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Racheengel der Vampire 3

Angel Wanger, Revenge Angel

Racheengel der Vampire 3

Sieg - Suche - Sucht


Hi BeKoma, wo wäre ich ohne deine Hilfe? Hab vielen Dank für deine Hilfe und dein scharfes Auge, dem die Fehler nur so ins Auge springen!


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Prolog

„Und alles klar?“ Konga blieb zurückhaltend, nachdem er Joyce abgesetzt hatte.

Die Voraussetzungen einer funktionierenden Dreierbeziehung standen ja nun wieder am Anfang, wo Terrag alias Jack alle hinnahm, da musste der ‚richtige‘ Jack erst mal mit arbeiten.

Dem Engelchen ging das am Zuckerarsch vorbei, sie fiel Konga in die Arme. „Hast du sie ...“

„Joyce ist bei Doc Dakota und dort wird sich ihrer angenommen. Was draus wird, sehen wir in einem Jahr. Vorher darf keiner zu ihr. Aber du kannst dich auf Doc Dakota verlassen. Was der Doc nicht wieder hinbiegt, muss erst noch gewandelt werden.“

Vorsichtig linste Konga über Angel hinweg zu Jack, der die beiden sehr argwöhnisch beäugte, jedoch ein Knurren unterdrückte. Konga kannte seinen langjährigen Freund genug und sah, wie dessen Oberlippe einseitig zuckte. Derweil drückte Angel ihr Gesicht in Kongas Pulli und bekam davon nichts mit.

Seinen Standpunkt bei Angel wieder aufzugeben, kam nicht infrage, Konga fixierte Jacks Augen. „Ich will es nicht mehr ändern und du wirst es auch nicht tun. Wir hatten uns darüber schon unterhalten!“

Sicher, sie sprachen ja schon über die theoretische Dreierbeziehung miteinander, aber die Praxis musste erst mal verdaut werden. Jack wich einen Schritt zurück, trotz seiner wachsenden Fänge beherrschte er sich momentan weitestgehend. „Es ist noch zu frisch, ich habe viel gesagt und muss mich jetzt erst mal daran gewöhnen, euch in so trauter Zweisamkeit zu sehen.“

Angel sah sich zu Jack um, ohne Konga loszulassen. Nun merkte auch sie, was der falsche Jack hinnahm, das schluckte der echte keineswegs tolerant herunter.

„Wagt euch nicht, hier einen Kampf heraufzubeschwören! Ihr legt euch gleichzeitig mit mir an!“, knurrte Angel böse, als sie die Anspannung der beiden Vampire buchstäblich in deren gezückten Fängen sah. „Und außerdem haben wir jetzt andere Probleme. Die Leute von Terrag müssen ausgeschaltet werden und die Halbhirne müssen umdenken oder auch gekillt werden. Ich habe keine Lust zu erfahren, wie in ein paar Monaten global etliche von denen wie Fliegen von der Wand fallen, und die Menschen sie auseinandernehmen.“

Das waren genügend Stichworte um die beiden Kontrahenten in andere Gedankenbahnen zu lenken. Vorerst.

„Wo sind wir hier eigentlich?“, fragte Jack und sah sich in der riesigen Küche um.

Alles war edel in dunklem Holz gehalten und mit Stahlelementen kombiniert, unpersönlich und steril.

„Dalia Conners Anwesen, ich hatte dir doch von ihr erzählt“, antwortete Konga.

„Du hast es angedeutet! Was weiter passiert ist, und wie ihr hierhergekommen seid, entzieht sich meiner Kenntnis. Mir fehlt eine verschissene Woche!“

Besser hätte sie nicht in Erscheinung treten können, Dalia kam und blieb im Türrahmen stehen. „Dann frische ich Ihre Kenntnisse auf. Wenn Sie mir bitte folgen würden?“

Conners Witwe, auch wenn sie ein Kopfgeld auf ihren Mann ausgesetzt hatte … Jacks Glieder versteiften sich, als er zur Tür sah, wo eine rotblonde Dame stand, die ihm freundlich zulächelte. „Halten Sie mich nicht für unfreundlich, aber ich will zunächst ein Auge auf meinen Sohn werfen.“

Zuvorkommend lächelte Dalia Jack an. „Oh, das trifft sich gut, er verlangt gerade nach einer Mahlzeit.“

Nachdem sie sich an Jack vorbeischlängelt hatte, entnahm Dalia dem Kühlschrank eine fertige Flasche und reichte sie Jack. „Jared zahnt und nimmt gerne gekühlte Blutflaschen zu sich. Folgen Sie mir bitte.“

Oh Vampir, Jack wollte etwas erwidern, aber der Tonfall der Dame ließ keinen Widerspruch zu, so folgte er ihr wie ein dressierter Dackel.

Nicht mal Angel würdigte er eines Blickes und verließ schweigsam die Küche.

Weibliche Vampire schienen im Allgemeinen, je älter sie wurden, mehr Macht zu besitzen. Jedenfalls schoss Angel das gerade durch den Kopf, als sie Jack hinterhersah.

„Er wird mich über kurz oder lang köpfen“, murmelte Konga und ließ von Angel ab.

„Wird er nicht!“

Sein Nasenrücken kräuselte sich, als Konga sich vorbeugte. „Wird er doch!“, knurrte er und schielte auf ihren Mund.

„Wird er nicht!“, konterte Angel und kam seinem Gesicht näher.

„Hast du seinen Blick nicht gesehen? Nein, konntest du ja nicht, musstest mir ja über den Schritt streicheln.“

„Hab ich gar nicht!“, surrte Angel und holte nach, was er ihr angelastet hatte.

Bedenklich sanft knurrte Konga weiter, packte zu und mit einem leisen Quieken landete Angel auf der Arbeitsfläche.

„Wir stellen jetzt nichts an“, brummte Konga und zog den Reißverschluss ihrer schwarzen Bluse bis zum Nabel auf.

„Nein, wir machen gar nichts“, schnurrte Angel und zog ihm sein T-Shirt über den Kopf. Lecker, Angel betrachtete seinen perfekten Body, schnurrte sinnlich und sah seinen Händen zu, wie sie ihre Bluse über die Schultern schob.

„Ich pell dich saugern aus Klamotten, aber jetzt bin ich über deine fehlende Unterwäsche echt froh.“

„Warum?“

„Darum“, knurrte er und leckte ihr betont langsam und abwechselnd über die Brüste.

Wie schon so oft ging ihr sein Knurren gehörig unter die Haut, Angel erschauerte und dehnte sich nach hinten.

„Keylan ... leck mich“, schnurrte Angel.

„Sag meinen richtigen Namen bitte nur, wenn wir allein sind. Und wo bitte sehr, soll ich dich lecken?“

„Überall.“

„Überall?“

„Überall!“

Jählings zog Konga sie von der Arbeitsplatte runter und riss ihre Hose von den Beinen.

„Warum hast du es so eilig?“

„Psst!“

Prompt landete sie wieder auf der Ablage, Angel machte große Augen und sah zu, wie Konga sich an ihren Beinen hochleckte. „Wie auch immer“, stöhnte sie und lehnte sich an.

„Schweige Weib und spreiz die Schenkel!“

„Konga!“

Angriffslustig grinste Konga zu ihr hoch und schleckte mit voller Zungenbreite über ihren blanken Venushügel. Vor Hitze erblühend hielt Angel die Luft an. Ihre Beine waren nicht mal ansatzweise offen, da stürmte seine Zunge ihre feuchte Spalte.

„Himmel!“, juchte sie und griff in seine Haare und zerrte ihn daran hoch.

„Hey, ich sollte dich doch überall lecken!“

„Nee, spontane Planänderung!“ Angels Blick schloss aus, was sie eben noch wollte. Unverzüglich öffnete sie seine Hose und siehe da, Konga dachte auch in eine andere Richtung oder zumindest ein Teil seines Körpers.

„Er will nicht mehr, dass du leckst! Wir sollten auf ihn hören, seinem Wunsch nachgeben.“

„Sollten wir?“

Körperliche Überredungskunst, Angel lächelte hinterhältig und zog ihre Beine an.

„Wir sind aber nicht mehr lange allein.“

Mit den Pobacken schaukelte sie ihren Hintern an die Kante, blickte an sich herab. „Sie schreit nach ihm! Guck doch!“

„Das kann ich nicht verantworten“, flachste Konga und stopfte das schreiend feuchte Spaltkätzchen, schob sich vor und sah Angel erregt in die Augen.

Beide gaben sich nicht viel, bis sie sich dann auch gegenseitig den Mund ausfüllen mussten, damit der Geräuschpegel in einem erträglichen Rahmen blieb.

Etwas später sammelte Konga Angels Sachen ein und zog sich wieder an. „Kätzchen, wann darf ich dich mal für einen Tag mein nennen?“

„Könnte sein, dass es eine Weile dauert, denn Jack ist genauso durch den Wind wie ich. Gib uns etwas Zeit.“

Zeit … etwas, was er in den nächsten Tagen nicht unbedingt im Überfluss hatte. Und einer der Gründe, warum er den direkten Blickkontakt zu ihr vermied, Konga zog sich sein T-Shirt über. „Heute Abend bin ich weg. Wie lange weiß ich nicht.“

Angel griff nach seinem Arm. „Und wo willst du hin?“

„Gordon lässt in Texas das erste Lager hochgehen und ich bin dabei.“

„Ist alles so gesichert, dass ihr auf alle Fälle im Vorteil seid?“

„Es besteht immer ein Restrisiko, lässt sich nicht vermeiden“, wich er aus.

Worte, die sie nicht hören wollte, Angel sah von ihm zu Boden.

„Angel, wir hatten ein Leben vor dir und wir leben noch ... und wir werden weiterleben.“

Mit einem zaghaften Nicken ging sie ohne sich umzudrehen Richtung Tür.

„Babe, warte“, sagte er leise.

„Worauf?“

Augenblicklich stellte Konga sich hinter Angel, nahm sie sanft in den Arm und senkte seine Nase in ihr Haar. „Ich bin vorsichtig.“

Ihre Angst war einfach zu groß, Angel sah nicht zu ihm hoch. „Ist okay“, murmelte sie und ging Richtung Terrassentür. Jetzt war frische Luft dringend nötig, denn Angel hatte das Gefühl zu ersticken.

Unter einem Sonnenschirm saß Jack mit Flora im Arm auf der Terrasse, beide guckten sich ein Kinderbuch an. Schweigend setzte sich Angel an den Tisch und betrachtete den riesigen Garten.

Für das Vergnügen der Kids hatte Dalia perfekt gesorgt. Schaukel, Sandkasten und alles, was kleine Kinder zum Spielen und Experimentieren brauchten. Alles in bester Qualität. Selbst ein kleines aufblasbares Planschbecken stand unter einem riesigen Sonnenschirm. Momentan schliefen Jared und Heaven in Wiegen, die im Schatten einer alten Eiche standen. Über ihren Betten breitete sich ein Insektenschutznetz aus.

Grübelnd goss Angel sich ein Glas ein, das mit Eiswürfeln in einer Karaffe auf dem Tisch stand. „Und wann wirst ‚du‘ gehen?“, fragte sie Jack.

„Kommt drauf an, ob du mich gehen lässt. Ich weiß, unsere Leute kommen auch ohne mich klar. Aber ich möchte, dass du verstehst, dass ich lieber bei ihnen bin, als mich wie ein feiges Huhn zu verstecken.“

„Dann geh“, sagte Angel knapp und stand auf.

Was hatte sie sich erhofft? Jäger und Halbhirne standen bereit, um sämtliche Vampire überall zu töten, alles ging ja auch ohne Terrag weiter, leider. Konnte sie da so egoistisch sein und ihre Vampire von dem Kampf abhalten? Nein.

Beide würden gehen, denn bei diesem Spiel hatte sie die Karten nicht mehr in der Hand.

Gerade kam Dalia auf die Terrasse, sie trug einen leichten zweiteiligen Sommeranzug in Weiß. Angel nickte ihr kurz zu und ging in den riesigen Garten. Nach ein paar Metern zog sie ihre Turnschuhe aus und lief barfuß im knöchelhohen Gras weiter.

Gedankenversunken blickte Dalia Angel hinterher und setzte sich zu Jack. „Sie ist eine unglaubliche Frau.“

Wie wahr, Jack schmunzelte. „Ich habe das nach einem Tag begriffen, und dann musste ich wiederholt auf das Schicksal bauen, ihr über den Weg zu laufen.“

Beide sahen Konga auf die Terrasse kommen, er setzte sich dazu und trank auch einen Schluck aus Angels Glas.

Kurz hielt Jack wieder Ausschau nach Angel, aber sie war irgendwo zwischen den Bäumen verschwunden. Fahrig stand Konga wieder auf, wollte ebenfalls in den Garten gehen, er fühlte ihre innere Unruhe und die blanke Panik in seinem Geist.

„Lass sie, sie muss damit fertig werden! Wir sind nicht mehr auf dem Schiff. Unsere neue Freiheit ist bei ihr noch nicht angekommen.“

Das ging nicht nur ihr so, Konga sah Jack an, atmete tief ein und ging schweigend wieder ins Haus.

„Er leidet“, sagte Dalia.

„Ich weiß, aber in den nächsten Wochen kommt so einiges auf uns zu, und beide müssen begreifen, dass das Leben auch außerhalb der Familie voranschreitet.“

Dalia blickte müßig in die Wipfel der Bäume. „Das wird ‚sie‘ aber nicht verstehen. Ich habe mir erlaubt, einige Erkundigungen einzuholen. Angel Wagner war und ist eine starke Frau, aber um das zu werden, ist sie vor euch durch die Hölle gegangen. Sie sehnt sich nach einem leichteren Leben, Ruhe und einer Familie, mit der sie Unfug anstellen kann.“

„Damit habe ich keine Probleme, sie muss nur die nächsten Wochen überstehen.“

„Jack, sie versteht es nicht, weil in ihren Augen wieder etwas in ihr Leben funkt, das ihr die Hoffnung nimmt. Allein ihr letztes Erlebnis mit Terrag hat sie um Jahre zurückgeworfen. Seit einer Woche lasse ich auch ihren Sohn observieren. Um ihr Halt zu geben, werde ich ihn wahrscheinlich in den kommenden Tagen einladen. Momentan wird sie zerbrechen, wenn ihr zu lange wegbleibt, kann nicht kompensieren, was ihr fehlt. So wie ich ihre derzeitige Situation einschätze, ihr habt überdurchschnittlich viel miteinander ... du weißt, was ich meine.“

Seit einigen Jahrzehnten ging Jack mit dem Gesprächsthema Sex ziemlich neutral um, aber nun musste er schmunzeln.

„Ich habe es geahnt. Nicht, dass ich es euch missgönne, aber sie muss ihre Ängste in den Griff bekommen. So sehr sie euch anhimmelt, so sehr ist sie mit Komplexen, Schuldgefühlen, Ängsten und Sorgen vollgestopft. Ich habe auch alle Männer aus ihrer Vergangenheit durchleuchten lassen und keiner hat sie um ihrer Selbst geliebt. Angel hat jetzt eine Ewigkeit Zeit, sich immer mehr in ihren Ängsten zu verlieren. Doch wenn sie damit anfängt, wird sie über kurz oder lang eure Beziehung aus dem Grund zerstören, weil sie es nicht anders kennt. Jack verstehst du, was ich sage? Sie ist es gewöhnt, dass ihre Beziehungen in die Brüche gehen. Du musst jeden Tag aufs Neue um sie kämpfen und dieser Kampf wird weit schlimmer werden, als gegen diese lausigen Jäger. Und eines muss ich unbedingt loswerden.“

Jack sah Dalia erwartungsvoll an.

„Sie ist es allemal wert. Auch wenn sie diesen schweren Weg nur aus dem Grund gegangen ist, um euch zu halten und zu beweisen, dass sie zu etwas nütze ist. Ihr Grundwesen ist hypersensibel. Sie reagiert auf die kleinsten Schwingungen. Lies ihre Bücher und verstehe die Worte zwischen den Zeilen. Ich kenne keinen sensibleren Menschen, der sich so schnell in ein Schneckenhaus zurückziehen kann wie sie. Fangt beide wieder bei null an, macht ihr den Hof, lasst sie fühlen, was für ein wunderbarer Vampir sie ist.“

Seufzend lehnte Dalia sich zu Jack rüber. „Holt ihr die Sterne vom Himmel, aber keiner wird so sehr leuchten wir ihre Augen, wenn sie ihn in den Händen hält, um ihn wieder freizulassen. Keine Geschenke, keine Wertsachen, sie braucht ehrliche Liebe. Sie ist ein Engel, der hier auf Erden fehl am Platz ist.“

„Stimmt, sie hat nie etwas derartiges verlangt“, flüsterte Jack und sah in Dalias Augen.

„Siehst du. Sie braucht zum Leben nur Liebe und zwei beziehungsweise vier Schultern. Aber um das zu begreifen, muss sie durch ihre dritte Hölle, um ihre Vergangenheit auszubuddeln und dann endgültig zu begraben.“

Nun wurde auch Jack unruhig, sah von Dalia in den Garten. „Soll ich zu ihr gehen?“

„Nein, das andere Problemkind soll sich erst mal um sie kümmern. Konga, du hast alles mitbekommen?“

„War ja nicht zu überhören“, brummte Konga aus dem ersten Stock des Hauses und trat aus seinem Zimmer auf den Balkon.

Versonnen blickte Dalia nach oben. „Du bist doch das Spielkalb von euch beiden, oder?“

Oh ja, Konga grinste darauf dümmlich übers Geländer.

„Ich kenne halt die Vampire, auf die ich mich einlasse.“

Dalia lächelte und bekam eine weitere Bestätigung, denn Konga sprang vom Balkon neben den Tisch und zog Dalias Hand in seine, um ihr einen Kuss aufzuhauchen. „Mein Ratschlag an dich. Spiel mit der kleinen Angel, sie ist ein kleines Mädchen, das zu Hause nicht viel Beachtung bekommt. Papa säuft am Wochenende, Mutti ist überfordert und für Freundinnen ist sie zu schüchtern. Lock sie heraus. Entführe sie in eine Traumwelt, in der sie etwas bewältigen muss und sei ihr Helfer.“

Kein Thema, er mochte Spielchen, Konga verneigte sich theatralisch vor Dalia und klopfte Jack auf die Schulter. „Dafür bist du nicht geschaffen, alter Sack.“

Pah, Jack verdrehte seine Augen und wünschte Konga zum Teufel.

„Nee, ich mag Engel mit spitzen Zähnen viel lieber“, grunzte Konga und lief los.

„Danke, dass du ihn gewähren lässt. Für Angel ergänzt er eure Beziehung perfekt. Du hättest dir keinen Besseren für sie wünschen können.“

„Es ist nicht einfach über meinen Schatten zu springen, weil ich sie sehr liebe“, gab Jack zu.

„Ich weiß, aber er nimmt sie dir nicht weg. Sie kannten sich ja schon vor dir, wenn auch nur flüchtig und eher vage.“

„Woher hast du all dein Wissen?“, fragte Jack wachsam.

Dalia lächelte. „Ich sehe in die Seelen meiner Vampire. Das mit Terrag war eine Ahnung, aber ich konnte nichts Genaues sagen, denn es gehört zu dem festen Bestandteil eurer Vergangenheit, damit ihr nach vorne schauen könnt. So, und nun lass uns die Kinder wecken, sonst schlafen sie heute Nacht nicht.“

Der Blutfuchs und die Fluchläuferin

Lange bevor er sie riechen konnte, sah Konga Angel. Er hechtete in die Bäume und sprang von einem zum nächsten, bis er über ihr war.

„Ich sehe eine Waldfee, aber sie hat spitze Zähne, ist sie vielleicht doch eine Waldhexe“, summte er auf sie herab.

Ein Spiel, herrlich, Angel blieb stehen und zupfte an ihrem Blatt, das sie schon eine Weile mit sich herumtrug. „Bin eine Fluchläuferin, die sich verirrt hat und nach einer Blutblume suchen muss, um einen Fluch zu brechen“, summte sie zurück und fragte: „Wer kreuzt meinen Weg? Freund oder Feind?“

„Bin der schlaue Blutfuchs, der sich im Wald bestens auskennt. Kann dir zeigen, wo dein Blutblümchen steht. Doch sei gewarnt, es wird bewacht!“

„Wen muss ich bezirzen, um an einen Fluchbrecher zu kommen?“

Beschwingt sprang Konga vom Baum und umrundete Angel wie ein Storch mit steifem Stechschritt, neigte seinen Kopf, sah sie schräg an und schnüffelte an ihrer Schulter. „Der Blutfuchs kennt den Waldrothirsch. Er und seine Horde streifen um die Lichtung, auf der die Tümpelente in ihrem Nest aus Blutblumen sitzt und er hat es gepetzt. Es ist versteckt im hohen Gras. Sie hackt jedem ins Bein, der ihr eine Blutblume von der Landseite stibitzen will.“

„Was ist dein Preis, wenn du mich zur Entenkönigin führst?“, fragte Angel und sah Konga mit geneigtem Haupt scheu an.

Er stolzierte um sie herum und legte eine Denkerstirn auf. „In der Regel gebe ich mich mit einem Finger zufrieden.“

Erschrocken schlug Angel die Hand vor den Mund. „Aber Blutfuchs, dann bin ich entstellt und kann bestimmt keinen Fluch mehr brechen.“

„Dann kommt nur eine höhere Entlohnung infrage.“

Angel sah ihn erwartungsvoll an. „Die da wäre?“

„Du musst mir einen Wunsch gewähren, wenn du die Blutblume hast.“

„Muss mein Körper darunter leiden?“, fragte Angel ängstlich und griff sich an die Kehle.

„Nein, sicher nicht“, antwortete Konga.

„Gut, dann will ich es wagen“, sagte Angel mutig und folgte dem Blutfuchs.

Sie gelangten wirklich auf eine kleine Lichtung, in der ein kleiner Teich lag, der von Schilfrohr umwuchert war. Nun ja, Konga hatte das Wasser gerochen und sich alles zusammengereimt.

Angels Augen leuchteten. Im Schilf wuchs auch eine rote Blume. „Dort ist sie! Sie wird den Fluch brechen“, flüsterte sie ehrfürchtig.

Zögernd spähte Konga durchs Schilf. „Das Gewässer kann nur von einer gewandten Maid gebannt werden, denn bedenke, es verschluckt alle bösen Wesen des Waldes.“

„Meine Fluchbrecher sind berüchtigt, denn nur dem Guten gilt mein Handeln.“

„Dann, holde Fluchbrecherin, wünsche ich Euch ein gutes Gelingen.“

„Wollt Ihr mich denn nicht begleiten?“, fragte Angel traurig, legte ihren Kopf auf die Seite und schluchzte.

„Ich bin verflucht, würde ertrinken. Wollt Ihr mein Ende herbeiführen? So sei es!“

Bestürzt sah Angel den Blutfuchs an. „Nein, das ist nicht mein Anliegen!“

„Dann legt böse Gedanken und euer Gewand ab. So kann Euch kein Unheil heimsuchen.“

„Was an meinem Gewand ist hinderlich, wenn ich den kleinen Tümpel betrete?“

Sachlich und mit ernster Miene blieb er vor ihr stehen, sah an ihr herab. „Es wird nass und wird euch in die Tiefe reißen.“

Okay, Angel sah an sich runter und begann, sich auszuziehen. Nackt sah sie auf, doch der Blutfuchs war verschwunden. Mutig drehte Angel sich dem kleinen Tümpel zu und ging hinein, die Abkühlung würde ihrem erhitzten Gemüt sicher gut tun. Der kleine See war tatsächlich hüfttief und der Boden glitschig. Sachte und sich mit den Füßen vortastend durchwatete Angel ihn und stand vor der roten Blume.

„Wer wagt es, mein Tümpelreich zu bestehlen?“

Bange schaute Angel sich um, Konga war nicht zu sehen. „Wer spricht mit der Fluchläuferin?“

„Die Tümpelente“, zischte Konga ihr zu. „Du betrittst mein Reich, ohne zu bitten! Wie soll ich dich bestrafen?“

„Oh, ich bin bestraft! Meine Herrscherin belegt mich mit einem Fluch, wenn ich ohne die fluchbrechende Blutblume heimkehre.“ Angel neigte ihr Haupt. „Was kann ich tun, um dir die Gnade der Barmherzigkeit abzuringen?“

„Stiel dem Blutfuchs etwas sehr Wertvolles, das ich anstelle der Blutblume an meinem Tümpel anbeten kann, dann sei dir meine Gnade gewiss.“

Oh je, Angel senkte verloren ihr Haupt. „Was kann ich ihm stehlen? Er ist verflucht und so schon gestraft.“

„Du findest etwas, das ich anbeten kann. Gehe nun und sorge für einen Ausgleich.“

Angel verließ das kühle Wasser und ging nackt um den Tümpel herum. „Blutfuchs?“, flüsterte sie und sah sich suchend um.

Welch verzückenden Anblick die Maid bot, Konga kam um einen abgestorbenen Baumstamm herum. „Hast du deine Blutblume?“, fragte er heiser, denn sie sah ihn schon wieder so verlegen an.

Niedergeschlagen blieb Angel vor ihm stehen, sah ihm in die forschen schwarzen Augen. „Nein, ich soll dich bestehlen, um der Tümpelente etwas als Ersatz zu bieten.“

„Dann folge mir. In meinem Blutbau liegt etliches herum, das du stehlen kannst.“

„Und es macht dir wirklich nichts aus, lieber Blutfuchs?“

„Wir werden sehen, denn bedenke, ich habe einen Wunsch frei.“ Konga griff nach ihrer Hand, schlich zu einem umgefallenen Baum, kniete sich hin und griff unter den Stamm. „Hier hätten wir einen verknöcherten Wunschzweig, einen griesgrämigen grauen Wasserstein und einen schmackhaften Wildwaldwanderwurm ... wählte, was dir gewogen ist.“ Das hätte ihm nun fast einen Knoten in der Zunge eingebracht …

Abwägend betrachtete Angel die drei Dinge und wählte den abgestorbenen Wunschzweig. „Hoffentlich war meine Wahl gut und besänftigt die Tümpelente.“

„Hat euch keiner gesagt, dass die Tümpelente blind ist?“, fragte der Baumfuchs und umschlich die Fluchläuferin, schnüffelte hier und da an ihr herum.

Heilige Blutfee, wenn dieses Spiel nicht wäre, dann läge Angel schon im Gras und er hätte sich tief in ihr versenkt!

Seufzend betrachtete Angel den Zweig und sah zum Blutfuchs hoch. „Was wird euer Wunsch sein?“

„Ich hole mir meine Belohnung, wenn die Fluchläuferin ihre helfende Blutblume erschlichen hat“, sagte er mit einem listigen Unterton.

Nun gut, sie ahnte ohnehin, was der Blutfuchs als Lohn eintreiben würde, Angel stöhnte leise und ging mit dem Zweig wieder zum Tümpel. Beim Anblick ihrer verzückt wippenden Kehrseite vergaß Konga fast alles, selbst seine zweite Rolle. Im letzten Augenblick rannte er los.

Angel gelang der Tausch mit einigen freundlichen Worten und sie pflückte die rote Blume. Wieder dem Tümpel entstiegen, raffte sie ihre Sachen zusammen, zog sie sich an und suchte nach dem Blutfuchs.

„Ah, du hast deinen Fluchbrecher. Nun erfülle mir meinen Wunsch.“

„Welchen Wunsch kann ich dir erfüllen?“

„Lass mich die Sonnenstrahlen in deinen Augen erblicken“, flüsterte er.

Nein, damit hatte sie nicht gerechnet, Angels Knie wurden weich, weil sie annahm, dass er wesentlich mehr wollte. Zärtlich strich Konga über ihre Wange, blickte in ihre glänzenden Augen und versank sprachlos und überwältigt in ihnen. Sinnestrunken sah Angel in seine Augen und ihre letzten schwermütigen Gedanken gingen im Tümpel hinter ihnen unter.

„Ich werde ab dem heutigen Tag jeden Abend zu deinem Schutzengel beten, er muss gut auf dich achten, meine kleine Fluchläuferin“, flüsterte Konga.

Noch nie hatte Konga solche Worte ihr gegenüber ausgesprochen …

Dicke Tränen verschleierten Angels Sicht.

„Fluchläuferinnen dürfen nicht weinen …“, flüsterte Konga, „… denn dann verlieren sie den Überblick und ihre Kräfte.“

„Dann muss mir der Blutfuchs die Kräfte wiedergeben“, summte sie.

„Wie?“

„Durch einen freiwilligen Kuss, der ohne böse Gedanken gereicht werden muss.“

Hinterhältige kleine, süße Fluchfee, Konga schmunzelte. „Küsse ich eine Fluchläuferin, dann verschwinde ich im Nichts.“

Jäh wich Angel zurück. „Dann lebe ich lieber ohne meine Kräfte.“

„Dazu ist es zu spät, denn ich entzog dir deine Kräfte mit meinem Wunsch und muss nun gutmachen, was ich dir angetan habe.“

Wow, wie er sie ansah! Angel bebte seinem Kuss entgegen.

Ein Windhauch hätte nicht weicher ihre Lippen berühren können. Sich unendlich nach seinem Kuss sehnend, schloss Angel ihre Augen und Konga rieb mit seiner Nase über ihre Wange, bevor er ihren Mund sanft mit einem leichten Kuss aufs Neue berührte. Seine Art, wie er mit ihr umging, Angel war hin und weg, nahm nicht wahr, dass er aufgehört hatte sie zu küssen und öffnete langsam die Augen.

Konga war verschwunden.

Betrübt lief Angel zum Tümpel zurück.

Das Gras kitzelte sie an ihren Füßen, als sie bis zum Ufer zurückging, um sich im Schatten auf das weiche Moos zu legen. Auf den Bauch gedreht betrachtete sie die blutrote Blume in ihren Händen.

Ohne sie zu knicken, strichen ihre Fingerkuppen über die zarten Blätter. Der betörende und sinneserregende Geruch strömte in ihre Nase ein. Über den Rand der Blume sah sie zwischen die Bäume und entdeckte einen Stiefel, der hin und her wippte. Konga musste dort an einen Baum gelehnt sitzen. Verträumt blieb Angel liegen und beobachtete seinen Stiefel, während sie den Duft der Blutblume in sich aufnahm.

Warum blieb er dort hinten? Behände stand sie auf und ging lautlos in seine Richtung und blieb hinter dem Baum stehen.

Plötzlich begannen ihre Gedanken sich zu überschlagen. Terrag war mit hier, er kannte ihr Versteck. War es bei Dalia wirklich sicher? Hatte er irgendwen verraten können, wo sie waren? Was würden die Geborenen machen?

Auch ohne ihn würde der Plan weitergehen ... Mersana hatte das zu ihr gesagt. Terrag war tot und nun ging die Vernichtung weiter ... doch wo zuerst? Starr vor Angst ging Angel um den Baum herum und ließ die Blume fallen. Konga sah im Augenwinkel, wie die rote Blume ins Gras fiel, und blickte zu Angel auf.

Es war sofort zu erkennen, auch wenn sie ihn ansah, sie war nicht im Hier und Jetzt.

Angel schaute ihn an, ohne ihn anzusehen, blickte durch ihn hindurch, steckte tief in einer Vision.

In ihrer Ahnung versunken blickte Angel am Stamm herab und ein grausiges Bild bot sich ihr. Konga lag mit seiner Tochter tot im Gras. Ihre Kehlen waren von fremden Fängen zerfetzt. Die Vision verließ sie, doch sie sah Konga weiterhin nicht.

„Bringt die Kinder von hier fort“, summte sie und wandte sich gleich einer Mondsüchtigen ab, die ihren Weg ohne Wahrnehmung fand.

Konga schluckte. Angel hatte eine heftige Vision.

Er folgte ihr, sie lief wie eine Schlafwandlerin durch den Garten, sah sich rechts und links über den Boden um. Ihr trüber Blick schweifte zum Haus.

Auch wenn sie in ihrer Zukunftsvision steckte, sie ging mit sicherem Schritt weiter, hielt vor Jack an und blickte auch durch ihn hindurch. Jack wollte etwas sagen, doch Konga hielt sich den Finger vor den Mund.

„Vision“, flüsterte er nur und alle folgten Angel mit ihren Blicken.

Angel sah zu Dalia rüber, fixierte ihre Augen und neigte ihren Kopf leicht auf die linke Seite. Willenlos sah Dalia Angel an und begann zu weinen, denn sie sah, was Angel sah.

Jack und Konga schauten sich nur ratlos an und wieder zu Angel.

Ihren fixierenden Blick löste sich von Dalia, Angel ging zu den Wiegen, nahm Jared heraus und ab dem Moment war sie wieder klar.

Sie lächelte ihren Sohn an, machte nur für ihn dicke Backen und ein schräges Gesicht.

Sich vor Lachen kringelnd, patschte Jared auf ihre Wangen, worauf Angel losprustete und die Lippen spitzte. Auch Jared kam vor und machte einen süßen Kussmund.

Seine Mama drückte ihm einen Kuss auf und das gefiel Jared, worauf er das Spiel immer und immer wieder nachahmte, bis Angels Pupillen zu leuchten begannen. Voller Übermut sah Jared seiner Mutter in die Iris und seine Augen begannen ebenso in einem satten Rotton zu leuchten. Angel lächelte, dann wandte sie ihr Gesicht Dalia zu und das Lächeln verschwand jäh.

„Du wirst James nicht herholen!“, sagte sie leise und schenkte im nächsten Augenaufschlag ihrem Sohn wieder ihre volle Aufmerksamkeit.

Angel streckte ihren Finger aus und biss sich eine kleine Wunde hinein, seine Nase nahm den leckeren Blutgeruch auf und Jared griff nach ihrem Finger, steckte ihn sich in den Mund.

Jack und Konga wussten, was sie da tat, Angel begann mit der Blutwandlung ihres Sohnes.

Bis das Glühen seiner Augen ins Weiß wechselte, sog Jared an ihrem Finger. Mutter und Kind begannen sich Zentimeter um Zentimeter vom Boden zu entfernen. Um beide herum vernebelte sich die Luft. Nur noch schemenhaft konnte man ihre Konturen erkennen.

Sie sollten nur nicht verschwinden, Jack war drauf und dran aufzustehen, aber Konga drückte ihn runter.

Zum Abschluss küsste Angel liebevoll Jareds Stirn, sie sanken wieder und Mutter und Sohn strahlten sich an.

Alle, die dieses harmonische Bild sahen, waren ergriffen und bis ins Mark erschüttert, denn ihnen wurde mit einem Schlag klar, warum Angel es jetzt aus reiner Vorsicht und Vorbereitung machte.

Leichtfüßig ging Angel mit Jared zu Jack und reichte ihm seinen Sohn durch. Sie wandte sich Konga zu, holte sich seine Genehmigung, die gleiche Prozedur bei Heaven zu wiederholen.

Auch Heaven reichte Angel danach an Konga weiter und blieb kurz am Tisch stehen.

„Ich komme gleich wieder.“

Nun kam das Ende ‚einer‘ Lebenslüge auf sie zu …

Angel war weg und tauchte Minuten später wie eine Erscheinung vor ihnen auf. Sie trug eine komplette Lederausrüstung, bestehend aus einer Hose, Stiefeln, Jacke, Handschuhe und dem Helm, den sie eingeklemmt unter ihrem Arm trug. Hinter ihrem Rücken ragten die beiden japanischen Schwerter hervor und an ihrem Bein steckte der Tantó in seiner Halterung. Angel lächelte in die Runde, verschwand und erschien eine Viertelstunde später mit einem Motorrad zwischen ihren Beinen.

„Ich darf doch?“, fragte sie und sah Jack an.

„Meine?“, fragte er überrumpelt.

„Sicher, aber jetzt brauche ich sie.“

„Deine, sie war mir sowieso zu klein“, kam es trocken von Jack zurück.

„Folgt eurem Plan. Ich muss meinen Weg gehen. Ihr müsst euch um die Halbhirne kümmern. Ob oder wie schnell wir uns wiedersehen, kann ich momentan nicht sagen. Dalia, du hast es gesehen, bring die Kinder in spätestens drei Tagen in Sicherheit oder hole viele Wachen hierher. Auch deine Adresse ist ihnen bekannt!“ Angel blickte zu Jack, der aufstehen wollte. „Bleib sitzen, sonst verschwinde ich, ehe ich fertig bin.“

Jack fiel in den Gartenstuhl zurück und schluckte.

„Meine Vision war klar und deutlich! In drei Monaten sterben die ersten Halbhirne und kippen tot um. Zurück bleiben die Jäger. Sie werden sich sammeln und sehr wahrscheinlich den Geborenen dienen. Das ist alles in den Griff zu bekommen. Die Lager müssen gestürmt werden, je früher, desto besser. Schlimmer, wesentlich schlimmer sind die V-Killer. Sie nenne sich selber Meetkiller. Ich konnte nicht genau sehen, was sie ausmacht, aber diese Vampirgattung hat Terrag im eigentlichen Sinne gejagt und wir müssen diese Jagd erfolgreich weiterführen. Sie können mit sehr wenig Nahrung über Wochen auskommen und sind somit unabhängiger. Allerdings fressen sie mit mehreren, komplette Vampire wie uns, auf. Sie ernähren sich nicht von Menschenblut. Auch Tierblute vertragen sie nicht.“ Tief einatmend sah Angel zu Konga rüber.

„Sie fressen nur Vampire und sie leben unter den Menschen. Seit Jahren rotten sie sich zusammen und ... sie wandeln immer mehr Menschen zu ihresgleichen. Dabei wählen sie Personen aus, die nicht auffallen.“

„Wie kann man sie erkennen?“, fragte Konga besonnen.

Gesehen hatte sie keinen in ihrer Vision, Angel lächelte gequält. „Dann, wenn sie dich erkannt haben. Sie riechen unser Blut und sie wollen die Geborenen töten. Deren Fleisch ist wie eine Entwicklungsdroge, die sie mächtiger macht.“ Angel sah wieder zu Jack.

„Sie lokalisieren Vampire, sammeln sich und greifen an. Wo immer sie mit ihrem Haimaul reinhacken, wächst auch bei uns kein Fleisch nach. Sie vergiften unser Fleisch. Binnen einer Stunde stirbt jeder Vampir daran.“

„Was meinst du mit Haimaul?“, fragte Dalia.

„Wir haben zwei Fänge, sie haben nur spitze Zähne, wenn sie sich zu erkennen geben. Wenn ihr mich jetzt fragt, wie sie so lange unentdeckt bleiben konnten ... ich sage es noch mal, sie ernähren sich ausschließlich von uns. Menschen werden von ihnen nur selten gewandelt, und dann leben sie im Großen und Ganzen dieses so getarnte Leben ihrer Opfer weiter. Alle paar Wochen ein Vampir für circa zehn Meetykiller, das fällt nicht weiter ins Gewicht, denn keiner merkt es. Bisher hielt sich alles die Waage, nun wollen sie mehr. Überreste lassen sie auch nicht zurück, sie fressen sogar die Knochen.“

„Wie tötet man sie?“, fragte Dalia.

„Da unterscheiden sie sich nur in einem Punkt von uns. Kopf ab ist klar, Herz raus. Nur bei ihnen wächst nichts nach, solange sie keinen Geborenen gefressen haben. Kiefer abbrechen und sie verhungern. Allerdings ist es schwer, so nahe an sie heranzukommen, denn wie gesagt, sie beißen überall rein.“

Sich am Kopf kratzend blieb Konga weiterhin überaus ruhig. „Warum kämpfen die Jäger dann gegen uns?“

Angel schnaufte verächtlich. „Ohne Nahrung ... was sollen die Meetkiller dann essen? Sie ernähren sich ja nur von Vampiren. Terrag hat, wie gesagt, den falschen Weg genommen, obwohl, aus seiner Sicht war es für ihn lukrativer.“

Viele neue Informationen, Jack starrte ins Leere. „Wieso haben wir von denen noch nie gehört? Global ist nichts über sie bekannt.“

Als Antwort öffnete Angel ihre Jacke und holte eine Akte von Terrag hervor, die mit einem Knall auf der Tischplatte landete. „Ich war mal eben in Terrags Privatgemächern!“

„Und welcher Bestimmung willst du nun folgen?“, fragte Konga grübelnd.

„Die Meetkiller müssen bekannt werden. Vampirrandgruppen. Organisationen, die neben unseren existieren. Sippschaften, Bündnisse, Banden, alle, die sich bisher allein durchgeschlagen haben. Ich reise sie an und trage ihnen vor, was ihnen droht und gleichzeitig fliehe ich vor den Meatkillern, denn sie wollen mich. Den Grund hab ich nicht gesehen. Wie lange ich es durchstehe, kann ich nicht sagen, aber ich bemühe mich.“

Da hatte Angel etwas falsch gedeutet ... doch wer sollte es ihr sagen, denn die Bilder waren nicht so klar wie sie sie sonst in ihren Visionen hatte ...

„Warum können wir dabei nicht helfen und warum diese drei Monate?“, hakte Jack nach.

„Vorerst müssen die Halbhirne und die Jäger dezimiert werden, das ist ausschlaggebend, um ihrer überhaupt Herr zu werden. Dabei erscheinen aber schon einige der Meatkiller auf der Tanzfläche, um sich zu greifen, was sie brauchen ... billige Nahrung durch die Halbhirne und neue effektive Kämpfer durch die Jäger. Ihre Organisation ist nicht viel weniger wie unsere ausgebaut. Global gibt es in diesem Moment circa sieben Milliarden Menschen, davon kannst du sechs Millionen Vampire abrechnen, egal ob Halb- oder Vollhirn und knapp eine halbe Million Meetykiller. Sie sind aber am Expandieren. Jack, du hast keine Ahnung, wie richtig dein Vater lag, nur der Weg war falsch. Sobald sie die Geborenen haben, erreichen sie deren Status. Lies dir die Akte von deinem Vater durch. Terrag war sehr penibel und archaisch.“

Mit hoch erhobenem Haupt sah Angel wieder Konga an und holte eine weitere Akte hervor.

„Du solltest wissen, warum Terrag dich besonders auf dem Kicker hatte.“

Die zweite Akte flog auf den Tisch und Angel sah zu Jack.

„Heute ist der Tag der radikalen Wahrheiten. Konga ist, laut Terrags Verdacht, der älteste existierende Vampir. Er wurde auch nie gewandelt. Klärt die Einzelheiten später.“ Abermals wandte sich Angel Konga zu. „Mich interessiert nur eins. Warum hast du so extrem auf mein Blut reagiert?“

Tja, wenn schon, denn schon, Konga atmete schwer ein, denn jetzt musste seine Wahrheit auf den Tisch. Dass in einer Akte von Terrag überhaupt etwas Wahres über ihn stand, zweifelte er ohnehin stark an.

„Ich bin seit über sechstausend Jahren hier und die Auffrischung nach so vielen Jahren war wie eine Wandlung, wenn man nur Drecksblut vor die Fänge bekommt.“

Wow, alle starrten Konga an!

„Du gehörst der Gattung Halik-Vampirgott an?“, fragte Jack leise.

Konga kratzte sich unmanierlich über die Kinnstoppeln und schaute mit blau leuchtenden Augen in die Runde.

„Nee, ich mag diese Bezeichnung nich. Sagt lieber alter Sack zu mir, das reicht mir völlig aus.“

Angel blieb unbeeindruckt. „Und dann weißt du nichts über die Meatkiller?“

„Angel, bitte quäl mich nicht vor den anderen. Seit Hunderten von Jahren kämpfe ich, mit einigen ausgewählten älteren Saugern, jede nur mögliche Nacht gegen diese Kreaturen, nur in den letzten Monaten hatte ich so meine Schwierigkeiten wegzukommen.“ Während er das sagte, grinste er Angel rotzig ins Gesicht.

Dieses kleine schlaue Luder hatte es doch tatsächlich geschafft, ihm schneller als überhaupt irgendwer auf die Schliche zu kommen. Weltweit wussten nur sehr wenige Vampire, wie alt er in etwa war.

„Du konntest schon vorher springen?“, fragte Angel.

„Lass es gut sein, ich habe jede Nacht im Schnitt ein paar Dutzend Meetys gekillt. Das hat sie so weit zurückgehalten, wie es nur ging. Aber nur ein geübtes Auge kann sie erkennen. Meine Blutkrieger haben es etwas schwieriger als meine Wenigkeit.“

„Wusste Terrag das?“, kam es aus Jacks Mund, obwohl er nicht folgen konnte, denn ihm waren Kongas nächtliche Streifzüge gänzlich entgangen.

„Das täte mich auch interessieren“, murmelte Angel.

„Er hat es geahnt. Deshalb wollte er mir ja auch Blut abzapfen. Allerdings kannst du sie jetzt auch riechen und erkennen. Mein Blut fließt durch deine Venen. Ich kann aber nicht alle Vampire aufrüsten, weil mein Blut nur bei Geborenen anschlägt.“ Konga schielte zu Jack. „Ja, du bekommst auch noch einen Schluck. Jetzt brauche ich meine Identität ja nicht mehr verbergen.“

Unvermittelt stellte Angel eine Frage, die Konga in den Stuhl zwang.

„Warum ist Joyce überhaupt so durchgedreht? Eigentlich kenne ich mein Tochter nicht so!“

„Sie verträgt mein Blut nicht, weil sie nur ein Mensch war. In einem Jahr ist es aus ihr heraus, dann kommt sie wieder auf den Boden.“

„Heaven?“, fragte Angel.

„Den letzten Kick hast du ihr gegeben. Sie entwickelt sich normal, sie trägt mein Blut ja schon seit der Zeugung in sich.“

Die nächste Frage von Angel folgte. „Ist dein Blut nach einem Jahr auch aus mir heraus?“

„Nein, dein Blut ist absolut gereinigt, ohne menschlichen Anteil mehr und somit meinem ebenbürtig. Der Zahn, den du dir in den Hals gedrückt hast, gehörte übrigens meinem Erzeuger … denke ich zumindest. Du bist ein Teil von mir, genauso wie von Jack. Cool ... wenn ich drüber nachdenke, könnten wir ein Königreich aufziehen“, feixte Konga, doch keiner lachte, was er sich aber schon denken konnte. Sein Blick wurde schlagartig ernst und er sah Angel finster an. „Angel, ich lasse dich nicht allein losziehen! Jack kann sich um die Jäger und den anderen Abschaum kümmern, da hat er Plan drin. Ich kenne die Meetys und kann dich in den Kampf gegen sie einführen. Wie du ja schon sagtest, greifen sie nur in Gruppen an. Einige Fehler, oder besser Unwissenheiten, stehen schon in Terrags Aufzeichnungen. Wir beide sterben nicht von denen. Das Fleisch wächst nach, allerdings nur langsamer.“

„Warum bist du damals an dem Giftpflock fast verreckt?“, fragte Jack.

„Ich bin nicht gegen alles immun, aber ich hätte es irgendwann überlebt.“

Ach, Angel zog ihre Brauen in die Stirn. „Kann man dich überhaupt töten?“

„Willst du das wirklich wissen?“, fragte Konga leise gegen.

Nö, ja, Angel nickte und schüttelte den Kopf gleichzeitig.

„Gar nicht. Meine Einzelteile suchen sich, und wenn es Jahrhunderte andauert. Früher oder später komme ich wieder.“

„Das hört sich eher wie ein Fluch an?“

„Ich bin der Blutfuchs mit dem unlösbaren Fluch ... Ja Angel, und dieser Fluch trifft dich auch in sechshundert Jahren, denn dann wird jeder Vampir grob gesehen unsterblich. Was meinst du, warum die Geborenen so auf sich achten und sich verstecken. Allein mein Blut in deinen Adern sorgt dafür, dass du so gut wie keine Kinder mehr bekommen wirst, falls es sich nicht anders entwickelt. Ich denke, das mit Joy war reines Glück, weil sie noch zu viele menschliche Gene hatte.“

„Das mit den Kindern ist in Ordnung.“ Angel grinste Jack an. „Aber wer von euch beiden verrät mir nun, wie alt Terrag war?“

„587 Jahre, er kommt nicht wieder. Knapp, aber gerade noch so vernichtet“, antwortete Jack.

Schweigend starrte Konga zu Boden, was Angel auffiel. „Bist du auch mit dieser Altersangabe einverstanden?“

Diese verdammten Wahrheiten, Kongas Kiefer mahlten aufeinander, er sah von Jack zu Angel und zurück, dann schüttelte er seinen Kopf. „887 Jahre trifft es eher.“

„Dreck!“, fluchte Jack und fixierte Konga. „Woher willst du das so genau wissen?“

„Er ist der Enkelsohn meiner kleinen Stiefschwester und sein Geburtsjahr ist circa tausendeinhundert plus minus ein paar Jahre. So genau weiß ich es dann auch nicht mehr.“

„Lebt seine Mutter noch?“, war Angels nächste Frage.

„Nein, sie starb bei seiner Geburt. Ist und bleibt ein Fluch für weibliche Vampire und früher lag die Sterblichkeit weit höher.“

„Wann kommt Terrag wieder?“, fragte Angel trocken.

„Wie weit ist sein Kopf vom Rumpf entfernt?“, fragte Konga gegen, weil er nicht darauf geachtet hatte.

„Der Körper liegt bei Mersana und der Kopf ist hier.“

Konga begann zu rechnen, was man an seinen Stirnfalten unweigerlich erkennen konnte.

„Wenn der Kopf in Bewegung bleibt und nie länger als zwei Wochen an einem Fleck ist, dann nie. Ansonsten so um die dreißig Tage. Es gibt verschiedene Varianten. Beispiel: Werden Körper und innere Organe einzeln global verteilt und vielleicht auch vergraben, kann es bis zu hundert Jahre dauern. Schickt den Schädel ins Weltall und wir sind ihn los. Klappt auch nur bei diesem Körperteil, alles andere wächst mit den Jahren nach. Bewahrt man nur den Kopf auf und verbrennt den Rest, dann wächst der Körper in circa fünfzig Jahren nach. Sieht lustig aus, wenn ein Embryo sich aus dem Hals frisst. Und fragt mich nicht, wie das geht! Ich weiß nur, dass nahe beieinanderliegende Knochen sich finden, und wenn sie weiter auseinander sind, dann lösen sie sich auf und erscheinen ein paar Tage später beim wichtigsten Körperteil, dem Schädel.“

Nun horchte Dalia auf. „Warum dauert es so lange und warum kann man den Körper nicht vollständig verbrennen?“

Genug der Tatsachen, Konga atmete schwer ein. „Ich will jetzt nicht noch mehr sagen, aber es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die euer Wissen bei Weitem übersteigen. Selbst ich grüble manchmal. Angel, denk doch einfach mal an deine Visionen, und dass es Wesen gibt, die die normale Lebensspanne extrem überschreiten. Köpfe von Vampiren haben was Bleibendes, egal ob zerschlagen oder pulverisiert, mehr sage ich nicht dazu.“

Halt! Eins musste Angel noch wissen und hielt seinen Blick. „Du hast damals vor dreißig Jahren schon gewusst, wie wichtig ich werde, oder?“

„Ja, aber eigentlich wäre es an dem gewesen, dass ich hätte handeln müssen. Aber der Gedanke einem Wesen, das auch eigentlich nicht hierher gehört, so einem Druck auszusetzen ... Ich habe mich geweigert, aber du siehst ja, wie weit ich damit gekommen bin. Ihrem Schicksal entkommen nur die wenigsten.“

„Muss ich Angel jetzt zu deinen Gunsten aufgeben?“

Alle starrten zu Jack rüber.

„Es wird sich zwar vieles ändern, aber das auf alle Fälle nicht!“, antwortete Konga. „Ihr seid und bleibt verheiratet. Ich habe alles zu Anfang versucht ... um meine Gefühlswelt in den Griff zu bekommen ... Die Zeit ist ja bekanntlich ein Wundenheiler, aber Angel ist, wie Dalia es sagte, einfach zu sensibel und feinfühlig, als dass ich mich ihr entziehen könnte. Tut mir leid.“

„Du hast mich aber nicht manipuliert?“, fragte Angel vorsichtig.

„Nein, dein Dickschädel ist von ganz allein auf mich angesprungen. Siehe schwarze Jacke vor dreißig Jahren.“

„Wie kannst du dann sagen, dass du ohne mich nicht weiterleben kannst und es doch müsstest?“, fragte Angel leise.

Konga stand von seinem Stuhl auf, stellte sich neben Angel und hob ihr Kinn, sah ihr in die Augen, lächelte traurig. „Es gibt immer einen letzten Weg und den werde ich beschreiten, wenn du nicht mehr leben solltest“, sagte er sanft und strich mit seinem Daumen über ihre Lippen. „Und ich weiß, was dir noch auf der Seele brennt ... Ich habe wirklich eine grausame Vergangenheit hinter mir, bis ich begriff, wie ich mich wehren konnte. Das war keine Lüge und ich weiß, was du alles durchlitten hast, weil ich ...“

Jäh schaute Angel in seine wieder aufleuchtenden Augen.

„Deine Seele birgt einen Racheengel in sich und nun werden wir deiner Bestimmung folgen. Verabschiede dich gebührend und schleich dich nicht wie ein Fluchläufer davon. Noch mal lasse ich dir das nicht durchgehen!“

Heiliger Vampirbiss, Angel schluckte, denn sie fühlte übergangslos, wie viel Macht und Einfluss Konga wirklich besaß und nun offenkundig ausstrahlte.

Jede Unsicherheit, die sie je bei ihm verspürt hatte, war ... restlos weg. Irre!

„Das Schicksal hat uns lange bekämpft. Nun sind wir am Zug.“

Leicht wie eine Feder hob Konga Angel vom Motorrad, hielt es mit einer Hand und stellte sie vor Jack ab.

Alle Fragen waren noch nicht beantwortet, Dalia wandte sich Konga zu. „Was genau sind Meatkiller?“

„So wie es verschieden Menschrassen gibt, gibt es auch Vampirabzweigungen. Nicht so viele wie bei den Menschen, aber so ungefähr acht Abwandlungen. Einige Beispiele, es gibt C-Vampire, die menschliche Nahrung zu sich nehmen und sich nur untereinander an die Ader gehen. Diese Gruppe lebt stadtbezogen und kämpft ihren eigenen Krieg gegen Lebewesen, die auch nicht ganz normal sind. Teilweise können sie sich seppen und ihre Umgebung tarnen. Sie leben aber zurückgezogen, weil sie an den Ausgleich glauben und dementsprechend auch mit Magie und Flüchen beschäftigt sind. Sie halten aber auch Kontakte zu Menschen und anderen Vampiren der B-Klasse. Grundlegend sind sie die zweitgrößte Abzweigung. G-Vampire trinken ausnahmslos von Tieren und sind die wenigsten, vielleicht 480.000. M-Vampire sind Meatkiller und die unterste Gruppe, aber leider nicht die dümmsten. Sie sind, um es genau zu sagen, eine Abart und erst in den letzten drei Jahrhunderten mit ihrer Population sprunghaft und global angestiegen. Davor waren sie nur in Asien vertreten und halbwegs unter Kontrolle geblieben, aber dank der rasenden Entwicklung sind auch sie aufgewacht.“

„Zu welcher Gruppe gehören wir?“

„Ihr seid B-Vampire, ernährt euch von Menschenblut und pflanzt euch menschenähnlich fort. Das Blutgemisch wird über die Generationen dem menschlichen ähnlicher, es blutet buchstäblich aus. Geistig den Menschen überlegen und mental viel stärker, als alle anderen Vampire, außer meiner A-Spezies. Ihr haltet auch Kontakte zu Menschen und den restlichen Vampiren, jedenfalls großteils.“

„Dann sind A-Vampire geborene Vampire?“, fragte Dalia weiter.

„So einfach ist das nicht. Die meisten gehören eher der B-Gruppe an. A-Vampire sind alle älter als tausendfünfhundert Jahre und davon gibt es nur noch sehr wenige, die völlig zurückgezogen leben.“

„Kennst du die Namen derer?“

„Netter Versuch, aber du, meine liebe Dalia, bist doch eine von denen. Ergo müsstest du sie doch selber kennen.“

„Ich kenne nur Gabriel und der hat sich seit dreihundert Jahren nicht mehr bei mir gemeldet.“

„Er lebt“, gab Konga an und sah zu Jack, auf dessen Schoß Angel rittlings saß.

„Entschuldige mich“, sagte Konga zu Dalia und verschwand.

Ähnlich angezogen wie Angel kam Konga zurück, auch er trug eine Kampfausrüstung und zwischen seinen Beinen war Jacks Vmax.

„Eh, das ist auch meine!“, schnaufte Jack und schob Angel in seinem Arm auf die Seite.

„Meine Frau, meine Maschine ... meinen Schwanz bekommst du aber nicht!“, grunzte Jack und hielt sich im nächsten Moment die Hand vor den Mund und schielte entschuldigend zu Dalia, die allerdings nur über seine verbale Ausdrucksweise schmunzelte.

Konga fuhr an und hielt neben Jacks Stuhl. „Dein Weib ist tatenwillig, deine Maschine ist schneller und meine F4 hast du ja geschrottet. Und dein Lümmelchen kannst du getrost im Höschen behalten. Hab selber eins.“

Entnervt von Kongas Getue, zog Jack seine Brauen zusammen und spitzte seinen Mund. „Ein Abschiedsküsschen bekomm ich aber oder?“

Blitzschnell kam Konga vor seine Nase. „Halt still, dem Wunsch komm ich doch glatt nach, weil du noch nach ihr schmeckst.“

„Bist du wirklich so ein alter Sack? Wenn ja, warum siehst du dann noch so frisch aus?“, säuselte Jack und spitzte weiterhin die Lippen.

Jäh schoss Konga mit seinem Mund vor und drückte ihm einen Kuss auf, worauf sich Jack den Mund mit dem Handrücken abwischte. So weit ging seine Zuneigung für Konga nun auch wieder nicht.

„Klar bin ich so ein alter Sauger und dich, mein Küken, bekomm ich auch noch groß. Und jetzt reich mir unsere kleine Ziege.“

„Nein, ich will sie noch poppen!“

„Keine Chance! Ich bring sie dir in genau einer Woche zu unserem ersten Treffpunkt wieder. In meiner Hütte, du weißt, welche ich meine“, knurrte Konga und reichte Angel seine Hand. „Ihr seht zu und klärt ab, dass die Lager, wenn möglich zeitgleich, hochgehen, denn dann können sie sich nicht gegenseitig warnen. Lass die Staatenvampire mit ihren Handys arbeiten. Sie haben den Überblick, dass ist mir schon in Bremen aufgefallen.“ Konga sah Angel hinterher, die auf ihrer Maschine Platz nahm.

„Dalia, meine Liebe. Du kennst doch Paolo, den Schrauber. Lass ihn eine Maschine bauen, die für Angel maßgeschneidert ist. Sie muss in allen Lagen die Beherrschung über das Geschoss behalten können. Der Radstand sollte kürzer sein. Die Sitzbank niedriger, es macht keinen Sinn, wenn sie im Gelände keinen Bodenkontakt bekommen kann, weil ihre Stiefel ins Leere treten. Der Lenker kann übernommen werden. Der Tank muss tiefer, dann kommt sie besser ran. Und eine stabile Verkleidung um den Motorblock. Auspuff auch tiefer ...“ Konga warf noch einen Blick auf die Maschine unter Angels Hintern. „... und einiges mehr an PS.“

Ha, da würde jemand gleich gegenstänkern, Angel grinste und streckte Jack die Zunge raus.

„Glaub nicht, du könntest mich damit reizen. Du bist jetzt ein vollwertiger Vampir und mir is egal, wie viel PS du durch die Gegend schleuderst.“

„Ach!“ Angel zog einen Schmollmund.

„Ja, so is fein“, knurrte Jack.

„Wie viel PS kann man in ein Motorrad bauen?“, fragte Angel und linste zu Jack.

Wenn das nun nicht ein kleines verzogenes Zicklein war, aber Konga grinste ebenso zu ihm rüber. „Och, da geht schon einiges. Aber wenn du es jetzt auf die Spitze treiben möchtest, dann kannst du dir sicher sein, dass ich auch noch ein Extra anschweißen lass.“

Na das konnte nun heiter werden, Jacks Blick verfinsterte sich und seine Fänge blitzten auf. „An welches Extra denkst du da?“

Konga sah Jack unbeeindruckt ins Gesicht und zog einen Mundwinkel spöttisch hoch. „Stützräder“, antwortete er trocken.

Heiliger Bluthimmel, Jack fiel alles aus dem Gesicht, bis er Angel ansah. Jetzt würde gleich ein Donnerwetter über Konga zusammenbrechen.

Und ja, Angels Augen verengten sich. „Ich will dann aber rote Schleifen dran haben und eine Fahne, die man an Dreiräder schrauben kann und ich will Blümchensticker am Schutzblech“, grummelte sie bockig.

Damit hatten beide wohl am wenigsten gerechnet, Jack und Konga fielen die Kinnladen herunter, nur Dalia lachte schallend auf. „Sie ist nicht auf den Mund gefallen und kann euch locker das Blut reichen“, grölte Dalia undamenhaft und schlug sich dabei auf die Schenkel.

Ein süffisantes Lächeln legte sich um Angels Mund. „Und bevor ich es vergesse ... im Sitz sollte noch ein Extra eingebaut sein, damit ich beim Fahren auch meinen Spaß habe und bei jeder Bodenunebenheit muss das Ding tiefer in mich eindringen.“

„Das ist ... das ist ...“ Jack fehlten die Worte, selbst Konga war baff.

„Können wir los? Oder soll ich einem von euch beiden noch Luft zu fächern? Ihr seht so bleich aus und euren Mündern fehlt es auch an Muskulatur ... eure Kiefer liegen gleich auf dem Boden und dann kommt Dreck rein.“

„Du kleines Miststück“, knurrte Konga leise.

Hm, wer hatte hier denn das Großmaul? Angel machte ein unschuldiges Gesicht. „Ich hab damit nicht angefangen und hab mich nur verteidigt.“

„Ich leg sie nachher noch übers Knie.“ Konga startete seinen Hobel und warf Jack einen letzten Blick zu.

„Tu dir keinen Zwang an und viel Glück dabei“, brummte Jack zurück und schmunzelte tatsächlich ein wenig.

Vorerst gab sich Angel geschlagen und warf ihre Maschine ebenso an, ihr letzter Blick galt Aidan. „Du passt auf die Kinder auf“, schnurrte sie ihm zu und er trottete umgehend zwischen die Wiegen.

„Braver Kerl. Wenigstens einer, der mich nicht veräppelt.“

Ans erste Ziel denkend, legte sich Kongas Hand auf Angels Lenker und sie waren weg.

Jack warf Dalia einen finsteren Augenaufschlag zu. „Dalia, wenn ich dich bitten dürfte. Wir müssen handeln und die Vampire informieren. Die Meatkiller müssen überall publik werden.“

„Gut, handeln wir!“

Keine Gnade für sein Kätzchen

Mitten auf einer Landstraße im Stockdunkeln, stand Angel mit ihrer Maschine neben Konga.

„Wo sind wir?“

„Kanada. Und dein Plan muss anders aufgesattelt werden. Zunächst musst du wissen, über was du den anderen Vampiren berichten sollst. Das verleiht mehr Glaubwürdigkeit. Und ich weiß, die Meetys haben hier eine größere Ansammlung und es wird nicht einfach werden.“ Er warf ihr einen fragenden Blick zu. „Ich könnte den Randgruppen auch allein Bescheid geben. Du kannst zu den Kindern zurück und brauchst mir nichts zu beweisen. Allein, was du in den Riten mitgemacht hast, hat meinen Respekt für dich immens in die Höhe getrieben.“

„Vorher hattest du keinen Respekt vor mir?“

„Kätzchen, ich hatte immer Respekt vor dir. Doch das war wirklich ein harter Weg und du hast nie mit den Wimpern gezuckt. Das hier wird anders. Du wirst andere Lebewesen töten und dazu gehört ein gewisser Grad an Kälte und Abgebrühtheit.“

„Hab ich dir Terrag nicht abgebrüht genug gekillt?“

„Da hattest du genügend Wut im Bauch. Meatkiller gibt es aber auch in Formen, die dich denken lassen, dass es das nicht sein kann. Kinder, Frauen, Omas und teilweise Haustiere ... Hunde.“

„Wir werden sehen, wie weit meine Schmerzgrenze reicht“, sagte Angel und fuhr an.

Dieses kleine sture Weibsbild, Konga schüttelte seinen Kopf und folgte ihr. Etwas versetzt fuhr er neben ihr her, setzte sich an die Spitze und gab mehr Gas.

„Wo in Kanada sind wir?“, fragte Angel nach ein paar Meilen.

„British Columbia, weit hinter uns liegt Vancouver. Wir fahren landeinwärts und werden in einer Stunde an unserem Ziel sein.“

„Warum hast du uns nicht gleich vor Ort geschafft?“

Für eine berechtigte Frage gab’s auch eine sinnvolle Erklärung!

„Weil du deine Maschine besser in den Griff bekommen musst. Manchmal ist es dringend nötig, die Flucht zu ergreifen. Wenn dir dann dein süßer Hintern auf dem Asphalt wegrutscht, dann tut das nicht nur dir weh, sondern auch mir und deiner Maschine.“

„Und warum springen wir nicht von einem zum nächsten Ziel?“

„Weil es unnötig Kraft kostet und du noch lange nicht so weit bist, das zu kompensieren, denn nach mehr als sieben Sprüngen musst du ne Ration trinken. Das gibt sich aber mit der Zeit. Ich kann fünfzig Sprünge in anderthalb Minuten machen und merke nichts.“

Angel prustete ihre Luft aus den Lungen. „Wozu hab ich dann ...“

„Schlucks runter. Du hast Kräfte, die du teilweise lenken kannst, aber momentan beherrscht du nur im Bett deinen Körper perfekt.“

Was? Angel wollte nun aber so was von viel ... ihre Grottenlaune hob sich auf ein Optimum an, sodass Konga gleich ein Gefühl bekommen würde, mitten in einem Gewitter zu stehen.

Die Wortwahl war schon richtig, nur sie verstand es falsch, Konga roch ihren Frust und ließ sich auf ihre Höhe zurückfallen. Er sah in ihr aufgeklapptes Visier und stupste ihre Maschine mit einem leichten Kick an.

Prompt kam Angel ins Schleudern und kippte um. Ihre Maschine rutschte weiter und überschlug sich, Angel blieb benommen auf dem Rücken liegen.

Blitzschnell sammelte Konga ihre Maschine ein und stellte beide am Straßenrand ab, dann beugte er sich seelenruhig über sie. Seine ausgestreckte Hand ignorierte Angel geflissentlich und stand mühsam selber auf.

Scheiße, der Sturz brannte in ihren Knochen. Sie schäumte und zog den Helm ab, um ihn auf dem Asphalt zu zertrümmern.

„Okay, das war jetzt wirklich nur ein kleiner Kick. Hätte ich es gewollt, dann wärst du gute hundert Meter weit, samt Hobel, geflogen. Weiter geht’s!“ Jäh zog Konga sein Schwert und hielt es Angel vor die Nase, sie reagierte, zog ihr Katana.

Den ersten Hieben wich sie gekonnt aus, Konga hielt sich ja auch zurück. Einige Hiebe konterte sie sogar. Dann beschleunigte Konga sein Tempo und Angel kämpfte wie eine Wilde gegen ihn an.

„Ziehe niemals einen Vergleich zu Halbhirnen“, knurrte Konga und Angel spürte seine Klinge an ihrer Kehle.

Seine Reaktionen waren unglaublich, Angel war ihm völlig ausgeliefert, denn seine andere Hand drehte ihr den Arm samt Schwert auf den Rücken.

„Circa jeder zweite Vampir, der länger als hundert Jahre auf der Welt ist, kann dich momentan wie eine Made zerquetschen. Du kannst dich auf deinem Hobel gleich revanchieren und versuchen, mir die Maschine unterm Arsch wegzutreten. Ich fahr auch extra langsam, damit du mich triffst. Lerne deinen Körper und die noch versteckten Kräfte in den Griff zu bekommen.“

Langsam senkte Konga die Klinge und Angel schnaufte nach Luft. Erst als sie wieder normal atmete und sich aufrichtete, stellte sich Konga vor sie und zog sie in seine Arme.

„Ich hätte dich niemals allein ziehen lassen“, brummte er und hob sie auf Augenhöhe hoch. „Du wirst eines der mächtigsten Lebewesen auf diesem Planeten, aber du musst wie alle klein anfangen. Dabei stehe ich an deiner Seite.“

„Ich pack das nicht“, schniefte sie leise.

„Doch mein Kätzchen. Das packst du locker, denn mein Blut ist in dir und du bist mein.“

Mit den Gedanken kurz in die Vergangenheit driftend, nahm Angel sein Gesicht in ihre Hände. „Hältst du dich bei Jack im Kampf, wenn ihr übt, auch zurück?“

„Niemals!“

„Und warum wolltest du in sein Schwert rennen, wenn du doch nicht sterben kannst?“

‚Oh Blutweib!‘ Konga rieb mit seiner Nase über ihre. „Mein Kätzchen, es hätte mich, bei guter Strömung, für ein paar Jahrzehnte oder länger von dir ferngehalten, ich wäre irgendwo an Land gegangen und hätte mich ausschließlich um die Vampirfresser gekümmert. Und ich hätte Zeit zum Nachdenken gehabt.“

„Das machst du jetzt aber nicht mehr“, schnurrte Angel und küsste ihn sanft.

„Nie mehr!“, flüsterte er ihr zu und senkte seinen Mund auf ihren Hals.

„Keylan“, summte Angel verzückt, denn er versenkte seine Fänge in ihrer Haut - für einen winzigen Schluck.

„Kommst du darauf klar, wenn wir ein kleines Kampftraining in meiner Hütte einlegen? Ich möchte dir wenigstens ein paar Grundstellungen beibringen. An Schnelligkeit mangelt es mir ja nicht, aber wenn wir vor zwanzig oder mehr Personen stehen, hab ich ein Problem meine Augen überall zu haben.“

„Dann würde ich sicher zum ‚Klotz am Bein‘ mutieren“, sagte Angel leise.

„Leider muss ich dem zustimmen. Mit Jack bilde ich beinahe eine perfekte Einheit. Aber wenn du beim Üben den Schmollmund weglässt, dann hab ich durchaus ein gutes Gefühl.“

„Du traust dich was“, schnurrte sie und zog seinen Mund vor ihren. Konga grinste breit und schob mit Lippenkontakt seine Zunge heißblütig vor.

Ihr Zwischenstopp war wirklich eine größere Blockhütte.

Bis er den Kamin endlich mit Feuerholz bestückt und angezündet hatte, behielt Angel ihre Ledersachen an. Es dauerte eine Weile, bis sie sich traute, wenigstens ihre Jacke aufzumachen. Hingegen rannte Konga bereits nur in Trainingshose herum und räumte die Möbel beiseite. Irgendwie trotzte er der Kälte.

„Fünfzig Quadratmeter müssten reichen, sonst müssen wir draußen üben, aber da nur mit Ledersachen und die behindern gerade zu Anfang.“

„Was immer du sagst“, murmelte Angel und sah ihm beeindruckt hinterher, wie er die schwere wuchtige Ledercouch an der einen Seite anhob und nach hinten verfrachtete.

„An was kannst du dich erinnern, als du die Halbhirne am Strand versimmelt hast?“

„Der Krieger in mir hat das meiste gemacht, aber an einige Hiebe und Stöße kann ich mich erinnern.“

Nicht die Info, die er sich erhofft hatte, Konga schielte zu Angel und verschwand in einer Kammer.

„Kein Kommentar ... anziehen.“

Mit krauser Nase nahm Angel das schwarze Unterhemd und die kurzen Shorts, zog die Sachen an und fror.

„Nee“, murmelte Konga und machte Knoten in die Träger, weil sie fast Angels Oberweite vor Länge freiließen, gerade mal die Spitzen waren verdeckt. Die Hose blieb auch erst oben, nachdem er ein Band um ihre Hüften geschlungen hatte.

„Jetzt will ich keinen Kommentar hören“, grunzte Angel, weil sie sich wie eine Vogelscheuche vorkam.

„Ich würde ja auch ohne Klamotten mit dir trainieren, aber dann müssten wir Möbel mit einbeziehen und dann würden wir nur üben, was du schon beherrscht.“

Mutig linste Angel zum Sofa. Vielleicht doch lieber anders aufwärmen?

„Vergiss es!“, knurrte Konga.

Gut, dann halt nicht, Angel ging zu ihren Sachen und zog die Schwerter vor.

„Lass sie da. Vorerst musst du wissen, wie man ohne Waffen kämpft. Entwaffnet dich einer, dann stehst du da und drehst Däumchen oder was?“

Die kommende Stunde zeigte Konga Angel ein paar Handgriffe, die durchaus wehtaten. Shaolin Kung-Fu, Aikidō, Muay Thai, Allkampf-Jitsu ... Von all den Kampfkünsten und vielen mehr, lernte Angel die wichtigsten, um ihren Gegnern schnellstmöglich die Luft aus den Lungen zu pressen.

„Atemlos sind die meisten nicht mehr in der Lage, schnell zu reagieren. Jetzt kommen die Knochenbrecher, die auf fehlende Luft sofort kommen sollten. Brüche heilen zu langsam und du bekommst mehr Spielraum.“

Trotzig wischte Angel sich den Schweiß von der Stirn. „Muss ich dir jetzt Knochen brechen, um es richtig zu lernen?“

„Das versuch mal. Nein, ich zeige dir Griffe, die Folgen haben, wenn du sie härter durchziehst.“

Angel legte eine Willenskraft an den Tag, die Konga sich zwar erhofft, aber so nicht einmal im Ansatz vermutet hatte. Erst nach Stunden zeigte sie Ermüdungserscheinungen in fehlender Konzentration.

„Pause Kätzchen.“

„Ich kann aber noch!“, maulte Angel und japste nach Luft.

Nee, sie war am Ende, Konga schulterte Angel und gab ihr einen leichten Klaps auf den klitschnass und völlig verschwitzten Po.

„Lass mich runter und ich versohle dir den Hintern!“, fauchte sie und schloss im nächsten Augenblick ihren Mund, weil die eisige Bergluft in ihre ermüdeten Lungen eingedrungen war und alles durch einen Kälteschock gelähmt hatte.

Mit der Reaktion hatte Konga gerechnet und schmunzelte vor sich hin. „Muskeltraining an der frischen Luft tut dir jetzt gut. Es weckt die müden Sinne.“

„Nein, ich friere mir hier draußen den Arsch ab! Konga, bring mich wieder rein ... bitte“, flehte sie.

„Spar dir die Puste und atme durch die Nase.“ Er setzte sie ab und betrachtete sein Blutweib, als sie schlotternd vor ihm stand.

„Ich werde in dieser Kälte sterben oder mir eine Lungenentzündung holen“, murrte Angel und schlang ihre Arme Zähne klappernd um sich.

„Vampire sterben nicht in der Kälte, sie erstarren. Aber nur, wenn sie sich nicht bewegen. Und dir sollte mittlerweile bekannt sein, dass wir nicht krank werden. Noch mehr Ausreden auf Lager?“

„Du bist sooo unfair!“

Mitfühlend gönnte er ihr ein Lächeln und zog Angel an seinen warmen Körper. „Ich sorge jetzt mal dafür, dass dir wieder warm wird.“

Die eisige Kälte kroch durch ihre Haut, Angel war nach vielem, aber nicht danach, was Konga mit ihr machte. Am besten wieder reingehen ... oder lieber noch nicht ... nein ... draußen bleiben und mit ihm hier im Stehen erfrieren, wenn das, trotz aufglühender Gier aufeinander, überhaupt möglich war.

Oh ja, Angel liebte es, wenn er sie so weit hochnahm, bis sie seinen Mund auf ihren Brüsten fühlen konnte, dieses sinnliche Saugen. Seine starken Arme lagen um ihre Schenkel und er ließ sie keinen Millimeter sacken. Schlagartig wurde ihr heiß, glühend heiß. Selbst die Luft in ihren Lungen brannte.

Sinnlich kraulte sie in seinen feuchten, schwarzen Haaren herum, die mittlerweile wieder bis auf die Schultern fielen.

Hinterhältig hob Konga sie etwas höher und machte etwas, dass er bei ihr zuvor nie gemacht hatte. Er drückte seinen Mund auf ihren Bauch und pustete.

Boah, Angel kringelte sich vor Gekicher und er hörte mit diesem Unsinn nicht auf.

„Konga, hör auf!“, schnaufte sie nach dem sechsten Übergriff.

„Genau das wollte ich vor dreißig Jahren am liebsten mit dir machen“, brummte er und ließ sie auf Augenhöhe an seinem verschwitzten Körper herabgleiten.

„Was hat dich zurückgehalten?“

„Der Blick deiner Ma. Sie hat mitbekommen, wie ich dich angesehen hab. Bluthimmel, hat die mich böse angeguckt. Dachte bestimmt, ich bin ein Sittenstrolch, der es auf dich abgesehen hat. Aber so ganz unrecht hatte sie damit auch nicht.“

Heiß, wie er sie ansah, Angel blickte in seine vom Lächeln gezeichneten Augen und blieb still. Vollautomatisch, wenn sie ihm so dicht war, öffnete sie ihren Mund einen Spalt und sah mit einer warmen Welle, die ihren Körper erweckte, auf seinen Mund. Pheromone der Spitzenklasse durchströmten die eisige Luft um beide herum.

„Du bist immer so schnell auf hundertachtzig. Woran liegt das?“, fragte Konga mit heiserer Stimme.

„Frauen ab neunundzwanzig plus X wissen, was sie wollen“, schnurrte Angel.

„So, so. Was willst du denn?“

„Deine Zunge in meinem Mund und den Rest, der dran festgewachsen ist, den will ich noch dichter an mir haben“, flüsterte Angel rau.

„Wir wollten doch üben“, knurrte Konga und kam ihren Lippen näher.

„Ich muss doch meine anderen Techniken auch im Griff behalten.“

„Du redest von denen, die du schon beherrschst?“

„Ja“, schnurrte sie und überbrückte die fehlenden Millimeter.

Brutale Flammen erfüllten ihre Körper und machten jeden Gedanken an etwas anderes zu Asche.

Konga trug sie wieder rein, ging vor dem Kamin filmreif in die Knie und legte Angel aufs Bärenfell.

Für das mit seinen Fängen zerfetzte Hemd kam jede Hilfe zu spät. Auch der Stoff ihrer Hose war nicht mehr zu retten, als er mit seinen Krallen fertig war. Angel bekam gerade noch so mit, wie er seine Hose unter seinen Hintern bekam, da war er auch schon tief in ihr. Diese rohe und doch sinnliche Gewalt an ihm liebte Angel wahnsinnig und stand sofort in neuen Flammen. Ihre Reißzähne fletschend, gierte sie gleich mit dem ersten herrischen Stoß nach seinem Blut.

Doch Konga lächelte angriffslustig und zog wiederholt seinen Hals weg, schürte ihre Gier und entfachte ihre Kräfte. Bis sie ihm anfauchend in die Haare packte, seinen Hals vor ihren Mund zerrte und kraftvoll ihre Fänge in seine Vene schlug.

Ein knietiefes kehliges Knurren drang an Angels Ohr, sie biss fester zu und saugte stürmischer. Die Vibration seines Knurrens übertrug sich auf Angels Körper, reizte sie umso mehr. Ihrer Kehle entfuhr ein gurgelndes Schnurren und ihre Fänge rutschten aus seinem Hals.

Von ihrem wilden Biss gesteuert atmete Konga schwerer, stieß Angel knurrend und schob seine Hand unter ihren Hintern. Sein Blick in ihre Augen wurde dunkler, animalischer, roher und dann drückte sich sein Schaft bedrohlich tief in ihre Scheide.

Der Schmerz war urwüchsig, Angel schrie ungehalten und fauchte ihn gleich abermals an. „Ist das alles?“

Nein, war es nicht, Konga lächelte dämonisch, holte aus und hob ihren Po weiter an. Keuchend nahm sie hin, was sie innerlich bis aufs Blut reizte. Dass sie überhaupt so aufnahmefähig war und nicht innerlich zerriss, grenzte schon an ein Wunder der Natur.

Wieder schob er sich unendlich vor und Angel begann ihm den Spielraum zu gewähren, gab nach, gab auf. Wieder knurrte Konga und genoss, was sie ihm gab. Sie wurde zu seiner Beute, seinem Sieg über sie.

„Meine Wildkatze“, gurgelte Konga und ließ mit fließenden Stößen ihren ganzen Körper erschütterten.

Angel wurde ruhiger, nehmender und sah Konga zu, wie er sie besitzergreifend anblickte. Je näher sie ihrem Orgasmus kam, umso mehr vertieften sich ihre Blicke ineinander und verlangsamten seine Stöße. Momentan zwang sich Angel nur zu einem, sie verdrehte ihre Augen nicht, wollte sehen, wenn sie kam, wie er es aufnahm. Sachte wechselte seine Augenfarbe ins Blau, begann zu leuchten, so wie Angel es nie zuvor gesehen hatte. Auch sein Penis in ihr erwärmte sich, oder war es die weiche fordernde Reibung in ihrer Scheide? Nein, sein Schwanz wärmte sich wirklich auf und übertrug die Wärme auf ihr Empfinden.

Unglaubliche Reize breiteten sich in ihrer Nässe aus und wärmten ihren Unterleib an. Immer weiter verlangsamte er sein Tempo, bis sie jeden Millimeter seines Schaftes - in sich kommen - fühlte.

„Ist das irre“, stöhnte sie und blickte sehnsüchtig auf seinen Mund.

„Engelchen, du hast keine Ahnung, zu welchen Höhenflügen ich dich noch bringen werde“, summte er mit seiner tiefen Stimme und küsste sie so sanft, dass Angel den kommenden Stoß mit einem irren, sinnlichen Stöhnen beantwortete.

Unaufhörlich steigerte Konga sein Tempo auf rasend schnell. Angel kam und er hielt sie so lange auf diesem Punkt, während er still in ihr anhielt, seinen Finger über ihren Kitzler tanzen ließ, was sie jetzt durch einen Dauerorgasmus schüttelte.

Kaum ging es runter, hielt er mit seinem Finger gegen.

Sich dessen nicht bewusst, drückte ihr erlösender Schrei ihre Scheidenmuskulatur in tosenden Wellen zusammen, Konga kam dadurch und ergoss sich heiß in ihr.

Gegenseitig schauten sie sich einige Augenblicke in die Augen, bis Konga sich langsam abstemmte und aufrichtete.

Gemächlich entzog er sich ihr und küsste sich an Angel herab, bis er zwischen ihren zitternden Knien hockte.

Wo er sie sonst nun zu Atem kommen lassen würde … schob er seinen Finger vor, massierte liebevoll ihren überreizten G-Punkt und sah, wie sie irritiert die Augen aufriss, weil ein weiterer Höhepunkt anrollte. Perplex, über ihre impulsive Reaktion, stemmte Angel sich hoch, blickte zwischen ihre Beine, sah seine Hand zu, wie sie vor ihrer Mitte lag und fühlte, wie sein Finger sie kommen ließ.

„Ist das ... geil!“, keuchte sie und umkrampfte seinen Finger.

Er behielt sein Weib weiterhin im Blick und blieb vor Ort, massierte weiter.

Nein, undenkbar! Angel konnte es nicht glauben und kam wieder.

„Das ist lange noch nicht alles“, brummte er und senkte seinen Mund.

Musste das nun sein? Angel schluckte und sah zu.

„Himmel, ich kann nicht mehr!“, stöhnte sie und fühlte seinen warmen feuchten Lippen über ihrem Kitzler streicheln.

Chancenlos, dem was kam zu entkommen, fiel sie zurück, ließ ihn machen und das beiderseitige glühende Verlangen entlockte seinem persönlichen Himmelreich eine gründliche Überschwemmung.

Behutsam züngelte er tiefer und Angel schüttelte ungläubig den Kopf, jedenfalls hatte sie das Gefühl, dass da nichts mehr kommen konnte, und ob ihre Kraft überhaupt noch reichte, wusste nur der Himmel.

„Und erträgst du mich ein zweites Mal?“

Verzweifelt schüttelte Angel ihren Kopf in alle Richtungen.

„Probieren wir es wenigstens“, schnurrte er und drehte Angel herum, hob ihre Hüften an und drang von hinten in sie ein.

Heiliger Abgang! Angel schrie schon von dem ersten Eindringen und Konga hielt lieber an.

„Ich lass dir einen Moment“, summte er und hob sie so weit hoch, dass sie in seinem starken Armen lag, er aber weiterhin tief in ihr war.

„Wo nimmst du diese Kraft her?“, röchelte Angel mit trockener Kehle.

„Ich hab ja nicht mal angefangen“, gab er leise zurück.

Seine Worte lösten ein Schauer auf ihrem Rücken aus.

„Fick mich bitte nicht kaputt“, keuchte sie.

„Hatte ich nicht vor. Aber glaube mir, du hältst noch viel mehr aus, wenn dein Blut aktiver wird. Wir kriegen das schon hin“, gurrte Konga und drückte sich weiter vor.

„Warte mal“, sagte er und entzog sich ihr.

Widerstandslos ließ Angel sich von ihm wieder herumdrehen und er setzte sich. Rittlings hob er sie auf seinen Schoß und drang in sie ein.

„So is besser“, brummte er.

Viel Bewegungsfreiheit hatte er jetzt zwar nicht mehr, musste aber auch nicht sein, weil er bis zum Anschlag in ihr war und nur sein Becken kreisen lassen musste.

„Gib mir deine Hände und lehn dich langsam zurück“, flüsterte er ihr zu.

„Was hast du vor?“

„Lass dich überraschen“, summte er liebevoll.

Behutsam drückte er sich vor und zog seine Lenden wieder zurück. Innerliche Intensivmassage.

„Wow!“, entfuhr es Angel. „Das ist purer Wahnsinn!“

Konga lächelte und wiederholte seine Bewegung. Angels Beine, die um ihn herumlagen, erschlafften und beförderten sie noch näher an seinen Unterleib. Vollkontakt, er reizte nun gleichzeitig mit seinem Schaftende ihren Kitzler.

„Das ist unglaublich“, quietschte Angel.

„Nein ... erst ‚das‘ ist unglaublich.“ Er begann sich zu bewegen.

Das war momentan eine Spur zu himmlisch, von der innerlichen Massage durch seinen Prügel, ließ sie überwältigt seine Hände los.

Obwohl es ihn ebenso wahnsinnig machte, hielt er sie, ließ nicht los und bewegte sich schneller. Stöhnend nahm sie hin, was er in ihr vollbrachte. Kitzler, Scheide und G-Punkt reagierten synchron auf diese druckvolle Reibung und heiße, kribbelige Wellen der Lust verströmten sich in ihrer gesamten Mitte. Tief aus diesem Kribbeln entfachte sich ein ziehendes Feuer, trieb ihren Schweiß aus den Poren. Ihre Sinne schwanden gänzlich, nahmen nur noch entgegen, was er ihr gab.

Der Sex mit diesem Vampir war viel mehr, als ein bloßes Liebesspiel und doch … Es war unmöglich jetzt noch einen klaren Gedanken zu fassen, sonst hätte sie gefühlt, dass …

Der Orgasmus kam wie eine alles verbrennende Woge über sie, riss nicht ab, hielt an und Angel löste sich von allem.

Mit dem Ergebnis zufrieden, zog Konga sie an sich und hielt ihren zunächst bebenden und dann zitternden Körper an sich gepresst. Stück um Stück sackte sie an ihm zusammen.

„Zugabe?“, fragte er leise.

„Auch wenn es unglaublich war … Nein ... bitte nicht“, flüsterte Angel.

„Dann haben wir ja jetzt ein weiteres Übungsfeld aufgetan.“

Allmählich hob Angel ihren Kopf. „Was?“, stammelte sie.

Zärtlich hob Konga ihr Kinn an, weil er sehr wohl fühlte, wie erschöpft sie in seinen Armen hing. Da war schon ein Kopfanheben ein Kraftakt. „Babe, ich liebe dich.“

Sachte legte er sie wieder auf das Fell und betrachtete ihren sinnlich erschlafften Körper. Ihre schweißfeuchte Haut glitzerte im Schein des Kamins und ihre Brustspitzen entspannten sich langsam. Konga hauchte ihr einen Kuss auf die Schulter und legte besitzergreifend seine Hand auf ihre Brust.

„Momentan alles allein meins“, summte er.

 Ermattet drehte Angel ihm ihr Gesicht zu. „Und du bist mein.“

„Ay Kätzchen.“

Angel kuschelte sich schutzsuchend an seine Brust und schlief beruhigt unter seinen zärtlichen Streicheleinheiten ein.

Im Morgengrauen erwachte Angel und sah, dass Konga immer noch so dalag, wie zuvor.

„Hast du überhaupt geschlafen?“

„Und verpassen, wie du in meinem Arm liegst ... um keinen Preis der Welt“, flüsterte Konga.

„Du bist verrückt und ich habe Durst“, schnurrte Angel.

Wortlos biss sich Konga den Puls auf, hielt ihn vor ihren Mund, so konnte sie wegen dem Geruch seines Blutes nicht protestieren, der Hunger war zu groß.

Konga zog seinen Arm nicht weg. Sein Körper brauchte nicht lange um eine Blutregulation durchzuführen. Aber wem hätte er es erzählen können, ohne seine Identität preiszugeben?

Sich dessen bewusst werdend, dass sie viel zu viel trank, wollte Angel von ihm ablassen, doch er schüttelte nur den Kopf und ließ sie weitertrinken.

Erst als er es wollte, ließ sie von ihm ab.

„War das jetzt nicht zu viel?“, fragte sie beunruhigt.

„Gib mir fünf Minuten, dann ist alles wieder beim Alten.“

„Wie machst du das?“

„Frage über Frage“, knurrte Konga zärtlich und senkte seinen Mund auf ihren.

Angel öffnete ihre Lippen für seine Zunge und umspielte sie empfindsam mit ihrer.

Kaum war ihr Kontakt so liebevoll, gerieten seine Gefühle in eine andere Richtung, Konga presste ihre Hüfte an sich und war so erregt, dass er in ihren Mund keuchte, weil sein Schwanz an ihrem Bein rieb. Mit einem Ruck löste er sich von ihr und stand mit Latte auf.

Angesichts seiner verlockenden Erektion … „Das ist ungesund“, schnurrte Angel und kniete sich vor ihn. Ihre Hände umschlossen seinen Schaft so weit es eben ging.

„Kätzchen, dafür haben wir keine Zei...“

Seinem Widerstand zum Trotz, ihr Mund kam näher und sie leckte über seine Eichel. Himmlisch, Konga erstarrte mit bleiernen Knochen in seiner Bewegung und sah an sich herab.

Weitere haltlose und immer schwächer werdende Beschwerden ignorierte sie gekonnt und saugte sinnlich an seinem Schwanz.

Während er seiner himmlischen Bluthexe zusah, wurden Kongas Knie weich, doch vorerst blieb er aber tapfer stehen. Erst als Angel Hand an seinen Anhang legte, knickten seine Beine fast ein. Sie kraulte seine Eier und ließ von seinem Schwanz ab, um den unteren Bereich auch einer Zungen- und Saugprobe zu unterziehen. Nun war es aus, Konga ging in die Knie und ließ sich von Angel wieder aufs Fell dirigieren.

„Bitte dort keine Fänge einsetzen“, keuchte er und sah ihr zu, wie sie sich um alles kümmerte. Sie knabberte, sog, leckte, kraulte und wichste samt Mundarbeit. Mal quälend langsam, mal so feurig, dass Konga sich ernsthaft ergab, was überhaupt nicht sein Ding war. Er wollte das Tempo bestimmen, meist, indem er den Kopf der Frau hielt und steuerte. Aber Angel brauchte keine Anweisung. Ihr Mund war weich, warm und fordernd, so blieben keine Wünsche offen.

Immer wieder tauchte er in sie ein und Angel umlutschte seine Eichel wahnsinnig geil, sodass er nicht mehr lange bräuchte, um sie mit seinem Samenstau zu ertränken.

Die ersten Tropfen bahnten sich ihren Weg im Schaft empor und Angel schleckte sie vor seinen Augen von seiner Spitze ab. Dabei sah sie ihn fiebrig an, er schluckte und verdrehte die Augen. Gerade, als er sich auf ihr Leckspiel eingestellt hatte, legten sich ihre samtweichen Lippen ohne Vorwarnung wieder über seine Eichel und sogen sinnlich. Musste sie ihn nun auch noch so gierig dabei ansehen, Konga stöhnte und knurrte gleichzeitig.

Nur kurz ließ Angel mit ihrem Mund von ihm ab, legte Hand an und begann mit steigendem Tempo sein hartes Rohr zu wichsen. Sie sah ihm sinnlich in die Augen, polierte seinen Prügel und sah wieder auf seine Eichel. Ihr Mund öffnete sich, sie leckte feucht über ihre Lippen, immer so, dass er es sehen konnte, und mit einem Rundumlecker kam sie wieder über ihn. Weitere Tropfen kündigten seine zunehmende Erregung an und nun spielten Hand und Mund ein gemeinsames böses Spiel.

„Babe, lass ab … ich komme gleich!“, knurrte Konga.

Oh ja, Angel reagierte, sie beschleunigte.

„Ich meine es ernst! Angel, ich komme ... hab ne volle Ladung ... in den Eiern.“

Seinen schwachen Protest außer Acht lassend, wichste Angel schneller. Sie hörte, wie sein Atem rasselte, und packte gefährlich fest zu. Das war’s dann ...

Ihr beharrlicher Griff ... der feuchter Mund ... diese quälende Zunge ... er kam, spritzte ab und pumpte ihren Mund voll.

Angel schluckte und schluckte. Übung hatte sie genügend und so ging kein Tropfen verloren. Konga brüllte und schob seinen Schwanz vor, bis der letzte Rest auch noch von Angel hervorgesogen wurde.

Binnen Sekunden war Konga über ihr und drang in sie ein. Seine Gier auf ihren Körper war unermesslich.

Angel kam etliche Male, bevor sein angeblasener Druck endlich nachließ.

Beide rangen nach Luft und sahen sich erschöpft aber zärtlich in die Augen.

„Blutweib, wenn du mich noch mal so weit reizt, dann garantiere ich für nichts mehr“, knurrte er und ließ seinen Schwanz vorsichtig aus ihrer schmerzenden Scheide herausgleiten.

„Es gibt noch eine weitere Steigerung?“, fragte sie keuchend.

Besser er verschwieg ihr seine Künste. Was noch kommen könnte und irgendwann käme, würde er ihr nicht auf die Nase binden.

Mit weichen Knien blieb er neben ihr liegen.

Angel kam als Erste hoch und schielte auf seinen Schwanz.

„Wage dich das nicht!“, drohte Konga mit einer Stimmlage, die Angel unmissverständlich klarmachte, wie ernst er es meinte. Die Erklärung lieferte er auch gleich mit. „Ich besteige dich vier Tage lang ohne Unterbrechung und treibe dich an den Rand des Wahnsinns. Und auf Rücksicht brauchst du nicht hoffen.“

„Du bist ein Tier“, schnurrte Angel, setzte sich neben ihm auf und streichelte seine Brust. Ihre Finger strichen die Ränder seines tätowierten Vampirs entlang. Doch als sie unter seinem Nabel weiterstreicheln wollte, hielt er ihre Hand fest, zog sie vor seinen Mund und küsste ihre Handfläche. „Ich bin zum ersten Mal mit der Welt zufrieden. Lock meine andere Seite nicht hervor. Und ob du willst oder nicht, wir werden jetzt noch etwas üben ... allerdings mit Klamotten.“

Nö, nix Training, Angel stützte sich mit ihrem Kinn auf ihre Arme und sah Konga in die Augen. „Was geht durch deinen Kopf, wenn du mich ansiehst?“

Konga kam hoch, schob sie liebevoll aber bestimmt von sich runter und begann sich anzuziehen. „Alles geht mir durch den Kopf, aber das Schlimmste ist, dich 597 Jahre, zehn Monate, zwei Wochen und fünf Tage zu schützen, dann kann die Ewigkeit kommen.“

„Woher weißt du das so genau?“

„Jack hat dein Blut in diesem Gartenhäuschen entfacht. Seit diesem Tag zähle ich.“

„Echt?“, fragte Angel verblüfft.

„Kätzchen, ich liebe dich und ja.“

Sie ließ sich von ihm auf die Beine und in seine Arme ziehen.

„Wenn Jack sich weiter geweigert hätte ...“, Angel brach ab.

„Ich hätte es gemacht … auch gegen deinen Willen. Wäre so lange bei dir geblieben, wie es nötig gewesen wäre und dann immer in deiner Nähe.“

„Und wenn ich dich dafür gehasst hätte?“

„Oh Angel, das wäre mir absolut scheißegal gewesen! Nach sechstausend Jahren nimmt man einiges hin, aber deinen Tod hätte ich da schon nicht mehr verkraftet.“

„Es ist eine unsinnige Frage, aber sie brennt in meinem Schädel. Wer von euch beiden liebt mich mehr?“

Konga blies einen kleinen Lacher durch die Nase. „Diese Frage ist wirklich unsinnig, weil wir dich lieben und wir beide ohne dich nicht leben wollen. Aber ich liebe dich ein klitzekleines Bisschen verwegener.“

Ach, Angel schmunzelte. „Wie das?“

„Jack vertritt einen Standpunkt, den ich nicht gutheiße, denn er will dich vor Gefahren schützen. Ich will aber, dass du lernst, mit deinem Körper umzugehen, um dich zu wehren. Ein lieb gewonnenes Püppchen kann man in die Vitrine setzen, ein Lebewesen sollte man auf das Leben vorbereiten. Zum Nur-Ficken bist du mir auch zu schade.“

„Will Jack das?“

„Nein, ich denke nicht, aber was ich eben sagte: er will dich in Watte packen, damit dir nichts geschieht. Daran bist du aber teils selber schuld.“

Grummelnd schob Angel ihren Schmollmund vor.

„Sieht du, das ist so einer der Gründe. Schmollen lässt dich nicht unbedingt selbstständig wirken. Dazu deine teils unbeholfene Art durchs Leben zu laufen ... kein guter Ansatz, aber ohne ‚dem‘ wärst du auch nicht du. Es gehört zu dir. Jack hat nur das vor Augen, ich sehe aber, wie du mit anderen umgehen kannst. Bestes Beispiel war da das Treffen mit den Staatenvampiren. Du hast sie autonom geführt und sie mit starken Argumenten beeindruckt. In dir sind zwei Seiten, genauso wie in mir. Lässt man mich sein, wie ich will, dann kann das mitunter ziemlich kindisch und albern werden.“

„Du und albern, das möchte ich erleben. Lustig ja, aber albern?“, kicherte Angel.

Konga zog seine Brauen hoch. „Ach, schon vergessen?“ Ungesäumt hob er sie an und pustete wieder in ihren Bauch.

Ruckartig ließ er von ihr ab und sah sie mit einem schrägen smarten Lächeln an.

„Aber am liebsten sind mir Katz- und Mausspielchen ... Jagdspiele und Sex mit dir.“ Seine Augen glühten.

„Wir wollten üben ... schon vergessen?“

„Ja, weil du mir mit deinem Schmollmund immer den Kopf vernebelst“, knurrte Konga und küsste sie.

„Auf uns warten Vampire, die den nächsten Morgen nicht mehr erleben sollen“, schnurrte Angel.

„Ja, leider“, brummte er und ließ sie sich endlich anziehen.

„Wo und wie üben wir?“

Konga zog seine Lederjacke über und schloss den Reißverschluss.

„Draußen und mit Stöckchen. Wirst du entwaffnet, dann greif dir, was immer sich greifen lässt, um deinen Arm zu verlängern, und um deine Gegner auf Abstand zu halten.“

Nach oben sehend sprang Konga hoch und hielt sich mit einem Arm an den Querbalken der Deckenstreben fest, hangelte sich höher und griff nach zwei versteckten Stöckern.

Stumpf donnernd schlugen seine Stiefel wieder auf den Holzbohlen auf. „Das sind japanische Fukuro-Shinai-Stöcker. Wenn du so willst, sind es Übungsschwerter.“ Konga warf Angel eines zu.

„Was sind das für Muster?“

„Teils Brandmuster, teils meine gewünschten japanischen Namen, die darauf stehen sollten. Hab sie schon ein paar Jahre.“

„Was steht denn auf meinem?“

Ihre Neugier war berechnend, Konga grinste breit. „Auf meinem steht Blooddevil und jetzt rate, was auf deinem steht.“

Angel ließ die Gänsehaut über ihrem Rücken erst ausklingen.

„Bloodangel“, murmelte sie.

„Nicht ganz, dort steht Revenge Angel.“

„Racheengel?“

Er stellte sich hinter sie und führte Angels Fingerspitze über den Schriftzug. „Mein Racheengel, und nun lass uns Stöckchen spielen.“

Ohne weitere Worte ging Konga nach draußen, Angel folgte.

„Wie lange hast du die Stöcke?“

„Sehr lange, so um ein paar Jahrhunderte, aber der Schriftzug ist erst seit circa dreißig Jahren darauf.“

„Das will ich jetzt genauer wissen.“

„Ich habe sie ein paar Tage danach machen lassen. Reicht dir diese Auskunft?“

„Jepp.“

Konga ging in Stellung. „Denk an den sicheren Stand und greif mich an. Und bitte nicht nur am Kopf, denn dann liegst du gleich auf dem Boden, weil ich dir die Beine wegschlage.“

Angel holte aus und schlug von schräg links nach oben. Sie erinnerte sich an die Kampfszene mit den Samurai, und was der Krieger mit ihren Gedanken vermischt hatte.

Wo sie im Nahkampf einiges lernen musste, klappte der Kampf mit den Stöcken wesentlich besser. ‚Ausbaufähig!‘, ging es Konga durch den Kopf, er griff nach einer kurzen Zeitspanne gezielter an. Auch diesen Attacken konnte sie gut ausweichen und sogar einige Angriffe selber ausführen.

Außerdem fiel ihr der Übungskampf vom Schiff wieder ein. Angel setzte immer gezielter und geschmeidiger ihren Stock ein und landete sogar einen Treffer vor Kongas Schienbein.

„Aua, du hinterlistiges Weibsbild.“

Kurz huschte ihr ein Lächeln über dem Mund, doch Angel hielt sich nicht weiter mit Pausen auf.

Ja, er hatte sie nicht so gut eingeschätzt, Konga schnaufte und fügte Schläge hinzu, die Angel noch nicht kannte, aber sehr genau beobachtete und parierte.

„Mehr Schnelligkeit“, knurrte Konga und der Kampf entwickelte sich zu einem Schauspiel, dem kein menschliches Auge mehr folgen konnte. Die Stöcke wurden zu fliegenden Schatten, die durch die Luft schwirrten, um sie mit sirrenden Geräuschen zu durchschneiden.

„Jetzt greife ich dich real an“, brummte Konga.

Binnen Sekunden lag Angel auf dem Boden und Kongas Stockspitze hielt vor ihrer Kehle. „Okay, ich gebe zu, ich bin besser.“

Angel lächelte ihm zu und kickte ihm mit ihrer Vampirkraft die Beine weg. Krachend schlug er neben ihr auf.

„Okay, ich gebe zu, ich bin hinterhältig.“

„Patt“, schnaufte Konga und wandte ihr seinen Kopf zu. „In solch einer meist ausweglosen Situation ... mach einen Sprung. Sobald du merkst, dass du fällst, lass es nicht zu. Hätte ich nicht gezögert und vor deiner Kehle gebremst, dann kannst du dir sicher vorstellen, wie schnell du von deinem Gegner ...“

Er hatte recht, Angel schluckte, es stimmte, denn ihre Hinterlistigkeit brächte ihr dann gar nichts mehr.

„Ich muss aber gestehen, du bist weit besser, als ich annahm. Nächstes Level, Waffen werfen, das hilft den Nahkontakt weitestgehend zu vermeiden.“

Konga sprang hoch und rannte in die Hütte, Angel wartete im Sitzen.

„Aufstehen, herkommen!“

Neugierig stemmte Angel sich hoch und schielte in die schuhkartongroße Holzschachtel.

„Die sind sauber aber scharf. Nimm sie immer weiter zur Mitte in die Hand, und dass meine ich sehr ernst, denn ich habe auch welche mit Gift an den scharfen Kanten. Das sind Shuriken, Wurfsterne. Die Japaner sind in meinen Augen die besten Hersteller für Klingenwaffen. Aber das liegt im Auge des Betrachters.“

„Wo lässt man die am Körper, wenn manche mit Gift beschmiert sind?“

„Kommt drauf an, ich hab meine meistens in der Jackeninnentasche oder im Stiefel, natürlich in einem sicheren Extrafach.“

„Mitsamt Gift?“

„Angel konzentriere dich jetzt nicht auf die Giftsache. Das wird nur im Ernstfall gemacht.“

„Wann ist ein Ernstfall ein Ernstfall?“

Stöhnend stopfte Konga Angel den Mund mit seiner Zunge. Angel schnurrte und zog ihren Mund nach einer heftig akrobatischen Zungenverwicklungsnummer ab. „Wann lerne ich von dir, wie man eine Panzerfaust abschießt oder einen Hubschrauber fliegt?“

Dieses Weib machte ihn doch immer mal wieder sprachlos, Konga machte den Mund auf, wieder zu und laberte dumm drauf los. „Dann, wenn du unter völliger Garantie von mir schwanger bist!“

Kicherte nahm Angel sich die ersten zwei Wurfsterne. Sie hob den Wurfstern vor ihr Auge und schielte durch das Loch in der Mitte.

„Wirft man die wie eine Frisbee-Scheibe?“

Konga knirschte mit den Zähnen. „Nein.“

„Hab ich jetzt was Falsches gesagt? Ich hab doch keine Ahnung von denen.“

„Is okay, ich bringe es dir bei. Es gibt Drehwürfe und direkte Würfe. Wir üben auch nicht lange, weil wir den Menschen an Kraft überlegen sind und die Wurfsterne bei uns eigentlich immer stecken bleiben.“

„Und das heißt?“

„Menschen brauchen wochenlanges Üben, um überhaupt einen Wurfstern so zu werfen, dass er stecken bleibt. Die Routine bringt den Erfolg, denn jeder Wurf ist am Anfang anders. Versuch mal, wie du denkst und triff die Tür.“

Kein Ding, Angel wollte weiter weggehen, doch Konga hielt sie fest und zog sie wieder dichter heran. „Mit Pfeil und Bogen üben wir später, dann kannst du auf Abstand gehen. Stell dich seitlich hin und werfe.“

Tat Angel und warf, wie es ihr in den Kopf kam. Alle Wurfsterne prallten an der Tür ab und klirrten zu Boden.

„Die Teile sind kaputt oder die Tür is aus Stahlholz!“, maulte Angel und fing sich mit dieser Bemerkung einen kapitulierenden Blick ein. Schnell lenkte sie ein, denn man konnte Konga ansehen, er würde gleich eine Predigt halten oder ihr einen von den Sternen in den Hintern schieben. „Okay, ich bin ja schon still!“

„Lass den Wurf aus der Schulter kommen, dann dem Ellenbogen und die Hand schneller öffnen.“

Angel befolgte die Anweisungen so weit, bis zu ihrer Hand, die sich einfach nicht schnell genug öffnete.

Nee, so würde das nie was werden, Konga stellte sich neben sie und warf seinen Wurfstern. Mit dicken Backen machte Angel große Augen, der Stern spickte bis zur Hälfte im Holz.

„Du sollst nicht gucken, wo der Stern landet, du sollst beobachten, wie ich werfe!“

In den folgenden Augenblicken betrachtete Angel Kongas Körperhaltung und ahmte sie zwischendurch nach.

„Und jetzt kannst du zur Tür sehen.“

Angel drehte sich um und staunte. Konga hatte die Sterne in Kreuzformation in die Tür geworfen.

„Hast du das Werfen begriffen?“

„Werden wir gleich sehen. Versprechen kann ich nichts.“

Von zehn Wurfsternen spickten drei im Holz, schon mal ein Anfang. Konga sammelte alle Sterne ein und reichte Angel kleine Wurfmesser.

„Probier die“, sagte er und sah zu.

Zumindest reichte Angels Talent so weit, dass die Messer besser spickten, als die Sterne.

„Üb noch etwas, ich überleg mir was.“ Konga ging durch die Hintertür und kramte irgendwo herum.

Vom Ehrgeiz gepackt warf Angel und fluchte über jedes Messer, das nicht im Holz stecken blieb.

„Da, probier die, aber bitte mit viel Kraft werfen. Und warte ...“

Konga hing eine Wurfscheibe aus Holz an die Tür.

„Ich will kein Bullseye sehen, triff einfach nur die Scheibe.“

„Wie sollen die denn stecken bleiben?“

„Wirf einfach. Sind kleine Wunderwerke. Ich nehme sie nur selten, weil ich kaum welche zurückbekomme.“

Angel verstand nicht, was er meinte, aber selbst wenn sie mit nassen Wattekugeln werfen sollte, sie täte auch dieses. In ihrer Hand lag eine Metallkugel mit einem Durchmesser von vier bis fünf Zentimetern. Sie visierte die Scheibe an, schmiss und das seltsame Teil spickte. Schon während des Fluges veränderte die Kugel ihre Form und Widerhaken verwandelten sie in einen Stachelball. „Wie geil ist das denn?“, flüsterte Angel und zielte genauer.

„Tja, aber meist nur für den Einmalgebrauch.“

„Warum Einmalgebrauch?“

„Versuch, sie aus der Scheibe zu bekommen.“

Aus der Nähe betrachtet musste Angel Konga zustimmen. Die Miniigelbälle mit der bloßen Hand zu entfernen, würde ohne Schmerzen und Verletzungen nicht gehen. Im Augenwinkel sah Angel, wie Konga eines seiner Messer aus dem Stiefelschaft zückte, dann pulte er mit der Klingenspitze an einem der Bälle. „Halte die Hand drunter und fang auf.“

„Nee, die sind spitz!“, protestierte sie.

„Nur solange sie spicken.“

Widerwillig hielt Angel ihre Hand unter den Ersten. Konga hebelte den Stachelball aus dem Holz und sofort zogen sich die Spitzen wieder ein.

Zwischen Zeigefinger und Daumen hob sie die aufgefangene Kugel hoch und betrachtete das Teil genauer.

„Eine von denen kostet fast tausend Euro und es ist nicht sicher, ob sie sich nur in den Klamotten verhakt. Mir ging es aber momentan nur darum, dass du an deiner Wurftechnik arbeitest.“

„Ich finde die Dinger trotz allem witzig.“

„Witzig? Ich werfe diese kleinen Witze aus einer Entfernung von dreißig Metern ins Auge meines Gegners ... präzise genau.“

„Echt?“

Stumm nahm Konga Angels Hand und ging zwanzig Schritte mit seinen langen Beinen.

„Worauf zielst du jetzt?“

„Bullseye“, antwortete Konga und wollte es erklären. „Das ist ...“

„... der schwarze Mittelpunkt“, beendete Angel den Satz gelangweilt.

Belustigt grinste Konga. „Ich wusste es, du bist nicht blöd.“

Sofort hob Angel ihre Arme, verschränkte sie vor der Brust und schmollte erbost.

„Kätzchen, nicht böse sein.“

„Doch! Bin böse, weil du denkst, ich wäre doof“, grummelte sie.

Um Frieden zu stiften, zog Konga Angel an sich und sah ihr tief in die unzufrieden guckenden Augen.

„Babe, ich würde keinen Atemzug an dich verschwenden, wenn ich dächte, du wärst dumm. Es ist nur immer so erfrischend, wie du mit deiner Logik um dich wirfst.“

„Was hast du jetzt auch noch gegen meine Logik?“

„Babe, ich liebe dich so, wie du bist und deine Logik ist umwerfend.“

„Ach ja?“

„Ja.“

Zur Bestätigung gab’s dann auch ein Küsschen ... und noch eins … und noch eins …

Für weitere Übungen reichte Konga ihr ein paar Wurfsterne und traf so ganz nebenbei mit seiner Kugel präzise ins Schwarze.

„In einer Stunde fahren wir weiter. Bis dahin kannst du noch üben.“

„Und was machst du?“

„Zugucken.“

Aus Sehschlitzen und mit wieder verschränkten Armen musterte sie ihren Vampir. „Nee, will ich aber nicht! Geh ins Haus, schäl Kartoffeln oder male ein Bild, kannst auch in der Nase bohren, seh ich ja nicht. Wichsen ist allerdings verboten!“

Unschlagbar, ihre Logik war einnehmend, Konga presste seine Lippen zusammen und grölte erst los, als die Tür hinter ihm in den Rahmen fiel.

Wie eine Besessene übte Angel, feilte an ihren Würfen, bis acht von zehn Sternen stecken blieben. Sah zwar nicht sehr elegant aus, aber sie spickten. Ihre Wurftechnik wurde besser und gezielter, je öfter sie warf. Nach einer halben Stunde steckten von zehn auch zehn fest im Holz. Angel vergrößerte den Abstand und warf erneut. Keiner steckte. Mehr Kraft.

Angel warf und warf.

„Es reicht“, rief Konga ihr zu und hielt ihr ihren neuen Helm hin.

„Wo hast du den denn her?“

„Kartoffeln hab ich keine gefunden, die Wandpinsel waren eingetrocknet und Popel hatte ich keine. Da hab ich einen Ausflug gemacht und dir einen neuen Helm besorgt, weil wichsen durfte ich ja nicht.“

„Und sonst hast du nichts Schönes für mich besorgt?“

„Doch.“

„Was denn?“, fragte sie neugierig und schmulte hinter Konga.

Er reichte ihr die anderen beiden verpackten Sachen und sah ihr ins Gesicht, als sie auspackte.

„Cool, ein kleiner Schlagring und ein Blasrohr mit Pfeilen.“

„Du hättest jetzt echt nicht lieber einen Brilli mit fünf Karat gehabt oder Ohrwärmer?“

„Nö, wozu? Schmuck ist nicht mein Ding und Ohrwärmer passen nicht in den Helm.“

„Was macht dich an, wenn nicht Schmuck?“

„Bohrmaschinen, Akkuschrauber, Handwerkszeug generell und mein Laptop zum Schreiben.“

„Und Motorräder vielleicht?“

Angels Augen strahlten. „Ja, Fahrzeuge hab ich vergessen und Motorräder im Besonderen.“

„Du bist wirklich außergewöhnlich.“

„Für ein Modepüppchen musst du dir eine andere suchen.“

„Nee, lass mal. Schmuckbehangene Weiber sind mir ein Gräuel und mich ständig über den neusten Modequatsch zu unterhalten ... lieber ein Vogelhäuschen bauen und Vögel abschießen, wenn die ausgehungert zum Futtern kommen.“

Hatte sie sich verhört? Angel riss die Augen auf.

„Scherz, nur ein Scherz! Ich töte keine Vögel, ich vögel lieber“, verteidigte sich Konga sofort.

„Hast du überhaupt ein Hobby?“

„Jepp.“

„Welches?“

„Killen und dein Sklave sein.“

„Mein Sklave sein?“

Konga nickte eifrig. Prompt baute Angel sich dominant mit den Händen in der Taille vor Konga auf und sah ihn abwertend an, bevor sie ihren Befehl scharf an ihn richtete. „Los Sklave ... küss mich mit Zunge!“

Nein, er musste nicht bestraft werden, er kam seinem Befehl umgehend nach und schoss sogar übers Ziel hinaus. Himmlisch, Angel stöhnte ergeben, als sein Mund an ihrem Hals saugte.

„Wir müssen los. Molly und die anderen erwarten uns.“ Uups, falsche Wortwahl!

Ihre Augen verengten sich zum hundertsten Mal an diesem Vormittag, Angel atmete tief ein. „Wer ist Molly?“

„Keine Eifersüchteleien, die Lady ist knappe dreihundert Jahre alt.“

„Was sagt das für einen Vampir aus?“

„Ich sagte doch, du bist nicht blöd und deine Logik funktioniert prima.“

„Und meine Logik funktioniert sogar so gut, dass ich merke, wie du vom Thema ablenken willst.“

„Okay ... sie is hübsch und wir hatten mal was miteinander.“

„Ach“, kam es spitz von Angel zurück.

„Was heißt ‚ach‘?“

„Nur ach“, säuselte sie nun zuckersüß.

Nun guckte Konga rundweg hilflos aus der Wäsche.

„Du wolltest los ... Fahren wir jetzt?“

Nein, halt, Stop!

Konga kratzte sich am Kopf. „Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, wenn du mitkommst. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie du Mersana zerlegt hast.“

„Ja und?“

„Du kannst nicht jedes Weib zerlegen, mit dem ich mal was hatte.“

„Wer sagt, ich hätte das vor?“, summte sie liebevoll und erreichte bei ihm damit einen noch höheren Grad der Verwirrtheit.

„Angel ...“

„Was?“

„Wir fahren nirgends hin und ich nehme alles zurück, was ich je im Scherz zu dir gesagt habe. Dein Verstand ist mir im Bezug auf Frauen zu scharf.“

„Danke. Halte du dich zurück, und wenn ich sehe, dass die Dame auch ihre Finger bei sich behält, dann bin ich auch brav.“

„Wirklich?“

„Wirklich.“

Beruhigt war Konga aber überhaupt nicht, weil er wusste, wo sie hinfuhren und Molly ging ihm immer ‚scharf‘ an die Wäsche. Sprach ja früher auch nichts dagegen, aber jetzt hätte er sie vorwarnen müssen. Auf dem Weg zu den Maschinen zückte Konga sein Handy.

„Scheiße, kein Empfang und Akku is fast am Ende“, fluchte er und steckte es wieder ein.

„Wie lange sagtest du sind wir unterwegs?“

In seinen Gedanken vertieft, fuhr Konga herum. „Was? Ach ja ... zwei Stunden. Hast du eigentlich ein Handy dabei?“

„Nee, wozu auch?“

Der Blutsauger ließ sein Blutgirl weitestgehend vorfahren und driftete in Schlangellinien schwer grübelnd hinterher. Sie fuhren einen vampirischen Familienclan an, und wenn Angel Molly in die Schranken wies, dann …

Angels erster Kontakt mit Meetys

 

 

Knapp vor ihrem Ziel setzte Konga sich an die Spitze und begann zu beten. Sie fuhren in ein kleines Dorf mit ein paar Geschäften ein und bogen nach drei Straßen links auf einen Feldweg ab.

Als das zweistöckige Holzhaus in Kongas Blick kam, war er nervlich am Ende.

Von ihrer Neugier ähnlich stark gequält wie von ihrer Eifersucht, stellte Angel ihre Maschine ab und zog den Helm vom Kopf.

„Kätzchen, bitte ... ich kläre das und bitte halte dich zurück. Bitte.“

Mit einem innerlichen Lächeln bemerkte Angel, dass Konga gerade gehörig der Arsch auf Grundeis ging.

 

Dean, das Familienoberhaupt, kam aus dem Haus und begrüßte Konga mit einem kräftigen Handschlag. Gleich darauf sah er sich um und ging auf Angel zu. „Meine Hochachtung vor dem weiblichen Oberhaupt der europäischen Vampire. Angel MacDragon, darf ich Sie in unserem Dorf willkommen heißen?“

Zur Begrüßung reichte Angel dem Vampir die Hand und dieser drückte sie gleich an sein Herz. „Meine Liebe, Ihr Ruf eilt Ihnen voraus. Sicher haben wir hier in diesem Provinzkaff in Kanada nicht die Möglichkeiten, Sie gebührend zu empfangen, aber wenn Sie es möchten, falle ich gerne und mit voller Überzeugung vor Ihnen auf die Knie.“

„Himmel, machen Sie das bloß nicht! Ich verdiene diese Anerkennung gar nicht.“

„Doch, ohne Ihre Mithilfe wären die Staaten jetzt schon führungslos und Kanada wäre als Nächstes von den Eisjägern überrollt worden. Wir sind Ihnen unser Leben schuldig und sterben, um Ihres zu schützen.“

„Gleich weiß ich nicht mehr, was ich sagen soll“, stammelte Angel mit hoch roten Wangen.

Konga stellte sich neben Dean. „Hör auf, sie in den Himmel zu heben! Du kannst auch allen anderen sagen, dass Angel es lieber hat, wenn sie normal behandelt wird.“

Sogleich kassierte Konga einen anmaßenden Blick von Dean, der nicht billigte, wie er über Angel sprach.

„Er hat recht. Ich bin einfach nur Angel und möchte keine Sonderbehandlung. Bitte.“

 

Im nächsten Augenblick fuhren alle herum, die Tür wurde lautstark aufgerissen, knallte gegen die Wand und eine junge blonde Frau kam herausgestürmt. Sie hielt direkt auf Konga zu, der wie versteinert dastand und hilflos zu Angel rüber schaute.

Die hübsche Vampirin rannte los und landete … in Angels Armen. Perplex versuchte sie an Angels Kopf vorbei, einen Hilfe suchenden Blick nach Konga zu erhaschen, doch Angel deckte ihn durch seitliche Bewegungen ab.

„Hey, ich bin Angel. Bist du Molly?“, fragte Angel scharf um Mollys Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, vergebens.

„Ja, hallo Angel, darf ich Konga begrüßen?“

Blitzschnell war sie um Angel herumgelaufen und landete an Kongas breiter Brust.

Sie schlang ihre Arme um seinen Nacken und versuchte ihm einen Kuss aufzudrücken.

Hilflos ruderte Konga mit den Armen und drehte seinen Kopf weg.

Das zum Thema, Konga würde die Sache mit Molly allein in den Griff bekommen ...

 

„Ich habe einen Sonderstatus?“, fragte Angel mit bösem Blick und bedrohlich leise.

„Ja, warum?“, fragte Dean verwirrt.

„Gilt das auch noch, wenn ich einen von euch töte?“

Die Frage ließ Dean zurückweichen. „Ja“, polterte er nur hervor.

Jäh stürmte Angel vor und packte der Blondine unmanierlich in die Haare, zerrte sie von Konga weg.

„Ab und an sollte man sich fragen, ob die Zeit Veränderungen mit sich gebracht hat. Lass deine Finger bei dir, dann werde ich dich jetzt nicht zerstückeln. Haben wir uns verstanden?“ Ganz langsam ließ Angel vor den Augen von dieser Molly ihre Fänger wachsen.

„Du bist eine verheiratete Vampirin und gehörst zu Jack MacDragon!“, zischte Molly zurück.

„Tja, außerdem habe ich einen Sonderstatus und einen zweiten Vampir an meiner Seite, und wenn ich sehe, wie du ihm schöne Augen machst, dann wirst du den nächsten Sonnenaufgang im Himmel erleben.“

„Ich liebe ihn seit hundertfünfzig Jahren. Was kannst du da schon mitreden?“, blaffte Molly.

„Dann frag ihn, wer ihm heut Nacht den Schwanz lutschen soll“, grollte Angel heiser und ließ mit einem Schubs ihre Haare los.

 

Dean, Konga und ein weiterer Vampir, der gerade aus der Scheune kam, hielten die Luft an. Molly war seit ein paar Jahren nach Lus Tod Kongas Anlaufpunkt, wenn das Druckabbauen nicht mehr den gewünschten Erfolg hatte und sie rechnete sich sehr wohl aus, dass mehr daraus werden würde. Kam er doch immer für ein paar Wochen zu ihnen, machte so etwas wie Urlaub hier und teilte in dieser Zeit auch das Bett mit ihr.

Das hatte er wohl vergessen, Angel zu beichten.

„Wärst du durch Jack MacDragon nicht so hochgestellt, würde ich dir jetzt die Augen auskratzen!“, fauchte Molly.

 

Die drei Vampire kamen überhaupt nicht mehr dazu, Luft zu holen und überdies klappten ihre Kiefer auf, denn Molly hätte vor Angel auf die Knie fallen müssen, denn so mit einer ranghöheren Vampirin zu reden, bedeutete den Tod.

Davon hatte Angel keine Ahnung und zog belustigt eine Braue in die Stirn. „Ich sehe unter meinen Füßen kein Podest“, flüsterte sie und sah finster in Mollys Augen.

Tja, wenn Angel so reagierte, okay, Molly baute sich trotzig vor ihr auf. „Reicht dir ein Kerl nicht aus oder ist Jack dir nicht Manns genug?“

„Molly, es reicht! Verschwinde im Haus!“, drohte Dean.

„Nein! Sie darf keine zwei Vampire haben, das ist ungesetzlich!“, keifte Molly Dean zu.

„Wer schreibt diese verfickten Gesetze?“, knurrte Angel und schlug mit der flachen Hand auf Mollys Brust, worauf diese nach hinten stolperte.

 

Jetzt war der Knoten geplatzt und Molly würde, wenn keiner einschritt, ebenso handgreiflich werden.

Zwei Ziegen, die sich an die Wäsche gingen, unter anderen Umständen sicher interessant, aber Konga packte sich Angel und hob sie an.

„Lass mich runter!“, schnaubte Angel.

„Nein! Krieg dich ein!“

„Nein!“, schrie Angel und fauchte Molly zu.

„Du liebst ihn gar nicht wirklich!“, zischte Molly zurück.

„Oh, du hast keine Ahnung, wie sehr sie mich liebt“, sagte Konga leise und doch hörten es alle. „Oder?“, fragte er Angel.

Im selben Atemzug beruhigte sich Angel und sah Konga in die dunklen Augen. Ringsum versank alles. Konga sah lächelnd von ihren Augen auf ihren Mund, der sich langsam öffnete. Beide kamen sich näher und bewiesen, ohne es zu bezwecken, wie sehr sie sich liebten.

Schlagartig wurde Angel so heiß auf Konga, dass sie seinen Hals anpeilte und zubiss.

Oh, wie er es liebte, wenn sie das tat, Kongas Atem beschleunigte sich und er knurrte Molly sehr verächtlich zu.

 

Komplett aus der Fassung gebracht wich Molly zurück und begriff nicht, wie Konga sich ihr gegenüber so benehmen konnte. Warum ließ er diese blöde Kuh an seinen Hals? Nie durfte eine Vampirin in seinen Hals beißen, geschweige denn sein Blut trinken!

Völlig aufgelöst hörte Angel auf zu denken und begann an seinem Bauch ihr Becken zu bewegen.

„Kätzchen, nicht hier“, flüsterte er ihr zu.

„Ich will dich!“, schurrte Angel heiser und zog ihre Fänge aus seiner Vene.

Gerne, hier … jetzt, sofort, Konga verdrehte die Augen. „Kätzchen, ich will ja, aber denk bitte weiter und warum wir hier sind.“

Schmollend streichelte Angel ihm über seine Wange. „Du hast ja recht, aber wenn sie mich so auf die Palme bringt und du das Ganze in Hitze bei mir umwandelst … Sie hat keine Rechte mehr an dir!“

„Hatte sie nie! Bis zu dir hatte keine Vampirin Rechte an mir!“

Heißblütig drängte sie sich an seinen Körper, kraulte über Kongas Brust. „Dann sag ihr ins Gesicht, dass sie dich nicht mehr anfassen darf.“

Dass hätte er ohnehin noch getan, Konga sah zu Molly rüber und sein frostklirrender Blick allein hätte reichen müssen. „Ich werde ihr persönlich die Kehle zerfetzen, wenn sie mich anfasst oder dich auch nur schräg ansieht.“

 

Niemals hätte sie mit diesen ablehnenden Worten aus seinem Mund gerechnet, Molly zuckte zusammen und rannte heulend ins Haus.

„Dass sie das begriffen hat, bezweifle ich. Du kennst sie!“, flüsterte Dean Konga zu.

„Sie wird es begreifen müssen!“

Dean winkte dem anderen Vampir, der aus der Scheune heran kam. „Hannes, bring die Maschinen rein und sorge dafür, dass Molly nicht in die Scheune kann.“

Hannes nickte und erledigte seine Arbeit.

„Kein schöner Anfang, aber wir sind nicht hier, um über Gefühle zu sprechen. Gehen wir rein.“

Ohne ihn loszulassen, blieb Angel auf Kongas Arm und ließ sich reintragen, wobei sie nicht mal ihren Kopf von seiner Schulter nahm. Eine deutliche Geste gegenüber anderen Vampiren, die vermittelte: Ich gehöre ihm!

 

Drinnen sah Angel auf … das hatte sie nicht erwartet. Die Inneneinrichtung glich einem Nobelapartment der Extraklasse. Überwiegend helle Möbel mit Stahlbeinen, und ein riesiger Glastisch, der auf vier Marmorblöcken ruhte und zentral in der Mitte stand, fingen ihren Blick ein. Nirgends ländlicher Schnickschnack, überall eine klare Linie und kaum Bilder an den Wänden. Nicht mal ein Teppich lag auf dem hellen Parkett. Angel peilte über Kongas Schulter und erspähte ein Kommandozentral mit haufenweise PCs.

 

„Habt ihr hier alle Lager im Blick?“, fragte Angel und zappelte sich von Konga runter.

Dean folgte ihr in den Computer-Raum. „Die Überwachung der kanadischen Lager laufen alle hier zusammen und ich kann mit Stolz behaupten, dass wir doppelt so viele sind, wie Jäger und Halbhirne zusammen. Uns wird keiner entkommen.“

Um sich einen klareren Überblick zu verschaffen, setzte sich Konga vor einen freien PC, ließ Kameras in der Nähe eines größten Lagers rotieren und wandte sich den besetzten Platz neben sich zu. „Hey Killer, habt ihr die Meetys auch aufgespürt?“

„Ja und nein. Wir wissen zu wenig von denen, sind uns nicht sicher und keiner traut sich in die Siedlung rein. Sie liegt etwas von der Hauptstraße entfernt und somit fällt jeder Fremde sofort auf.“

„Wo liegt das Örtchen und wie viele Bewohner leben dort?“, hakte Konga nach.

„Wenn die Luftaufnahmen und unserer Schätzungen nicht gänzlich falsch liegen, dann sind es an die hundertachtzig Personen. Das Dorf liegt fünfzehn Meilen nach der nächst größeren Stadt zur westlichen Seite in ein Tal gebettet. Wir haben Späher rausgeschickt und von sieben sind fünf zurückgekommen. Der Funkkontakt brach bei beiden gleichzeitig ab, und dass ist einen Tag her.“

„Hundertachtzig Bewohner, wenn alle Meetys sind, dann habe ich ein Problem“, brummte Konga.

„Das packst du nicht allein. Zwanzig von uns sind in den Startlöchern und hoch motiviert, weil die beiden verschwundenen Vampire nicht mal fünfzig Lenze aufm Buckel haben. Wenn du mehr Leute brauchst, dann zieh ich sie von den anderen Lagern ab.“

 

Zwecks Erklärung, wie es in dieser Siedlung aussehen könnte, warf Konga Angel einen Blick zu. „Manchmal legen sie auch Vorräte an und halten sich Vampire als Lebendfutter.“

Angel lief ein Schauer über den Rücken, sie dachte kurz an eine Vampirstory, die sie vor ein paar Jahren gelesen hatte. Diese Vampire wurden teils auch gefangen genommen, aber nicht zum Essen, sie wurden gequält und dann getötet.

Wie viel furchtbarer musste es da sein, als lebendes Futter benutzt zu werden! War da ein gnädiger Tod, auch wenn Folter vorher angewandt wurde, nicht besser? Nein, nichts davon war besser, alles war grausam!

 

Von Neugier erfüllt, beugte Angel sich über Kongas Schulter und schlug einige Tasten an, bis das Dorf über die Straßenansicht auf dem Monitor erschien.

„Es macht Sinn, erst die abseitigen Häuser zu stürmen. Greifen wir im Zentrum an, könnten einige entwischen und den anderen Bescheid geben.“ Nochmals die Ansicht ändernd blickte Angel weiterhin auf den Monitor, so entgingen ihr die anerkennenden Blicke der anderen. „Den Kreis dann langsam enger ziehen und Posten mit je zwei Vampiren im Abstand von zehn Metern um das gesamte Dorf postieren. Wie eine Schlinge, die sich zuzieht. Dabei brauchen wir definitiv mehr als zwanzig Vampire!“

„Hast du Kriegsführung studiert?“, fragte Konga trocken.

„Nö, aber ich finde das logisch.“

„Ist es auch - um es präzise zu sagen: perfekt.“

Erneut änderte Angel die Ansicht. „Nee, einen perfekten Plan gibt es nicht, du musst immer das Chaos mit einberechnen. Was, wenn sie Tunnelverbindungen haben oder sich gegenseitig warnen, wenn ihnen etwas auffällt. Du hast selbst gesagt, dass die nicht die Dümmsten sind und weltweit anscheinend eine Organisation am Laufen haben.“

„Angel, hör auf, du machst mir ernsthaft Angst“, grummelte Konga.

„Endlich überzeugt, dass ich nicht hirnblond bin?“, fragte Angel sanft.

Er blickte ihr fest in die Augen, nickte und drehte mit seinem Finger ihr Kinn seinem zu.

„Besser wir lassen das jetzt. Du weißt, dass ich dann nicht richtig denken kann“, hauchte Angel Konga zu und vergrößerte den Abstand zu ihrem Vampir so weit, wie sie seinen Nacken kraulen und gleichzeitig mit der anderen Hand wieder die Ansicht ändern konnte. „Wer von meinen beiden Saugern ist der, der logischer denkt?“

Als ob sie das nicht wüsste, Konga rieb sich über die Nase. „Jack. Ich handle gerne impulsiv.“

 

Irgendetwas an dem Dorf war seltsam, Angel musste ihren Verdacht einer weiteren Person mitteilen und dachte mal eben scharf an Jack und er erschien neben ihr.

 

„Tut mir leid, wenn ich dich gestört habe“, flüsterte Angel und streichelte erst Jared, der in den Armen seines Vaters sein Fläschchen trank, über die Wange.

„Kein Problem, Terrag hält mich ja von nichts mehr ab. Wo drückt der Schuh, Sweety?“

„Ich brauche eine Bestätigung und ein paar Gedanken. Guck dir den Aufbau dieses Dorfes an und sage mir, was daran auffallend ist.“

Jack reichte Konga Jared durch und nahm Angels Platz ein. Er drehte, wie Angel zuvor, die Ansicht mehrere Male und schnaufte. „Da kommt keiner auf normalem Wege ran oder rein, ohne bemerkt zu werden. Unmöglich!“

 

Um ihn herum hielte alle die Luft an, aber mehr, weil sie wussten, wer Jack war, als dass sie auf seinen Beitrag hörten. Vierzehn Vampire guckten und schluckten.

Kannte er schon, Jack spürte alle Blicke auf sich ruhten. „Hey, alle zusammen! Ich scheiß nicht durch meine Rippen, habe keine vergoldeten Reißzähne und ernähre mich auch nur von rotem Blut. Könntet ihr mal bitte weiteratmen?“

Da musste selbst Angel kichern und nahm nebenbei Jared an sich.

„Kann ich mal kurz auf deinen Platz?“, fragte Jack Konga.

„Klar, mein Meister.“

„Jetzt fang du auch noch an!“, grummelte Jack und hackte in die Tasten.

„Sind mehr Ansiedlungen von denen bekannt? Speziell hier in ... Wo sind wir eigentlich?“

„Kanada“, kam es von allen zurück.

„Okay, das werde ich jetzt unter Garantie nicht vergessen“, lachte Jack und bekam die gewünschte Information von ...

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