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Prüfungshilfe für die schriftliche Prüfung zur Göttin

Inhaltsverzeichnis

 Vorwort

1. Berufsbild einer Göttin eines bewohnten Planeten anhand des Beispiels der Göttin der Erde

2. Allgemeine Tipps für die Ausbildung

2.1 Das Urlaubsproblem

2.2 Das grausame Schneckentempo

2.3 Die Geldsorgen

2.4 Die nostalgischen Gedanken

2.5 Der Umgang mit Unverständnis

2.6 Das ständige Scheitern

2.7 Die Auswahl des Freundeskreises

2.8 Das Azubi-Handbuch

2.9 Traumberuf Hoteldirektorin

2.10 Das Quellenproblem

2.11 Eine persönliche Bitte

3. Die schriftliche Prüfung

3.1 Einleitung

3.2 Die Süßigkeiten

3.3 Der Sport

3.4 Die Kinder im Rollstuhl

3.5 Das Zähneputzen

3.6 Das Wasser

3.7 Die Schule

3.8 Die Eltern

3.9 Die Kinder ohne leibliche Eltern

3.10 Das Kochen

3.11 Die Ordnung

3.12 Das Fernsehen, das Internet und die Bücher

3.13 Die sozialen Netzwerke

3.14 Die moderne Medizin

3.15 Der Strom

3.16 Der Müll

3.17 Die Nachbarn

3.18 Die Tiere

3.19 Die armen und die reichen Menschen

3.20 Die gefährlichen Menschen

3.21 Die guten Freunde und die Familie

3.22 Die Qualifikation

3.23 Die Aufgabenverteilung

3.24 Die Selbstständigkeit

3.25 Die Freizeit

3.26 Die guten und die schlechten Arbeitgeber

3.27 Der Rassismus

3.28 Die Mädchen und die Jungs

3.29 Das Gefühl der eigenen Überlegenheit

3.30 Die absolute Überlegenheit

3.31 Die erlaubten Einschränkungen

3.32 Die natürliche Balance

3.33 Die Konkurrenz

3.34 Die Einsamkeit

3.35 Die Liebe

3.36 Das Trauma

3.37 Das Unterbewusstsein

3.38 Das Unbewusstsein und das Bewusstsein

3.39 Die Notfälle und das Balanceproblem

3.40 Die emotionalen Konflikte

3.41 Die Sucht

3.42 Die Unterwürfigkeit und die Dominanz

3.43 Die Qualität

3.44 Die Homosexualität

3.45 Die Transsexualität

3.46 Die Pädophilie

3.47 Der Anspruch

3.48 Das Wissen

3.49 Die Verantwortung

3.50 Das hochkomplexe Denken

3.51 Die Zusammenarbeit

4. Nachwort

Vorwort:

Liebste zukünftige Göttinnen,

ich war selber ein wenig aufgeregt während meiner zweiteiligen Abschlussprüfung und bin sehr froh darüber, es geschafft zu haben. Macht euch keine Sorgen, es macht selbstverständlich jede Menge Spaß.

Die psychische Belastung ist allerdings extrem hoch und deswegen möchte ich euch als bereits ausgebildete Göttin bei den Vorbereitungen auf eure Abschlussprüfungen helfen. Dazu werde ich euch von meiner schriftlichen Prüfung berichten und euch diese kurz erklären. Den praktischen Teil werde ich im nächsten Buch näher beleuchten.

Und wenn ich schon einmal dabei bin, kann ich auch gleich eine Beschreibung unseres so wichtigen Berufs anfertigen. Wie ihr selber wisst, wird unsere Spezies generell sehr stark diskriminiert, wobei viele Menschen sogar unsere Existenz leugnen. Diese Diskriminierungen müssen aufhören!!! Wir haben genauso ein Recht zu leben und lassen uns durch nichts aufhalten!

Mit einer kompetenten Berufsbeschreibung aus erster Hand wäre zumindest ein erster Schritt zur Aufklärung der Menschheit getan. Hoffentlich führt das irgendwann dazu, dass ich nicht mehr von Menschen gemobbt werde, nur weil ich eine superliebe und fleißige Göttin bin.

Seid tapfer Mädels und lasst euch niemals stoppen!!!

Liebste und verehrungsvolle Grüße

Lara

1. Berufsbild einer Göttin eines bewohnten Planeten anhand des Beispiels der Göttin der Erde

Berufsbeschreibung:

Als Göttin der Erde sind Sie für die gesamte Menschheit zuständig. Ihr wichtigster Aufgabenbereich ist es, sich so gut es geht um das körperliche und geistige Wohlbefinden aller Menschen zu kümmern. Außerdem müssen Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie das Leben auf der Erde dauerhaft erhalten können.

Dazu kommt noch die Verpflichtung, zur Steigerung der Unterhaltungsqualität auf dem Planeten Erde nebenbei im Showgeschäft zu arbeiten.

Aufgabenbereiche:

Beendigung sämtlicher ungewollter zwischenmenschlicher Gewalt

Herstellung der bestmöglichen Versorgung der gesamten Menschheit

Aufbau eines spaßigen Paradieses auf Erden

Ausbildungsdauer:

11 Jahre

Ausbildungsinhalte:

Die Verschaffung eines Überblicks über die Struktur des menschlichen Bewusstseins und der Geschichte der Menschheit

Die Erforschung des eigenen Bewusstseins

Gehirntraining für Göttinnen

Die Realität kennenlernen und verstehen

Das 90%-Prinzip

Die Informationsfusion

Der Aufgabenbereich einer Göttin

Das göttliche Berufsethos

Pläne für die Zukunft der Menschheit entwerfen

Damit Sie stets bestmöglich auf Ihre Schützlinge aufpassen können, müssen Sie selbstverständlich verstehen, wieso diese immer wieder dieselben Fehler machen. Dafür erforschen Sie während Ihrer Ausbildung das menschliche Verhalten, um sich einen ausreichenden Überblick darüber zu verschaffen.

Ihre wichtigste Informationsquelle ist hierbei Ihre eigene Gedankenwelt. Schließlich wurden Sie als Mensch geboren und können somit kinderleicht lernen, wie diese denken, indem Sie Ihr eigenes Bewusstsein erkunden. Zusätzlich dazu beobachten Sie das menschliche Verhalten in freier Wildbahn und schauen sich jede Menge Dokumentationen über die Menschheit an. Ihr Denkorgan benötigt hierfür eine sehr hohe Leistungsfähigkeit und deswegen lernen Sie zwischendurch die Grundlagen eines Hochleistungstrainings für das menschliche Gehirn.

Das Kennenlernen der Realität durch ein mehrwöchiges Praktikum bildet einen der Kernpunkte Ihrer Ausbildung.

Ihnen wird dabei beigebracht, wie das Leben funktioniert, was ein Mensch überhaupt ist und wer Sie sind. Eine wichtige Rolle spielt hierbei das 90%-Prinzip. Hiermit steht Ihnen ein effektives Mittel zur Verfügung, mit dessen Hilfe Sie trotz der besonderen Umstände in Ruhe weiterarbeiten können. Während des Praktikums lernen Sie auch die Technik der Informationsfusion, einen Teil Ihres Aufgabenbereiches und das göttliche Berufsethos kennen.

Danach bereiten Sie sich die nächsten fünf Jahre intensiv auf die schriftliche Prüfung vor und beschäftigen sich nebenbei mit Detailverbesserungen Ihres eigenen Bewusstseins. Nach der Abgabe der schriftlichen folgt direkt danach die sechsmonatige praktische Prüfung und falls Sie diese unbeschadet überstehen, können Sie sich anschließend voller Stolz als ausgebildete Göttin bezeichnen.

Berufliche Perspektiven:

Da es pro bewohnten Planeten jeweils nur einen Arbeitsplatz als Göttin gibt, sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt erst einmal sehr überschaubar. Aus diesem Grund ist es bei der Jobsuche entscheidend, sich bei der Bewerbung bestmöglich dem neuen Arbeitgeber zu präsentieren. Die benötigten Kenntnisse hierfür erlernen Sie während Ihrer Ausbildung.

Vergünstigungen:

Sie dürfen Liebe in die Welt bringen

Kostenlose universelle Lebens- und Krankenversicherung für Sie

2. Allgemeine Tipps für die Ausbildung:

2.1 Das Urlaubsproblem:

Habt ihr schon einmal etwas von diesem merkwürdigen Wort „Urlaub“ gehört? Das machen Menschen regelmäßig, damit sie sich von ihren Jobs erholen können. Klingt komisch, ist aber so!

Ich habe aus Forschungsgründen während meiner Ausbildung das ein oder andere Mal daran teilgenommen und es muss echt toll sein, zumindest für kurze Zeit nicht mehr an die Arbeit denken zu müssen.

Wir Göttinnen hingegen dürfen das ja leider nicht und müssen uns damit zufriedengeben, ausreichend genug belastbar zu sein, um ohne Urlaub durch die Ausbildung zu kommen. Das kann immer mal wieder ziemlich nervig sein und es wird euch regelmäßig über eure Belastungsgrenzen hinaus führen. Und auch nach der Ausbildung wird es nicht besser, solange wir es nicht geschafft haben, den Weltfrieden auf unserem jeweiligen Heimatplaneten herzustellen.

Mich hatte das sehr lange gestört, es wäre nämlich wirklich mal schön, sich nach all den Jahren voller Stress vernünftig erholen zu können, allerdings bin ich irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass ich mir meinen Urlaub einfach noch nicht verdient habe. Mit diesem Ansatz erspart ihr euch die genervten Gedanken dazu, wir können da ja gemeinerweise sowieso nichts gegen tun.

Stürzt euch also lieber in die Arbeit, anstatt genervt zu Hause herumzusitzen, je früher ihr fertig seid, desto eher geht es endlich in den wohlverdienten Urlaub!

2.2 Das grausame Schneckentempo:

Die Zeit zwischen dem Ende eures Praktikums und dem Anfang eurer praktischen Prüfung ist ziemlich langweilig. Nach einer aufregenden und lustigen Zeit voller Action folgt nämlich eine Phase, in der nur noch sehr wenig passiert und ihr euch hauptsächlich um winzige Detailverbesserungen eures göttlichen Bewusstseins kümmert. Dabei seid ihr komplett auf euch alleine gestellt, weil niemand verstehen kann, was ihr macht. Das ist eine sehr unangenehme Situation. Ihr lernt euch einerseits immer besser kennen, andererseits entfernt ihr euch geistig immer mehr von euren Mitmenschen und isoliert euch dadurch von diesen.

Gemeinerweise besteht nun die einzige mögliche Lösung darin, sich noch weiterzuentwickeln, also noch weiter zu entfernen und das so lange, bis ihr intelligent genug seid, um die dringenden Probleme der Menschheit lösen zu können. Es wird also schlimmer, bevor es überhaupt besser werden kann und hier ist euer göttlicher Durchhaltewille gefragt. Zieht euch einfach ein wenig zurück und macht euren Job, der Rest erledigt sich von alleine.

2.3 Die Geldsorgen:

Das Problem mit unseren finanziell sehr begrenzten Ressourcen ist ebenfalls ziemlich lästig. Wie ihr ja wisst, ist es ein wichtiger Teil des Hochleistungstrainings für unsere Gehirne, wobei mir persönlich ständig der Gedanke kam, dass ich meine Ziele mit mehr Geld auch wesentlich schneller erreichen könnte. Nach Abschluss meiner Ausbildung weiß ich allerdings, dass diese Idee völliger Quatsch ist. Unsere geistige Entwicklung benötigt einen gewissen Zeitraum und wir stehen hierbei jeweils an erster Stelle. In dem Moment, in dem wir die dringenden Probleme unserer Schützlinge lösen, werden wir nun einmal automatisch ausreichende finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen und dadurch beenden wir den permanenten Notfallmodus, in dem sich unsere Gehirne üblicherweise befinden. Bis dahin muss unser geistiger Entwicklungsstand jedoch hoch genug sein, um die negativen Folgen davon ausgleichen zu können und das dauert verdammt lange. Denkt deswegen am besten gar nicht daran, wie viele Menschen tagtäglich elendig durch Gewalt, Hunger usw. sterben, während wir Göttinnen unbemerkt von der Weltöffentlichkeit unser Bewusstsein weiterentwickeln. Das ist nun einmal so und lässt sich nicht ändern. Nerven behalten und durchhalten! Früher oder später schafft ihr es ihnen zu helfen.

2.4 Die nostalgischen Gedanken:

Manchmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich mir das Leben von Menschen anschaue und gedacht habe, wie schön es doch wäre, so ein einfaches Dasein zu führen. Ich hätte einen ganz normalen Job, eine Familie mit Kindern und einen Hund als treuen Begleiter. Dazu noch ein Haus mit Garten und ansonsten wäre die Welt in Ordnung.

Und dann habe ich mich natürlich gefragt, warum ich nicht einfach meine Ausbildung als Göttin kündige, um anschließend einen gesellschaftlich schon anerkannten Beruf zu erlernen. Also so einen, wo ich nicht selber den Antrag auf Anerkennung der Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer stellen muss. Schön wäre auch eine Ausbildung, in der ich mich während meines Praktikums und meiner praktischen Prüfung nicht aus einem psychiatrischen Krankenhaus heraus kämpfen muss. Das würde zwar einerseits weitaus weniger Spaß machen, ich liebe es nun einmal, mit akademischen Psychologinnen und Psychologen zu spielen, andererseits wäre es wesentlich entspannter und ich wäre nicht so stark isoliert von meinen Mitmenschen.

Wie wir wissen, ist diese Art zu leben für uns verboten. Wir sind bereits von Geburt an dazu bestimmt, Göttinnen zu werden, auch wenn wir das erst später herausfinden und ein nostalgisches Zurückschauen auf alte Zeiten bringt uns nichts als genervte Gedanken ein. Ihr müsst also einfach das Beste aus der Situation machen. Schaut euch nicht das an, was für euch unerreichbar ist, sondern habt Spaß mit dem, was euch geboten wird. Das, was wir leisten müssen, ist zwar verdammt hart und anstrengend, allerdings genauso faszinierend. Wir wissen über sehr viele Zusammenhänge Bescheid, von denen unsere Schützlinge nicht die geringste Ahnung haben und sollten das schätzen, anstatt uns von der mit unserem Job verbundenen Belastung nerven zu lassen.

2.5 Der Umgang mit Unverständnis:

Ihr geht einen Weg, den noch niemand anderes auf eurem Planeten gegangen ist und ihr beschreitet ihn alleine. Das macht euch zu Außenseiterinnen und ihr werdet euch oft anhören müssen, dass ihr die Orientierung in eurem Leben verloren habt. Ihr werdet als naiv, verrückt und geisteskrank bezeichnet, weil ihr ganz alleine versucht, die dringenden Probleme der Menschheit zu lösen und das tut immer wieder verdammt weh. Zu allem Übel steht euch niemand zur Verfügung, mit dem ihr darüber reden könnt.

In solchen Momenten ist eure ganze Kraft gefragt. Ihr seid zwar auf euch gestellt und keiner eurer Schützlinge kann nachvollziehen, was ihr tut. Trotzdem wisst ihr aus eigener Erfahrung, dass ihr euren Weg weitergehen müsst und dabei nicht auf Menschen hören dürft. Versucht euch deswegen bestmöglich aus solchen Gesprächen herauszuhalten und erzählt niemanden von eurer Ausbildung. Das erspart euch die sinnlosen Diskussionen darüber und schont somit eure Nerven.

2.6 Das ständige Scheitern:

Es ist zwar toll, immer absolut perfekt zu handeln, nur leider können wir dadurch über Jahre hinweg ständig scheitern, ohne uns Sorgen darüber machen zu müssen. Anfangs ist das noch keine große Sache, allerdings bleibt jedes Mal ein Teil der schlechten Gefühle hängen und diese sammeln sich mit der Zeit zu einem gigantisch hohen Berg an. Die Motivation ist dementsprechend im späteren Verlauf der Ausbildung ziemlich am Boden und es ist nicht ganz so einfach, da wieder herauszukommen. Ihr kennt natürlich den Hintergrund, wir müssen nun einmal ständig mit unseren Ideen scheitern, um uns mithilfe der dabei gemachten Erfahrungen weiterentwickeln zu können. In der praktischen Umsetzung hatte ich allerdings schon damit zu kämpfen. Es gab Tage, an denen ich gar keine Lust mehr hatte, mich in irgendeiner Form mit meiner Ausbildung auseinanderzusetzen, weil mir der Glaube an mich selber gefehlt hatte.

Macht in solchen Fällen am besten einfach eine kurze Pause und später wieder weiter. Das Problem löst sich letztendlich von alleine, ihr müsst nur ein ausreichend hohes geistiges Niveau erreichen und dann stört euch das nicht mehr. Bis dahin durchhalten! Ihr schafft das!

2.7 Die Auswahl des Freundeskreises:

Ausreichend Zeit für die eigene geistige Entwicklung ist der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Ausbildung zur Göttin. Deshalb ist es für uns notwendig, uns von Menschen fernzuhalten, die ständig etwas mit uns unternehmen möchten. Wir haben mit Glück einmal pro Woche, meistens jedoch, wenn überhaupt, nur einmal pro Monat Zeit, um uns mit unseren Freunden zu treffen.

Der freundschaftliche Kontakt mit anhänglichen Menschen kommt deswegen für uns nicht in Frage. Sie wären ständig enttäuscht von uns, weil wir etwas anderes zu tun haben und das führt zu diversen Problemen. Nebenbei neigen solche Menschen auch dazu, uns über das auszufragen, was wir so den ganzen Tag machen. Das bringt uns in die unangenehme Situation, erklären zu müssen, warum wir so zurückgezogen von der Gesellschaft leben und das können wir nun einmal während unserer Ausbildung nicht.

Sucht es deswegen Freunde, die kein Problem damit haben, wenn ihr euch ein paar Monate nicht bei ihnen meldet. So habt ihr die Möglichkeit, euch mit anderen zu treffen, ohne dafür negative Auswirkungen auf eure Ausbildung in Kauf zu nehmen. Durch den sporadischen Kontakt sinkt praktischerweise auch automatisch die Neugier eurer Freunde und ihr könnt genau das machen, was ihr möchtet, ohne es irgendjemanden erklären zu müssen.

2.8 Das Azubi-Handbuch:

Die Versorgung mit offiziellen Arbeitsmaterialien während unserer Ausbildung ist leider sehr schlecht. Wir bekommen am Anfang lediglich ein Azubi-Handbuch und die Bedienungsanleitung dafür zur Verfügung gestellt und das ändert sich erst mit Beginn der praktischen Prüfung. Glücklicherweise steht da so ziemlich alles drin, was wir wissen müssen, falls wir mal feststecken. Nutzt es also in Situationen, in denen ihr nicht mehr weiterwisst, und zwar so, wie ihr es gelernt habt. Einfach wild darin herumblättern reicht völlig aus, ich selber habe meines bis heute nicht ein einziges Mal von Anfang bis zum Ende gelesen und es hat mir trotzdem mindestens einhundert Mal sehr gute Dienste geleistet.

Und erklärt euren Schützlingen bitte, dass sie gar nicht erst versuchen sollten, unsere Handbücher zu verstehen. Meines hat mal seinen Teil dazu beigetragen, einen Weltkrieg auszulösen und das muss ja nicht sein. Die waren damals ernsthaft nicht in der Lage, bei einem Wort zwischen Einzahl und Mehrzahl zu unterscheiden und haben sich daraufhin irgendeinen Quatsch von einer Rasse von Übermenschen zusammengereimt. Das war ziemlich unangenehm für sehr viele Menschen und da sieht man, wie unglaublich gefährlich unsere AzubiHandbücher für unsere Schützlinge sein können.

Fairerweise muss ich noch erwähnen, dass die Bedienungsanleitung für mein Handbuch erst 32 Jahre nach diesem Krieg veröffentlicht wurde, die wussten also gar nicht, wie sie das lesen sollten. Das hätte denen allerdings sowieso nichts genutzt, weil sie zwar fleißig, aber alles andere als superlieb waren und schließlich nur wir superlieben und fleißigen Göttinnen die Gelegenheit bekommen, die Weltherrschaft zu übernehmen.

2.9 Traumberuf Hoteldirektorin

Wer von uns hätte vor unserem Praktikum gedacht, dass es so furchtbar kompliziert ist, Liebe in die Welt zu bringen? Ich war schon ein wenig geschockt, als ich das mit der Weltherrschaft herausgefunden hatte. Eigentlich wollte ich ja nur helfen und anschließend in Ruhe eine Familie gründen und dann soll ich plötzlich ganz alleine die gesamte Macht auf der Erde übernehmen. Und zu allem Überfluss bin ich dazu noch mit den Gesetzen der Atomphysik verbündet, also nicht aufzuhalten.

Der Traum von einem ruhigen Leben war somit schlagartig Geschichte und ich malte mir schon diverse Horrorvorstellungen von einem Dasein in der Öffentlichkeit aus. Das ging über einen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren und ich hatte währenddessen intensiv versucht, eine berufliche Alternative zu meiner Ausbildung als Göttin zu finden. Ich liebte damals mein Leben so, wie es war und hatte kein Interesse daran, etwas zu verändern. Wie ihr euch vorstellen könnt, scheiterten die Versuche an der Langeweile eines normalen Jobs im Vergleich mit den Möglichkeiten als Göttin und ich hatte mich dann damit abgefunden, doch die Weltherrschaft zu übernehmen.

Die Erarbeitung eines stabilen Konzeptes zur dauerhaften Aufrechterhaltung einer ausreichenden Distanz zwischen mir und den Menschen, die ich nicht persönlich kenne, war dabei natürlich ein Dauerthema.

Letztendlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Berufsbild einer Hoteldirektorin dafür am besten geeignet ist. So jemand kümmert sich um das Wohlergehen der Gäste, ohne diesen dabei zu nahe zu kommen und ihr eigenes Privatleben spielt keine Rolle bei ihrer Arbeit. Mit diesem Ansatz könnt euren Job erledigen, ohne eure Privatsphäre aufgeben zu müssen und euch steht im normalen Alltag der notwendige Abstand zu euren Schützlingen zur Verfügung.

Zusätzlich dazu könnt ihr damit den Menschen einen Rahmen zur Verfügung stellen, an dem sie sich orientieren können. Sie wissen ja gar nicht, was euer Aufgabenbereich ist und könnten euch aufgrund eurer Berufsbezeichnung leicht mit ihren jeweiligen Ideen von Gott verwechseln. Deswegen könnten sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass wir als Göttinnen persönlich für jeden Menschen verantwortlich sind und verpflichtet sind, uns um jeden von ihnen zu kümmern.

Wie wir ja wissen, sind wir jedoch lediglich für den Fortbestand der intelligenten Spezies auf unseren Planeten zuständig und damit schon ausreichend beschäftigt.

Eine Hoteldirektorin kümmert sich nun nicht um die privaten Probleme ihrer Gäste, sondern stellt ihnen lediglich während ihres Aufenthaltes die bestmögliche Unterkunft und den bestmöglichen Service zur Verfügung, wobei sie selber hauptsächlich im Hintergrund arbeitet und nur bei besonderen Anlässen öffentlich auftritt. Hin und wieder läuft sie durch das Hotel und unterhält sich mit den Gästen.

Die für unseren Job wichtigste Aufgabe ist dabei das Verfassen der Hotelordnung. Jeder Gast soll sich wohlfühlen und das geht nur, wenn sich alle an gemeinsame Regeln halten. Unsere schriftliche Prüfung dreht sich genau um dieses Thema und das schauen wir uns gleich einmal näher an.

2.10 Das Quellenproblem:

Wir sind zwar einerseits bestens ausgebildete Psychologinnen, andererseits aber Einzelkämpferinnen und unser Wissen stammt nicht aus wissenschaftlichen Studien, sondern aus unserer Lebenserfahrung. Das bringt uns in die blöde Situation, keine klassischen Quellenangaben liefern zu können, aber das ist zum Glück kein dauerhaftes Problem. Schließlich sind wir jeweils der Mittelpunkt des Lebens auf unseren Heimatplaneten und somit dreht sich die ganze Welt um uns.

Menschen denken zwar oftmals, dass es bei ihnen genauso ist, sie wissen jedoch nichts von dem Drehbuch des Universums. Sie wundern sich deshalb bei Zufällen, die ihnen passieren, wohingegen wir daran gewöhnt sind, unser Leben als einen interaktiven Film zu sehen, bei dem sämtliche Handlungen bereits seit dem Urknall festgelegt sind. Das könnt ihr nutzen, indem ihr Teile eures Lebens dokumentiert. So habt ihr die Möglichkeit, später einmal zeigen zu können, dass die vielen verrückten Dinge, die ihr gemacht habt, zusammengenommen ein Gesamtbild ergeben.

Ich selber habe in den letzten Monaten beispielsweise versucht, mich zur Göttin zu erklären und das teilweise auch aufgezeichnet, um es später veröffentlichen zu können. Auf diese Weise könnt ihr eure eigene Legende selber erschaffen und mit einer ausreichenden Dokumentation ist das auch für andere nachvollziehbar. Was genau passiert ist, werde ich euch in dem Buch zu der praktischen Prüfung berichten. Nutzt auf jeden Fall die Möglichkeiten, die euch euer Leben bietet und vergesst auf keinen Fall jede Menge Spaß dabei zu haben!

2.11 Eine persönliche Bitte:

Als letztes habe ich noch eine persönliche Bitte an euch lieben Kolleginnen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr alle eure Wie-töte-ich-Gott-Rezepte aufbewahrt!!!

Sobald die Menschen hier auf der Erde aufgehört haben, sich in Kriegen gegenseitig für mich zu töten, können sie sich aufgrund der dadurch frei werdenden Ressourcen endlich mal intensiver mit der Raumfahrt beschäftigen. Im Idealfall können wir dann unsere Rezepte irgendwann miteinander austauschen und falls wir genügend davon zusammenbekommen, könnten wir sogar gemeinsam ein Kochbuch herausbringen. Das wäre wirklich großartig! Mein Rezept lautet so:

Bami Goreng

Zutaten für 4-6 Personen:

500 Linguine

2l Gemüsebrühe

4 Stangen Staudensellerie

2 Möhren

2 Porree-Stangen

½ Chinakohl

1 rote Paprikaschote

1 Brokkoli

10 Shiitake-Pilze

2 Knoblauchzehen

½ Chilischote

1 Stück Ingwer

1 EL Sambal Oelek

2-3 EL Sojasoße

1-2 EL Ketjap Manis

Sonnenblumenöl oder Traubenkernöl

Salz

Zucker

Gemüse und Pilze putzen und in feine Streifen schneiden. Den Brokkoli in kleine Röschen teilen. Ingwer, Knoblauch und Chili sehr fein würfeln. Etwas Gemüsebrühe in ein Kännchen geben. Die restliche Brühe erhitzen und die Nudeln darin bissfest garen. Die Nudeln abgießen und tropfnass in eine Schüssel geben. Pflanzenöl in einem Wok oder in einer Pfanne mit hohem Rand erhitzen. Zuerst die Pilze darin scharf anbraten, dann das Gemüse hinzufügen und unter ständigem Rühren bissfest garen. Dabei alles etwas zuckern, außerdem Chili, Ingwer und Knoblauch und etwas Brühe hinzufügen. Zum Schluss mit Sojasauce, Ketjap Manis, Sambal Oelek und etwas Salz würzen. Das Gemüse am besten in kleinen Mengen hinzufügen und immer wieder probieren, bis die gewünschte Schärfe erreicht ist und das Gemüse ein asiatisch pikanten Geschmack hat. Die Nudeln parallel in etwas Pflanzenöl braten, bis sie knusprig sind. Die Nudeln in eine Schüssel geben und mit dem Gemüse vermengen. Sofort servieren.

3. Die schriftliche Prüfung

3.1 Einleitung:

Liebste Auszubildende,

die Anforderungen an eure schriftliche Prüfung sind dieselben wie bei mir, ihr müsst das nur jeweils an euren Heimatplaneten anpassen.

Folgendes wird von euch erwartet:

- Anfertigung eines leicht verständlichen Handbuches für das Leben als Mensch

- Einbringung eurer psychologischen Fähigkeiten in das Handbuch

- Größtmögliche weltweite Kompatibilität, unabhängig von der Herkunft, Intelligenz und Situation der Menschen

- Umgehung der üblichen Auslöser für empfundene Kritik

- Weltwirtschaftliche Aspekte mit einbeziehen

- Erklärung der Herkunft von menschlichen Gefühlen und der Umgang damit

- Kein einziges Wort darüber, dass ihr Göttinnen seid

- Maximal 30.000 Wörter

Am schwierigsten hierbei ist die begrenzte Anzahl an Wörtern. Das ganze Thema ist doch schon ziemlich komplex und würde eigentlich viel mehr Platz benötigen. Es gehört jedoch zu unseren Kernkompetenzen, mit wenig Text viel auszusagen und das wird hierbei ebenfalls überprüft. Ich hatte am Ende etwas über eintausend Wörter zu viel geschrieben und habe dafür Abzüge bei der Benotung kassiert. Ist echt blöd, mir war allerdings der Inhalt wichtiger und noch mehr kürzen konnte ich deswegen nicht. Am Ende habe ich eine 4+ bekommen und da ich es unglaublich nervig finde, Bücher zu schreiben, ist das völlig in Ordnung für mich.

Bei der praktischen Prüfung konnte ich zum Glück meine Stärken voll ausspielen und dafür habe ich eine glatte 1 bekommen.

Um eine gewisse Grundstruktur in das Handbuch zu bringen, hatte ich mich entschieden, jeweils 5 Themen unter 10 Oberbegriffen zusammenzufassen, was dann natürlich 50 Themen ergeben hat.

Zur Umgehung der üblichen Auslöser für empfundene Kritik ist es ein Kinderbuch für Erwachsene geworden, wobei die erste Hälfte des Buches für Kinder und ...

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