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Professor Zamorra - Folge 1048

Das ewige Choquai

von Andreas Balzer

Der Gestank war unerträglich. Es roch nach verbrannten Städten, Pestilenz und allgegenwärtiger Verwesung.

Niemand machte sich die Mühe, die Toten wegzuräumen. In einer Welt, in der die Lebenden nichts weiter als Beute waren, hatte niemand Zeit oder Muße, sich um die zu kümmern, die diesem endlosen Albtraum entkommen waren.

Sie waren die Glücklichen. Die, die es hinter sich hatten. Ihre verfaulenden Körper waren nur noch Nahrung für Ratten, Hunde – und Menschen. Nur ein nicht auszurottender Instinkt trieb die Verbliebenen an, jeden Tag aufs Neue ums Überleben zu kämpfen.

Es war ein Kampf, den niemand auf Dauer gewinnen konnte. Denn diese Welt wurde von den Untoten regiert.

Ihr Name war Choquai.

Das Ödland

»Kannst du was erkennen? Sind sie bewaffnet?«

Izzy antwortete nicht und starrte weiter durch ihr Fernglas. Die schwarzhaarige, mit zahlreichen Tätowierungen und Piercings geschmückte Ödland-Bewohnerin hatte sich mit ihrem hünenhaften Begleiter Ben und ihrem Hund in einem zerfallenen Wohnhaus versteckt, um die verwüstete Ruinenlandschaft unbemerkt auszukundschaften. Unmittelbar vor ihnen befand sich eine freie Fläche. Offenbar war dort ein Platz gewesen, doch von den ihn umgebenden Geschäften und Cafés waren kaum mehr als vage Andeutungen übrig, verbrannte Mauern und wie mahnende Zeigefinger in den Himmel ragende Eisenträger. Nur ein paar Gebäude standen noch, und auch sie wiesen erhebliche Beschädigungen auf.

Vor der Ruine eines ehemaligen Kaufhauses hatten vermummte Gestalten ein provisorisches Nachtlager aufgeschlagen. Izzy zählte sieben Männer und Frauen, die sich um ein Feuer versammelt hatten. Die meisten machten einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck.

Soweit Izzy sehen konnte, waren es Menschen. Aber das wusste man immer erst genau, wenn man jemandem direkt gegenüberstand. Und selbst dann gab es keine Garantie. Wie viele ihrer Bekannten waren schon zerrissen worden, weil sie gehofft hatten, mitten in dieser Wildnis auf einen anderen Menschen zu treffen. Erst im letzten Moment hatten sie ihren tödlichen Irrtum erkannt, als der Jäger sein Maul aufriss und seine Fänge in den Hals seines wehrlosen Opfers schlug.

Doch diese Menschen da unten schienen sich um ihre Sicherheit wenig Sorgen zu machen. Sicher, sie hatten eine Wache angestellt. Aber die döste vor sich hin und schien kaum etwas von dem, was um sie herum vorging, mitzubekommen.

Der Grund, dass es täglich weniger von uns gibt, sind nicht Kuang-shis Bestien. Es ist unsere eigene Dummheit, dachte Izzy verbittert.

Sie wollte das Fernglas schon wieder wegpacken, als sie eine unerwartete Bewegung irritierte. Nahe der Feuerstelle lagen zwei längliche, mit Decken verhüllte Bündel. Izzy hatte sie schon eher gesehen, war aber davon ausgegangen, dass es sich um die traurige Habe der Nomaden handelte, mit der sie von einem provisorischen Lager zum nächsten zogen.

Doch jetzt geriet eine der Decken unverkennbar in Bewegung. Irgendetwas Lebendiges musste sich darunter befinden. Was konnte es sein? Ein Mensch? Nahrung, die noch nicht geschlachtet war, damit sie länger frisch blieb? Oder vielleicht beides zusammen? Viele Menschen im Ödland waren Kannibalen. Sei es aus purer Not, weil sie in den Ruinen nichts anderes zu essen fanden. Sei es, dass sie sich so sehr von ihrer Menschlichkeit entfernt hatten, dass das Leben anderer keinen Wert mehr für sie hatte.

In besonders dunklen Stunden konnte Izzy das sogar nachvollziehen. Was war noch menschlich an den verwilderten Gestalten, die ziellos durch die zerstörten Städte irrten? Gab es wirklich einen Grund, ihrer armseligen Existenz mehr Wert beizumessen als den wenigen Tieren, die in den Ruinen lebten?

Bisher war Izzy vor diesem Schritt zurückgeschreckt. Noch hielt sie an dem fest, was sie im Inneren mit dem verband, was einmal die Menschheit gewesen war. Doch sie wusste nur zu gut, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis dieses Band riss wie eine Nabelschnur. Dann wäre sie endgültig angekommen in dieser Welt voller Gewalt und Finsternis.

Im Lager tat sich etwas. Ein stämmiger älterer Mann hatte die Bewegung ebenfalls bemerkt. Er wuchtete sich schwerfällig von den Steinen hoch, aus denen er sich eine improvisierte Sitzgelegenheit gebaut hatte, und versetzte dem Bündel einen heftigen Tritt. Was immer sich unter der Decke befand, bäumte sich auf, hatte jedoch offenbar nur wenig Bewegungsspielraum.

Eine fette Frau, die am Lagerfeuer einige Küchengerätschaften ausgepackt hatte, schnauzte den Stämmigen an. Izzy konnte die Worte auf die Entfernung nicht verstehen, aber es war ihr auch so klar, worum es ging. Der Typ sollte das Abendessen in Ruhe lassen. Der Mann lachte, antwortete irgendetwas und trat noch einmal zu. Dann wandte er sich von dem Bündel ab und setzte sich wieder ans Feuer.

Ein Mensch, dachte Izzy. Es musste ein Mensch sein, was da malträtiert wurde. Tieren brachten die Überlebenden der Apokalypse viel mehr Gleichgültigkeit entgegen. Sie töteten sie zwar, quälten sie aber in der Regel nicht. Mit Grausamkeit, Hass und Niedertracht begegneten sie vor allem ihrer eigenen Spezies.

Jetzt bewegte sich auch etwas unter der zweiten Decke. Sehr viel vorsichtiger jedoch. So als wolle jemand seinen Bewegungsmöglichkeiten austesten, ohne dabei Aufmerksamkeit zu erregen.

»Sie haben Gefangene.«

»Mh«, mache Ben.

Izzy reichte dem grobschlächtigen Riesen das Fernglas und deutete auf die Stelle.

»Unter den Decken. Es sind zwei, vermutlich gefesselt. Ich glaube, sie wollen sie essen.«

»Vielleicht sollten wir uns ihnen anschließen …«

Izzy wusste nicht, ob Ben das ernst meinte, und sie wollte es auch gar nicht so genau wissen. Er dachte in vielen Dingen sehr viel pragmatischer als sie und hielt sich nicht lange mit unnützen ethischen Überlegungen auf. Vermutlich würde es ihm tatsächlich nicht viel ausmachen, Menschenfleisch zu essen, wenn der Magen knurrte und das Fleisch ohne viel Aufwand zu bekommen war. Izzy nahm sich vor, in den Nächten noch ein bisschen genauer darauf zu achten, dass immer eine Waffe in Griffweite war.

In Momenten wie diesen fragte sie die junge Ödland-Bewohnerin, ob Ben, ihr ebenso treuer wie strohdummer Begleiter, sich je darüber Gedanken machte, wie diese Welt früher ausgesehen hatte. Bevor …

… bevor alles anders geworden war.

Sie bezweifelte es. Die wenigsten Menschen schienen sich auch nur daran erinnern zu können, dass es je ein Vorher gegeben hatte. Irgendetwas schien ihr Gedächtnis komplett ausgelöscht zu haben. Für sie gab es nur das ewige Choquai.

Izzy hatte dagegen unzählige Bilder im Kopf, die von einer Welt erzählten, die ganz anders war als die, in der sie täglich um ihr Überleben kämpften. Doch je mehr sie sich darauf konzentrierte, desto mehr verblassten diese Erinnerungen. Um sich nachts wieder in ihren Träumen an sie heranzuschleichen und sie umso mehr zu quälen.

Wie viel glücklicher musste jemand wie Ben sein, der keinen Gedanken daran verschwendete, warum das Ödland, das Kuang-shis Goldene Stadt der Vampire umgab, aus einer endlosen Trümmerlandschaft bestand. Einst musste hier das blühende Leben geherrscht haben, doch Ben fragte sich nie, was hier geschehen war. Ihn interessierte nur, wo es etwas zu essen gab und wie er den blutgierigen Untoten entgehen konnte. Wenn es dann noch ab und zu etwas zu saufen oder zu vögeln gab, reichte das voll und ganz, um ihn glücklich zu machen.

Izzy wusste nicht, ob sie den rothaarigen Hünen für seine Dummheit verachten oder ihn beneiden sollte. Plötzlich schreckte sie auf, als sie aus den Augenwinkeln etwas in einer der Ruinen am Rande des Platzes bemerkte. Sofort richtete sie das Fernglas auf die Stelle.

Da war es wieder! Nur die vage Andeutung einer Bewegung. Kaum mehr als das kurze Erzittern eines Schattens. Und doch war das Zeichen eindeutig. Die zerlumpten Gestalten in dem Lager waren nicht allein. Irgendetwas schlich sich an sie heran. Kreiste sie ein, bereit zuzuschlagen.

»Sie haben Besuch«, murmelte Izzy und justierte die Schärfe an ihrem Fernglas. Der Mond tauchte die Trümmerlandschaft in ein fahles Licht, doch es war trotzdem zu dunkel, um viel zu erkennen.

»Jäger?«

Izzy hörte das leise Zittern in Bens Stimme. Sie konnte es ihm nicht verdenken. Jeder, der in dieser Welt länger als ein paar Tage überlebte, hatte mehr als einen Kampf auf Leben und Tod hinter sich. Doch die wenigsten hatte eine Begegnung mit den Bewohnern von Kuang-shis Vampirstadt bei ihren Ausflügen ins Ödland überlebt.

»Kann ich nicht sagen«, flüsterte sie. »Und jetzt halt die Klappe!«

»Vielleicht könntest du mir auch mal das Fernglas geben?«

»Wozu? Damit du das auch noch zerdepperst wie dein eigenes?«

»Das war ein Unfall!«

»Dein ganzes Leben ist ein Unfall, Ben. Und jetzt lass mich in Ruhe, ich muss wissen, was da draußen vor sich geht.«

»Ist ja schon gut«, maulte Ben. Beleidigt zog sich der Hüne ein paar Schritte zurück und kam dabei Dog zu nahe, der sofort nach ihm schnappte. Mit einem panischen Sprung entging Ben den scharfen Zähnen, die sonst vermutlich ein großes Stück aus seiner rechten Wade gerissen hätten.

»Du lockst noch die Toten an«, zischte Izzy. Dann bedachte sie Dog mit einem zärtlichen Blick. »Alles gut, Kleiner. Wenn er dir wieder zu nahe kommt, darfst du ihn töten!«

»Hey, hetz das Vieh nicht noch auf!«

»Wenn du noch einmal Vieh sagst, töte ich dich eigenhändig!«, fauchte die junge Ödland-Bewohnerin und schaute wieder durch ihr Fernglas.

Ben war Izzys Begleiter. Eine Notwendigkeit, weil es gut war, dass jemand Wache hielt, wenn man schlief oder mal ein menschliches Bedürfnis hatte. Und weil es einen davon abhielt, völlig irrezuwerden, wenn man ab und zu jemanden zum Reden hatte. Selbst wenn er so stumpf war wie Ben.

Doch Dog war Izzys einziger Freund. Der Pitbull-Terrier war der treueste Leibwächter, den man sich in dieser apokalyptischen Welt wünschen konnte, er redete nicht von morgens bis abends Unsinn und hatte nur eine irritierende Eigenschaft: Er war seit mehr als drei Monaten tot.

Das hinderte Dog nicht daran, ihr auf Schritt und Tritt zu folgen und jeden zu zerfleischen, der es wagte, sich ihr unerlaubt zu nähern. In dieser völlig aus den Fugen geratenen Welt war ein untoter Hund nur eine weitere Merkwürdigkeit.

Wenigstens brauchte sich Izzy um seine Nahrung keine Sorgen mehr zu machen. Und der Pitbull verweste auch nicht, das hätte seine Anhänglichkeit auf Dauer doch zu einer Belastung gemacht. Das einzig sichtbare Zeichen, dass Dog nicht mehr unter den Lebenden weilte, war ein riesiges Loch in seiner Brust, das das Projektil einer 45er Magnum hinterlassen hatte. Der Schütze hatte zu einer Bande marodierender Ödland-Bewohner gehört, die sie nachts überfallen hatte. Er hatte Dog um nicht mal eine Minute überlebt, und anders als der Pitbull war er danach nicht mehr aufgestanden.

Hinter Dogs zerschmetterten Rippen war deutlich das nicht mehr schlagende Herz zu erkennen. Es bestand nicht der geringste Zweifel daran, dass der Hund tot war, er hatte es offenbar nur noch nicht mitbekommen.

Izzy sah es von der praktischen Seite. Sie hatte einen treuen Gefährten, der sie aufrichtig liebte und noch nicht einmal ein paar Leckerbissen als Belohnung erwartete. Ein Esser weniger. Das war in dieser Welt viel wert.

»Was machen wir?«, fragte Ben.

Izzy starrte angestrengt durch das Fernglas, doch sie hatte keine weiteren Bewegungen rund um das Lager mehr bemerkt. Hatte der flackernde Schatten des Feuers sie getäuscht? Nein, da war es wieder, und jetzt konnte sie die Gestalt deutlich erkennen, die die ahnungslose Gruppe belauerte. Sie war in zerrissenes schwarzes Leder gekleidet und wirkte nicht weniger zerlumpt als die Nomaden im Camp.

Und doch unterschied sich diese Gestalt fundamental von den Menschen, auf deren Leben sie es abgesehen hatte. Die zur Fratze verzerrten Gesichtszüge und der stiere Blick verliehen ihr etwas Tierhaftes. Die Bewegungen waren von einer Geschwindigkeit und natürlichen Eleganz, die jedem kundigen Beobachter sofort verrieten, dass er es hier nicht mit einem der menschlichen Bewohner des Ödlandes zu tun hatte.

Und der Lederfreak war nicht allein. Izzy konnte eine weitere Gestalt sehen, die sich von der anderen Seite dem Feuer näherte. Sie trug nur noch unidentifizierbare Fetzen am Leib. Und da war ein dritter Mann – komplett nackt.

»Reißer, drei!«, flüsterte Izzy und korrigierte sich sofort: »Nein, mindestens sechs.«

»Verdammte Scheiße! Reißer, bist du sicher?«

Hatte Ben schon bei der Aussicht auf eine Begegnung mit den Jägern deutliche Nervosität gezeigt, so klang er jetzt regelrecht panisch.

Jeder im Ödland wusste, dass er sich vor den Jägern hüten musste, den Vampiren aus Kuang-shis Reich, die regelmäßig im Ödland auf die Jagd gingen. Sei es, um im Auftrag ihres Herrschers die Nahrungs- und Sklavenvorräte aufzufrischen. Sei es aus persönlichem Vergnügen, um ihren Jagdtrieb frei von den Beschränkungen der Zivilisation auszuleben.

Die Jäger waren schnell, effizient und tödlich. Aber sie waren auch berechenbar. Wer wusste, was ihr Ziel war, konnte ihnen leicht aus dem Weg gehen. Und ihre Ausflüge ins Ödland waren zeitlich immer sehr begrenzt. So schnell die Jäger kamen, so schnell waren sie auch wieder verschwunden.

Die Reißer waren etwas völlig anderes. Sie waren eine konstante Bedrohung. Diese Vampire waren ehemalige Bewohner der Ewigen Stadt, die aus irgendeinem Grund in Ungnade gefallen waren und jetzt wie die Menschen im Ödland ihr Dasein fristeten. Die meisten von ihnen waren völlig verwildert. Sie wurden Reißer genannt, weil sie ihre Beute regelrecht zerfetzten. Aber sie waren auch ziemlich dumm. Kein Vergleich zu den stets planvoll vorgehenden Jägern.

Offenbar hatte sich die Apokalypse auch auf die untoten Herren dieser Welt nicht nur positiv ausgewirkt. Einige Reißer waren so degeneriert, dass verglichen mit ihnen selbst Ben wie ein Nobelpreisträger wirkte. Izzy gefiel die Idee, obwohl sie nicht genau wusste, was ein Nobelpreisträger war. Musste ein weiteres Erinnerungsbruchstück aus ihrer Vergangenheit sein. Vielleicht war das der Grund, warum Kuang-shi sie nicht mehr in seiner Stadt haben wollte. Weil sie seinen Vorstellungen von der Reinheit und Überlegenheit seiner Vampirrasse Hohn sprachen.

»Also, was machen wir?«, jammerte Ben. »Sollen die Reißer doch über die Typen da unten herfallen. Wir schauen dann nachher, was sie an Vorräten und Waffen zurückgelassen haben. So hat jeder was davon. Außer die da unten natürlich.«

Izzy traf eine Entscheidung.

»Wir gehen runter.« Sie wusste, dass das gegen jede Vernunft war. Aber ihr Instinkt sagte, dass sie in dieses Camp musste. Und ihr Instinkt trog sie selten. »Ich will wissen, wer da unter diesen Decken ist.«

»Was?« Ben starrte sie verstört an. »Bist du irre?«

»Sicher bin ich das.« Izzy verstaute das Fernglas in ihrem Gürtel, richtete sich auf und zog ihr Schwert. Darüber hinaus steckten in ihrem Gürtel noch eine halb automatische Pistole mit Dum-Dum-Geschossen und ein handgeschnitzter Pflock. »Aber das wusstest du schließlich schon, als du dich mir angeschlossen hast.«

***

Es begann mit einem Schrei. Der sofort in einem erstickten Gurgeln endete, als die Reißer ihrem ersten Opfer die Kehle zerrissen. Die anderen Menschen griffen zu ihren Waffen, doch sie hatten keine Chance. Die verwilderten Vampire machten mit ihnen kurzen Prozess. Die fette Frau, die das Feuer beaufsichtigt hatte, versuchte zu fliehen. Der nackte Reißer sprang ihr in den Rücken und warf sie zu Boden. Die Fette winselte um ihr Leben, doch es war sinnlos. Der Reißer riss ihr mit einem Ruck den Kopf von Hals, hielt ihn sich über die weit aufgerissene Kehle und labte sich an dem Blut, das auf ihn herabtropfte.

Zwei Männern gelang es, einen Vampir mit Äxten von sich fernzuhalten und in Richtung des Feuers zu drängen. Einer von ihnen war der Stämmige, der den Gefangenen getreten hatte. Für einen kurzen Moment gaben sie sich der Hoffnung hin, den Überfall überleben zu können. Doch der Untote spielte nur mit ihnen. Es bereitete ihm offenbar Vergnügen, seiner Beute für einen Moment das Gefühl zu geben, die Oberhand zu gewinnen und ihn in die Defensive drängen zu können.

Als er genug davon hatte, sprang er zwischen die Männer, stieß ihnen die Hände in die Brust und riss ihre Herzen heraus. Ungläubig starrten die Ödland-Bewohner auf die noch pulsierenden Organe in den Händen des Vampirs. Dann sackten sie leblos zusammen.

Izzy hatte genug solcher Gemetzel überlebt, um einen kühlen Kopf zu bewahren. Während die Überfallenen jetzt jeden Widerstand aufgaben und in heilloser Panik zu fliehen versuchten, rannte sie im Schutz der zerfallenen Gebäude auf das Schlachtfeld zu.

Sie ignorierte die Schreie der Sterbenden. Für sie zählte nur eins: Je mehr sich die Reißer in ihren Blutrausch steigerten, desto weniger achteten sie auf ihre Umgebung. Das Blut wirkte auf sie wie eine Droge und ließ sie unvorsichtig werden.

Ein tödlicher Fehler. Doch sie hatten keine Zeit, ihn zu bereuen.

Izzy war unter ihnen, bevor die Reißer wussten, wie ihnen geschah. Im normalen Zweikampf hätte die Kriegerin gegen die Vampire keine Chance gehabt, doch die meisten von ihnen starben, bevor sie überhaupt realisierten, dass sie angegriffen wurden.

Es gab nur wenige Wege, wie man die Untoten umbringen konnte. Man musste ihnen einen Holzpflock durchs Herz treiben, ihnen den Kopf abschneiden oder sie gleich komplett verbrennen. Izzy ließ ihre Klinge wirbeln, trennte Köpfe und Gliedmaßen von Körpern, die ihrem an Stärke und Schnelligkeit eigentlich weit überlegen waren, und pfählte das, was zuckend am Boden übrigblieb, mit ihrem Pflock.

Als wäre er durch ein mentales Band mit ihr verbunden, wusste Dog genau, was er zu tun hatte. Wie ein Geschoss raste der untote Pitbull auf die Reißer zu und sprang ihnen an die Kehle. Eine wirkliche Gefahr für die Reißer war Izzys treuer Gefährte nicht, aber er sorgte oft für genau die Ablenkung, die sie brauchte, um einem Gegner den kalten Stahl in den Hals zu rammen.

Der Hund trug damit weit mehr zum Kampf bei als Ben. Der stumpfe Hüne hatte es irgendwie geschafft, sich mitten zwischen zwei Vampire zu manövrieren. Rasend vor Wut griffen die Untoten den Menschen an, der es gewagt hatte, ihr Festmahl zu stören. Sie umkreisten ihn lauernd und zischten Worte in einer seltsamen gutturalen Sprache, die sie vielleicht nicht einmal selbst verstanden.

Izzy sah, wie ihr Gefährte in Bedrängnis geriet, doch sie musste sich ihrer eigenen Haut wehren. Der Reißer in der zerrissenen Lederkluft hatte sich als zäher erwiesen als erwartet. Mit seinem massiven Gewicht presste er sie an eine verkohlte Hauswand und versuchte, seine gewaltigen Fangzähne in ihren Hals zu schlagen. Das Schwert, das Izzy ihm in den Bauch gerammt hatte, schien er ebenso wenig zu spüren wie den Pitbull, der sich in dem verzweifelten Versuch, sein Frauchen zu beschützen, im rechten Bein des Angreifers verbissen hatte.

Die Fänge des vor Blutdurst rasenden Vampirs waren nur noch Zentimeter von ihrem Hals entfernt. Der infernalische Gestank seines Atems raubte ihr fast die Sinne. Mit letzter Kraft drängte die Ödland-Bewohnerin den Untoten so weit zurück, dass sie mit ihrer rechten Hand an ihren Gürtel kam. Sie ließ das Schwert fallen und zog die Halbautomatik. Bevor der Vampir wusste, wie ihm geschah, schob sie ihm den Lauf der Pistole in den Mund und drückte ab.

Der Knall der unmittelbar neben ihrem rechten Ohr abgefeuerten Waffe zerriss Izzy fast das Trommelfell.

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