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Professor Zamorra - Folge 1001

Tod auf Avalon

Von Christian Schwarz & Manfred H. Rückert

Asmodis wimmerte wie eine verdammte Seele in den Klauen der Peinteufel.

Noch immer stand der Erzdämon im kolumbianischen Dschungel innerhalb der Sphäre und starrte auf den riesigen, engelhaften Schattenriss inmitten des grellweißen Lichts. LUZIFER, der HÖLLENKAISER, den er tot gewähnt hatte, hatte sich ihm soeben offenbart!

Und ihn an dem ebenso irrwitzigen wie genialen Plan teilhaben lassen, mit dem er den Jahrmillionen Jahre alten Fluch überwunden hatte. LUZIFER war geschwächt, aber er lebte! Er hatte sein Gefängnis in der Tiefe gesprengt und war nun frei.

Allein daran hatte Asmodis schon mächtig zu knabbern. Doch nun setzte der KAISER zu einer weiteren Enthüllung an, die den Erzdämon in seinen Grundfesten erschütterte.

»Höre nun deine eigene Geschichte, Asmodis. Und die deines Bruders Merlin …«

Asmodis’ Erinnerungen

Asmodis begriff immer noch nicht so richtig, wie ihm gerade geschah. Nachdem es ihm im zweiten Anlauf gelungen war, bis zum geheimnisvollen Ölsee inmitten der Sphäre im kolumbianischen Dschungel vorzudringen, hatten sich Schock und überschäumende Freude zunächst die Waage gehalten. Denn Asmodis war nicht, wie bis zu diesem Zeitpunkt angenommen, auf Urdämonen getroffen, die den Untergang der Hölle überlebt hatten.

LUZIFER selbst hatte sich ihm offenbart!

Der HÖLLENKAISER, den Asmodis tot gewähnt hatte, einem Jahrmillionen Jahre alten Fluch zum Opfer gefallen, der die unbegreifliche Entität gezwungen hatte, sich alle einhunderttausend Jahre unter Todesangst in einem zunächst unbekannten Wesen namens JABOTH zu erneuern oder unterzugehen, wenn er dabei versagte. Dieser Fluch war vom einst siebenköpfigen Schöpferkollektiv ausgesprochen worden, dem LUZIFER angehört hatte, denn der Rebell hatte sich in totaler Selbstüberschätzung und einer nahezu grenzenlosen Überheblichkeit gegen die sechs anderen gestellt und sie und ihre Ideale verraten. Die Verbannung in die Tiefe und der Fluch, den sie über ihn verhängt hatten, hätten seiner Läuterung dienen sollen. Vergeblich. LUZIFER hatte nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet.

Und jetzt war er frei. Sein Verhalten hatte ihm schlussendlich recht gegeben …

Bei der letzten Erneuerung LUZIFERs, während der er seinen irrwitzigen Befreiungsplan durchgezogen hatte, war Asmodis schon keine besonders ruhmreiche Rolle zugedacht gewesen. Und nun knabberte der ehemalige Fürst der Finsternis daran, dass ihn der HÖLLENKAISER erneut benutzte: Um die sieben Tränen einzusammeln nämlich, die der gefallene Rebell einst beim Sturz in die Tiefe vergossen hatte. LUZIFER brauchte diese Tränen, um wieder erstarken zu können. An der stärksten, der vor allen anderen gewünschten, der Avalon-Träne, war Asmodis allerdings kläglich gescheitert. Stattdessen hatte er dem KAISER versprochen, ihm ersatzweise alle anderen Tränen und Tränensplitter zu besorgen.

Und nun also würde Asmodis seine eigene Geschichte hören. Und die seines Bruders Merlin, möglicherweise die Geschichte ihrer Herkunft, die irgendwo im Abgrund der Zeiten verborgen lag. Damit wollte sich LUZIFER, wie er sagte, seiner Treue versichern. Seit kurzer Zeit wusste der Erzdämon, dass die Herrin vom See, die geheimnisvolle Hüterin Avalons, seine und Merlins Mutter war. Mehr aber auch nicht. Was würde da noch nachkommen?

»Eure Geschichte beginnt, als ich die Tote Zeit entließ, um mein Gefängnis in der Tiefe umzuformen und damit eine unglaubliche Katastrophe im Multiversum auslöste«, begann LUZIFER. »Aber sieh selbst …«

Das weiße Licht geriet in Wallung. Lichtkaskaden schossen nach allen Seiten weg und ließen den gefallenen Engel für einen Moment als Mittelpunkt eines wunderbaren Strahlenkranzes erscheinen. Dann verblasste LUZIFERs Schatten mitsamt den Strahlen …

***

Abgrund der Zeiten

… und der Weltraum schälte sich aus dem Licht. Klar und deutlich sah Asmodis das Bild, das sinnbetörende Funkeln und Gleißen der Sterne, die so dicht standen, dass sie eine Wand zu bilden schienen. Ein Ausschnitt wurde herangezoomt, ein einzelner Planet nahm gleich darauf die gesamte Projektionsfläche ein.

Asmodis kniff die Augen zusammen. Was beim dreischwänzigen Höllenhund ist das?

Auf der Galerie eines gigantischen Gebäudes stand ein hochgewachsener Mann mit stechenden Augen und einem Umhang, der ihn wie ein Superheldencape umwehte. In der Schließe seines Gürtels war ein blauer Kristall eingearbeitet. Ein Dhyarra. Im selben Moment wusste Asmodis, dass der Mann Goram hieß. Goram starrte über ein metallisches Areal hinweg, das sich bis zum Horizont erstreckte. Zwei ringförmige Raumer schwebten über der Planetenoberfläche. Einer sank langsam nach unten, während der andere langsam stieg, um kurz darauf zu beschleunigen und in der grauen Atmosphäre zu verschwinden.

Asmodis kannte diese 750 Meter durchmessenden ringförmigen Jagdboote. Genauso wie die kleineren Jäger und die noch größeren Supra-Kreuzer, die auf der gigantischen metallenen Fläche in Reih und Glied standen. Eine unglaubliche Flotte von Raumschiffen.

Die Ewigen?, dachte er verblüfft. Was habe ich mit denen zu tun? Wahrscheinlich bin ich im falschen Film.

War er nicht. Im selben Moment konnte er an Gorams Gedanken teilhaben, als wären es seine.

Was ist nur Großartiges aus unserem Volk geworden?, dachte Goram voller Stolz. Dabei meinte er aber nicht die Normalen, sondern die Ewigen, denen er selbst angehörte. Vor mehr als tausend Jahren hatte das Urvolk angefangen, den Weltraum zu erobern und war dabei auf die sagenhaften blauen und schwarzen Sternensteine, Dhyarra-Kristalle genannt, gestoßen. Das hatte die Gkirr auf den Plan gerufen, ein kriegerisches Volk, das dem seinen eine vernichtende Niederlage beigebracht hatte.

Wie schmerzlich und demütigend muss der Exodus gewesen sein, als mein Volk daraufhin die Heimatwelt ins Ungewisse verließ, wie unglaublich groß der Hass auf die Gkirr!

Der legendäre Schedol hatte das komplette Volk schließlich ins System einer blauen Sonne geführt und ihm dort eine neue Heimat gegeben. Nun ja, fast das komplette Volk, denn die Legende besagte, dass sich eine nicht unerhebliche Anzahl von Individuen geweigert hatte, den Planeten zu verlassen und lieber zu sterben, anstatt die alte Heimat aufzugeben.

Die Strahlung der blauen Sonne hatte, im Zusammenwirken mit den unheimlichen Kräften der Dhyarra-Kristalle, eine kleine Zahl der Neuankömmlinge genetisch verändert und unsterblich werden lassen. Längst vermehrten sich die Ewigen untereinander und bildeten ein Volk im Volk. Sie stellten unglaubliche Waffen her, vor allem hier auf dem Stahlplaneten, und unternahmen Eroberungsfeldzüge viele Tausend Lichtjahre in die umgebenden Raumsektoren hinein. An der Spitze der Ewigen stand Tilgerd, der zweite ERHABENE, der seinen Vater Schonar, den ersten ERHABENEN, getötet und abgelöst hatte – dadurch, dass er wie schon Schonar seinen Dhyarra mit Geisteskräften zu elfter Ordnung aufgestockt hatte und so über die ultimative Macht verfügte. Natürlicherweise reichten die Kräfte der verschieden starken Dhyarras nur bis zur Ordnungszahl zehn.

Unwillkürlich umklammerte Goram seinen Dhyarra zehnter Ordnung, den er in einer Hosentasche trug. Ich traue mir ebenfalls zu, meinen Dhyarra zu elfter Ordnung aufzustocken, wenn nicht gar zu zwölfter. Demnächst werde ich mich daran machen.

Und dann kannst du mich nicht mehr zurückweisen, du kleines Miststück. Wenn ich erst die absolute Macht habe, werde ich dich einfach nehmen und dich dann entsorgen wie ein Stück Cyber-Abfall!

Mit diesen wenig schmeichelhaften Gedanken meinte Goram die wunderschöne Nirena, die als oberste Produktionsleiterin im Cy-Dome die Massenproduktion der Cyborgs überwachte. Er verzehrte sich geradezu nach ihr, konnte kaum noch schlafen wegen ihr.

Als ob seine Gedanken sie gerufen hätten, trat die junge Frau mit der atemberaubenden Figur und den feuerroten Haaren aus der Tür eines Nebengebäudes und ging hinüber zu den Offiziers-Logen. Dort besaß sie, wie Goram und einige andere auch, Räumlichkeiten, in die sie sich zurückziehen konnte, um etwas auszuruhen oder sich für eine weitere anstrengende Schicht frisch zu machen. Denn die Cyborg-Produktion lief rund um die Uhr auf Hochtouren. Kein Ewiger wollte sich mehr den Gefahren einer Raumschiffreise aussetzen, aus Angst, das wertvolle ewige Leben zu gefährden. Denn die Elitären wussten längst, dass ihnen nur eine relative Unsterblichkeit geschenkt worden war. Gewalteinwirkung tötete auch sie.

Goram schien es plötzlich, als blicke Nirena kurz zu ihm hoch. Es durchfuhr ihn wie ein Laserschwert. War sie doch nicht so gleichgültig ihm gegenüber, wie sie immer tat? Fast automatisch setzte er sich in Bewegung, während sich sein Magen mit jedem Schritt weiter zusammenzog. In einem Antigravfeld schwebte Goram nach unten und ging eiligen Schrittes über das Stahlfeld zu den Offiziers-Logen. Zwei Wach-Cyborgs, die sich äußerlich nur in ihrer schwarzen Kleidung von seinem Volk unterschieden, grüßten den Raumflottenkoordinator, den höchstrangigen Ewigen auf dem Stahlplaneten, ehrerbietig und ließen ihn durch.

Goram lenkte seine Schritte durch einen langen, kahlen Gang, vorbei an seinem eigenen Quartier. Das Nirenas lag weiter hinten im Gebäude. Er war froh, dass er niemandem begegnete. Sein Herz klopfte wie verrückt, als er kurz vor der geschlossenen Tür mit Nirenas Bild darauf verharrte. Dann gab er sich einen Ruck und drückte vorsichtig dagegen. Verschlossen. Natürlich.

Der Raumflottenkoordinator umklammerte seinen Dhyarra zehnter Ordnung und stellte sich in einem klaren Bild vor, wie er die Tür vor sich aufdrücken konnte. Und tatsächlich. Gleich darauf schwang sie lautlos nach innen. Die zehnte Ordnung hatte die achte bezwungen, denn stärker war Nirenas Kristall nicht.

Goram schluckte zwei Mal, dann betrat er Nirenas Räume. Ein Duft nach frischem Körperöl umfing ihn und ließ ihn schwer atmen. Auf dem Boden lagen ihre Kleider. Als er die nächste Tür einen Spalt aufstieß, sah er sie vor dem Spiegel stehen.

Vollkommen nackt.

Sie zog gerade ihre Augenkonturen nach.

Goram fühlte einen nicht mehr kontrollierbaren Rausch. Er schnaubte laut. Nirena fuhr herum. Ihre Augen wurden groß. »Raumflottenkoordinator«, zischte sie. »Was wollt Ihr hier? Sofort raus.«

Goram dachte nicht daran, er hörte nicht einmal, was sie sagte. Sie wich zwei Schritte zurück, als er auf sie zustürzte, sie packte und wie von Sinnen gegen die Wand warf.

Nirena schrie und wehrte sich, kam aber gegen den körperlich überlegenen Goram nicht an. Er packte sie und schleppte sie ins Schlafzimmer nebenan, wo er sie brutal aufs Lager warf und sich auf sie warf.

»Warum wehrst du dich gegen mich? Du willst es doch auch, ich weiß es«, keuchte er.

Im nächsten Moment brüllte der Raumflottenkoordinator wie ein waidwundes Kuwara. Seine Muskeln zuckten unkontrolliert. Mit Inbrunst presste Nirena den Elektrostecher, den sie unter ihrem Kopfkissen verborgen gehalten hatte, gegen seinen Hals.

Bewusstlos sank Goram über ihr zusammen.

Hmhm … Asmodis klopfte mit den Fingern auf seinem Bauch herum. Bis jetzt war er nur mäßig interessiert.

Als Goram zu sich kam und sein Gehirn wieder die volle Leistungsfähigkeit erreichte, erschrak er zutiefst. Er saß gefesselt auf einem Stuhl. Nirena stand vor ihm und starrte ihn hasserfüllt an. Der Mann an ihrer Seite war kein anderer als – Tilgerd, der ERHABENE!

»Was hast du mit meiner Tochter gemacht!«, brüllte der ERHABENE und präsentierte demonstrativ seinen Dhyarra. Der blaue Sternenstein funkelte im künstlichen, kalten Licht des Verhörraumes, als repräsentiere er eine andere Welt.

Tochter? Nirena war Tilgerds Tochter? Für Goram brach eine Welt zusammen. Warum hatte er das nicht gewusst? Warum hatte sie sich bedeckt gehalten?

»Ich töte Euch, Ihr Abschaum!«, brüllte Tilgerd weiter.

»Nein«, keuchte Goram, »das werdet Ihr nicht tun, ERHABENER. Das könnt selbst Ihr Euch nicht leisten. Meine Familie ist viel zu mächtig, sie würde sich blutig rächen.«

»Er hat recht«, kam ihm überraschenderweise Nirena zu Hilfe. Wie betörend schön sie auch jetzt wieder aussah!

Der ERHABENE hielt inne. Er überlegte einen Moment. »Also gut«, sagte er dann. »Aber ich kann etwas Anderes tun, das vielleicht eine noch größere Strafe sein wird.«

Goram verspürte ein flaues Gefühl im Magen.

»In zwei Tagen startet das Forschungsschiff WAIRENA II in den Sektor 7-9-14-S. Und Ihr, Goram, werdet mit an Bord sein. Mehr noch, Ihr werdet die Expedition leiten.«

Der (Ex-)Raumflottenkoordinator erschrak. »ERHABENER«, sagte er fast bettelnd, »das könnt Ihr nicht tun. Dieser Sektor ist gefährlich. Er soll von den Gkirr verseucht sein.«

Tilgerd grinste höhnisch und wirkte damit ansteckend auf seine Tochter. »Was Ihr nicht sagt, Goram. Tatsächlich scheinen sich die Gkirr dort zu sammeln, um uns erneut anzugreifen. Aber wir wissen es nicht genau. Ihr werdet es für uns herausfinden.«

»Aber …«

»Das ist ein Befehl, Goram, dem Ihr Euch nicht widersetzen könnt. Auch Eure Familie kann nichts dagegen tun. Und solltet Ihr versagen, habt Ihr den Euren Schande bereitet und sie werden Euch ausstoßen, vielleicht sogar selbst töten. Falls Ihr lebend zurückkommen solltet.«

»Dreckiger Bastard.«

»Verliert Ihr etwa die Fassung, Goram? Aber nicht doch. Ganz so schlimm wird es nämlich nicht. Ihr bekommt fünfzig weitere Verräter und Aufsässige aus den Reihen der Ewigen zur Seite gestellt, ergänzt durch zweihundert Cyborgs. Und Ihr bekommt mit der WAIRENA II einen Supra-Kreuzer. Ich denke, das sollte genügen.« Tilgerd grinste erneut und brachte sein Gesicht ganz nahe an das Gorams. Die plötzliche niedere Anrede war Zeichen seiner großen Verachtung. »Ach ja, und solltest du versuchen zu fliehen, werde ich nicht nur die WAIRENA II mit einem Fernimpuls zerstören lassen, sondern nach und nach auch deine komplette Familie vernichten.«

***

Der 1500 Meter durchmessende Ringraumer hatte bereits drei Gefechte gegen die Gkirr gewonnen, dabei aber schwere Schäden davongetragen. Deshalb ließ Goram die WAIRENA II in einem Asteroidenring mittreiben, um sich erst einmal aus der Schusslinie zu nehmen und um die ärgsten Schäden zu beheben. Tatsächlich gab es hier einen nie gesehenen Auflauf von Gkirr-Schiffen aller Größen. Es war ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebten. Natürlich spielten auch Gorams überragende Fähigkeiten als Raumschiffskommandant eine gewisse Rolle.

»Herr«, sagte der Cyborg an der Ortungsstation, als sich der Raumer zwischen vier extrem großen Brocken verbarg. »Ich messe hier völlig fremdartige Impulse im siebendimensionalen Bereich. Kein Computerprogramm kann sie zuordnen oder auch nur einigermaßen schlüssig analysieren.«

Goram spürte zum sicher tausendsten Mal die furchtbare Angst, trotz seiner Unsterblichkeit vielleicht doch hinübergehen zu müssen. »Geben unsere Bordsysteme Alarm?«

»Negativ.«

»Dann werden wir trotzdem erst mal hier bleiben. Hier können uns die Gkirr garantiert nicht orten. Zudem vermuten sie uns sicher nicht an einem derart gefährlichen Ort.«

Während die Cyborgs die WAIRENA II in fieberhafter Eile reparierten, wurden die Ewigen an Bord von Albträumen heimgesucht. Goram träumte, in seiner Entwicklung einen gewaltigen Schritt nach vorne zu tun, indem er seinem Körper jede beliebige Form geben konnte. Er verformte sich zu einem Tisch. Als er erwachte, fühlte er sich unwohl. Er starrte auf sein Bett, in dem er eigentlich liegen sollte. Stattdessen sah er vier metallene Beine, als er an sich herunterblickte.

Das ist verrückt. Ich kann nicht zwischen Realität und Albtraum unterscheiden!

Goram stellte sich vor, im Bett zu liegen und zu schlafen. Kurze Zeit später erwachte er dort. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Am nächsten Tag schrak er plötzlich zusammen. Er glaubte immer noch zu träumen. Hoch Bar, ein Ewiger, wie er, zerfloss vor seinen Augen zu einer glibberigen Masse. Gleich darauf stand er wieder in seiner menschlichen Gestalt vor ihm.

»Was war das?«, murmelte Hoch Bar und drehte sich ein paar Mal um sich selbst. Angst war in seinen Augen zu lesen. »Für einen Moment dachte ich, ich sei jemand anderer.«

»Du warst jemand anderer«, berichtigte ihn Goram, der ein gelindes Grauen fühlte. Was ging hier vor?

In den kommenden Tagen wurde den Ewigen endgültig klar, dass sie plötzlich ihre Körper verformen und alle möglichen beliebigen Gestalten annehmen konnten. Am Anfang klappte es noch nicht so richtig, mit fortschreitender Übung – und der Zunahme der seltsamen Strahlung – immer besser. Gleichzeitig wurden die Ewigen aggressiver und nahmen Abstand voneinander. Sie konnten sich plötzlich nicht mehr riechen, sahen sich als Feinde und Konkurrenten.

Asmodis beugte sich nun deutlich gespannt vor. Eine dumpfe Ahnung kroch in ihm hoch. Er weigerte sich, sie in sein Bewusstsein zu lassen.

Goram war der erste, der als riesiger greller Feuerball auf einem Asteroiden landete. Zu seiner grenzenlosen Überraschung schadete es ihm nicht. Im Gegenteil. Er war nun jemand anderer. Die unendlichen Weiten des Weltraums standen ihm offen. Er war unbezwingbar, ein machtvoller Mutant. Und er hasste die Anderen, die genauso waren wie er. Er musste möglichst weit weg von ihnen. Doch zuvor hatte er noch etwas zu erledigen. Etwas, das ihm auch in seiner neuen Existenz auf der Seele brannte und ihn verzehrte!

Kurze Zeit später verließen rund fünfzig Feuerbälle die WAIRENA II und zerstreuten sich in alle Himmelsrichtungen. Goram aber flog das System der roten Riesensonne an, in dem sein ehemaliges Volk nun lebte, nachdem das Blaue System untergegangen war. Als kleiner Asteroid schmuggelte er sich an den Sicherheitssystemen der Ewigen vorbei, die über die Sicherheit des Stahlplaneten wachten. Auch wenn er hier die seltsame Strahlung, der er seine neue Existenz verdankte, nicht mehr spürte, so fühlte er sich doch weiterhin unbezwingbar, denn er war nicht von ihrer direkten Existenz abhängig.

Nirena war zum Raumflottenkoordinator aufgestiegen. Er erwischte sie in seiner alten Gestalt, nachdem er als greller Feuerball vor ihr eingeschlagen hatte. Dieses Mal bekam Goram, was er schon immer haben wollte. Die schreiende und gleichzeitig geschockte Nirena hatte ihm nichts entgegenzusetzen.

Einige Zeit später brachte Nirena, die das seltsame Ereignis noch immer als besonders starke Manifestation ihrer Urängste betrachtete, ein Kind zur Welt. Und was für eines! Eines, das die Ewigen in dieser Form noch niemals gesehen hatten. Blauhäutig, in der Farbe der Dhyarra-Kristalle, wunderschön, aber mit schockgrünen Augen und Schmetterlingsflügeln versehen.

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