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Pussy-Katzerl

Kleine schwarze Katze spielerisch
bewegt von Dunkelheiten
schmeichelnd um den hellen Tisch,
in den Augen Jenseitsweiten.

Manchmal fremden Einsamkeiten
ins Leere schreiend, hingegeben,
wie aus unbekannten Zeiten
angefüllt mit Urweltleben.

Dann mit stillem großem Schauen
achtend nahes Ungeschehen
und vielleicht erfüllt vom Grauen
dessen, was wir nicht mehr sehen.

Schlaf, durchzuckt vom Traum von Riesen
und von kleinen Futterfreuden,
uns so fernen Paradiesen,
deren Licht sie würd‘ vergeuden.

Hellmuth Sudheimer

1960-04-22-

Inhalt

Liebe auf das erste Blinzeln

Kinderstube

Pussy wird`s Reisekatzerl

Zuhaus

Hauptereignis: Essenszeit

Begrüßung

Verschwunden

Fliegenjagd

Fußballspiel

Pussy inspiziert

Ein Feind

Komm, spiel mit mir!

Bettszenen

Kampf mit dem Halm

Wasser – brr! „Gock gock gock“!

Reinfall

Wir lieben „Höhenluft“

Wir reden…

Pussy liebt Blumen und Sonnenschein

Das rote Ungeheuer

Seltsame Außenwelt – Im Geschirrchen

Im Schnee

Gefahr auf Bäumen

Liebesschmerzen

Wir werden berühmt

So leben wir

Liebe auf das erste Blinzeln

 

An der Hauswand auf der Straße streicht uns das kleine schwarze Etwas entgegen. Gerade ein wenig größer als eine Ratte ist es. Fröhlich hat es sein Schwänzchen hochgerichtet, ein schief geratenes Ausrufungszeichen. Das untere Ende davon, der „Punkt“, ist ein bisschen quergerutscht, das Ganze pechkohlrabenschwarz und wahrhaftig ein Katzerl, wie man hier im Bayerischen Walde sagt. Hallo, das ist die Welt! Spricht das Schwänzchen, es ist wirklich nur erst ein Schwanzerl. Ein zärtliches „Mih! Mih!“ piept sein junges vierbeiniges Anhängsel: Hier, da bin ich! Womit es uns freundlich anblinzelt. Mehr vermögen wir ja nun eben noch nicht, als gerade etwas zu piepen und blinzeln. Halb geschlossen sind noch die kleinen Augen Aber gewiss, die Welt ist gut, nicht wahr, ihr großen Zweibeiner, und ich will sie mir erobern.

Nun, sie hat uns erobert. Und wie. Schon hab ich sie beim Wickel. „Hast dich verlaufen, Kleines?“ sagt meine Frau. Der schwarze Punkt denkt nicht dran. Ich bin hier richtig. Widerstand? Diese Kinderkatzenseele ist offenbar erfüllt von einem göttlichen Vertrauen auf die ach so böse Welt. Keine Ahnung vom bethlehemitischen Ertränkungsmord unzähliger Kätzchen alle Jahr im Frühling. Hier, Stein und Kätzchen in den Sack, zugebunden, weg damit ins tiefe Wasser.

Wer kann gegen so viel Zutrauen widerstehen. Wir nicht.

Doch in der Welt geht es geregelt zu. Hat alles seine Bürokratie, ich glaube, auch die Ameisen haben eine. Also strenges Examen. Wo kommst du her, wo willst du hin? Aus einem breiten grauen Torweg, der schon ein paar hundert Jahre das Gähnen und daher die Maulsperre hat. Darin hockt, seitwärts in einer türverschlossenen Höhle, eine Schustergesellschaft.

„Gehört Ihnen vielleicht das Viecherl?“ frag ich.

„Naa!“, echt bayrisch. „Is zuglaafa! Ghört neamand. Woin Sie`s ham? Kennens mitnehma!“

„Dank schö! Scho recht!“

So hat sie uns beschlagnahmt. Wir sind unweigerlich adoptiert. Schon hat meine Frau die weiche schwarze Ratt` an der Brust unter der Wolljacke und streichelt das Seidenfellchen. Nicht schlecht, denkt die Kleine und rührt sich nicht. So gut hab ich`s lang nicht gehabt.

Aber Frauchen ist besorgt. Da muss doch jemand im Haus der Miezi Milch gegeben haben?

Gewiss, aus Mitleid, sagen die Schustersleut.

Frauchen hat Angst. Könnt nicht jemand den Findling zurückfordern? Fraule hat das weiche Warme an ihrer Brust bereits lieb. Sie birgt es vor den Leuten. Wir sind selbst zum Diebstahl schwer entschlossen. Zum Katzendiebstahl. Wir stehlen keine kleinen Kinder von der Straße, aber ein junges Katzenstromerchen. Ein „-chen“, muss man schon sagen.

Warm schlägts im Herzen der Frau. „Behalten wir`s?“ „Ja!“ sagt er, nämlich ich. Ein Manneswort. Denn auch ich …, nun ja. Wie lange wünschen wir uns schon einen stolzen Siamkater. So einen edlen, blauäugigen Aristokraten. Aber so kommt es. Da flammt die Liebe auf, und statt des teuren siamesischen Tempelherrn tut`s auch eine Feld-, Wald- und Wiesen-Hauskatz. Wo die Liebe hinfällt. Sie ist für die Katz. Für die Katz schlechthin.

Auch fürs Katzerl. Könnts nicht – mein Bruder, meine Schwester sein? Sie ein Mensch, und ich die Katz, wenn die Entwicklung von den Urzellen her andersrum gegangen wär? Wie sagt die indische Lehre Buddhas: Auch im Tier ist eine Seele auf der Wanderschaft durch viele Wiedergeburten zur Vollendung.

Kätzchen, hast du eine Seele, wiedergeboren aus einem Menschen? Oder willst du vielleicht einmal, in späteren Jahrmillionen ein Mensch werden?

Und ob sie eine Seele hat. Eine recht komplizierte sogar. Wir bekommens noch zu spüren, Ihr Leid und Freud einer Katzenseele.

Aber wer kann auch Ihro Lieblichkeit, diesem jungen, hübschen, schwarzen Teifi wiederstehen. Weich und klein die schwarzen Katzenkinderpfötchen, schwarz ist alles an ihr, von der kleinen frechen Stupsnase bis zur Pinselspitze des Schwänzchens. Warm und lebendig dazu in all ihrer Kleinheit. Man fühlt das Herzchen gegen die dünnen Rippen pochen. Jetzt schnurrt das Viecherl gar. Hier bin ich, an Frauchens Busen, hier bleib ich. Liebe auf das erste Blinzeln. –

… Frauchen hat gerade die englische Tour. Wir müssen die Kleine taufen. Pussy soll sie heißen, entscheiden wir. Wie die geliebten Mausekatzen in England. Nicht Murr, wir wissen ja auch noch nicht, ob`s ein Katerle ist. Nicht Spiegel, wie Gottfried Kellers schlauer Märchen-Katzenherr. Wir gehören keinem Hexenmeister. Nicht Ypsilon, wie jener liebenswürdige Österreicher Ginzkeys. Und gestiefelt sind wir schließlich auch nicht. Außerdem waren das alles Kater. Pussy passt immer, auch für Katzen-Evas. Also Pussy, damit wären wir getauft.

Kinderstube

 

Bist Du weise, kleines Katzentier? Deinesgleichen verehrten schon die alten Ägypter als göttlich. Aber du scheinst bei deiner Mutti nicht gerade die Weisheitsmilch genuckelt zu haben. Nein, du lernst es nie. Da hat Pussy ihr Eckchen, die Sandkiste, wo man bei drängenden Geschäften so schön dem Kratzinstinkt folgen kann. Doch lässt sich nicht auch auf einer Couch gut kratzen? Pussy ist dieser Ansicht. Und schließlich, kratzen kann man ebenso auf dem Fußboden, wenn der sich auch verteufelt glatt anfühlt und so wenig „sandig“.

Arme Katzenseele! Da putzt du dich und leckst dich, da streckst du dein Hinterbeinchen vor dir in den Himmel, damit du mit deinem kleinen Waschlappen von Zunge deinen Oberschenkel bearbeiten kannst, da drehst und verrenkst du dich bei dieser schwierigen „Arbeit“, die deine ganze winzige Persönlichkeit in Anspruch nimmt. Du gibst dir so große Mühe, aber – den bösguten Zweibeinern genügt deine Reinlichkeit, deine possierliche, nicht. Es ist so schwer zu lernen, wo man „darf“ und wo nicht. Was man darf und was nicht. Geschäftchen hierhin, Geschäftchen dorthin. Bekommt man Prügel, Backpfeifen, wie in „Katzbalgereien“ üblich, am Tatort, nun gut, geht man nächstens daneben hin. Aber auch das ist nicht recht. Dann wird man gegriffen, oben am Genick, wo man nicht hinlangen kann, auch wenn man alle krallenbewehrten Viere ausstreckt, man weint und mauzt gotterbärmlich, doch man bekommt seine Tracht. Freilich ein paar Kratzer kann man den strafenden Händen doch anbringen, welche Befriedigung! Man knurrt dazu, ziemlich laut, siehst du, ich kann auch! Ich bin nicht wehrlos. Einen Hund darfst du vielleicht ungestraft schlagen, aber nicht mich Pussy-Katz. Niemals sieht man Herrle und Fraule ohne diese „Orden“ ihrer Katzenerziehungskunst.

So gewöhnt Pussy sich an, auch nach Benützung dies richtigen Örtchens einen krummen Buckel zu machen: Man kann nie wissen. Schwänzchen hoch, springt sie vor, springt sie zurück: auf in den Kampf, Torero, wir sind katzenmäßig gerüstet.

Tapfer ist der kleine Teifi! Doch wird es ernst, so ist schnelle Flucht der bessere Teil der Tapferkeit: schnell unter die Couch. Da kehrt das Herrle sie hervor mit dem Besenstiel. Schon saust ein schwarzer Blitz quer durchs Zimmer unter das Sofa. Der Besenstiel folgt. Jetzt gibt’s unter den Schrank. Herrlich, dies Jagen und Fangenspielen: krieg mich doch, so denkts Viecherl. Es zucken die schwarzen Blitze über den Fußboden – bis das Herrle vielleicht doch den Anlass vergisst. Aber leider, die Zweibeiner haben ein gutes Gedächtnis.

Was ist nicht alles verboten! Man lernt bald, dass ein scharfer Ruf „Pussy!“ bedeutet: Weg da, sonst gibt’s was.

Auf den Tisch zu springen ist man noch zu klein. Steht ein Stuhl davor, gelingts schon eher. Aber Wehe, betritt ein Zweibeiner das Zimmer. Husch, nix wie unters Sofa! Man hat Erfahrungen.

Aber wenn das Fraule oder Herrle am Tisch sitzt und arbeitet, -- hupf, rauf auf den Schoß, hat man auch eben vielleicht eine kleine Abreibung gekriegt. Ich liebe es halt, warm da oben zu hocken, leg meine schwarzen Pfötchen um und genieße. Da wird behaglich geschnurrt, zumal hin und wieder eine sanfte Hand einem übers Fell streichelt. Alles Frühere – vergeben, vergessen.

**********

Endlich hat Pussy es heraus: Da ist doch auch im Nachbarzimmer eine Katz!

Öffnet ein Zweibeiner das Zimmer, -- schwupp, saust etwas Schwarzes an seinen Beinen vorbei und drüben ist es, das Pussy-Viecherl.

Da steht das fremde Katzenwesen, grau und weiß gefleckt, steht überrascht und äugt. Jung ist es auch, aber freilich, viel, viel größer und stärker. Dazu hat die Grauweiße schon ihre Erfahrungen in Feld, Wiesen und Scheunen. Scharf zupacken hat sie gelernt, und die Zweibeiner verfahren auch nicht immer glimpflich mit ihr. Da gibt es Leute, die schlagen nach ihr, sie meinen, das sei Spiel, aber wer soll das wissen, da tatzt sie dawider, Kratzer gibt es, und schon heisst es: „Böse Katz“!

Doch hier: was ist das, dies Kleine, Schwarze. Offenbar auch etwas Kätzisches. Da muss man den Katzenkomment einhalten. Mit aller Vorsicht beschnuppert man sich also gegenseitig, Näschen an Näschen. Nicht wie die Hunde, rund herum.

Vorsichtig, langsam, die Augen auf die andere gerichtet, geht Pussy rückwärts. Nein, Madame, Sie scheinen mir viel zu groß. Im Augenblick sind sie mir ein wenig unheimlich. Jedenfalls sehen Sie nicht ungefährlich aus.

Oder – versucht man‘s – doch?

Die Große tritt an das kleine Schwarze heran, wischt mal so mit der Pfote durch die Luft, zieht einen kleinen Luftschlag: Willst du? Wie wär‘s?

Pussy traut dem Frieden nicht. Lieber noch ein Schrittchen zurück.

Die Große wiederholt das Spiel.

Aha, nur Spiel, erkennt unser Kleines. Und schon – springt das schwarze Wollbällchen die Große an: Na, los! Zeig was du kannst.

Und alsbald, hast du, was kannst du, da geht’s durchs Zimmer, hetz hin, hetz her, mal lieg ich oben, mal liegst du oben, man balgt sich, wälzt sich, legt sich auf den Rücken, springt, auf vier Beinen, auf zwei Beinen, rollt sich, saust, ein schwarzes Wiesel, um alle Ecken, greift wieder an, knurrt böse, wenn die Große schärfer wird, -- aber oh, welche Lust, mit seinesgleichen sich balgen zu können.

… So groß ist die Lust, das Pussy drum ihr Leben riskiert. Da ist sie allein in ihrem ersten Zimmer und hat Sehnsucht nach dem Spielkameraden. Gelegentlich öffnet ein Zweibeiner die Tür zwischen den beiden Räumen. Auf so etwas haben wir gewartet, nicht umsonst an der Ritze gesessen: Schon witscht das kleine schwarze Ding durch den ersten Spalt, beinah wirds von der Tür zerquetscht, schreit, -- da ists noch einmal gerettet.

Ja, nun ist auch gar dies Spiel verboten. Selten nur lassen die Zweibeiner die beiden zusammenkommen. Die Große könnte zubeißen, und unser Kleines lebt nicht mehr. Die Grauweiße ist noch keine Katzenmutter, sie ist schon verdorben, zu grob für feine Manieren.

Aber was schiert sich Pussy um feine Manieren, wenn sie sich nur balgen kann.

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Viel Spaß!



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