Logo weiterlesen.de
Professor Zamorra - Folge 1010

Elektras Sehnsucht

von Simon Borner

Finn Cranston schlug den Kragen seines Mantels hoch und sah auf die Stadt hinab, die er beherrschte. New York City lag im Schattenkleid der Nacht, doch zwischen den Hochhäusern pulsierte das Leben nach wie vor.

»Herr?«

Finn drehte sich um. Der Vampir, der ihn angesprochen hatte, stand auf der Schwelle der Tür, die hier hinaus auf das Dach des Wolkenkratzers führte.

»Herr, Ihr … Ich bedaure, Euch zu stören, aber …«

Finn winkte ab, obwohl vampirischer Zorn durch seine Adern jagte. »Spuck’s einfach aus, Allan. Was gibt es für ein Problem?«

Der Vampir schüttelte den Kopf. »Kein Problem, Herr. Aber … dieser Mann, von dem Ihr gesprochen habt. Der, über dessen Kommen wir Euch unverzüglich informieren sollen – er ist da, Herr. Er ist wieder in der Stadt.«

Finn hob die Brauen. Sein Mund öffnete sich. Seine Zunge leckte über die Reißzähne. »Zamorra …«, knurrte er.

Endlich!

»Der Tod ist noch das Schlimmste nicht, vielmehr den Tod ersehnen und nicht sterben dürfen.«

Sophokles, Elektra

Prolog

Kein Ende

Das Leder schnitt in ihr Fleisch. Die breiten Bänder waren zwar innenseitig gefüttert, aber das machte jetzt auch keinen Unterschied mehr. Denn sie wehrte sich plötzlich doch; sie bäumte sich auf gegen die Fesseln, die sie rücklings auf die metallisch-kalte Pritsche zwangen. Sie wehrte sich, bis das Blut austrat.

Vergebens.

Es gab kein Zurück mehr und keine Hoffnung. Es würde geschehen. Weil es längst schon geschehen war. Unzählige Male.

Tränen stiegen ihr in die schreckensweit aufgerissenen Augen. Sie blinzelte sie weg, starrte ins Licht der grellen Neonröhren an der steinernen Decke. Sie war ein Käfer unter dem Mikroskop, ein entführter Erdenmensch im Raumschiff Außerirdischer – ein Nichts in der Forschung fremder, überlegener Wesen, und doch der Kern ebendieser Forschung.

Und sie war wehrlos.

Nicht einmal den Kopf konnte sie noch drehen. Mansfields gnadenlos starke Hände hatten ihn in eine Art Halterung gezwungen, und nun gab es nur noch Geradeaus, kein Rechts und kein Links mehr.

Dann kam das Summen.

Ihr Körper reagierte schneller als ihr Verstand, erkannte das Geräusch wieder und quittierte es mit absolut grenzenloser Panik! Für ein paar kurze, elende Momente war sie nur noch Furcht. Jede Faser ihres Leibes und jede Zelle ihres geschundenen Gehirns schrien danach, aufzustehen und zu fliehen, bevor der Schmerz zurückkam. Doch sie konnte nicht mehr fliehen, und der Schmerz würde kommen. Schrecklich und unerbittlich und scheinbar endlos.

Wie fühlte es sich an, wenn man starb?

Ein Gesicht erschien in ihrem Blickfeld. Ein länglicher Kopf mit Adlernase, dicker Brille, hoher Stirn und einem Operationshütchen, dessen Grau identisch mit dem des Mundschutzes war.

Mansfield.

»Wir wären dann soweit«, murmelte es hinter dem Mundschutz hervor, sachlich und unaufgeregt. »Wir machen’s wie üblich und beginnen mit einer geringen Dosis, einverstanden? Danach steigern wir uns.«

Nein. Sie war auf keinen Fall damit einverstanden. Nicht mehr. Was … was dachten sich diese Irren überhaupt dabei? Was taten sie ihr hier an?

Als das kalte Metall der Elektroden an ihrer Schädeldecke und den Schläfen angebracht wurde, schrie sie auf, doch der dicke Knebel aus stinkendem Gummi, den man ihr in den Mund gezwungen hatte, verschluckte fast jeden Laut.

Das Summen wurde intensiver.

Sie zitterte inzwischen unkontrolliert, begann zu weinen wie ein hilfloses Kind. Rotz lief aus ihrer Nase und auf ihre bebende Oberlippe. Alles vergebens.

»In Ordnung«, drang Mansfields Stimme aus dem Irgendwo des Summens und der Neonlichter herüber. »Ich glaube, wir starten heute mit fünfzig Volt.«

NEEEIN!

Der Strom floss. Aus dem summenden Gerät im Irgendwo über die Elektroden in ihren Kopf. Jenny Moffat bäumte sich in den Fesseln auf, als sich alle ihre Muskeln gleichzeitig zu verkrampfen schienen, und schrie, schrie, schrie.

Kapitel 1

Willkommen in Briarcliff

»Schmerz und Zerstörung bedeuten nicht das Ende der Welt – genauso wenig wie Verzweiflung oder deine beschissenen Schläge. Die Welt endet, wenn du stirbst. Bis dahin steht dir nun mal Leid ins Haus. Ertrag es wie ein Mann – und teile ruhig auch mal aus!«

David Milch, Deadwood

»Heilige Scheiße.«

Andy Sipowicz, vorübergehend beurlaubter Sergeant des New Yorker Police Department, nahm den Fuß vom Gaspedal des kleinen Seats, den ihm die AVIS-Filiale am Flughafen aufgezwungen hatte, und glotzte.

Das war Briarcliff?

Es war das erste Mal, dass er das Ziel seiner Reise in Augenschein nehmen konnte, und der Anblick des Gebäudes in der Abenddämmerung erfüllte ihn mit gehörigem Entsetzen. Die Bilder auf der Website, die er im Vorfeld studiert hatte, mussten Jahrzehnte alt sein, wenn nicht ein Jahrhundert! Fort waren die freundlichen Farben, fort war der sorgsam gepflegte Garten, fort die beeindruckende Gebäudefassade. Was er hier sah, glich eher dem dunklen Bruder der Anlage aus dem Internet.

Wo die Fotografien eine ausladende Parkanlage mit Bänken, einem See, einem Brunnen und kleinem Tennisplatz gezeigt hatten, herrschte nur mehr Wildwuchs. Der Wald hatte das Gelände längst zurückerobert. Dornengewächs und Buschwerk erstreckten sich fast bis zum Haus selbst, bedeckte den Boden nahezu blickdicht.

Und das Haus …!

Hätte statt des abendroten Himmels ein Gewitter gewütet, der Eindruck, den der alte Kasten nun auf Andy machte, hätte kaum gruseliger ausfallen können. Briarcliff präsentierte sich nach wie vor als imposantes, dreistöckiges, rechteckiges Gemäuer mit Schieferdach, großen, teils vergitterten Fenstern und einem Eingang, der mit seinem dunklen Tor und der davor gelegenen marmornen Freitreppe eines Kaiserpalastes würdig gewesen wäre. Doch der einstmals weiße Putz der Außenwände war inzwischen von Dreck und Witterungseinflüssen arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Fenster wirkten nahezu blind, und der Wind hatte wahre Berge an Blattwerk auf die Marmortreppe geweht. Andy ahnte, dass niemand kommen und sie fortkehren würde.

Er bremste den Seat, nahm die Karte vom Beifahrersitz und prüfte, ob er sich verfahren hatte.

Hatte er nicht.

»Das ist es«, murmelte er so erstaunt, als erwarte er Widerspruch vom Armaturenbrett. »Aber … Der Kasten sieht aus, als wohnten da nur noch Marder und Eichhörnchen!«

Sie bringen mich um, Andy!, hallte Jennys Stimme in seinen Gedanken nach. Nie zuvor hatte er sie so panisch erlebt wie in jener Nacht am Telefon.

Die Erinnerung genügte, ihn weiterfahren zu lassen. Skeptisch und mit einem höchst unguten Gefühl in der Magengegend steuerte er den Seat den Rest des Hangs hinauf.

Briarcliff thronte auf diesem wie ein König – bereit, ihm eine Audienz zu gewähren; aber auch, sardonische Strafen zu verteilen.

***

Zwölf Stunden zuvor.
City Island, Bronx

»Sipowicz.«

Schweigen. Andy presste die Hörermuschel fester an sein Ohr. Da atmete doch jemand!

»Hallo?«, versuchte er es erneut und unterdrückte ein Gähnen. Draußen schien der Vollmond zwischen den kahlen Ästen der Bäume, und sein fahles Licht fiel durchs Fenster in die Küche des kleinen Hauses, das Andy vor der Küste der Bronx mit Amy Williams bewohnte.

Die Atemzüge wurden lauter. Dann: »A … Andy?«

Es war nur ein geflüstertes Wort, doch es genügte ihm, die Besitzerin der Stimme wiederzuerkennen. Wie sollte er nicht? Nach allem, was sie gemeinsam durchgemacht hatten.

»Jenny Moffat?«

Augenblicklich fiel die Müdigkeit von ihm ab. Selbst die eisige Kälte des PVCs unter seinen nackten Fußsohlen – das Telefonklingeln hatte ihn aus dem Bett gerissen – merkte er kaum noch.

»A … Andy, du musst – du …«

Er runzelte die Stirn. Das war doch ein Scherz, oder? Eine Stimmenimitatorin oder so. Warum sollte eine der führenden Journalistinnen dieses Landes ihn mitten in der Nacht anrufen, einen kleinen Lieutenant des NYPDs?

»Hören Sie, Miss«, begann er ebenso scharf wie ratlos. »Ich weiß nicht, was für ein Witz das hier werden soll, aber vergessen Sie bitte umgehend diese Nummer, verstanden?«

Er wollte gerade wütend auflegen, da kam der Satz, der alles veränderte.

»Es … es geht um Zamorra!«

Zamorra. Andy spürte, wie ein kalter Schauer seinen Rücken hinaufzog. Seit Tagen träumte er von dem Dämonenjäger, sah ihn im Schlaf vor sich. Zamorra redete auf ihn ein in diesen Träumen, doch kein Laut drang über seine Lippen. Zumindest keiner, an den Andy sich noch erinnerte, wenn er verschwitzt erwachte und sich fühlte, als wäre da ein Loch in seinem Gedächtnis.

Zamorra.

»Ist da wirklich Jenny Moffat?«, fragte Andy leise. Irgendwo draußen heulte eine Autosirene, die Musik der New Yorker Nacht. »Die Jenny Moffat?«

»Ich brauche dich!«, gab die Stimme zurück. Sie klang regelrecht panisch, verzweifelt. Andy verstand zwar immer noch nicht das Wie und Warum, aber er spürte, dass dies kein Telefonstreich war – ganz und gar nicht. »Ich … sie bringen mich um, Andy!«

Das saß. Er mochte keinen Schimmer haben, was genau hier gespielt wurde, aber er war ein Cop – mit jeder Faser seines Körpers. Und Cops handelten.

»In Ordnung, wo … wo bist du?«, fragte er sachlich und fischte mit der Linken einen Bleistift vom Küchentisch. In Ermangelung von Notizpapier schrieb er sich die Adresse kurzerhand auf die Tapete. Amy würde ihn dafür zwar töten, aber Opfer mussten gebracht werden.

»In Briarcliff … Oben in Maine. Andy, du musst unbedingt … schnell, ich … sie kommen! Oh, Andy, nein, sie dürfen mich nicht …«

Klick.

»Jenny?« Staunend sah er ins Dunkel der Küche, doch die Leitung war plötzlich so tot, wie es die bekannte Journalistin ihren sorgenvollen Worten nach ebenfalls bald sein würde. »Was zum Teufel …«

Andy legte auf und glotzte das Display des Telefons an. Es war keine Nummer übertragen worden, von daher konnte er nicht zurückrufen. Aber er bezweifelte, dass dies überhaupt etwas gebracht hätte. Jenny Moffat hatte nicht geklungen, als ob sie das Gespräch freiwillig beendet hatte.

Briarcliff, Maine. Schweigend betrachtete er die Worte auf der Tapete. Er hatte den Namen noch nie gehört und keinen Schimmer, was damit gemeint sein sollte. Maine war eine ganze Menge Autostunden von New York entfernt, das stand mal fest.

Mit wenigen Schritten erreichte er das Wohnzimmer, wo er seinen alten Laptop hochfuhr. Dann begann er zu recherchieren. Mochte es auch spät und die Situation durchaus absurd sein – irgendetwas an diesem eigenartigen Gespräch hatte seinen Polizisteninstinkt gepackt und ließ ihn nicht mehr los.

Genauso wenig wie es der Mann aus seinen Träumen tat.

***

Gegenwart, Maine

Die Handbremse quietschte, als er sie zog. Die Fahrertür kopierte sie gekonnt. Andy stieg aus, verfluchte die schäbige Dreckskarre in Gedanken zum gefühlt fünfhundertsten Mal, und streckte sich. Die lange Reise von Manhattan hier hinauf in den vielleicht entlegensten Winkel Neuenglands saß ihm gehörig in den Knochen. Andy war mit seinen Mitte dreißig alles andere als ein Altes Eisen und als Cop auch durchtrainiert, aber die Tage, in denen er stupide Streife gefahren war, lagen weit hinter ihm. Er war es nicht mehr gewöhnt, ewig zu sitzen und nichts zu tun.

Das Briarcliff Manor Sanatorium schien keinen Parkplatz zu besitzen. Zumindest konnte er nirgends einen ausmachen. Wahrscheinlich war auch der überwuchert. Deshalb hatte Andy kurzerhand direkt vor der Marmortreppe angehalten. Nun besah er sich den Eingang genauer.

Die zweiflügelige Tür aus dunklem Holz gab dem gesamten Gemäuer etwas von einer Gruft, fand er. Und die eigenartige Stille, die hier draußen herrschte, unterstrich diesen Eindruck noch. Kein Straßenlärm, kein Windesrauschen, nicht einmal zwitschernde Vögel in den Baumkronen oder raschelnde Nager im Gebüsch konnte er hören. Für jemanden, der in New York aufgewachsen war und Straßenlärm für Normalität hielt, war das gleich doppelt ungewohnt.

Plötzlich, Andy hatte die Fahrertür kaum geschlossen, stutzte er. Trieb da die Paranoia mit ihm Schabernack, oder wurde er tatsächlich beobachtet? Das Gefühl war zumindest eindeutig – und normalerweise trog es ihn nicht. Neugierig sah er sich um, doch der dunkle, dichte Wald, der das Gebäude regelrecht einkesselte, schwieg weiterhin, und die Fenster Briarcliffs blieben so dunkel und blind wie zuvor.

Dann eben anders. Seufzend stieg er die kurze Treppe hinauf. Die trockenen Blätter raschelten unter seinen Schuhsolen. An der Tür angekommen, klopfte Andy – und der rechte Flügel glitt widerstandslos einen Spalt weit auf.

»Hallo?«, rief Andy. Zögerlich verbreiterte er den Spalt und steckte den Kopf hindurch. »Ist hier jemand?«

Jenseits der Schwelle wartete ein üppiges Foyer, das bis unters Schieferdach reichte. Eine mit dickem rotem Teppich bedeckte Wendeltreppe führte in die zwei oberen Etagen. Ein goldener Kronleuchter hing von der Decke, und in der Raumesmitte stand eine kleine weiße Statue auf einem schmalen Sockel. Sie zeigte eine nackte Frau und wirkte, als sei sie direkt aus der griechischen Antike nach Neuengland gebeamt worden.

Die Stille von draußen setzte sich im Gebäude fort. Menschen suchte Andy vergebens.

»Hallo? NYPD!« Letzteres war natürlich albern. Was hatte die New Yorker Polizei schon in Maine zu melden? Doch Andy war ein bodenständiges Gewohnheitstier, und gelernt blieb gelernt.

Schweigend trat er ins Gebäude und sah sich um. Erst jetzt bemerkte er die kleine Kabine, die rechts hinter der Tür lag – ein Empfangszimmer, wie es klassischer kaum sein konnte. Hinter einer Scheibe mit rundem Loch standen alte Aktenschränke und ein klobiger Tisch. An diesem saß ein Fleischberg von einer Frau und schlief.

Andy war so verblüfft, hier überhaupt jemanden anzutreffen, dass er sie einige Sekunden lang stumm anglotzte.

Zumindest vermutete er, dass sie schlief. Seine Paranoia suggerierte ihm etwas anderes, doch er beschloss, sie zu ignorieren. Zögernd klopfte er gegen die Scheibe. »Miss?«

Keine Reaktion. Andy klopfte lauter. »Miss!«

Der Fleischberg fuhr hoch, als hätte ihn jemand unter Strom gesetzt und dann in die Geisterbahn geworfen. Die Frau ballte abwehrend die Fäuste, sah sich um. Sie trug ein beigefarbenes Kostüm, das einer altmodischen Schwesternkluft glich, und hatte ihr braungraues Haar zu einem Dutt gebunden.

Andy lächelte freundlich. »Verzeihen Sie die Störung, Miss. Mein Name ist …«

»Misses«, unterbrach sie ihn pikiert.

»Mrs. … Stonemiller«, korrigierte er sich sofort und las den Namen von dem kleinen Schild, das an ihre ausladende Brust gepinnt war. »Mein Name ist …«

»Ich weiß, wer Sie sind, Mr. Sipowicz«, erwiderte Stonemiller ungehalten. Ächzend stemmte sie sich aus ihrem Sitz, der erleichtert quietschte, und schwankte auf das Empfangsfenster zu. »Bill unten aus Skowhegan hat befürchtet, Sie würden früher oder später hier auftauchen.«

Skowhegan war die kleine Gemeinde am Fuß der waldigen Hügel, die diese Gegend kennzeichneten – die letzte Bastion der zivilisierten Welt vor der Einsamkeit des Hinterlandes. Bill musste Lieutenant Bleeker sein, der hiesige Ordnungshüter. Andy hatte ihn schon von New York aus angerufen, doch der ebenso störrische wie aufbrausende Polizist hatte ihm schnell deutlich gemacht, dass er keinerlei Interesse hatte, für einen dahergelaufenen Sergeant aus der großen Stadt nach Briarcliff zu fahren und nach dem Rechten zu sehen. Falls Andy etwas von dem Sanatorium wollte, so Bleeker wütend, müsse er seinen »hochwohlgeborenen Wall-Street-Arsch«, was immer das auch sein sollte, schon selbst herbemühen.

»Lieutenant Bleeker erwies sich nicht als sonderlich kooperativ«, erklärte Andy dem Fleischberg. »Ich komme, weil …«

Stonemiller schien es sich zum Steckenpferd gemacht zu haben, niemanden ausreden zu lassen. »Ich werde den Doktor rufen«, sagte sie mit einem Seufzen, das deutlich machte, was sie von diesem für sie klar unnötigen Aufwand hielt. »Warten Sie so lange hier, verstanden?«

»Den Doktor? Mrs. Stonemiller, ich suche jemand ganz Bestimmten. Eine Jenny …«

»Warten«, befahl die Matrone in einem Ton, der Andy an Kasernenhöfe denken und umgehend verstummen ließ.

Stonemiller trat aus ihrer Kabine und verschwand in dem dahinter liegenden Korridor. Dieser lag in nahezu völliger Dunkelheit und führte kerzengerade in das schwarze Nichts. Schon nach wenigen Schritten sah Andy sie nicht mehr.

Schweigend und ein wenig ratlos schaute er sich um. Das Foyer wirkte nicht annähernd so heruntergekommen wie die Außenfassade, wohl aber alt. Die Tapete, die Holzverkleidung, die vergilbten Fotos in ihren staubigen Rahmen und die Gardinen erweckten den Eindruck, als sei die Zeit hier seit den 1960er Jahren stehen geblieben und die Putzfrau gleich mit. Doch die schwere Standuhr, die sich mit dem Rücken an die Wendeltreppe schmiegte, bewies laut tickend zumindest das halbe Gegenteil.

Andy trat zu der kleinen Statue. Die dargestellte Frau hatte die Arme klagend erhoben. Ihre Gesichtszüge waren hasserfüllt. Andy hatte noch nie viel für gehobene Kunst übrig gehabt; dieses Exponat fand er besonders hässlich.

»Du bist neu.«

Als die Stimme in seinem Rücken erklang, zuckte er zusammen und wirbelte herum. Es gehörte einiges dazu, ihn zu erschrecken – das Leben als Cop im Big Apple schulte einem sämtliche Sinne –, doch dem ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Professor Zamorra - Folge 1010" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen