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Raus kommst du nie

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. EINS
  7. ZWEI
  8. DREI
  9. VIER
  10. FÜNF
  11. SECHS
  12. SIEBEN
  13. ACHT
  14. Leseprobe – Killer’s Creek

Über das Buch

Anne erwacht. Vollkommene Dunkelheit und Stille. Kalte Wände sind viel zu nah an sie herangerückt. Panische Angst kriecht in ihr hoch. Sie weiß nicht, wo sie ist. Sie weiß nicht, wie sie hierhin gekommen ist. Und niemand antwortet auf ihre Schreie.

Plötzlich ein helles Licht. Für Anne beginnt ein Martyrium, wie sie es sich in ihren schlimmsten Albträumen nicht hat vorstellen können. Jetzt kennt sie nur noch zwei Ziele: Überleben und einen Weg in die Freiheit finden!

Psycho-Thriller voller »Hochspannung« – die neue Reihe von Bastei Entertainment!

Über den Autor

R.S. Parker ist das Pseudonym eines Kölner Autors mit einem Faible für kleine, gemeine Geschichten. Der Autor ist auch als Übersetzer und Lektor tätig.

EINS

»Ritchie, gib die Decke wieder her«, murmelte Anne im Halbschlaf. Immer das Gleiche mit dem Kerl. Kaum waren sie beide eingeschlafen, zog er die Bettdecke ganz zu sich rüber. Irgendwann in der Nacht wachte sie dann auf, weil ihr zu kalt war.

»Ritchiiie …«

Keine Reaktion. Natürlich schlief er mal wieder wie ein Toter und bekam nichts davon mit, was sich um ihn herum abspielte. Missmutig drehte Anne sich ein Stück nach rechts, tastete nach der Decke, nach ihrem Freund, aber … da war nichts.

Keine Decke, kein Ritchie.

Statt des warmen Rückens ihres Freundes, berührten ihre Finger eine glatte, kalte Fläche.

Ihr Verstand brauchte eine Weile, um zu begreifen, dass sie nicht in ihrem Bett lag, sondern … wo eigentlich?

Anne schlug die Augen auf, war sich aber nicht sicher, ob sie nun tatsächlich geöffnet waren. Alles um sie herum war noch immer genauso schwarz wie Sekunden zuvor. Beängstigend schwarz. Ohne den geringsten Lichtschimmer. Kein Fitzel Helligkeit, an das ihre Augen sich gewöhnen mussten.

Einen Moment lang hatte sie das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, weil sie keine Orientierung hatte. Sie zwang sich, tief und gleichmäßig durchzuatmen, bis sie wieder ruhiger wurde. Der Schreck hatte wenigstens ein Gutes: Sie war jetzt hellwach und konnte klar denken.

Erleichtert stellte sie fest, dass ihr Verstand nun auch Erklärungen lieferte für das, was ihr eben noch solche Angst gemacht hatte. Offenbar hatte Ritchie die Rollläden ganz heruntergelassen. Darum also diese beängstigende Finsternis. Tausendmal hatte sie ihn schon darum gebeten, er solle die Läden einen Spaltbreit geöffnet lassen, damit wenigstens ein kleines bisschen Licht von der Straßenbeleuchtung in ihr Zimmer fiel.

»Sperr endlich mal die Ohren auf«, sagte sie, wusste aber, dass Ritchie sie im Moment sowieso nicht hörte. Und dass sie auf dem Boden lag, hatte sie auch ihrem »Schatz« zu verdanken. Bestimmt hatte Ritchie sich ungünstig gedreht und sie dabei aus dem Bett befördert, sodass sie auf dem kalten Fußboden gelandet war. Es wunderte Anne, dass sie davon nicht aufgewacht war, allerdings war es gestern Abend ziemlich spät geworden.

»Das wird dir noch leidtun«, flüsterte Anne, drehte sich zur Seite, stützte sich auf einem Arm ab, stand zügig auf … und schlug heftig mit dem Kopf gegen eine viel zu niedrige Zimmerdecke. Anne schrie vor Schmerz auf, ging zu Boden und blieb ein paar Minuten benommen liegen.

Vorsichtig setzte sie sich auf. Ihr Kopf dröhnte noch immer. Anne hielt jetzt eine Hand über sich ausgestreckt, um einen erneuten schmerzhaften Zusammenprall zu vermeiden. Verwundert stellte sie fest, dass sie, nachdem sie den Arm nur ein Stück weit angehoben hatte, bereits die seltsam kalte Zimmerdecke berührte. Das war ganz sicher nicht die Zimmerdecke. Auch wenn ihr die Orientierung fehlte, wusste Anne, sie könnte im Sitzen niemals mit den Fingern bis an die Decke reichen.

Was für eine verrückte Vorstellung.

»Was … wo …«, begann sie verständnislos.

Ihre Kopfschmerzen waren so gut wie vergessen, als ihr schlagartig bewusst wurde, dass das hier nicht ihr Schlafzimmer war. »Aber …« Anne begann zu keuchen und wisperte: »Wo sind wir, Ritchie?«

Keine Antwort.

»Ritchie«, sagte sie energischer.

Nichts.

»Ritchie!«, schrie sie laut genug, um einen Toten zu wecken.

Kein Laut. Nicht einmal sein Atmen war zu hören.

Sie war allein in diesem … diesem … was immer es sein mochte.

Krieg dich ein. Für das hier gibt es eine rationale Erklärung, wurde sie von einer Stimme in ihrem Kopf ermahnt.

»Ach ja?«, fragte sie laut. »Und was für eine Erklärung soll das sein?«

Denk mal scharf nach.

Worüber sollte sie bitte scharf nachdenken? Ihre letzte Erinnerung war, dass sie neben Ritchie im Bett gelegen hatte und eingeschla…

»Moment mal«, unterbrach sie ihren Gedankengang. »Das stimmt gar nicht.«

Ihre letzte klare Erinnerung stammte von Jennys Junggesellinnenabend! »Ja, natürlich. Das erklärt alles. Aber so einen Scheiß veranstaltet man doch höchstens mit der Braut, aber nicht mit den Brautjungfern.« Sie war mit Jenny und dem Rest der Clique in dieser Bar gewesen, dem … Foxy Lady. Der Schuppen hatte sich auf solche Partys spezialisiert. Jede angehende Braut in Boston, die zu den örtlichen It-Girls gehörte, buchte da ihren letzten Abend in Freiheit, einschließlich Stripper und Drinks bis zum Abwinken.

Anne konnte sich an den Stripper erinnern, der garantiert schwul gewesen war, und an die Drinks, die alle ein bisschen schlapp geschmeckt hatten.

Aus irgendeinem Grund musste Jenny oder eine ihrer Freundinnen auf die bescheuerte Idee gekommen sein, ihr etwas in den Drink zu mischen, um sie außer Gefecht zu setzen. Nachdem sie wehrlos geworden war, hatten die anderen sie weggebracht und hier eingesperrt. Und jetzt saßen sie wahrscheinlich gleich nebenan und lachten sich krumm, während sie hier drin rumpolterte.

»Ja, genau«, redete sie leise weiter. »Eingesperrt. Die haben mich hier reingeschafft, also muss es auch einen Weg raus geben.«

Entschlossen kroch Anne auf allen vieren los, bis sie auf eine kalte Metallwand stieß. Auf den Knien rutschte sie an dieser Wand entlang. Viel zu früh ging es im rechten Winkel weiter. Nach wenigen Augenblicken hatte Anne die fünfte rechtwinklige Ecke erreicht. Sie hatte den Raum also einmal komplett umrundet und war wieder am Ausgangspunkt ihrer kleinen Erkundungsreise angelangt.

Natürlich hatte sie kein Gefühl dafür, wie lang eine Strecke war, da sie nur auf Händen und Knien vorangekommen war. Aber mehr als vier Meter in der Länge und ein bisschen über zwei Meter in der Breite konnten es nicht sein. Und die Decke hing so niedrig über ihr, dass Anne unmöglich aufrecht stehen oder gehen konnte.

Sie fluchte wild in sich hinein und wartete einen Moment, aber nichts geschah. Was sollte an diesem Blödsinn witzig sein? Dass sie in einem Schuhkarton festsaß?

»Jenny, es reicht jetzt. Lass mich raus«, rief sie, als es ihr endgültig zu dumm wurde. Sie steckte lange genug in diesem verfluchten … was auch immer es war.

Keine Antwort, kein Geräusch, kein gar nichts.

Anne legte den Kopf etwas schräger und lauschte angestrengt. Nein, da war tatsächlich nichts zu hören. Was für ein idiotischer Streich sollte das bitte sein, wenn diese dämlichen Hühner nicht mal in der Nähe waren?

»Verdammt, das ist nicht mehr lustig. Jenny? Jenny! Jennyyyy!« Während Anne ihre Wut hinausschrie, trommelte sie mit den Fäusten gegen die Wand vor ihr. Ein blechernes Scheppern. Es klang in etwa so, wie Anne es sich im Innern eines Lüftungsschachts vorstellte. Trotzdem hatte sie nicht das Gefühl, dünne Blechwände um sich zu haben. Das hier war sehr viel robuster.

Und ausbruchssicher.

Als ihr dieses Wort durch den Kopf schoss, musste sie unwillkürlich nach Luft schnappen. Was, wenn das gar kein dummer Streich ihrer Freundinnen war? Was, wenn jemand sie entführt und hier eingesperrt hatte?

Anne wusste, sie hatte auf der Party ein bisschen zu viel getrunken. Aber Jenny und die anderen hätten sie nicht einfach sich selbst überlassen, sondern sie nach Hause gebracht oder zumindest in ein Taxi gesetzt.

Vielleicht ist der Taxifahrer auf dumme Gedanken gekommen, als er dich betrunken im Rückspiegel beobachtet hat, und hat dich …

Abrupt hielt sie inne, lauschte auf ihren Körper. Nein, sie verspürte nirgendwo Schmerzen – abgesehen von dem Brummschädel, den sie der niedrigen Decke und dem bisschen zu viel Alkohol verdankte. Dass irgendein Kerl sich an ihr vergangen hatte, konnte sie im Moment ziemlich sicher ausschließen. Nur sagte das leider nichts darüber aus, was ihr Entführer mit ihr vorhatte, wenn sie wieder nüchtern war.

O Mann, wenn der Typ sich hier blicken ließ, würde er was erleben. Seit sie regelmäßig Selbstverteidigungskurse besuchte, hatte Anne keine Angst mehr, auch noch spät in der Nacht aus dem Haus zu gehen. Sie musste nur einen klaren Kopf haben, so wie jetzt. Ein gezielter Tritt in die Weichteile, und jeder Typ ging erst mal wie ein Sack Zement zu Boden.

Früher oder später würde der Mistkerl hier schon auftauchen. Bei dem Lärm, den sie inzwischen veranstaltet hatte, musste er mitbekommen haben, dass sie aufgewacht war.

Doch als Anne in der stillen Dunkelheit saß und wartete, fiel es ihr zunehmend schwer, ihre Entschlossenheit zu bewahren, dem Kerl zu zeigen, dass er sich die Falsche ausgesucht hatte. Angst kroch in ihr hoch.

Unterschätz den Typen nicht, warnte die leise Stimme in ihrem Hinterkopf. Vielleicht zieht er das hier nicht allein durch.

»Verdammt, musstest du mir das gerade jetzt sagen?« Anne stöhnte auf. Sie spürte, wie sich Panik in ihr ausbreitete. Was, wenn der Kerl tatsächlich nicht allein war? Vielleicht könnte sie ihn für ein paar Minuten ausschalten und aus diesem seltsamen Gefängnis entkommen – und dann? Wenn sie draußen gleich dem nächsten Typen in die Arme lief …

Diesen Gedanken wollte sie lieber gar nicht zu Ende führen.

Nein, sie musste den Dreckskerl überwältigen, sobald er sie holen kam. Egal, wer da sonst noch war. Dann hatte sie zumindest schon mal einen Gegner weniger.

Er könnte dich mit einer Waffe in Schach halten.

»Himmel!«, fauchte sie. »Willst du mir eigentlich noch mehr Angst machen, als ich eh schon habe? Halt endlich die Klappe!«

Das ändert nichts daran, dass er bewaffnet sein könnte, beharrte die Stimme.

»Red du nur. Ich mach den Kerl fertig. Alles Weitere ergibt sich von selbst.«

Plötzlich wurde ihr etwas bewusst. Bei der Erkundung ihres Gefängnisses war sie nirgends auf etwas zu essen oder zu trinken gestoßen. Das konnte nur bedeuten, dass der Entführer ihr bald etwas bringen würde. Oder aber sie abholen würde.

Es sei denn …

Es sei denn, er hat dich hier eingesperrt, um dich langsam und qualvoll krepieren zu lassen.

Bevor Anne Gelegenheit bekam, sich ein solches Ende auszumalen, hörte sie ein Klacken. Sekunden später flammte Licht in ihrer Zelle auf. So grell, dass die Helligkeit ihr Schmerzen bereitete. Anne presste die Hände fest auf die Augen.

Nach mehreren Versuchen konnte sie vorsichtig ins Licht blinzeln. Der Raum war durch eine Reihe von Neonröhren hell erleuchtet, die hinter Mattglasscheiben in die Decke eingelassen waren. Die Lampen verliefen in der Mitte der Decke über die gesamte Länge des Raums und tauchten alles in stechend weißes Licht. Zumindest konnte Anne jetzt sehen, wo sie war …

»O Gott«, entfuhr es ihr leise beim Anblick ihrer Zelle. Einen Moment überlegte sie, ob ihr die Dunkelheit nicht doch lieber gewesen war. Da hatte sie wenigstens nichts von der Enge gesehen, die ihr jetzt vor Augen geführt wurde. Ihre Schätzung, was Länge, Breite und Höhe anging, schien in etwa zu passen, nur wirkte der Raum bei Licht noch beengender als zuvor.

Der Boden war eine durchgehende Metallplatte, während Decke und Wände aus kleineren Platten bestanden, die aneinandergefügt waren. Auf den ersten Blick konnte Anne nicht erkennen, ob eine von ihnen womöglich eine Tür oder Klappe war, durch die es nach draußen in die Freiheit ging.

So glatt und kühl, wie Boden und Wände sich anfühlten, hatte Anne bisher angenommen, sie sei in einem völlig sauberen Raum gefangen. Nun aber zeigte ihr das Licht, dass sie sich geirrt hatte. In Wahrheit steckte sie in einem Drecksloch fest. Boden und Wände waren mit dunkelbraunen Flecken übersät. Sie sahen aus wie verlaufene und getrocknete …

Handabdrücke. Oh, Scheiße. Das lässt nichts Gutes ahnen.

»Kannst du nicht ruhig sein? Was soll dieser pessimistische Scheiß?«, fuhr sie die Stimme in ihrem Kopf an. »Siehst du hier irgendwo Leichen rumliegen? Nein, und ich auch nicht. Das bedeutet doch, dass alle, die vor mir hier festsaßen, auch wieder rauskamen.«

Und haben sie da auch noch gelebt? Und wenn ja, wie lange?

Mit beiden Fäusten schlug Anne auf den Boden und schrie: »Ruhe! Ich will nichts mehr hören!« Nach einer kurzen Pause schüttelte sie ungläubig den Kopf. »Jetzt streite ich mich schon mit mir selbst«, flüsterte sie. »Ich verliere langsam den Verstand hier drin …«

Sie schlang die Arme um sich, sah an sich herab und –erschrak. Das waren nicht ihre Sachen! Sie trug ein fleckiges T-Shirt mit dem Logo einer Fastfoodkette, dazu schmuddelige Shorts und stellenweise durchgescheuerte Ballerinas. Die Shorts waren ihr drei Nummern zu groß. Auf den Hüften blieb die kurze Hose nur hängen, weil die Schnur am Bund eng genug zugezogen war. Sämtliche Sachen hatten schon lange keine Waschmaschine mehr von innen gesehen. Anne verzog angewidert das Gesicht. Ein neuer Anflug von Panik überkam sie, als sie merkte, dass sie keine Unterwäsche mehr anhatte. »Ruhig bleiben«, ermahnte sie sich.

Wer zum Teufel hatte ihr das angezogen? Und wer hatte ihr die eigenen Sachen ausgezogen? Vor wem hatte sie splitternackt dagelegen, gierigen Blicken ausgesetzt? War sie vielleicht auch noch begrapscht worden?

Anne schüttelte sich und verspürte einen Würgereiz, der heftiger wurde, als ihr etwas anderes durch den Kopf ging: Wer hatte dieses Zeug vor ihr getragen? Und wie war es überhaupt so dreckig geworden?

Sie kniff die Augen zu und konnte gerade noch verhindern, sich zu übergeben. Wenn sie den Hurensohn in die Finger bekam, dann …

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