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Raubkatzen in menschlicher Obhut

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT

RAUBKATZEN

HALTUNG IN MENSCHLICHER OBHUT

FÜTTERUNG

SAUBERKEIT

PAARUNGSVERHALTEN

AUFZUCHT

PRIVATHALTUNG

ZIRKUSHALTUNG

TIERTRAINER CHRISTIAN WALLISER

RAUBTIERPARKS

RINGELLAND

RAUBKATZEN UND EXOTENASYL E.V.

DIE TIGERFAMILIE: TIGER, KIARA, IGOR, BORIS UND USSURI

TIGER – PANTHERA TIGRIS

INDISCHER TIGER – PANTHERA TIGRIS TIGRIS

WEISSE TIGER

ACHILLES UND SHILANG

SÜDCHINESISCHER TIGER – PANTHERA TIGRIS AMOYENSIS

SIBIRISCHER TIGER – PANTHERA TIGRIS ALTAICA

TIGEROASE KOSTOLNA

MALAIISCHER TIGER – PANTHERA TIGRIS JACKSONI

KAWI

SUMATRA TIGER – PANTHERA TIGRIS SUMATRAE

RHANI

LÖWE – PANTHERA LEO

BERBERLÖWEN – PANTHERA LEO LEO

DER LÖWE NELSON MANDELA

WEISSE LÖWEN

WEISSE LÖWEN VOM CIRCUS KRONE

ASIATISCHER LÖWE – PANTHERA LEO PERSICA

THAR UND KEERA

JAGUAR – PANTHERA ONCA

JAGUAR PETRA

BORIS UND LEIMA

LEOPARDEN – PANTHERA PARDUS

AMURLEOPARD – PANTHERA PARDUS ORIENTALIS (AMURENSIS)

PERSISCHER LEOPARD – PANTHERA PARDUS SAXICOLOR

GINGER UND FRED

MESCHED UND AMAN

CHINESISCHER LEOPARD – PANTHERA PARDUS JAPONENSIS

NURIKA UND RICHARD

JACK

SCHNEELEOPARD – PANTHERA UNCIA

PIA UND INDRA

NEBELPARDER – NEOFELIS NEBULOSA

GEPARD – ACINONYX JUBATUS

SAMUEL THAJE

PUMA – PUMA CONCOLOR

PÜNKTCHEN UND ANTON

COCO, SIMBA, BABOO UND KLEIN UNCAS

JAGUARUNDI – PUMA YAGOUAROUNDI

KARAKAL – CARACAL CARACAL

KARAKALDAME KALAHARIA

SERVAL – LEPTAILURUS SERVAL

HYTA UND BATUL

WEISSER SERVAL

LUCHS – LYNX

ANUBIS

FISCHKATZE – PRIONAILURUS VIVERRINUS

RATU

MISCHLINGE – HYBRIDEN

DANK UND QUELLENVERZEICHNIS

VORWORT

Liebe Leser und Leserinnen, liebe Raubkatzen-Fans, liebe Tierfreunde,

dieses Buch sollte ursprünglich ein Bildband werden. Da ich aber bei meinen Foto-Touren so viel erlebte, musste ich es aufschreiben, um euch damit mit diesen Erlebnissen die Lebensweise von Raubkatzen näher zu bringen. Ein Beweggrund für das Buch waren auch die vielen Diskussionen über das Leben von Tieren, die im Zirkus, Zoo und in Privathaltung leben. Ich möchte Pro und Kontra sowie neue Erkenntnisse zur Raubkatzenhaltung in menschlicher Obhut aufzeigen und Mythen aus dem Weg räumen.

Schon im Kindesalter hielt ich eine Fotokamera in der Hand und schaute später gerne zu, wie mein Vater seine Bilder selbst entwickelte. Erst im Jahr 2008, mit dem Umstieg von analoger auf digitale Fotografie, begann ich, mich intensiv mit der Tierfotografie zu beschäftigen. Tiere haben mich schon immer fasziniert, Bären, Raubvögel, doch am meisten zog es mich zu den Raubkatzen hin.

Leider hatte ich nie die Möglichkeit in Afrika oder Asien zu fotografieren, um möglichst viele unterschiedliche Tiere in freier Wildbahn vor meine Linse zu bekommen, geschweige denn, sie anzufassen, was die Erfüllung eines großen Kindheitstraumes gewesen wäre.

Ich bin der Meinung, dass ein gutes Bild nicht unbedingt technisch perfekt sein muss, ein Bild sollte eine Geschichte erzählen, doch als Fotografin strebe ich natürlich auch nach der Perfektion. Es sollte am besten alles stimmen, die Qualität und das besondere Motiv. Zum Ausüben der Tierfotografie gehören außer Geduld, Zeit und Ausrüstung auch eine gehörige Portion Erfahrung und Wissen über die Lebensweise und das Verhalten der Tiere.

Ein Beispiel: Bei empfindlichen Menschen kann Blitzlicht schmerzhaft sein, bewirken, dass die Augen tränen. Da Tiere, wie z. B. Raubkatzen, weitaus lichtempfindlichere Augen haben als wir, sollte es für jeden verantwortungsbewussten, einfühlsamen Fotografen selbstverständlich sein, bei Tierfotos auf Blitzlicht zu verzichten. Blitze können bei Tieren Stressgefühle, Unwohlsein oder zumindest eine genervte Stimmung und Verunsicherung verursachen. Für mich persönlich ist es keine Aufnahme wert, die Tiere unnötig zu stressen.

Anfang 2013 fragte mich meine Nachbarin, was ich mit den ganzen Fotos, die ich bis jetzt gemacht habe eigentlich vorhabe. Meine Antwort war, daraus irgendwann einen Fotoband zu machen. Nach der Rückfrage: „Warum machst du es nicht jetzt?“ dachte ich: „Ja, auf was warte ich eigentlich?“

Ich hatte inzwischen viele Fotos, doch ohne Genehmigung für deren Veröffentlichung. So schaute ich mich in sozialen Netzwerken im Internet um, schrieb ein paar Nachrichten und musste nicht lange warten, bis ich die erste Zusage erhielt, Tiere zu fotografieren, Fragen zu stellen und um alles für mein Buch zu verwenden.

Seit Mai 2013 besuchte ich gezielt mehrere Zoos, Tiertrainer im Zirkus und private Raubtierhalter in Deutschland, Tschechien und der Slowakei. Als gebürtige Tschechin hatte ich den Vorteil, mit den Leuten in ihrer Landessprache zu reden. Ich sprach mit Pflegern, Zoologen, Tierfilmern und freiwilligen Tierschutzhelfern und schaute sehr neugierig und mit wachem Blick hinter die Kulissen dieser Einrichtungen. Ich habe viele Informationen gesammelt und es gelang mir im Lauf der Zeit, viele besondere Aufnahmen zu machen und starke Tier-Persönlichkeiten unter den Raubkatzen kennenzulernen. Diesen wundervollen Tieren so nahe zu kommen, war wirklich etwas Außergewöhnliches.

Viele Tierhalter und Pfleger erlebte ich am Anfang unserer Gespräche sehr distanziert. Wenn sie aber merkten, dass mein Interesse wirklich den Tieren galt, wurden meine Bemühungen belohnt. Sie erzählten mir manches Wissenswerte über ihre Tiere.

Beim Fotografieren kommt es oft vor, dass ich die Raubkatzen anfassen oder streicheln darf, natürlich mit einer gewissen Zurückhaltung, weil die eigene Sicherheit stets vor geht. Wenn sich das Tier von seinem Pfleger anfassen oder aus der Hand füttern lässt, ist das das Ergebnis von lange aufgebautem Vertrauen. Ein Fremder sollte das nicht ohne Erlaubnis tun.

Mit der Zeit konnte ich einen großen Bekanntenkreis rund um das Thema Raubkatzen mein eigen nennen. Dank Facebook und Co. blieb man in Kontakt, erfuhr Neuigkeiten und ich wurde oft weiter empfohlen. Auf diese Weise entwickelten sich ein paar gute Freundschaften und immer wenn ich dachte, jetzt hab ich genug Informationen gesammelt, habe ich etwas Neues erfahren oder einen Tipp bekommen. Obwohl ich „nur“ einen Fotoband machen wollte, hatte ich so viel Material, dass ich das einfach einbauen musste. Es hat über zwei Jahre gedauert, bis aus meiner Idee das fertige Buch entstand.

Natürlich habe ich eine eigene Meinung zur Raubkatzenhaltung. Tiere gehören in die Freiheit! Das ist aber nicht immer möglich, da es im Moment mit ihren Lebensräumen nicht gut bestellt ist. Bei meinen Recherchen merkte ich, dass es nicht nur Schwarz oder Weiß gibt. Es muss sich noch sehr vieles ändern, in Form von besseren Kontrollen und Gesetzen. Es ist meines Erachtens weniger wichtig, wo die Tiere leben, sondern wie und bei wem. Auch ein Privatmann kann einem Tier sehr schöne Lebensbedingungen bieten, wenn er finanziell abgesichert, mit Herz und Seele dabei ist und genug Erfahrung besitzt.

In Europa sind wieder Luchse, Wildkatzen, sogar Wölfe und Bären in der freien Natur zu finden. Daran sollten wir uns alle freuen. Doch viele Menschen haben Angst vor den Tieren. Aufklärung ist hier sehr wichtig. So ist es auch in Afrika, wo Tiere allein zum Spaß, gegen Bezahlung zum Abschuss freigegeben werden, auch wenn sie vom Aussterben bedroht sind. Der Schein, dass Tiere in ihrer Heimat ungestört leben können, trügt.

Wollen wir den Versuch wagen, die Zeit „zurückzudrehen“, um wieder freilebende Wildtiere in unseren Wäldern zu sehen? Dann müssen wir uns für die Natur und Umwelt interessieren, ihre Gesetze verstehen und respektieren, den Tieren genug Freiraum geben. In Gefangenschaft müssen wir ihnen mit artgerechter Haltung und sinnvoller Beschäftigung das Leben so angenehm wie möglich machen.

Wir sollten mehr Verantwortung für Lebewesen übernehmen, das heißt auch, dass wir uns über diese Tiere umfassender informieren.

Es war für mich eine große Herausforderung, ein Buch in deutscher Sprache zu schreiben. Ohne meine vielen Freunde und zum Schluss die Lektorin und Grafikerin, die mir mit Tipps und Korrekturen geholfen haben, wäre es kaum möglich gewesen. Ich möchte mich bei allen recht herzlich bedanken!

Katerina Mirus

© Foto: Charly Swoboda, www.mediafreedom.at

Gerne könen Sie mich auf Facebook besuchen und mir Ihre Meinung über mein Buch schreiben: www.facebook.de/Raubkatzenbuch

Weitere Fotografien finden Sie auch auf meiner Foto-Fanseite: www.facebook.de/WildBeautyPhotography

RAUBKATZEN

Kaum ein anderes Tier hat beim Menschen so viele verschiedene Emotionen hervorgerufen wie eine Raubkatze. Für ihre Eleganz, Anmut, Stärke, Schnelligkeit – egal ob bei den Mayas, im alten Ägypten oder im Reich Chinas, überall wurde sie verehrt, begehrt, aber auch gefürchtet und gejagt.

Seit Jahrtausenden kreuzen sich die Wege von Menschen und Raubkatzen und bis heute faszinieren uns diese Tiere. Nicht umsonst sind Hauskatzen die beliebtesten Haustiere. Viele von uns möchten einfach einen kleinen Tiger um sich haben. Es ist umso erstaunlicher, dass Raubkatzen immer noch sehr wenig erforscht sind. Das wiederum steigert die Begeisterung, wenn wir einem dieser edlen Tiere begegnen.

Mir erging es nicht anders. Schon im Alter von drei Jahren war mein liebstes Tier auf Opas Bauernhof eine schwarze Katze namens Bertik. Vor 40 Jahren hatten es Bauernkatzen alles andere als einfach; es gab kaum medizinische Versorgung und ich kann mich nicht daran erinnern, dass Bertik einmal einem Tierarzt vorgestellt worden wäre, geschweige denn, eine Impfung bekommen hätte.

Bei echten Raubkatzen war es nicht viel anders. Sehr scheu, gut getarnt, in abgelegenen Regionen lebend, war es schwer, sie zu finden, um ihre Lebensweise, das Verhalten und ihre Bedürfnisse zu studieren. So waren Käfige und Ausläufe im Zoo früher nicht besonders groß, weder gab es Spielzeug, noch Klettermöglichkeiten. Wer wusste damals schon, dass Tiger gerne schwimmen gehen und daher auch in der Gefangenschaft ein Pool oder wenigstens eine Dusche überaus wichtig für sie wäre.

Heutzutage sehen das viele Menschen anders und das ist gut so. Deswegen ist die Arbeit von Forschern und Tierfilmern so wichtig. Dank moderner Geräte und Kameras können sie das Leben der Raubkatzen studieren, ohne diese zu stören, einzufangen oder sie gar zu erschießen, was früher zur Dezimierung der Tiere führte oder ein Leben in Gefangenschaft für diese bedeutete.

Tiger lieben Wasser, Tiergarten Nürnberg, 2010

Mithilfe von DNA-Analysen reicht schon eine Kotprobe aus, um sie einem bestimmten Exemplar zuzuordnen, oder Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie sich ein bestimmtes Tier ernährt hat. Mit Fotofallen gelingt es, einzelne Tiere zu identifizieren, was wiederum genaue Zählungen ermöglicht. Jedes Streifen- oder Fellmuster ist einzigartig wie ein Fingerabdruck. Manche Menschen können ein Tier sogar an seinen Schnurrhaaren erkennen. Jedes Haar hat an der Wurzel einen Pigmentfleck. Diese Flecken bilden ein Muster, welches sich das ganze Leben nicht verändert.

Es werden täglich neue Erkenntnisse gewonnen, die dazu beitragen, diesen Tieren bessere Lebensbedingungen zu schaffen, sie zu schützen, um den Fortbestand über weitere Generationen zu ermöglichen. Es hat sich vieles verändert.