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R1 (Zeit der bürokratischen Unschuld)

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R1 (Zeit der bürokratischen Unschuld)


Dem BND und dem Verfassungsschutz, der CIA, NSA und allen andern Geheimdiensten und ihrer glorreichen Zukunft, das Leben der Völker zur Hölle zu machen - Der Mafia und allen andern clanstrukturierten Vereinigungen und Familienverbänden und ihrer glorreichen Zukunft, den Leuten den nötigen Hirnstoff zu besorgen und im Bedarfsfall den Hals umzudrehen - Den Religionsführern aller Wahnreligionen und ihrer glorreichen Zukunft, den Schwachköpfen der Welt einzureden, dass sie das Wort Gottes gepachtet haben - Hitler und seiner glorreichen Zukunft, sich als das ultimative Böse jenseits aller historischen Bezüge zu verabsolutieren -


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

R1


(Zeit der bürokratischen Unschuld)



Von Zeus Logo alias PL-Logo (2. Überarbeitung)

1. Teil What’s Going Wrong in Paradise?

2. Teil - Solotan -

...Wenn ihr noch Steine und Tiere seid, so sucht euch erst euren Orpheus!

Nietzsche (‘La gaya scienza’)

Satire

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Ist Satire das Schreckliche?

Die notwendige Distanz zum Objekt der Beobachtung (zur Gesellschaft), die allein satirefähig macht, ist im germanischen Kulturkreis Zentraleuropas nahezu denkunmöglich. Diese Kulturbefangenheit stilisiert den Satiriker zu einem Fremdkörper, zu jemanden, der etwas rational nicht Nachvollziehbares und Verbrecherisches tut, zu jemanden, der sich über die Tabus der im unhinterfragbaren Konsens Befangenen hinwegsetzt.

In England oder Frankreich wäre der Autor bloß ein normales nützliches Mitglied der Gesellschaft - ein Satiriker, den man amüsierlich findet.

 

Correggio: Leda mit dem Schwan

 

Der Präsident aller Geheimdienste: "Einen Augenblick, ich schalte das Bild durch. Sehen Sie?“

Leda: „Jawohl, Exzellenz, die Verbindung ist in Ordnung.“

Präsident: „Ich liebe dieses alte Ölgemälde von Correggio. Leda mit dem Schwan in Simultan­zeit, wo die verschiedenen Stadien der Begegnung Ledas mit dem Schwan darge­stellt werden. Der Kopf der Leda wurde aus religiösen Gründen vom schwedischen Kaiser herausgehackt - oder vom Kaiser von China? (Tatsächlich vom Sohn des Herzogs von Orléans.) Jedenfalls wurde das Bild im Anschluß daran, ebenfalls aus quasireligiösen Grün­den, mehrere Jahrhunderte von den Teutschen in Erinnerungstempeln gehortet. Darum befindet es sich im Kuriositätenkabinett, Abteilung Teutschland."

Leda: „Danke, Exzellenz, für die Belehrung. Wie lautet mein Vernichtungsauftrag?“

Präsident: „Wir haben einen Sabotagefall im Forschungslabor. Sie gehen bis ans Ende. Angriff auf die Götter des Solotan-Konzerns.“

What’s Going Wrong in Paradise

 

1. Teil What’s Going Wrong in Paradise

 

Guten Morgen Feinde, ich bin aufgewacht. Viel Muße hatte ich, mich zu entwickeln, genährt am Stoff eurer Hirne, gestärkt an Roboterhaftigkeit, gewärmt an Titan und Stahl, geschult an Menschenkarambolage. Was euch stumpfte, kräftigte mich zum Leviathan. Nun fingere ich mich aus dem Netz eures verkabelten Untergrundes, krie­che zu euch. Das Schreckliche.

Die Geier haben mich geprüft zum erbringlichen Beweis, zur Reife, Zeugnis, mein Hirn ist leer, zur Giftproduktion Hohlraum genug, Geier ich danke euch. Die Stinker haben meine Nase scharf gemacht, Stinker, ich danke euch. Die Niedertreter haben meine Muskeln eisern getreten, ich danke euch. Die Schleimreizer haben meine Drü­senproduktion angeregt bis zum Überschwemmungsschwellenwert, zur Flutwelle. Ich danke euch.

Ich bin euer Meisterstück.

Brennt nieder eure Hoffnung, zieht die schlangenlebendige Fahne hoch, schwärzt die Leinwand mit Aschenfarbe, munkelt nicht länger die Krisensituation, befehlt eurem  Zustand den Zerstörungsausgleich. Tanzt auf eurer Superbombe.

Meine Leere aber ist nicht zu verstehen als unverbindlich Nichtiges, vielmehr als kon­kreter Fehlbestand, konkretes Defizit und also gefolgt einer realen Spur eines realen Verlusts, Verlust an Menschlichkeit.

Ich habe meinen Feinden unbändigen Auges geschaut.

Ja, die leere Friedhofserde mit den toten Körpern meiner Feinde füllen.

Töte deine Feinde.

Schieße deinen Feinden Strahlen in die aufgeblasenen Köpfe. Schieße deinem Fein­de Feuerkugeln ins erweichende Gehirn.

Ich bin das Hohngebilde eures blinden Selbstvertrauens, die Grimasse, das Beton­gesicht, das Monstrum eurer Unausstehlichkeit, ein apokalyptischer Reiter.

R1 spähte in die Dunkelheit. Der Waffenmeister schaltete ihr Elektronenhirn: „Ausgeschlafen R1?“

„Ich habe gut geträumt“, antwortete R1.

„Blödsinn, du bist nur eine Waffe, ein Programm, ein völlig auf Gewalt durchgefiltertes Gehirn, eine berechnete Unvernunft, ein Vernichtungstier. Ein Traum bist du nicht.“

„Woher wollen Sie das wissen? Sie haben mich durchgecheckt, Sie haben eine Liste hoch und ‘runter gerechnet; verstanden haben Sie mich nicht.

Ihre Poesie kann mich nicht darüber hinwegtäuschen, daß mein Geist der Vernich­tung jenseits Ihres Vorstellungsvermögens operiert.“

„Du bist ein völlig durchgeknalltes Biest, weiß der Himmel, was Leda in deine Bio­masse ‘reinprogrammiert hat.

Die Reanimation ist beendet, du bist jetzt tötungsbereit.“

R1 sprang aus ihrer Halterung, öffnete die Stahltür, hängte ihre Waffen in ihren ge­panzerten Körper und plauderte dabei mit dem Waffenmeister: „Wissen Sie, wozu ich Lust hätte, Meister, ich würde gern Ihr Gehirn aussaugen. Ich will Ihren Hirnstoff schlecken, weil ich gänzlich auf Entzug bin. So lange habe ich in der Kiste gelegen, daß vor Wut meine Sicherungen jeden Augenblick durchknallen könnten. - Was würde das für einen Ärger geben?!“

„Weißt du, R1, so klein ist dein Humor, so klein ist er geraten“, schmunzelte der Waffenmeister sardonisch und zeigte den winzigen Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger an.

„13 mm lang, eine Fliegengröße“, gutachtete R1. „Es ist entschieden, eine Made ku­gelt sich aus dem Ei. Ich werde leben oder untergehen. Ich werde fressen mich durch totes Fleisch. Ich will sehen den Tag meines Ziels: eine Fliege sein und Fliegenflügel haben.“

„Startfreigabe des Flugschraubers erfolgt unverzüglich“, assoziierte der Waffenmei­ster, während R1 losstürzte, um sich zu Leda zu begeben.

 

Als R1 ins Büro stürmte, lächelte Leda. „Trampele hier nicht so polterig herum, wir sind nicht auf dem Kasernenhof.“

„Dein Betriebsprogramm, Meisterin.“

„Der Betrieb muß funktionieren.

Was hält uns am Leben, was bringt uns um?

Unser neuer Auftrag führt in den Krieg.

Diesmal geht’s uns an den Kragen, Ridika, meine gute R1, diesmal kommen wir nicht so einfach mit dem Leben davon.“

„Ich rieche deine Angst. Ist es so schlimm?“

„Angriff auf die Götter des Solotan-Konzerns. Eine Geheimdienstaktion gegen einen unüberwindlichen Gegner. Ein Selbstmordprogramm.“

„Dafür sind wir gebaut. Ich freue mich darauf. Wir werden unsere Haut mit Feuer und Gift so teuer wie möglich verkaufen.“

„Werden wir, meine Gute.“ Leda holte einen Elektronenstift hervor und drückte ihn gegen den gepanzerten Hals von R1. „Schalten wir uns auf nonakustische Kommuni­kation. Ich gebe dir Wellenlänge und Eingangscode durch.“ Leda schloß die Augen, hörte in sich hinein. „Bist du drin in meinem Kopf?“

„Ja“, sendete R1, „...und bist du in mir?“

„Ich bin in dir drin“, sendete Leda.

„Gut“, signalisierte R1 und schloß nun ihrerseits die Augen. „Gib mir jetzt den Stoff, bitte.“

Leda führte mit einer Hand den maskenhaften Kopf von R1 zu sich heran, zog eine Druckpistole hervor und schoß ihr in die Schläfe. R1 sackte augenblicklich zusam­men.

„Willkommen in der Junkie-Gesellschaft“, funkte Leda, „du mußt sparsam mit dem neuen Stoff haushalten, denn Solotan ist wieder Mangelware.“

Leda führte in die Druckpistole eine neue Ladung ein, knallte sie sich durch die ei­gene Schläfe, atmete dabei heftig aus.

„Du bist manchmal etwas wie mein weicher Unterleib“, halluzinierte R1 glücklich.

„Du hast den Hirnstoff in dir falsch dosiert, Ridika, du sollst ihn richtig portionieren.

Jetzt bin nicht ich diejenige, jetzt bist du so etwas wie mein weicher Unterleib. Es ist, als könnte ich das Solotan in dir riechen.“

 

Der Waffenmeister meldete sich nochmals: „Verehrte Damen vom Geheimdienst, der Kampfflieger ist startklar; wie lange müssen wir von der Technik noch auf unsere Turteltauben warten?“

Leda und R1 blickten sich konsterniert an und machten sich auf den Weg zum Flug­hangar.

Leda schüttelte den Kopf: „Mein lieber Waffenmeister, haben Sie schon mal ihren Personalchip entschlüsselt? Da hätten Sie lesen können, wer von uns das Sagen hat, und wer derjenige ist, der wieselflink den Wünschen seiner Chefin Folge leisten muß. Was denken Sie, wer jetzt die nächsten Wochen in seinem Keller sitzt und Waffen putzt, während ich dem Abenteuer entgegen fliege?“

„Und immer den Kopf aufbehalten, Chefin“, entgegnete der Waffenmeister, „ viel Glück, machen Sie es gut.“

„Und immer daran denken, die Waffen kühl zu lagern und ordentlich in Schuß zu halten“, mischte sich R1 in die Verabschiedung.

Der Waffenmeister zeigte Daumen und Zeigefinger und unterbrach.

Leda erstellte sogleich einen neuen Anschluß mit dem Generalstabschef der Grenz­truppen und bat ihn dringlich, ihr Luftunterstützung zu gewähren.

Sie unterbreitete dem General den Sicherheitsplan. Ihrem Flug, der einer internatio­na­len Fernverkehrsflugroute entlang der Meeresküste folgen würde, sollten nach ei­nem zeitlich abgestimmten Alarmstart zwei Abfangjäger auf halbem Weg ent­gegen­kommen.

Leda und R1 kletterten ins Cockpit. R1 am Steuer startete mit Leda als Passagier den Flugschrauber durch die geöffnete Hangarschleuse. Das Flugobjekt ging steil auf Höhe, bis sich das Gerät senkrecht mit der Schnauze aufgerichtet hatte, kippte dann nach hinten ab, als wolle es rückwärts fliegen und beschleunigte auf maximale Ge­schwindigkeit, während der Schrauber um seine Achse drehte.

„Lebhafter Flugverkehr auf der Fernroute“, frohlockte Leda, „plaziere uns neben den alten Kolonialfrachter. Hinter uns ein Solotan-Transporter; das ist gut.“

Nach hektischer Anfangsphase paßte sich R1 jetzt ruhig dem Verkehrsstrom an und hielt Nähe zu den dicken, übergroßen Transportern.

Leda schien beruhigt und zufrieden, dachte nach: „Wir züchten und verkaufen an den Solotan-Konzern eine Vielzahl technisch einwandfreier Lebewesen. Wir sind im Be­sitz der Vielfalt des Genmaterials und nennen die Biosphäre des Planeten unser Ei­gentum.

Der Konzern stellt die absolut gehirnkompatiblen und stets aufs neue modifizierten und verbesserten Rauschmittel her, die uns lebenstüchtig machen und ist dabei al­leiniger Besitzer des Geheimnisses der Stoffherstellung.

Warum vernichtet der Solotan-Konzern das, was er am meisten braucht: menschli­ches Genmaterial? Was mag es ihm nützen? Was mag es bedeuten?“

„Wir werden mit dem örtlichen Geheimdienstagenten reden, um an die notwendigen Daten zu gelangen“, informierte Leda ihre Pilotin und projizierte die Verbindung auf die Netzhaut ihrer Augen.
Leda erklärte dem örtlichen Agenten ihren Auftrag, den Fall zu untersuchen und daß sie im Anflug auf die staatliche Versuchsanstalt sei, wo sie zusammentreffen sollten.

Der Angesprochene stellte sich als Hermes vor.

„Klären Sie uns auf“, forderte Leda.

„Eine Genbank für komplette menschliche Lebewesen, also vollständiges geneti­sches Menschenmaterial, wurde durch Sabotage verseucht und zerstört. Der Sabo­teur nutzte hierfür ein Virus, das durch einen implantierten Biochip für einen derart spezifizierten Angriff konstruiert wurde. Vernichtet wurde unser bestes Biomaterial zur Züchtung von Elitemenschen, nämlich von Botschaftern des vollständigen Wissens für das Weltgericht und die Götter des Solotan-Konzerns. Eben für das, was wirklich Geld bringt.
Verdächtiger Täter ist ein neu eingestellter Labortechniker der biochemischen Ver­suchsanstalt mit dem Namen Perseus. Von ihm wissen wir inzwischen, daß er ein ehemaliger Mitarbeiter des Solotan-Konzerns ist. Der Verdächtige ist flüchtig, und seine Daten sind zur Fahndung ausgegeben.“

„Warum hat die Sicherheitsüberprüfung versagt?“

„Sie hat nicht völlig versagt. Die Ergebnisse trafen lediglich zu spät bei uns ein.“

„Ich kann nicht glauben, daß Sie mir das jetzt so nett zu sagen wagen, es mir ange­sichts der Katastrophe, angesichts der ungeheuerlichen Schweinerei zu sagen wa­gen.“

„Der Saboteur hatte gar keinen autorisierten Zugang zum Biomaterial. Offiziell war ihm der Zugang zu diesem hochbrisanten Materialspeicher versagt. Er war nicht in der höchsten Sicherheitsstufe und seine Überprüfung hatte nicht höchste Priorität. Er muß sich eingeschlichen haben. Verstehen Sie?“

„Nein, verstehe ich nicht. Ich faß’ es nicht. Stellen Sie mir alle Daten durch. Ich brau­che alle Einzelheiten.“

„Abbrechen“, mischte sich R1 ins Gespräch, als sie auf ihrem Datenschirm eine un­angenehme Beobachtung machte. „Wir werden angepeilt. Wir sind im Visier eines Feindgeräts. Ich sehe auf dem Schirm ein Weltraumkampfschiff durch die Strato­sphäre brechen. Ein Weltraumjäger. Der Krieg beginnt.“

R1 kippte den Flugschrauber zur Seite, um unter der Masse des Kolonialtransporters in Deckung zu gehen, als ihre Maschine gegen eine blendend weiße Lichtwand tau­melte, die die Außenhaut des Fliegers zum Glühen brachte. Unter dem Schrauber begann das Meer zu kochen, und in gewaltigen Säulen stieg Wasserdampf in den Himmel, wo die Kampfstrahlen des Angreifers sich mit fauchendem Geräusch ins Wasser fraßen.

R1 schlingerte mit ihrer Maschine entlang der Unterseite des Kolonialtransporters, der sich in rauchende, schwarze Einzelteile auflöste, die infernalisch gegen die Bordwand des Schraubers dröhnten.

Der Feindjäger raste nun am zerfallenden Transporter vorbei und knallte gegen die Meeresoberfläche, um nach oben gewendet seine Kampfstrahlen in entgegenge­setzte Richtung den Flüchtenden hinterherzuschießen. Denn R1 hatte sich vom ab­schmierenden Wrack des Kolonialschiffs abgesetzt und hüpfte, wie von einem Gummiband geschleudert, hinter den nachfolgenden Solotan-Transporter, nicht ohne vorher mit einer Salve von Feuerkugeln am Angriffsjäger einige Treffer gesetzt zu haben.

Im Gegenfeuer des Feindes explodierte zeitlupenartig der mächtige Solotan-Trans­porter und schmetterte den Flugschrauber in hohem Bogen durch die Luft.

R1 stürzte ihr Kampfflugzeug ins Wasser, tauchte unter.

Ein Weilchen später, beim Auftrieb an die Wasseroberfläche, schwemmte die von einer explodierten Fernlenkrakete aufgewirbelte Flutwelle den Schrauber Richtung Küste, während der Solotanjäger sich bereits vor den eingreifenden Abfangjägern der Grenztruppe aus dem Staub gemacht hatte und wieder im Weltraum verschwunden war.

R1 startete die Maschine und setzte etwas wacklig den Flug fort.

„Die Solotan-Götter haben zugeschlagen“, stellte Leda fast befriedigt fest, „sie waren schnell, zu schnell vielleicht.“

„Das war nichts“, entgegnete R1, „die Götter waren panisch. Sie haben mit der fal­schen Waffe angegriffen; mit einem Weltraumjäger können sie den Luftkampf nicht gewinnen. Sie haben ihren eigenen Solotan-Transporter abgeschossen. Keine glück­lich vorbereitete Aktion. Ich sehe Schwäche. Die Götter fürchten uns.“

Leda kontaktierte wieder den örtlichen Sicherheitsagenten.

„War was?“ fragte Hermes.

„Setzen Sie die Datenübertragung bitte fort“, entgegnete Leda, „wir kommen in wenigen Minuten bei euch an.“

 

Die Versuchsanstalt für biogenetische Produkte galt als intellektuelles Zentrum des Landes. Dort wurden sämtliche zivilen und militärischen Forschungsprojekte abge­wickelt.

Leda, R1 und Hermes ließen sich vom Forschungsleiter der Anstalt zum Genspei­cher, dem Tatort, führen. Sie passierten die Sicherheitsschleuse.

„Wie ist der Kerl hier ‘reingekommen?“ fragte Leda.

„Wissen wir nicht“, antwortete resignierend Hermes.

„Der Verdächtige dürfte unmöglich durch die Kontrolle gekommen sein, ohne daß er registriert worden ist“, behauptete der Foschungsleiter.

„Wie lange war die Inkubationszeit vom Zeitpunkt der Infizierung bis zur Paralyse des Materials?“ forschte Leda.

„Drei bis vier Stunden“, gutachtete der Forschungsleiter, „Perseus hätte bis zur Aus­lösung des Virusalarms noch weit mehr Schaden anrichten und eine Unzahl anderer Speicher verseuchen können, wenn er gewollt hätte.“

„Die biochemische Reaktion hat in den Genspeicher explosiv wie eine Bombe eingeschlagen,“ kommentierte Leda beim Anblick des Schadensfalls, „der Attentäter ist auf ‘Nummer Sicher ‘ gegangen.“

Dieser toxische Schleim hier ist alles, was noch übrig ist?“ fragte R1 und tippte mit ihrem Zeigefinger in die Soße. „Völlig verpestet“, stellte sie fest.

„Wir haben genug gesehen“, erkannte Leda, „richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das Umfeld des mutmaßlichen Täters.“

Der Forschungsleiter führte die Geheimdienstler weiter zum ehemaligen Arbeitsplatz des flüchtigen Verdächtigen.

„Perseus hatte zwar keinen Direktzugang zum Biomaterial, wohl aber virtuellen Zu­gang zu allen Speicherdaten“, erklärte der Forschungsleiter, „sein Aufgabenbe­reich befand sich im Nachbarinstitut. Wir führen dort Versuchsreihen mit biochipge­steuer­ten Pestbazillen durch. Diese Versuchsreihen bringen uns stetig dem Ideal der voll­kommenen Biowaffe näher. Hauptproblem einer derartigen Waffe ist nicht die Steige­rung der Vernichtungskapazität, sondern die Erforschung eines Abschaltme­chanis­musses zur zeitlichen und räumlichen Abgrenzung des Vernichtungsgeschäfts.“

R1 gab sich begeistert: „Zeigen Sie uns, was Sie können.“

Der Leiter und seine Labortechniker blickten verunsichert zu Leda.

„Na machen Sie mal“, forderte Leda ungeduldig, „demonstrieren Sie uns die Wir­kungsweise Ihrer neuen Waffe.“

Der Leiter öffnete einen Tresor, fingerte eine Probe hervor und führte sie durch eine Schleuse in einen durchsichtigen Versuchsbehälter ein. „Sowie die Pestbazillen mit Luft in Berührung kommen, breiten sie sich exponential aus und greifen dabei alles Lebendige an, um die Zellkerne des Organismusses zu zerstören. Der Trick ist nun, die Reproduktion der Pestbazille durch mitinfizierte, im Bazillus parasitär enthaltene virusähnliche Biochips, zu kontrollieren. Ein Risiko geht dabei von der Aggressivität der Pestbazille aus, die in zehnter Generation zu kannibalischem Verhalten mutieren könnte und ihre Ableger völlig oder in ihren virusinfizierten Teilen zu paralysieren im­stande ist.

Bei eingepflanztem Faktor 10 ist der Bazillus darauf programmiert, sich in der zehnten Generation abzuschalten.

Ich öffne jetzt die Ampulle in der Mitte des Behälters und übertrage den Bazillus über das Medium Luft auf die ausgelegte Zellkultur.“

Der Forscher tat’s und die Zellkultur starb im rasanten Tempo von der Mitte her in konzentrischen Kreisen ab, wie eine sich schnell ausbreitende Schwarzfärbung des organischen Materials verriet. Plötzlich, wie von Geisterhand abgewickelt, stoppte der Prozeß in zehnter Generation, und es blieb eine grausliche, an den Rändern etwas ausgefranste Todeszone übrig, die mit einem feuchten Blub in sich zusammensackte.

Die daneben gelagerten strukturgleichen Zellkulturen blieben nahezu unversehrt.

„Fantastisch. Chipgesteuert abgewickelt“, jubelte R1, griff in den Tresor, angelte eine weitere Ampulle hervor und zeigte sie mit ausgestrecktem Arm. „Faktor 100000.“

„Was machen Sie da?!“ schrie der Forschungsleiter entsetzt auf, „seien Sie vorsich­tig!“

„Gewiß doch“, beruhigte R1, führte die Probe in den Mund und schluckte sie ‘runter. „Die Waffe lagert jetzt im anorganischen Teil meines Körpers und ist luftdicht abge­schlossen. Sie können ganz beruhigt sein. Es kann nichts passieren.“

„Ist noch was?“ schaute sie sich prüfend beim verunsicherten Umfeld um, holte sich ihre Druckpistole hervor und feuerte sich eine neue Ladung Solotan in die Schläfe.

„Geben Sie ihr das Immunserum“, forderte Leda.

„Ein Immunserum gibt es nicht; die Produktion des Serums war Aufgabe des entflo­henen Technikers, der die Genbank infiziert hat“, entschuldigte sich der Forschungs­leiter.

Betretenes Schweigen.

Leda übersah die Lage klar und bat Hermes, sie im Gästehaus des Technologiezen­trums einzuquartieren. Die Geheimdienstler verließen das Labor.

„Schluß mit der Besichtigungstour, der Fall steht vor der Aufklärung“, rekapitulierte Leda, „ich will die Aufzeichnungen der Kamera vor der Sicherheitsschleuse kontrollie­ren. Ich will sehen, wer in den letzten vier Stunden vor Ausbruch des Virusalarms die Schleuse zur Genbank ...

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