ton, erst recht Ihre Wortwahl. Da mir derzeit überhaupt nicht danach ist, um den heißen Brei herumzureden, werde ich umgehend sehr direkt.

Wenn Sie mich noch einmal derart angehen und ferner hier solch ein großspuriges Gehabe an den Tag legen, werde ich, ungeachtet dessen, dass Sie sich soeben für ihre vorherige Aussage, die mich betraf, entschuldigt haben, Ihre Freistellung kurzerhand rückgängig machen, und zwar definitiv.

Ich bin keineswegs gewillt, um das noch einmal besonders zu betonen, ein solches Verhalten, wie Sie es hier zurzeit praktizieren, länger hinzunehmen, unabhängig von der Tatsache, dass es zudem völlig an der Realität vorbeigeht.«

»Patrick, in der Sache muss ich dir uneingeschränkt zustimmen. Eine Frage, spinnt ihr jetzt völlig?

Entschuldige bitte Patrick, ich meine natürlich ausschließlich unsere beiden Komiker hier. Um deren vollkommen unnötiges Streitgespräch, obendrein ist es zurzeit auch noch absolut deplatziert, schleunigst zu beenden, werde ich nun komprimiert, Patrick, dein Einverständnis vorausgesetzt, etwas zu den von euch dargestellten Abhandlungen hinzufügen.

Zuerst zu dir, Herr Produktionsleiter! Erstens bist du nur Prokurist, so lange der Chef dich in dieser Funktion belässt, zweitens wäre es für ihn ganz einfach, dich zu entlassen. Auf eine nähere Begründung möchte ich aufgrund der momentanen Umstände verzichten.

Allerdings weiß ich natürlich, dass Patrick jenes selbst im Traum nicht in Betracht ziehen würde.

Was dich angeht, du selbsternannter Komiker von Betriebsrat, erlaube ich mir gegenwärtig, entschuldige bitte Patrick, einmal ganz deutlich zu werden!

Also, die Ausführungen von unserem Produktionsleiter sind, was deine Funktion und Stellung hier im Betrieb angeht, exakt richtig. Du bist freigestellt, weil die Firma es dir ermöglicht, jedoch auf freiwilliger Basis, es besteht dazu kein rechtlicher Hintergrund.

Mittlerweile müsstest selbst du, wobei ich das jetzt nicht beleidigend meine, diesen Sachverhalt verstanden haben.

Nichtsdestotrotz sehe ich absolut keinen Zusammenhang zwischen eurem Gerede, Fritz, entschuldige, aber da muss ich dich nun miteinbeziehen, und unserem momentanen Problem. Daher lasst uns endlich damit beginnen, dies konstruktiv zu lösen, zudem ich absolut keine Zeit habe, mir stundenlang eure unsinnigen Streitigkeiten und Machtspiele anzuhören.

Chef, du bist hierbei selbstverständlich erneut ausgeschlossen.«

»Danke für deine Worte, Hans, ich sehe das genauso. Präzise ausgedrückt, möchte ich das Thema ebenfalls schnell zum Abschluss bringen. Vielleicht erzählst du mir in wenigen Worten, Hans, was definitiv vorgefallen ist, mir fehlen zumindest Detailinformationen.«

»Sehr gern Patrick. Gut, Kernpunkt der Sachlage ist, dass Meister Gallig seine Mitarbeiterin Frau Leipold geschlagen hat. Diesbezüglich gibt es außer mir, ich war zu dem Zeitpunkt zufällig in der Nähe, zehn weitere Personen, die den Vorgang gleichermaßen beobachten konnten.

Darüber sollten wir meines Erachtens unter keinen Umständen hinwegsehen, dies könnte die Moral, aber auch das Rechtsverständnis der anderen Betriebsangehörigen negativ beeinflussen. Eine mögliche zivile Klage von Frau Leipold lass ich einfach mal unberücksichtigt, da dies zugegebenermaßen für den Betrieb nur sekundär wäre.

Letztendlich bin ich der Meinung, dass wir diesen Zwischenfall keineswegs unter den Teppich kehren dürfen und halte es demzufolge für angebracht, Fritz ist übrigens derselben Auffassung, Patrick, zumindest den Gallig zu entlassen.

Glaubt mir, die Mitarbeiter sind ganz gespannt, wie wir darauf reagieren, besonders die Mitarbeiterinnen. Das besagte Ereignis ist immer noch Tagesgespräch.«

»Einerseits muss ich dir recht geben, Hans, ein derartiges Verhalten ist beileibe unakzeptabel, daher bin ich auch grundsätzlich deiner Meinung, was die Entlassung der beiden angeht.

Andererseits dürfen wir jedoch Patrick die Tatsache nicht verschweigen, dass Frau Leipold unverfroren Meister Gallig, bevor er handgreiflich wurde, als >Arschloch< betitelt hat, nachdem der ihr wiederum sehr deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass sie die Rollen falsch beklebt hätte.«

»Danke für den Einwand Fritz, deine Aussage hat meine Meinung soeben zweifellos gefestigt. Ich denke, dass wir auf jeden Fall bei beiden eine Abmahnung in Erwägung ziehen sollten, eventuelle zusätzliche Schritte können wir uns ja obendrein noch überlegen.

Allerdings erwäge ich keineswegs, um das gleich vorwegzunehmen, eine Entlassung der Mitarbeiter.

Bei Frau Leipold hielte ich eine solche Maßnahme sogar für total überzogen, aber selbst beim Gallig bin ich eher nicht dafür, weil man seine Tätlichkeit im Übrigen zweifelsfrei als eine im Affekt begangene Handlung deuten kann.«

»Patrick, bezüglich deiner letzten Aussage bin ich vollkommen deiner Meinung, trotzdem sehe ich zurzeit keine andere Möglichkeit, als ihn zu entlassen.

Allerdings setzt ein solches Vorgehen dein Einverständnis voraus, daher wäre es sinnvoll, wenn du uns kurz mitteilst, wie du dir die weiteren Schritte vorstellst.«

»Ok, Herr Dr. Zuffenhausen, wenn ich mich mal kurz einbringen darf. Ich finde Ihren Vorschlag eine Überlegung wert, selbst wenn ich den Vorgang nicht mit den Augen eines Betriebsrates betrachten würde.«

»Das freut mich, Herr Betriebsratsvorsitzender, dass Sie mir zustimmen. Zu Meister Gallig habe ich noch eine Frage an dich, Hans. In deiner Funktion als Personalleiter wirst du am ehesten in der Lage sein, mir diese zu beantworten.

Hat er Familie?«

»Zweifellos Patrick, er ist verheiratet und hat zwei schulpflichtige Kinder.«

»Tja, aufgrund dieser Tatsache sehe ich unseren Handlungsspielraum massiv eingeschränkt, da eine Entlassung von Meister Gallig für mich nun endgültig nicht mehr in Frage kommt!

Ich muss aber zugeben, dass bis soeben eine Chance bestand, wenngleich die sehr gering war, mich diesbezüglich umzustimmen. Natürlich je nachdem, welche zusätzlichen Details ihr mir über den Vorfall noch hättet berichten können, jedoch ist diese Möglichkeit nach der Information über seinen familiären Hintergrund nun so oder so unwiderruflich hinfällig geworden.

Im Klartext, eine Entlassung – das gilt für beide betroffenen Personen – ist für mich spätestens jetzt vollkommen ausgeschlossen. Ich bin der Meinung, wir sollten …«

»Chef, vorab möchte ich mich herzlichst bedanken, gleicherweise im Namen von Meister Gallig. Entschuldigen Sie, dass ich Ihre Ausführungen unterbrochen habe.«

»Patrick, ist das dein Ernst? Du willst den Gallig auf keinen Fall entlassen? Du, dies könnte sich zu einem Präzedenzfall entwickeln, falls später etwas Ähnliches passiert. Dem Hans wären fortan die Hände gebunden, darauf entsprechend zu reagieren.«

»Genauso ist es Fritz, dies sollten wir hierbei tatsächlich beachten. Dennoch schlage ich vor, dass der Chef uns zunächst seine Ideen, wie er das Problem im Speziellen zu regeln gedenkt, näher erläutert.«

»Danke Hans. Festzuhalten ist, wenn ich mich nun auch wiederhole, dass wir über eine Entlassung nicht mehr reden müssen.

Im Klartext, jegliche Diskussion darüber ist verschwendete Zeit, trotzdem komme ich keineswegs umhin, euch beiden, Hans und dir, Fritz, in dem Punkt recht zu geben, dass wir mitnichten so ohne Weiteres über den Vorfall hinwegsehen …«

»Herr Dr. Zuffenhausen, entschuldigen Sie, wenn ich Sie erneut unterbreche, aber vielleicht würde ein intensives Gespräch mit Meister Gallig und Frau Leipold völlig genügen, damit sich ein derartiger Vorfall mitnichten wiederholt?«

»Lieber Herr Betriebsrat, Ihr Vorschlag in Ehren, unglücklicherweise kann ich Ihnen nur bedingt zustimmen. Einzig und allein mit einem Gespräch können wir den besagten Vorfall auf keinen Fall aus der Welt schaffen, artikuliere ich mich mal ein wenig populistisch, so gern ich es auch dermaßen handhaben würde.

Ich bin mittlerweile sogar der festen Überzeugung, dass es nicht sinnvoll wäre, wenn wir es bei einer generellen Abmahnung belassen würden, was ich jedoch anfangs durchaus im Blick hatte.«

»Jetzt verstehe ich Sie zu meinem Bedauern überhaupt nicht mehr!«

»Bedenken Sie bitte, Herr Widerborst, dass wir eine Beleidigung und eine Tätlichkeit auf eine Stufe stellen, sollten wir an meiner ursprünglichen Idee festhalten. Das darf meines Erachtens unter keinen Umständen erfolgen. Zudem bin ich davon überzeugt, dass die anderen Betriebsratsmitglieder dieses ebenso sehen werden.

Demnach möchte ich vorschlagen, dass wir Frau Leipold für die ausgesprochene Beleidigung ausschließlich abmahnen, unabhängig dessen, wie wir letztendlich beim Gallig verfahren.

Ich muss demgegenüber konstatieren, wenn bis zur Stunde nicht solch ein Staatsakt aus der Sache entstanden wäre, hätte ich lieber über den Vorfall hinweggesehen, denn wir alle kennen den schroffen Ton von Meister Gallig fürwahr sehr genau.«

»Da muss ich dir ausnahmslos zustimmen, Patrick, er kann sich manchmal selbst mir gegenüber nicht richtig beherrschen!«

»Fritz, da glaube ich dir aufs Wort. Ehrlich gesagt, bei ihm könnte mir auch so mancher Spruch herausplatzen. Daher ist es mir besonders unangenehm, dass wir in der aktuellen Lage nahezu gezwungen sind, jeden der beteiligten Personen, demnach auch Frau Leipold, zu maßregeln, weil bereits zu viel Aufhebens um diese Auseinandersetzung gemacht wurde.«

»Entschuldige Patrick, aber darauf beruhen ja meine Bedenken, sollten wir uns letztendlich dazu entscheiden, kein Exempel zu statuieren.«

»Fritz, ich denke schon, dass ich die Hintergründe, warum du es für nötig hältst, die von dir ins Auge gefassten Maßnahmen einzufordern, verstanden habe. Trotzdem neige ich nunmehr zu der Auffassung, dass wir maßvoll und differenziert vorgehen sollten.

Selbstverständlich sind wir gezwungen, Meister Gallig ebenfalls abzumahnen, jedoch sollten wir es in diesem Fall keineswegs dabei belassen. Für mich ist das, was er sich da erlaubt hat, eindeutig eine andere Dimension, als sich verbal etwas an den Kopf zu werfen.

Darum bin ich der Meinung, dass wir den Gallig zwar weiterhin in unserem Betrieb beschäftigen, aber zusätzlich zu der Abmahnung vorübergehend als Vorarbeiter einsetzen.

Falls ihr mit meiner angedachten Maßnahme einverstanden seid, würde ich ein Jahr für angemessen halten.

Das heißt, er wird für diesen Zeitraum degradiert.

Wenn es ihm währenddessen gelingt, mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angemessen umzugehen, was ich sehr hoffe, positionieren wir ihn aufs Neue als Meister, natürlich in einer anderen Abteilung.

Was meint ihr dazu?«

»Einfach grandios! Chef, damit kann ich als Betriebsrat sehr gut leben. Ich sehe mittlerweile ein, dass wir jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können, sondern demonstrieren müssen, dass in unserem Betrieb derartige Beleidigungen, Handgreiflichkeiten verbieten sich zweifelsohne von selbst, keineswegs geduldet werden.

Keine Frage, ich finde Ihre Ideen ausgezeichnet und bin mir außerdem sicher, dass meine beiden Kolleginnen im Betriebsrat diese ebenfalls positiv beurteilen werden.«

»Besonders Frau Hohlmann, denn sie scheint grundsätzlich der Meinung zu sein, zumindest hat man das mir gegenüber verlauten lassen, dass die Vorgesetzten sich gegenüber Frauen im Betrieb zu viel herausnehmen dürfen.«

»Zweifelsfrei, Herr Dr. Zuffenhausen, das ist so, sie wird sehr zufrieden sein mit unserer Lösung.«

»Ausgezeichnet, Herr Betriebsratsvorsitzender, dass Sie nun diesbezüglich mit mir einer Meinung sind.

Wie sieht es denn mit unserem Produktionsleiter aus? Fritz, wäre die angedachte Vorgehensweise für dich ebenfalls akzeptabel?«

»Im Prinzip schon, nur sehe ich zurzeit etwas Wesentliches noch unklar, immerhin benötigen wir für das besagte Übergangsjahr auf jeden Fall in der bisherigen Arbeitsgruppe vom Gallig einen anderen Meister.

Moment, ich muss mich ein wenig korrigieren, denn eigentlich benötigen wir dort nicht ausschließlich für die Übergangszeit jemand, da ja der Gallig nach seiner Verbannung, artikuliere ich mich mal dermaßen, eine andere Gruppe übernehmen soll.

Natürlich vorausgesetzt, quasi als Bedingung, er bewährt sich während seiner >Rehabilitation< dementsprechend.«

»Fritz, das versteht sich von selbst.«

»Selbstverständlich Patrick, aber nun stellt sich für mich die Frage, wie wir das Personalproblem, ich ziehe gegenwärtig allein den Gallig in Betracht, nach dem besagten Jahr modellieren.

Ihn nochmals degradieren, wenn er mitnichten ein entsprechendes Verhalten an den Tag legt, würde ich als sehr problematisch ansehen.«

»Richtig! Das müssen wir bei unserer Entscheidung berücksichtigen.«

»Ganz ruhig, meine Herren! Was zu tun ist, sollte er diese Bewährungsprobe nicht bestehen, werden wir gegebenenfalls nach einem Jahr beratschlagen, im Augenblick sollten wir aber nicht so weit vorgreifen.

Verhält sich der Gallig gegenüber seinen neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen angemessen, demnach zu unserer Zufriedenheit, könnten wir ihn doch ohne Bedenken dauerhaft in der Funktion als Meister belassen, natürlich an seinem neuen Arbeitsplatz.

Auf jeden Fall stelle ich mir das so ähnlich vor, ohne dass ich mich jetzt diesbezüglich zu sehr festlegen möchte.«

»Grundsätzlich hört sich das für mich erst einmal hervorragend an Chef, besonders aus der Sichtweise vom Gallig, aber wie wollen Sie das dann mit seiner bisherigen Arbeitsgruppe regeln?«

»Das sehe ich eigentlich nicht problematisch, Herr Betriebsratsvorsitzender. Meines Erachtens könnte der bisherige Vorarbeiter, folglich Herr Vogel, die Gruppe übernehmen.

Fritz, du sagtest mir kürzlich, dass dieser in seinem Fach überragend sei und im Grunde genommen eine Meisterstelle verdient hätte, zumal er die berufliche Voraussetzung, demnach einen Meistertitel, vorweisen kann.

Nun, was haltet ihr davon?«

»Wenn ich mich noch einmal kurz einbringen dürfte. Also ich fände das sehr gut, auch aus der Sicht des Betriebsrates.

Zur fachlichen Qualität von Anton Vogel kann ich jedoch sehr wenig sagen.«

»Die ist beachtlich, Widerborst, keine Frage, darüber brauchen wir gar nicht zu reden.

Patrick, ich bin mit deinen ausgeglichenen, äußerst weisen Vorschlägen sehr zufrieden. Du hast wieder einmal deine Chefrolle als Vermittler optimal ausgeführt, alle Achtung!«

»Ich danke dir Fritz, sowohl für die Bestätigung meiner Ansichten als auch für deine positive Einschätzung meiner Vorschläge.

Hans, du hast dich zu meinen Ideen bisher überhaupt nicht geäußert.«

»Ist streng genommen unerheblich, da ich mich der Meinung der Kollegen anschließe. Ich halte deine Vorschläge für sehr ausgereift, trotz der Kürze, in der du dich mit der besagten Thematik hast beschäftigen können.

Ich würde daher vorschlagen, dass ich im Einvernehmen mit dem Betriebsrat die Abmahnungen durchführe, du hingegen, Fritz, müsstest die Versetzung vom Gallig sowie die Beförderung von Herrn Vogel zum Meister veranlassen.

Dabei gehe ich aktuell davon aus, dass du, mein lieber Patrick, dieses nicht abwickeln möchtest?«

»Korrekt! Lasst mich ruhig in der Sache außen vor, fortan ist die Abwicklung unserer Beschlüsse Tagesgeschäft. Ich habe außerdem überhaupt nichts dagegen, wenn ihr den schwarzen Peter übernehmt. Zumindest trifft dieses, wenn auch nicht buchstäblich, bei Herrn Gallig und Frau Leipold zu, bei Herrn Vogel sieht es dagegen erfreulicherweise ganz anders aus.

Ich möchte obendrein noch einmal betonen, dass es für mich besonders wichtig ist, dass Herr Gallig noch eine Chance bekommt. Außerdem bin ich sehr froh, dass ihr mit all meinen Vorschlägen einverstanden seid.

Gut, wenn nichts dagegenspricht, würde ich mich gern verabschieden.«

Als Patrick umgehend in die Runde schaute, glaubte er zu erkennen, dass sowohl sein Führungspersonal als auch der Betriebsratsvorsitzende aufgrund der getroffenen Beschlüsse sehr zufrieden dreinblickten.

Während es nun für einige Zeit sehr still blieb, man konnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass soeben alle Anwesenden die erreichten Kompromisse in Abhängigkeit der betroffenen Personen Revue passieren ließen, meldete sich schließlich der Personalchef noch einmal zu Wort.

»Na schön, wenn keiner etwas anzumerken hat, fasse ich kurz unsere weitere Vorgehensweise zusammen.

Ich werde mich direkt morgen früh mit den Abmahnungen beschäftigen und bereite zusätzlich die Beförderung von Herrn Vogel vor, zudem steht ihm als Meister eine andere Gehaltsgruppe zu.

Bevor ich die Unterlagen dem Betriebsrat übergebe, Fritz, lege ich sie dir vor. Momentan gehe ich davon aus, dass du in deiner Funktion als Produktionsleiter ihn als zukünftigen Meister in seine neuen Aufgaben einweist, ebenso den Gallig.

Seid ihr damit einverstanden?«

Da sowohl der Betriebsratsvorsitzende als auch der Produktionsleiter den Ausführungen des Personalchefs nicht widersprachen, verabschiedeten sich umgehend alle voneinander.

*

Ziemlich erleichtert verließ Patrick, nachdem er sich von Frau Kormig verabschiedet hatte, wenig später das Verwaltungsgebäude der Firma und schritt relativ gelassen zu seinem Auto. Kurz darauf fuhr er in die Innenstadt, wo er in einem etwas altertümlichen, zweigeschossigen Haus wohnt.

Als er es kurz darauf betrat, meldeten sich plötzlich bei ihm sehr bekannte Symptome, jene allgemein auch als Hunger gedeutet werden. Sein lateraler Hypothalamus – sich derart verwegen zu artikulieren, zumindest gedanklich, zudem nahezu wissenschaftlich ausgeprägt mit einer gewissen Brise Ironie, ohne jedoch seine momentanen Ideen extern zu äußern, dieses erlaubte er sich nun – muss wohl bereits vor einiger Zeit entsprechende Signale empfangen und direkt weitergegeben haben, welches er zwar irgendwann bewusst zur Kenntnis nahm, ohne aber weiter darüber nachzudenken. Geschweige denn, dem sofort nachzugehen oder gar über die Aktivitäten beziehungsweise Signale seines Hungerzentrums zu philosophieren.

Um was es sich dabei eigentlich praktisch handelte, war für ihn aber erst in dem Moment so richtig erkennbar, als er obendrein ein bekanntes Geräusch aus der Magengegend – auch als >Magenknurren bekannt – registrierte. Er bemerkte es zwar in dem Moment ebenfalls nicht zum ersten Mal, war aber bisher nicht in der Lage, deren Bedeutung zu hinterfragen.

Insbesondere, weil ihm die Diskussionsrunde einfach zu viel abverlangte, sowohl mental als auch physisch.

Er vermied es aber konsequent, nun über dieses Thema eine Abhandlung zu formulieren, wollte sich stattdessen lieber mit der >Beseitigung< der maßgeblichen Ursachen beschäftigen, die jene prägnanten Auswirkungen – beziehungsweise Symptome – hervorgerufen haben.

Im Nachhinein fand er es gar nicht so seltsam, dass ihm die beiden Signale erst jetzt bewusst wurden, obwohl sich dieses durchaus einige Zeit vorher hätte ereignen können, wahrscheinlich sogar müssen.

Dieses Versäumnis sah er hauptsächlich darin begründet, weil er aufgrund des besagten >Dienstgespräches< den gesamten Morgen von einer enormen Anspannung begleitet wurde, die sich erst vor wenigen Augenblicken auf ein erträgliches Maß einpendelte.

Mittlerweile war er sogar dermaßen entspannt, dass er sich soeben genötigt fühlte, ein wenig ironisch zu denken, sicherlich auch aufgrund der hervorragenden Ergebnisse, die vorhin bei der Besprechung erreicht wurden.

Allerdings musste er im selben Moment, indem ihm jene Gedanken durch den Kopf gingen, korrekterweise zugeben, dass er sich des Vokabulars der Ironie, ob gedanklich oder sprachlich, grundsätzlich sehr gern und des Öfteren bedient.

Statt jedoch weiterhin über diese Thematik zu philosophieren, hielt er es inzwischen für sinnvoller, sich mit der Vorbereitung einer möglichen Mahlzeit zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang fiel ihm soeben ein, dass er unabhängig dessen, wie spät es nunmehr sein könnte, bereits heute Morgen um acht Uhr gefrühstückt hat, dazu für seine Verhältnisse ziemlich notdürftig.

Schien ihm nun daraufhin sein erster Gedanke, sich unverzüglich eine vorzüglich schmeckende Speise zurechtzumachen, eine vortreffliche Idee, so verwarf er sie sofort wieder, als ihm ein Blick auf die Standuhr im Wohnzimmer die momentane Uhrzeit, und zwar exakt dreizehn Uhr, offenbarte.

Nunmehr langwierig, denn darauf würde es wohl unweigerlich hinauslaufen, ein umfangreiches Mahl vorzubereiten, erschien ihm, sowohl aufgrund seines Hungergefühls als auch in Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit, nun nicht mehr angebracht.

Weil er obendrein keinen Drang verspürte, gegenwärtig ein Restaurant aufzusuchen, dazu fehlte ihm zurzeit einfach die Muße, sah er nach kurzer Überlegung seine Variationsmöglichkeiten arg eingeschränkt.

Im Grunde genommen blieb ihm sogar nur die Möglichkeit, eine Mahlzeit in einem Schnellrestaurant in Betracht zu ziehen. Hauptsächlich deshalb, weil er unbedingt etwas Warmes zu sich nehmen wollte, dies zudem möglichst zeitnah.

Sehr schnell war er von seiner Idee restlos überzeugt und machte sich daher kurzentschlossen auf den Weg zum nächsten Imbiss, ungefähr zwei Kilometer von seinem Domizil entfernt. Es war für ihn nahezu selbstverständlich, dass er die Bewältigung dieser Strecke zu Fuß in Angriff nahm.

Als er wenig später in Gedanken versunken an einer Kreuzung stand und darauf wartete, dass die Fußgängerampel auf Grün schaltet, hielt neben ihm auf einer vierspurigen Straße, an der er vorhin die letzten fünfhundert Meter entlanggegangen war, ein Kleinwagen.

Auf den ersten Blick eher kein ungewöhnliches Ereignis, deshalb bemerkte er auch wohl zunächst nichts Besonderes.

Dass er überhaupt einen Moment dorthin sah, lag zweifellos nur daran, weil dieses Fahrzeug sich zuvor mit quietschenden Bremsen der Ampel genähert hatte. Er riskierte zwar kurz einen Blick auf die Fahrerin des kleinen PKWs, als er jedoch währenddessen wiederum nichts Außergewöhnliches entdeckte, konzentrierte er sich von Neuem darauf, die Straße zu überqueren.

Jenes normalerweise simple Vorhaben gestaltete sich aber letztendlich für Patrick keineswegs einfach. Hauptsächlich deswegen, weil just in dem Moment, als er sich erneut der Fußgängerampel zuwandte, etwas Unvorhergesehenes stattfand.

Und zwar derart, dass ihm plötzlich – quasi während einer intuitiven Nachbetrachtung, nebenbei er weiterhin darauf wartete, dass die Fußgängerampel in Kürze Grün aufleuchten möge, welches ihm ja die Erlaubnis zur Straßenüberquerung signalisieren würde – die folgenschwere Erkenntnis kam, dass die Frau dort am Steuer dieses Wagens durchaus eine frappierende Ähnlichkeit mit einer Person besaß, die ihm besonders viel bedeutet.

Kurzzeitig wirkte er daraufhin wie gelähmt, zumindest war er nicht imstande, irgendeine Bewegung auszuführen.

Diese dem Anschein nach durchaus prägnante Lähmungserscheinung betraf ausschließlich sein Muskelskelettsystem, jedoch keineswegs seinen Denkapparat, ebenso wenig seine Gefühlswelt, da sein Innerstes nun nahezu explosionsartig – zudem äußerst tiefgreifend – aufgewühlt wurde.

Allerdings einzig und allein mit positiven Gedanken, wobei etwas Anderes in diesem Augenblick auch sehr ungewöhnlich wäre, schließlich verbindet er mit der besagten Frau sehr viele schöne Erinnerungen. Des Weiteren musste er mit einem wehmütigen Lächeln einräumen, dass Elisa, die Person, an die er soeben dachte, wohl kaum nur eine Bekannte für ihn ist.

Patrick wusste zwar im Augenblick nicht, ob seine Jugendliebe noch genauso aussieht wie zu dem Zeitpunkt, als er ihr das letzte Mal begegnet war, musste jedoch, indem er spontan ihr früheres Aussehen zugrunde legte, sofort zugeben, dass unter der Prämisse zwischen ihr und der Autofahrerin, obwohl er sie soeben lediglich von der Seite betrachten konnte, durchaus eine gewisse Ähnlichkeit besteht.

Bevor er nun der Versuchung erlag, intensiv in Erinnerungen zu schwelgen, bekamen die Rechtsabbieger auf der vierspurigen Straße, wo die seiner Jugendliebe ähnlich aussehende Frau mit ihrem Auto weiterhin direkt vor der Ampel stand, Grün angezeigt. Daraufhin bog jene in die Straße ein, die Patrick gerade im Begriff war zu überqueren.

Jetzt ergab es sich zwangsläufig, dass er nochmals einen kurzen Moment imstande war, obendrein aus einem besseren Blickwinkel, die besagte Frau in Augenschein zu nehmen.

Eigentlich sah Patrick dazu überhaupt keinen Grund, denn mittlerweile war er davon überzeugt, dass es sich bei der Frau gar nicht um Elisa handeln kann.

Dass er sie dennoch wiederholt betrachtete, schien daher kein geplanter Vorgang zu sein, es erfolgte wohl eher aufgrund eines inneren Zwanges.

Ungeachtet dessen, was ihn tatsächlich dazu veranlasste, seine Beobachtungen fortzuführen, blieb er regungslos am Straßenrand stehen, obwohl die besagte Fußgängerampel inzwischen Grün anzeigte. Es hatte den Anschein, als wäre er im Augenblick nicht in der Lage, seinen Weg fortzusetzen.

Völlig gegensätzlich reagierten hingegen die anderen Personen, die bisher um ihn herumstanden, da sie augenblicklich die Grünphase nutzten, indem sie die Straße überquerten.

Nicht so Patrick, denn der starrte währenddessen die Autofahrerin weiterhin unverhohlen an.

Als ihm jenes jedoch bewusst wurde, hoffte er sofort, dass der Frau sein zweifelsohne unhöfliches Verhalten nicht sonderlich auffällt. Sein Wunschgedanke lag durchaus im Bereich des Möglichen, da zurzeit vor ihr reger Betrieb herrschte und sie somit überwiegend abgelenkt sein müsste.

Wahrscheinlich konnte sie es kaum erwarten, endlich loszufahren, aber noch hatten nicht alle Fußgänger die Straßenhälfte überquert, auf der sie ihre Fahrt fortzusetzen gedachte.

Derweil Patrick sie – trotz eines kurzzeitigen Unbehagens – weiterhin beobachtete, quasi im Schutz der anderen Passanten, durchfuhr ihn nach kurzer Zeit wiederholt ein riesiger Schreck.

Diese überaus großen Kulleraugen, dazu der wunderschön geformte Mund, des Weiteren ihr hübsches Gesicht im Einklang mit den langen, dunklen Haaren, all dies kam ihm soeben sogar äußerst bekannt vor.

Keine Frage, bei der Frau könnte es sich tatsächlich um seine Jugendliebe Elisa handeln! Natürlich vorausgesetzt, dass sich ihr Aussehen in der Zwischenzeit nicht wesentlich verändert hat.

Weil vorübergehend kein Fußgänger die Straße überquerte, Patrick sowieso nicht, denn der stand immer noch – quasi bewegungslos – auf dem Bürgersteig, unterdessen sein Blick fortwährend auf die besagte Autofahrerin gerichtet war, bekam diese nunmehr freie Fahrt und fuhr ziemlich zügig an ihm vorbei.

Als Patrick, während er nahezu fremdgesteuert dem kleinen Fahrzeug hinterherblickte – wenigstens zu der hierfür notwendigen Kopfbewegung war er mittlerweile fähig –, dessen Nummernschild erkannte, verschwanden seine bis dahin geringen Restzweifel nahezu fluchtartig.

Keine Frage, soeben ist Elisa an ihm vorbeigefahren!

Prompt musste er erst einmal ordentlich schlucken, blieb zudem weiterhin wie angewurzelt am Straßenrand stehen, darüber hinaus schien nun doch kurzweilig sein >Denkapparat< Lähmungserscheinungen aufzuweisen.

Als er sich endlich, nachdem Elisa mit ihrem Auto aus seinem Blickwinkel verschwunden war, wieder gefasst hatte und im Begriff war, sich intensiv dem Vorgang der Straßenüberquerung zu widmen, bemerkte er gerade noch rechtzeitig, dass die dafür maßgebliche Fußgängerampel erneut Rot anzeigte.

Jenes nahm er zwar glücklicherweise früh genug zur Kenntnis, jedoch völlig unbeeindruckt und obendrein irgendwie intuitiv. Nichtsdestotrotz reagierte er aber nun so, wie es jedermann eigentlich von ihm erwarten würde.

Das heißt, er führte den geplanten Vorgang der Straßenüberquerung vorerst nicht aus und verharrte weiterhin in seiner Unbeweglichkeit.

Ursächlich für dieses Verhalten war wohl die Erkenntnis darüber, immerhin trotz seines momentanen Zustandes, was das Aufleuchten der roten Lampe für ihn zurzeit bedeutete.

Nachdem es ihm jedoch gelang, zweifellos erwartungsgemäß, einige Minuten später die Straße unbeschadet zu überqueren, explizit innerhalb der nächsten grünen Welle, setzte er anschließend, ohne näher auf die Umgebung zu achten, seinen Weg zu dem anvisierten Schnellrestaurant fort.

Weil seine Gedanken währenddessen erneut intensiv bei Elisa verweilten, führte dieses letztlich dazu, dass er nach weiteren zwanzig Minuten zweifelsfrei nicht den besagten Imbiss betrat – in dem er eigentlich zu speisen gedachte –, sondern dort vorbeilief, ohne es zu bemerken.

Im Grunde genommen war das auch nicht sehr verwunderlich, da er sich aktuell zu sehr in einem Traumzustand befand, als dass ihm hätte auffallen können, dass er seinen Zielort soeben verpasst hat.

Eigentlich war es für ihn streng genommen sogar völlig normal, momentan so intensiv an Elisa zu denken, schließlich ist er ihr heute nach langer Zeit mal wieder begegnet, dazu vollkommen unerwartet.

Natürlich mit der großen Einschränkung, dass sie ihn keineswegs bemerkt hat und es ihm – den Umständen entsprechend – wiederum nur möglich war, sie ganz kurz zu beobachten.

Fakt ist jedoch, dass er Elisa, wenngleich er sie – ausgenommen der Begegnung soeben – gefühlt seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen hat, bis zur Stunde nie vollständig seinen Überlegungen fernhalten konnte, schon mal gar nicht aus seinem Gedächtnis hat verdrängen können.

Wenn überhaupt, lediglich halbwegs und obendrein nur vorübergehend.

Obwohl er in den letzten Jahren immer wieder versucht hat, im Grunde genommen nahezu unerschütterlich, sie seinen Gedanken möglichst fernzuhalten, funktionierte es wahrscheinlich deshalb nicht, weil er sie immer noch liebt. Zumindest fiel ihm augenblicklich keine andere Erklärung ein.

Es gab selbstverständlich auch Phasen, in denen er extrem anderweitig fokussiert war und folglich eher spärlich an sie dachte. Allerdings musste er zugeben, dass es diese Momente sehr selten gab.

Sein oft extrem ausgeprägtes, nahezu unbändiges Verlangen, sie in den Armen zu halten sowie ihre Nähe zu spüren, belastete ihn oft dermaßen intensiv, sodass er währenddessen kaum zum konstruktiven Denken fähig war.

Irgendwann reifte bei ihm die Erkenntnis, dass sich dies besonders gravierend bemerkbar machte, sobald er sich über einen längeren Zeitraum nicht genügend ablenken konnte und somit viel Zeit zum Grübeln blieb.

Wenn er auch auf jene Art und Weise zuletzt wenig in Mitleidenschaft gezogen wurde, größtenteils aufgrund betrieblicher Anforderungen, so wusste er zweifelsfrei, dass nach diesem Zusammentreffen Elisa abermals vordergründig, zudem für eine nicht absehbare Zeit, seine Gedanken beherrschen wird.

Er sah sie zwar gerade lediglich einen kurzen Moment, zudem bestand beileibe keine Möglichkeit mit ihr zu sprechen, trotzdem löste die vorhin stattgefundene Begegnung bei ihm erneut einen gehörigen Impuls aus.

Die zuerst von ihm favorisierte Variante, dass es sich bei der Autofahrerin einzig und allein um eine Frau handelt, die seiner Jugendliebe nur sehr ähnlich sieht, verwarf er endgültig, nachdem er erkannt hatte, dass man das Nummernschild ihres Autos zweifelsfrei mit ihr in Verbindung bringen kann, eigentlich sogar muss!

Fortan glaubte er zu einhundert Prozent, dass es sich bei der Frau, die ihm am Steuer des besagten Autos aufgefallen war, um Elisa handelte. Immerhin lichten die Zahlen auf dem Nummernschild ihr Geburtsdatum ab, welches er eh nie vergessen wird.

Unaufhörlich ging Patrick währenddessen gedankenversunken seines Weges, nahezu in Trance. Glücklicherweise zeigten die Ampeln bei all seinen Straßenüberquerungen jedes Mal Grün, sodass er unbeschadet seinen Weg fortsetzen konnte.

Plötzlich wurde er jedoch abrupt in die Wirklichkeit zurückgeholt, als ein Lastkraftwagen mit einem ohrenbetäubenden Lärm an ihm vorbeiraste.

Auf jeden Fall bemerkte er augenblicklich, zwar ein wenig spät, dass er schon vor einiger Zeit an dem Schnellrestaurant, in dem er ursprünglich sein Mittagessen einnehmen wollte, vorbeigelaufen war. Er kehrte auf der Stelle um und erreichte zehn Minuten später sein Ziel.

Mittlerweile hatte er umdisponiert und zog es vor, anstatt in dem Schnellrestaurant zu speisen, lieber ein Menü mit nach Hause zu nehmen.

*

Eine halbe Stunde später schloss er die Haustür auf und nahm kurz darauf im Esszimmer Platz. Sofort waren seine Gedanken erneut bei Elisa, wie sollte es auch anders sein. Diese Situation änderte sich auch nicht, als er nach dem Essen gemütlich auf der Terrasse saß.

Indem er an seine Jugendliebe dachte, wurde ihm abermals bewusst, dass es ihm in den letzten Jahren zwar möglich war, Elisa kurzzeitig aus seinen Überlegungen zu verdrängen, es ihm aber keineswegs gelang, dieses über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten.

Wenn er in der Vergangenheit an sie dachte, war er meistens sehr niedergeschlagen, zudem fehlte ihm oft der Antrieb, daraufhin irgendetwas Ungezwungenes zu tun. Beispielsweise sich mit einer Sache zu beschäftigen, die ihm nicht durch die Firma auferlegt wurde.

Daher erschien es ihm im Nachhinein nicht ungewöhnlich, dass er zu guter Letzt fieberhaft nach einer Beschäftigung außerhalb betrieblicher Belange gesucht hatte, die das Format besitzen könnte, ihn genügend abzulenken.

Und zwar derart, sodass er in seiner Freizeit mal über einen gewissen Zeitraum nicht an Elisa denken muss, auf jeden Fall nicht ausschließlich sowie keineswegs intensiv.

Infolgedessen scheint es ihm rückblickend betrachtet kaum verwunderlich, dass er irgendwann auf die glorreiche Idee kam, dermaßen euphorisch beurteilte er diese damals auf Anhieb, sich wieder ausgiebig mit Musik zu beschäftigen.

Zum einen ist er, solange er sich zurückerinnern konnte, schon immer ein ausgesprochener Musikliebhaber gewesen, zum anderen lenkte ihn die Musik bereits als Jugendlicher des Öfteren von Problemen ab.

Als Elisa damals nahezu aus seinem Leben verschwand, war er daher durchaus bemüht, sich mit seiner Lieblingsmusik abzulenken. Explizit fand dieses anfangs mithilfe eines CD- oder MP3-Players statt, jedoch musste er sehr schnell einsehen, dass diese Methode sich keineswegs dazu eignete, sein Problem in den Griff zu bekommen.

Aufgrund dieser Erfahrung kam er schnell zu der Einsicht, dass es wohl sinnvoller wäre, selbst musikalisch aktiv zu werden. Auf jeden Fall in Situationen, in denen es ihm besonders schwerfiel, sich von ihr gedanklich zu lösen.

Als Instrument wählte er damals die Westerngitarre. Derart zu musizieren bedeutete für ihn zwar kein Neuland, immerhin bekam er schon im Kindesalter von seinem Großvater die erste Gitarre geschenkt, nichtsdestotrotz hatte er sie später, sowohl aus privaten als auch aus beruflichen Gründen, viele Jahre arg vernachlässigt.

Er strebte zwar in jener Zeit des Öfteren an, genau dies zu ändern, aber so richtig gelang es ihm erst, als Elisa bereits in Hannover wohnte. In erster Linie bekam er es daraufhin wohl deshalb einigermaßen hin, weil er dieses Vorgehen damals mit der Hoffnung verknüpfte, er könnte mit Hilfe seiner Gitarre das ständige Grübeln zumindest einschränken.

Während er mit der Umsetzung dieser Idee anfangs durchaus einige Mühe hatte, konnte er letztendlich nach einer gewissen Zeit das Musizieren wieder intensiv betreiben, sogar über einen längeren Zeitraum hinweg.

Zudem erfüllte sich glücklicherweise seine Hoffnung, mit dieser Methode auf andere Gedanken zu kommen, wenn auch nicht sofort, schon mal gar nicht unentwegt.

Währenddessen war er obendrein ernsthaft bemüht, seine Fingerfertigkeit beim Musizieren wieder – mindestens! – auf das Niveau zu heben, mit dem er aufwarten konnte, bevor er die Gitarre für längere Zeit aus den Händen legte.

Bedauerlicherweise funktionierte es keineswegs in dem Tempo, wie er sich das anfangs vorstellte, daher versuchte er es nach relativ kurzer Zeit mit professioneller Hilfe. Jene wurde ihm zwar bereits im Kindesalter zuteil, allerdings geschah es damals auf ausdrücklichen Wunsch seiner Eltern.

Dass die damalige Lernphase einige Jahre danach als Jugendlicher zwangsläufig dem Ende zuging, darüber wunderte er sich heute nicht mehr.

So schaffte er es mit fast siebzehn, nach etlichen Jahren Gitarrenunterricht, diesem er als Jugendlicher zweifellos oft unter Protest beiwohnte, schließlich hat man in dem Alter Wichtigeres zu tun, sie davon zu überzeugen, dass er sich so kurz vor dem Abitur intensiv auf seine Schule konzentrieren müsse.

Zweifelsfrei war dies bloß ein Vorwand, um dem damals ungeliebten Musikunterricht fernbleiben zu können, immerhin dauerte es bis zum Schulabschluss noch fast zwei Jahre. Dieses war seinen Eltern natürlich sofort bewusst, dennoch gaben sie letztendlich nach.

Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie genau wussten, dass sie selbst mit der Androhung einer Kürzung des Taschengeldes sich nicht länger durchzusetzen vermögen.

Später probierte er es, immerhin zehn Jahre nach seinem letzten Versuch, erneut mit professioneller Hilfe. Er versuchte auf diesem Wege, zudem mit einer positiveren Lebenseinstellung, obendrein mit viel Motivation, sein Spiel in eine höhere Ebene zu katapultieren.

Fatalerweise kam er irgendwann zu der Erkenntnis, wenn auch mit einem leicht ironischen Hintergedanken, dass er zwar inzwischen ganz gut mit seinem Lieblingsinstrument umgehen kann, sein Talent hingegen wohl nicht ausreichen wird, um ein begnadeter Musiker zu werden.

Sein Musiklehrer, bei dem diese Erkenntnis ohnehin viel früher vorherrschte, formulierte es sogar einmal ihm gegenüber ohne Bedenken, immerhin in abgeschwächter Form.

Patrick vermutete damals gleich, dass es zu der verspäteten Aussage, der Musiklehrer hatte sich schon arg viel Zeit gelassen, bis er ihm jene zweifellos eher unerfreuliche Mitteilung verkündete, gewissermaßen nur einen Grund geben kann!

Einen Kunden, der mindestens fünfzig Jahre Unterricht nehmen müsste, bis er eventuell in der Lage ist, eine Gitarre annähernd perfekt zu handhaben, bekommt man wahrhaftig nicht alle Tage!

Während Patrick jene ironischen Gedanken durch den Kopf gingen, nachdem er es sich mittlerweile auf einem Liegestuhl bequem gemacht hatte, wollte er aber einen bedeutenden Sachverhalt keinesfalls außer Acht lassen.

Sein Musiklehrer war ein begnadeter Musiker, genau genommen ist er es immer noch, insofern schien es ihm im Nachhinein nicht sehr verwunderlich, dass dieser exzellente Künstler damals höhere Ansprüche an die Fähigkeiten seiner Schüler stellte, als diese an sich selbst. Zumindest traf das bei ihm exakt zu.

Glücklicherweise nahm er die damalige Einschätzung des Musiklehrers mit Humor auf, ließ sich demzufolge auch beileibe nicht dazu verleiten, seine Gitarre nie mehr in die Hand zu nehmen.

Folglich gab er zwar das Musizieren nicht gänzlich auf, ebenso wenig verzichtete er auf freiwillige Übungsstunden zu Hause, gleichwohl ließen beide Intensitäten nach der Offenbarung des Musiklehrers enorm zu wünschen übrig. Darüber hinaus reduzierte er damals den Unterricht beträchtlich, aber durchaus nicht aus finanziellem Grund.

Erst viel später änderte sich, was das Musizieren betraf, sein grundsätzliches Verlangen danach – Elisa war daran sicherlich maßgebend beteiligt, wenn auch indirekt –, sodass er, wenn der Betrieb es zuließ, wieder des Öfteren zu seinem Lieblingsinstrument griff.

Das mittlerweile aber nicht nur, wenn er das Bedürfnis verspürte, sich gedanklich von Elisa oder anderen Problemen, die ihn ungewollt zu sehr beschäftigten, zu lösen, sondern sehr oft einfach aus Spaß am Musizieren.

Inzwischen war er sogar davon überzeugt, ausgezeichnet mit seinem Lieblingsinstrument umgehen zu können, wenn es auch weiterhin für besonders hohe Ansprüche mitnichten ausreichen würde.

Die er aber zweifelsfrei, dies musste er sich in fast deprimierender Art und Weise eingestehen, während er mit seinen Gedanken noch bei seiner Musik verweilte, anfangs schon hatte.

Er beabsichtigte jedoch keineswegs, nun die Gitarre in die Hand zu nehmen und – im Einklang mit seinen momentanen Überlegungen – seinem Lieblingsinstrument wunderschöne Klänge zu entlocken.

Eher nicht, dazu fehlte ihm einfach die Muße, obendrein auch der Wille.

Um sich abzulenken, somit unter keinen Umständen fortwährend an Elisa zu denken, war der Griff zur Gitarre momentan allerdings weder notwendig noch möglich.

Der Grund dazu war zweifelsohne völlig banal, denn er schlief plötzlich unverhofft ein.

 

*

Als Patrick einige Stunden später erwachte, kam er schnell zu der Erkenntnis, dass er dafür einzig und allein das laute und klingelartige Geräusch seines Telefons, welches er gegenwärtig vernahm, verantwortlich machen kann.

Seine Reaktion darauf schien indes nicht unbedingt eine zu sein, die nun jedermann erwarten würde. Eigentlich war sie sogar unangemessen, zumal er vorerst weiterhin regungslos auf der Liege verharrte und absolut keine Schritte unternahm, um das Gespräch entgegenzunehmen.

Er bemerkte jedoch sehr schnell, dass es unangenehm werden könnte, wenn er weiterhin darauf beharren würde, das Klingeln einfach zu übergehen und solange liegenzubleiben, bis es verstummt.

Nein, keine angemessene Reaktion zu zeigen, das schien nicht wirklich eine Option zu sein, dazu tönte dieses Geräusch einfach zu aufdringlich und nervig. Ihm kam es mittlerweile so vor, als würde es geradezu jemand darauf anlegen, ihn zu provozieren.

Infolgedessen sprang er nun regelrecht auf und lief leicht erregt zum Telefon.

Als er allerdings wenige Augenblicke später an der im Display angezeigten Nummer erkannte, dass sein Freund Tobi ihn zurzeit anrief, wich der Unmut über den ärgerlichen >Weckanruf< abrupt einer großen Freude.

Noch während er mit dem Telefon zur Terrasse zurückging, nahm er das Gespräch entgegen.

»Hallo Tobi, wie geht es dir?«

»Hallo Patrick! Mir geht es ausgezeichnet, danke der Nachfrage.«

»Das freut mich. Natürlich gleichermaßen, dass du nach langer Zeit mal wieder anrufst.«

»Tja, Letzteres muss ich bedauerlicherweise bestätigen, demzufolge haben wir fürwahr lange nichts mehr voneinander gehört. Zumal du es in der Zwischenzeit ebenfalls nicht hattest einrichten können, dich mal zu melden.«

»Stimmt, leider! Ich möchte jetzt keinesfalls nach Entschuldigungen suchen, gebe jedoch zu bedenken, dass ich in der letzten Zeit sehr oft mit Firmenangelegenheiten beschäftigt war. Dergleichen kommt zwar keineswegs oft vor, schon gar nicht mit einer solchen Intensität, nur manchmal passiert es eben doch.«

»Oh, das tut mir ausgesprochen leid, wenn du ab und an für dein Geld arbeiten musst, wirklich! Entschuldige bitte meine Unverfrorenheit, dass ich im Moment keinen Lösungsansatz parat habe, wie du dieses Dilemma zukünftig vermeiden kannst.«

»Sehr witzig! Tobi, verliere jetzt nicht den Sinn für die Realität! Ich erlaube mir zudem, dir nun mitzuteilen, dass ich bisher sehr gut ohne ironische Kommentare solch schwierige Phasen überstehen konnte.

Und das, obwohl es teilweise nicht gerade angenehm war!

Beispielsweise gab es vor wenigen Tagen in der Firma einen Vorfall, aufgrund dessen sowohl der Personalchef als auch der Produktionsleiter beabsichtigten, zwei Mitarbeiter aus der Produktion zu entlassen.«

»Das war ja wohl was für dich, oder nicht?«

»Tobi, ich vermute jetzt mal, dass deine Aussage ironisch gemeint war. Demzufolge kannst du dir ja – sachlich betrachtet – hoffentlich einigermaßen vorstellen, dass mir dies äußerst unangenehm war.

Gleichwohl habe ich es während eines intensiven Gespräches hinbekommen, sowohl meine Führungsleute als auch den Betriebsratsvorsitzenden von meinen Vorschlägen zu überzeugen, sodass letztendlich keiner der Beteiligten entlassen wurde.«

»Da verstehe ich dich, das wäre mir ebenfalls nicht recht gewesen. Trotzdem, so ganz begreife ich das nicht, denn mir fällt soeben etwas Entscheidendes ein.

Du bist zweifelsfrei der Chef dieser Firma, immerhin gehört sie dir, somit hättest du in der Angelegenheit die Vorgehensweise in deinem Sinne, dazu ohne lange Diskussionen, einfach anordnen können.«

»Tobi, theoretisch wäre das möglich gewesen, nur ganz so einfach ist für mich die praktische Durchführung solch einer Angelegenheit keineswegs. Zwar werden meine Vorschläge gegenwärtig realisiert, wobei ich in diesem Fall selbst dann auf deren Durchführung bestanden hätte, wenn es mir nicht gelungen wäre, mein Führungspersonal von meinen Ideen zu begeistern, nichtsdestotrotz muss ich grundsätzlich sehr sensibel an eine solch prekäre Situation herangehen.«

»Tja, das passt doch irgendwie oder nicht?«

»Junge, wäre es möglich, dass ich dir die Sachlage kurz erklären darf?«

»Hm, da ich von dir keinen Widerspruch höre, Zeit genug dafür habe ich dir ja gerade eingeräumt, kläre ich dich jetzt auf, jedoch kurz und bündig!

Also, wie du weißt, habe ich viel Verantwortung und gleichermaßen Arbeit auf einige Personen meines Führungspersonals übertragen, insbesondere habe ich jetzt meinen Produktionsleiter sowie den Personalchef im Auge. Wie du dir nun leicht vorstellen kannst, bekomme ich dadurch die Möglichkeit, mich aus vielen Dingen herauszuhalten.

Da ich das zugegebenermaßen oft derart praktiziere, hat das zwar einerseits den Nachteil, dass ich gar keine andere Wahl habe, als mit sehr viel Fingerspitzengefühl an eine derartige Begebenheit heranzugehen – vor allen Dingen, wenn die Herren ursprünglich anderer Meinung sind als ich, wie beispielsweise in dem von mir geschilderten Fall –, andererseits bringt es für mich den bedeutenden Vorteil, dass ich dadurch viel Freizeit habe und größtenteils das Leben genießen kann.

Na ja, bis auf wenige Ausnahmen.«

»Ist doch wunderbar! Du bist zweifellos eher ein Genießer, da passt das doch wirklich herrlich.« Augenblicklich lachte Tobias herzhaft auf, worauf sein Gesprächspartner jedoch nicht ganz so lustig reagierte.

»Tobi, einerseits bin ich zwar ein absoluter Fan von ironischen Wortspielereien, andererseits wäre es nett, wenn du momentan auf Ironie verzichten könntest, irgendwie finde ich das heute nicht übermäßig lustig.«

»Ist schon gut, ich bemühe mich. Ich weiß dennoch nicht, wo dich der Schuh drückt, wenn dir deine Leute viele betriebliche Dinge abnehmen und du in weiten Zügen dein Leben genießen kannst?«

»Hm, ganz so ist es leider nicht, aber wie ich bereits angedeutet habe, gefällt mir der gegenwärtige Zustand ausgezeichnet. Damit es nahezu so bleibt, darf ich die Herren keineswegs übergehen, dies wäre äußerst unklug. Schlussendlich würden sie sich hinterher bei einigen Aufgaben, die ich aufgrund meiner Position normalerweise erledigen müsste, dezent zurückhalten und ich wäre viel mehr gefordert.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich darauf gut und gerne verzichten.«

»Das ist für mich absolut nachvollziehbar! Na schön, meine Aussage war eher grundsätzlich gemeint, daher möchte ich noch einmal auf die soeben angesprochene Situation zurückkommen. Da du diese prekäre Angelegenheit, von der du die ganze Zeit gesprochen hast, letztendlich zu deiner Zufriedenheit lösen konntest, ebenso im Interesse der beiden Herren, wenn ich dich richtig verstanden habe, müsste doch eigentlich alles in Ordnung sein.

Dessen ungeachtet werde ich aber momentan den Eindruck nicht los, dass dich irgendetwas bedrückt. Bist du etwa krank oder ist etwas mit deiner Familie?«

»Nein, zum Glück bin ich gesund, zudem geht es meinen Eltern und dem Großvater hervorragend. Zumindest bekam ich jenes Gefühl, als ich vor einigen Wochen das letzte Mal mit ihnen telefonierte.

Ich nehme jetzt mal an, dass deine Frage ihnen galt, oder etwa nicht?«

»Auf jeden Fall, überdies freut es mich sehr, dass es ihnen ausgezeichnet geht. Hm, obendrein fällt mir noch deine Firma ein. Gibt es dort doch weitere Probleme?«

»Gewiss, jedoch ausnahmslos Kleinigkeiten. Im Übrigen alles Dinge, die sich leicht handhaben lassen, daher belasten mich diese nicht wirklich.

Nein, im Moment ist es eher eine alte Bekannte von uns beiden.«

»Wie bitte! Doch nicht etwa Elisa? Also wirklich, wie kommst du denn urplötzlich auf sie?

Hm, oder hat sie dich etwa die letzten Jahre gar nicht >losgelassen<? Du gestattest, dass ich mich mal etwas unpopulär ausdrücke.«

Augenblicklich verharrte Patrick mit seiner Antwort, ließ sich jetzt sogar ausgesprochen viel Zeit. Aber nicht, weil er grundsätzlich um eine Antwort verlegen ist, sondern im Moment lag es wohl eher an Tobis misslicher Stimmlage, die er glaubte herauszuhören.

Sollte seine Vermutung zutreffend sein, würde er es verstehen, da sein Freund diesbezüglich, wenn sie in der Vergangenheit über seine – Patricks! – Gefühle diskutierten, die er gegenüber Elisa hegt, schon einiges hat ertragen müssen.

Weil Patrick vermutete, Tobi könnte langsam ungeduldig werden, beendete er seine kurze Verschnaufpause, obwohl er sich ursprünglich noch ein wenig auf die nun doch nicht zu vermeidende Diskussion vorbereiten wollte, damit er alle Fragen zu diesem eindeutig heiklen Thema möglichst emotionslos beantworten kann.

»Eigentlich möchte ich darauf nicht näher eingehen, gleichwohl scheint mir momentan eine komprimierte Erklärung vonnöten.

Also gut, es liegt an zwei Gründen, warum meine Gedanken zurzeit besonders intensiv bei ihr verweilen, wobei du den ersten Grund soeben angesprochen hast.

Dazu muss ich gestehen, dass es mir faktisch, wenn überhaupt, immer nur kurzzeitig gelang, sie aus meinem Bewusstsein zu verdrängen, infolgedessen liegst du mit deiner Vermutung absolut richtig.

Vergiss bitte nicht, sie war – beziehungsweise ist – immerhin meine große Jugendliebe, dazu haben sich meine Gefühle ihr gegenüber kaum verändert.

Irgendwann vermied ich es, dieses Thema bei unseren Treffen anzusprechen, um dich nicht unentwegt damit zu nerven, denn sehr begeistert von meinen Überlegungen bezüglich Elisa und mir warst du von Anfang an nicht.

Daher habe ich die letzten Jahre zwar oft an sie gedacht, es dir dennoch selten berichtet. Ich weiß schließlich, wie du darauf reagiert hättest.«

»Das gibt es nicht! Nun stellt sich mir die Frage, wieso du dich einfach nicht von ihr lösen kannst. Patrick, sie ist schon damals kaum auf deine Annäherungsversuche eingegangen, erst recht nicht intensiv, warum sollte sie es gerade jetzt tun, sag es mir!

Gut, deine Versuche waren zwar nicht gerade besonders auffällig, trotzdem keineswegs völlig zu übersehen. Ich glaube, du musst dich einfach damit abfinden, dass es zwischen euch nicht gefunkt hat, jedenfalls nicht bei ihr, und darum wäre es sinnvoll, wenn du dich anderweitig umsehen würdest.«

»Tobi, versuch bitte gegenwärtig, dich akkurat daran zu erinnern, wie es früher war!

Auf keinen Fall beruht deine Aussage, dass Elisa nie etwas mit mir zu tun haben wollte, auf einem wahren Hintergrund. Ich bin stattdessen der Meinung, dass sie mir sogar große Sympathie entgegenbrachte, dieses zudem sehr offen zeigte!

Das Problem seinerzeit bestand meines Erachtens hauptsächlich darin, dass ich durch die Firmenübernahme ausgerechnet dann nicht mehr an den Treffen unserer Clique teilnehmen konnte, als sich gerade etwas Intensiveres zwischen uns anzubahnen schien.«

»Entschuldige, wenn ich dir jetzt widerspreche, aber diese Situation hatte ich in jenen Tagen ganz anders eingeschätzt. Na ja, wie auch immer, lassen wir das ruhig so stehen!

Dazu fällt mir aber soeben ein, dass du damals durchaus nicht mit deiner Firma vierundzwanzig Stunden am Tag beschäftigt warst.«

»Natürlich nicht! Doch bedenke, Elisa nahm in der besagten Phase ihre erste Stelle nach dem Studium an, während ich zusätzlich zu der Firmenübernahme in den >letzten Zügen< der Promotion war, derart salopp möchte ich diesen Vorgang mal bezeichnen. All dies führte letztendlich dazu, dass mir sehr wenig Zeit blieb, um mich mit ihr zu treffen.

Nach dem Abschluss meiner Ausbildung, die bekanntermaßen parallel zu der Firmenübergabe stattfand, da sich Letztere ein wenig hinzog, wäre mir allerdings tatsächlich genügend Zeit geblieben, um mich mit Elisa zu verabreden, dummerweise kam dann etwas Gravierendes dazwischen.«

»Hm, was denn? Habe ich zu der Zeit noch in Münster gewohnt?«

»Nein, zu dem Zeitpunkt warst du bereits nach Hannover umgezogen. Tja, damit bist du aus dem Schneider, meinst du nicht?«

»Was willst du denn damit sagen?«

»Entschuldige, ein blöder Gedanke, vergiss es! Was ich dir hingegen eigentlich beabsichtigte mitzuteilen, dürfte dir durchaus bekannt sein.

Und zwar, dass Elisa, da sie in Hannover eine Arbeit – obendrein in der Firma, wo du bekanntermaßen zurzeit ebenfalls beschäftigt bist! – angenommen hatte, später sinnvollerweise dorthin zog. Demzufolge gab es logischerweise einen vollkommenen Bruch in unserer Beziehung.

Anfangs telefonierten wir durchaus einige Male miteinander, das war es jedoch. Vergessen habe ich sie indes nie, im Gegenteil.«

»Das mag ja alles sein, nur inzwischen sind ein paar Jahre vergangen, in denen ihr euch nicht mehr gesehen habt. Du kannst dir doch um alles in der Welt nach dieser langen Zeit keineswegs noch Hoffnungen machen.

Selbst wenn deine Einschätzung zutrifft und es definitiv so gewesen ist, dass ausnahmslos unglückliche Umstände euer >Zusammenkommen< verhindert haben, kannst du den damaligen Zustand doch nicht so ohne Weiteres in das Heute projizieren.

Beispielsweise kann Elisa inzwischen längst eine intensive Beziehung eingegangen sein, allerdings bin ich über ihren gegenwärtigen Status nicht informiert.«

»Na prima, dann kann ich ja noch hoffen!«

»Nein, warte mal, im Klartext, du musst sie vergessen, zumindest wenn es darum geht, sie als eine mögliche Freundin in Betracht zu ziehen.«

»Witzbold, du hast gut reden! Ich habe wirklich alles Mögliche in dieser Hinsicht versucht, glaube mir, funktioniert hat es jedoch eher selten. Und wenn, dann nur kurzfristig.«

»Patrick, diese Diskussion möchte ich an und für sich nicht derart intensiv fortführen, auf keinen Fall jedoch im Augenblick und erst recht nicht am Telefon.

Deshalb nur ganz kurz, was hältst du von der Idee, dich mit einem Hobby abzulenken. Früher hast du in solchen Situationen doch oft Gitarre gespielt, was meinst du?

Hm, oder lenkt dich das etwa im Gegensatz zu früher nicht mehr ab?«

»Manchmal, jedoch selten über einen längeren Zeitraum. Dazu muss ich gestehen, dass ich, nachdem mein Musiklehrer mir gegenüber einmal sehr direkt wurde, indem er mir sehr deutlich machte, was er von meinen Fertigkeiten hält, die ich mit der Gitarre zu leisten imstande wäre, das Musizieren daraufhin eine Weile nicht mehr so intensiv praktiziert habe.

Nun, jetzt kannst du dir leicht denken, dass es daraufhin, besonders in der ersten Zeit, noch schwieriger wurde, mich ausreichend abzulenken, sodass ich sehr oft an Elisa denken musste.

Das war fürwahr so, leider, aber glücklicherweise hat sich mein Verhalten, insbesondere was die Intensität meines Musizierens betrifft, wieder zum Positiven verändert.«

»Hm, im Moment sehe ich keinen Zusammenhang in deinen Äußerungen, du müsstest dich schon präziser ausdrücken.«

»Das ist ganz leicht zu erklären. Nachdem mein damaliger Musiklehrer mir die eben angesprochene Beurteilung hat zuteilwerden lassen, kühlte sich mein grundsätzliches Interesse, mit einer derartigen Intensität zu musizieren, das kann ich im Nachhinein ruhig zugeben, für eine längere Zeit bedeutend ab.

Und zwar deshalb, weil er mir unverblümt zu verstehen gab, dass ich völlig talentfrei sei und dieses Musikinstrument in hundert Jahren nie und nimmer perfekt beherrschen würde, zumindest nicht auf einem sehr hohen Niveau.

Außerdem war er der Meinung, dies sah selbst ich ein, dass man Lieder, die mit einer Konzertgitarre vorgetragen werden, idealerweise mit den zugehörigen Texten begleitet, betrüblicherweise würde sich aber mein Gesang miserabel anhören.«

»Autsch, das war sehr ehrlich! Hm, augenblicklich fällt mir die Geschichte wieder ein, du hast sie mir damals erzählt. Wie auch immer, trotz allem bin ich aber weiterhin der Meinung, dabei ist es auch nicht entscheidend, wie gut du definitiv mit der Gitarre umgehen kannst, dass es dich auf jeden Fall ablenken müsste.

Patrick, vielleicht solltest du es einfach noch einmal versuchen!«

»Tobi, das praktiziere ich durchaus wieder, dazu in unterschiedlicher Intensität. Im Übrigen seit geraumer Zeit, wie bereits angedeutet, sogar ziemlich konsequent, wodurch sich, nebenbei bemerkt, mein Spiel mit der Gitarre zudem gehörig verbessert hat.

Unabhängig dessen war es mir aber bisher nicht immer möglich, eigentlich sogar eher selten, auf diese Art für eine längere Zeit genügend Ablenkung zu erfahren, und das wird bestimmt zukünftig nicht anders sein.«

»Ja, dann ist es sicherlich so! Völlig losgelöst davon muss ich dich trotzdem auffordern, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich nunmehr wiederhole, zu bedenken, dass es mit dir und Elisa damals schon nicht funktioniert hat.

Nun fühle ich mich leider genötigt, dir unverblümt mitzuteilen, dass ich nicht daran glaube, es könnte in der Zukunft anders sein. Besonders, weil die große Entfernung zwischen euch bestehen bleibt.

Im Klartext, du musst sie einfach vergessen!«

»Einfach gesagt, nur schwierig ausführbar. Außerdem habe ich mittlerweile, wie du weißt, viel mehr Freizeit, deshalb liegt es für mich durchaus im Bereich des Möglichen, des Öfteren nach Hannover zu fahren.

Vielleicht wäre sie ja gegenwärtig, vor allen Dingen bei meinen zurzeit vorhandenen Lebensumständen, die meines Erachtens recht vielversprechend sind, einem erneuten Versuch nicht abgeneigt.«

»Mach dir bitte keine falschen Hoffnungen, sonst bist du umso enttäuschter, wenn es nicht funktioniert. Meiner Aussage liegt allerdings ein Konjunktiv zu Grunde, gleichwohl ich mich keinesfalls diesbezüglich exakt artikuliert habe. Das heißt, zweifellos ist im Moment noch alles möglich, zumindest theoretisch.

Dennoch möchte ich dich darauf hinweisen, dass ihr derzeit gar keinen Kontakt habt und sich der Zustand auch in absehbarer Zukunft kaum ändern wird.

Ich hoffe jetzt ganz stark, du siehst das genauso!«

Augenblicklich wurde es wieder einen Moment still. Dass dieses erneut an ihm lag, daran zweifelte Patrick keine Sekunde, denn Tobi rechnet nun zweifellos mit einer Reaktion auf seine Aussage.

Er würde sich zudem nicht wundern, wenn sein Freund gegenwärtig sogar auf eine Bestätigung seiner Worte wartet.

Damit konnte er ihm jedoch nicht dienen, denn er beurteilt die Situation seit jeher völlig anders, erst recht nach der heutigen Begegnung. Zeigte Patrick im Grunde genommen schon am Anfang des Gespräches keine besonders große Intension, über dieses leidige Thema ausgiebig zu diskutieren, so hatte er mittlerweile überhaupt kein Interesse mehr daran.

Zum einen, weil ihm langsam bewusst wurde, dass es zu viele Fragen gab, die er gegenwärtig nicht explizit beantworten konnte, zum anderen, weil er grundsätzlich der Aussage seines Freundes zustimmen musste, dass man diese durchaus problematische Thematik nicht unbedingt am Telefon ausbreiten sollte.

Letztendlich entschloss er sich dennoch, wenn auch nicht ganz freiwillig, Tobi wenigstens grob aufzuklären.

»Tobi, ich fühle mich gegenwärtig genötigt, dich ein wenig zu korrigieren, wobei ich mich jedoch im Moment nur kurz dazu äußern möchte. Wir sollten uns über das Thema lieber später einmal ausführlich unterhalten, vielleicht bei einem Glas Wein?

Na, was hältst du davon?«

»Das hört sich hervorragend an, dann mach es bitte kurz und bündig!«

»Gern! Tobi, deine Aussage wäre bis zum gestrigen Tag richtig gewesen, aber heute hat sich etwas nicht gerade Unwesentliches ereignet, ohne jetzt euphorisch zu werden.

Wir pflegen zwar zurzeit keinen Kontakt, haben zudem seit geraumer Zeit, eigentlich seit >gefühlten Ewigkeiten<, nicht mehr miteinander gesprochen, da gebe ich dir recht, jedoch sah ich Elisa heute Mittag in Münster.

Das ist übrigens der zweite Grund, obendrein der Auslöser, warum ich im Augenblick besonders intensiv an sie denke, daher dir womöglich ein bisschen seltsam vorkomme.«

»Was, Elisa ist in Münster?«

»Ja, sie ist mit einem Auto an mir vorbeigefahren, während ich an einer Ampel stand.«

»Hm, vielleicht besucht sie ihre Eltern. Ich vergaß im Moment, dass diese in Münster wohnen.«

»Das ist so, keine Frage, außerdem wohnt mindestens eine Freundin von ihr ebenfalls hier, erinnere dich an Jessica.«

»Stimmt! Ich muss gestehen, darauf bin ich nicht sofort gekommen, es ist allerdings auch einige Zeit her, obendrein bin ich wesentlich früher von Münster weggezogen als Elisa.«

»Richtig! In dem Zusammenhang fällt mir etwas ein. Arbeitet sie eigentlich weiterhin in eurer Firma?«

»Ja, außerdem ist sie oft in Hamburg sowie in Bremen, in den beiden Zweigstellen unserer Firma, im Einsatz.«

»Danke, gut zu wissen. Somit weiß ich wenigstens richtungsweisend wie ich agieren muss, sollte ich mich dazu entschließen, mit ihr wieder in Kontakt zu treten.«

»Wie bitte? Junge, unternehme bitte nichts Unüberlegtes! Ich gebe zu, dass ich derzeit einen ganz üblen Verdacht hege. Haben deine von dir angesprochenen Sorgen etwa ausschließlich mit ihr zu tun?

Du, sag jetzt bloß nicht >ja<!«

»Nun bitte ich dich abermals! Wenn ich >nein< sagen würde, wäre das einwandfrei eine Lüge, wozu du mich hoffentlich nicht drängen willst. Außerdem war ich bis gerade der Meinung, dass ich dir meine Vorstellungen bezüglich Elisa im Verlaufe unseres Telefonates bereits eindeutig übermittelt habe.

Ich glaube, du hast nicht richtig zugehört. Hm, soll ich dir das vielleicht ein weiteres Mal erläutern, dann jedoch richtig ausführlich?«

Während Patrick im selben Moment herzhaft lachte, obwohl ihm beileibe nicht danach zu Mute war, hörte er von Tobi vorerst keine Antwort.

Nach einigen Sekunden fand der jedoch seine Sprache wieder, die ihm scheinbar nach der Aussage seines Freundes vorübergehend abhandengekommen war.

»Weißt du was? Ich habe das dumme Gefühl, dass du dich mit dem Gedanken trägst, in Kürze nach Hannover zu kommen, wahrscheinlich ebenso Bremen und Hamburg im Sinn hast, um Elisa zu begegnen.

Patrick, liege ich etwa richtig mit meiner Annahme?«

»Ja, einwandfrei! Zurzeit weiß ich zwar nicht, wie ich das am besten bewerkstellige, werde mir aber dazu etwas Originelles einfallen lassen. Im Moment kann ich dir nicht definitiv sagen, wie ich vorgehen werde, weil mich erst soeben, als du Bremen und Hamburg erwähntest, diesbezüglich ein kurzer Gedankenblitz ereilt hat.«

»Ist ja großartig, dass dich kein realer Blitz getroffen hat. Mann oh Mann, verrate mir trotzdem, was du dir davon versprichst!

Halt, Kommando zurück, meine Uhr vermittelt mir gerade, dass jenes nicht mehr möglich ist. Unabhängig dessen würde ich sowieso ungern, wie wir es ja bereits beide schon andeuteten, diese Problematik am Telefon näher erörtern. Im Übrigen habe ich das unsägliche Gefühl, dass sich unsere Unterredung im Kreis dreht.

Was hältst du davon, wenn wir diese demnächst gemütlich bei mir oder bei dir zu Hause fortsetzen?«

»Hört sich ausgezeichnet an, das sollten wir unbedingt realisieren.«

»Auf jeden Fall! Patrick, tut mir leid, ich muss unser Telefonat leider beenden, da ich in zwanzig Minuten mit einem Kollegen verabredet bin. Wir sollten daher zwecks Terminabsprache in dieser Woche ein weiteres Mal miteinander telefonieren.

Gut, bis demnächst und melde dich rechtzeitig, wenn du dir darüber im Klaren bist, wann du Zeit hast. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn wir uns in Kürze bei mir treffen könnten. Falls du dies ebenfalls in Betracht ziehst, kannst du natürlich bei mir übernachten.«

»Da danke ich dir schon einmal im Voraus, zudem werden wir dann viel miteinander schnacken können. Dein Vorschlag hört sich sehr gut an, daher werde ich dich in den nächsten Tagen diesbezüglich anrufen.

Mach es gut Tobi, tschüss!«

»Du ebenso, tschüss!«

*

Mit gemischten Gefühlen legte Patrick das Telefon weg. Seine momentanen Gedanken konnte er nicht sofort einordnen, kam daraufhin auch erst einmal ins Grübeln.

Einerseits freute er sich darüber, dass er nach langer Zeit mit seinem Freund ein Gespräch führen konnte, auch wenn ein Blick auf seine Armbanduhr ihm soeben offenbarte, dass es entgegen sonstiger Gepflogenheiten sehr lange gedauert hat, andererseits wusste Patrick nicht, was er von Tobis skeptischen Äußerungen halten sollte.

Dass Tobi von seiner Idee, nach langer Zeit wieder mit Elisa Kontakt aufzunehmen, nicht besonders begeistert schien, war für ihn mehr als nur eine Vermutung. Allerdings hätte er sich auch sehr gewundert, wenn es nicht so wäre, schließlich kennt er Tobis Einstellung zu dem Thema >Elisa< haargenau.

Nichtsdestotrotz kam er nach einigen Überlegungen zu dem Schluss, unabhängig der Bedenken seines Freundes, an dem Vorhaben festzuhalten und den Kontakt mit Elisa zu suchen.

Dass er sich darüber, besonders über seine Vorgehensweise, im Vorfeld erst einmal konkrete Gedanken machen muss, fand er irgendwie selbsterklärend.

Letzteres wollte er jedoch im Moment nicht in Angriff nehmen, stattdessen lieber ein wenig abschalten und später eine entsprechende Planung möglichst entspannt angehen.

In Anbetracht dessen war es daher gewiss nicht ungewöhnlich, dass er geradewegs aufstand, um sich eine Flasche alkoholfreies Bier aus dem Kühlschrank zu holen.

Ebenso wenig dürfte es jemand verwundern, auf jeden Fall nicht ihn, dass er keine drei Minuten später wieder auf der Terrasse verweilte und sofort damit begann, es genüsslich zu trinken.

Auf ein alkoholhaltiges Getränk, er hatte zwar kurz daran gedacht, mit einem leckeren Wein vorliebzunehmen, verzichtete er in Anbetracht seines späteren Vorhabens letztlich doch, da er lieber einen >klaren Kopf< behalten wollte.

Immerhin beabsichtigte er, zwar erst nach einer längeren Entspannungsphase, aber durchaus noch heute, einige Überlegungen zu einem möglichen Treffen mit Elisa anzustellen und dabei eine Vorgehensweise zu entwickeln, die ihm den größtmöglichen Erfolg verspricht.

Dass er im Grunde genommen schon lange den Wunsch hegt, den Kontakt zu Elisa wieder aufzunehmen, war ihm durchaus bewusst. Allerdings fehlte ihm bisher der Mut, sich nach so langer Zeit wieder bei ihr zu melden.

Bei dem Gespräch mit Tobi glaubte er jedoch zu erkennen, dass er mental mittlerweile dazu bereit ist, wobei natürlich die heutige Begegnung mit ihr den Stein ins Rollen brachte.

Weiter wollte er sich mit der Thematik nicht beschäftigen, stattdessen erst einmal ein wenig entspannen. Passend dazu hatte er sich mittlerweile gemütlich auf der Liege niedergelassen, nachdem er sich vorher wiederum ein Getränk aus der Küche geholt hatte.

Er schaffte es tatsächlich, ungefähr eine halbe Stunde belanglos vor sich hinzuträumen, bevor er anfing sich ernsthaft damit zu beschäftigen, wie er am besten ein >Wiedersehen< mit Elisa gestalten sollte.

Tja, dumm war nur, dass ihm auch nach einer Stunde intensiver Grübelei nicht ansatzweise eine Idee einfiel, wie er sinnvollerweise vorgehen müsste, um eine Chance zu haben, sie erneut für sich zu sensibilisieren.

Während ihm dies auch im weiteren Verlauf nicht glückte, musste er plötzlich an seine Familie denken.

Na ja, völlig aus der Luft gegriffen erschien ihm dies jedoch nicht, da er vorhin mit Tobi kurz über sie gesprochen hat, nachdem der sich über den Gesundheitszustand der Familie erkundigt hatte, ausdrücklich dabei Eltern und Großvater erwähnte.

Keine Frage, in den letzten Wochen hat er sehr selten an sie gedacht, geschweige denn sich mit ihnen in Verbindung gesetzt.

In erster Linie machte er dafür seinen erhöhten Einsatz in der Firma verantwortlich, da dieser ihn zeitweise völlig in Atem hielt. Weiterhin war ihm natürlich bewusst, dass Elisa an der Situation – wenn auch nur indirekt – ebenfalls nicht ganz unbeteiligt war.

Letztendlich waren sowohl die Firma als auch seine Jugendliebe dafür verantwortlich, dass er in der letzten Zeit übermäßig – sowohl gedanklich als auch tatkräftig! – eingespannt war und daher zu seiner Familie währenddessen wenig Kontakt hatte.

Als er in dem Zusammenhang besonders an seine Eltern dachte – zu seinem Großvater war die Verbindung, insbesondere aufgrund der Firma, schon einiges intensiver –, musste er unweigerlich festhalten, dass sie sich in den letzten Jahren sehr rar gemacht hatten.

Während ihn jene Gedanken noch eine Weile beschäftigten, bekam er das ungute Gefühl, dass man seine momentanen Reflexionen ohne Bedenken einer Rechtfertigung gleichsetzen könnte.

Er hegte zwar keineswegs die Absicht, diese Gedanken nun zu intensivieren, wollte aber auch nicht vergessen, dass sich die Kommunikation mit seinen Eltern seit Längerem auf einem arg eingeschränkten Niveau bewegt, immerhin genießen sie seit einigen Jahren in der Karibik, weitab von seinem Domizil, ein ungezwungenes Leben.

Auf jeden Fall lag der eher mäßige Kontakt nicht unbedingt an ihrem Lebensstil, sondern wohl eher an der wahnsinnigen Entfernung zur Karibik! Zumindest wenn es darum ging, das Telefon außen vor zu lassen.

Wo sie ihre Bleibe exakt gewählt und wie sie diese eingerichtet haben, war ihm ausschließlich durch Fotos bekannt, da es für ihn dummerweise – aufgrund seiner Flugangst – keine Möglichkeit gibt, von einer überaus langwierigen Schiffsreise mal abgesehen, sie zu besuchen. Er hat auch wenig Hoffnung, dass sich dieser Zustand jemals ändern könnte.

Fest stand auf jeden Fall, dass seine Eltern damals, dank seines Großvaters, einen gehörigen Geldbetrag auf der Habenseite verbuchen konnten, aber sich leider von Anfang an größte Mühe gaben, es mit vollen Händen auszugeben.

Er hoffte eindringlich, dass sie trotzdem ihr gesamtes Leben damit auskommen, ansonsten würden sie, darüber machte sich Patrick keine Illusionen, irgendwann unerbittlich bei ihm auf der Matte stehen.

Er musste zwar umgehend lächeln, als ihm jene lustige Redensart durch den Kopf ging, wusste aber zu genau, dass es sich durchaus annähernd so zutragen könnte.

Dass er gegebenenfalls durchaus imstande wäre, sie finanziell zu unterstützen, dafür hatte letztlich sein Großvater gesorgt, indem er ihm seine Firma überließ. Er hat zwar zu seinem Sohn ein ausgesprochen gutes und herzliches Verhältnis, nichtsdestotrotz wäre er kaum auf die Idee gekommen, seine Firma in dessen Obhut zu legen.

Auf keinen Fall!

Sie ist und bleibt für ihn eine Herzensangelegenheit, deshalb schloss er eine solche >Konstruktion< von vornherein geradewegs aus.

Er hatte damals sofort für Großvaters Vorstellungen Verständnis gezeigt, da er ebenso wie dieser natürlich wusste, dass ansonsten die Firma in einem Jahr bankrott gewesen wäre.

Das heißt, falls sein Vater nicht sogar die Firma unverzüglich verkauft hätte.

Exakt, das glaubte er schon eher.

Folglich hat sein Großvater letztlich ihm die Firma überschrieben und war sogleich nach der geglückten Übergabe zu seinem Sohn und dessen Frau in die Karibik gezogen, die sich dort bereits einige Monate vorher eingerichtet hatten.

Sein Großvater, der ihn zweimal im Jahr besucht, war damals der Meinung, dass er sich von der Firma nicht hätte loslösen können, wenn er nicht ausgewandert wäre.

Davon war Patrick indes zu einhundert Prozent überzeugt!

Gegenwärtig wollte er aber nicht länger über eine Situation reflektieren, die doch nicht zu ändern war. Auf jeden Fall nicht im Augenblick, schon mal gar nicht von ihm.

Entgegen der vorherigen Absicht, noch einige Überlegungen zu Elisa anzustellen, nahm er nun davon Abstand und entschied sich, stattdessen lieber den Abend entspannt ausklingen zu lassen.

Dass es dennoch klug wäre, möglichst schnell über seine momentane Situation nachzudenken, besonders dahin gehend, wie es ihm gelingen könnte, Elisa möglichst ungezwungen zu kontaktieren, war ihm durchaus bewusst.

Aber nicht heute, zudem keineswegs im Augenblick, stattdessen vertagte er dieses sogleich auf morgen früh.

Er stand geradewegs auf, verließ die Terrasse und ging in die Küche, um sein Abendbrot vorzubereiten. Wenige Minuten später saß er im Wohnzimmer und schaltete den Fernseher ein.

Den Abend vor dem Fernseher zu verbringen, dies erschien ihm die sicherste Methode, um nicht erneut die nächsten Stunden mit starkem Grübeln zu verbringen.

Die Filmauswahl gelang ihm in der Hinsicht schließlich perfekt, denn der Thriller, den er sich letztendlich ansah, hielt ihn vehement vom Nachdenken ab.

 

*

In dem Moment, als Patrick sich am nächsten Morgen auf der Terrasse die ersten Gedanken zu einer möglichen Kontaktaufnahme bezüglich Elisa machen wollte, im Gegensatz zu gestern Abend fühlte er sich mittlerweile dazu in der Lage, klingelte sein Handy.

Ein kurzer Blick aufs Display genügte, um zu erkennen, dass sein Produktionsleiter ihn anrief.

»Hallo Fritz, gibt es etwas Wichtiges zu besprechen oder hast du dermaßen große Sehnsucht nach meiner Stimme?«

»Guten Morgen Patrick! Natürlich trifft beides zu, was denkst du denn? Besonders denke ich dabei an deine Stimme, die ist so sanft und melodisch.«

»Ach nee! Ich habe gar nicht gewusst, dass ich immer singe, wenn ich mit dir spreche. Vielen Dank für die Information, denn bisher habe ich dies nicht bemerkt.

Übrigens, ich dachte eigentlich, du bist anderweitig vergeben.«

»Hahaha, du hast recht, ich bin verheiratet. Gut, dann werde ich jetzt umgehend ernsthaft. Fatalerweise habe ich keine Langeweile, sondern im Moment ist hier einiges los. Demzufolge wäre ich dir sehr dankbar, wenn du heute für ein paar Stunden in den Betrieb kommen könntest.

Da es gleich zwölf Uhr ist, hoffe ich jetzt inständig, hahaha, dass du inzwischen gefrühstückt hast.«

»Es war bestimmt spaßhaft gemeint, trotzdem sollte ich dir gestehen, dass ich mein Frühstück noch nicht vollständig beendet habe.«

»Das gibt es doch nicht! Na, nun hoffe ich umso mehr, dass es dir möglich ist, gleich ein wenig Zeit für mich zu opfern.

Da mir allerdings deine äußerst prekäre Lage bekannt ist, weiß ich natürlich, wie schwer dir ein solches >Opfer< fallen wird, hahaha.

Insbesondere deshalb, weil ich davon ausgehe, dass du dich in Kürze auf die Vorbereitung deines Mittagessens konzentrieren musst.«

»Fritz, äußerst witzig! Wirklich, selten so gelacht. Na gut, dann opfere ich mich umgehend, um mal deine überaus vorteilhaften Gedanken, was meine schwierige Situation betrifft, fortzusetzen.

Weil du mir bisher nicht den Grund genannt hast, weshalb meine Anwesenheit – zumindest deiner Meinung nach! – unbedingt erforderlich ist, folgere ich daraus, dass du lieber mit mir in der Firma darüber sprechen möchtest.«

»Sehr richtig, lieber Patrick, derart sollten wir schon vorgehen. Es wäre meines Erachtens nicht übermäßig sinnvoll, wenn ich dir jetzt theoretisch die Probleme erörtere, die an der >Maschinenstraße 2< aufgetreten sind.

Ich glaube, es wäre eindeutig vorteilhafter, wenn wir uns die Problematik gemeinsam an Ort und Stelle ansehen, um danach gezielt notwendige Entscheidungen treffen zu können.«

»Ist in Ordnung Fritz, ich bin in einer halben Stunde in deinem Büro.«

»Prima Patrick, dass es dir möglich ist, es einzurichten, hahaha, bis gleich.«

»Ich habe nicht gewusst, dass du dermaßen spaßig sein kannst. Fritz, daraus folgere ich nun, dass mich keine dramatische Sache erwartet. Gut, bis gleich!«

Nach dem Ende des Gespräches brach Patrick unverzüglich seine Frühstückszeremonie ab und begab sich ins Haus. Auf dem Weg ins Bad dachte er noch einmal über das Telefonat nach.

Dabei schien es ihm irgendwie naheliegend, dass er aufgrund der ausgezeichneten Stimmung seines Produktionsleiters, allerdings irrtümlicherweise, wie es sich leider später herausstellen sollte, zu der Auffassung kam, dass ihn nichts Ernsthaftes – demzufolge auch nichts Langwieriges – im Betrieb erwartet und er daher vermutlich wieder schnell zu Hause ist.

Zügig veränderte er noch sein Aussehen, vornehmlich deshalb, weil er die Freizeitkleidung, die er zurzeit trug, in Anbetracht seines Vorhabens für etwas zu leger hielt, und fuhr anschließend direkt los.

Nun in einem seiner Meinung nach standesgemäßen Outfit, welches ihm bezüglich Position und notwendigem In-Erscheinung-Treten passender erschien.

Als er eine weitere halbe Stunde später das Eingangstor der Halle 1 erreichte, in der sich unter anderem die >Maschinenstraße 2< befindet, wartete Fritz Kleinholz bereits auf ihn.

»Hallo Fritz,« begrüßte Patrick seinen Produktionsleiter lächelnd, »zeig mir bitte unser >Problemchen<!«

»Hallo Patrick! Aufgrund deiner beachtlich guten Laune sowie deiner amüsanten Wortwahl befürchte ich momentan, dass du die Problematik ein wenig unterschätzt.

Na großartig, dann lass uns die Sache begutachten!«

Als beide kurz darauf an der besagten Maschinenstraße angelangt waren, klärte Fritz, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, Patrick über die permanenten Steuerungsprobleme bei der Zufuhr des Rohmaterials auf.

Umgehend musste der seine ursprüngliche Meinung, es könne sich ja nur um die Lösung eines kleinen Problems handeln, weswegen seine Anwesenheit in der Firma erforderlich sei, grundlegend revidieren.

Keine Frage, er hatte vorhin die Sachlage, wohl infolge des witzigen Telefongespräches, ferner beeinflusst von der hervorragenden Stimmung seines Produktionsleiters, völlig falsch eingeschätzt.

Nun wunderte es ihn nicht mehr, dass er von Fritz herbestellt wurde, hegte auch keine Zweifel mehr daran, dass sein Aufenthalt in der Firma einen wesentlich größeren Zeitraum in Anspruch nehmen wird, als er es noch vor wenigen Minuten für möglich hielt.

Außerdem war er davon überzeugt, dass die Behebung des Steuerungsproblems einige Kosten verursachen wird.

Nach der Besichtigung vor Ort waren sie anschließend bis zum späten Nachmittag beschäftigt, eine optimale Lösung zu finden. Zusätzlich fanden etliche Gespräche statt, unter anderem ein gemeinsames Mittagessen, an dem auch Meister Vogel teilnahm, bis schließlich eine Entscheidung gefällt wurde.

Alle kamen letztlich überein, dass unabhängig von einigen kleinen Reparaturen, deren sofortige Durchführung für eine kurzfristige Fortsetzung der Produktion unabdingbar schien, weiterhin verschiedene Umbaumaßnahmen erforderlich seien, um auch nachhaltig einen reibungslosen Produktionsablauf an dieser Fertigungsstraße zu gewährleisten.

Da sie zudem sowohl die kleinen Reparaturen als auch die weitläufigen Maßnahmen gleich festlegten, Letztere zumindest grob, war es schließlich achtzehn Uhr, als Patrick das Betriebsgelände verließ.

*

Wenngleich das betriebliche Problem zufriedenstellend gelöst schien, zumindest wird er mit der Durchführung der beschlossenen Maßnahmen vorerst nicht viel zu tun haben, brachte Patrick wider Erwarten auch eine Weile später – inzwischen hatte er sein Domizil erreicht – keineswegs auf Anhieb die nötige Konzentration auf, die es ihm ermöglichen würde, über das Projekt >Elisa< intensiv nachzudenken.

Leider nicht, und schon mal gar war er in der Lage, diesbezüglich praktikable Ideen auszutüfteln.

Obwohl bei ihm die Meinung vorherrschte, dass zurzeit die Voraussetzungen für gute Einfälle nahezu ideal seien, immerhin saß er mittlerweile bei herrlichem Wetter in nahezu vollkommener Stille gemütlich auf der Terrasse, gelang ihm dies dennoch in keiner Weise.

Besonders unvorteilhaft fand er, dass er es trotz intensiver Bemühungen nicht hinbekam, wenigstens einen einzigen konstruktiven Gedanken >auf die Beine zu stellen< Dabei dachte er zurzeit nur an eine Idee, die ihn in seinem Vorhaben, Elisa für sich zu gewinnen, wenigstens ansatzweise weiterbringen könnte.

Bedauerlicherweise schien es im Augenblick nicht möglich zu sein!

Insofern beschloss er sehr schnell, statt unaufhörlich zu grübeln, gegenwärtig lieber ein wenig abzuschalten. Was ihm zusätzlich zu seiner idealen Umgebung momentan noch fehlte, bedurfte keiner langen Überlegung.

Ein leckerer Wein, zweifellos, das wär's doch!

Als er kurz darauf mit einem Glas Rotwein auf dem Weg zur Terrasse war, schweifte sein Blick zufällig zu seiner Gitarre. Die Vorstellung, dass genau die ihm bei der geplanten Entspannung spürbar behilflich sein könnte, reifte daraufhin in Sekundenbruchteilen.

Im Folgenden schaffte er es, sich über zwei Stunden mit ihr zu beschäftigen und währenddessen kaum an Elisa zu denken. Er ließ es sich obendrein nicht nehmen, einige Lieder von Bob Dylan und anderen Interpreten einzustudieren, die er bisher nicht sehr oft gespielt hat.

Er beabsichtigte zwar von vornherein, nicht zu hart mit sich ins Gericht zu gehen, trotzdem reifte bei ihm nach und nach die Erkenntnis, dass es bestimmt sehr vorteilhaft wäre, wenn er sich dazu durchringen könnte, ihm eher unbekannte Songs noch ein wenig zu üben.

Patrick entging nämlich keineswegs, dass ihm die Interpretation dieser bisher vernachlässigten Lieder zurzeit eher nicht überragend gelang. Als er zu allem Überfluss noch auf die Idee kam, seine momentanen Darbietungen mit den Künsten der Originalinterpreten zu vergleichen, beurteilte er augenblicklich sein Gitarrenspiel noch um einiges negativer.

Glücklicherweise hielt er es schnell für unangebracht, diese Gedanken fortzuführen.

Einerseits, da an einer derartigen Beurteilung seiner >Gitarrenkünste<, und wenn diese sich für ihn auch noch so betrüblich darstellt, unbestritten kein Weg vorbeiführt, andererseits, weil es bestimmt unklug wäre, nun einen total überzogenen Maßstab zur Beurteilung seiner musikalischen Fähigkeiten heranzuziehen, indem er sich mit derart überragenden Künstlern verglich.

Ferner wollte er sie selbstverständlich keinesfalls übertreffen, immerhin reichten ihm seine Darbietungen für den Hausgebrauch völlig.

Letztendlich sogar darüber hinaus, nur leider nicht im Moment!

Während er weiterhin über seine musikalischen Fähigkeiten nachdachte, wobei es sich soeben wahrlich nicht zum ersten Mal ereignete, ließ er es sich nicht nehmen, im Einklang dazu unverdrossen zu üben, um genau jene zu verbessern.

Letzteres wird ihm aber zurzeit wohl eher nicht gelingen, da sein unentwegtes Grübeln – zudem in Verbindung mit der damit einhergehenden Unkonzentriertheit – einen gehörigen Einfluss auf seine momentanen Darbietungen nicht verhehlen konnte.

Zum Glück war weit und breit kein Nachbar in Sicht, vermutlich auch nicht in >Hörnähe<. Falls aber entgegen seiner Einschätzung sich zurzeit doch jemand in seiner näheren Umgebung aufhalten würde, hätte dieser wahrscheinlich arge Bedenken, ob bei seinem Nachbarn noch alles mit rechten Dingen zugeht. Wahrscheinlich käme er auch kaum in Versuchung, daraufhin einen Freudentanz aufzuführen.

Erst recht nicht, nachdem Patrick damit begonnen hatte, seine >Gitarrenpräsentation< mit Gesang zu begleiten.

Vorübergehend musste er sich lächelnd eingestehen, währenddessen er versuchte, sich in seine Nachbarn hineinzuversetzen, dass die Qualität seiner >Gesangskünste< durchaus ausbaufähig ist. Allerdings wollte er zurzeit weder diese ausgiebig beurteilen, noch intensiv über eine Situation nachdenken, die eventuell mit einem Nachbarn aufgrund seiner Gesangseinlage entstehen könnte.

Keineswegs, stattdessen übte er weiterhin unentwegt mit seiner Gitarre Songs von verschiedenen Interpreten, nun auch einigermaßen entspannt, daher auch mittlerweile mit einer wesentlich höheren Qualität, als es ihm vor einigen Minuten noch möglich war.

*

Innerhalb der nächsten Stunden, in denen Patrick unermüdlich weiterspielte, stellte er wiederholt fest, dass zwar einerseits seine diesbezüglichen Künste inzwischen durchaus passabel zur Geltung kommen, wobei er keineswegs an seinen Gesang dachte, sie sich jedoch andererseits nicht auf dem Niveau befinden, um ihm eine Musikerkarriere zu ermöglichen, wahrscheinlich nicht einmal eine Karriere als Straßenmusikant.

»Tja, so ist es wohl«, murmelte er leise und etwas deprimiert vor sich hin, wobei er eigentlich dachte, er hätte etwaige Bedenken mittlerweile ad acta gelegt.

Es schien allerdings keineswegs so, dass er sich nun veranlasst sah, sofort morgen früh bei einem Psychiater vorzusprechen, im Gegenteil.

Zum einen war er bekanntermaßen mit seinen Fähigkeiten, was das künstlerische Handhaben seiner Gitarre betraf, durchaus zufrieden, zum anderen kam ihm unverhofft, während ihm all jene Gedanken durch den Kopf gingen, eine hervorragende Idee, die er obendrein unmittelbar einem Geistesblitz gleichsetzte.

Obwohl er diese Idee im ersten Moment sogar als genial einstufte, seine vorherige Beurteilung dementsprechend auch folgerichtig fand, kam er dennoch kurzzeitig in Versuchung einzuräumen, dass es manchmal durchaus angebracht ist, mit solchen Superlativen zurückhaltend zu sein.

Dieser scheinbare Dämpfer, den er sich gerade selbst auferlegte, zeigte aber tatsächlich nur wenige Sekunden eine derart beschwichtigende Wirkung, denn sehr schnell kam Patrick wieder zu der eindeutigen Meinung, dass sich das Wort >genial<, eventuell wäre auch >exzellent< ein zutreffender Begriff, zweifelsfrei – trotz kurzzeitiger Bedenken – vortrefflich zur Beschreibung seiner momentanen Gedanken eignet.

Ihm wurde darüber hinaus augenblicklich bewusst, dass deren Realisierung sein Leben verändern würde, auf jeden Fall in den nächsten Wochen.

Langer Rede, kurzer Sinn, ein Auftritt als Straßenmusikant, das könnte durchaus eine >Superlösung< bezüglich der kniffligen Aufgabe sein, Elisa unerkannt entgegenzutreten.

Zumindest bei den ersten Begegnungen würde er besonders Letzteres favorisieren!

Unverzüglich versuchte er nun, seine Überlegungen in eine praktikable Vorgehensweise umzusetzen, da sie ihm bisher noch ein wenig zu oberflächlich, irgendwie unpräzise erschienen.

Dabei galt es natürlich einzig und allein, vorerst eine möglichst gut durchführbare Umsetzung seiner bisherigen Ideen zu ergründen und dabei eine angemessene Präzision nicht zu vernachlässigen.

Letzteres schien ihm besonders wichtig, weil er augenblicklich seine bisherigen Überlegungen sinnigerweise mit Grundsatzgedanken gleichsetzte und sie zudem momentan noch in einer eher grob theoretischen Ebene angesiedelt sah.

Kurz und gut, er hielt sie zwar, trotz der soeben getätigten Einschätzung, für nahezu strukturell durchdacht, aber dennoch leider zurzeit noch ziemlich oberflächlich daherkommend.

Inwieweit er damit seinen vorherigen Thesen widersprach, wollte er zurzeit nicht näher ergründen.

Unabhängig dessen, wie grandios er ansonsten seine bisherigen Ideen beurteilte, musste er nichtsdestotrotz kurz darauf feststellen, dass auch seine nachfolgenden Gedanken weiterhin keine hervorragende Präzision erreichten, obendrein – hoffentlich nur vorübergehend – ziemlich theoretisch daherkamen.

Prompt kam er nicht umhin, sich unverzüglich einzugestehen, dass seine anfänglichen Überlegungen sowie sein daraufhin geplantes Vorgehen einer – möglichen! – praktischen Umsetzung überhaupt nicht entsprachen, eigentlich sogar widersprachen, zumindest davon zurzeit noch weit entfernt waren.

Vorübergehend hielt selbst Patrick, der sich äußerst gern mit theoretischen Gebilden, die meistens – wenn auch nicht immer – durchaus >Hand und Fuß< haben, trotz der kurzen Euphorie, die ihn ja kurzzeitig >übermannt< hatte, seine gegenwärtigen Gedanken ein wenig konfus.

Natürlich war diese These nicht übermäßig ausgeprägt, wohl auch nicht unbedingt nachhaltig begründet, aber so ganz konnte er sie wiederum nicht leugnen.

Mann oh Mann, augenblicklich hatte er das Gefühl, dass ihm seine Gedanken >davongaloppieren< und er vor lauter philosophieren dabei ist, sein Ziel vollkommen aus den Augen zu verlieren.

So war es ohne Frage nicht sehr verwunderlich, dass er mittlerweile die Notwendigkeit sah, seine Ideen zur Kontaktaufnahme mit Elisa umgehend zu entschlüsseln und sich zudem nicht scheuen sollte, einfach mal ein wenig praktikabler zu denken.

Folglich begann er als logische Konsequenz dessen, sich direkt einen Plan zurechtzulegen, wie ihm denn tatsächlich die Umsetzung seines durchaus angemessenen Geistesblitzes gelingen könnte.

Glücklicherweise stellte sich schnell heraus, dass ihm ein solches Unterfangen gar nicht besonders schwerfiel, immerhin lag mit dem Stichwort >Straßenmusikant< – wohlgemerkt die Grundlage seines Geistesblitzes! – die Lösung gewissermaßen auf der Hand.

Während er jene Gedanken, die ihm nun in Bruchteilen von Sekunden durch den Kopf gingen, anschließend kurz zusammenfasste, bekam er umgehend ein klar strukturiertes Bild vor Augen, was seine weitere Vorgehensweise betraf.

Im Grunde genommen war es doch nur notwendig – in dieser Angelegenheit wollte er auch gar nicht weiter >durch die Gegend< philosophieren –, sich wie ein Musikant zu kleiden, daraufhin unerkannt die ersten Annäherungsversuche zu starten und währenddessen die Sachlage, speziell was Elisas aktuelle Lebensumstände betraf, inspizieren und danach die weitere Vorgehensweise detailliert zu überdenken.

Sollte er bei einer späteren Begegnung die Gelegenheit für günstig halten, könnte er sich ihr, quasi zum >Zünden< der nächsten >Annäherungsstufe<, zu erkennen geben.

Gut, dermaßen weit vorausblicken wollte er gegenwärtig nicht, sich stattdessen lieber erst einmal mit dem Näherliegenden beschäftigen. Dies bedeutete explizit, dass er nun beabsichtigte, sich gegenwärtig reale Gedanken zu einem sinnvollen Outfit zu machen, welches ihn eindeutig als Straßenmusikant identifiziert.

Das heißt, er beabsichtigte augenblicklich seine bisherigen diesbezüglichen Überlegungen, der Einfachheit halber bezeichnete er sie mal zusammenfassend als ein praktikables Gebilde, nun detailliert festzulegen und dabei fortwährend die immerhin schwer einschätzbaren Erfolgsaussichten im Auge zu behalten.

Auf jeden Fall galt es zu berücksichtigen, dass er ein Outfit auswählen muss, indem er einerseits wie ein Straßenmusikant ausschaut, anderseits Elisa ihn derart verkleidet nicht erkennen darf.

Dass er in der Kleidung, die er üblicherweise an einem Wochentag trägt, erst recht mit seiner Sonntagsgarderobe, nicht gerade wie ein Straßenmusikant daherkommt, darüber hinaus selbst eine derartige Anpassung zweifelsohne allein nicht ausreichen würde, um unerkannt zu bleiben, bedurfte keiner langwierigen Überlegung.

Im Umkehrschluss bedeutete dies für Patrick, dass zweifelsfrei die Notwendigkeit bestand, zusätzlich zu einer passenden Kleidung – hier dachte er spontan an eine Jeans in Verbindung mit einem bunten Hemd – über weitere Veränderungen bezüglich seines Outfits nachzudenken.

Allerdings fielen ihm auch hierzu sehr schnell hervorragende Lösungsansätze ein. Er glaubte zudem nicht, dass deren praktische Umsetzung ihm große Probleme bereiten könnte, im Gegenteil.

Eine andere Haarfarbe sowie eine große Sonnenbrille, beides in Verbindung mit der bereits angedachten Kleidung, die ihm für sein Vorhaben durchaus angemessen erschien, das müsste es doch unweigerlich sein.

Obendrein eine Gitarre in der Hand, vermutlich ist sie das Musikinstrument, welches von den Straßenmusikanten am häufigsten eingesetzt wird, und somit dürfte es Elisa schwerfallen, ihn als Patrick Zuffenhausen zu identifizieren.

Vorteilhaft könnte sich ferner auswirken, dass sie bestimmt nicht damit rechnet, ihn in Hannover oder beispielsweise in Bremen anzutreffen, erst recht nicht in dem Outfit eines Straßenmusikanten.

Je mehr er darüber nachdachte, umso gefestigter wurde er in seinem Entschluss, es einfach zu versuchen, auf solch unkonventionelle Art und Weise ihr Herz zu gewinnen.

Hatte er ursprünglich den Griff zur Gitarre einzig und allein als Ablenkung vorgesehen, so glaubte er mittlerweile, dass ihm diese Aktion bei der Lösung seines grundlegenden Problems, wie er denn Elisa auf sich aufmerksam machen und letztendlich auch näherkommen kann, äußerst behilflich sein könnte.

Immerhin war er momentan davon überzeugt, dass er sich gedanklich auf dem richtigen Weg befand, schloss zudem gleich aus, dass das Musizieren, welches er überdies in den letzten Minuten nahezu enthusiastisch ausübte, dazu ziemlich intensiv, ihn im Folgenden bei seinen weiteren Überlegungen beeinträchtigen könnte.

Er fand, dass zurzeit sogar genau das Gegenteil zutrifft.

Insbesondere war er der Überzeugung, dass seine Bewegungen beim Handhaben der Gitarrensaiten, was er – zumindest teilweise – sogar ganz schön wild praktizierte, ihn ohnehin erst zu dem wunderbaren Gedanken, Elisa als Straßenmusikant zu begegnen, inspiriert und dazu positiv beeinflusst hat.

Der Abend war zwar mittlerweile weit fortgeschritten, trotzdem empfand er gegenwärtig den Aufenthalt auf der Terrasse, besonders aufgrund der vorherrschenden Temperaturen in Verbindung mit der kaum wahrnehmbaren Geräuschkulisse, die ihn zurzeit umgab, sehr angenehm.

Aber nicht nur darum bewertete er seinen folgenden Einfall, sich wiederholt ein Glas Wein einzuschütten, als überaus gelungen.

Dabei wollte er es aber nicht belassen, griff stattdessen erneut zur Gitarre und begann augenblicklich damit, einige seiner Lieblingskompositionen von Johnny Logan zu spielen, nachdem er vorher noch genüsslich einen ordentlichen Schluck des hervorragend mundenden Getränkes zu sich genommen hatte.

Anfangs dachte er durchaus, dass es ihm daraufhin gelingen wird, seine Gedankenspiele bezüglich der Frage, wie er Elisa demnächst explizit begegnen sollte, fortzusetzen und dabei obendrein exakte Ziele festzulegen. Zumindest aber detaillierter, als es ihm bisher gelang!

Vornehmlich deshalb war er von einem derartigen Gelingen überzeugt, weil das Musizieren ihn bisher zu solch wunderbaren Einfällen, insbesondere war er sich ja bereits über seine grundsätzliche Vorgehensweise im Klaren, hat inspirieren können.

Tolle Idee, leider wurde daraus nichts!

Inzwischen war er dermaßen müde, der Wein dürfte gravierend zu dem Zustand beigetragen haben, sodass er sich zum Nachdenken nicht mehr imstande fühlte.

Als logische Konsequenz lag er keine drei Minuten später in seinem Bett.

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