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Rauhaargeschichten

RAUDIS
ERZÄHLUNGEN

Gewidmet meinem Herrchen Knut und meiner Freundin Dina, die ich immer liebte und nie vergaß.

Verlag:Tredition Autor: U.W.Boÿens

© 2017 U.W. Boÿens (auch für die Fotos)

ISBN: 978-3-7439-3807-6 (Paperback)

ISBN: 978-3-7439-3808-3 (Hardcover)

ISBN: 978-3-7439-3809-0 (e-Book)

Vorwort

Raudi, so werde ich gerufen, aber eigentlich heiße ich Amadeus vom Lehmsiegberg. So steht es jedenfalls in meiner Geburtsurkunde des deutschen Teckelclubs.

Aber der Reihe nach. Im Alter von ungefähr zehn Wochen unternahm ich mit Herrchen eine abenteuerliche Reise, was in meinem Fall schon etwas ganz Besonderes war, da es sich nicht um einen Ortswechsel innerhalb Deutschlands handelte. Es ging nach Afrika, genauer gesagt nach Kigali in Ruanda. Wo das liegt? Das erzähle ich euch später.

Dort erhielt ich auch meinen neuen Namen - Raudi.

Als mein Frauchen mich das erste Mal sah, meinte sie, dass ich Raudi heißen müsse, da ich viel Ähnlichkeit mit einem Stofftier hatte, das mit einem “Knopf im Ohr“ in ihrem Besitz war. Außerdem passten in den wenigen Wochen meines Lebens die stattliche Statur meines Körpers und meine schon sehr großen Vorderpfoten gar nicht in das übliche Erscheinungsbild eines Rauhaardackels.

Von nun an wurde ich Raudi genannt. Daran habe ich mich ganz schnell gewöhnt. Der Name selbst war gar nicht so wichtig, eher der Klang und der Ton der Stimme, wenn man nach mir rief.

Ob die Namensgebung letztlich auch aus diesem Grund richtig war? Ich weiß es nicht und überlasse den Lesern meiner Geschichte die Entscheidung.

Abschied aus dem Kinderzimmer

Alles begann so, wie das Leben nun einmal spielt. Man wird geboren, bleibt acht bis zwölf Wochen bei seiner Mutter und seinen Geschwistern. Warm und kuschelig, einfach gemütlich war es in unserer Kinderstube, die aus einer Kiste mit hohem Rand gefertigt und mit weichen Decken ausgepolstert war. Das Schlafen und Trinken bei unserer Hundemama bestimmten den Tagesablauf. Das Kuscheln bei ihr und die Wärme in der Nähe meiner Geschwister waren eine wunderbare Zeit.

An meinen Vater kann ich mich nicht erinnern; vielleicht war er auch nicht so wichtig. In diesen ersten Wochen lernte ich als kleines Hundekind schon sehr viel, sodass außer den Geschwistern, die man zum Spielen brauchte, das Fressen zum wichtigsten Bestandteil im Tagesablauf wurde.

Die kleinen Rangeleien um den besten Platz in der Kinderstube waren ein tägliches Training, um eine Rangordnung festzulegen. Verlierer war ich jedenfalls nicht.

Weil wir dank unserer guten Versorgung immer größer wurden, brauchten wir auch mehr Platz, und so reichte unsere Kinderstube nicht mehr aus, um unsere Energie loszuwerden. Neugierig blickten wir über den Rand, indem wir uns auf unsere Hinterbeinchen stellten. Der Rand war für uns ein riesiges Hindernis.

Der Drang, allein auf Entdeckungsreise zu gehen, wurde dadurch gebremst.

Mit Winseln und Jaulen erreichten wir aber, dass man unserer Neugier auf die Umgebung der Kiste entgegen kam. Mehrmals am Tag durften wir sie nun verlassen, da es auch zu eng wurde, wenn wir spielen wollten. Die Besitzerin unserer Mama hob uns dann heraus, und so konnten wir die Wohnung erkunden - unter Aufsicht natürlich, damit wir keinen Schaden anrichteten.

Alles hatte aber auch seine Zeit, und so kam es, wie es bei Hundekindern üblich ist. Irgendwann wird man abgeholt, verschenkt oder verkauft, das ist ganz gleich, auf jeden Fall bekommt man ein neues Zuhause. Nur wie lange würde das bei mir noch dauern? Meine Geschwister, wir waren zu viert, verließen mich alle schon vorher, - sie wurden vor mir weggegeben. Deshalb war ich traurig, da ich nun allein dasaß und nicht wusste, was ich den ganzen Tag unternehmen konnte.

Eine Menge Glück ist schon dabei, den richtigen Menschen zu erwischen, bei dem man sein zukünftiges Leben verbringen soll. Als ich schließlich abgeholt wurde, konnte man sagen, dass ich eine riesige Portion davon abbekam. So hatte sich das Warten doch gelohnt.

Ich erinnere mich ganz genau, wie das damals war.

Zwei große Hände, die meinen kleinen Körper fast unsichtbar machten, aber trotzdem sehr liebevoll waren, hoben mich aus der Familienkiste heraus, und ich landete auf einem warmen Körper. Auf der Brust meines neuen Menschen, genauer gesagt unter einem Kinn mit ganz weichen Haaren darauf. Die großen Hände streichelten meinen Körper liebevoll. Die weichen Haare, Bart genannt, kitzelten mein kleines Näschen, sodass ich zu niesen musste.

Aber ich war auch etwas ängstlich, von so weit oben auf meine Kinderstube zu blicken.

Das Liebkosen und Schmusen war zwar sehr angenehm, aber trotzdem versuchte ich mich mit Zappeln und Winseln zu verständigen, dass ich lieber wieder auf meinen eigenen Beinchen stehen wollte.

Endlich, endlich durfte ich runter, der feste Boden unter meinen Pfötchen tat mir sehr gut, und deshalb lief ich erst mal wieder in Richtung Kinderstube.

Die Tatsache, dass ich so ganz ohne meine Geschwistermeine liebsten und besten Spielkameraden- meine nächsten Jahre verbringen sollte, machte mich auch traurig. Wehmut stieg in mir hoch, und auch meine Hundemama blickte fragend und neugierig zu mir herüber. Ihr gegenüber konnte ich meine Trauer kaum verbergen, denn auch sie merkte, dass etwas .... geschah. Schließlich war ich der letzte aus dem Wurf, der weggeben werden sollte. Mit hängenden Ohren und eingezogenem Schwanz stand ich vor meiner Kinderstube.

Nun legte man mir auch noch ein Band um den Hals, an dem etwas Langes befestigt war, was ich als sehr unbequem empfand. Ich kam mir vor, als wenn man mir Fesseln angelegte. Alles gute Zureden und das vorsichtige Ziehen konnten mich nicht bewegen, mit meinem neuen Herrchen das Haus an diesen Fesseln zu verlassen.

Nützte aber gar nichts. Die großen Hände griffen wieder nach mir, und ehe ich mich versah trugen sie mich fort. Meine Hundemama bellte mir noch hinterher, dass ich mich freuen solle.

Wie mein Leben weitergehen würde, wusste ich nicht und konnte es mir ohne meine Hundefamilie auch gar nicht vorstellen.

Ängste und Zweifel stiegen in mir hoch, mein Herzlein fing ganz rasch und ängstlich zu klopfen an. Nur- viel Zeit für Angst blieb mir gar nicht.

Draußen vor der Haustür setzte mich mein neues Herrchen in einen Korb, in den er zuvor meine Kuscheldecke gelegt hatte, die ich mitnehmen durfte. Der Korb stand in einem in großen Kasten auf vier Rädern, der sich bald mit mir in Bewegung setzte. So etwas wie ein Auto kannte ich natürlich noch nicht. Herrchen hat mir das aber gleich erklärt.

Mein Mensch, den ich von jetzt an Knut nennen darf, erzählte mir Vieles und machte mir eine Menge Versprechungen über mein weiteres Leben. Zum damaligen Zeitpunkt war ich noch zu klein und unwissend und konnte mit den meisten Worten gar nichts anfangen.

Das Wichtigste hatte ich jedoch schon verstanden, dass es mir immer gut gehen würde, dass mich Knut schon jetzt sehr lieb habe und ein kleines Tier sonst noch zu hören bekommt, damit der Abschied aus der gewohnten Umgebung nicht so schwer fällt. Knut erzählte viele Geschichten. Zum Glück haben wir Tiere ein Gehör für Töne, und so klang die Stimme die meines Herrchens Knut wohlwollend, tief und warm in meinen Dackelohren. Es war allerdings unmöglich, alles in dem kleinen Dackelhirn zu behalten. Erst einige Zeit später kamen mir die Erzählungen in Erinnerung, nämlich .... als sie Wirklichkeit wurden.

Mein Knut hat seine Versprechungen gehalten und war glücklich und stolz auf mich. Ich war sehr zufrieden und genoss es, verwöhnt zu werden.

Überall wo er nun hinging, nahm er mich mit und zeigte mich ganz stolz einer Menge von Leuten. Große und kleine Hände fassten mich an. Streicheln nannten sie es. Oft empfand ich es als lästig, wenn so viele fremde Hände mein Fell betatschten. Manchmal hatte ich auch Sorge, wenn ich ohne Knut allein mit den anderen Menschen in einem Zimmer war, dass er nicht mehr zurückkäme. Das ist zu meinem Glück nie geschehen.

Solange Knut in meiner Nähe war, fühlte ich mich sicher. Ich spürte schon damals, dass mir nichts Schlimmes geschehen werde, weil er auf mich aufpasste.

Ungefähr zwei Wochen waren vergangen, in denen ich seine Mutter, seine beiden Schwestern und deren Familie und einige seiner Freunde kennenlernte. Danach sollte es ganz aufregend werden.

Knut erzählte mir, dass es auch noch ein Frauchen gibt, das zurzeit aber weit weg in Afrika sei und auf uns warte. Allerdings wüsste sie von meiner Existenz noch nichts. Er wollte Frauchen mit mir im Gepäck überraschen.

So viele Neuigkeiten in meinem erst kurzen Dackelleben! Was war überhaupt ein Frauchen? Wieder ein neuer Mensch, mit dem ich mich verständigen sollte? Was käme da noch alles auf mich zu? Erneut stieg ein wenig Angst in mir hoch. Was, wenn alles schiefginge und dieses Frauchen mich gar nicht mochte? Mit solch aufregenden Gedanken schlief ich, wie so oft in meiner Kuscheldecke ein, die immer in Knuts Nähe lag.

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