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Professor Zamorra - Folge 1047

Tötet Kuang Shi!

Von Andreas Balzer

»Wir haben es gefunden!«

Héctor neigte nicht zur Euphorie, doch jetzt hätte der Vampir am liebsten laut gejubelt.

»Bist du sicher?«, fragte Biao, einer seiner Begleiter.

Wortlos reichte Héctor dem anderen Vampir das unscheinbare Buch, das er aus einem Stapel gezogen und aufmerksam durchgeblättert hatte. Er tippte auf die Stelle, die er gerade gelesen hatte. »Das ist es, das ist der Schlüssel, nach dem wir die ganze Zeit gesucht haben!«

Sie befanden sich auf Bali, in der Hütte eines alten Zauberers, der schon vor Jahren gestorben war. Aus Respekt vor dem Verstorbenen hatten die Bewohner des kleinen Dorfes seine Behausung in dem Zustand belassen, in dem sie war, und seine Habseligkeiten nicht angerührt.

Schließlich konnten sie nicht ahnen, dass Mangku etwas besaß, das das Schicksal der Welt entscheiden konnte …

Choquai

»Ich muss ihn sprechen, sofort!«

Fu Long schreckte aus seinen düsteren Gedanken auf. Achtlos legte er die uralte Schriftrolle beiseite, die er gerade studiert hatte, und richtete seine ganz Aufmerksamkeit auf den spanischstämmigen Vampir, der ohne Rücksicht auf das Protokoll in das Arbeitszimmer des Herrschers von Choquai gestürmt war. Fu Longs treuer Haushofmeister Liang hastete hinter dem Eindringling in den schlicht möblierten Raum und ruderte aufgeregt mit den Armen.

»Vergebt mir, Herr, er ließ sich nicht aufhalten! Ich habe ihm mehr als deutlich …«

Fu Long bedeutete seinem Diener mit einer schlichten Geste, zu schweigen. »Schon gut, Liang. Ich denke, unser junger Freund Héctor hat einen guten Grund, um hier so hereinzupreschen. Ist es nicht so?«

»In der Tat, Herr!« Héctor näherte sich ohne falsche Scheu Fu Longs Arbeitssessel, beugte den Oberkörper und berührte mit den Knien und der Stirn für den Bruchteil einer Sekunde den Boden. Es war eine eher schludrige Version des Kotaus, den Liang fast jedes Mal formvollendet zelebrierte, wenn er den Raum betrat.

Fu Long sollte es recht sein. Dem chinesischen Vampir lag nicht viel an diesen überkommenen Demutsritualen. Aber viele seiner Kinder bestanden darauf. Es schien ihre Überzeugung zu festigen, dass Fu Long tatsächlich der Herrscher war, der Choquai, diese von ihm neu geschaffene Heimstatt der Vampire, vor allen Gefahren schützen würde.

Wenn ich mir da nur selbst so sicher wäre.

»Was hast du mir mitgebracht, Héctor?«

Der junge Vampir – es war gerade mal dreißig Jahre her, dass er von einem Mitglied der Familie in Los Angeles verwandelt worden war – gehörte zu den Agenten, die Fu Long in den letzten Monaten zur Erde geschickt hatte, um nach dem einen Dokument zu suchen, das sie alle retten konnte. Sollten sie wirklich fündig geworden sein? War der Untergang Choquais tatsächlich noch aufzuhalten? Hastig griff Héctor in die rechte Seitentasche seines maßgeschneiderten Jacketts und holte ein unscheinbares Büchlein hervor.

Fu Long spürte, wie ihm ein kalter Schauer die Wirbelsäule herunterlief. Eine zutiefst menschliche Reaktion, wie er irritiert feststellte, für einen Vampirherrscher eigentlich völlig unangemessen.

»Ist es tatsächlich das, was ich glaube?«

»Ja Herr, ich glaube, es ist der Schlüssel!«

»Gib es mir!«

Mit einer angedeuteten Verbeugung überreichte der Vampiragent dem Herrscher von Choquai den schmalen Band.

»Wir hatten ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet, ihn noch zu finden. Aber dann sind wir per Zufall auf die vergessene Bibliothek eines alten Zauberers namens Mangku auf Bali gestoßen. Er starb vor acht Jahren an Altersschwäche und niemand außerhalb seines Dorfes wusste, dass seine Sammlung höchst seltener magischer Schriften noch vollständig vorhanden war.«

Fu Long hörte kaum zu. Seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Buch mit den abgestoßenen Kanten in seinen Händen. Schnell öffnete der Vampir das Verschlussbändchen und schlug es auf. Der Inhalt wirkte auf den ersten Blick völlig chaotisch. Das Buch war das reinste Sammelsurium aus Zitaten, Formeln und magischen Symbolen, die Mangku im Laufe eines langen Lebens zusammengetragen und aufgeschrieben hatte. Hastig durchblätterte er die Seiten. Das Meiste war für ihn ohne Bedeutung. Doch dann stieß er einen unterdrückten Schrei aus.

Den Text, den er nun las, hatte Mangku offenbar einer sehr viel älteren Quelle entnommen. Er war in einem altertümlichen chinesischen Dialekt geschrieben, der seit weit über tausend Jahren nicht mehr verwendet wurde.

Angespannt nahm der Herrscher von Choquai die Worte in sich auf. Es war, als sprächen Geister aus einer anderen Welt zu ihm.

Der Schlüssel. Er hatte ihn gefunden. Er hatte selbst nicht mehr daran geglaubt, aber die monatelange Suche hatte tatsächlich Erfolg gehabt.

Von neuer Energie durchflutet, erhob sich der Herrscher von Choquai aus seinem Arbeitssessel. Er ließ das Büchlein in eine verdeckte Tasche in seiner weinroten Robe gleiten und eilte zur Tür.

»Ich werde eine Weile nicht da sein«, rief er seinem verblüfften Haushofmeister zu.

»Herr, mit Verlaub, darf ich fragen, wohin ihr Euch zu begeben geruht?«

»Ich muss auf die Erde, zu Professor Zamorra.«

Fu Long brannte darauf, seinem alten Freund die unglaubliche Nachricht zu überbringen.

Aber vorher hatte er noch etwas zu erledigen.

***

Nairobi, Hauptstadt von Kenia

Richard Devaine zündete sich eine weitere Marlboro an und starrte missmutig in sein Whiskeyglas. Er hatte schon eine Viertelflasche Jack Daniel’s geleert und fühlte sich noch nicht annähernd betrunken genug. Das anonyme Hotelzimmer, in dem er sich weitab der luxuriösen Touristen-Bunker eingemietet hatte, besaß noch viel zu feste Konturen.

Morgen hatte er eine wichtige Verabredung in Kibera, dem gigantischen Slum im Südwesten der kenianischen Hauptstadt, den die meisten ausländischen Besucher allerhöchstens aus der Luft zu sehen bekamen. Doch bis dahin musste er seine inneren Dämonen einlullen, die immer dann aus ihren Verstecken hervorkrochen, wenn er mit sich alleine war. Was zurzeit eigentlich der Normalzustand war.

Devaine trank. Schüttete nach. Und trank wieder.

Wenn du so weitermachst, nimmst du deinen Feinden nur die Arbeit ab. Du wärst nicht der Erste, der im Dienste der guten Sache am Suff verreckt.

Im Dienst der guten Sache? Beinahe hätte Devaine über den Gedanken laut gelacht. Sicher, er arbeitete immer noch im Weltrettungs-Business. Aber dabei hatte er Dinge getan, die moralisch mehr als nur ein bisschen fragwürdig waren. Für eine Zeit lang hatte es so ausgesehen, als hätte er doch noch einen Weg gefunden, um seinen Seelenfrieden zu retten. Als er sich von der CIA und seinem skrupellosen Chef und Mentor William »Iron Will« Cummings losgesagt und sich mit Professor Zamorra verbündet hatte. Doch dann hatte die Apokalypse dazwischengefunkt und ihn vor eine Entscheidung gestellt, bei der er nur verlieren konnte.

Ein Unsterblicher musste sterben. Nur so konnte LUZIFER daran gehindert werden, die Wiedergeburt der Hölle auf der Erde stattfinden zu lassen. Zamorra war bereit gewesen, sich zu opfern. Doch der Dämonenjäger wurde noch gebraucht. Sein Tod wäre für die fortan schutzlose Menschheit eine Katastrophe gewesen. Devaine hatte kühl alle Möglichkeiten durchgerechnet – und dann Uschi Peters in das legendäre Drachenschwert Ryffnoryl gestoßen.

Der Ex-Agent hatte gewusst, dass er durch diese Tat endgültig zum Ausgestoßenen werden würde. Damit hätte er vermutlich besser leben können, wenn seine Aktion nicht völlig sinnlos gewesen wäre. Denn Zamorra hatte keineswegs vor, wirklich zu sterben. Es gab einen Notfallplan. Doch den hatten Zamorra und Nicole Duval ihm nicht verraten. Sie hatten ihm nicht vertraut.

Woher das wohl kommt.

Neben dem überquellenden Aschenbecher lag für alle Fälle die entsicherte SIG Sauer. Man konnte nie wissen. Devaine drückte die halb gerauchte Zigarette aus. Vielleicht sollte er versuchen, etwas zu schlafen. Morgen würde ein anstrengender Tag werden. Richard Devaine besaß noch Kontakte in der ganzen Welt, und die versorgten ihn weiter mit Informationen über geheimnisvolle Phänomene, die der Menschheit gefährlich werden konnten.

Seit einiger Zeit gab es beunruhigende Nachrichten aus Nairobi. Offenbar benutzten dunkle Mächte die furchtbare Armut aus, um eine Schattenarmee zu rekrutieren. Wer sich ihr anschloss, dessen Familie wurde gut versorgt. Viele, die nichts zu verlieren hatten, waren bereit, darauf einzugehen. Devaine wusste nicht, wer dahintersteckte. Aber er vermutete, dass es ein reicher Möchtegerndiktator war, der mittels Magie einen Umsturz plante.

Aber die Suppe kann ich dir vielleicht versalzen.

Devaine griff zur Flasche, um das wieder fast leere Glas großzügig aufzufüllen – und war plötzlich nicht mehr allein im Raum.

Der Amerikaner fuhr zurück, als die Gestalt unmittelbar vor dem kleinen Tisch auftauchte, und wäre beinahe mitsamt dem billigen Kunstledersessel umgekippt. Fluchend sprang er auf und griff nach der SIG Sauer.

»Das wird nicht nötig sein«, sagte Fu Long.

»Heilige Scheiße, kannst du nicht anklopfen wie andere Menschen auch?«

»Ich bin kein Mensch«, erwiderte der Herrscher von Choquai gelassen.

Dann packte er Devaines linken Arm und nahm den Ex-Agenten mit in den Teleport.

***

Hongkong

Chin-Li wusste nicht, wie viele Stunden ihres Lebens sie in Lagerhäusern verbracht hatte, versteckt zwischen riesigen Containern, um eine weitere Bande zu erledigen, die dumm genug war, um sich mit den Neun Drachen anzulegen. Es mussten zusammengenommen Wochen oder gar Monate sein.

Hongkong war einer der wichtigsten Warenumschlagplätze der Welt. Das galt auch für illegale Waren. Wer mit Drogen, Waffen oder Menschen handelte, nutzte die riesigen Lagerflächen des Victoria Harbour gerne als Zwischenstation. Früher war das unter der Oberaufsicht der Neun Drachen geschehen, doch immer wieder hatten wagemutige Kleinkriminelle versucht, auf eigene Faust Geschäfte zu machen.

Ihr Fehler.

Doch das hatten sie erst gemerkt, als sie sich Chin-Li gegenübersahen, der unerbittlichen Attentäterin des Ordens. Doch das war lange her. Die Kriegerin hatte dem Töten vor vielen Jahren abgeschworen, und nicht zuletzt unter ihrem Einfluss hatten die Neun Drachen ihre Geschäfte inzwischen weitgehend legalisiert, um wieder ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen: Hongkong vor übernatürlichen Gefahren zu schützen.

Dadurch war ein Vakuum entstanden, und immer wieder drängten neue Banden auf den Markt, um die Lücke zu füllen. Sie hörten nicht auf die Gerüchte, dass die Neun Drachen ihr Territorium immer noch streng kontrollierten und lachten über die, die ihnen mit zitternder Stimme versicherten, dass Chin-Li, selbst wenn sie nicht mehr tötete, gefährlicher und effizienter war als ein ganzes Killerkommando.

Dumm. Sehr dumm.

Die Männer, die vor Chin-Lis Augen die eingeschmuggelte Fracht überprüften, hatten von der legendären Rächerin der Neun Drachen möglicherweise noch nie etwas gehört. Sie waren Malaien und hatten bei einem aufstrebenden Crimelord namens Shing angeheuert, der seit einiger Zeit die Stadt mit billigen Maschinenpistolen und Sturmgewehren überschwemmte.

Das musste aufhören.

Chin-Li zog ihre Beretta. Sie lag dicht an den Boden gepresst auf dem Container, vor dem die Schmuggler die Ware begutachteten. Keiner dieser Vollprofis hielt es für nötig, die Umgebung im Auge zu behalten. Sie hatten gerade mal eine Wache abgestellt, und die lungerte gelangweilt am Eingang rum und achtete nicht auf das, was in der Halle vor sich ging.

Lautlos erhob sich die Kriegerin und nahm Anlauf. Als sie die Vorderseite des Containers erreicht hatte, stieß sie sich mit einem wilden Kampfschrei ab, machte einen Salto, der nahtlos in eine Drehung um die Längsachse überging, und landete katzengleich inmitten der erstarrten Gangster.

Direkt vor ihr stand ein vollbärtiger, wüst tätowierter Schmuggler im Unterhemd, dem vor Schreck die Zigarette aus dem Mund fiel. Die Kriegerin riss ihm mit dem rechten Bein die Füße weg, während sie die Beretta auf die Wache am Eingang richtete und feuerte. Brüllend vor Schmerz ließ der Mann die MP fallen, als ihm die Kugel die Schusshand zerschmetterte. Sofort wandte Chin-Li ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem ersten Gegner zu und rammte dem unsanft auf dem Hosenboden gelandeten Tätowierten den rechten Stiefel in die Brust. Rippen brachen mit einem trockenen Knacken.

Jetzt endlich lösten sich die anderen Schmuggler aus ihrer Schockstarre und zogen ihre Waffen. Chin-Li ließ ihre Beretta im Gürtelholster ihres schwarzen Kampfanzuges verschwinden. Ihre Gegner waren zu fünft. Dafür brauchte sie keine Pistole.

»Ich habe von dir gehört«, stieß einer der Männer hervor, ein kleiner, gedrungener Kerl, der dringend eine Zahnbehandlung brauchte. In der Hand hielt er eine geschmuggelte Mini-Uzi-Imitation, die er gerade inspiziert hatte. »Du bist die, vor der alle Angst haben.«

Also machten die Gerüchte über sie auch bei den Neulingen in der Szene die Runde. Gut! Angst war bei dem, was sie tat, ein wichtiger Faktor.

»Ich hab noch nie Manschetten vor einer Frau gehabt«, sagte der Typ, klang aber deutlich verunsichert. »Und daran wird sich auch nichts ändern.«

Er hob die kompakte Maschinenpistole und richtete sie auf Chin-Lis Brust. Die Chinesin wollte ihn gerade ausschalten, als sich aus dem Nichts Fu Long rechts neben ihr materialisierte. An seinem linken Arm hielt er Richard Devaine, der kaum weniger verwirrt wirkte als die Gangster, die jetzt regelrecht in Panik ausbrachen.

Der Typ mit den schlechten Zähnen schrie auf und feuerte, doch er war zu langsam. Chin-Li war längst nicht mehr da, wo er sie vermutete. Die Kriegerin tauchte unter dem Lauf weg und legte den Mann mit einem gezielten Schlag gegen die Halsschlagader schlafen.

»Chin-Li, vielleicht könntest du …«, sagte Fu Long.

»Es ist gerade etwas ungünstig«, zischte die junge Chinesin. Mit einem brutalen Faustschlag zertrümmerte sie einem Schmuggler das rechte Schlüsselbein, bevor er sein Messer in ihren Bauch rammen konnte. »Ich bin beschäftigt!«

»Wir haben keine Zeit für so etwas«, erwiderte der Vampir lapidar. Er hob die rechte Hand und zog mit ihr einen Halbkreis. Sofort sackten die übrig gebliebenen Angreifer in sich zusammen.

»Sind sie tot?«, fragte Devaine. Der Amerikaner roch, als sei ein Tabak- und Spirituosenladen explodiert, wirkte dafür aber erstaunlich nüchtern.

Fu Long gestattete sich ein schmales Lächeln. »Sie schlafen nur, aber ihre Träume werden wenig angenehm sein. Wenn sie wieder aufwachen, dürften sie wenig Lust verspüren auf eine Revanche.«

Chin-Li nickte. Einen Kampf auf diese Weise zu beenden, kam ihr wie Betrug vor. Doch sie würde Fu Long nie vergessen, dass er sie gerettet hatte, als die Sphäre in Kolumbien sie in eine Kriegerin des Bösen verwandelt hatte. Was immer der Herrscher von Choquai von ihr wollte, hatte Vorrang.

»Was kann ich für dich tun?«

»Das besprechen wir besser in der großen Runde«, sagte Fu Long. Er ergriff ihre Hand und das Lagerhaus um sie herum verschwand von einer Sekunde auf die andere.

***

Frankreich, Château Montagne

»Ich will, dass er von hier verschwindet!«

»Nici, vielleicht sollten wir ihm erst einmal zuhören«, sagte Professor Zamorra, doch er hatte keine Chance. Wenn Nicole Duval in dieser Stimmung war, konnte nichts und niemand sie besänftigen.

»Nichts Nici!«, fauchte Zamorras Gefährtin. Goldene Punkte tanzten in ihren Pupillen, wie immer, wenn sie aufgebracht war. Mit dem rechten Zeigefinger stieß die schöne Dämonenjägerin in Richtung des hageren Amerikaners, der ihr gegenüber am Konferenztisch Platz genommen hatte, als wollte sie ihn damit durchbohren. »Dieser Mann hat Uschi Peters umgebracht, unsere Freundin, die hier jahrelang ein und aus gegangen ist. Er hat hier nichts zu suchen!«

»Wenn es dich beruhigt, Nicole, es war nicht meine Idee, hierherzukommen«, sagte Richard Devaine ruhig. »Ganz bestimmt nicht. Aber unser gemeinsamer Blut schlürfender Freund hier hat darauf bestanden!«

»Ich trinke schon seit vielen Jahren kein Blut mehr«, sagte Fu Long. Der chinesische Vampir hatte wie selbstverständlich am Kopf des Tisches Platz genommen und wartete darauf, dass die anderen im Raum endlich zur Ruhe kamen. »Ansonsten stimmt es, ich habe Richard gebeten mitzukommen.«

»Gebeten? Du bist aus dem Nichts in meinem Hotelzimmer aufgetaucht, hast mich am Schlafittchen gepackt und mich mit in deinen komischen Teleport genommen. Und ehe ich mich versehe, sitze ich unserer bezaubernden Mademoiselle Duval gegenüber, die mich am liebsten allen Höllenhunden zum Fraß vorwerfen würde.«

»Wie auch immer!« Der Herrscher von Choquai wischte Devaines Einwand mit einer ungeduldigen Handbewegung beiseite. »Wichtig ist, dass wir alle zusammen sind. Wir haben Wichtiges zu besprechen.«

»Nicht mit ihm!«

»Doch, auch mit ihm, Nicole. Mit euch allen!«

»Sollten wir nicht vielleicht erst einmal hören, worum es überhaupt geht?«, fragte Zamorra. »Dann können wir immer noch entscheiden, ob wir unseren Freund Dick hier in kleine Stücke schneiden und über die Burgmauern werfen oder uns der guten Sache zuliebe vorübergehend mit ihm verbünden. Wäre ja nicht das erste Mal.«

Nicole funkelte ihren Gefährten wütend an, während Fu Long einen gequälten Seufzer ausstieß. »Die Stimme der Vernunft, endlich!«

Die Einzige am Tisch, die noch gar nichts gesagt hatte, war Chin-Li. Die chinesische Kriegerin hatte den Streitereien mit regloser Miene zugehört. Jetzt sagte sie sehr entschieden: »Ich will auch wissen, was Fu Long zu sagen hat!«

»Macht doch, was ihr wollt«, zischte Nicole. »Aber ohne mich!«

Die schöne Dämonenjägerin wollte gerade wutschnaubend den Raum verlassen, als sich der Herrscher von Choquai erhob.

»Bleib!«, sagte Fu Long. »Ich brauche euch alle. Jedem von euch kommt eine wichtige Aufgabe zu. Denn wir werden Kuang-shi töten.«

***

Zamorra war der Erste, der seine Fassung wiedergewann.

»Wir werden was …?«, fragte der Dämonenjäger. »Ich dachte, das sei absolut unmöglich!«

»Das dachte ich auch«, bestätigte Fu Long. »Offenbar war ich im Irrtum.«

»Du warst im Irrtum? Der unfehlbare Herrscher von Choquai? Ein Wunder ist geschehen! Lasst uns eine Flasche Champagner öffnen … oder meinetwegen Blutwein«, sagte Nicole sarkastisch. Doch trotz ihrer demonstrativ zur Schau gestellten Flapsigkeit hatte Fu Longs Enthüllung die gewünschte Wirkung auf die schöne Französin. Sie ließ sich auf einen freien Stuhl sinken und hatte Devaines Anwesenheit offenbar völlig vergessen.

Auch Fu Long nahm wieder Platz.

»Den alten Überlieferungen zufolge ist es tatsächlich unmöglich, einen Götterdämon zu töten. Er kann selbst von seinen mächtigsten Gegnern nur in den tiefen Schlaf versetzt werden. Das haben wir getan, als wir das historische Choquai vernichtet haben – offenbar war es nicht genug!«

»Ganz offensichtlich«, erwiderte Devaine. »Der alte Säbelzahn hat ein kleines Nickerchen gemacht und sich dann bei der erstbesten Gelegenheit verdünnisiert.«

»Hast du inzwischen irgendeinen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort gefunden?«, wollte Zamorra wissen.

Fu Long schüttelte den Kopf. »Meine Agenten suchen auf der ganzen Erde nach ihm, aber bisher gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf, dass er überhaupt in eure Welt zurückgekehrt ist. Dimensionsgrenzen bedeuten für einen Götterdämon nichts. Er kann sich genauso gut in einer anderen Welt – oder sogar zwischen den Dimensionen – aufhalten und von dort aus seinen großen Plan weiterverfolgen.«

»Choquai ...

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