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Professor Zamorra - Folge 1015

Jagd auf Baba Yaga

von Thilo Schwichtenberg

»Überraschung!«, grinste Teri Rheken, die gerade per Zeitlosem Sprung angekommen war und sogleich ihre magischen Hüllen fallen ließ.

Vor ihr, auf einer ansehnlichen Schlafstatt, lag ein unbekleideter alter, aber dennoch drahtig wirkender, weißhaariger und vollbärtiger Mann. In seinen Augen loderte das Feuer der ewigen Jugend.

»Wo hast du denn den Wein gelassen?«, fragte der Herr von Caermardhin leicht erstaunt.

Den Wein? In Teri läuteten die Alarmglocken.

Weg! Sie musste sofort weg!

Zu spät! Vor ihnen materialisierte eine weitere Teri Rheken, mit dem Rücken zu ihnen und mit einer Weinflasche in der Hand.

Übergangslos ließ sich Teri in den Zeitlosen Sprung fallen.

»Das musst du mir erklären!«, verhallte Merlins Ruf in der aufkommenden Wirrnis ihrer Gedanken …

Sibirien!

Schlafendes Land, so nannten es bereits die Tataren. Sibirien, das war Kälte, Permafrost und Starre.

Starre? Nein! ER hatte ihnen einen Auftrag erteilt.

Sie waren frei! Endlich! Sie konnten sich bewegen! Von Norden nach Süden. Nicht auf, nein, durch das Eis hindurch! Ein Schaben, Klirren, Bersten erklang, als sie aufbrachen – Risse bildeten sich, Eisstückchen platzten ab, wo auch immer sie entlang schossen. Sie flogen hintereinander, nebeneinander, übereinander. Helle Schemen im ewigen Eis.

Es klirrte schrill, es sirrte und sauste, es kratzte und splitterte. Sie sangen und jaulten, ließen die Frostkristalle ineinandergreifen und rotieren. Durchdringend und grell erklang die Melodie der Kälte. Sie waren in ihrem Element, rutschten um die Wette, fraßen, heulten.

Jungen Polarfüchsen gleich, tobten sie, tollten übermütig und ausgelassen.

Doch jede Unbeschwertheit hat ein Ende. Ihre Mission begann. Lautlos und geordnet, in Formation, glitten sie durch den Permafrost gen Süden. Sie hatten einen Auftrag bekommen. Den galt es zu erfüllen.

Die Jagd hatte begonnen.

Die Jagd auf Baba Yaga!

***

Republik Sacha (Jakutien),
Kysyl-Syr an der Lena
ca. 60 km nördlich von Jakutsk

»Nein! Ich betrete dieses Haus nicht wieder!«

Die kräftige Frau sah Artjom mit unbewegtem Gesicht an, und ihm fiel zum ersten Mal seit langer Zeit ihr Alter wieder ein. Vor drei Monaten war sie fünfundfünfzig geworden. Ihre Tränensäcke schienen ihm größer als sonst, die hohen Wangenknochen traten stärker hervor. Trotz ihrer Größe stand Katarina leicht gebeugt vor ihm, so, als wenn eine Zentnerlast auf ihren Schultern ruhte.

»Katarina! Jetzt hast Du es bis hierher geschafft. Nun geh bitte auch den letzten Schritt.« Artjom hoffte sehr, dass an diesem Sonntag, spätestens am Abend, die Welt endlich wieder in Ordnung sein würde. Heute, ein halbes Jahr nach diesem elenden Streit, musste es passieren, oder wohl gar nicht mehr.

»Er ist für mich gestorben! Es ist kein Platz mehr für ihn in meinem Herzen.«

Artjom schüttelte der Kopf. »Denk an seine Frau. Sie ist deine Freundin. Bedeutet sie dir denn gar nichts mehr?« Er öffnete die Haustür und betrat den dunklen Flur. Es roch muffig und abgestanden. »Lass die Kälte draußen und komm hier rein«, sagte er leise.

»Nein.«

Er ignorierte ihre Antwort und zog sie herein.

Sie ließ es widerwillig geschehen.

Sie zogen ihre dicken Jacken aus, hängten die Fellmützen an den Haken und stellten die Stiefel ins kleine Holzregal.

Katarina richtete ihre kurzen rotblonden Haare und blieb stehen. Sie erschien Artjom einmal mehr wie eine der berühmten Lena-Säulen aus Kalkstein, die beim Sonnenuntergang so herrlich rot aufglommen. Und sie waren auch so verwittert wie Katarina. Wenn auch nur leicht.

Artjom ließ ihr Zeit. Er überdachte noch einmal den bisherigen Tag.

***

Namcy,
ca. 25 km nördlich von Kysyl-Syr

»Nein! Wie kann ich es dir nur begreiflich machen? Ich fahre nicht mit! Für mich ist er gestorben!«

Katarina nahm die beiden Messer und die Holzbrettchen vom Küchentisch und warf sie in die Spüle.

Artjom seufzte.

Seine Frau weigerte sich noch immer, mit ihm über den Streit mit ihrem Bruder zu sprechen. Den ganzen Winter hindurch hatte sie das getan. Sechs lange Monate! Sie konnte so stur sein, manchmal erschien sie regelrecht abweisend. Wie die berühmten Lena-Säulen. Aufgereiht, zum erhabenen Spalier, standen die Kalksäulen auf einer Länge von achtzig Kilometern entlang des neuntgrößten Stromes der Erde: Ehrfurcht einflößend, mächtig, wie ein Bollwerk. Seit er sie zum ersten Mal gesehen hatte, damals auf dem Motorschiff, musste Artjom zu ihnen nach oben sehen und fühlte sich jedes Mal geerdet, wenn er sie betrachtete. Sie bewiesen ihm, dass der Mensch nur ein winziges Rädchen im Getriebe der Natur war, kein überlegener Gegner, mochte er auch glauben und verändern, was er wollte.

Im Abendrot glommen die Felsen in den herrlichsten Rottönen; dann zeigten sie ihr wahres Gesicht, schienen weich, fast gülden. Sie waren nicht mehr das kalte Spalier, sie zeigten Herz.

So ging es Artjom auch mit seiner Katarina. Als sie sich kennenlernten, hatte er sich anhören müssen, sie sei steif und kühl, doch er hatte sich von ihr nicht täuschen lassen. Er wusste es besser: Sie war fürsorglich, besaß ein großes Herz, konnte zuhören und verschwendete selbst doch kein überflüssiges Wort. Artjom war von Anfang an von ihr fasziniert gewesen. Sicher, im Dorf gab es natürlich gleich das Getuschel, der kleine Artjom und die wuchtige Lena-Säule. Egal! Er mochte eben große stattliche Frauen und sie kleinere schmächtige Männer.

»Wir fahren jetzt!«, hatte Artjom endlich die Entscheidung getroffen und den Autoschlüssel aus der Blechdose herausgekramt. »Ich hab dich doch tagein tagaus erlebt, wie du gelitten hast. Ausgezehrt siehst du aus und gelacht hast du auch schon lange nicht mehr.«

Er verstand seine Frau. Ja. Er verstand aber auch seinen Schwager. Herrje, wer sprang denn schon gern über seinen eigenen Schatten? Wer hätte denn jemals gedacht, dass sich zwei über fünfzigjährige Geschwister, die sich liebten und reichlich Lebenserfahrung besaßen, so zerstreiten konnten? Noch dazu wegen einer Nichtigkeit! Zumindest hielt Artjom den Anlass für den Streit zwischen Katarina und ihrem Bruder für eine Nichtigkeit.

»Natürlich habe ich gelacht.« Katarina wischte mit dem feuchten Lappen energisch den Tisch sauber. »Erst gestern, als das Thermometer zum ersten Mal in diesem Jahr über zwanzig Grad Minus geklettert ist. Ich habe mich gefreut, dass in gut zwei Monaten endlich der Frühling Einzug hält und bei dem Gedanken gelacht, ob der Sommer dieses Jahr wohl auf ein Wochenende fällt.«

»Das war ein bitteres Lachen.« Artjom ließ nicht locker. Die steigenden Temperaturen gaben ihnen erstmals die Möglichkeit zu handeln. Das wusste Katarina. Bei Temperaturen zwischen vierzig bis sechzig Grad unter null waren die wenigsten Menschen wirklich mobil. Aber nun bestand die Möglichkeit einer Aussprache. Und bevor sie noch weiter dahinsiechte, hatte er sogleich gehandelt.

»Das war kein bitteres Lachen. Manchmal … kann ich meine Freude eben nicht richtig zeigen. Das weißt du doch.« Sie sah ihn nicht an, nahm die Tischdecke und breitete sie über dem abgeräumten Küchentisch aus.

Er lächelte. Nicht ansehen bedeutete Schuldeingeständnis. So ganz langsam taute sie auf. Fünfunddreißig gemeinsame Jahre – gab es da noch Geheimnisse oder unerwartete Wendungen? Sicher, stur war sie schon immer gewesen. Das mochte er ja so an ihr. Für ihn war es eine Art Lebensritual, sie mit seinen Argumenten immer wieder aufs Neue zu überzeugen. Andererseits, mit ihrem Bruder hatte sie sich nun wirklich entzweit. Sie hatte diese Verbindung regelrecht zerbrochen. Diese Seite hatte er von ihr noch nicht gekannt.

Ob sie sich auch einmal streiten würden? Und dann? Würde sie ihn nie mehr ansehen? Würden seine Argumente an ihr abprallen? Würde sie zur kalten Säule? Nein, das Nachdenken darüber brachte jetzt nichts. Jetzt musste erst einmal dieses Problem beseitigt werden. »Katarina, mein Engel! Es kann so nicht weitergehen. Wir fahren jetzt zu deinem Bruder. Wir überraschen ihn. Du bist die Ältere, die Vernünftige. Unternimm du den ersten Schritt, du liebst ihn doch! Sprecht euch aus.«

»Nein! Ich werde nicht nachgeben. Er hat angefangen.« Sie war in den Flur gelaufen, hatte wütend die dicke Filzjacke vom Haken genommen und sie draußen, auf dem Hof, in der Eiseskälte ausgeschüttelt.

Unterdessen hatte sich Artjom angezogen und nach dem Lada gesehen. Das Auto war einfach unverwüstlich. Ein roter Lada 1300, Baujahr 1978. Die Kotflügel waren bereits arg vom Rost zerfressen, aber noch immer fuhr dieser Wagen seine Besitzer, wohin sie wollten. Vorausgesetzt, das Wetter ließ es zu.

Er stellte ein Blech mit glühenden Kohlen unter die Ölwanne, ließ alles langsam auftauen. Ein wenig später ging er wieder hinaus, montierte die Reifen wieder ans Auto und füllte dann die Kühlflüssigkeit ein. Dann beugte er sich zum Lenkrad, steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn herum. Beim dritten Anlauf röhrte das Gefährt auf und sprang an. Artjom nahm das Kohlenblech weg und bockte das Fahrzeug ab.

Katarina stand dick eingemummelt vor ihm.

Er lief um den Wagen herum und öffnete die Beifahrertür.

»Nein.«

Artjom seufzte.

Sein Lena-Säulchen! Was musste nur alles in ihr vorgehen? Besonders nachts, wenn sie sich voller Unruhe im Schlaf drehte und dabei Fjodors Namen stöhnte. Bitterkeit, Enttäuschung und Sehnsucht nach Harmonie schwangen darin mit. Stolz und Kränkung auch. Aber niemals Wut oder gar Hass.

Er stupste sie leicht an. »Du sagst immer ›Nein‹ und meinst doch ›Ja‹. Jetzt quäl dich nicht so und steig ein.«

Widerwillig stieg sie ein und verschränkte die Arme vor der Brust.

Sie fuhren los. Der Lada röhrte zwar wie ein Panzer, aber er war auch genauso zuverlässig.

Unterwegs hatte Artjom Katarina gefragt, ob sie sich einen Gesprächsbeginn überlegt hätte.

Missmutig schüttelte sie ihren Kopf. Aber ihre Kiefer mahlten, bis sie vor der einstöckigen, holzverschalten Hausbaracke des Bruders standen.

Und jetzt befanden sie sich noch immer in seinem Flur.

»Also. Bist du soweit?« Artjom sah seiner Frau in die Augen.

»Nein.« Ihre Kieferknochen bewegten sich nicht mehr.

Er grinste, weil er es besser wusste. »Ich wünsche euch eine Versöhnung von ganzem Herzen.«

Bevor sie antworten konnte, stupste er sie mit der linken Hand leicht an, drückte mit der rechten die Klinke nach unten und zog seine Frau ins Wohnzimmer. Dort saß eine Mittfünfzigerin in bunter Strickjacke und Schal am großen Tisch und stopfte Socken. Überrascht sah sie auf.

»Herrje!«, entfuhr es Anna Egorowna, Fjodor Jakowlewitschs Frau. Sie ließ Nadel und Socken fallen und schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen. »Das ist aber eine Freude! Katarina, Artjom!« Sie fasste sich unter die linke Brust. Dann stützte sie sich mit beiden Händen am Tisch ab und erhob sich.

»Ihr seid gekommen! Der Himmel schickt euch!« Sie wischte sich die Tränen von der Wange. »Jetzt wird alles wieder gut!« Sie umarmte Katarina, merkte gar nicht, wie die sich erst versteifte und dann auch ihre Hände um Anna schlang. »Er war ja auch kein Mensch mehr. Artjom!«

Anna drückte den Schwager. »Das haben wir bestimmt dir zu verdanken!« Sie sah ihn lächelnd an.

»Wo ist denn Fjodor?«, fragte er.

»Oh, er ist in der Küche. Heute gibt es Fischsuppe! Die Zubereitung lässt er sich ja nicht aus der Hand nehmen.«

»Fjodor und Fischsuppe?« Artjom stockte. »Die bereitet er doch nur zu feierlichen Anlässen zu?«

»Hast recht. Hast recht«, grübelte Anna. »Kommt, setzt euch! Ach Herrje!«

Erneut schlug sie die Hände vor dem Gesicht zusammen. »Was passiert, wenn er euch hier sieht? Wie fangen wir die Versöhnung an? Moment!«

Sie sah zu Katarina, dann zu Artjom. »Wir wollen uns doch alle versöhnen?«

»Nein!«, sagte Katarina.

»Ja!«, sagte Artjom.

»Tja«, sagte Anna und Fjodor betrat das Wohnzimmer. Der große rothaarige und rotbärtige Mann mit der blau geäderten Nase und den riesigen Pranken sah Artjom in die Augen, dann drehte er sich wortlos um und verschwand wieder in der Küche.

»Und nun?«, fragte Anna.

»Wir fahren«, sagte Katarina.

»Wir bleiben«, bestimmte Artjom und sah zu seiner Frau hinauf. Dann setzte er sich, stützte seine Stirn auf die linke Hand und schüttelte den Kopf. Manchmal wünschte er sich, diese starre, sture Lena-Säule einfach umzuschubsen.

Fjodor betrat erneut das Wohnzimmer. Diesmal mit einer großen Suppenterrine.

Anna räumte schnell den Tisch ab, stellte das große Holzbrettchen in die Mitte, sodass Fjodor die Schüssel abstellen konnte. Dann holte sie aus dem Wohnzimmerschrank das gute Geschirr hervor, stellte vier tiefe Teller auf den Tisch und legte die Löffel hinein.

Fjodor setzte sich und sah zu Boden.

Katarina blieb stehen und sah zur Flurtür.

Anna sah Artjom hilflos an.

Der sah in die Suppenschüssel und stutzte. »Seht ihr das?«, fragte er und beugte sich näher an die Terrine heran.

Anna tat es ihm gleich. »Jesus!« Sie bekreuzigte sich. »Was, was ist das?«

In der Suppenschüssel bildeten sich Kreise. So, als wenn jemand gegen die Schüssel stoßen würde. Aber das tat keiner.

Die Geschwister zeigten keine Regung. Erst, als die Löffel in den Tellern rhythmisch zu tanzen begannen, sahen sie auf.

Dann krachte und knirschte es plötzlich, so, als wenn ein Haus in unmittelbarer Nähe bersten würde.

Und dann, waren da plötzlich weiß glitzernde Schemen, die aus dem Boden schossen, sich im Wohnzimmer verteilten und langsam auf die vier Menschen zuschwebten!

***

Frankreich, Château Montagne

Professor Zamorra deMontagne ließ seinen Kaffeebecher schwebend über der Tastatur verharren. Wenn er jetzt die Augen schloss, wenn er sich jetzt nicht zusammennahm – dann würde dieser verflixte Computer schwer zu leiden haben!

Verdammt! Die ganze Datei! Futsch! Und nur, weil er zwischendurch nicht gespeichert hatte. Er hatte nur noch diesen und jenen Satz an- und einfügen wollen. Den Gedanken festhalten und den nächsten auch. Die Gedanken kamen einfach schneller, als er schreiben konnte! Und dann hier tippen und da klicken und klack – weg war die Datei! Fort!

Einfach so im Nirwana verschwunden. Kein Weltentor würde die je wieder zurückbringen!

Er griff nach der Tasse und schloss die Augen. Dann trank er.

Und schüttelte sich. Kalter Kaffee war schrecklich.

Rund zwanzig Seiten über LUZIFER und die Hölle mussten es gewesen sein, die er sich regelrecht von der Seele geschrieben hatte. Es war schon eine kleine Weile vergangen, seit er Zeit gehabt hatte, sein Archiv zu pflegen. Besonders die Ereignisse rund um die Neuentstehung der Hölle mussten aufgeschrieben werden. Es war so viel geschehen – und nur das Aufschreiben, das wusste er, würde etwas Linie in das Chaos bringen.

Zamorra empfand das Schreiben in diesen Momenten gar als Therapie. Immer noch musste der Tod von Uschi Peters und Robert Tendyke verarbeitet werden, die Ereignisse um Rhett Saris ap Llewellyn und Fooly, Dylan McMour, Stygia, Asmodis, Avalon und eben LUZIFER.

Besonders hart hatte ihn der Tod von Uschi Peters getroffen. Uschis Leben gegen seins!

Er hatte doch sterben sollen, um LUZIFER und seine Dämonen nach dem Untergang der Hölle und ihrer Ausbreitung auf der Erde nach Avalon zu bringen. Er hatte sterben wollen und hatte sich, so gut es eben ging, damit abgefunden: Blut und Tod eines Unsterblichen, damit LUZIFER von der Erde abließ. Das Schicksal des Einzelnen war nun mal hinter das Schicksal der gesamten Welt zu stellen. Das war schon schwer genug zu verarbeiten gewesen – nicht nur für ihn, auch für Nicole und seine anderen Freunde.

Zumindest gab es im Gegenzug aber einen fadenscheinigen Plan, wie alles doch noch zu retten gewesen wäre. Und dann das! Richard Devaine, der CIA-Agent, hatte einfach so Uschi getötet. Und Zamorras ganzer Plan war hin!

Sicher, er war kühn und völlig unsicher gewesen, dieser Plan. Aber immerhin war da dieser Funken Hoffnung gewesen, als er sich der Exekution durch LUZIFER gestellt hatte. Andererseits, Uschis unsterbliches Leben war durch das Schwert Ryffnoryl so schnell und so restlos aufgesogen worden, dass ihr Körper in Windeseile zu Staub zerfiel. Niemand hatte mehr etwas tun können, niemand hatte eingreifen können. Wäre das mit ihm ebenfalls passiert? Hätte es also keine Rettung für ihn geben können?

Wie auch immer dem war, es musste Spekulation bleiben. Denn er lebte, und Uschi nicht. Das wirklich Tragische daran war, dass Julian zwar in seiner Wut auf Asmodis so viel ungeschehen gemacht, aber seine Mutter dabei nicht hatte retten können.

Und nun schlief der Träumer, hatte den Lauf der Erde durch eine gigantische Zeitversetzung um Monate zurückgedreht. Hatte verhindert, dass sich Asmodis durch die Vernetzung der Black Spots zum Ministerpräsidenten der Erde (oder der Hölle?) aufschwingen konnte.

Nur, wie lange würde Julian so schlafen? Was passierte, wenn er aufwachte? Fragen über Fragen taten sich auf. Einstweilen hatten sie Julian hier im Château untergebracht, in einem Raum, in dem er ungestört blieb.

Einen Satz schreiben, eine Ewigkeit nachdenken, sich zusammenreißen, nächsten Satz – und ehe er sich’s versah, dachte er schon wieder nach. Er hatte geschrieben und geschrieben und nicht gespeichert.

Und jetzt war die Datei weg. Wer war nun schuld? Hieß es nicht, dass ein Computer nur so schlau wie sein Bediener war? Hieße das nicht …

Es klopfte.

»Herein! Wenn’s kein Computer ist.«

»Monsieur möchten vielleicht frischen heißen Kaffee?« Ein Mann mittleren Alters, in schwarzer Hose, blütenweißem Hemd und gestreifter Dienerweste betrat das Arbeitszimmer. Auf seiner linken Handfläche ruhte ein silbernes Tablett, auf dem wiederum eine Edelstahlthermoskanne sowie ein neuer Kaffeebecher standen.

»Danke, William, sehr freundlich.« Zamorra sah auf und lächelte, reichte dem Butler seine Tasse und nahm die neue vom Tablett.

William nahm die Thermoskanne und goss dem Professor ein.

Zamorra sog erst einmal das Kaffeearoma in seine Lungen. Hufeisenkaffee, wie er im Buche stand! So stark, dass selbst besagtes Hufeisen, wenn man denn den Frevel beging und es hineinwarf, nicht untergehen würde.

Leise wurde die Tür wieder geschlossen.

War das eigentlich selbstverständlich – einen Butler zu beschäftigen? Sicher, William wurde für seine Dienste mehr als gut bezahlt. Und William würde sicher nie etwas anderes sein wollen als ein Butler. Oder? Wenn es sich Zamorra eingestand, hatte er ihn nie danach gefragt.

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