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Psychopharmaka

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Inhalt

1 Einleitung

2 Definitionen

3 Grundlagen

4 Präparateklassen

4.1 Antidepressiva

4.1.1 Serotonin

4.1.2 Depression

4.1.3 Klassifikation der Antidepressiva

4.1.4 Alternative Therapien

4.1.5 Phasenprophylaktika

4.2 Antipsychotika

4.2.1 Dopamin

4.2.2 Schizophrenie

4.2.3 Klassifikation der Antipsychotika

4.2.4 Alternative Therapien

4.3 Anxiolytika und Hypnotika

4.3.1 GABA

4.3.2 Angststörungen

4.3.3 Klassifikation der Anxiolytika

4.3.4 Alternative Therapien

4.3.5 Schlafstörungen

4.3.6 Klassifikation der Hypnotika

4.3.7 Alternative Therapien

4.4 Antidementiva

4.4.1 Acetylcholin

4.4.2 Senile Demenzen

4.4.3 Klassifikation der Antidementiva

4.4.4 Alternative Therapien

4.4.5 Neue Ansätze

4.5 Stimulantien, Neuroenhancement Drugs

4.5.1 Noradrenalin

4.5.2 Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

4.5.3 Klassifikation der Stimulantien und Neuroenhancement Drugs

4.5.4 Alternative Therapien

4.6 Neuroprotektiva

4.6.1 Glutamat

4.6.2 Traumatische Hirnverletzungen

4.6.3 Klassifikation der Neuroprotektiva

4.7 Antiepileptika

4.8 Parkinsonmittel

5 Drogen

5.1 Sedativa

5.2 Stimulantien

5.3 Psychedelika

6 Anhang

Glossar

7 Literatur

Zitierte Literatur

Weiterführende Literatur

8 Sachregister

1

Einleitung

Nach der Definition der psychotropen Substanzen und der Darstellung ihrer neuronalen Grundlagen werden die Substanzklassen der Antidepressiva, Antipsychotika, → Anxiolytika/Hypnotika, Antidementiva, Stimulantien/Neuroenhancement Drugs und Neuroprotektiva vorgestellt. Dies geschieht anhand ihrer Klassifikation, dem Wirkmechanismus und den Haupt- und Nebenwirkungen. Neben den Präparateklassen der Psychopharmaka werden Neuropharmaka wie Anästhetika, Antiepileptika und Parkinsonmittel besprochen, sowie einige sekundär psychotrope Substanzen. Zur Abrundung des Themas werden Drogen/missbrauchte Substanzen behandelt.

2

Definitionen

Definition

Psychopharmaka sind Medikamente mit einem kurz- oder langfristigen Effekt auf die Psyche. Der psychotrope Effekt ist die Hauptwirkung der Substanz. Er ist von therapeutischem Nutzen (vs. „Drogen“).

Definition

Neuropharmaka sind zentralnervös wirksame Medikamente zur Behandlung von neurologischen Erkrankungen. Sie können psychische Nebenwirkungen haben.

Definition

Sekundär psychotrope Substanzen sind Medikamente mit extrazerebralem Zielorgan und psychischen Nebenwirkungen. Die Nebenwirkungen werden vom Hersteller nicht überprüft, in der Roten Liste bzw. im Beipackzettel wird der Hinweis Reaktionsvermögen gegeben.

Der Effekt auf die Psyche, erfasst über anerkannte, von den Gesundheitsbehörden akzeptierte psychometrische Methoden, muss in methodisch einwandfreien Untersuchungen nachgewiesen sein (placebokontrollierte, doppelblinde, randomisierte, cross-over-Designs).

Die Belege werden über die Neuropsychopharmakologie erbracht. Diese Wissenschaftsdisziplin untersucht die neurochemischen Grundlagen psychischer Prozesse an der Zelle, dem Tier, dem gesunden und kranken Menschen durch Verabreichung von psychotropen Substanzen, wodurch körpereigene Substanzen mit dem Vorteil der Reversibilität des Effekts manipuliert werden.

3

Grundlagen

Alle Psychopharmaka entfalten ihre Wirkung über die Neurotransmitter. Folgende Neurotransmitterklassen werden unterschieden:

Tabelle 1: Neurotransmitter

Aminosäuren Biogene Amine Neuropeptide (unvollständig)
Glutamat Noradrenalin Opioide
GABA Acetylcholin Tachykinine
Dopamin Somatostatine
Serotonin Sekretine
Insuline

Die Neurotransmitter binden an Rezeptorfamilien. Rezeptoren werden in ionotrope und metabotrope unterschieden. Ionotrope Rezeptoren führen bei Anbinden des Neurotransmitters zur Öffnung eines Ionenkanals (ligandenabhängige Ionenkanäle), es kommt zum Einstrom von entweder positiv oder negativ geladenen Ionen und damit zu einer Exzitation oder Inhibition des postsynaptischen Neurons innerhalb von Millisekunden. Beim metabotropen Rezeptor ist ein metabolischer Prozess notwendig, um eine second messenger Kaskade in Gang zu setzen, die zur → Phosphorylierung der spannungsabhängigen Kalium- oder Calcium-Kanäle führt. Hierdurch wird das Aktionspotential verlängert oder verkürzt, der Prozess kann bis zu einer Minute dauern. Es wird außerdem der Autorezeptor unterschieden, der am präsynaptischen Neuron sitzt und über Autoinhibition eine Entleerung des Neurons verhindert. Der Heterorezeptor sitzt präsynaptisch an fremden Neuronen und verhindert die Ausschüttung des Neurotransmitters.

Tabelle 2: Rezeptorfamilien

Transmitter Rezeptoren Membraneffekt Rezeptortyp
Glutamat NMDA, AMPA Depolarisation Ionotrop metabotrop
GABA GABAA, B Hyperpolarisation Ionotrop metabotrop
Noradrenalin Alpha, Beta Depolarisation Hyperpolarisation metabotrop
Acetylcholin Nicotinischer, muscarinischer Depolarisation Hyperpolarisation Ionotrop metabotrop
Dopamin D1-D5 Depolarisation Hyperpolarisation metabotrop
Serotonin 5-HT1-5-HT7 Depolarisation Hyperpolarisation Ionotrop metabotrop

Es bestehen folgende Angriffspunkte am Neuron für exogene Liganden:

1. Substitution des Vorläufers (Parkinsonmittel)

2. Erhöhte Freisetzung (Amphetamine)

3. Agonist (z.B. Benzodiazepine)

4. Antagonist (z.B. Antipsychotika)

5. Inhibition des Metabolismus (Antidementiva)

6. Inhibition der Wiederaufnahme (z.B. Antidepressiva)

7. Verhinderung der Reizweiterleitung entlang des Axons (Anästhetika, Antiepileptika)

Psychopharmaka müssen in der Lage sein, die Blut-Hirnschranke zu überwinden. Dazu müssen sie niedermolekular und → lipophil sein.

Neuropsychopharmaka haben neben der erwünschten Wirkung eine Reihe von vegetativen und kognitiven Nebenwirkungen. Bei Überdosierung brechen alle kognitiven Funktionen zusammen und es entsteht Verwirrtheit, → Delir oder psychotisches Verhalten. Die kognitiven Nebenwirkungen werden durch den Wirkmechanismus des Präparats verursacht und entsprechen dem funktionalen Effekt des Neurotransmitters.

Tabelle 3: Kognitive Haupt-/Nebenwirkungen der Neuropsychopharmaka

Neurotransmitter Präparat/-klasse Kognitive Haupt-/Nebenwirkung
Noradrenalin Amphetamin, Methylphenidat, Modafinil Selektivitätsfunktion der Aufmerksamkeit
Acetylcholin Donepezil, Galantamin, Rivastigmin Intensitätsfunktion der Aufmerksamkeit
Dopamin Klassische Antipsychotika Working Memory, Alternierende Aufmerksamkeit
Parkinsonmittel Verwirrtheit, Psychosen
Atypische Antipsychotika Aufmerksamkeit
Serotonin Antidepressiva, SSRI Aufmerksamkeit
GABA Benzodiazepine Merkfähigkeit
Antiepileptika Merkfähigkeit
Opioide Anästhetika Merkfähigkeit

4

Präparateklassen

4.1 Antidepressiva

4.1.1 Serotonin

Der Vorläufer von Serotonin ist Tryptophan. Es handelt sich um eine essentielle Aminosäure, die über die Nahrung aufgenommen werden muss. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Sojabohnen, Kakao und Milchprodukten, speziell Hartkäse. Serotonin wird in zwei Schritten aus Tryptophan synthetisiert. Der chemische Name ist 5-Hydroxytryptamin. Die serotoninergen Neuronen befinden sich in den Raphe Kernen. Diese feuern ein bis fünf mal/sec. Das gleichmäßige Pulsieren macht das Zeitempfinden aus (Cooper, Bloom & Roth, 2003).

Serotonin entfaltet seine Wirkung über eine große Rezeptorfamilie, über die eine Vielzahl von somatischen und psychischen Funktionen vermittelt wird.

Über das Serotoninsystem werden via → Hypothalamus und sein Ausführungsorgan Hypophyse viele vegetative Funktionen zentralnervös reguliert, indem neuronale Information in hormonelle umgewandelt wird (Neurosekretion). Dies bedeutet, dass die neuronale Information in Form eines Botenstoffes aus der Hypophyse ins Blut ausgeschüttet wird und auf dem Blutweg sein Zielorgan erreicht (z.B. Schilddrüse, Gonaden, Nebennierenrinde). Dort entfaltet sich eine langsame, gleichmäßige Wirkung. Serotonin hat damit eine homöostatische Funktion zwischen psychischen und physischen Prozessen. Es stellt ein Gleichgewicht zwischen Körper und psychischer Verfassung her.

Tabelle 4: Rezeptoren des Serotoninsystems

Rezeptor Reizweiterl. Agonist Antagonist Funktionaler Effekt
5-HT1A-F Gi Buspiron Sumatriptan Angst, Depression, Schlaf, Circadiane Rhythmen, Tonus der Blutgefäße
5-HT2A-C Gq LSD Risperidon Stimmung, Schlaf, Müdigkeit, Appetit
5-HT3 Ionotrop Ondansetron Brechreiz, Schmerz, Angst, Lernen
5-HT4 Tropisetron Relaxation der glatten Muskulatur
5-HT5
5-HT6 LSD, MDMA
5-HT7 LSD, MDMA

Folgende vegetativen und psychischen Funktionen werden vermittelt:

   Emotionen (Angst, Depressivität, Aggressivität)

   Essverhalten

   Impulsivität/Craving

   Blutdruck

   Merken/Lernen

   Schlaf

   Schmerz

   Sexualität

   Zeitliche Analysen

Bei Dysregulation des Serotoninsystems entsteht eine Vielzahl von Störungen, die häufig in Komorbidität auftreten. Von Benkert (1995) wurde das Störungsbild Serotonin-Dysfunktionssyndrom geprägt.

Hierzu gehören:

   Angststörungen

   Depressionen

   Zwangsstörungen

   Schizophrenie

   Schlafstörungen

   Sexualstörungen

   Essstörungen

   Migräne

   Schmerzempfindlichkeit

   Sucht

Über das Serotoninsystem können eine Vielzahl von Störungsbildern behandelt werden.

Tabelle 5: Neuropsychopharmaka des Serotoninsystems

Wirkmechanismus Wirkstoff Therapeutisches Gebiet
Agonisten
5-HT1A
5-HT1D
Buspiron Angst
Sumatriptan Migräne
Antagonisten
5-HT2
Atypische Antipsychotika (z.B. Risperidon) Schizophrenie, Mischformen aus Angst,
Depression, Erschöpfung, Autismus
ReuptakeInhibitoren Antidepressiva (SSRI) Depression, Zwangserkrankungen

4.1.2 Depression

Die Depression besteht aus einem Syndrom mit einer somatischen, emotionalen und kognitiven Komponente. Die somatischen Symptome bestehen in körperlichem Unwohlsein/Krankheitsgefühl, mangelnder Energie, Schlafstörungen, Appetitstörungen, die emotionalen in gedrückter Stimmung, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und „Losigkeiten“ wie Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit und Interesselosigkeit, die kognitiven in negativen Gedanken, Denkverlangsamung, Entscheidungsunfähigkeit, Suizidgedanken (Schmitz, 2004). Pathogenetische Faktoren sind aktuelle psychosoziale Belastungen (z.B. Arbeitslosigkeit, Trennung), physikalische Einwirkungen wie Dunkelheit (Winterdepression), traumatische Ereignisse (z.B. sexueller Missbrauch), Persönlichkeitsmerkmale (Introversion, Soziotropie) und eine genetische Prädisposition (→ S-Allel des Serotonin-Transportergens 5-HTTLPR).

Es wird angenommen, dass es zur Auslenkung der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin kommt (Monoamin-Hypothese). Die Hypothese eines Serotoninmangels, post-hoc formuliert aufgrund des Wirkmechanismus der SSRI, wird über folgende Untersuchungsansätze belegt:

   Polymorphismus des Serotonin-Transportergens (→ S-Allel des 5-HTTLPR-Gens)

   Hypersensitiver Autorezeptor

   Serotoninmangel nach Tryptophandepletion

   Serotonin-Konzentration und seiner → Metaboliten nach Suizid

Die kurze Variante des Transportergens (S-HTTLPR) exprimiert den Bauplan für einen ineffektiveren Transporter, daraus resultiert eine höhere Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt. Das → S-Allel steht im Zusammenhang mit Depression, Angst und Harm Avoidance, insgesamt bleiben die Ergebnisse jedoch inkonsistent (Niitsu, Fabbri, Bentini & Serretti, 2013). Die Hypothese eines hypersensitiven Autorezeptors, post-hoc aufgrund des Wirkmechanismus der SSRI formuliert, geht davon aus, dass aufgrund von Hypersensitivität des Autorezeptors eine zu niedrige Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt vorliegt. Durch die Medikation mit SSRI und die dadurch hervorgerufene erhöhte Serotoninkonzentration wird der Autorezeptor und damit die Ausschüttung von Serotonin neu eingestellt (Popova & Naumenko, 2013). Dies macht die Wirklatenz der SSRI aus. Mit der Methode der Tryptophan-Depletion kann die Konzentration von Tryptophan im Gehirn um 90% innerhalb von fünf Stunden reduziert werden. Tryptophan ist der Vorläufer von Serotonin und wird über die Nahrung aufgenommen. Durch ein tryptophanfreies Getränk mit hoher Konzentration an konkurrierenden Aminosäuren wird Tryptophan verdrängt. Bei Gesunden wird nach Tryptophan-Depletion kein Effekt auf die Stimmung gefunden, die Erhöhung des Serotonin-Spiegels führt zu besserer Verträglichkeit (Young, 2013). Serotonin wird daher Aggressions-Inhibitor genannt (Carlson, 2004).

Bei Untersuchung der Serotonin-Konzentration und seiner → Metaboliten in der cerebrospinalen Flüssigkeit nach Suizid ist der Serotoninspiegel bzw. seiner Metaboliten erniedrigt. Die Aggressivität der Selbsttötungsmethode und der Serotoninspiegel bzw. seiner ...

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