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Professor Zamorra - Folge 1057

Zwischen den Welten

von Andreas Suchanek

Mit einem hässlichen Knacken brach der Ast unter ihrer linken Schuhsohle weg, rauschte durch Laub und Geäst in die Tiefe. Eliska Novaks Hände verloren den Halt, sie fiel. Astgabeln rissen Wunden in ihre Haut, hinterließen blutige Kratzer.

Ruckartig kam sie auf einem dickeren Stamm auf. Um die Balance zu halten, ruderte sie mit den Armen – vergeblich. Sie kippte hintenüber und stürzte dem Boden entgegen …

Prolog

Eliska fluchte lauthals. Es zeigte sich wieder einmal, dass sie aus der Übung war. Mit einer – mehr oder weniger – eleganten Rolle kam sie an einen der unteren Äste des riesenhaften Urwaldbaumes heran. Ihr Fall wurde ruckartig gestoppt. Aufstöhnend zog sie sich erneut in die Höhe.

Das hatte frau davon, wenn sie einmal den Ausblick genießen wollte. Doch jetzt erst recht! Eliska begann den Aufstieg von Neuem und dieses Mal erreichte sie die Baumkrone.

In dreißig Metern Höhe schaute sie über das Land. Der Anblick war atemberaubend. Zwischen dem alles bedeckenden Grün der Bäume lugten die Ziegelsteindächer der Tempel empor. Die Steppenlandschaft war über viele Quadratkilometer hinweg durchdrungen von Tempelbauten. Bagan, die historische Königsstadt in Myanmar, war eine Augenweide, aber gleichzeitig mehr als das.

Im Licht der untergehenden Sonne machte Eliska sich an den Abstieg, um sich wieder ihrem eigentlichen Ziel zu widmen.

Auf der ebenen Erde angekommen betastete sie ihren Körper. Der Fall hatte ihr etliche Schrammen eingetragen und ein Ast sich schmerzhaft in ihre Seite gebohrt – nichts Ernstes also. Sie verzichtete darauf, die Wunden mit Magie zu heilen. Vermutlich würde sie jedes Bisschen Kraft bald für das benötigen, was vor ihr lag.

Ihr Haar war zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, sie trug kurze graue Shorts, ein dunkelrotes T-Shirt und einen Rucksack, in dem sich das eine oder andere nützliche Artefakt verbarg. Derart ausgerüstet hatte sie eines der Bibliotheksportale benutzt, die sie dank ihres magischen Erbes verwenden konnte, und war hierhergekommen.

Staub wirbelte auf, als sie auf ihr Ziel zusteuerte. Die Luft roch nach trockenem Holz und Laub und Blumen. Erst nach und nach wurde Eliska bewusst, wie sehr sie das Abenteuer vermisst hatte. Jahrzehntelang hatte Svatopluk alias Marvuk sie in einem unfreiwilligen Zeitschlaf gehalten. Nach ihrem Erwachen hatte sie erst einmal wieder Fuß fassen müssen, hatte in Aktien und Fonds investiert, im Stillen über die Jahre ein kleines Wirtschaftsimperium errichtet.

Erst seit einigen Jahren verwendete sie ihre Magie erneut aktiv, um nach Artefakten zu suchen – ganz bestimmten Artefakten. Einem davon war sie heute dicht auf den Fersen.

Eliska keuchte.

Vor ihr erhob sich ein Teakbaum, der im Schatten eines Ziegelsteintempels wuchs. Die uralten Wurzeln verliefen über und unter der Erde. Im Näherkommen erspürte sie das Wirken von Magie. Sie lächelte. Ihr Instinkt hatte ihr einmal mehr den richtigen Weg gewiesen.

»Na also, geht doch.«

Sie ließ magische Essenz auf sich einwirken, sog tief die Luft in ihre Lungen, fühlte, roch, sah und schmeckte. Es war alte birmanische Magie, die hier wirkte. Etwas völlig anderes als das, was sie bisher kannte.

Minutenlang stand Eliska still zwischen den Wurzelsträngen des Baumes und untersuchte den Zauber. Schließlich wob sie mit den Händen ein Muster in der Luft. Es war einfache Illusionsmagie, die den Eingang zum Tempel verbarg, nichts Unüberwindliches, aber exotisch.

Sie murmelte ein letztes Wort.

Die Erde explodierte an einer Stelle, verwandelte sich in eine Wolke aus Schmetterlingen, die davonstoben. Eliska lachte. Sie hob die Hände und drehte sich in dem Schwarm aus bunten Flügeln, die überall um sie herum davonflogen.

Zwischen den Wurzeln erschien jetzt eine Treppe aus dunklen Ziegeln, die in die Tiefe führte. Sie zog eine Taschenlampe aus dem Rucksack und stieg die Stufen nach unten. Seltsamerweise verspürte sie keine Angst. Es war durchaus möglich, dass die Macht des Artefaktes dazu verwendet wurde, den Gegenstand selbst zu schützen. In diesem Fall hätte ein falscher Schritt sie in einen Aschehaufen verwandelt.

Ich werde leichtsinnig auf meine alten Tage.

Obwohl sie vor über hundert Jahren geboren worden war, besaß sie doch noch immer das Aussehen einer Frau Ende zwanzig. Durch den Zeitschlaf hatte sie Jahrzehnte übersprungen, ohne zu altern.

Rechts und links stand alle paar Schritte eine hüfthohe Statue. Magie wurde wirksam, während sie vorbei ging, ließ die Hüllen aus Ziegelstein durchsichtig werden. Im Inneren waberte ein feiner Nebel, der aus sich selbst heraus leuchtete.

Die Treppe mündete in einen schmalen Gang, an dessen Wänden ein Mosaik in das nächste überging. Eine dicke Staubschicht lag auf allem, Spinnweben hingen von der Decke. Hier war seit einer Ewigkeit niemand mehr gewesen.

Eliska wurde immer wieder aufs Neue von der Atmosphäre in alten Tempeln, Katakomben und Pyramiden überwältigt. Der Gedanke, dass vor Jahrhunderten Menschen diese Meisterwerke der Architektur errichtet hatten, dass sie über die Ziegelsteine des Bodens gegangen waren, die sie gerade beschritt und doch schon lange zu Staub zerfallen waren, machte sie wehmütig und euphorisch zugleich. Jedes Artefakt, jedes Bauwerk war etwas Einzigartiges und sie hegte tiefen Respekt vor den Erbauern.

Der Gang weitete sich und mündete in einer Empore.

Mit offenem Mund trat Eliska an den Rand des Geländers. Was sie sah, war unglaublich.

In dem Moment erlosch die Taschenlampe.

***

Eliska musste nicht lange im Dunkeln ausharren, obwohl der Schreck ihr im ersten Moment in die Glieder fuhr. Bevor sie sich mit Magie Abhilfe schaffen konnte, leuchtete eine kleine Miniatursonne unter der Decke des domartigen Raumes auf.

Von der Galerie führte eine Treppe, gehauen aus dem allgegenwärtigen Ziegelstein, in die Tiefe. Der Untergrund bestand komplett aus Sand und war doch ein Kunstwerk für sich. Roter, schwarzer, weißer und grüner Sand bildeten einen stilisierten farbigen Strudel am Boden ab.

Und in der Mitte …

Eliska begriff, dass sie hier keinen der Essenzsplitter der ersten Magier finden würde. Stattdessen erwartete sie etwas anderes. Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Hinweis auf das Versteck des Artefakts!

Sie stieg die Stufen hinab. Mit einem ausklappbaren Holzstab aus ihrem Rucksack überprüfte sie die Tiefe des Sandes, es bestand keine Gefahr. Nach wenigen Zentimetern stieß die Stabspitze auf festen Untergrund.

Sand wirbelte auf, als sie auf das Zentrum des stilisierten Strudels zuging. Ein Ziegelquader erhob sich dort, darauf auf den ersten Blick eine Art Pagode. Auf der Oberseite hatte ein talentierter Künstler die Silhouette einer Stadt aus Ton gefertigt. An den vier Seiten waren Sätze eingebrannt.

Eliska erkannte die Stadt auf einen Blick. Auch das »Gebäude«, die Spitze der Pagode darauf.

Der Eiffelturm war unverkennbar.

Wie konnte jemand vor Jahrhunderten vom Eiffelturm wissen?

Das Bauwerk in der französischen Hauptstadt war erst 1889 fertiggestellt worden. Im Verlauf ihrer abenteuerlichen Reisen rund um den Globus war Eliska oft auf Schriften gestoßen, deren Verfasser auf irgendeine Art Einblicke in die Zukunft erhalten hatten. Meist waren es nur Fragmente gewesen, die der jeweilige Seher in Reimen oder kryptischen Andeutungen niedergeschrieben hatte.

Sie besah sich die Stadt genauer. Es war eindeutig Paris. Erst als sie eine Lupe aus ihrem Rucksack nahm und die Gebäude aus der Nähe untersuchte, erkannte Eliska, dass der Künstler an einer Stelle eine Färbung in den Ton eingearbeitet hatte. Da sie die Stadt kannte, war sofort klar, worauf der Mann oder die Frau hatte hindeuten wollen.

Ich verstehe.

Sie lächelte. Womöglich war es an der Zeit, le professeur und Mademoiselle Duval einen Besuch abzustatten. Das war sowieso längst überfällig. Seit ihrem Abenteuer in der sterbenden Stadt der ersten Magier war sie abgetaucht, um nach den Essenzsplittern zu suchen. Dabei mochte sie den Parapsychologen und seine Lebens- und Kampfgefährtin mit dem Faible für immer neue Frisuren sehr.

Eliska ging in die Knie, um auch die in die Ziegelsteine eingebrannte Schrift zu untersuchen. Es waren birmanische Schriftzeichen. Sie musste Magie bemühen, um sie zu verstehen. Scheinbar waren sie mit einem Schutz versehen, denn obwohl Eliska die Worte lesen konnte, dauerte es lange, bis sie den Sinn dahinter begreifen konnte und nur einzelne Worte drangen tatsächlich in ihr Bewusstsein vor.

Sie las einen Satz, begriff aber nur die Worte ›Mond‹ und ›Burg des Magiers‹. Sie umrundete den Quader und las weiter.

Die nächste Inschrift wies eindeutig auf Paris und die Katakomben unter der Stadt, erwähnte außerdem einen Rubin, einen Saphir und einen Grünstein, was auch immer das sein mochte.

An anderer Stelle stand ›Teufel‹ und ›Sohn der Zigeunerin‹. Wie elektrisiert zuckte sie zusammen, als auf einer anderen Seite die Worte ›Schlaf der ersten Magierin‹ und ›Widersacher aus alter Zeit‹ in ihr Bewusstsein drangen. Das bezog sich zweifellos auf Jasna Novak – ihre Vorfahrin, Hüterin der Bibliothek und einzige Überlebende der ersten vier Magier – und Mavuk, der im Körper von ihrem Vorfahren Svatopluk sein Unwesen trieb.

Doch wie hing das alles zusammen?

Stirnrunzelnd ging sie ganz nah, um den letzten Satz in sich aufzunehmen. Entsetzt aufkeuchend fuhr sie in die Höhe, als ein weiteres Wort in ihrem Geist Gestalt annahm.

Ohne darüber nachzudenken, warf Eliska sich herum und rannte davon. Sie musste mit Zamorra sprechen. Wenn das, was sie in die Schrift hinein interpretierte, der Wahrheit entsprach, war das eine Nummer zu groß für sie. Vermutlich hatte nicht einmal Jasna damit gerechnet, die noch immer in ihrem Regenerationsschlaf lag.

Eliska erreichte die Treppe. Hinter ihr versank der Quader in einem Loch, das sich urplötzlich auftat. Der Turm der »Pagode« – des Eiffelturms? – bröckelte und fiel in sich zusammen. Der Sand rieselte in den entstehenden Trichter, Magie lag in der Luft, Staub wirbelte auf.

Warum müssen diese geheimen Bauten am Ende immer einstürzen?

Eliska rannte und sprang, als sei der Teufel höchstselbst hinter ihr her. Sie musste Zamorra warnen.

Sie erreichte die Galerie.

Da brach der Boden unter ihr weg.

***

Frankreich,
Loiretal

Am Horizont stieg die Sonne langsam zwischen den Reben empor und tauchte das sanfte Grün der Hänge in ein warmes Goldgelb. Zamorra sog tief die frische, aber eisig kalte Morgenluft in seine Lungen. In der Regel schlug er die Augen auf, wenn die Sonne im Zenit stand; er gehörte zur Gattung der Langschläfer.

Heute hatten Nicole und er jedoch beschlossen, eine Ausnahme zu machen. Die Kämpfe der letzten Zeit, ob in New York oder Eden, auf der Erde oder in Weltraumtiefen, ob gegen die Angst oder Höllendämonen, hatten gehörig an ihren Kräften gezehrt. In den letzten Tagen war ihnen ein wenig Ruhe vergönnt gewesen, was sie weidlich ausgenutzt hatten.

Ob beim Schwimmen im Pool, dem Gammeln vor dem Fernseher oder einer Einkehr in der Kneipe Zum Teufel. Heute war ein ausgedehnter Morgenspaziergang angesagt.

Obwohl der Dezember bereits angebrochen war, hatte der Herbst noch einmal alle Register gezogen, wich aber eindeutig dem mit aller Kraft heraufziehenden Winter. Das verblichene Gras war voller Raureif.

Nicole hakte sich bei ihm ein. »Wenn ich mir das so ansehe, chéri, sollten wir öfter früh aufstehen.« Sie lachte laut bei seinem Gesichtsausdruck. »War nur ein Scherz. Ich werde den verpassten Schlaf nachher auch noch dringend nachholen müssen.«

»Womöglich holen wir den ja gemeinsam nach.«

»Lüstling.«

»Das du immer gleich das Schlimmste von mir annehmen musst«, sagte er, einen diabolischen Ausdruck im Gesicht.

»Ich kenne dich eben.« Sie zwinkerte.

Sie gingen zwischen Rebstöcken an den Hängen des Châteaus entlang und traten schließlich hinaus auf einen kleinen Aussichtspunkt, wo eine Bank und ein flacher Tisch zum Ausruhen einluden.

Tief unter ihnen schmiegte sich die Loire ins Tal.

Sie versanken in einer Umarmung. Zamorra hauchte Nicole einen Kuss auf die Lippen. Heute präsentierte sie sich mit braunem Haar, das in weichen Locken über ihren Rücken fiel.

In ihren Kuss versunken vergaßen sie die Zeit. Irgendwann lösten sie sich aus der Umarmung und schlenderten den Pfad entlang, um einen Bogen zu schlagen und zum Château zurückzukehren. Als sie an einem Hang vorbei kamen, blieb Nicole stehen.

»Hast du das gehört?«

Zamorra lauschte. »Ich höre nichts.«

Stirnrunzelnd sah sie sich um. Da war kein Mensch weit und breit. Nur ein kleines schmales baufälliges Häuschen stand auf einer angrenzenden Ebene.

Zamorra folgte ihrem Blick. »Das Ding muss endlich mal abgerissen werden. Nicht, dass es irgendwann über abenteuerlustigen Teenagern zusammenbricht.«

Als wären seine Worte ein böses Omen, erklang ein Fluch aus dem Inneren, gefolgt vom Geräusch herabstürzender Steine. Zamorra schaltete Merlins Stern mit einem Gedankenbefehl auf scharf, doch das mächtige Amulett konnte keine schwarzmagischen Aktivitäten feststellen. Es erwärmte sich nicht.

»Vielleicht will uns jemand einen Streich spielen und hat einen Lautsprecher dort drin deponiert.«

Nicole schenkte ihm einen Eine-abstrusere-Theorie-fiel-dir-jetzt-nicht-ein-oder?-Blick. »Dafür klingt das viel zu … echt.« Sie runzelte die Stirn. »Oh-oh.«

»Was?«

»Wenn mich nicht alles täuscht, war das gerade ein Fluch auf Tschechisch. Und wen kennen wir, der dieser Sprache mächtig ist, ordentlich fluchen kann und sich in einsturzgefährdeten Bauten herum treibt?«

In dem Moment wurde das Schloss fortgesprengt und die Tür flog auf. Eine Frau sprang nach draußen, rollte sich ab und kam direkt vor ihnen zum Stehen. Zamorra schaute in Richtung der offenen Tür. Auf der anderen Seite sah er jedoch nicht das Innere des Häuschens, sondern einen engen Stollen, dessen Wände aus Ziegelsteinen bestanden. Gerade brachen besagte Ziegelsteine zusammen, Schutt und Staub wallte auf.

Die Frau vor ihnen am Boden machte eine Handbewegung, worauf die Tür sich schloss, der Lärm erstarb. Zamorra wusste, dass, würde er die Tür jetzt erneut öffnen, auf der anderen Seite wieder das normale Innere des Gebäudes zu finden war.

»Eliska«, sagte Nicole trocken. »Lange nicht mehr gesehen.«

Die junge Hexe war übersät von Schrammen, blutete aus einigen oberflächlichen Wunden und ihre Kleidung glich einem zusammengeflickten Haufen aus zerrissenen Stofffetzen. »Heute auf dem Lara-Croft-Trip?«

Ächzend rappelte Eliska sich auf. »Lara wer?« Sie klopfte sich den Staub von der Hose. »Das war knapp. Ich habe die letzten Stunden damit verbracht, durch enge Gänge zu kriechen, dieser verdammten Falle zu entkommen und dann kam auch noch der Rest von der Decke herunter.« Sie lächelte stolz und genervt gleichermaßen. »Immerhin ist es mir zum ersten Mal gelungen, einen Durchgang zwischen zwei Portalen zu öffnen, ohne die Bibliothek direkt zu benutzen. Es brauchte nur eine winzige Überlappungszone. Genau genommen …«

»Das freut uns ungemein«, unterbrach Zamorra. Ihm schwante, dass die ruhige Zeit zu Ende ging. »Was führt dich zu uns?«

»Ich wollte …« Ein Ausdruck des Erschreckens zeichnete sich auf dem Gesicht der jungen Hexe ab. »Paris«, sagte sie. »Die Katakomben. Und da war noch etwas.« Sie dachte fieberhaft nach. »Es war wichtig, aber … ich kann mich nicht mehr erinnern.«

Nun wirkte sie geradezu entsetzt.

»Irgendetwas löscht meine Erinnerungen an das, was ich entdeckt habe, aus …!«

***

Zurück im Château reichte Nicole Eliska eine Tasse Kaffee. Die Hand der jungen Hexe zitterte. Vorsichtig nahm sie einen Schluck der schwarzen Flüssigkeit. »Wisst ihr eigentlich, was für ein Aufwand es vor hundert Jahren war, das Zeug aufzubrühen?« Mit glasigen Augen starrte sie auf das Gebräu.

»Hey!« Nicole schnippte mit dem Finger. »Konzentriere dich.«

Eliska zuckte zusammen. »Entschuldige. Ich versuche es. Da muss irgendein Zauber gewesen sein, der alles auslöscht, was nach meinem Betreten der Höhle geschehen ist.«

Die junge Hexe saß zusammengekauert in einem Sessel in Zamorras Arbeitszimmer, noch immer in der abgerissenen Kleidung. Nicole hatte William bereits losgeschickt, passenden Ersatz aus ihrem Kleiderschrank zusammenzusuchen.

Zamorra brach zwischenzeitlich in hektische Betriebsamkeit aus. Er suchte alle notwendigen Utensilien zusammen, um eine schnelle Hypnose durchzuführen. Merlins Stern, die handtellergroße Silberscheibe, die an einer Halskette vor seiner Brust baumelte, zeigte noch immer keinerlei schwarzmagische Aktivitäten an. Was Eliskas Erinnerungen auch blockierte, es war nicht dämonischen Ursprungs. Anhand der wenigen Informationen, die die junge Hexe herausgestottert hatte, vermutete Nicole einen altbirmanischen Zauber.

»Beeil dich«, sagte sie.

Zamorra kam mit einem Lederband zurück, an dem ein Bergkristall befestigt war. Für gewöhnlich benutzte er das Amulett, wollte in diesem Fall jedoch nicht riskieren, dass eine wie auch immer geartete Interaktion zwischen der unbekannten Magie und Merlins Stern stattfand. Die möglichen Folgen waren unabsehbar.

Er zog seinen Stuhl heran und nahm gegenüber von Eliska Platz. »Kann losgehen.« Langsam ließ er den Kristall vor ihren Augen hin und her baumeln. »Entspanne dich, Eliska, halte deinen Blick auf das Pendel gerichtet. Konzentriere dich auf meine Stimme.«

Die Lider der jungen Hexe flatterten, dann weiteten sich ihre Pupillen, die Augen wurden glasig.

Nicole schwieg. Um die Hypnose nicht zu unterbrechen, hielt sie sich vollständig heraus.

»Was genau ist passiert?«, fragte Zamorra. »Erzähl uns, was vor deiner abenteuerlichen Flucht geschehen ist.«

Zuerst stockend, dann mit zunehmendem Fluss berichtete Eliska, wie sie nach Myanmar gereist und dort in einen verborgenen Tempel vorgedrungen war.

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