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Prüfungen erfolgreich bestehen in den Life Sciences – ein Leitfaden für Studierende

Wolfgang Öchsner
Cornelia Estner
Susanne Kühl

Prüfungen erfolgreich
bestehen in den Life Sciences – ein Leitfaden für Studierende

10 Abbildungen

21 Tabellen

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utb

Inhaltsverzeichnis

Cover

Haupttitel

Die UTB-Reihe

Über den Autor

Impressum

Reihentitel

Vorwort

Hinweis zu den Piktogrammen

Quellennachweis

Allgemeine Prüfungsvorbereitung

1Einführung – den Dozenten über die Schulter geschaut

1.1Kompetenzorientierung und Relevanz

1.2Alignment (Passung) von Lernzielen und Prüfungen

1.3Fairness

1.4Objektivität

1.5Reliabilität

1.6Validität

1.7Zusammenfassung

1.8Weiterführende Quellen- und Literaturhinweise

2Zeitmanagement für die Prüfungsvorbereitung

2.1Ziele setzen – ganz allgemein

2.2Effektive Zeitplanung

2.2.1Strategische Prüfungsvorbereitung

2.2.2Taktische Prüfungsvorbereitung

2.3Krisenmanagement bei Fehlplanung

2.4Zusammenfassung

2.5Weiterführende Quellen- und Literaturhinweise

3Lernen auf universitäre Prüfungen

3.1Nicht für die Schule, sondern fürs Leben …

3.1.1Stabiler Wissensaufbau

3.1.2Noch eine Besonderheit unseres Gehirns: Abruf baut auf!

3.1.3Schrittweise zum Lernerfolg

3.2Lernen in Übungsgruppen

3.2.1Warum macht es Sinn, Übungsgruppen zu bilden?

3.2.2Damit es keinen Krach gibt: Wie geben Sie gutes Feedback in der Übungsgruppe?

3.3Lernstile

3.4Lernstrategien

3.4.1Allgemeines

3.4.2Ihr persönlicher „Lern-Algorithmus“

3.4.3Übungen zu Lernstrategien

3.5Prüfungsangst

3.5.1Allgemeines

3.5.2Übungen bei Prüfungsangst

3.6Zusammenfassung

3.7Weiterführende Quellen- und Literaturhinweise

Prüfungen in den Life Sciences

4Allgemeines zu Prüfungsformaten in den Life Sciences

4.1Begriffe: Prüfungsart, Prüfungsformat, Kompetenz

4.2Prüfungsformate und ihre spezifische Vorbereitung

4.3Zusammenfassung

4.4Weiterführende Quellen- und Literaturhinweise

5Schriftliche Prüfungen

5.1Multiple Choice-Prüfung (MC-Prüfung)

5.1.1Wie lernen und sich vorbereiten?

5.1.2Typenkunde: Rat und Tat

5.1.3Vorgehen in der Prüfung

5.1.4Ein gefundenes Fressen: Unbeabsichtigte Lösungshinweise in MC-Aufgaben

5.2Offene Fragen

5.2.1Aufgaben- bzw. Fragestellung richtig erfassen

5.2.2Lösung oder Antwort fokussiert, aber hinreichend wiedergeben

5.3Hausarbeiten

5.3.1Formale Grundsätze

5.3.2Inhaltliche Grundsätze

5.4Portfolio

5.5Versuchsprotokolle oder wissenschaftliche Abschlussarbeiten

5.6Zusammenfassung

5.7Weiterführende Quellen- und Literaturhinweise

6Mündliche Prüfungen

6.1Geliebt und gehasst

6.2Alle Sinne prüfen mit – auch die Verpackung zählt!

6.3Viel reden oder wenig?

6.4Persönliche Möglichkeiten ausschöpfen

6.5Was tun, wenn es nicht rund läuft?

6.6Präsentation/Referat als Sonderfall der mündlichen Prüfung

6.7Zusammenfassung

6.8Weiterführende Quellen- und Literaturhinweise

7Praktische Prüfungen

7.1Formate praktischer Prüfungen

7.1.1Objective Structured Practical Examination (OSPE)/Objective Structured Clinical Examination (OSCE)

7.1.2Workplace-based Assessment

7.1.3Sonstige Formate: Beispiel Objective Structured Long Examination Record (OSLER)

7.2Zentrale Informationen zur Vorbereitung

7.2.1Welches Format erwartet mich und wie trainiere ich gezielt?

7.2.2Ist es wichtig, die Bewertungschecklisten zu kennen?

7.3Praktisches Arbeiten im Laborpraktikum oder während wissenschaftlicher Qualifizierungsarbeiten

7.4Richtiges Verhalten in praktischen Prüfungen

7.5Zusammenfassung

7.6Weiterführende Quellen- und Literaturhinweise

8Studien- und Prüfungsordnungen

8.1Gesetzlicher Rahmen

8.2Ein paar Grundregeln

8.3Was tun, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt?

8.4Diagnose „Nicht bestanden“ – was tun?

8.5Zusammenfassung

8.6Weiterführende Literatur- und Quellenhinweise

Lösungen (Übungen MC 1 und MC 2, S. 82/86)

Über den Autor

Dr. med. Wolfgang Öchsner arbeitet als klinischer Oberarzt sowie als Lehr- und Prüfungsbeauftragter am Universitätsklinikum Ulm. Daneben ist er mit seinem zusätz­lichen Masterabschluss für „Medical Education“ (MME Uni Bern, CH) als Curriculumentwickler an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm und deutschlandweit als Trainer für „Kompetenzorientiertes Prüfen“ tätig.

Dr. Cornelia Estner studierte Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung in Augsburg und promovierte in der pädagogischen Psychologie an der Universität Ulm. Seit Oktober 2011 arbeitet sie im hochschuldidaktischen Bereich im Zentrum für Lehrentwicklung in den MINT-Fächern und der Medizin (ZLEMM), seit Dezember 2012 ist sie Leiterin der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik an der Universität Ulm im Rahmen des Hochschuldidaktikzen­trums (HDZ) Baden-Württemberg. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Begleitung der hochschuldidaktischen Qualifizierung und Beratung von Lehrenden, die Qualifizierung von Mentoren/innen und Tutoren/innen, die Entwicklung neuer Lehrkonzepte, u. a. zur Förderung des Selbstregulierten Lernens im Studium.

Dr. Susanne Kühl, Studium und Promotion in den Naturwissenschaften an der Universität Ulm. Seit vielen Jahren ist sie auf dem Gebiet der Grundlagenforschung im Bereich der Entwicklungsbiologie tätig und hat zahlreiche Abschlussarbeiten in den Life Sciences betreut. Lehrveranstaltungen führt sie in den Fächern Entwicklungsbiologie und Biochemie sowie zum Thema Lernstrategien und Prüfungsvorbereitung in den Life Sciences durch. Weiterhin ist sie an der Konzeptionierung von neuen Lehrformaten beteiligt. 2015 Abschluss des Zertifikats für Hochschuldidaktik Baden-Württemberg, derzeit Studium des Masters of Medical Education (MME) in Deutschland. Seit einigen Jahren Autorin und Reihenherausgeberin von Life Science-Lehrbüchern des Ulmer Verlags.

Reihentitel

Schlüsselkompetenzen in den Life Sciences

herausgegeben von

Prof. Dr. Michael Kühl und Dr. Susanne Kühl

In dieser Reihe bereits erschienen:

  • Brockmann D., Kühl M. (2015): Mit Erfolg promovieren
    in den Life Sciences
  • Kühl S., Kühl M. (2016): Die Abschlussarbeit
    in den Life Sciences
  • Öchsner W., Estner C., Kühl S. (2016): Prüfungen erfolgreich bestehen in den Life Sciences – ein Leitfaden für Studierende

Weitere Reihentitel in Planung:

  • Mit Erfolg präsentieren in den Life Sciences
  • Lern- und Zeitmanagement in den Life Sciences
  • Lernstrategien in den Life Sciences

Weitere Informationen und Online-Bestellmöglichkeit zu diesen und weiteren Titeln finden Sie im Shop unter www.utb-shop.de

Vorwort

Ueberblick

Wozu sind Prüfungen überhaupt gut? Und warum gibt es dieses Buch?

Ein Studium ohne Prüfungen – herrlich! Wer hat davon nicht schon immer geträumt (die Autoren natürlich eingeschlossen)?

Allerdings: Was sich erst einmal traumhaft anhört, könnte sich schließlich doch als Zeitbombe entpuppen, und zwar als eine mit der Aufschrift „Karrierekiller“. Denn der Mensch ist so konstruiert (jedenfalls viele von uns), dass er erstens eine Menge Dinge im Kopf hat, denen er sich gerne widmet, und dass er zweitens die Dinge, die ihm lästig sind (z. B. sich auf Prüfungen vorbereiten), am liebsten erst einmal auf die lange Bank schiebt.

Und – Hand aufs Herz – bei aller Begeisterung für das gewählte Studienfach und bei aller Begierde (man spricht hier auch von „intrinsischer Motivation“), ein begnadeter Arzt, Biologe, Biochemiker o. Ä. zu werden: Würden sich ganz ohne den äußeren Druck durch Prüfungen (also ohne die zusätzliche „extrinsische Motivation“) nicht doch einige lästige Lernpakete ungeöffnet auf dieser berühmten langen Bank stapeln? Mit der Konsequenz, dass sie schließlich ganz verdrängt und vergessen werden, mit unter Umständen fatalen Folgen für das Fortkommen in Studium und Beruf?

So gesehen haben Prüfungen unbestreitbar auch ihr Gutes. Sie können durch zusätzliche Motivation und Stimulation die eigene Lernbereitschaft schon ganz erheblich unterstützen.

Darüber hinaus dienen Prüfungen auch als persönliche Kontrolllämpchen: Wenn die Bewertungen anfangen, von „Gut“ oder „Sehr gut“ (grüne Lämpchen) auf „Gerade noch geschafft“ (gelbe Lämpchen) oder gar auf „Ungenügend“ (rote Lämpchen) umzuschalten, dann wird es höchste Eisenbahn, die Schwachstellen konsequent auszubügeln und die Karrierelaufbahn wieder ins Lot zu bringen – mit absolutem Lerneifer und gerne auch mithilfe unseres Buches!

Bevor Sie starten, möchten wir Sie noch auf Folgendes hinweisen: Mit diesem Buch haben wir für Sie einen Leitfaden zur optimalen Prüfungsvorbereitung erstellt, abgestimmt auf die in den Life Sciences – wie beispielsweise Medizin, Molekulare Medizin, Biologie, Biomedizin, Biochemie oder Biotechnologie – etablierten Prüfungsformate. Behalten Sie unter Ihren persönlichen Arbeitsweisen diejenigen bei, die bereits gut funktionieren – und probieren Sie neue aus, wenn Sie einmal nicht weiterkommen.

Wir haben Lernstrategien und Übungsvorschläge für Sie zusammengetragen, die wir im Rahmen unserer eigenen langjährigen Lern-, Lehr- und Prüfungserfahrung als besonders wertvoll erkannt haben. Das Buch erspart oder ersetzt natürlich nicht das Lernen an sich, aber es kann helfen, richtig zu lernen und sich optimal auf Prüfungen vorzubereiten.

Jedes Kapitel beginnt mit Einstiegsfragen, deren Antworten sich dann im Laufe des Kapitels ergeben und am Kapitelende abschließend nochmals zusammengefasst werden.

Sie erhalten jede Menge konkrete Praxistipps von erfahrenen Profis, die um anschauliche Beispiele und themenbezogene Übungen angereichert werden.

Zudem steht Ihnen in der Online-Toolbox eine Vielfalt an Materialien zum Download zur Verfügung.

Ausschließlich der besseren Lesbarkeit halber haben wir uns in diesem Buch durchgehend für die männliche Schreibweise entschieden. Wir weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass wir selbstverständlich an jeder entsprechenden Stelle auch die weiblichen Vertreterinnen des betreffenden Fachbereichs, Studiengangs o. Ä. miteinbezogen wissen wollen.

Und nun soll es aber losgehen, frei nach dem Motto „Gut gelernt ist halb bestanden.“ Viel Spaß beim Lesen und Lernen, aber vor allem viel Erfolg in Ihren Prüfungen!

Ulm, im Sommer 2016

Dr. Wolfgang Öchsner

Dr. Cornelia Estner

Dr. Susanne Kühl

Hinweis zu den Piktogrammen

Hinweise zu den Piktogrammen

Ueberblick

Überblick

Uebung

Übung

Zusammenfassung

Zusammenfassung

Tipp

Tipp

Download

Download

Alle im Buch genannten Arbeitsmaterialien finden Sie in der Online-Toolbox unter www.utb-shop.de/pruefungen-erfolgreich-bestehen-in-den-life-sciences-8947.html

Quellennachweis

Die Quellen für die in diesem Buch enthaltenen Abbildungen und Tabellen sind in Klammern genannt und im kapitelbezogenen Literaturverzeichnis ausgeführt. Die Abbildungen und Tabellen ohne explizite Quellenangabe basieren auf eigenen Zusammenstellungen der Autoren.

Allgemeine Prüfungsvorbereitung

1Einführung – den Dozenten über die Schulter geschaut

Ueberblick

  • Worauf achten Prüfer, wenn sie gute Prüfungen erstellen?
  • Was sind die Kennzeichen guter Prüfungen?

Natürlich können Sie dieses Kapitel, wenn Sie es sehr eilig haben, prinzipiell auch überspringen. Allerdings vermittelt es Ihnen eine Idee, wie Ihr Professor vorgeht, wenn er gute Prüfungen konzipiert und wie eine gute Prüfung am Schluss aussieht – es ist durchaus nicht verkehrt, das zu wissen. Wenn Sie verstanden haben, worauf aus Prüfersicht gute Prüfungen abzielen bzw. was die Prüflinge abliefern sollen, können Sie sich als Geprüfter gut und gezielt vorbereiten.

1.1Kompetenzorientierung und Relevanz

Gute Prüfungen richten sich nach den Kompetenzen, die im künftigen Berufsfeld eine Rolle spielen, die also „relevant“ sind (entweder als theoretische Grundlagen oder in der berufspraktischen Anwendung oder beides) (Kompetenzorientierung der Prüfungen siehe auch Kap. 4.1 und 7.1). Der Aufwand für die Lernvorbereitung und für die Prüfung selbst soll in einem vernünftigen Maß zur Relevanz und zur Bedeutung des Lernstoffs stehen. Die Bedeutung, die einem bestimmten Lernstoff von den Lehrverantwortlichen beigemessen wird, spiegelt sich – zumindest was die Bachelor-/Master-Studiengänge betrifft – auch in den ECTS-Punkten (Leistungspunkte, Credit Points) wider. In den Regelstudiengängen der Medizin wird in den vorklinischen Semestern vielfach die Bedeutung des jeweiligen Fachs in der ersten ärztlichen Staatsprüfung (Physikum) als Maß für seine Relevanz innerhalb der Vorklinik herangezogen.

1.2Alignment (Passung) von Lernzielen und Prüfungen

Gute Prüfungen passen zu den gesetzten Lernzielen. Diese bekannt zu machen (z. B. in den Modulbeschreibungen oder an entsprechend geeigneter Stelle), ist ein Gebot der Fairness seitens der Lehrenden. Sie dort auch nachzulesen, steht in Ihrem Eigeninteresse; im Zweifelsfall erfragen Sie die Lernziele bzw. den Ort der Veröffentlichung bei Ihren zuständigen Dozenten.

1.3Fairness

Natürlich müssen gute Prüfungen fair ablaufen. Bevorzugung oder Benachteiligung darf keine Rolle spielen. Übrigens, weil es dazu immer mal wieder Beschwerden gibt: Es darf (auch aus rechtlicher Sicht) nicht etwa nur das geprüft werden, was in Vorlesungen oder Seminaren ausdrücklich behandelt wurde, sondern es darf grundsätzlich ALLES geprüft werden, was aus Sicht der Dozenten zum Lernstoff gehört! Den Prüfungsstoff über den reinen Vorlesungsstoff hinaus auszudehnen, ist also weder verboten noch „unfair“ (das muss zur Verteidigung der Prüfer einmal deutlich gesagt werden) – und auch von Studierenden als „schwer“ empfundene Prüfungen sind nicht automatisch „unfair“. Wirklich unfair wäre es allerdings, wenn die prüfungsrelevanten Lernziele den Studierenden entweder nicht bekannt gegeben werden oder die vorgegebenen Lernziele und die tatsächlichen Prüfungsthemen stark voneinander abweichen.

1.4Objektivität

Prüfung und Bewertung finden ohne positive oder negative Voreingenommenheiten statt. Aber natürlich sind manche Prüfungsformate aufgrund ihrer Konzeption „objektiver“ ausgerichtet als andere: Beispielsweise ist die Punktevergabe in Multiple Choice-Prüfungen definitiv objektiver als die Bewertung in mündlichen Prüfungen. Trotzdem haben diese unterschiedlichen Prüfungsformate ihre Berechtigung, weil jedes einzelne Format seine besonderen Stärken hat (siehe Kap. 4). Wichtig ist nur, dass in allen Prüfungsformaten seitens der Prüfer das jeweils bestmögliche Maß an Objektivität angestrebt wird.

1.5Reliabilität

Die Reliabilität ist ein Maß dafür, wie genau und zuverlässig das Prüfungsergebnis zur gezeigten Leistung passt. Ein einfaches Beispiel: Wenn der Prüfling von einem Prüfer die Note „2“ bekommt und von einem anderen Prüfer für die exakt gleiche Leistung die Note „4 minus“, dann ist in diesem Fall keine gute Reliabilität gegeben. Die Bewertungen sind dann eben kein zuverlässiges Maß für die gezeigte Leistung – weil ihre „Messgenauigkeit“ einfach nicht stimmt. Wenn solche groben Verstöße gegen das Gebot guter Reliabilität in einem realen Fall auftreten, kann der Prüfling dagegen Einwände erheben.

1.6Validität

Die Validität ist ein Maß dafür, ob und wie gut die konkrete Prüfungsaufgabe die Kompetenzen misst, die sie überprüfen soll. Hier spielen z. B. die Prüfungsformate eine große Rolle: Wenn es in den Lernzielen darum geht, dass jemand eine praktische Verrichtung beherrschen soll, kommt aus Sicht der Validität eben auch nur eine praktische Prüfung infrage. Mit einer reinen Theorieprüfung kann keine praktische Kompetenz überprüft werden. Insbesondere in der Medizin war das lange Zeit ein Problem; mittlerweile sind eigentlich an allen Standorten praktische Prüfungen feste Bestandteile der Leistungsnachweise für Medizinstudierende.

1.7Zusammenfassung

Zusammenfassung

  • Um besser verstehen zu können, was den Prüfling in der Prüfung erwartet, lohnt es sich, einmal die Seite zu wechseln und die Position des Prüfers einzunehmen.
  • Gute Prüfungen zeichnen sich durch bestimmte Gütekriterien, wie Kompetenzorientierung und Relevanz, Alignment, Fairness, Objektivität, Reliabilität und Validität, aus. Wenn Sie diese kennen, können Sie sich bereits in der Vorbereitungsphase ein realistisches Bild davon machen, was Sie in Ihrer Prüfung erwarten wird.

1.8Weiterführende Quellen- und Literaturhinweise

Bundesministerium für Bildung und Forschung: Der Bologna-Prozess –
die Europäische Studienreform (https://www.bmbf.de/de/der-bologna-prozess-die-europaeische-studienreform-1038.html).

Ebitsch, S. (2010/2016): Was sind Credit Points? In: Studienanfänger: So geht der Bachelor. ZEIT Studienführer 2010, akt. 2016 (https://www.zeit.de/studium/studienfuehrer-2010/studium-bachelor-leitfaden/komplettansicht).

KMK Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland: Der Bologna-Prozess (https://www.kmk.org/themen/hochschulen/internationale-hochschulangelegenheiten.html).

Statistisches Bundesamt (2016): Prüfungen an Hochschulen (https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/PruefungenHochschulen.html).

[alle Internetquellen: letzter Zugriff Juli 2016]

2Zeitmanagement für
die Prüfungsvorbereitung

Ueberblick

  • Was sollte aus zeitplanerischer Sicht bei der Prüfungsvorbereitung beachtet werden?
  • Wie können Ziele erreicht werden?
  • Wie plane ich langfristig?
  • Wie kann die kurzfristige Planung vor der Prüfung aussehen?
  • Falsch geplant – und nun?

2.1Ziele setzen – ganz allgemein

Wenn man sich mit der Zeitplanung beschäftigt, ist es sehr lohnenswert, sich auch gleich einmal Gedanken zur Aufstellung von Zielen ganz allgemein zu machen. Das ist nämlich gar nicht immer so leicht, wie es auf den ersten Blick aussieht. Nicht selten ist eine ungünstige, unpräzise, unrealistische – kurz: eine schlechte – Zielsetzung dafür verantwortlich, dass man sich z. B. in der Vorbereitung auf eine Prüfung total verzettelt und im schlimmsten Fall sogar die Prüfung nicht besteht.

Nehmen Sie sich ruhig zwischendurch mal die Zeit und überlegen Sie: Was haben Sie – in Bezug auf Ihr Studium – für Ziele? Sicherlich dürfte eines der wichtigsten Ziele der erfolgreiche Abschluss des Studiums sein. Das ist gut, aber hier handelt es sich um ein übergeordnetes Richtziel und zudem ist der Weg bis dahin relativ lang. Vorher gilt es, viele Prüfungen zu bestehen, die wiederum für sich genommen recht grobe Ziele darstellen. Für eine konkrete Prüfungsvorbereitung sollte man sich daher Teilziele setzen, doch das ist eben nicht immer ganz so einfach. Wo die Tücken lauern und wie man ihnen begegnen kann, das betrachten wir im Folgenden.

Für die Einrichtung guter, umsetzbarer Ziele, die realistisch erreichbar sind und zum (Zwischen)Erfolg führen können, hat sich die sogenannte SMART-Regel (Doran 1981) bewährt. Das Akronym steht für (siehe auch Abb. 2.1):

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Abb. 2.1 Zielformulierung nach der SMART-Methode

  • S = spezifisch, das heißt, ein Ziel sollte konkret und eindeutig formuliert sein
  • M = messbar, das heißt, es muss eindeutige Kriterien geben, anhand derer überprüft werden kann, ob ein Ziel erreicht wurde
  • A = anspruchsvoll, das heißt, ein Ziel sollte eine gewisse Herausforderung mit sich bringen
  • R = realistisch, das heißt, ein Ziel sollte erreichbar sein
  • T = terminiert, das heißt, ein Ziel sollte immer eine Deadline haben, bis wann man es erreicht haben möchte

Schauen wir uns die Schritte im Einzelnen und in Bezug auf Prüfungen konkret an:

„S“ für spezifisch

Wenn Sie sich etwas vornehmen, dann sollten Sie Ihr Vorhaben möglichst genau und eindeutig formulieren. Damit wird ein Ziel einerseits besser überprüfbar (siehe auch Schritt „messbar“), andererseits gibt es dann auch keine Ausflüchte mehr, also gewisse Auslegungsspielräume, die bei vagen und unkonkreten Formulierungen weiterhin möglich sind.

Solche „typischen“ vagen Formulierungen sind z. B.: „Ich möchte heute viel lernen!“ oder „Heute ist das Fach X dran und morgen lerne ich auf Y!“

In beiden Fällen wird nicht genau definiert, was und wie viel wirklich erledigt werden soll (um z. B. im Zeitplan zu bleiben). Das kann zur Folge haben, dass man sein Gewissen möglicherweise schon nach dem Lesen von zwei Seiten zunächst beruhigt hat und kurz vor der Prüfung feststellt, dass man die Hälfte des Lernstoffs noch nicht einmal angeschaut hat.

Sehr viel spezifischer wäre z. B. das Vorhaben „Ich möchte heute Kapitel 1 und 2 im Fach X zur Wiederholung durchlesen und dazu die Übungsblätter 1 und 2 noch einmal durchrechnen.“

„M“ für messbar

Ähnlich wie bei vagen und nicht eindeutig formulierten Zielen tendiert man ebenfalls gerne zum „Selbstbetrug“, wenn Ziele nicht messbar, also nicht überprüfbar sind. Darüber hinaus ist es nicht sehr motivierend, wenn man nicht hundertprozentig sagen kann: „Ziel erreicht“ – und das kann man nicht, wenn es keine Kriterien gibt, mit deren Hilfe der Erfolg bzw. die Zielerreichung gemessen werden kann. Nehmen wir die Negativ-Beispiele von oben („spezifisch“):

  • „Ich möchte heute viel lernen!“: Woran machen Sie fest, wann Sie mit „viel“ fertig sind? Was bedeutet „viel lernen“ qualitativ wie quantitativ für Sie? Einfach nur ein paar Seiten lesen oder gehören auch Übungen dazu? Geht es nur darum, etwas durchzulesen oder es auch verstanden zu haben?
  • „Heute ist Fach X dran und morgen lerne ich auf Y!“: Was bedeutet das genau für das Fach X, was möchten Sie in welchem Umfang geschafft haben, wenn Sie heute fertig sind? Analog gilt dies für Fach Y am nächsten Tag.

Besser wäre es also, wenn Sie Ihre Vorhaben so formulieren, dass man sie überprüfen kann. Beispielsweise könnte man bei dem oben genannten Positiv-Beispiel („Ich möchte heute Kapitel 1 und 2 im Fach X zur Wiederholung durchlesen und dazu die Übungsblätter 1 und 2 noch einmal durchrechnen.“) das Erreichte sehr gut abhaken, wenn dieses Pensum erfüllt ist.

„A“ für anspruchsvoll

Wenn Sie sich etwas vornehmen, dann sollte dies schon ein Vorhaben sein, das Sie herausfordert und das mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und innerhalb der Ihnen zur Verfügung stehenden Zeit erreichbar ist. So nützt es wenig, wenn Sie sich z. B. ausführlich mit einem Lernstoff und/oder Übungsaufgaben beschäftigen, der/die Ihnen ohnehin schon gut liegt/liegen oder Ihnen besonders viel Spaß macht/machen. Um überhaupt in eine Lernsituation zu kommen, ist es sicherlich sinnvoll, mit leichteren oder angenehmen Aufgaben und Kapiteln zu beginnen – behalten Sie aber stets die Zeit im Blick und halten Sie sich nicht zu lange damit auf, um genügend Kapazität für die umfangreicheren bzw. anspruchsvollen Aufgaben und Kapitel zu haben.

Sie werden um die Bewältigung von sehr oder gar zu schwierigem Lernstoff nicht herumkommen, sodass es notwendig erscheint, in diesen Fällen zusätzliche, aktions- und lösungsorientierte Ziele zu setzen. Angenommen, Sie haben sich zur Prüfungsvorbereitung die überaus anspruchsvollen Kapitel A und B vorgenommen und wissen, dass Sie diese noch überhaupt nicht verstanden haben: Welche Mittel und Möglichkeiten haben Sie nun, diese in Ihr Vorhaben zu integrieren? Gibt es Tutorials, Kommilitonen, Bücher etc., die Ihnen da weiterhelfen könnten? Planen Sie diese sowohl zeitlich als auch inhaltlich mit ein, sodass Sie bei Erfolg (z. B. „Ich habe die Kapitel A und B jetzt so verstanden, dass ich sie jemand anderem erklären könnte!“ o. Ä.) guten Gewissens einen Haken hinter dieses Ziel setzen können.

„R“ für realistisch

„Realistisch“ zielt vor allem auf die Frage ab „Was kann ich überhaupt erreichen?“ Wenn Sie sich das ganze Semester über mit einem Fach schwergetan und abgequält haben, wird es vermutlich kaum Ihr Ziel sein (können), eine Prüfung mit voller Punktzahl abzuliefern. Möglicherweise haben Sie bereits alle Hände voll zu tun, um diese Prüfung überhaupt zu bestehen. Dieser Aspekt der SMART-Regel ist besonders schwierig, weil er eine sehr gute Selbsteinschätzung und eine damit verbundene Ehrlichkeit gegenüber sich selbst voraussetzt: Je besser (realistischer) Sie sich und Ihr Vorwissen sowie Ihre Fähigkeiten einschätzen, umso genauer und realistischer kann Ihre Zielsetzung und damit auch die Planung des Vorgehens zur Zielerreichung sein.

Setzen Sie sich unbedingt realistische Ziele! Sie haben wirklich nichts davon, wenn Sie sich beispielsweise zur systematischen Abarbeitung gut gemeinte Arbeitspakete zusammenstellen, die zeitlich aber gar nicht realisierbar sind. Bei der Vorbereitung auf eine Prüfung zählt die Tatsache, dass man zu viel Stoff innerhalb (zu) kurzer Zeit pauken muss, zu den häufigsten Problemen. Hieraus folgt, dass z. B. die täglichen Arbeitspakete viel zu voll und realistisch betrachtet nicht zu schaffen sind – insbesondere, weil oftmals noch unvorhergesehene Dinge, wie ein plötzlich defekter Laptop oder ein krankes Haustier, genau in die wertvolle, komplett verplante Arbeitszeit hereinbrechen. Es lohnt sich wirklich, einer gelungenen realistischen Zeitplanung ausreichend Beachtung zu schenken und genügend Zeit einzuplanen.

Und damit wird es wieder konkret: Um genügend Zeit einplanen zu können, sollte man rechtzeitig mit dem Lernen beginnen und ebenfalls rechtzeitig einen guten Zeitplan erstellen, der einem deutlich macht, was es tatsächlich heißt, „rechtzeitig mit dem Lernen zu beginnen“. Und nicht zuletzt setzt eine gute Zeitplanung auch eine gute Einschätzung des Zeitbedarfs für den jeweiligen Lernstoff voraus. Für eine realistische Beurteilung des Aufwands kann z. B. der Austausch über die Schwierigkeit des Lernstoffs mit Kommilitonen oder in der Lerngruppe (siehe Kap. 3.2) helfen.

„T“ für terminiert

Kennen Sie das: Erst hat man so viel Zeit und sieht daher noch keine Notwendigkeit, mit dem Lernen zu beginnen und plötzlich steht die Prüfung vor der Tür und man weiß gar nicht, wie man das in dieser Kürze alles noch lernen soll.

  • Das Problem liegt neben einer möglichen fehlgeschlagenen Zeitplanung (siehe oben) häufig in der Prioritätensetzung: Je näher der Termin der Prüfung rückt, desto höher ist die Relevanz für die Prüfungsvorbereitung. Insofern sollten Sie sich im Rahmen der Prüfungsvorbereitung für alle Teilziele (z. B. oben genannte Arbeitspakete) stets Termine (Deadlines) setzen, bis wann Sie diese abgehakt haben wollen. Sie erhöhen damit „künstlich“ die Priorität, was Sie durch zusätzliche terminliche Verbindlichkeiten, z. B. innerhalb einer Lerngruppe, noch verstärken können (Details zur Prioritätensetzung siehe Kap. 2.2; Tab. 2.1).
  • Eine weitere Möglichkeit wäre ein Belohnungssystem: Immer, wenn Sie ein Arbeitspaket gemäß der Zielsetzung pünktlich abhaken können, dürfen Sie sich mit Verstärkern aus der Verstärkerliste belohnen (siehe Kap. 2.2.2).

Uebung

Übung: Ziele setzen mit der SMART-Methode

„Jetzt sind Sie dran: Nehmen Sie sich eine anstehende Prüfung vor und überlegen Sie sich nachfolgende Zielkategorien. Halten Sie die jeweiligen (Teil-)Ziele schriftlich fest.“

  • Nehmen Sie sich eine anstehende Prüfung vor und überlegen Sie sich zunächst ein Grobziel
  • Überlegen Sie sich, wie wichtig Ihnen die Prüfung ist. Handelt es sich um eine freiwillige Prüfung, eine formative Prüfung, eine Pflichtprüfung oder sogar um eine Orientierungsprüfung? Gerade in einer Zeit mit vielen Prüfungen kann dies bei der Priorisierung des Lernstoffs helfen.
  • Was ist Ihr Ziel für diese Prüfung allgemein (z. B. wollen Sie die Prüfung „nur bestehen“ oder eine 1,0 erreichen)?
  • Welche Teilziele sind notwendig, um das allgemeine Ziel zu erreichen? Formulieren Sie nun Teilziele unter Berücksichtigung der SMART-Regel, das heißt, prüfen Sie für jedes Teilziel jedes SMART-Kriterium: Haken Sie es ab bzw. legen Sie Erfolgskriterien und einen Termin fest!

Download

[In der Online-Toolbox finden Sie zum Thema Zielkategorisierung ein Beispiel und ein leeres Formular zum Ausdrucken.] → Kap.2.1_ÜbungSMART

2.2Effektive Zeitplanung

Es ist oft schon schwer genug, sich überhaupt zum Lernen zu motivieren. Da ist es verständlich, dass man sich nicht erst noch großartig mit Zeitplanung zur Prüfungsvorbereitung beschäftigen möchte. Dennoch gehört zu einer effektiven Prüfungsvorbereitung auch eine gute Zeitplanung, um unnötige Hektik vor den Prüfungen zu vermeiden und um sich gegebenenfalls viele Nachtschichten zu ersparen.

Unabhängig von Prüfungsfächern und -formaten unterscheiden nicht nur wir in diesem Buch zwischen strategischer (längerfristiger) und taktischer (kurzfristiger) Prüfungsvorbereitung. Diese beiden Typen schauen wir uns nun etwas genauer an und geben Tipps zur jeweiligen effektiven Gestaltung.

Vorab aber noch ein Wort zu den existierenden Methoden der Zeitplanung: Wenn Sie sich auf die Suche nach der ultimativen Zeitmanagementstrategie begeben, werden Ihnen verschiedenste Begriffe und Umschreibungen begegnen, wie ALPEN-Methode, Eisenhower-Prinzip, 60/40-Methode, die Handformel, Getting Things Done (GTD) u. v. m. In irgendeiner Form streifen wir diese nahezu alle im Zuge unserer nachfolgenden, an Ihre speziellen Belange angepassten Zeitplanungsstrategie. Die Essenz aller dieser Methoden besteht darin,

  • alles (gilt für alle Lebensbereiche), was zu tun ist, zu berücksichtigen.
  • das gesamte Arbeitspensum zu überblicken und in Einzelteile zu zerlegen.
  • den Zeitaufwand für die Einzelaufgaben angemessen einzuschätzen.
  • Prioritäten festzulegen und zum richtigen Zeitpunkt Entscheidungen zu treffen (nicht aufzuschieben).
  • erbrachte Leistung zu kontrollieren und Erkenntnisse für die zukünftige Planung zu nutzen.
  • Erreichtes „abzuhaken“ und sich dafür zu belohnen, um die Motivation zu stärken.
  • Zeitfresser ausfindig und sich bewusst zu machen, um sie einschränken zu können.
  • aus Erfahrung zu lernen und immer wieder den Versuch einer stressfreien (sprich früh einsetzenden) Vorbereitung auf bestimmte Ereignisse zu unternehmen.

Da der Priorisierung von Aufgaben im Rahmen des Zeitmanagements eine überaus große Bedeutung beizumessen ist, möchten wir hier exemplarisch eine Methode herausgreifen, das Eisenhower-Prinzip.

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