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Professor Zamorra - Folge 1064

Das sterbende Land

von Thilo Schwichtenberg

Entschlossen schwang sie sich auf ihren Ofen.

»Angriff!«, schrie Baba Yaga mit wutverzerrter Miene und der Wald, ihre Taiga, setzte sich in Bewegung.

Schon erreichten die ersten der abgestorbenen Bäume die magische Schutzglocke, schon hakten und zogen sich die Ssmejakore an ihr nach oben. Wo auch immer eine Pflanzenfaser die Barriere traf, leuchtete diese in der Nacht der Entscheidung auf, und bald schon gleißte sie förmlich unter dem Ansturm der Taiga.

Kurze Zeit später bäumte sich die Glocke ein letztes Mal auf, dann brach sie einfach zusammen.

Baba Yaga ritt an die Spitze des wogenden Meeres. »Befreien wir meine Geschwister!«

Das war der Augenblick, in dem Asmodis zurückschlug und sich seine Armee der Schwärze erhob.

Die letzte Schlacht hatte begonnen.

Sibirien,
Zentral Tunguska Plateau

Vor einigen Wochen

Die schöne junge Frau mit dem silberfarbenen glatten und schulterlangen Haar erschien aus dem Nichts. Hoch angesetzte Wangenknochen zauberten ein asiatisches Flair in ihr Gesicht. Trotz ihrer Größe von nur etwa einem Meter sechzig wirkte sie auf keine Weise klein. Ihr langes Druidengewand bewegte sich leicht im Wind. Ein Mensch in dieser Kleidung wäre sicher in den nächsten Minuten erfroren, doch sie war ein magisches Wesen, Tochter der Zeitlosen und des Zauberers Merlins. Sie fror nicht.

Sara Moon sah sich auf der steinernen Terrasse um. Ringsum waren die Hügel und Berge bewaldet, doch hier, auf dieser Erhebung, konnte sie kein Leben entdecken. Der nackte Fels stand im Kontrast zur lebenden Natur, auch wenn diese zurzeit unter einer geschlossenen Schneedecke ruhte.

Gerade eben hatte sie sich noch als neue Herrin von Caermardhin zu Recherchezwecken im Saal des Wissens befunden, hatte nach einem Weg geforscht, um Asmodis’ Verbindung zur Hölle zu kappen.

Hier also sollte sie Hilfe finden. Äußerst unangenehme Hilfe noch dazu.

In den Speicherkristallen fand sie alle Antworten auf die Elementare und das sibirische Gleichgewicht. Dabei war sie auf Koschtschej gestoßen, den großen Gegenspieler, ohne dessen Hilfe sie hier jedoch keine Ordnung würde schaffen können, denn trotz intensiver Recherche gab es an diesem unangenehmen Genossen kein Vorbeikommen.

Sie verscheuchte die Bilder vor ihren geistigen Augen, die den größten Verbrecher und Frauenschänder aller Zeiten in durchaus eindeutigen Bildern, Gemälden, Skizzen und Zeichnungen zeigten. Eben erst hatten ihr die Speicherkristalle diese Informationen ungefragt zukommen lassen.

Sie seufzte unmerklich. Die Speicherkristalle, der Saal des Wissens, die gewaltige Bildkugel … Sara wusste, dass sie mit der Zeit ein gigantisches Wissen erhalten würde, dass sie noch mächtiger werden ließ, als sie es bisher schon gewesen war. Sie konnte nur hoffen, dass sie niemals wieder auf die Dunkle Seite der Macht zurückkehren würde, denn mit diesem künftigen Wissen um die Zusammenhänge des Multiversums war Merlins Tochter nicht nur in Bezug auf das Gleichgewicht gefährlich, sondern – und das wurde ihr gerade erst so richtig bewusst – sie selbst stellte nunmehr ein begehrtes Ziel dar.

An eine weitere Sache würde sie sich ebenfalls gewöhnen müssen.

Bisher hatte sie frei entscheiden können, mit wem oder gegen wen sie arbeitete. Das war nun vorbei. Sie war dem Wächter der Schicksalswaage verpflichtet und das schloss Zweckbündnisse ein, die sie unter normalen Umständen nie eingegangen wäre: Nicht mehr die eigenen Befindlichkeiten standen nun im Vordergrund, sondern die Sicht auf das Ganze, eben auf das Gleichgewicht der Kräfte.

Deswegen war sie hier. Um an dieser Stelle ein Zweckbündnis einzugehen, an das sie bisher nicht einmal im Traum gedacht hatte.

Sara stutzte. Das Gestein, auf dem sie stand, bewegte sich! Unmerklich zwar, aber immerhin. Jedoch nicht klackend oder bröselig, nein, eher fließend. Sie trat vorsichtig näher und streckte ihre Hand aus. Einen Moment zögerte sie noch, dann bückte sie sich und strich über den Fels. Tatsächlich Gestein. Und doch spürte sie die Bewegung unter ihrer Handfläche.

Sie hatte in ihrem Leben wahrlich schon genug erlebt, war lange Zeit ERHABENE der DYNASTIE DER EWIGEN gewesen und »dank« des Psycho-Programms CRAAHN eine bedingungslose Sklavin der MÄCHTIGEN. Sie war Hüterin der Zeitlinien und nun Dienerin des Wächters der Schicksalswaage, aber sich bewegenden – lebenden? – Stein, den hatte sie in all den Jahren noch nicht erlebt.

Moment, wenn sich der Stein vor ihr … Alarmiert sah sie auf ihre nackten Füße, doch da war es bereits zu spät! Sie war längst in die steinerne Terrasse eingesunken. Damit konnte sie den zeitlosen Sprung nicht mehr auslösen. Sie war gefangen!

Natürlich, so, wie sie ihr Refugium vor Fremden schützte, schützte er sein Domizil.

Koschtschej!, sandte sie ihre geistige Botschaft aus, ich muss mir dir reden!

Neben sich vernahm Sara Schmatz- und Sauggeräusche. Im Fels bildete sich eine Öffnung und auch die Terrasse gab sie wieder frei.

Die Silbermond-Druidin betrat einen langen Gang, der in eine Halle mündete. Auch hier lebte der Stein. Mal rann er wie Wasser herab, dann glühte er als Lava auf. An anderer Stelle verdampfte er. Ständig veränderte sich das Innere der Höhle, bildete Säulen aus oder gar Springbrunnen, Emporen oder Treppen, die in gemächlichem Tempo wieder verdampften, verglühten oder zerflossen.

»Koschtschej!«, rief Sara erneut. Ihre Stimme hallte teils von den Wänden, teils wurde sie verschluckt.

Doch nicht Koschtschej zeigte sich, sondern eine Frau, ein Mensch, wie die schöne Silbermond-Druidin erkannte.

»Dabro pashalawat’, Willkommen, Sara Moon, Herrin von Merlins Burg.« Die Fremde war recht groß. Vom Alter her schätzte Sara sie auf Anfang fünfzig. Sie trug eine blonde Schüttelfrisur, leichten Lidschatten und knallrote Lippen, sowie einen modischen Hosenanzug, der nun gar nicht in diese steinerne Umgebung passen wollte. »Koschtschej hat Sie schon früher erwartet.«

»Wo ist er und mit wem habe ich das Vergnügen?« Hielt sich der Kerl etwa eine Empfangsdame?

»Tatjana Andrejewna. Ich vertrete Doktor Andrej Schenglow, solange er in seiner Regenerationskammer verweilt.«

»Schenglow?«, stutzte Sara.

»Seine menschliche Tarnexistenz.«

»Ich kann es mir nicht leisten, zu warten. In Sibirien muss eine Entscheidung fallen und zwar schnell.«

»Das sieht Doktor Schenglow ebenso. Trotzdem fühlt er sich derzeit nicht in der Verfassung, seiner Aufgabe gerecht zu werden. Der Kampf gegen Asmodis und die Baba Yaga hat so gut wie alle seine magischen Kräfte aufgezehrt.«

Sara überlegte. Einerseits konnte sie sich keinen Aufschub mehr leisten, andererseits ging ohne Koschtschej in diesem Falle nichts. Sie traf ihre Entscheidung.

»Führe mich zu ihm«, verlangte sie.

Tatjana Andrejewna führte sie durch weitere Gänge und Höhlen in eine kleinere Halle.

An der hinteren Wand glomm und pulsierte es bedeutend schneller als im restlichen Labyrinth.

»Hinter dieser Wand regeneriert sich Doktor Schenglow. Wenn Sie den Prozess beschleunigen möchten, dann bietet sich diese Wand dafür an.«

Sara Moon nickte. Dann griff sie in eine Tasche ihres Gewandes und nahm ihren Machtkristall heraus. Sie schloss die Augen und lenkte die Energien aus den Tiefen des Raumes durch den Dhyarra in die Wand. Sie stellte sich vor, wie sich der Regenerationsprozess um ein Vielfaches erhöhte. Das Glimmen und Pulsieren nahm zu und war bald auch zu hören.

»Ich werde wiederkommen. Bis dahin sollte er bereit sein.«

Sara wartete keine Antwort ab, sondern versetzte sich per zeitlosem Sprung einfach nach Château Montagne, um den Meister des Übersinnlichen nicht nur über die neuesten Entwicklungen zu informieren, sondern um endlich auch Eva wieder nach Hause zu holen.

Die Anwohner des Schlosses in allen Ehren, aber diese Mysati gefiel ihr erst einmal gar nicht.

***

Sibirien,
Zentral Tunguska Plateau

Gegenwart

Sara Moon erschien diesmal sofort in der Halle vor der Regenerationskammer.

Koschtschej!, sandte sie ihren Ruf aus.

Saug- und Schmatzgeräusche, die noch dazu klebrig klangen, erfüllten den Raum. Die Wand schien zu zerfließen, alles schien in Fluss. Das Gestein bewegte sich, als atme es. Eine Öffnung bildete sich, ein Maul, ein Schlund, der größer und größer wurde. Zeitgleich wurde eine steinerne Bahre in der Regenerationskammer sichtbar, die sich ebenfalls zu einem thronartigen Gebilde umformte. Die Person, die darauf lag, wurde in eine sitzende Position gebracht.

Dann war die Wand verschwunden, und im Inneren der Kammer befanden sich der Thron und ein weiterer, kleinerer und steinerner Sitz.

»Willkommen Sara Moon, Nachfolgerin des Asmodis und Tochter des großen Merlin. Nimm Platz.«

»Danke.«

Sara blieb stehen und betrachtete den Herrn des Chaos. Er besaß das Aussehen eines verknöcherten Asketen: kurze weiße Stoppelhaare, durchaus drahtige Gestalt. Er trug sportlich schlichte, in grau gehaltene und vor allem maßgeschneiderte Kleidung. Das optische Alter war schwer zu schätzen. Zwischen Dreißig und Sechzig, schätzte Sara. Auch er taxierte sie aus seinen grauen, stechenden Augen.

»Du weißt, dass wir den Tunnel zur neuen Hölle auf Avalon schließen müssen«, kam Sara gleich zur Sache. »Asmodis’ Entscheidung, dafür die Energie der Elementare zu nehmen, war falsch und muss rückgängig gemacht werden.«

Koschtschej nickte. »Sibirien stirbt. Die magische Energie aus den Elementar-Kraftwerken sollte Sibirien zugeführt werden, zur Wiederherstellung des Natur-Gleichgewichtes sowie für die spätere Stärkung der magisch geerdeten Elementare.«

»Ich habe nach Möglichkeiten gesucht, den Tunnel von Caermardhin aus zu schließen und zu zerstören, aber letztendlich kannst das nur du mit deiner Chaosmagie.«

Koschtschej nickte abermals. »Allerdings wird Asmodis etwas dagegen haben. Ich kann mir vorstellen, dass der Meister der Intrige äußerst geschickt vorgegangen ist. Da er Gestaltwandler ist, wird er bei Etar-Energija sowie bei Aurora in meiner Gestalt auftreten. Niemand wird mitbekommen haben, dass es einen Wechsel in den jeweiligen Führungsetagen gegeben hat.«

»Das kann ich bestätigen«, sagte die Silbermond-Druidin und setzte sich nun doch. »Ich sah es in der Bildkugel im Saal des Wissens

Koschtschej hob die Hände. »Ich kann also nicht wieder einfach so alles übernehmen. Ich komme noch nicht einmal in die Nähe von Etar-Energija, ohne dass Asmodis das mitbekommen würde. Und ich komme auch nicht in die Nähe des Tunnels, um ihn erst zu verschließen und später zerstören zu können, damit ich die Energie endlich nach Sibirien lenken kann.«

Sara schlug die Beine übereinander und lehnte sich zurück. »Ich werde dir einen zeitlosen Korridor durch die Schutzzone zum Tunneleingang schaffen. Als Hüterin der Zeitlinien konnte ich dahingehend, nun, sagen wir, ein wenig experimentieren. Du wirst also ungehindert an den Tunnel herantreten können. Das zumindest wird Asmodis nicht mitbekommen. Deine Manipulation dagegen schon. Wir werden also nicht viel Zeit haben.«

»Sie wird ausreichen, denn ich werde durch meine … Chaosgehilfen, die Rhas’waal, den Tunnel auf den ersten Blick nur plombieren.«

»Und auf den zweiten?«, hakte Sara nach.

»Auf den zweiten jedoch, was allerdings seine Zeit benötigt, werden meine Helfer den Tunnel aus Avalon heraus …schneiden. Erst dann kann er zerstört und die Energie nach Sibirien überführt werden.«

»Stopp« fiel ihm Sara ins Wort. »Kann man ihn denn nicht einfach auf der Erde abkoppeln und die Energie gleich nach Sibirien lenken?«

»Sicher«, erwiderte Koschtschej, »aber die ganze Energie, die im Tunnel steckt, vergeuden? Wo doch ohnehin schon genug Energie verschleudert wurde? Nein, ich konnte sehr lange in dieser Kammer hier nachdenken. Mein Plan steht. So machen wir es und nicht anders.«

Sara zuckte mit der Schulter. »Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht.«

»Trotzdem wird es Asmodis relativ schnell mitbekommen, dass wir den Tunnel sabotieren.« Der Herr des Chaos beugte sich leicht nach vorn. Irrte sich Sara oder sah er sie jetzt mit einem anderen Blick an?

Sie nickte. »Er wird auf die Macht von Caermardhin zurückgreifen wollen und feststellen, dass er das nicht mehr kann.« Die Silbermond-Druidin schüttelte ihren Kopf. »Er war tatsächlich seit meiner Machtübernahme nicht mehr in der Burg.«

Koschtschej lehnte sich wieder zurück. »Der Teufel bekommt nun ein Zwei-Fronten-Problem: Einmal wird er sich um Caermardin kümmern müssen, zum anderen um Etar-Energija und den Tunnel.« Er verharrte mit einem Mal.

Lauernd, wie Sara feststellte. Plötzlich spürte sie einen leichten Druck an ihren Brüsten. Etwas hatte sich daran geschmiegt. Der Stein des Sitzes hatte sie fast unmerklich umhüllt!

»Du bist schön«, sagte Koschtschej in seiner starren Haltung.

Sara schob die rechte Hand in ihr Gewand.

»Es wäre schade, wenn wir diese Unterhaltung einfach so beenden würden«, sprach der Herr des Chaos weiter. Doch im nächsten Moment keuchte er unvermittelt auf.

»Es wäre besser für dich«, sagte Sara und stand auf. Hinter ihr zerfloss der Sitz. Vor ihr wurde Koschtschej in den steinernen Thron gedrückt. Zentimeter um Zentimeter sank er darin ein. Steintentakel bildeten sich und fuhren in seinen Mund, in die Ohren, in Hosenbeine und Hemdärmel. Er nuschelte, würgte, starrte sie mit großen Augen an.

Sara besah sich ihren Machtkristall. Dann sprach sie weiter. »Du giltst in Sibirien als die größte Bedrohung für alle Frauen.« Weitere Steintentakel legten sich ihm um den Hals, zogen ihn unerbittlich in den Stein. »Ich warne dich hiermit zum ersten und letzten Mal: Dank der Bildkugel bin ich über jede deiner Aktivitäten auf der Erde bestens informiert. Solltest du dich also jemals wieder einer Frau mit diesen Absichten nähern, so sei dir gewiss, dass ich in Nullkommanichts bei dir bin. Und dann, mein Lieber, läuft die Sache hier nicht so glimpflich ab. Hast du das verstanden?«

Ja, das habe ich, teilte ihr Koschtschej auf geistiger Ebene mit, denn er war mittlerweile komplett in seinem eigenen Thron eingesunken.

Sara ließ sich mit seiner Befreiung Zeit.

Als sich der Herr des Chaos auf einem nunmehr steinernen Hocker sitzend wiederfand, sprach die Silbermond-Druidin ganz belanglos weiter.

»Ich kann dir nur dieses eine Mal helfen, da ich selbst meine und die Kraft Caermardhins für die Erschaffung eines neuen Zugangs nach Avalon benötige. Du solltest dir also andere Verbündete im Kampf gegen Asmodis und bei der Tunnelzerstörung suchen. Halte dich also bereit und triff deine Vorbereitungen. Ich gebe dir noch heute das Zeichen.«

***

Sibirien,
Surgut, Etar-Energija

Er zählte: »Baikal, Aldan, Yer, Erlik Khan, Laptev und Boreas. Alle da.« Asmodis lehnte sich zufrieden zurück und betrachtete weiter die Monitore auf seinem Schreibtisch. Das Ganze hier war fast so schön wie damals die Jagd nach den Amuletten. Leider hatte er sie nie alle sechs in den Händen halten können. Zu schade. Vielleicht hätte sich dann für Papa LUZIFER der Übergang ganz anders gestaltet? Außerdem wäre er um die Erfahrung reicher gewesen, ob die sechs Amulette nun dem siebten ebenbürtig oder gar überlegen gewesen wären.

Hätte, wäre, wenn – vorbei. Die ersten sechs Amulette waren zerstört und LUZIFER auf Avalon. Das alles lag hinter Asmodis. Caermardhin, Etar-Energija, Wächter des Tunnels zur neuen Hölle – das war die Zukunft! Niemand kam an ihm vorbei. Außerdem war da noch seine kleine Passion, zusätzliche Energien zu bunkern. Was man hat, das hat man, so ein menschliches Sprichwort.

Ein nicht geringes Abfallprodukt der E-Kraftwerke war die normale Energie, die durch den Antrieb der Turbinen entstand. Auch Väterchen Russland zeigte sich nun zufrieden. Der Kreml fraß ihm jetzt fast aus der Hand, nun, da Sibirien langsam zum Motor der russischen Wirtschaft wurde. Der Westen hatte das Nachsehen.

Macht benötigte Stärke zum Erhalt und Stärke war nur ein anderes Wort für Energie. Und die besaß er bald in Hülle und Fülle! Jede Macht auf dieser Erde würde sie ihm abnehmen und natürlich in eine gewisse Abhängigkeit geraten. Wenn das passiert war …

… war Sibirien längst tot. Der Wald starb, die Kräfte des Inneren gerieten immer mehr aus den Fugen, die Wasserqualität ließ zu wünschen übrig und die Winde spielten verrückt. Doch mit etwas Schwund war immer zu rechnen. Klimakatastrophen gab es ständig auf der Erde, da fiel eine weitere gar nicht mehr so ins Gewicht. Manche kamen aus der Natur, manche wurden durch die Menschen erst möglich und einige wenige hatte er selbst verursacht. Die Menschen holzten den Regenwald ab und er beutete eben Sibirien aus.

Nun ja, der ewige Kreis von Werden und Vergehen.

Nichtsdestotrotz musste er sich langsam um Koschtschej Gedanken machen. Der würde ihm über kurz oder lang sehr gefährlich werden. Vielleicht war es an der Zeit, Etar-Energija unter den Schutz Caermardhins zu stellen.

Es klopfte.

»Herein.«

Mascha Kaleekaja, die wohl beste Sekretärin der Welt, kam mit einem Tablett durch die Tür.

»Frischer Tee, Doktor Asomdis.«

Ihre langen grauen Haare waren wie üblich als Flechtkranz um den Kopf gewunden. Dazu trug sie eine graue Bluse, ein graues Kostüm mit langem Rock, graue Strumpfhosen und graue Schuhe. Einziger »Lichtblick« war die blutrote Rosenblüte aus Muranoglas, die sie oberhalb ihrer linken Brust trug.

»Ah.« Er nahm den Teeduft genießerisch in sich auf. Dann sah er sie an und lächelte. »So ganz langsam gewöhne ich mich an die Farbe Grau. In Zukunft steht sie für mich für das Edle, das Erstrebenswerte.«

»Herr Doktor!« Über Maschas Mundwinkel huschte ein flüchtiges Lächeln. Ganz Chefsekretärin hatte sie sich natürlich stets unter Kontrolle.

Sie hatte ihn im Laufe der letzten Wochen tatsächlich durchschaut. Allerdings legte er auch keinen gesteigerten Wert mehr darauf, sich wie Koschtschej zu verhalten. Er war damals gespannt gewesen, wie sie reagieren würde.

Eines Tages hatte sie gezögert. »Herr Doktor …?« Dabei sprach sie den Namen ›Schenglow‹ nicht mehr aus und hob die Stimme ganz leicht an. Ihre Augenbrauen waren dabei eine Nuance nach oben gewandert.

»Asomdis«, hatte er geantwortet.

Mascha hatte nur genickt.

Sie blieb ihm weiterhin loyal, da er sie immer fair behandelt hatte – im Gegensatz zu Doktor Schenglow, dessen Hände sie am wenigsten mochte. Ihren Gedanken diese Kleinigkeit zu entnehmen, konnte sich Asmodis dann doch nicht ganz untersagen.

Als Mascha mit dem leeren Tablett das Zimmer verlassen wollte, fragte er unvermittelt: »Möchten Sie, dass ich noch ein wenig hierbleibe, hier bei ...

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